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Archives: Sonntag, 3. Januar 2021

2021 3 Jan.

Uli’s Favoriten 2020

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Nun wird es endlich Zeit, wo doch das neue Jahr schon angebrochen ist, meinen Jahresrückblick zu schreiben. Der wird dieses mal aus 33 Favoriten, 11 Wiederveröffentlichungen und 3 Nachträgen für 2019 bestehen und zieht dabei einen spannenden Bogen zwischen meiner zweiten Phase der Musiksozialisation und der Gegenwart. Einer der wichtigsten Protagonisten ist hier Jon Hassell, dessen Alben mich vom ersten Hören an in ihren Bann gezogen haben und dies, nicht nur bei den Reissues, auch heute noch tun. Andere waren und sind Brian Eno und der jüngst von uns gegangene Harold Budd, deren Plateaux of Mirrors ich zum ersten mal in einer kaputten Anlage in einem alten, schrottigen R4 bei der Fahrt in den Sonnenuntergang hörte. Die Musik hat trotzdem funktioniert und fasziniert. Womit der 4. Musiker der Ambient 1-4 Serie, Laraaji natürlich nicht fehlen darf, dessen Sun & Moon Piano es zwar knapp nicht in meine Favoriten geschafft haben, aber dafür der grandiose, einfache Konzertmitschnitt Through Luminous Eyes, wo Laraaji ganz entspannt mit einer Hand Piano und mit der anderen Zither spielt. Ein weiteres Highlight ist Markus Stockhausens Wild Life, das ein überbordendes Statement seiner Kreativität und Originalität ist. 

 
 

 
 

    1. Stephan Thelen – World Dialogue
    2. Peter Schwalm/Arve Henriksen – Neuzeit
    3. Jon Hassell – Seeing Through Sound
    4. Max De Wardener – Music for Detuned Pianos
    5. Eivind Aarset/Jan Bang – Snow Catches On Her Eyelashes
    6. Roedelius – Selbstportrait: Wahre Liebe
    7. Phillip Sollmann – Monophonie
    8. Bohren & Der Club Of Gore – Patchouli Blue
    9. Pantha Du Prince – Conference Of Trees
    10. Paradise Cinema
    11. Ceeys – Hausmusik
    12. Echo Collective – The See Within
    13. Irmin Schmidt – Nocturne
    14. Yello – Point Yello
    15. Jo David Meyer Lysne/Mats Eilertsen – Kroksjø
    16. Roger Eno/Brian Eno – Mixing Colours (Extended)
    17. Samuel Rohrer – Continual Decentering
    18. Maxwell Sterling – Laced With Rumour: Loud-Speaker Of Truth
    19. Markus Stockhausen – Wild Life
    20. Deux Balaines Blanches – Singende Drähte
    21. Laraaji – Through Luminous Eyes
    22. Die Wilde Jagd – Haut
    23. Cosmo Sheldrake – Wake Up Calls
    24. Nicolas Jaar – Cenizas
    25. Eyvind Kang – Ajaeng Ajaeng
    26. Giorgi Mikadze – Georgian Microjamz
    27. Acid Pauli – MOD
    28. Sonar w. David Torn – Tranceportation Vol 2
    29. Robin Guthrie/Harold Budd – Another Flower
    30. Loma – Don’t Shy Away
    31. Sevdaliza – Shabrang
    32. Jonny Nash & Teguh Permana – Poe
    33. Christina Vantzou & JAB – Landscape Architecture

 

Bei den Reissues sind die Japaner mal wieder gut vertreten wobei ich hier besonders auf das exzentrische Anecdotes von Motohiro Yamase, verweisen möchte, das einen eigenständigen, magischen  Entwurf zur japanischen Fourth World Music darstellt. Ebenfalls erwähnenswert ist der Japaner Yas-Kaz, der lange auf Bali lebte und sich mit der dortigen Musikkultur intensiv auseinandersetzte und mit seinem Schaffen Musiker wie Ryuichi Sakamoto, Midori Takada und Shoji Yamashiro stark beeinflusste.

