Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2019 13 Jul

Tania Giannouli

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„Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“

 
 

Das sagte – many, many moons ago – Aristoteles, der von der ins Unwetter und somit in die Schlagzeilen geratenen Insel Chaldiki stammt, wo vor ein paar Tagen ein Tornado Schlimmes anrichtete. Ein Freund hatte mir unlängst von einer griechischen Pianistin erzählt. An sie dachte ich, als ich die Unglücksnachricht hörte. Ich hatte mir vorgestellt und gewünscht, dass es neben den Politikern, besonders die Musiker, überhaupt die Künstler, sein sollten, die an solch dunkle Orte eilten.

Tania Giannouli kommt aus Athen. Sie hat bereits 8 Alben eingespielt und viele Konzerte gegeben, die sie immer bekannter werden liessen. Ihren Durchbruch hatte sie mit dem  Jazz Album Transcendence. Mir fiel das Stück „Spell“ (auf Rewa) ein, an diesem black thursday. Es ist diese stille, mystische Improvisationsweite,  die sich so tröstlich über das Verwüstungsfeld hätte ausbreiten können. Die Pianistin Tania spielt besonnen, verhalten, jeder Ton ein langer Atemzug, so, als ob es schwer sei, zum nächsten Ton Anklang zu finden. Sie wird von Instrumenten aus der fernen Maori Welt begleitet, Robert Thorne kann sie spielen. Und –  ganz zurückgenommen – mischt noch der Elektroniker Steve Garden mit.

ECM stand hier mal nicht als musikalischer Aufnahmepate, Tania Giannouli ist bei dem neuseeländischen Label „Rattle Records“ unter Vertrag. Erst kürzlich war das Trio auf der Jazzahead 2019 in der Jazz Club Night in Bremen zu erleben. Dabei hatte sie den Trompeter  Andreas Polyzogopoulos und den Oud-Spieler Kyriakos Tapakis. Eine wundervolle Zusammenstellung. Hier ein paar Links, die sich lohnen, anzuklicken:

 

 

soundcloud / tania gianoulli

Tania Giannouli Trio at Jazzfest Berlin 2018: 

„Medley“

„Dawn Dancer“

„Labyrinth“

 

2019 11 Jul

Das Sommerloch

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The guitar is multilingual

Habt Ihr das Sommerloch schon einmal gesehen? Nein? Ich auch nicht. Ich habe einmal das Denkloch gesehen, gemalt von einem französischen Künstler. Da steht ein Mann und denkt ein Loch in den Boden. Beeindruckendes Gemälde. Ich will heute darüber nachdenken, weshalb ein vegan-non-smoking-antialcohol Festival wie das Fusion in Müritz genauso gut eine Bombenstimmung hervorzaubern kann, wie Woodstock; dass Bob Dylan nach Hamburg tourt; und warum Neil Young eine schlechte Performance in Mannheim lieferte; dass ich am Rhein sitzen kann und mit Tausenden ein great party feeling bei freiem Eintritt haben kann; dass ich es toll finde, dass Leute zusammen Musik aus ihren mitgebrachten Blockbustern hören und das im Spotify Zeitalter …

 

And nobody is watching you

Ich denke an früher, wie wir zusammen saßen,  unsere neu erworbenen Schallplatten anhörten und über die Marke des Schallplattenspielers oder über die richtige Gramzahl beim Auflagegewicht der Nadel – Kristall oder Diamant – diskutierten.

 

And nobody was watching us

Neben mir steckt sich die Frau im leichten Sommerkleid ihre winzigen earphones rein, neben ihr der Freund mit gelben grossen headphones.

 

