Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Es lohnt sich, die Liste musikalischer TV-Kommissare über den Tatort hinaus für mehr oder weniger musikalische (was für uns bekannterweise wenig von Belang ist) Held/inn/en weiterer Krimiserien offen zu halten, zum Beispiel für das Fräulein Flierl (Bernadette Heerwagen) aus „München Mord“, der gelungen schrägen Serie von Friedrich Ani (Folge: „Leben und Tod in Schwabing“). Angelika Flierl übt fleißig Ukulele, stets geplagt von Selbstzweifeln, aber auch immer beflügelt vom Wunsch, auf der Bühne zu stehen. Heldenhaft klampft und singt sie „Heroes“. Die Ukulele-Version hat was! Pascal Comelade, dem Liebhaber kleiner Instrumente, hätte die Perfomance gefallen.

Dann tritt auf Rudi, König von Schwabing, gespielt vom Bajubarden Michael Fitz (Michael Fitz), von allen schulterklopfend mit „jaderrudi“ begrüßt als bester Spezl, mit der Ukukelerin gleich per Angie. Mit “All along the watchtower“ legt er richtig los – leider nur kurz, man würde gerne mehr davon hören, aber Film und Fall müssen ja auch vorankommen.

Nicht mehr, sondern eher weniger hören möchte man von Maria Furtwänglers Sprechgesang, mit dem sie bisher als Charlotte Lindholm auf unserer Liste vertreten war. Ihre zweite Chance nutzte sie souverän bei einem Duett mit Udo Lindenberg. Nun kenne ich niemanden, der nicht schon mit Udo im Duett gesungen hätte; Maria Furtwängler macht das wirklich gut und steht völlig zu Recht weiterhin auf unserer Liste. Eine nette Idee war, sie in einen Udo-Lindenberg-Anzug zu stecken. Dieser patentierte Aufzug lässt mich rätseln, wie ein Musikdienst zu der Bildunterschrift „Die Königin der Tatort-Kommissare“ ein Foto von Peter Maffay präsentieren konnte. Wirklich interessant fände ich, Udo Lindenberg als Maria Furtwängler zu verkleiden. Würde man ihn dann noch erkennen?

2019 20 Mai

Lyrik und Film

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Ein kleiner später Kommentar an Martina und das Poetry Zebra, denen ich erst nicht recht geglaubt habe, dass es Verfilmungen von Gedichten gibt. Es gibt sogar ein Festival in Münster und Berlin mit einem umfangreichen und spannenden Programm. Heute morgen meldete sich ein anonymer Rezensent mit diesem passenden Halbsatz zu Jim Jarmuschs Film über den dichtenden Linienbusfahrer PATERSON: „Jarmusch … gelingt ein buchstäbliches Gedicht von einem Film.“ Es geht also in beide Richtungen: Verfilmung und Verdichtung.

 

Zum Foto: Diana Taylor, Damals an einem heißen, sonnigen Tag im Jahr 1965 in Whitley Bay (Programmheft 2016)

 

 

Der Landrat hatte es sich nicht nehmen lassen, die Rede selbst zu halten, obwohl er doch kein Freund oder gar Kenner des Theaters war. Erfreut entnahm er den Begrüßungsworten des Bürgermeisters, dass natürlich auch für das leibliche Wohl gesorgt sei. Die Handvoll zu integrierender behinderter Laienschauspieler machten sich im Wahljahr gut und bildeten am Buffett keine Gefahr, wenn er gleich zu Beginn des Applauses dorthin eilte. In diese existenziellen Gedanken war er versunken, als er gerade noch rechtzeitig seine Ankündigung bemerkte. Von den einleitenden Worten des Theaterpädagogen hatte er nicht viel mitbekommen, aber er konnte – in zahlreichen Debatten geschult – improvisieren. Den Titel des Stückes hatte er ganz vergessen, und er versäumte es auch noch, das Stichwort „Gesamtkunstwerk“ zu benutzen, aber der Begriff „Käse“ eignete sich gleichwohl für einen Einstieg in die Materie, zumal ihm aus dem Unbewussten weitere rettende Worte entgegenkamen: „Bembel“ und „Handkäs mit Musik“. Hier wird die Anekdote zu einem „moment musical“ und der Abend zu einem gelungenen: „Ich wünsche allen Anwesenden einen schönen Abend mit dem Theaterstück DER HANDKÄS-KASCHPER!“

 

(Nach einer wahren Begebenheit, erlebt und festgehalten von Prof.music.)

