Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2019 3 Jun

Drei Sechs Neunzehn

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Und nachts kommen die Nachrichten. Blaue, rote und vor allem schwarze. An den schwarzen und roten Nachrichten hängen Noten, Hinweise, Schnittmengen und weisse Flecken auf deiner literarischen und musikalischen Landkarte. Die blauen sind ein Fortsetzungsroman aus Sprachnachrichten, aufgesprochen auf Raststätten und Autofahrten zurück von Begegnungen in Hörsälen und lokalen Treffpunkten, die in allen Städten anders heissen und doch nur dem einen Zweck dienen: Ein panic room zu sein, Gemeinschaften zu bilden und Bestehendes aufrecht zu halten. Und morgens, wenn alles noch schläft und Du mit kleinen Augen deinen ersten Kaffee trinkst beginnt dein Tag damit festzustellen: ich habe an Dich gedacht.

 

2019 1 Jun

Eins Sechs Neunzehn

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Wenn ich zu Moment und Erlebnissen zurückkehren möchte, dann sind es auch die Momente, als Fernsehen und auch Kinofilme für mich noch frisch, aufregend und neu waren. Als sich Bildeindrücke in die Netzhaut einbrannten und einen noch lange danach beschäftigten.

Das zerschnittene Auge von Bunuel, die von Dali gestaltete Traumsequenz in Hitchocks „Spellbound“, die Edgar Alan Poe Verfilmungen von Roger Corman mit Vincent Price, in denen er in seiner Rolle langsam, aber sicher in den Wahn abdriftete – vorzugsweise kurz vor Mitternacht beginnend (wg. FSK 18 im Fernsehen!), bis früh in die Nacht gesehen und erschlagen dem Filmende entgegen gefiebert. (Es wäre eine eigene Untersuchung wert warum einen spät abends genossene Filme mehr mitnehmen als tagsüber angeschaute !). Restpartikel der Filme waren am nächsten Morgen immer noch im Kopf und hinter den Augen.

Oder all die früher in den dritten Programmen gezeigten Schwarz-Weiss-Filme aus den 1950igern, Thriller zumeist; und vorzugsweise mit Untertiteln, die man so gut mit herunter gedrehtem Ton  bei der familiären Nachtwache im Wohnzimmer anschauen konnte, ohne jemanden spätabends zu stören!

Diese Liste könnte ich noch fortsetzen; nicht ins Unendliche – aber der eine oder andere bedenkenswerte Kinomoment wäre noch zu nennen.

Aber all das war einmal. Und irgendwie ertappe ich mich immer mehr dabei, dass an diese Momente nicht mehr viel heranreicht. Für mich zumindest; es mag ja sein dass mir da zwischen dem ganzen Kommerzmüll im Kino die eine oder andere Sternstunde entgeht. Oder bei den immer unübersichtlicher werdenen Flut von Serien auf DVD und Blu Ray.

Oder bin ich irgendwo stehen geblieben und kultiviere nur noch das Hochhalten meiner Erinnerung daran, als Kino noch nicht ausschliesslich aus Plastikverfilmungen mit dem ewig gleichen Superhelden und der x-ten Neuverfilmung halb vergessener, aber erfolgreich gewesenen vorherigen Verfilmungen gewesen ist? Ist es Übersättigung? Kapitulation vor der Bilderflut? Und war die heute mühevolle Suche nach Perlen früher einfacher? Alles ’ne Spur übersichtlicher?

Die Zeiten, in denen z. B. Julian Schnabels „Van Gogh“ mit William Dafoe nicht nur in entlegenen Programmkinos — also unter dem Radar — anzusehen ist, die sind endgültig vorbei.  Man mag es bedauern, leugnen lässt es sich nicht.

Am vergangenen Wochenende entdeckte ich diesen Film in einer Ankündigung eines Dorfkinos in Hasefeld, und ich wäre gerne noch länger dort vor Ort geblieben, nicht nur wegen dieses Filmes; auch weil der Samstagabend so wohltuend war.  Das Kino dort war in einer Gaststätte mit Kegelbahn untergebracht. Schön, wenn solche Einrichtungen so etwas Programmkino-artiges weiterhin anbieten. Denn manche Filme muss man halt im Kino gesehen haben. Und sich erinnern wie es einmal war: Those were the days, my friend.

 

Beim Aufräumen fiel mir eine alte Taschenbuchausgabe von Patricia Highsmith in die Hände: Ediths Tagebuch – noch mit schwarzem Rahmen um die Titelillustriation von Tomi Ungerer herum. „Der Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit: das ist die wahre Hölle“, schreibt Edith in ihr Tagebuch und entflieht so dem Alltag und einer für sie unerträglichen Realität. Nicht selten möchte man sich diesem Satz anschliessen. Und noch ein anderes mal sind die Hölle die Anderen: direkt in das Regal mit dem Buch von Patricia Higshmith stelle ich eine illustrierte Ausgabe von Das kalte Herz, jenem Märchen von Wilhelm Hauff, dass auch heute noch aktuell ist. Der dicke Ezechiel, der als Honoration hinter seinem Humpen im Wirtshaus sitzt, mit Geld um sich wirft und Hof hält – so würde Peter Munk auch gerne leben und wird es auch: um den Preis seines verkauften Herzens und einer spät einsetzenden Reue.

