Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Donnerstagabend, die abendliche Fahrt im Sammeltaxi nach der Arbeit nach Hause. Im Fahrzeug auf der Rückbank hinter mir ein älterer Herr. Das allgegenwärtige Thema „WM“. Die immer wieder vorgebrachte These, dass, wer die Nationalhymne nicht mitsingt in diesem Land, in dieser Mannschaft keinen Platz habe, keinen Platz haben darf. Die auf meine Gegenfrage, ob denn, wer in der Kirche am Lautesten mitsingen würde, dann auch der Gläubigste im Kirchenschiff sei, und ob nicht seine Generation sich mit der lautstark von allen mitgesungenen, unseren Nationalhymne auskennen würde, einsetzende Stille im Fahrzeug: unbezahlbar. #justsayin‘

Der Eisblock schmilzt, langsam, aber stetig. Und wenn graue Wolken deinen Himmel verhangen zeigen, Gespräche wirken, als würde einem ein Eimer Eiswasser ins Gesicht gekippt, dann zieh‘ Dir deine Jacke an, es bleiben Dir die altbekannten Wege, die ausgetrampelten Pfade hinunter zum Fluss an den grünen Weiden entlang. Und das Cello Album von David Darling als Begleiter auf den Ohren. Empfehlung: anhören! Tröstend und ganz weit entfernt von den doch manchmal harschen, durchdringend „sägenden“ Cellotönen, die man aus den Streichquartetten in der Klassik kennt. — Kommst du anders von deinem Spaziergang wieder? Nein, aber der Kopf ist doch etwas freier. Bis der Abend kommt, und die Gedanken zurückkehren.

2018 12 Jun

Zwölf Sechs Achtzehn

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Tage wie dieser: Samstagnachmittag. Auf dem Weg nach Oberhausen, mit dem Zug. Drei Sitzreihen vor mir ein Junggesellinnenabschied. Das Übliche: ein Mädel mit Bauchladen, es werden Süssigkeiten und andere trinkets verkauft. Die Kostümierungen (rosa!) sprechen für sich. Einige Sitzreihen hinter mir Jungs, die auch ihre lautstarke Feierfunktion aktiviert haben. Ob sie zu der Frauengruppe vor mir gehören, lässt sich nicht feststellen.

In meinem Rucksack krame ich nach meinen Kopfhörern, die ich schnellstens zum Musikhören aufsetzen muss.

Im Bahnhof Oberhausen angekommen, werde ich von ähnlich motivierten Mitmenschen (an ihrer Lautstärke sollt ihr sie erkennen!) förmlich überrannt; in die Bahnhofsbuchhandlung flüchtend, erfahre ich, dass die Grossveranstaltung „Oberhausen Olé“ dieses Publikum in die Stadt gelockt hat. Ich kaufe für einen Freund eine Ansichtskarte von Oberhausen, damit er später seinem zu Hause wartenden Sohn schreiben kann, und gehe andere, meine eigenen Wege in die Fussgängerzone, um ihn zu treffen.

Tage wie dieser: Montagnachmittag. Festgestellt, dass ich bestimmte Songs momentan eher nicht hören sollte; weil sie mir einen Kloss in den Hals zaubern und ich schwer an mich halten muss. Und das Phänomen erleben, dass man diese Lieder dann erst recht hören will. Und auch hört. Zu Hause sieht mich keiner dabei. Tage wie dieser.

 
 
 

 

2018 6 Jun

Sechs Sechs Achtzehn

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„Everyone carries a room about him. This fact can be proved by means of the sense of hearing. If someone walks fast and one pricks up one’s ears and listens, say at night, when everything round about is quiet, one hears, for instance, the rattling of a mirror not quite firmly fastened to the wall.“

(Kafka, „The Blue Octavo Notebooks“)

 

„As a very sensitive child, I reacted to the violence around me by internalising everything. I closed all the shutters, build up walls, became as perfect as I could be, in order not to be hit. My only refuge was music, and I totally disappeared into the internal landscapes it opened up to me.“ 

(Max Richter, Liner Notes „The Blue Notebooks“, 2018 Anniversary Edition)

 

 

Vor kurzem erschien eine Jubiläumsausgabe des „Blue Notebook“ Albums von Max Richter; um eine CD mit sieben Titeln ergänzt; vier davon unveröffentlicht. Dinah Washington fügt mit ihrem Gesang dem bisher instrumental gehaltenen „This Bitter Earth / On The Nature Of Daylight“ eine neue Farbe bei. Die zwei Neuabmischungen auf der zweiten CD sind zu vernachlässigen; stören eigentlich nur den Fluss beim Anhören.