 

 

 
 

Dick Francis, „Forfeit“

Originalausgabe, 1968 (Michael Joseph Ltd.)

deutsche Erstausgabe: 1979 (Ullstein)
„Jede Wette auf Mord“

Gelesene Ausgabe: 1994 (Diogenes)
„Hilflos“

 

zu 1) Schnellblätterig

Nun ist es doch das Buch „Hilflos“ geworden, das Ich zur Manafonistas-Parallellese-Rennbahn führe. Dabei ist der Titel der deutschen Ausgabe nicht ganz treffend übersetzt. Immerhin hält der Diogenes-Verlag aber die Eigenart des Autors bei, jeden seiner Kriminalromane mit nur einem Wort zu betiteln. Dass dies hier ausgerechnet „hilflos“ ist, bestätigt meine These, dass es sich um ein archetypisches Geschehen handelt. Manch eine*r meiner drei Leser*innen wird sich an das fortwährende Auftauchen von „hilflos“ in Zürich erinnern. Hier ist es vermutlich bezogen auf die Hilflosigkeit der lungenkranken Ehefrau des Protagonisten, die er vor den Bösen in Sicherheit bringt, und auf seine eigene Befindlichkeit, nachdem er von ihnen mit Whisky abgefüllt worden war. Diese Szenen sowie eine Cobra-taugliche Autoverfolgungsjagd mit einem Pferdeanhänger machen diese Seiten zu den schnellstgeblätterten des ganzen Buches.

 

zu 2) Verfilmt

Regie: John Cassavates (er kennt sich mit Buchmachern, Gangstern und kranken Ehefrauen aus)

Hauptdarsteller (Sportreporter, Ich-Erzähler): Jürgen Vogel (dem ein Hollywood-Erfolg zu wünschen ist).

Filmmusik: an leisen Stellen das Quatuor Ebene (was vielleicht etwas zu snobby ist auf der Rennstrecke). Bei der kranken Ehefrau fällt mir gemeinerweise Dennis Hopper und Blue Velvet ein… Und als Titelmusik ist wegen der 2 gallopierenden Schlagzeuger „Shake Stew“ bestens geeignet; die Band des österreichischen Bassisten Lukas Kranzelbinder steht auch schon auf meiner diesjährigen Novemberliste.

 

zu 3) Hingeguckt

Das Buch ist unkompliziert und kann eigentlich überall gelesen werden. Da es klar geschrieben ist und immer schön chronologisch bleibt, kann man rasch zwischen Buchwelt und Blick über die Zugestiegenen in der U-Bahn hin und her zappen. An den Strand würde ich es nicht mitnehmen. Die anorektischen Gäule auf den nahezu 40 Buchtitelseiten wirken eher abschreckend als kontaktfördernd.

 

zu 4) Serienreif

Man könnte auch sagen, Francis habe die Eigenart, aus jedem bestimmten Sachgebiet eine Pferdegeschichte zu machen, den Ponyhofserien und Wendyromanen nicht unähnlich. Die Kritik ist allerdings unpassend: wer einen Tony-Hillerman-Krimi kauft, darf sich auch nicht beklagen, wenn Indianer darin vorkommen.

 

zu 5) Verwurstet

Lasagne auf der Speisekarte kommt bei Pferdefreunden nicht so gut an. Ich belasse es bei ein paar Käsecrackern mit den letzten Flaschen englischen Weines und wende mich der Tafelmusik zu. Was wir am Essen gespart haben, kommt der Musik zugute. Zugesagt hat die britischte aller britischten Sängerinnen: Anne Clark! Die Pferde fliehen in die umliegenden Wälder.

 

zu 6) Experte

Zwischen der amerikanischen Wettmafia und den englischen Kleinkriminellen liegen Welten. Aber es verändert sich viel hinter dem Rücken der Pferde; statt dem Glück der Erde findet man immer mehr und immer schlimmere Intrigen und Verbrechen. Als Experte der aktuellen Equikriminalistik habe ich den kalifornischen Journalisten und Cassavetes-Biographen Michael Ventura eingeladen, der sich im Buchmacher-Milieu ebenso auskennt wie in der Arbeitswelt der (Sport-)Journalisten.

