Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Painting and giving life to places that don‘t have any, is very gratifying. 

 

  • Vor 10 Jahren brach hier vor der Küste ein Unterwasservulkan aus, die Bewohner von La Restinga mussten für Monate ihre Häuser verlassen. In Erinnerung an diese Naturgewalt hat nun die Gemeinde vier bekannte Künstler eingeladen, um das 350 Seelendorf mit Wandgemälden zum Thema ‚Vulkan’ zu schmücken. Die Einheimischen wurden natürlich nicht gefragt, sie reagierten zunächst verhalten bis unverständlich, aber jetzt sind sie erfreut.
  • Diese jungen Künstler kommen aus der 3D Generation, sie sind Betrachter der Internetlandschaften, kennen aber auch ihren Picasso. Sie sind um die 40 Jahre alt, alle sind weit gereist. („Traveling and discovering different cultures is a gift.“) Sie bemalen riesige leere Wände, von denen es hier zu viele gibt. Sie stehen auf elektrischen Kränen und besprühen die Flächen mit Neonfarben, die eine leicht hypnotische Sensation auslösen. Diese Open Space Gewohnten grenzen ihre Kunst durch geometrische Formen und mathematischen Berechnungen ein. Kandinsky‘s Kompositionen und Escher‘s Raumeffekte sind erkennbar. Sicher haben sie auch C.G.Jung‘s „Träumereien“ in den talentierten Händen gehabt. Alle Vier sind Autodidakten, haben sich Graphic Design , Graffiti, Popkultur und Illustration selbst beigebracht.
  • Irene Lopez Leon (Barcelona)
  • Iker Muro (Bilbao)
  • Ruben Sanchez (Berlin)
  • Louis Lambert (3ttt man/Frankreich)
  • Ihr Motto ist: Mach es selbst UND Es ist gesund, andere Orte kennenzulernen.
  • Ihre Inspirationen holen sie sich auf Reisen. Ihre großen Murials finden sich auf der ganzen Welt. Eins von Irene Lopez Leon auch in Hannover. ;)

 
 


 
 

 


 
 

Was würdest du von einer Insel mitnehmen? Das Tolle an der deutschen Sprache ist, dass kleine Präpositionen eine ganze Meinung verwerfen können. Hier geht es nun um Naturveränderungen durch größtmöglichen Gewalteinfluss. Ich war aktuell zwei Tage auf La Palma. Als ich hinkam, gab es 8 „Münder“, heute sind es 11. Weitere werden folgen. Der Cumbre Vieja hat viel Gas angesammelt, die Magma findet keine Kammern, in die sie fließen kann, sie sucht ihren Weg nach draußen – die Folge sind diese Vulkanausbrüche mit den verheerenden Zerstörungen. Es ist einmalig, Zeuge dieses atemberaubenden Schauspiels zu sein, aber ich habe auch den naiven Wunsch, dass diese Bilder alles nur Aufnahmen aus Robert Emmerich‘s Katastrophenfilme sind. In veridad sind es rotglühende Lavamassen, die sich Wege suchen und alles niederwälzen. Zum Glück sind noch keine Menschen darunter.

Das Knallen der Gasexplosionen, der kilometerhohe Feuerschweif lösen bei den Bewohnern Ängste und Nervosität aus. In El Paso, dem noch nicht evakuierten Ort, wo ich zwei Tage verbringe, läuft das Leben nur vordergründig normal ab. Achtet man auf die Leuchttafeln, die mitten im Ort funkeln, weiß man, dass hier Alarm angezeigt ist. Es gibt Anleitungen zum Verhalten der Einwohner, sollte das Lavamonster auch dieses „Pueblo“ erreichen. Von einer Bar aus kann ich beobachten, wie übervoll beladene Pickups schwankend vorbeifahren, kleine Busse mit Evakuierten, die nur zwei Stunden hatten, sich von ihrem Hab und Gut zu trennen und jetzt zum Fußballstadion gebracht werden, zur ersten Verteilung. Ich sehe uniformierte Guardia civil, die Tiere schultern, sie versuchen, einfach alles zu retten. Die sehr Alten und Behinderten waren schon vor dem Vulkanausbruch in Sicherheit gebracht worden.

Ich stehe in sicherer 2 km Entfernung von der lodernden Feuerfontäne, filme und knipse. Ich weiß, dass der jüngste Vulkan auf El Hierro 100000 Jahre alt ist. Hier bin ich nun Taufpate eines neuen Vulkans, der Millionen Jahre alt werden wird. Was für ein grandioses, einmaliges Lebensereignis für mich. Wie jung ich bin 😀 Ich denke aber auch an Adorno‘ s Satz: die Natur ist feindlich und an Paul Virilio, der in „Fahrn, Fahrn, Fahrn“ so schön den Urkontakt von Fuß zu Boden beschreibt. Das ist hier, wo sich eine scheußliche rotgetränkte Feuermasse vorwärts wälzt, unvorstellbar geworden.

Ich gehe mit Asche bedeckt zurück in die einzige Bar, trinke ein Dorada Bier und denke an Deutschland, das ein Jahr in der Pandemie gebraucht hat, die Schulen wieder zu öffnen. Hier nahebei wurde eine Schule zerstört, Tags drauf waren Schulspots für die Schüler eingerichtet. Ich höre von Juristen, die Vorort gekommen sind, um den Evakuierten bei den ersten Versicherungs- und Hilfsanträgen beizustehen. Und im Ahrtal?

