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2024 14 Feb

Winterspaziergang

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Ich bin seit Freitagabend auf dem knapp 200 km langen Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg unterwegs. Auf dem Weg jede Menge Kirchen, Kunst, Natur und natürlich auch Menschen, zumindest an den Etappenzielen. Darüber und vieles mehr schreibe ich etwas und klebe ein paar Bilder rein in mein Fastenwandertagebuch. Wer Lust hat, mir virtuell zu folgen, ich würde mich freuen. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich übrigens entschlossen, hier weiter mitzumachen. Gemeinschaftsblogs sind einfach eine tolle Sache und ich möchte gerne weiter zu diesem Gedankenaustausch beitragen.

 

 


 
 
 

Die heutige letzte Etappe kann man mit knapp 10 Km eher als einen Vormittagsspaziergang bezeichnen. Wir gehen recht bald aus dem Ort raus und bewegen uns wie so oft zwischen Wald, Wiesen und Feldern. Der Himmel zieht zu, ein paar Tropfen fallen, der Wind schüttelt die Laubbäume unter denen wir langspazieren kräftig durch. Durch die vielen Niederschläge sprießen dieses Jahr am Wegesrand viele Pilze (Foto Spitzschuppiger Schirmling). In Klein-Hehlen gehen wir am Waldsee vorbei.

Wir kommen nun in die Allerwiesen und stoßen auf einen Baumlehrpfad. Auf einer der Erklärtafeln sitzt eine große Heuschrecke (Foto). Zur Eibe entwickle ich eine Theorie. Sie ist die älteste Nadelbaumart. Im Kampf um Lebensraum mit den später auftauchenden Nadelbäumen hatte sie aufgrund ihres sehr langsamen Wachstums schlechte Karten. Um in der Evolution nicht unter die Räder zu geraten, „entschloss“ sich die Eibe giftig zu werden, so dass sie Tiere nicht fürchten musste. Nur die Früchte selber sind nicht giftig und die Vögel fressen sie und verbreiten die giftigen Samen, indem sie sie ausscheiden.

In Celle überqueren wir die Allerbrücke und machen am Endpunkt des Weges vor der Tafel beim Bahnhof ein Selfie. Wir gucken uns das Schloss und die von Fachwerkhäusern dominierte Altstadt an, die eine große Fußgängerzone darstellt. Auf den Querbalken oben stehen oft religiöse Sprüche und Lebensweisheiten (Foto). Wir probieren Barfußschuhe aus und kaufen uns jeweils ein Paar. Abends essen wir die Celler Rohe Roulade, eine Art Carpaccio in dickeren Scheiben, in Dackels Krohne, wo sie angeblich auch erfunden wurde.

 


 
 
 

Nach einem fürstlichen Frühstück machen wir uns gegen halb zehn auf und gehen an den Kiesteichen vorbei (Foto Seerosen) zurück zum Angelbecksteich, wo wir den Weg gestern verlassen hatten. Dort kommen wir in einer Holzhütte mit Aussicht auf den Teich ins Gespräch mit zwei betagten Brüdern aus der Gegend und der Frau des einen, die überrascht sind, dass wir die ganze Strecke von Hamburg bis Celle zu Fuß machen. Der eine Bruder ist vor 70 Jahren in den Ruhrpott gezogen und hat den Akzent angenommen. Unser Weg durch den Wald ist nun dreigeteilt. In der Mitte die Autopiste, links der geschotterte Weg für Radfahrer und Fußgänger, rechts der sandige Reitweg. Wir gehen meist auf der Piste, da es kaum Verkehr gibt und es dort am wenigsten Mücken gibt.

Wir kommen nun am Dehningshof vorbei, vor dem ein Mann eine Zigarette raucht, den ich aus der Ferne für eine Statue halte, weil er sich kaum bewegt. Wir befinden uns hier auf der im 19. Jahrhundert von Postkutschen viel genutzen Celler Heerstraße und der Dehningshof war eine Ausspannstation, wo die Pferde gewechselt wurden. Am Waldesrand stehen zwei Buchen (Foto), die, weil sie kein Harz enthalten, den Waldbrand von 1975 – bis heute der größte in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – überlebt haben. Der Weg zieht sich weiter durch den Wald hoch zum Citronenberg. Hier ließ der Überlieferung nach ein Kreuzfahrer den Einheimischen seine kranke Tochter zur Pflege und brachte als Dank anschließend Zitronen mit. Nach den Wildecker Teichen kommen wir an einer weiteren Ausspannstation, dem Forsthaus Kohlenbach (Foto) vorbei, das von einem jungen Paar bewohnt wird. Direkt nach dem Krieg hatte sich hier Eichmann unter falschem Namen einquartiert und war als Waldarbeiter tätig gewesen.