Literatur-Hinweis: „If I was a Highway – Essays“.

 

zu 7) Klassisch

Der Roman ist altmodisch und deshalb zeitlos. Die Geschichte ist schon 100 x erzählt worden: ein Journalist deckt einen Wettskandal auf (in die TV-Tagesschau gelangt war diese Woche der SC Brügge wegen des Verdachts auf Wettbetrug) und bringt damit seine Familie in Gefahr. Das ist nett und solide erzählt. Nur der Pferde sind es mir zu viele, vor allem wenn ihr Lebenszweck darin besteht, jedes Wochenende im Kreis um die Wette zu laufen. Mit einem richtigen Pferd galoppiert man fast and furyous dem Abenteuer oder wenigstens der Sonne entgegen!

 

zu 8) Leseplan

Hier wartet schon etwas länger (dt. 2005) ein Taschenbuch mit den Maßen eines Ziegelsteines: „Ich bin Charlotte Simmons“ von Tom Wolfe. Sich auf Charlotte einzulassen heißt, auf absehbare Zeit nicht 5 andere Bücher mit zusammen rund 1000 Seiten zu lesen. Gelohnt hat sich das bei Tom Wolfe immer. Er ist ein Meister mit leiser Ironie erzählter, sich anschleichender Katastrophen. Für Sherman fängt das Fegefeuer der Eitelkeiten mit einer Panne beim Telefonieren an – zu spät merkt er, dass er am Telefon seine Freundin mit seiner Ehefrau verwechselt hat. Im Kuba-Exilanten-Miami (Back to Blood, 2012) erlebt ein junger Polizist, wie er vom Helden zum geächteten Verräter und von der Familie verstoßen wird, ohne dass er weiß, wie ihm geschieht. Es gibt Gemeinsames zwischen Francis und Wolfe: beide haben auch als Journalisten gearbeitet und das Pressemilieu beschrieben. Tom Wolfe’s erstes Buch hieß „The Kandy-Kolored Tangerine-Flaked Streamline Baby“. Das wäre ein schöner Name für ein Rennpferd.

 

2018 17 Nov

Verschwunden

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„Ich musste es tun.“

„Und du hast sie einfach verschwinden lassen?“

„Ja, nur so konnte ich sicher sein, dass niemand die Texte in die falschen Hände bekäme. Jetzt würden alle glauben, G. sei der einzige, der seinen Job gemacht hat.“

„Aber wieso …“

„Das wäre das Ende aller Pferderennen und Parallelwetten gewesen.“

„Mein Gott!“

 

(Dalli Francis, Verschwunden, OT: Missing)

 

2018 1 Nov

Wolframs Top 20 + 5

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01 Shake Stew – Rise and Rise Again
02 Shinya Fukumori Trio – For 2 Akis
03 Sarah Buechi – Contradiction of Happiness
04 Brad Mehldau – After Bach
05 Eldbjörk Hemsing – Borgstrom / Shostakovich Violin Concerts
06 Berliner Philharmoniker & Sir Simon Rattle – The Asia Tour
07 Hilde Marie Holsen – Lazuli
08 Johann Johannsson – Englabörn & Variations
09 Beth Hart – Front and Center: Live From New York
10 Laurie Anderson & Kronos Quartett – Landfall
11 Sandy Patton – The Saga of Reflective Perspectives
12 Norma Winston – Descansado: Songs for Films
13 Brian Eno – Making Space
14 Nils Frahm – All Melody
15 The Stanley Clarke Band – The Message
16 Tigran Hamasyan – For Gyumri
17 Federico Albanese – By the Deep Sea
18 Jeremy Pelt – Noir en Rouge
19 David Byrne – American Utopia
20 Namika – Je ne parle pas francais, featuring Black M

(… und es wurde der Sommerhit 2018)

 

21 Barcelona Gipsy Balkan Orchestra – Europa Closes the Border
22 Sarah Maria Sun – Modern Lied
23 Kinga Glyk – Dream
24 Quatuor Ébène – Eternal Stories
25 Erika Stucky – Papito