Es gibt viele Ferienhausbesitzer aus dem In- und Ausland, die selbstverständlich ihre Domizile den Evakuierten zur Verfügung stellen. Ich bewundere die hervorragende Organisation, die unmittelbare Hilfe und Solidarität. Ich konnte noch aufgrund von viel Geschick, Freundlichkeit und unbürokratischer Erfindungslogistik der Airlineangestellten mit einem kleinen Flugzeug rüber nach Teneriffa fliegen. Auf meinem Balkon auf El Hierro war die Asche schon vor mir angekommen.

 

2021 14 Sep

Zwei-in-einem

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Do not believe in good karma donation

Heisse die Abenteuer des Lebens willkommen

Verlass die Strukturen des Systems

Nähere dich deinem Selbst

Lass deine Post digitalisieren

Öffne dich den Stimmen deiner Seele

Erhöhe die Schlafmenge

Steigere die schöpferische Kraft

First movers always profit high

(hmgrwn)

 

2021 3 Sep

Mikis Theodorakis +

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Er war Volksheld und auch mein Held. Der große Komponist und Politiker hatte mir immer sehr viel bedeutet. Als Goethe-Institut Mitarbeiterin hatte ich immer seiner Forderung zugestimmt, Deutschland müsse die Kriegsschuld an Griechenland bezahlen. Ein großartiger hombre ist gestern von uns gegangen.

 

video

 

 


 
 

 

2021 16 Aug

Im Moor

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Wir waren auf Sylt, er starb in der Schweiz, Sylt war sein Brevier, aber auch die Costa Adeje. Da bin ich jetzt mit dem Fahrrad auf den Spuren von Fritz Raddatz. In Keitum bat ich die Manas um Verständnis dafür, dass ich mal kurz zu dem frischen Grab von Fritz Raddatz gehen wollte. Heute bin ich in der Region, wo er zuletzt wohnte, im Gran Hotel Bahia del Duque, von hier plante er seinen Freitod, hier schrieb er sein letztes Buch. Es ist eine Glamourwelt für Parvenues und Selbstverliebte, für Liebhaber der schönen Dinge und verführerischer Sinneslust. Ich sehe ihn in dem traumhaften Hotelpark flanieren, natürlich mit seidenem Schal.

 

Die Calima hat die Kanaren ebenso wie Delta erreicht. Der Ostwind weht stark, die Hitze lähmt die Inseln des ewigen Frühlings. Die wunderbaren Farben sind hinter dem grauen Schirm versteckt. Die Sonne ist ein weissgleissender Ball.

 
 


 
 

 

I‘ m waiting for my man

 

Sie kamen um 5 am.

Das „Salvamento“ lag still schaukelnd im Hafen. In der Nacht waren keine Flüchtlinge in Seenot geraten. Der junge Käpt’n hätte selbst einer Rettung bedurft. Jemand aus dem Fischerdorf hatte ihn an die Guardia Civil von Teneriffa verpfiffen. Deswegen waren ihm die Drogenfahnder von der Nachbarinsel auf den Fersen. Sie konnten ihn zunächst nicht festmachen. Sie durchstreiften lautlos das Dorf, durchsuchten mehrere kleine Fischerhäuser. Ausgerechnet beim Vater des Kapitäns des Seenotrettungsschiffs wurden sie fündig. In seiner Garage fand die Polizei in einer Tiefkühltruhe unter den Petos, Bonitos und Tunas 100000 Euros und 1 Kilo Kokain. Die Beute hätte üppiger ausfallen können, hätte nicht jemand vorgewarnt. Der Preis der Fahndung war unkalkulierbar hoch. Der Vater, Präsident der Jagdgesellschaft aller Kanaren, nahm sein Jagdgewehr von der Wand und erschoss sich augenblicklich, als er von der Verhaftung seines Sohnes erfuhr.

Das Dorf erwachte durch das Getuschel. So muss es vor dem „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ gewesen sein. Binnen kürzester Zeit wusste jeder, was in der Nacht geschehen war.

Das bisher idyllisch am Hafen gelegene Dorf bekam einen neuen Anstrich. Die geweißten Häusschen haben ihre Unschuld verloren. Über dem Hafenort liegt jetzt ein kriminell durchtränkter Smog.
 
 

I‘m searching for the philosophers stone

 

Sie kamen um 5 pm.

Ihre Rucksäcke waren prall gefüllt und wirkten schwer. Durch das Fenster der ehemaligen Nazivilla am Hafen konnte ich sehen, wie die beiden Männer ihre Beute auspackten: alles Lavaarten aus der Gesteinsschmelze der Magmakammer. Weshalb hatten sie so große Steine aus der Stricklava mitgeschleppt? Ich wurde Zeuge, wie der Eine einen sehr schönen schwarzen Obsidian gegen einen graugrünen Phonolithen schlug: „Sounds great“, sagte der Eine.  „Yeah, you can kill someone with it … , meinte der Andere.

Ich  freue mich insgeheim über die Begeisterung der Beiden. Sie geben Zeugnis von der „Re- Materialisierung der Welt“. „Wir beuten die Erde deshalb so brutal aus, weil wir die Materie für tot erklären und die Erde zu Ressourcen degradieren.“ (Undinge von Byung-Chul Han).

Zu dem Unverständlichen der hier auf der Vulkaninsel tatsächlich passierten Vorkommnissen lehrt uns die frühere Zeit, dass die Vulkane als Zeichen göttlichen Zorns galten, wo im feurigen Inneren Kriegswaffen geschmiedet wurden. Und – dass unsere zerbrechliche Sialschicht durch Machenschaften und Geldgier erschütterbar ist.

 
 

I am looking for freedom, I am looking for truth   FREE ………..    JULIAN

 
 


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