 

    1. Jon Hassell – Vernal Equinox
    2. Ryuichi Sakamoto – Hidari Ude No Yume
    3. Hiroshi Yoshimura – Green
    4. Jon Hassell/Farafina – Flash Of The Spirit
    5. Ultravox – Vienna
    6. Various Artists – From Brussels with Love
    7. Motohiko Yamase – Anecdote
    8. Young Marble Giants – Colossal Youth
    9. Yas-Kaz – Jomon-Sho
    10. Roedelius – Tape Archive Essence 1973-1978
    11. Julia Kent – Green and Grey (Expanded)

 
 
 
              
 
 
 
Schließlich kommen die Nachträge zu 2019, die völlig unterschiedliche Ideen verwirklichen:
 

    1. Jessica Ekomane – Multivocal (elektronische Installationsmusik zwischen Ligeti’s Metronomkonzert und Steve Reich’s Experimenten mit subtilsten Rhythmusverschiebungen)
    2. Henrik Schwarz & Alma Quartet – CCYMK (Elektronische Improvisationen und Live Bearbeitungen mit einem Streichquartett – experimentell und dennoch bestens hörbar)
    3. Toshinori Kondo – Blow The Earth (India) (frischer Wind von dem japanischen Trompeter zwischen Jazz, Duo und Elektronischem, atmosphärisch enorm dicht und fein gewebt)

2021 3 Jan.

Im Wald und im Gehäuse

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Keine Ahnung, warum die drei schon deutlich älteren Damen für ihren Neujahrsspaziergang in feiner Kleidung ausgerechnet matschige Waldwege auswählten. Ich und die Hundelady haben sie jedenfalls nicht kommen sehen. Als die drei dann kurz vor uns sind, bleiben sie stehen, die erste schaut runter, hebt ihre Hände. Bevor ich reagieren kann, fasst meine kleine Begleiterin diese Geste als Aufforderung zum Spiel auf, springt an der Dame hoch und hinterläßt einen sehr exakten Abdruck ihrer Pfote in matschbraun auf der pastellblauen Hose. Ich ermahne streng und scharf und will mir die Hündin schnappen, beides wird von den Damen kommentiert: „Abstand bitte! Kommen Sie mir nicht zu nahe!“ und hämisch „Gut erzogen, ihr Hund!“ Ich leine wieder an, murmel eine Entschuldigung und suche das Weite.

Zu Hause dann Lust, „The Notwist“ zu hören. 12 Jahre ist es her, dass „The Devil, You + Me“ veröffentlicht wurde. Ich habe mir die CD damals sicher sofort gekauft; „Neon Golden“ war von  vielen ein Lieblingsalbum, von mir auch. Der Nachfolger von 2008 ist unauffälliger, aber nicht weniger rund. Insgesamt träumt das Album im mittleren Tempo vor sich hin, mal setzt der Beat aus, mal die Melodie, mal das elektronische Gefrickel, Geschmatze oder Geklöppel, doch fallen die Songs nie auseinander: Wie in einem Uhrwerk bewegen sich auf engstem Raum viele kleine Klänge und halten die Dinge zusammen und im Fluß, selbst wenn es den Anschein hat, als ob die Songs ins Nirgendwo mäandern. Nichts drängt sich auf, die Musik ist vielschichtig, detailliert, Distanz und Emotion, Tag und Nacht, Wachheit und Schlaf, Melodie und Geräusch sind genau austariert. Der Titelsong beginnt mit Tönen, die beim Einstimmen der Instrumente und Verstärker im Proberaum entstehen können, aus denen sich dann langsam eine Melodie entwickelt – akustische Gitarre, der vorsichtige Gesang von Markus Acher – dann bringen irgendwann, fast unbemerkt, zusätzliche Instrumente die Sterne am Songhimmel zum Funkeln. Und so schafft auch diese Platte einen anderen grünen Planeten, mit roten Wäldern, seltsamen Federvieh und unterschiedlichen Größenverhältnissen. Die drei Damen haben da keinen Platz, aber die Hündin liegt zufrieden auf ihrem Kissen.


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