(… und das waren fünf 2018 entdeckte Vorjahres-Titel)

 

2018 26 Okt

Die Musik zum Buch

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Violons Barbares – „Horse Gallop“

 

Zu empfehlen u.v.a: Saturday Yurk Fever …

 

Auch wenn – einer Freundin zuliebe – das Old Ascot in Suttgart für eine kurze Zeit mein Stammlokal war, wurde ich nie zum Freund des englischen Pferde- Renn-, Reit- und Wettsports. Ich zögerte deshalb lange mit der Anmeldung zum 3. European Ride & Write Contest o.ä., war aber doch so neugierig, mir die Krimi-Bibliographie von Dick Francis anzuschauen.

Als erster Titel fiel mir „Hilflos“ auf; wenn das keine beachtenswerte Synchronizität ist (war ich doch erst kürzlich mit 17 x „hilflos“ aus Zürich beschäftigt)!

Die Werke Francis‘ in deutscher Übersetzung sind allesamt vergriffen. Just das Antiquariat, das „Hilflos“ für 53 Cent anbietet, scheint zu den gemütlichen Trabern zu gehören. Michael wird kurz nach dem Startschuss schon 15 der Bände gelesen, Gregor das Tor zum Pferdestall geöffnet haben. Fehlstart für mich.

Um doch noch im Laufe der Woche zu den Parallellesern aufzuschließen, habe ich aus der weitläufigen Pferdeliteratur dasjenige Buch ausgesucht, das mir am spannendsten erschien. Ich hoffe, dass meine Teilnahme damit gesichert ist.

Ganz fremd ist mir das Milieu nicht. Einige Jahre lang habe ich 4 Pferdefreundinnen zum Reiterhof gefahren und wurde von ihnen auf dem laufenden gehalten. Seither weiß ich, es gibt nirgends so viel Intrigantes, Gemeines, Neidisches, Eifersüchtiges, Durchtriebenes, Zickiges, Gehässiges wie auf einem Ponyhof. Auch nicht in Old Ascot und den Büchern von Dick Francis.

 
 
 

 

2018 30 Aug

Hilflos in Züri

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hilflos
hilflos
better hilflos

 

hilflos
hilflos
Die wahre Cigarette hilflos
hilflos

 

hilflos heuer
hilflos sonst ungeheuer
hilfe los
hilflos

 

HILFLOS JA
hilflos!!!
TOD DEN BONZEN hilflos

 

hilflos hi
hilflos
hilflos Glücklich

 

(Anonymus: „hilflos“, um 1980, Sprühdose auf Zürich)

Mangelnder Bedürfnisaufschub – das war in den 80er-Jahren eine beliebte stigmatisierende Zuschreibung besonders an Jugendliche. Ihnen wurde vorgeworfen, sich von tragenden bürgerlichen Tugenden wie „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ entfernt zu haben und dabei gar einen neuen narzißtischen Sozialisationstyp (NST) zu verkörpern. Dies war tatsächlich fein beobachtet und richtig erkannt – scheinheilig war nur, dass man es den Jugendlichen eigentlich nicht vorwerfen konnte, sich so entwickelt zu haben. Es war nämlich bald zu erkennen, dass eine flexible und gern auch sinnentleerte Konsumorientierung durchaus gesellschaftlich wünschenswert ist.

Heute begegnet einem die mangelnde Fähigkeitkeit zum Bedürfnisaufschub bei Alt und Jung. So ist der Termin, wann es Weihnachtsgeschenke gibt, Jahr für Jahr nach vorne gerückt – auch aus der Angst heraus, dass jeder Sechsbisachtjährige zum Gefährder werden kann. Neue PlayStation-Variationen werden in der Regel Anfang November eingespielt.

Auch zahlreiche Jukeboxen erhalten um diese Zeit ihre saisonale weihnachtliche Bestückung, sinnvollerweise zeitnah den Jahresbestenlisten der Manafonistas – den offiziellen! Der Bedürfnisaufschub wird bereits im Juni und Juli immer schwieriger und bricht völlig zusammen, wenn die erste Mein-Schreibtisch-ist-so-voll-Liste erscheint. Es wäre auch zu schade um die ganze schöne Musik der Monate November und Dezember. Deshalb also die umständliche Einleitung.