Und noch eine Empfehlung: der von Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch geschriebene Soundtrack zu „Blade Runner 2049“; ein Soundtrack der so ganz anders ist als man ihn von Hans Zimmer erwartet. Natürlich, auch dieser trägt unverkennbar seine Handschrift; aber dieser ist technischer, härter, schriller und elektronischer – ungewohnt für Hans Zimmer zwar, aber der Thematik des Filmes angemessen.

Mit diesen beiden Alben lassen sich die Abende bei untergehender Sonne verbringen: verborgen und unbeobachtet hinter einer Mauer aus Klang sitzend, zur Ruhe kommend. Auf dass niemand störe.

 

2018 11 Jan

Elf Eins Achtzehn

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Morgens, wenn du die Tür aufschliesst, bin ich schon lange unterwegs. Zwei Songs kamen mir heute morgen in den Sinn: „A Box of Rain“ von den Grateful Dead und „Running To Stand Still“ von U2.

Ja, wir beide rennen, manchmal bleiben wir stehen, blicken uns um und schauen zurück, ob wir ein zu grosses Tempo vorgelegt haben und warten, damit der Andere uns einholen kann. Wie du schriebst: dann ist es unser Weg. Der gemeinsame Weg, trotz einigen hundert Kilometern Distanz zwischen uns durch Autobahn, Landstrasse.

In Turtles All The Way Down, dem neuen Buch von John Green, das von einem Mädchen mit Angststörungen handelt, las ich heute morgen: „Your now is not your forever …“ – und ich fand diesen Gedanken sehr tröstlich.

Und mehr habe ich heute nicht anzubieten: nur diese zwei, drei Fragmente.

 

2017 27 Nov

Favoriten 2017

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  1. Roger Waters: Is This The Life We Really Want?
  2. Markus Stockhausen: Far Into The Stars
  3. Benny Andersson: Piano
  4. Quercus: Nightfall
  5. Max Richter: Three Worlds – Music For Woolf Works
  6. Charles Lloyd New Quartet: Passin‘ Thru
  7. Manfred Maurenbrecher: Flüchtig
  8. Fleet Foxes: Crack Up
  9. Robert Plant: Carry Fire
  10. Ray Davies: Americana

 
 
 

 

2017 21 Nov

„A Little Is Enough“

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A Little Is Enough is a really great performance of mine, and would have to be on any „best of“ collection that I put together. It’s really about how love changes in relationships, how you’re drawn together by romantic passion, and then what happens is that everything changes, and I was, in a sense, trying to use words to celebrate the decline of love in a young relationship. Around the time when I was making this record, I was having my first difficulties in my marriage and feeling that I’d allowed my career to take far too much priority in my life.

My wife had warned me that I was taking on too much, and I just wasn’t really listening to her, and one day I came back from the studio or a gig or maybe even from a party, weeping, crying – „This is all too hard, I’m depressed, I can’t do it, I can’t handle show business, nobody loves me, they’re not giving me enough money, they’re giving me too much money, I’m too big, I’m too small“, whatever it was – and I may even have said, „Do you love me? Nobody else seem to“. And she said, „No“ (laughs) Anyway, I went to somebody called Adi Irani, who was Meher Baba’s secretary for a long time, and he was doing a lecture tour over here, and he said, „You look a little bit sad.“ So I said, „Well, I’m going through my first real hiccup in my marriage,“ and he said, „Oh, what’s it about?“ And I said, „My wife doesn’t love me any more.“

And he said „Well, she’s there, isn’t she?“ And I said, „Yeah.“ And he said, „Then she must love you a little bit.“, and I said, „Yeah, yeah, she probably loves me a little bit.“ And he said, „Well, when you’re talking about love, which is in itself by nature infinite, then a little is enough.“ And it solved my immediate problem, but also seemed to me to be a very, very wise thought, and a very romantic thought too, you know, if you only have a moment of love in your life, it’s enough, because it never evades you and it always returns.“

– Pete Townshend in conversation with John Pidgeon, January 1996.