Unsere Mittagspause machen wir in einer halboffenen Schutzhütte, die an einer Kreuzung von Waldpisten liegt. Wir sind gerade beim Essen unserer belegten Brötchen, da taucht aus dem Nichts ein Radfahrer auf. Er fängt sofort an, überschwänglich zu reden, guckt auf seinen Tacho bzw. das GPS-Gerät und meint, er hätte jetzt auf den Meter genau die Hälfte seiner Tour, 111 km absolviert. Es stellt sich heraus, dass er an Orbit 360 teilnimmt, einer in der Coronazeit gegründeten Initiative, die gravel Rundtrips vorsieht, die man nachfahren kann. Wer 10 Orbits geschafft hat, nimmt an der Verlosung eines sehr guten Backroadrades teil. Er scheint da ziemlich weit vorne zu liegen. Wir tauschen uns ausgiebig über Radferntouren und Fernwandern aus und nachdem er die Kette geölt hat, schwingt er sich wieder aufs Rad für die nächsten 111 km, die er heute noch vor sich hat. Er wusste übrigens gerade mal, dass er in der Lüneburger Heide war, ansonsten hatte er von der Außenwelt wenig mitbekommen. Ich gebe ihm noch den Tipp mit, in Wilsede zumindest den 1 Km-Abstecher zum Totengrund zu machen.

Kurz nachdem wir wieder auf unserem Weg sind, fängt es an zu regnen und hört bis zum Ende der Etappe auch nur noch kurz für 20 Minuten auf. Wir spannen die Regenschirme auf und stellen uns, als der Regen stärker wird, ein paar Minuten an einem Hochstand unter. Man hört nun in der Ferne großkalibrige Schüsse. Wir gehen direkt auf einen heute privat betriebenen Schießplatz zu. Neben uns ein Standortübungsplatz der Bundeswehr, vor dessen Betreten aufgrund von Blindgängern gewarnt wird. In Scheuen treten wir plötzlich aus dem Wald und stehen vor einer großen, kurz geschnittenen Wiesenfläche, einem Segelflugplatz. Durch eine Siedlung kommen wir – nach gut 20 Km rechtschaffen erschöpft – zu unserer Unterkunft, direkt an der verkehrsreichen Hauptstraße nach Celle gelegen. Eine junge Ukrainerin, die kaum deutsch spricht, öffnet uns unser Zimmer.

 


 
 

 
 
 

Nach zwei Tagen, in denen wir verwöhnt wurden und Kräfte gesammelt haben sowie uns Hermannsburg angeguckt haben und zum Gaußstein am Breithorn gewandert waren, nun wieder eine Etappe, die uns auf dem Weg etwas vorwärtsbringt. Wobei wir uns am Ende gerade einmal 4 km nach Süden bewegen und uns dann auch noch rund 3 km vom Weg entfernen, wobei wir 15 km zu Fuß zurücklegen, der Weg macht einen ziemlichen Schlenker, der sich aber lohnt. Ein anderer Grund für diese Art von Echternacher Springprozession (zwei Schritte vor, ein Schritt zurück) ist die Tatsache, dass wir keine Unterkunft direkt auf dem Weg mehr gefunden haben, da ich mit der Reservierung erst im Juli begonnen hatte, was offensichtlich etwas zu optimistisch war, da wir jetzt ja auch Hauptsaison haben.

Wir kommen erst gegen 10 Uhr los, ein sonniger Sommertag ist da bereits im Gange. Innerhalb von 5 Minuten sind wir in der Natur, passieren einen Reiterhof mit Reitbahn, auf der ein Pferd mit Reiterin unter Aufsicht von zwei Lehrern im Kreise herumtrabt. Ein Maisfeld wird zum Testen verschiedener gentechnisch veränderter Saatguten genutzt, besonders hoch wächst die Sorte Monster (Foto). Auf einem anderen Hof liegt hinter dem Schafstall Heidschnuckenwolle (Foto), wir nehmen uns ein Büschel und entrichten einen Obolus. Wir kommen nun in die Misselhorner Heide (Foto), die durch einen 8 km langen Rundwanderweg erschlossen ist, der heute sehr gut besucht ist. Diese wunderschön violett blühende Heide zeichnet sich durch eine wellige Struktur und sandige, mäandernde Wege aus, die mit vielen Kiefernwurzeln bedeckt sind, eine Stolperfalle, die ich so gerade eben meistere. Auf den Wegen liegen zudem Kiefernzapfen und -nadeln und es riecht demgemäß stark nach Kiefer; es kommt Sommerurlaubsstimmung wie an der Ostsee am Darß oder auch in den Landes bei Bordeaux auf.