And they are all watched

Ich habe das Buch von Shoshanna Zuboff dabei: Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus (Campus). Darin geht es um die einseitige Beanspruchung menschlicher Erfahrung als Rohstoff zur Umwandlung in Verhaltensdaten. Und um die allgegenwärtige Frage: Beherrschen wir noch die Maschinen? (The Big Other / Lacan). Die Harvard Ökonomin findet eine plausible Herleitung vom Massenprodukt Auto (Ford) bis hin zum vermeintlich individualisierenden Produkt iPhone. Sie erklärt sehr anschaulich, wie die Ökonomie geschickt das Verhalten der User von iTunes, iPod und iPhone ausnutzt, spricht gar von „Verhaltensterminkontrakten“. Ihre etwas sperrig daherkommenden Wortschöpfungen machen durchaus Sinn, wenn man bereit ist, mit ihr die Vorstellung zu teilen, was wir eigentlich sprachlich und denkerisch für Mittel haben, für das, was Facebook und Google mit uns macht. Sie nennt es noch: Das BeispielloseSie gibt uns zum besseren Verständnis das Beispiel des Pferdewagens, der plötzlich ohne Pferd in Bewegung geriet – und man auch nicht wusste, wie man das nennen sollte. Zuboff arbeitet auch mit vorhandenem Wissen und zieht Skinner (Behaviorismus) und Hannah Arendt (Totalitarismus) hinzu, um fortzuführen und aufzuklären, wie sehr uns die großen digitalen Unternehmen im Griff haben. Auf dem neuen Album Talk To Me von der Bostoner Band Editrix,werden wir schon am Anfang Zeuge der  menschlichen Veränderung: „I did it for the Instagram.“ Wendy Eisenberg singt diese Lyrik. Ich kenne sie aus dem Country-Umfeld. Nun hat sie anscheinend ihr Banjo zur Seite gelegt und konzentriert sich voll auf ihre Gitarre. Ihre Riffs sind phänomenal. Zusammen mit Steve Cameron am Bass und Josh Daniel am Schlagzeug spielt das Trio von Free Jazz bis yet unnamed music. Wer denkt da nicht an die nicht zu kategorisierende Musik von Captain Beefheart.  Also – give it a shot.

 

Wendy Eisenberg – „Three Dream Rooms“

2019 26 Jun

Get on out of the Rain

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So klinge ich – so werde ich sein, wenn ich sein werde. Ich bin das Aufschäumen, der Klangblock, die befreite Figur, ich bin die schöne, die kühne Stelle, ich bin der Sprung in den höchsten Ton; die Welt klingt nach mir, wenn ich mich zeige, wie ich mir versprochen bin. (aus: „Blasen“, von Peter Sloterdijk)

 
50 Jahre ECM, vor 50 Jahren Apollo 11. In 50 Jahren ECM auf dem Mond?
 
Bleiben wir auf mother earth, bleiben wir bei den Musikern, die mit dem Gimmick bekannt wurden, ihre Gitarren auf dem Boden zu zerschlagen. Für Gregor – yes, The Who. Vor ziemlich genau 50 Jahren machten The Who die Oper salonfähig. Die Zuhörer saßen nicht in roten Plüschsesseln, sondern im Dreck von Woodstock und lauschten der Rockoper Tommy – ein Meisterwerk.

Der kleine, stämmige Roger Daltrey sang gegen Tod und Teufel an. Und doch verlor er viel zu bald zwei seiner Bandmitglieder, Keith Moon am Schlagzeug, John Entwistle am Bass. Allein den hoch überragenden Pete Townsend konnte er am Leben halten. Tommy war ein großer  Wurf. Ich wage den Vergleich mit Goethes Die Leiden des jungen Werther. Dieser Briefroman traf in die Herzen einer ganzen Generation. Ebenso magisch wirkte Tommy. Millionen pilgerten zu den Konzerten. Millionen demonstrierten gegen den Vietnamkrieg.

Das war vor 50 Jahren. Daltrey erfüllte sich jetzt ganz in der Nähe von Woodstock seinen Traum. Er trat mit seiner Band und einem ordentlichen Symphonieorchester auf und nannte das ganze: „Tommy-Orchestra“. So heisst auch das neu veröffentlichte Album.

Noch in diesem Jahr soll es ein neu eingespieltes Album mit Pete Townsend geben.
 
Zudem hat er einen zeitlosen, neuen Song geschrieben:

 

„Get On Out of the Rain“

 

When will we all start gettin‘ together

Learnin‘ to live and love one another

Hey hey hey hey hey

When will the people stop fightin‘ each other

Learn to forgive and help another

Hey hey hey hey hey

2019 24 Jun

Kunst in der Natur

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2019 23 Jun

Die Späher am Atlantik

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„Also“, sprach Plinius, „hier ist nun das Ende der Welt. Möge Platon zufrieden sein, dass ich den Null Meridian durch seine elysischen Gefilde lege. Ob er „Atlantis“ hier vermuten will, bleibe sein Geheimnis.“

 

Wahrhaftig wurde ein achtes Eiland Ende des 19. Jahrhunderts von drei Herreńos gesichtet. Sie waren über goldene Ilix Wiesen und durch bis zu 15 Meter hohe Baumheiden gewandert, vorbei an riesigen Gagelbäumen und genossen die Melodie der Stille. Von unbekümmerter Sorglosigkeit getragen, gingen sie in den friedvollen Pinienwälder hinein.