 

2017 13 Nov

Dreizehn Elf Siebzehn

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Einen anstrengenden Tag am Abend, weil man noch etwas vorhat, für sich selbst zu drehen und positiv zu machen – das geht, aber es kostet Kraft. Bei dieser Veranstaltung dann zu hören, wieviel Kraft andere in ihrem Alltag aufbringen müssen, die weitaus mehr betroffen sind als man selbst, gab mir Kraft. Dazu kam eine persönliche Begegnung: man (= ich) konnte endlich gelesene Blogbeiträge mit einem Gesicht, einem Menschen und einer Stimme verbinden.

Aus dem Abend anders hinausgehen, als ich hereingegangen bin. Das kann Kunst, und Zeit zum Zuhören, zum Reden; fernab von all den Oberflächlichkeiten des Alltags.

Und den Schub, den dieser Freitagabend, diese Begegnung mir gegeben hat, den habe ich mitgenommen und hüte ihn wie einen Schatz. Möge er lange vorhalten. #notsad

Am frühen Sonntagmorgen, so gegen 6 Uhr, von einem lauten Knall aufgeschreckt zu werden, ist nicht gerade etwas, was man sich für den Beginn eines schwülwarmen Sommertag wünscht. Oder für irgendeinen anderen Tag, im Herbst, bei angenehmeren Temperaturen zum Beispiel. Aber gestern morgen war es dann bei mir so weit: dass sich schon seit einiger Zeit etwas vorneigende schwedische Bücher- und Schallplattenregal aus Holz (Holz arbeitet!!) ist vornüber gekippt. Glück im Unglück, dass eine Fensterbankkante das Regal vor dem kompletten Umfallen auf den Boden bewahrt hat! Oder ich gar davor gestanden hätte, mit der Option, blitzschnell zur Seite zu springen, bevor mich ein Bücher- und Schallplattenhagel bombadiert …

Weil ein Nagel fehlte, ging das Königreich verloren …

Festgestellt, dass sich das Regal nur wieder an die Wand stellen lässt, wenn es komplett leergeräumt ist: im Regal glücklicherweise verbliebene Bücher und Schallplatten wiegen zuviel, als dass es sich jetzt schon wieder in die Horizontale stemmen lässt. (Und hinter das Regal ist auch so einiges gefallen durch den Sturz, das behundert das Heranrücken dann auch.)

Nun denn, für die nächsten freien Arbeitstage und Sonntage ist dann also Sichtung und Sortieren angesagt. Und vermutlich auch Aussortieren, was eh nicht mehr gelesen wird; das habe ich lange genug vor mir hergeschoben!

2017 10 Mai

Zehn Fuenf Siebzehn

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Einen Teddybären, den man in Japan auf eine Sightseeing Tour schicken kann, den hatten wir hier schon vor einiger Zeit! Wie wäre es aber, man könnte in Bücher und deren Romanhandlung „einsteigen“? Zugegeben, sonderlich neu ist diese Idee nicht: Woody Allen hat in seiner Kurzgeschichte „Intermezzo mit Kugelmass“ eindrucksvoll vorgeführt, zu welchen ungeahnten Verwicklungen es kommen kann: verwirrte Studenten aller Herren Länder zum Beispiel, die das Buch im Studiengang lesen müssen und verwirrt eine neue, ihnen und den Universitätshonorationen bis dato völlig unbekannte Romanfigur Kugelmass im Buch entdecken. Und Kugelmass selbst hat auch seine Probleme: wie kann er es schaffen, bei jedem seiner Besuche im Buch aufzutauchen, bevor Madame Bovary Rodolphe Boulanger kennenlernt? Ein reizvolles Gedankenspiel bleibt es allemal, sicher auf der Couch sitzend. Zu wem und in welches Buch würde ich also reisen? Zu Gesine und D. E. in das New York des Jahres 1967? Oder mit Polly Hütchen den Mann mit dem steifen Hut durch Berlin verfolgen? Reizvolle Ideen hätte ich genug und ich wüsste auch schon, wohin meine erste Reise gehen würde.

 


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