Nach einem Päuschen auf einer Bank im Halbschatten – die halboffene Schutzhütte im Vollschatten ist besetzt – verlassen wir die Heideschleife und befinden uns wieder in der Waldeinsamkeit. Die Wege sind wieder gerade, man kann gefühlt bis zum Horizont gucken und sieht nun wieder vereinzelt Menschen in der Ferne. Unser Blick schweift jedoch auch auf den Boden, wo wir das emsige Treiben der Kotkugeln drehenden Mistkäfer (Foto) beobachten. Als neue Schmetterlingsart in unserer Wahrnehmung begrüßen wir den Kaisermantel. Zwei Exemplare schwirren umeinander herum (Foto). Wir kommen zu einem großen Findling, der an den Brand in der Lüneburger Heide im August 1975 erinnert, bei dem 300 Feuer insgesamt 13.000 ha Fläche und damit einen großen Teil der Heide vernichteten.

Weiter geht es nun über zwei Straßen und wir sehen drei Autos, die auf der schnurgeraden mit 100 km/h und mehr befahrenen Straße zwischen Fahrbahnrandmarkierung und Grünstreifen parken. Hier ist ein Zugang zu den Oldendorfer Kiesteichen, die zum Angeln, aber auch zum Baden einladen. Wir gehen in den Schatten einer Kiefer zu dem recht einsam daliegenden See links und stürzen uns in die Fluten (Foto). Das Wasser ist an der Oberfläche angenehm temperiert, sobald man sich senkrechter stellt, ist es jedoch eiskalt für den Unterkörper und somit sehr erfrischend. Ein schöner Abschluss der heutigen Wanderung.

 


 
 

 
 
 

Nach einer durchschlafenen Nacht – irgendwann holt sich der Körper den nötigen Schlaf – ist heute auch die Wanderkluft vollständig getrocknet, neben dem ausreichenden Frühstück sowie dem Wetterbericht, der trockene 25 Grad verheißt, ideale Voraussetzungen für eine mit 20 km Länge optimal dimensionierte Etappe, deren Schlussstück eine Variante des Heidschnuckenwegs darstellt, da wir in Hermannsburg Verwandtschaft besuchen und dort drei Nächte verbringen werden.

Wir gehen aus Wietzendorf heraus und befinden uns bald in der berühmten Szene aus North by Northwest, rechts neben uns ein Maisfeld, vor uns ein Schild, das vor Flugzeugen warnt. Es ist dann – wie im Film – nochmal ganz knapp gut gegangen. Nach dem Verlassen der Straße landen wir in einer Landschaft, in der die Heide zum größten Teil abgestorben ist (Foto), da hat wohl lange niemand mehr geplaggt. Nun geht es auf breitem sandigen, schnurgeraden Weg, der auch viel militärisch genutzt wird, in den Wald. Mehrere Schilder untersagen dem Militär jedoch ausdrücklich, gewisse Seitenwege zu benutzen, die zumindest zum Teil in privater Hand sind. Wir kommen auf eine riesige, betonierte Kreuzung (Foto), wo sich sieben Wege treffen. Dort rasten wir auf einer Bank in der Waldeinsamkeit, die zunächst nur durch unsere bereits erwähnten beiden Wandergenossinnen gestört wird, die kurz nach uns eintreffen. Plötzlich wird die Ruhe unterbrochen durch ein Ungeheuer mit vier riesigen Rädern, ein Baufahrzeug, das zivile Zwecke erfüllt, das aus einem der Privatwege herauskommt, die für die Bundeswehr tabu sind.