 
 
 


 
 
 

Als sie auf die öden Lavafelder trafen, erfasste sie ein Rausch, hervorgerufen von der Urgewalt und plutonischen Inferiorität des erstarrten Magmas. Die reine, weiche Luft des Passatwindes, vermischt mit den radioaktiven Strahlen der Mineralien, versetzte die drei Wanderer in eine traumhafte Benommenheit, die sie vorübergehend zu einer unsicheren Fröhlichkeit veranlasste. Der eine Wanderer zeigte in Richtung Leuchtturm und machte die beiden Anderen auf die „Wunderinsel“ San Borondón aufmerksam. Die Männer spähten mit den Händen über den zusammen gekniffenen Augen hinaus auf den Atlantik. Der Eine begann zu zittern und bat darum, den Rückweg anzutreten. Sicher zuhause eingetroffen, setzten sich die Männer noch auf ein Glas Elysar-Wein zusammen und hörten der fernen Stimme von Dona Valentina la de Sabinosa (1889-1976) zu.

 
 
 


 

 
 

Gestern Abend gab Omer Klein Clara Schumann und uns die Ehre. Das Konzert begann mit einem wundervollen, wie aus einem Schlüsselblumenbouquet geschüttelten Vollklang. Omer am Piano strahlte seinen Bassisten Haggar Cohen-Milo an, der lachte zurück und dann hinüber zu Amir Bresler am Schlagzeug. Da fand musikalische Höchstkommunikation statt. Was für eine Spielfreude! So nur gesehen bei Ravi Shankar, lang ist’s her. Dann stand Omer auf, nein, er lehnte nicht am „wankenden Spinett“, sein Bassist hielt mit, das Ganze ein Bild von: wir halten die Richtung. Das Musikboot steuerte mediterrane Häfen an: Stücke rund um das Mittelmeer erklangen. Mir gefiel besonders das zweite Stück: „Tripoli“. Omer haute in die Tasten, der Drummer übertönte ihn. Fantastisch wie er die Trommeln bediente: wake up, stand up, beat up for your life. Ich denke an Heinrich Bedford-Strohm, der jetzt auf Sizilien steht und für die Entkriminalisierung der Seenotretter kämpft. Die drei Jungs aus Israel hämmerten ihre Anklage, dass ein Raunen durchs Publikum ging, meine Freundin flüsterte mir zu: „They got the rhythm.“ Hillary Clinton schwebte vorüber, was hat sie  für Unheil angerichtet. Und please, free Assange. Musik kennt und tröstet mit wunderheilsamen Melodien. Das Omer Klein Trio besitzt alle musikalischen Rezepte dazu. Ihre komponierten Stücke schlugen einen weiten magrittschen Friedensflug über das Mittelmeer. So heisst denn auch ihr drittes Album: Radio Mediteran. Unbedingt empfehlenswert!

 
 

 

Bedauerlicherweise konnte ich den von Uli so einladend beschriebenen Abend nicht miterleben. Beim zweiten Manasoirée war ich dabei und da wiederholte sich zum Glück das tiefe gemeinsame Zusammensein, nicht zuletzt wegen dem liebevoll gestalteten Essen und dem musikalischen Vortrag. Es wurde auch über das Schreiben auf dem Blog gesprochen, was mich dazu veranlasst hat, meine derzeitige Lektüre – zum Thema passend – hier einzustellen.

 
 

 
 

Der Schriftsteller und Ethnoanalytiker Hans- Jürgen Heinrichs hat einige interessante Literaten interviewt, dabei ist er stets von der Frage ausgegangen: Wie schreiben Sie?

 
 

Elfriede Jelinek

Elfriede Jelinek setzt sich ab von den Autoren, die etwas bloß „im Schnee nachspüren“; sie dagegen oszilliere, springe hin und her zwischen verschiedenen Sprachrhythmen und Sprecherpositionen und beharre nicht auf ihrer Position. „Ich habe immer das Gefühl, dass sich die Bücher selber schreiben und dass nicht ich es bin, die das schreibt.“ (S. 316)

 

Friederike Mayröcker

Am Anfang steht meist etwas Erlebnishaftes. Es war so bei „brütt“, dass ich auch da wieder nicht gewusst habe, wohin es gehen wird, und mit etwas begann, das ich dann völlig gelöscht habe. Ich habe dann wieder ganz anders begonnen und viele Seiten geschrieben, die ich als null und nichtig erkennen musste. Dann fing ich neu an und da ist es besser gegangen. Es ist sicher etwas Erlebnishaftes dabeigewesen. (S. 65)

 

