Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Autoren-Archiv:

2018 18 Nov

Lajlas Bestenliste 2018

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01. Joni Mitchell   Both sides now

02. Neil Young  Roxy tonite is the night

03. Julia  John Lennon

04. Cat Power  Wanderer

05. Sly & Robbie meet Nils Petter Molvær  Nordub

06. Hilde Marie Holsen  Lazuli

07. Brian Eno  Installations

08. Muthspiel  Where the river goes

09. Trygve Seim  Helsinki songs

10. Mikko Innanen  Daniel Sommer Duets

11. Art Ensemble of Chicago

12. Trilok Gurtu Solo

13. Peter Treichler  Campane tibetane

14. Luigi Battisti   Hegel

15. Nuova Campagna  Di Canto Popolare

16. Sergio Cammamiere  Mano Nella Mano

17. David Byrne  American Utopia

18. Funny van Dannen  Uruguay

19. Veli Kujala  Paganini Variationen

20. and forever Anton Bruckner Symphony Nr.9

 

2018 15 Nov

Autumn

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The day becomes more solemn and serene

When noon is past; there is a harmony

In autumn, and a lustre in its sky,

Which through the summer is not heard or seen,

As if it could not be, as if it had not been!

Thus let thy power, which like the truth

Of nature on my passive youth

Descended, to my onward life supply

Its calm – to one who worships thee,

And every form containing thee,

Whom, spirit fair, thy spells did bind

To fear himself, and love all humankind.

 

 
 

 
 

2018 8 Nov

Der Traum vom Leben

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In die späten, die kurzen,

immer kürzeren Jahre kommen,

da Gott sich zerstreut

in seine Dämonen, du kleben bleibst am

Gedanken,

dass praktisch alles, womit du so lebst,

Morgenbäume, geliebte Menschen, Bücher

und Abendfenster,

untergeht,

erwachst du im tiefen Schlaf

aus dem Traum vom Leben.

 

Erika Burkart

 

2018 6 Nov

Oh Joni Blue

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We are only particles of change, I know

Orbiting around the sun

But how can I have that point of view

When I’m always bound and tied  

 
 

Ich hatte sie noch nicht entdeckt, ich hörte sie nur singen: „Oh I could drink a case of you, darling …“. Gleich würde sie vor mir stehen, die Lady of the Laurel Canyon. Ich lehnte oben am Hang gegen einen Nadelbaum und blickte hinab in die Horseshoebay.

Ich war mir nicht sicher, ob sie mit dieser Fähre kommen würde oder ob sie an Bord der anderen, der von Swartzbay auslaufenden, herüber nach Tsawassen fahrenden, war. Wir hatten nur den einen Tag für uns, und falls sie nicht den perfected Loop gewählt hatte, würden wir uns nie wieder in der Georgian Strait begegnen. Ich setzte also auf Nanaimo.

Und dann sah ich sie am Straßenrand stehen: lange blonde Haare, mittelgroß,  red velvet skirt. green silk shirt. black woolen hat. Die viel zu große Gitarre an den üppigeBusen  gelegt. Ihre poliokranke Hand musste geheilt sein, ich sah ihre Finger einwandfrei über die Strings gleiten.

Einige Passagiere kamen inzwischen schon die Gangway der Queen of Oakbay herunter,  aber sie war nicht dabei. „Blue, here is a song for you … you can make it through the waves …“. Offensichtlich war sie an dem Procedere für das Einchecken auf die BC Ferries gescheitert. Ich machte mir Vorwürfe, dass ich ihr kein Online Ticket gekauft hatte. Ich wusste ja, dass sie keine Kreditkarte besaß. „Someone heard, she bought a one-way ticket and went west again.“

 
 
 

 
 
 

Jetzt erst erkannte ich ihre Gesichtszüge, My goodness, das war nicht Joni. I felt like „the old girl’s silent across the street. She’s silent, waiting for the wrecker’s beat. Silent, staring at her stolen name …“.

