Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2019 6 Feb

Sechs Zwei Neunzehn

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Toffee brown und Oyster grey. Zwei mal sechzig Milliliter. Die neuen Farben der Saison. Das Datum notiert, um nachzuhalten, wie lange vorhaltend. Zwei Anrufe beim morgendlichen, vier Kilometer langem Weg um den See herum. Jemand hat an Dich gedacht. Falsch! Es waren sogar zwei. Das Eis auf dem See gefroren, aber nicht durchgehend und nicht zum Betreten freigegeben. „I Trawl The Megahertz“, neu aufgelegt. Nach einer niederschmetternden Diagnose entstanden: ein Monolog aus im Radio erhörten, aufgezeichneten und dem eigenem Empfinden des Paddy McAloon. Eine Altersangabe, die heute gelesen, vor fünf Jahren auf dich zugetroffen hätte. Nachdenklich werden. Ein abendliches Anhören des gesprochenen Monologs; und auch das Nachlesen. Die Vertiefung. Der Ritt nach Agadir und das Versprechen, eines Tages frei zu sein wie der Wind.

 

 

Und wir?

Wir schauen Euch von hier oben zu, wie ihr eure Wege geht, eure Hoffnungen habt. Auch Illusionen, ja, die auch. Wie ihr Pläne macht. Wie ihr Euch in diesen Tagen an den Lichterketten erfreuen könnt, an brennenden Kerzen und Teelichtern. Wie ihr gemeinsam seid, gerne gemeinsam seid. Wie ihr notgedrungen zusammen sitzt, weil es nicht anders geht und ihr es „müsst“. Wie ihr Euch erinnert, weil ihr alleine in eurem Zimmer seid; euch erinnert wie es war, wie es eigentlich hätte sein sollen. Und wie es nie wieder sein wird.

 

2018 22 Nov

Favoriten 2018

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  1. Thom Yorke: Suspiria – Music For The Lucca Guadagnino Film
  2. Max Richter: Werk Ohne Autor (Never Look Away)
  3. Paul McCartney: Egypt Station
  4. Bill Frisell: Music IS
  5. Jean Michel Jarre: Equinoxe Infinity
  6. Herbert Grönemeyer: Tumult
  7. Charles Lloyd & The Marvels w/ Lucinda Williams: Vanished Gardens
  8. Clueso: Handgepäck I
  9. Klaus Hoffmann: Aquamarin
  10. Ry Cooder: The Prodigal Son

 

2018 11 Aug

„How I Wish, How I Wish You Were Here“

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Und einen Vorteil haben diese heissen, hellgrellen Sommertage: Du kannst sagen, nein, Du irrst dich. Es ist nicht wie Du denkst. Meine Augen schwitzen, dass ist alles. Kein Grund zur Sorge. Und man wird Dir glauben, unbesehen. Schon bald werden alle hektisch nach ihren Tageslichtlampen suchen. Harre aus, entdecke dein neues Mantra: denn „Auch das geht vorbei“. Bemerke auch, wie sich allmählich der innere Fokus verschiebt. Und die Abendstunden entschädigen dich auf kilometerlangen Wegen, auf denen Du dem Gegenwind trotzt. Die Strassenbahn wird heute abend einmal ohne Dich fahren. Und was bleiben wird, ist der Song über zwei verlorenen Seelen die immer noch in ihrem Goldfischglas schwimmen, Jahr um Jahr vergeht dabei. Wenn wir zurückkehren wird die Maschinerie uns wieder begrüssen.

 

2018 11 Aug

Elf Acht Achtzehn

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“ … Our thoughts strayed constantly and without boundary
The ringing of the division bell had begun
Along the long road and on down the causeway
Do they still meet there by the cut … „

 
 

Donnerstagabend, die abendliche Fahrt im Sammeltaxi nach der Arbeit nach Hause. Im Fahrzeug auf der Rückbank hinter mir ein älterer Herr. Das allgegenwärtige Thema „WM“. Die immer wieder vorgebrachte These, dass, wer die Nationalhymne nicht mitsingt in diesem Land, in dieser Mannschaft keinen Platz habe, keinen Platz haben darf. Die auf meine Gegenfrage, ob denn, wer in der Kirche am Lautesten mitsingen würde, dann auch der Gläubigste im Kirchenschiff sei, und ob nicht seine Generation sich mit der lautstark von allen mitgesungenen, unseren Nationalhymne auskennen würde, einsetzende Stille im Fahrzeug: unbezahlbar. #justsayin‘

2018 23 Jun

Dreiundzwanzig Sechs Achtzehn

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Der Eisblock schmilzt, langsam, aber stetig. Und wenn graue Wolken deinen Himmel verhangen zeigen, Gespräche wirken, als würde einem ein Eimer Eiswasser ins Gesicht gekippt, dann zieh‘ Dir deine Jacke an, es bleiben Dir die altbekannten Wege, die ausgetrampelten Pfade hinunter zum Fluss an den grünen Weiden entlang. Und das Cello Album von David Darling als Begleiter auf den Ohren. Empfehlung: anhören! Tröstend und ganz weit entfernt von den doch manchmal harschen, durchdringend „sägenden“ Cellotönen, die man aus den Streichquartetten in der Klassik kennt. — Kommst du anders von deinem Spaziergang wieder? Nein, aber der Kopf ist doch etwas freier. Bis der Abend kommt, und die Gedanken zurückkehren.