Kurz vor dem Wietzer Berg sorgt eine große, hoch aufgehängte Holzschaukel für Abwechslung, die sich als schwierig zu beschaukeln erweist. Am Wietzer Berg befinden wir uns wieder in der Heide: sie blüht jetzt zu 100%, was lange nicht der Fall gewesen ist. Hier treffen wir auch wieder auf Menschen, die die herrliche Umgebung des Hermann-Löns-Denkmals (Foto) zu kurzen Eskapaden vom Parkplatz nutzen.

Anschließend nähern wir uns Müden, wo wir am Straßenrand auf einer Holzbank unsere Mittagspause machen. Kurz danach geht es durch den schönen Park an der Oertze. Der Ort mit seinen großen Fachwerkhöfen ist sehr großzügig angelegt, nachdem am Sonntag die Busse für volle Cafés gesorgt hatten, ist allerdings heute idyllische Ruhe angesagt, alle Lokale bis auf den Supermarkt sind geschlossen. Das soll uns recht sein. Die St. Laurentius-Kirche mit dem Holzglockenturm (Foto) ist wie alle Kirchen hier offen und zeichnet sich innen (Foto) durch zwei weiße Holzemporen aus, die für einen intimen Charakter sorgen. Wir tauchen unsere von den Wanderstrapazen und den Mückenstichen zerschundenen Beine an der Wassertretstelle (Foto mit Mühle im Hintergrund) in die Oertze. Nach einem Rundgang am Geländer fühle ich Eisblöcke unterhalb der Kniee, die Wassertemperatur dürfte knapp über 10 Grad sein. Eine bessere Erfrischung für die Füße ist kaum vorstellbar.

Die letzten 6,5 km nach Hermannsburg gehen wir mehr oder weniger geradeaus auf einer Piste durch den Wald, wir benutzen die Fahrbahn, Autos kommen keine, die Fahrräder fahren an der Seite auf dem schmalen eigentlich für Fußgänger und Radfahrerer vorgesehenen Weg. Wir erwehren uns der dramatisch zunehmenden Mückendichte mit biologisch abbaubarem Mückenspray. In Hermannsburg werden wir von weitem begrüßt.

2023 21 Aug

Hinter Wietzendorf

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Hinter Wietzendorf
Best wishes from Alfred

 


 
 

 
 
 

Nach der 30 Km-Mammutetappe vom Vortag haben wir heute zivilisierte 18 Km auf dem Programm. Das Kerngebiet der Heide liegt hinter uns, ein Großteil der Strecke verläuft durch Mischwald, zum Teil an oder auf meist kaum befahrenen Straßen.

In Soltau flanieren wir durch die Fußgängerzone, die wir am Sonntagmorgen nahezu für uns alleine haben. Bis auf zwei Wandergenossinnen, die hier den zweiten Teil ihrer Heidedurchquerung beginnen. Eine Tafel an einer Hauswand (Foto) weist darauf hin, dass es in der Geschichte eine nicht vor Gewalt zurückschreckende Rivalität mit den Pfeffersäcken in Lüneburg gab. Der Weg aus dem Ort heraus führt uns durch die „Vorstadtromantik der Eigenheimsiedlungen“ (Wegbeschreibung).

Wir unterqueren mehrmals die Bahnlinie Berlin-Bremen, die auch als Amerikalinie bekannt wurde, weil sie im 19. Jahrhundert von vielen Auswanderern aus den östlichen Gebieten genommen wurde, um dann von den Nordseehäfen per Schiff den Sprung über den großen Teich zu wagen. Außerdem treffen wir mal wieder auf die A7, die wir dieses Mal überqueren. Der Verkehr nach Hamburg ist deutlich dichter als der Verkehr in die Gegenrichtung.

Ansonsten ist dieser Wandertag eher beschaulich und für die geplagten Füße entspannend. Hinter der Autobahn kommen wir zu einer idyllischen Badestelle an der Kleinen Aue, die eifrig genutzt wird. Wir treffen auf viele Jogger, einige Radfahrer, aber überhaupt keine Mountainbiker, die woanders häufig am Sonntag die Wälder unsicher machen. Ein junges Paar mit Hund hat um diese Jahreszeit sicherheitshalber immer einen Korb für Pilze dabei, sie haben ein paar Hexenröhrlinge gefunden. Etwas später sehen wir am Wegrand mehrere Prachtexemplare von Schopf-Tintlingen (Foto), eine ebenfalls essbare Pilzart, die mir auf den ersten Blick eher suspekt vorkommt.