Ich setzte mich auf einen blanken Fels und sah meiner gebuchten Fähre nach. „Don’t interrupt the sorrow, I’m leaving on the 1:15.“ Ich hörte weltvergessen dieser jungen Joni zu. „I’ve looked at life from both sides now, from win and lose and still somehow , it’s life’s illusions I recall, I really  don’t know life at all.“ Ich schlug die Hände über meinem Gesicht zusammen. Sie sang mein Lieblingslied. Ich hatte Tränen in den Augen. Dann verschwand sie in einem Coffee shop.

Mit der nächsten Fähre setzte ich über nach Vancouver Island. Sie wusste,  dass ich nach Victoria wegen Alice Munroe wollte. Wir hatten uns abendelang ihre Erzählungen über Glück und Sehnsucht vorgelesen. Im Bus nach Victoria rief ich mir nochmal die Songs auf, die die junge Kanadierin gesungen hatte. „Blue“, „Borderline“, „Carey“, „Little Green“, „Both Sides Now“,  „Hejira“,  „Amelia“, „All I Want“, „Coyote“, „Sometimes I’m Happy“, „Furry sings the Blues“,  „Marie“, „The Circle Game“ …

Nach der Ankunft in Victoria ging ich direkt zu Munroe’s Buchladen. Eine Angestellte klärte mich dort auf: Alice hätte sich getrennt und würde deswegen erstmal nicht in ihren Laden kommen. „I am on a lonely road and I am traveling, looking for the key to set me free. All I want is make you feel free.“

Sie saß seitwärts in einem hellbraunen Ledersessel, einer klimtblauen Tiffanylampe zugewandt. Sie konnte mich nicht sehen. Sie war in den neuen Erzählband Ferne Verabredungen von Alice Munroe vertieft. „Oh Amelia it was just a false alarm.“ Ich trat hinaus auf die Straße. Eine grünlackierte Laterne leuchtete zum Mond hinauf. „Born with the moon in Cancer, choose her name, she will answer.“ Joni I love you.

„We can’t return, we can only look behind and go round and round and round in the circle game.“ Neil Young come on, play for Joni and me. „You can‘ t be twenty on sugarmountain.“ 

Badenweiler ist eins der Paradiese, das die Götter jedes Jahr im Oktober öffnen. Ich trat ein. Über dem großen Tor stand LITERATUR UND MYTHOS.

 
 

Raoul Schrott sah ich schon im Bühnenlicht als Safranski noch mit seiner Definition brillierte: Mythen sind Erkenntnismaschinen. 

 

Und dann begann der atemberaubende Parforce-Ritt des MythenSpezialisten Raoul Schrott. Wir sind nicht das, was wir haben, sondern das, was wir wissen. Hemdsärmelig sagte er das, die Bedeutung wird mir erst nach dem Vortrag bewusst. Er erzählte uns eine alte persische Geschichte von einem König, der drei unerfahrene Söhne hat und sie deswegen in die Welt schickt. Anhand von erstaunlichen, lustigen Schilderungen dieser Prinzen, die einem Hirten helfen, dessen Kamel entlaufen war, das Kamel zu orten, ohne es gesehen zu haben. Raoul erklärt uns, dass das Kamel das Virus ist, das durch die Jahrtausende immer wieder in Texten je nach Wirt, Zeit, Kultur und Kolorit verändert wird. Faszinierend wie er den Bogen spannt von dem persischen Dichter über Buddha, den christlichen Legenden, Turandot bis Edgar Allen Poe. Safranski strahlt am Ende des Vortrags siegesbewusst Das historische Wissen hat eine unglaubliche Aufklärungsmacht. Es ist der absolute Gegner des Fundalismus.

 
 

Film von Peter Hamm: Der schwermütige Spieler – Peter Handke – Ein Porträt. (90 Min. 2002)

 

Der sympathische, enge Freund von Handke war anwesend und zeigte den Film, den er vorwiegend in Chaville in Handke’s Haus aufgenommen hatte. Es gibt keine DVD. Handke Verehrer mussten also nach Badenweiler pilgern und viele Fans waren angereist, um diesen Film zu sehen. Freilich waren einige von ihnen bereits aus Griffen gekommen, wo es inzwischen auch ein Peter Handke Museum gibt.