Gerhard Roth

Ein Zeitrahmen ist für mich notwendig, wenn ich schreibe, da ich sonst psychische Probleme bekomme. Ich zerfalle sozusagen. Ich löse mich auf, wenn ich mir nicht selbst eine Zeitvorgabe stelle, die ich aber nicht zwingend einhalten muss. Ich kann an verschiedenen Orten schreiben. Ich brauche keinen bestimmten Platz, keine bestimmte Uhrzeit. (S. 84)

 

Georges-Arthur Goldschmidt

Mir ist es selten passiert, dass ich genau das schreibe, was mir so vorschwebt. Ich habe eine Idee, oder ein Bild kommt mir und das behalte ich in mir tagelang, und dann, wenn ich das niederschreibe, dann kommt völlig was anderes. Ich habe nie eine Zeile geschrieben, die ich schreiben wollte, es kommt einem immer anders. (S.126)

 

Paul Nizon

Wenn ich wirklich ernsthaft und entsprechend motiviert an einem Fischzug bin, dann habe ich von einem gewissen Punkt an das Gefühl, dass ich dieses Lebewesen in seiner Artikulation oder auch in seinen ersten Pulsierungen kennenlerne. Und dann geht es darum, es möglichst ganz an Land ziehen … Wenn nach der langen Inkubinationszeit oder dem Bebrüten die Gangart und die Tonart gefunden worden sind, so dass das Ding in den ersten Passagen sprachlich zu funktionieren beginnt, dann nehme ich diese Passagen auf Tonband auf und spiele sie mir vor. Das ist eine Technik, die mir erlaubt, mich nicht selber lesen zu müssen, weil ich Schwierigkeiten habe, mich selber zu lesen, ich habe dann immer das Bedürfnis wegzulaufen. (S.176)

 

Nathalie Sarraute

Was mir wichtig ist, schreibe ich im Café. Dort fühle ich mich wohl. Dort empfinde ich nicht die Einsamkeit, die manchmal so groß wird, wenn ich allein in einem Zimmer eingeschlossen bin, inmitten der Bücher. Ich habe Angst, mit dem Schreiben anzufangen … in einem Café habe ich das angenehme Gefühl auf Reisen zu sein. (S. 190)

 

E.M. Cioran

Ich schreibe nur, wenn ich deprimiert bin, im Zustand der Verlassenheit und der Verzweiflung. Aber indem ich geschrieben habe, habe ich mich doch davon befreit. Für mich ist nur das Schreiben eine reale Therapie. (S. 215)

 

Breyten Breytenbach

Schreibzwang habe ich sehr wenig. Was manchmal passiert: ich erwache frühmorgens mit einer Phrase oder einem Wort, und das ist wie ein Signal, wie ein herunterhängender Faden von einem Kleidungsstück, und man zieht daran … was bei mir jedoch häufiger ist -etwas sehr Frustrierendes -, dass man sich eine Notiz macht, einen Satz notiert, ein Wort, ein kleines Bild, und man dann zu etwas anderem übergeht. Am nächsten Morgen greift man es wieder auf oder weiss dann nach drei Tagen nicht mehr, was man damit machen soll. (S. 287/288)

 

Hans Werner Henze

Es ist so, dass ich nur frisch gewaschen und mit frischer Wäsche an den Schreibtisch gehen will und kann. Sonst stimmt etwas nicht, ist in Unordnung. Es muss alles ungeheuerlich ordentlich sein. (S. 305)

 
 
Ich empfehle das Buch von Hans-Jürgen Heinrichs auch wegen seiner wunderbar direkten, grenzenlosen Fragen an die bekannten Schriftsteller.

 
 

L’amour inonde toutes choses

 

Hildegard von Bingen (1098-1179) ist mir als Benediktinerin, als Schriftstellerin („Der Mensch in der Verantwortung“), als Botanikerin, Heilmedizinerin und Theologin bekannt. Die Musikerin entdeckte ich erst jetzt auf einem Kulturfest in Brüssel. Dort wurden in einer Kirchenruine mehrere Stücke aus ihrer umfangreichen Musiksammlung Symphonia Harmoniæ Cælestium Revelationum uraufgeführt.