Es geht nun an einer in hohem Tempo befahrenen Landstraße entlang, neben uns Artilleriefeuerstellungen (Foto), die Erinnerungen an meine unfreiwillige Bundeswehrzeit vor 40 Jahren wachruft. Heute herrscht hier allerdings Ruhe. Was auf diesem Weg irritiert, ist die mäandernde Wegführung. Es ist grundsätzlich so, dass unser Weg so gut wie immer länger im Vergleich zum Radweg bzw. der Straße ist. Die Differenzen sind bei kleineren Strecken manchmal knapp 50%, also z.B. 3,5 km statt 2,4 km. Häufig führt unser Weg dann wie heute idyllisch durch den Wald, das ist aber nicht immer so.

Kurz vor Wietzendorf sehen wir wie das Mähen der Wiesen abläuft. Im ersten Schritt wird die Wiese von der vom Traktor gezogenen Mähmaschine gemäht und anschließend zusammengekehrt, so dass am Ende lange Straßen von Grasschnitt auf der Wiese liegen. Nun kommt eine ebenfalls von einem Traktor gezogene Maschine zum Einsatz, die zum einen das Gras zu den bekannten zylindrischen Grasballen komprimiert, mit einem Strick befestigt und den Ballen sodann über ein rotierendes rundes Gestänge in Plastikfolie einpackt. Im Ergebnis gibt das die Plastikballen, in denen das feuchte Gras gären kann und im Winter als Futter (Silage) insbes. für die Rinder verwendet werden kann. Der Geruch dieser vergärenden Ballen ist etwas süßlich und erinnert mich an Dunhill-Tabak. Man riecht ihn viel auf allen Wegen, die durch landwirtschaftlich genutzte Wiesenflächen gehen. Ich liebe ihn.

In Wietzendorf überqueren wir die Wietze (Foto von Badestelle) und kehren im Eiscafé ein und trinken einen köstlichen Eiskaffee. Hier gibt es einen alten Glockenturm aus Holz (Foto) neben der Kirche sowie die Imkerstatue (Foto). Der Imker hat eine Pfeife im Mund, mit dem Rauch beruhigt er die Bienen.

 

2023 19 Aug

Heidschnuckenweg

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File under shameless self-promotion: Für diejenigen, die noch Interesse an der Wanderung auf dem Heidschnuckenweg haben, hier geht es weiter. Ich wollte dieses Blog nicht mit Content vollballern, der nicht so richtig in das Konzept hier passt und zudem keine Resonanz gehabt hat.

 

2023 16 Aug

Die zweite Etappe: die Maschine übernimmt

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Morgens gleich zwei Schocks. Die Klamotten sind nicht richtig getrocknet und heute Morgen ist Regen angesagt. Kein Spaß morgens in feuchte Socken zu steigen, aber was will man machen und außerdem schneller als auf dem warmen Körper trocknen die Sachen nirgends. Das heiße Teewasser tröpfelt langsam aus dem Automaten, Geduld ist angesagt. Es sind gefühlt Horden von Wanderern im Hotel und wir sind so ziemlich die letzten, die frühstücken und sich auf den Weg machen, als draußen schon fast die ersten Tropfen fallen. In Buchholz-Zentrum wird uns in einer Drogerie eröffnet, dass Bandagen schon seit längerem nicht lieferbar seien. Es trifft sich gut, dass das rechte Knie eigentlich nicht mehr schmerzt. Den Regen nutzen wir für eine Capuccinopause, drei rüstige Rentner, die im selben Hotel übernachtet hatten, tun selbiges. Wir treffen sie heute immer wieder, sie laufen etwa in unserem Tempo, man hört sie von weitem, da sie permanent reden, zwei Schwaben aus Göppingen (Märklin und Handball) bei Stuttgart und ein Bremer. Sie bleiben oft stehen und machen viele Pausen, sie machen es richtig, wollen heute bis Wesel (ca. 28 km), da sie vorher keine Unterkunft gekriegt haben.