 

2019 6 Feb

Sechs Zwei Neunzehn

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Toffee brown und Oyster grey. Zwei mal sechzig Milliliter. Die neuen Farben der Saison. Das Datum notiert, um nachzuhalten, wie lange vorhaltend. Zwei Anrufe beim morgendlichen, vier Kilometer langem Weg um den See herum. Jemand hat an Dich gedacht. Falsch! Es waren sogar zwei. Das Eis auf dem See gefroren, aber nicht durchgehend und nicht zum Betreten freigegeben. „I Trawl The Megahertz“, neu aufgelegt. Nach einer niederschmetternden Diagnose entstanden: ein Monolog aus im Radio erhörten, aufgezeichneten und dem eigenem Empfinden des Paddy McAloon. Eine Altersangabe, die heute gelesen, vor fünf Jahren auf dich zugetroffen hätte. Nachdenklich werden. Ein abendliches Anhören des gesprochenen Monologs; und auch das Nachlesen. Die Vertiefung. Der Ritt nach Agadir und das Versprechen, eines Tages frei zu sein wie der Wind.

 

2018 27 Dez

Siebenundzwanzig Zwölf Achtzehn

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Und wir?

Wir schauen Euch von hier oben zu, wie ihr eure Wege geht, eure Hoffnungen habt. Auch Illusionen, ja, die auch. Wie ihr Pläne macht. Wie ihr Euch in diesen Tagen an den Lichterketten erfreuen könnt, an brennenden Kerzen und Teelichtern. Wie ihr gemeinsam seid, gerne gemeinsam seid. Wie ihr notgedrungen zusammen sitzt, weil es nicht anders geht und ihr es „müsst“. Wie ihr Euch erinnert, weil ihr alleine in eurem Zimmer seid; euch erinnert wie es war, wie es eigentlich hätte sein sollen. Und wie es nie wieder sein wird.

 

2018 22 Nov

Favoriten 2018

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  1. Thom Yorke: Suspiria – Music For The Lucca Guadagnino Film
  2. Max Richter: Werk Ohne Autor (Never Look Away)
  3. Paul McCartney: Egypt Station
  4. Bill Frisell: Music IS
  5. Jean Michel Jarre: Equinoxe Infinity
  6. Herbert Grönemeyer: Tumult
  7. Charles Lloyd & The Marvels w/ Lucinda Williams: Vanished Gardens
  8. Clueso: Handgepäck I
  9. Klaus Hoffmann: Aquamarin
  10. Ry Cooder: The Prodigal Son

 

2018 11 Aug

„How I Wish, How I Wish You Were Here“

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Und einen Vorteil haben diese heissen, hellgrellen Sommertage: Du kannst sagen, nein, Du irrst dich. Es ist nicht wie Du denkst. Meine Augen schwitzen, dass ist alles. Kein Grund zur Sorge. Und man wird Dir glauben, unbesehen. Schon bald werden alle hektisch nach ihren Tageslichtlampen suchen. Harre aus, entdecke dein neues Mantra: denn „Auch das geht vorbei“. Bemerke auch, wie sich allmählich der innere Fokus verschiebt. Und die Abendstunden entschädigen dich auf kilometerlangen Wegen, auf denen Du dem Gegenwind trotzt. Die Strassenbahn wird heute abend einmal ohne Dich fahren. Und was bleiben wird, ist der Song über zwei verlorenen Seelen die immer noch in ihrem Goldfischglas schwimmen, Jahr um Jahr vergeht dabei. Wenn wir zurückkehren wird die Maschinerie uns wieder begrüssen.

 

2018 11 Aug

Elf Acht Achtzehn

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“ … Our thoughts strayed constantly and without boundary
The ringing of the division bell had begun
Along the long road and on down the causeway
Do they still meet there by the cut … „

 
 

Donnerstagabend, die abendliche Fahrt im Sammeltaxi nach der Arbeit nach Hause. Im Fahrzeug auf der Rückbank hinter mir ein älterer Herr. Das allgegenwärtige Thema „WM“. Die immer wieder vorgebrachte These, dass, wer die Nationalhymne nicht mitsingt in diesem Land, in dieser Mannschaft keinen Platz habe, keinen Platz haben darf. Die auf meine Gegenfrage, ob denn, wer in der Kirche am Lautesten mitsingen würde, dann auch der Gläubigste im Kirchenschiff sei, und ob nicht seine Generation sich mit der lautstark von allen mitgesungenen, unseren Nationalhymne auskennen würde, einsetzende Stille im Fahrzeug: unbezahlbar. #justsayin‘

2018 23 Jun

Dreiundzwanzig Sechs Achtzehn

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Der Eisblock schmilzt, langsam, aber stetig. Und wenn graue Wolken deinen Himmel verhangen zeigen, Gespräche wirken, als würde einem ein Eimer Eiswasser ins Gesicht gekippt, dann zieh‘ Dir deine Jacke an, es bleiben Dir die altbekannten Wege, die ausgetrampelten Pfade hinunter zum Fluss an den grünen Weiden entlang. Und das Cello Album von David Darling als Begleiter auf den Ohren. Empfehlung: anhören! Tröstend und ganz weit entfernt von den doch manchmal harschen, durchdringend „sägenden“ Cellotönen, die man aus den Streichquartetten in der Klassik kennt. — Kommst du anders von deinem Spaziergang wieder? Nein, aber der Kopf ist doch etwas freier. Bis der Abend kommt, und die Gedanken zurückkehren.


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