Während des Films lief Beatles Musik, Paperback writer, Help … Es ist ein sinnlicher Genuß, Peter Handke beim Mäandrieren zuzusehen: er behauptet etwas, nimmt es zurück, lacht und kehrt zu seiner Erstmeinung zurück. Es geht in dem Film hauptsächlich über das epische Schreiben. Aber auch um die Illusionen, wie sie uns enttäuschen.

Es gibt ein Buch zu dem Film mit dem Titel  Es leben die Illusionen.

Für mich war interessant zu erfahren, dass es Peter Hamm war, der Handke und Hermann Lenz zusammengebracht hat – „nebendraussen“ – „au net schlecht“.

 
 

Simon Strauss – Sieben Nächte

 

Die Welt, die ich in mir trage, lebt vom gesprochenen Wort, von Austausch und Augenaufschlag. Ich brauche das Gespräch, Gesichter, die leuchten. Freiheit und Freundschaft – die Worte haben doch denselben Stamm, gehören zusammen. Noch ist es nicht zu spät, das Virtuelle mit dem Handschlag, der Umarmung zu überlisten. Noch ist Zeit, gemeinsam zu streiten, eine Gruppe zu gründen mit dem Namen ‚Neue Sinnlichkeit‘.

Da steht also der Sohn von Botho Strauß auf der Bühne vor 400 Gästen und lächelt entschuldigend herab. (Er greift in seinem Text die Rentner an, Publikumsalter ist 65+) Nein Publikumsbeschimpfung geht anders, das was er liest, ist eher eine Bekenntnisschrift eines jungen Mannes mit der Frage: Was tun? Auf dem Verwirklichungstrip ist er nicht, er will Wirklichkeit: Die Welt braucht mich jetzt.

Am Abend beim Wein beklagt er mir gegenüber die harmoniesüchtige Elterngeneration, die keine Wutbürger will, sondern, dass ihre Kinder die Elternträume verwirklichen sollten. Ich kenne diese Vorwürfe von meinen Kindern und sage: halt nein, wir lebten und leben unsere Träume. Ich frage ihn noch nach dem Befinden seines Vaters. Es gehe ihm gut.

 
 

PATRICK ROTH – JOSEPH VON NAZARETH SUNRISE

 

Patrick Roth war für mich die Entdeckung auf den Literaturtagen in Badenweiler.

Er stand in seiner Jeansjacke und Turnschuhen am Lesepult und las mit einer sonorischen Stimme in einer rhythmischen Intonation, die zumindest mich sofort in eine andere Welt mitnahm. Die Syntax so merkwürdig altertümlich, das Thema biblisch, der Titel des Buches abgedreht SUNRISE. Patrick Roth hatte erzählt, dass er lange in Los Angeles gelebt hat, dort auch Film studiert hat. Das hört man in seinen Texten heraus. Seine Bildersprache ist stark, seine Symbolik nahe an C.G. Jung, sein Drama in Hollywood gelernt. Er hatte sich immer – besonders in Träumen – gefragt, welche Rolle Joseph neben Maria und Jesu gespielt hat. Er fühle sich in ein göttliches Drama hineingezogen. Traum und Wirklichkeit gehen ineinander über. Er liest über den Corpus Christi – how weird, diese Beschreibung vom und im Felsengrab. Dann höre ich schon von weit her „… dann erwachte ich. Der Auferstandene stand vor mir.“

Rüdiger Safranski nannte ihn einen ‚Fackelträger der Erinnerungen‘, er verglich ihn mit den großen Schriftstellern, z.B. Dostojewski.

 
 

Es lasen noch Cees Noteboom („Briefe an Poseidon“), Christian Ransmayr („Die letzte Welt“) und Barbara Vinken … alles vom Blatt ab. Ermüdend. Erfrischend dagegen Nino Haratischwili: Die Katze und der General. Rüdiger Safranski lobte ihr Erzähltalent und nannte ihr dickes Werk eine Liebeserklärung an Georgien.

 

Resumé: Badenweiler und Literatur ist eine lukullische Epikurmischung, die ein Literatenherz höher schlagen lässt. Britzinger Spätburgunder und Badischer Sauerbraten mit Steinpilzsauce verwöhnten ebenso wie die Gespräche am Rande der Lesungen bereicherten. Die Auftritte der Betriebssternchen hatten was Ansehnliches, das Fest kann also als empfohlen weitergesagt werden.