 

Hinter Buchholz kommen wir in einen Mischwald und nähern uns der Höllenschlucht, einem periglazialen Trockental. Am Wegesrand wieder viele Pilze. Léo Gantelet, der einen sehr empfehlenswerten Verbindungsweg zwischen der Via Gebennensis (Genf – Le Puy) und der Via Tolosana (auch voie d’Arles) initiiert hat, schrieb mal davon, dass nach vielen Kilometern Wanderns irgendwann der Weg anfängt, unter den Füßen hinwegzugleiten. Das ist sozusagen das Satori des Wanderers. In diesem lichten Mischwald auf weichem Boden komme ich diesem Zustand schon recht nah. Ich würde es allerdings anders formulieren. Meine Beine gehen von alleine, die Wandermaschine übernimmt, ich werde gewandert. Kurz nach dieser umstürzenden Erkenntnis bin ich natürlich mal wieder umgeknickt, hingeflogen und weich gefallen.

 

Von der Höllenschlucht geht es hinauf zum Brunsberg, dem Dach der heutigen Etappe mit 129 m. Wanderwege aus allen Richtungen laufen auf diese mitten in der Heide stehende Erhebung zu, es ist hier ein reges Treiben. Wir machen eine kurze Trinkpause, lauschen dem Wind, der durch die vereinzelt herumstehenden Birken weht. Wenn man genau hinhört, kann man ein ganz leises Summen vernehmen. Die kleinen Heidebienen schwirren von Erikablüte zu Erikablüte. Man sieht viele durch im Kreis aneinander befestigte Holzlatten geschützte Wacholdersträuche, die angepflanzt wurden und so nicht von den Schafen gefressen werden können. A propos, der Boden ist überdeckt mit den rundlichen, dunkelbraunen Hinterlassenschaften der Heidschnucken, sie können nicht so weit sein, wir sind ihnen dicht auf der Spur.

 

Unsere Mittagspause machen wir auf dem Pferdekopf (78 m), wo die rüstige Rentnertruppe kurz nach uns eintrifft. Eine Wolke über uns verliert einige Tropfen, ansonsten bleibt es für den Rest des Tages trocken. Hier sind wir wieder mitten in der violett blühenden Heide. Wir kommen an zwei Weihern vorbei, wo blaue Libellen unterwegs sind. Nun geht es auf einem breiten Sandweg durch das Büsenbachtal zum Schafstall, einem beliebten Café mit kleinem Laden, wo wir ein kleines Kopfkissen mit Kräutern und Duftpflanzen für ein Geschenk erwerben. Der weitere Weg ist wenig ersprießlich. Wir gehen neben Straßen auf hartem Untergrund zum Supermarkt in Handeloh und dann noch nach Höckel, unserer Airbnb-Unterkunft. Dort treffen wir unsere Gastgeberin, die gerade die Pferdekoppel „entäppelt“, damit der Boden nicht zuviel Stickstoff bekommt und die Pferde genug zu grasen haben. Wir lassen den Abend draußen auf der Terrasse vor unserer Einliegerwohnung bei Pizza und Bier ausklingen.

 

2023 15 Aug

Die erste Etappe ist die Schwerste

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Von Hamburg-Neugraben bis Buchholz-Steinbeck sind es nur rund 25 km auf dem Heidschnuckenweg, aber die hatten es gestern in sich. In der Fischbeker Heide schlängelt sich der Weg immer wieder von links nach rechts und zurück, das Höhenprofil ist leicht wellig. Nach dem Segelflugplatz wandern wir geradeaus auf der Grenze zwischen Hamburg und Niedersachsen, allerdings geht es nun in die Vertikale immer wieder recht steil rauf und runter, über Stock und Stein auf einem von Baumwurzeln übersäten Weg. Wir kommen ins Schwitzen. Ein etwa gleichaltes Paar kreuzt dauernd unseren Weg. Erst machen sie Rast auf einer Bank in Tempelberg, wir kommen vorüber und grüßen mit „Moin“, sie zurück, dann pausieren wir im Mischwald, sie gehen vorbei etc. Im Wald treffen wir auf drei Generationen einer ukrainischen Familie. Großvater und -mutter mit Tochter und Söhnchen. Die Großmutter hat einen Korb mit Pilzen. Reizker und Maronenpilze (mit Lamellen). Sie spricht gut deutsch, kennt die Pilznamen auf deutsch. Wir gucken beeindruckt in den Korb, was dem kleinen Jungen gar nicht gefällt, er fürchtet, dass wir die Pilze wegnehmen und insistiert, dass es ihre Pilze sind, er scheint verängstigt, guckt mich mit großen Kinderaugen an, ich muss daran denken, wo sein Vater wohl jetzt gerade ist. Später kommt aus einem anderen Waldstück ein mittelalter Mann, die Hände voller Pilze, mit einem selbstzufriedenen Lächeln auf den Lippen. C. fragt, ob es Steinpilze sind, er bejaht.