Wir betraten den halbdunklen Raum, der mit Liegesitzen, gruppiert um eine altarartige Insel, ausgestattet war. Das Konzert sollte drei Stunden dauern, Kamera verbot sich von selbst. In einer Ecke waren zwei Personen schemenhaft wahrzunehmen, leicht erhellt durch ein Instrument, das „strahlte“. Die beiden Künstler bewegten sich anmutig auf die Brücke zu, beide nur mit einem grauglitzernden Lendenschurz bekleidet. Beide die Haare zu einem dramatischen Dutt hochgesteckt. Die weißen Brüste der Musikerin lehnten an der Bandura. Jungfräuliche Renaissance Malereien kamen mir in den Sinn. Ich habe noch nie eine Bandura gesehen, angeblich ein ukrainisches Instrument, verwandt mit Harfe und Laute. Die Spielerin zupfte sehr zart, leise Klänge schufen sogleich eine mystische Atmosphäre. Der Sänger ließ sich langsam zu ihren Füßen nieder und begann mit sonorigen, gebetsartigen Gesängen. Die hellen Töne der Bandura untermalten die dunklen Klagelieder. In reinster Einfachheit saßen die beiden auf der Brücke, sangen, spielten und schmusten. Manchmal erhob sich der tanzbegabte Sänger und schien durch den Raum zu schweben. Das in Stille verharrende Publikum rutschte tiefer („meditatiefer“!) in die Liegesessel, manche waren bereits nach Minuten weggetreten oder eingeschlafen. Ich blieb wach, durchschritt angenehme, weil harmonische Sphären, betrat mystische Wege von kleinen Traumwelten. Das sparsam eingesetzte Lichtspiel liess einmal die Decke des Kirchenschiffs rot erleuchten: Morgenrot, Abendrot, Sommer, Winter, nur eine Ahnung der weltlichen Schatten. Was für eine tranceartige Zuhör-Erfahrung!

Es lohnt sich über die beiden französischen Künstler nachzulesen. Marie-Pierre Brébant und François Chaignaud haben in den Kompositionen von Hildegard von Bingen geforscht und ihr kryptisches Notenwerk übertragen.

Alle sieben Konzerte sind ausverkauft. Kein Wunder der 2012 heiliggesprochenen Hildegard von Bingen.

 

 
 
 

Mit Wolfram beim 3. Manatreffen bei Ritter Sport in Waldenbuch

 

 

 
 
 

Ich dachte es wäre nicht verkehrt, wenn ich in diesen Tagen mit den Olivetti Chronicles herumlaufe. John Peel war ein begeisterter FC Liverpool Anhänger. Wenn er jetzt leider vom Himmel aus seinen Club gegen Barca verlieren sieht, kann er doch wenigstens unbekümmerter als Jürgen Klopp die geniale Technik von Messi beklatschen.

Ich hatte das Buch – immerhin „Three Decades of Life and Music“ – auch letzte Woche dabei, als ich in einem Sportheim mit einem Freund das Spiel Barcelona gegen Liverpool ansah. In der Pause blätterte er in dem John Peel Buch, sprang plötzlich hoch und jauchzte: Das muss ich mir kopieren,  wo kann man denn sonst noch unter den Musikjournalistenfuzzis was über Captain Beefheart (Peel Meets The Captain, 1972) lesen.

Gestern traf ich mich mit einer Freundin in der Düsseldorfer Altstadt. Sie fragte mich, warum ich so ein dickes Buch herumschleppe. Zugegeben, ich bin abergläubisch. Ich erklärte ihr, dass ich bis zum Rückspiel am Dienstag mit dem Wackerstein herumliefe.

I put a spell on you … Ich fragte sie nach Klaus Schulze, Ah ja der, sie hätte vorwiegend Tangerine Dream gehört, weniger Kraut und Kraftwerk. Ich zeigte ihr das Kapitel „Kosmische Musik 1973“Ich kopiere.

Als ich heute morgen am Rhein saß, dachte ich, dass ich John gerne getroffen hätte. Ich finde ihn lustig, intelligent und leidenschaftlich. Ich hätte ihm dafür gedankt, dass er die PSYCHODELIC FURS auf Radio 1 nicht nur vorgestellt, sondern auch oft aufgelegt hatte. The Furs gehören mit dem Song „Fall“ in meine Ausnahmemusikkiste:

 
 

See the wall the wall is black

We will have a heart attack

We will be alone and we’ll fall  we’ll fall

 
 

Soweit ich weiß, ist er an einem Herzanfall gestorben. 

Letztes Jahr sah ich den Kinofilm I call you by your name. Darin geht es um eine Männerliebe. In einer emotional erhitzten Szene lief plötzlich der Fur Song „Love my way“Grossartig.

John Peel möchte ich das letzte Wort geben:

 

I’m more concerned about what Liverpool do next ‚Tuesday‘, than what they’ve done in the past. Their past history…isn’t of particular interest to me…It’s the same with music, when I say I’m more concerned about those records that I have in the back of my car, that I’ll still listen to this weekend than I am really even in the ones I’ve played in this week’s programmes.


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