2018 9 Okt

Music cities on sale

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„Leben ist üben. Wer nicht übt, ist tot.“ (P. Sloterdijk)

 

And though the earth may tremble and our fondations crack

We will all assemble and we will build them back

happy birthday Jackson Browne

 
 
 
Nach der Magical Mystery Tour in Liverpool hatte ich vor, an der Music Tour in Düsseldorf teilzunehmen. Als ich las, dass Rudi Esch der Veranstalter ist, winkte ich ab. Der Electri_City Manager und Buchautor hatte Brian Eno zu seinem Event am kommenden Samstag eingeladen, dann wieder ausgeladen, dann ein Foto mit dem „verständnisvollen“ Brian Eno in London auf seiner Website hochgeladen. Wie dumpfbackig ist das denn!

Ich dachte über die beiden Städte nach. Woher kommt die Innovationsbereitschaft von Liverpool und Düsseldorf,  woraus ist der Humus, auf dem musikalische Lokalhelden der Tourismusindustrie zum Wachstum verhelfen?

Aus Liverpool kommend wurde mir mal wieder klar, in welcher clublosen Stadt ich lebe. Wohin gehen, wenn man tanzen, singen, lachen will? Das fröhliche Treiben in den Pubs und Clubs in Liverpool ist für mich soulfood. Ich habe immer eine Clubszene in Düsseldorf vermisst. Das Frische, Freche, Frohe, das Beatles Fans in aller Welt bis zur Ohnmacht trieb, ist in Liverpool auch heutzutage fühlbar. In den alterslosen Clubs wird viel gelacht, geneckt, gejoked. Was für eine soziale Nähe.

Als Brian Epstein 1961 in einem seiner beiden Plattenläden gefragt wurde „Verkaufen Sie auch Beatles Platten?“, war schnell klar, dass er sie managen würde. Sein Wohlstand war natürlich für the poor four attraktiv. Das Geld war auf dem Liverpooler Humus eine karrieretreibende Kraft. Der Cavern das Gewächshaus. Die Freundschaft der Beatles untereinander, die gemeinsamen Themen: Musik, Schalk, Staunen auf das Neue sind aber meiner Ansicht nach ausschlagebend für ihren unvergesslichen Ruhm. Das heutige Liverpool mit seiner rising creative class, seinem Enthusiasmus für Fussball, seinen wieder entdeckten Musikern und seinen neuen macht eine Mischung aus, die das Marketing und die Tourismusindustrie befördern.

Wie gelang es bloß Kraftwerk, die Musikszene in Düsseldorf so zu revolutionieren? Auffallend im Vergleich der beiden Städte ist der hohe Stellenwert der Kunst vor Ort. Düsseldorf hat seit 1945 eine weltberühmte Kunstakademie. Große Architekten (Hentrich) bauten hier in die Höhe. Das freigiebige Mäzenatentum aus der Industrie (Henkel) hat hier Tradition. In den 80er Jahren saßen die besten Innovationsköpfe an der Heinrich Heine Universität (Frank, Hörisch). Die kühle Elektronik von Kraftwerk ist sicher auf diesem heimischen Humus gewachsen. Als der berühmte Galerist Hans Mayer seine neue Galerie am Grabbeplatz einweihte, gab Kraftwerk dort ein zwanzigminütiges Konzert.

Sie treten im elitären exklusiven Dunst auf, und verschwinden nach ihrem kühlen Musikauftritt. Welch Unterschied zu Paul McCartney, der in einen heimischen Club schlendert und den Kontakt zu seinen Fans hält. Oder Ringo, auch wenn er in Liverpool auf einem Dach spielt. Boys, was würde ich dafür geben, sein bubenhaftes Lachen zu sehen. Kraftwerk ist halt doch eine Musikmaschine. Ich glaube nicht, dass Kraftwerk als lokale Identität im neuen Marketing Konzept von Düsseldorf eine effiziente Rolle spielen kann. Auch nicht die Toten Hosen, auch nicht Krautrock. Die Düsseldorfer pilgern nicht zu deren Orten, weil sie nicht mehr lebendig sind. Und die junge Musikszene spielt sich nicht in Düsseldorf ab, sondern in Köln, Lüttich oder Amsterdam. Dort hat der DJ das Sagen.