 
 

 
 

Mittagspause auf einer Bank mit Blick auf den Fernmeldeturm Langenrehm, der Wiesenweg zieht sich langsam links von uns den leichten Hang hinauf. Während unserer Rast kommen mehrere Wanderer vorbei. In Langenrehm ist Halbzeit, wir haben etwa 12,5 km hinter uns gebracht. Die zwei Liter Wasservorrat sind erschöpft. Unser Wasserverbrauch enorm, bei sommerlichen Temperaturen um die 25 Grad und viel Auf und Ab eigentlich nicht so erstaunlich. Mitten im Weiler der ausgedehnte Reiterhof der Familie Lücking, eine Art Abenteuerspielplatz für Kinder mit zwei echten Dampfloks, einem krokodilartigen Holzstamm etc. Wir treffen ein paar Kinder an, die uns in Richtung Reithalle weisen. Dort ist niemand während der Siestazeit. Wir sehen einen Gärtner, der uns den Weg zur Hauswand mit dem Wasserhahn unter dem metallenen Tornister weist. Dadrüber steht „Durstlöscher für Wanderer“.

 
 

 
 

Am Wegesrand treffen wir zweimal auf als Schutzhütten eingerichtete Bauwagen. Drinnen sieht es gemütlich aus, das Getränkeangebot ist vielfältig.

 
 
 


 
 
 

Am Wegesrand immer wieder Findlinge, meterhohe Steine vom Sand glattpoliert während des Schmelzens der Gletscher in der vorletzten Eiszeit. Das eindrucksvollste Exemplar der nach Karl dem Großen benannte Karlstein in den Schwarzen Bergen vor Rosengarten. Ein rund zwei Meter hoher und noch etwas breiterer Stein mit einigen Furchen, er erinnert etwas an ein Gehirn.

 
 

 
 

Im Wald kreuzt ein Prachtexemplar von Hirschkäfer unseren Weg. Während wir heute gut 10% der Länge des Heidschnuckenweges durchschreiten, schafft er es in Nullkommanichts den Weg einmal zu queren.

 
 
 

 
 
 

Vor Nenndorf ein infernalisches Tosen, vor uns die A261, unter der wir durchgehen. Danach sogar noch ein Stück, wo sie parallel zum Weg verläuft, kurz vor Dibbersen dann noch neben dem Autobahnzubringer – die Brombeeren am Rande mehr als reif – und dann über die A1, das war es dann heute erstmal mit dem Autobahnlärm. Wobei wir anschließend noch an einer Kiesgrube vorbeikommen, wo reger Lkw-Verkehr herrscht und die Landschaft völlig zerschnitten ist.

Im Wald vor Buchholz-Steinbeck, unserem Etappenziel, treffen wir auf einen Mann mit zwei Hunden, mit dem wir ins Gespräch kommen. Der eine Hund, der aussieht wie ein stämmiger Irischer Wolfshund stellt sich als altdeutscher Hütehund heraus, er braucht gerade eine Pause, legt sich hin, ein eher phlegmatischer Zeitgenosse, der uns an die Berner Sennenhündin erinnert, mit der wir regelmäßig Gassi gehen. Der zweite Hund ein aufgedrehter schwarzer Zwergpudel, der mich sofort adoptiert, sich hochstellt gegen mein Bein und Streicheleinheiten verlangt. Anschließend umtänzelt er den massigen Hütehund und schleckt sein Gesicht ab. Immer wieder schön zu sehen, Zärtlichkeit zwischen Tieren bzw. das, was wir dafür halten.

Gegen Ende werden die schweren Beine wieder etwas leichter, die zusammengeschrumpften Schritte wieder etwas länger, das vor uns liegende Ziel weckt noch einmal letzte schlummernde Kräfte. Insgesamt eine sehr abwechslungsreiche Etappe, ich ärgere mich etwas den Weg, was die vielen vertikalen Amplituden angeht, unterschätzt zu haben, die Wanderstöcke hätten uns gut unterstützen können. Beide Kniee schmerzen jetzt etwas, ich benötige auf jeden Fall noch eine zweite Bandage. Die beiden Stürze am ersten Tag wie meistens harmlos auf weichem Boden und perfekt wie ein Judoka abgefedert. ;-)

 


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