Hier meine Liste nicht aufgeschobener Neuerscheinungen und Wiederentdeckungen, die es Wert sind, der Jahresbestenliste vorzugreifen:

Ordentlich Krach macht das aus Südfrankreich stammende Psycho-Pop-Garagen-Duo/Trio THE LIMINANAS, auf SHADOW PEOPLE z.B. mit „Istanbul is sleeping“ (nicht mehr lange, bei der Musik).

MICACHU, TAZ AND MAY VIDS klingt wie Picachu und Pumuckel beim Zerstören einer Achterbahn im Europapark. Wie hört sich eigentlich eine einstürzende Autobahnbrücke an?

Anfühlen wird es sich vielleicht wie „Wenn die Landschaft aufhört“ — bestürzende Textfragmente als Beispiel für ein MODERN LIED von SARAH MARIA SUN, der Sopranistin mit dem beeindruckend umfangreichen zeitgenössischen Repertoire.

Noch eine Klassik-CD aus dem Jahr 2017: ETERNAL SOUL. QUATUOR EBENE spielt Musik von und mit MICHEL PORTAL, und das mit einer Leichtigkeit, die das Quartett den berühmten Kollegen Kronos und Balanescu etwas voraus hat (siehe oder höre dazu die 2010 erschienene DVD / CD FICTION).

Die in manchen Publikationen nachzulesenden altjazzväterlichen Ratschläge an die junge polnische Bassistin KINGA GLYK wirkten peinlich; wer solche Jazzsongs schreibt und so einen Sound erschafft, darf auch Geld damit verdienen – selbst wenn social media dabei mit angeblich 20 Millionen Klicks durchaus hilfreich sind.

Die folgende CD A LAS PUERTAS DE EUROPA ist bereits 2016 erschienen, aber erst neulich habe ich vom BARCELONA GIPSY BALKAN ORCHESTRA gehört und noch mehr gehört und noch mehr gehört, – nicht zuletzt wegen der hinreißenden Sängerin Sandra Sangiao, auch wegen der bewusst weiter präsentierten multikulturellen Haltung und – dies bildet keinen Widerspruch – Identität: Del Ebro al Danubio.

Die Neuedition des Jahres ist der Jazzwerkstatt zu verdanken: ALBERT AYLER, MUSIC IS THE HEALING FORCE OF THE UNIVERSE in einem Schuber mit FRAGMENTS OF MUSIC, LIVE AND DEATH OF ALBERT AYLER von PETER BRÖTZMANN, der es schaffte, einen 17-jährigen Schüler lebenslang für Free Jazz zu begeistern. Das war in einem kleinen Berliner Jazzclub, was die Präsenz der Musiker noch verstärkte, und es schien DIE Antwort zu sein auf den von Franz Joseph Degenhardt besungenen DEUTSCHEN SONNTAG.

Als Sommerhit des Jahres wünsche ich mir JE NE PARLE PAS FRANCAIS der Frankfurter Rapperin NAMIKA. „Hört sich irgendwie nice an“ – wie der Sommer eben. Man greife bevorzugt zur Version Beatgees Remix featuring Black M., immerhin für kurze Zeit auf Platz 1 der deutschen Single-Charts!

Die Zufalls-Wiederentdeckung des Jahres 2018 1/2: TOOTS THIELEMANS „It’s hard to say goodbye“ (2000). Er gehörte zu den Musikern, die in den Anfangszeiten von MySpace dem erklärten Fan persönlich zurück mailten; Toots Thielemans tat es auf besonders freundliche Art. Er starb im August 2016 in Brüssel.

Es bleibt spannend, ob PAPITO – meine aktuelle CD des Jahres 2018 – bis zum November auf diesem 1.Platz durchhält. Hier gibt es eine Jazzballade, die dem Abschiedsschmerz noch eins draufsetzt: er ist nicht nur hart, sondern auf Dauer tödlich („Ev’ry time we say good bye we die a little“). Höhepunkt des Songs ist das Luft-Trompeten-Solo der wie immer wunderbaren ERIKA STUCKY.


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