2018 28 Sep

The Merzbarn fake

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Seit ich die email von Russell Mills gelesen habe, fühle ich mich wie in die Fälscherwerkstatt von Beltracchi versetzt. Kein Trost ist, dass ein Kunstkenner wie Werner Spies eingestehen musste, dass er einen gefälschten Max Ernst für einen echten gehalten hatte.

Für mich war der Merzbau von Kurt Schwitters in der Nähe von Ambleside der einzig „Übriggebliebene“, den ich unbedingt sehen wollte. Was habe ich da eigentlich gesehen?

 
 

Hi Lajla, 

glad to hear that you had a good visit to Ambleside and to the Armitt Museum, and that you discovered much more about Schwitters. If and when you next visit the Lake District I’d strongly advise you to avoid the Cylinders estate at Elterwater and the two charlatans (Ian Hunter and Celia Larne who work under the name the Littoral Arts Trust) that run the site. The so-called Merzbarn contains no work by or evidence of Schwitters‘ time here, despite Littoral’s claims to the contrary. The building itself, no more than a 1940s lean-to shed, has been altered so much since 2006 that there is nothing of its original structure left. Littoral have received in excess of £1 million in grants-much of it public taxpayers money – and the barn is still a near-derelict, damp shed. They cannot explain where all this money has gone. They have persistently distorted Schwitters´ legacy in the Lake District with outright lies about his time here, designed to get publicity, sympathy and ultimately more bailouts. Because of Littoral’s appalling behaviour and mismanagement of the site, the Arts Council, the Tate, the MoMa NY, the Hatton Gallery in New Castle, the Armitt, and Abbot Hall Gallery in Kendal all refuse to have anything to do with them. If you wish to learn more read various texts and letters on my website

All best wishes 

Russ

 
 

Es war früher Abend, als ich rausfuhr, um mir den Merzbau anzusehen. Der Busfahrer ließ mich vor dem grossen eisernen Tor aussteigen und meinte: „I pick you up in 30 minutes.“ Ich öffnete die schwere Eisentür und ging ein Stück am Wald entlang. Ich sah auf dem Weg Skulpuren, Collagen, die ich Kunststudenten zuordnete. In dem Stall/barn fasste ich die Figuren von Schwitters an und wunderte mich, dass sie nicht aus Stein waren, sondern ich fühlte einen harten Stoff. Plane? Ich wusste, dass Schwitters damals schon sehr krank war und nur noch stundenweise dort arbeiten konnte. Auf dem Rückweg zum grossen Eisentor sprachen mich – out of the blue – zwei elegante ältere Damen an, ob ich denn die Ausstellung gesehen hätte. Ich verneinte und machte klar, dass ich nur wegen Kurt Schwitters hier wäre. Ich war schon am Tor, als die Eine zu schimpfen anfing, wie ich überhaupt hierher gekommen sei. „By bus!“

 
 
 

Kurt Schwitters - "Portrait of Dr. George A. Johnston"

 
 
 

Dieses Gemälde hängt in dem kleinen Museum in Ambleside. Schwitters hatte seinen Arzt gemalt. Der ist echt.

 

Another reason to come to the Island – beside visiting The Beatles in Liverpool – is my deepening admiration for Kurt Schwitters. I cannot count how often I introduced his art to my students.

I traveled to Ambleside, where Schwitters lived a couple of years before he died in 1948. Right now I am sitting in Daisy’s Café, where he used to come to look at the little market across the street, peering for people who he could portray to earn some money with. In this time Schwitters was very poor and already sick. But with still his young love ‚Wanatee‘ on his side happy.

In the little Museum Armitt in Ambleside they show some of his oilpaintings, some collages and pieces from the Merzbarn.
 
 
 

Asbestos Tile


 

Where he lived, he hadn’t much space to produce art. He painted on small pieces he cut off from lino or wood. It was a glorious day for him, when Wanatee found a barn for him, outside of Ambleside. Immediately he started with his 3rd MERZBAU. I went there and found myself in a dark room, where a candle was lit. I saw the painted stonestructures, which appeared to me as precious jewels, which reflect the colours of the landscape in the Lake District. I always wanted to visit his MERZBARN and now I was here. Deeply touched.
 