2018 12 Jun

Zwölf Sechs Achtzehn

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Tage wie dieser: Samstagnachmittag. Auf dem Weg nach Oberhausen, mit dem Zug. Drei Sitzreihen vor mir ein Junggesellinnenabschied. Das Übliche: ein Mädel mit Bauchladen, es werden Süssigkeiten und andere trinkets verkauft. Die Kostümierungen (rosa!) sprechen für sich. Einige Sitzreihen hinter mir Jungs, die auch ihre lautstarke Feierfunktion aktiviert haben. Ob sie zu der Frauengruppe vor mir gehören, lässt sich nicht feststellen.

In meinem Rucksack krame ich nach meinen Kopfhörern, die ich schnellstens zum Musikhören aufsetzen muss.

Im Bahnhof Oberhausen angekommen, werde ich von ähnlich motivierten Mitmenschen (an ihrer Lautstärke sollt ihr sie erkennen!) förmlich überrannt; in die Bahnhofsbuchhandlung flüchtend, erfahre ich, dass die Grossveranstaltung „Oberhausen Olé“ dieses Publikum in die Stadt gelockt hat. Ich kaufe für einen Freund eine Ansichtskarte von Oberhausen, damit er später seinem zu Hause wartenden Sohn schreiben kann, und gehe andere, meine eigenen Wege in die Fussgängerzone, um ihn zu treffen.

Tage wie dieser: Montagnachmittag. Festgestellt, dass ich bestimmte Songs momentan eher nicht hören sollte; weil sie mir einen Kloss in den Hals zaubern und ich schwer an mich halten muss. Und das Phänomen erleben, dass man diese Lieder dann erst recht hören will. Und auch hört. Zu Hause sieht mich keiner dabei. Tage wie dieser.

 
 
 

 

2018 6 Jun

Sechs Sechs Achtzehn

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„Everyone carries a room about him. This fact can be proved by means of the sense of hearing. If someone walks fast and one pricks up one’s ears and listens, say at night, when everything round about is quiet, one hears, for instance, the rattling of a mirror not quite firmly fastened to the wall.“

(Kafka, „The Blue Octavo Notebooks“)

 

„As a very sensitive child, I reacted to the violence around me by internalising everything. I closed all the shutters, build up walls, became as perfect as I could be, in order not to be hit. My only refuge was music, and I totally disappeared into the internal landscapes it opened up to me.“ 

(Max Richter, Liner Notes „The Blue Notebooks“, 2018 Anniversary Edition)

 

 

Vor kurzem erschien eine Jubiläumsausgabe des „Blue Notebook“ Albums von Max Richter; um eine CD mit sieben Titeln ergänzt; vier davon unveröffentlicht. Dinah Washington fügt mit ihrem Gesang dem bisher instrumental gehaltenen „This Bitter Earth / On The Nature Of Daylight“ eine neue Farbe bei. Die zwei Neuabmischungen auf der zweiten CD sind zu vernachlässigen; stören eigentlich nur den Fluss beim Anhören.

Und noch eine Empfehlung: der von Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch geschriebene Soundtrack zu „Blade Runner 2049“; ein Soundtrack der so ganz anders ist als man ihn von Hans Zimmer erwartet. Natürlich, auch dieser trägt unverkennbar seine Handschrift; aber dieser ist technischer, härter, schriller und elektronischer – ungewohnt für Hans Zimmer zwar, aber der Thematik des Filmes angemessen.

Mit diesen beiden Alben lassen sich die Abende bei untergehender Sonne verbringen: verborgen und unbeobachtet hinter einer Mauer aus Klang sitzend, zur Ruhe kommend. Auf dass niemand störe.

 

2018 11 Jan

Elf Eins Achtzehn

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Morgens, wenn du die Tür aufschliesst, bin ich schon lange unterwegs. Zwei Songs kamen mir heute morgen in den Sinn: „A Box of Rain“ von den Grateful Dead und „Running To Stand Still“ von U2.

Ja, wir beide rennen, manchmal bleiben wir stehen, blicken uns um und schauen zurück, ob wir ein zu grosses Tempo vorgelegt haben und warten, damit der Andere uns einholen kann. Wie du schriebst: dann ist es unser Weg. Der gemeinsame Weg, trotz einigen hundert Kilometern Distanz zwischen uns durch Autobahn, Landstrasse.

In Turtles All The Way Down, dem neuen Buch von John Green, das von einem Mädchen mit Angststörungen handelt, las ich heute morgen: „Your now is not your forever …“ – und ich fand diesen Gedanken sehr tröstlich.

Und mehr habe ich heute nicht anzubieten: nur diese zwei, drei Fragmente.

 


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