 
 

Outside the Merzbarn


 
 

Inside the Merzbarn


 

Afterwards I went back to the library of the Armitt Museum. There I discovered a collage on the wall, dedicated to Kurt. Signed by Russell Mills. I asked in the local bookstore, who is Russell. The bookseller said: „What a man he is!“ and gave me two addresses. RUSSELL MILLS was not in town. I googled and „doors of perception“ were opened. Russell is a great artist, longlife friend to Brian Eno and Peter Gabriel. With David Sylvian he created „Ember Glance“. In his studio in Ambleside he produces covers for musicians and books. He works on mixed media pieces using light and sound.

Schwitters influenced him a large part in his art. “ … Schwitters believed that, following the mindless carnage of the Great War, and the subsequent shattering of the certainties of the old world order, all that remained was fragments, so that was what he could work with. These ideas, along with those culled from close observation of the natural world, have shaped my thinking enormously. These ideas also suggest a worrying parallel between the dangerous folly of those days and the present fragility of the world with the uncertainty of Trump and Brexit looming over us.“
 
 
 

Russell Mills in his studio in Ambleside


 

There is no wealth but life  John Ruskin
 
Here in this house in Grasmere the ‚three opium brothers‘, as I call them, were pondering: „I took it – and in an hour, oh! Heavens! What a revulsion! What an upheaving  from its lowest depths, of the inner spirit! What an apocalypse of the world within me …

Yeah, you read this book: „Confessions of an opium eater“. Thomas De Quincey(1785-1859). He had a deepening admiration for  Samuel Taylor Coleridge  (1772-1834). To him Coleridge was the greatest man that has ever appeared. But Coleridge thought of himself that he would not be a gifted poet. He thought of William Wordsworth (1770-1850), that he was the one and only one …
 
 
 

The Dove Cottage


 

In this house, it belonged to Wordsworth, a lot of the most beautiful poems and ballads were written (1. from Coleridge, 2. from Wordsworth).
 
 

What is life?

 

Resembles life what once was held of light,

Too ample in itself for human sight?

An absolute self? an element ungrounded?

All, that we see, all colours of all shade by encroach of darkness made?

Is very life by consciousness unbounded?

And all the thoughts, pains, joys of mortal breath

A war-embrace of wrestling life and death?

 
 

POOR SUSAN

 

At the corner of Wood-Street, when daylight appears

There’s a Thrush that sings loud, it has sung for three years:

Poor Susan has passed by the spot, and has heard

In the silence of morning the song of the bird.

‚Tis a note of enchantment; what ails her? She sees

A mountain ascending, a vision of trees;

Bright volumes of vapour through Lothbury glide,

And a river flows on through the Vale of Cheapside.

Green pastures she views in the midst of the dale,

Down which she so often has tripp’d with her pail;

And a single small cottage, a nest like a dove’s,

The one only Dwelling on earth that she lived.

She looks, and her Heart is in Heaven: – but they fade,

The mist and the river, the hill and the shade;

The stream will not flow, and the Hill will not rise,

And the colours have all pass’d from her eyes.

 
 

I must admit that I enjoyed the local pub ‚Unicorn‘ very much. I spent there great nights with Sue from St. VINCENT – we have now a reader on that Carribean Island … :)

In the pub they played great live music. I especially liked songs from
 
 

Pete Morton: Another train

Allan Taylor: The Traveller

Chris Miller: Jamming

Bob Dylan: North Country Blues

 
 

Let me finish with a final quote from John Ruskin, whose home I visited also in the Lake District:
 
we did not travel for adventures, nor for company, but to see with our eyes and to measure with our hearts.
 
 
 

Brantwood, home of John Ruskin

 

2018 11 Sep

Liverpool calling

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Is there anybody here to listen to my story

Ich stand heute auf der Höhe des Roundabouts, das Paul in Penny Lane erwähnt. Was für eine Sogkraft die geschäftige Atmosphäre hat. Hier wartete Paul oft auf John, um loszuziehen. Für mich sind solche lauten Ecken ebenfalls attraktiv und inspirierend. Nicht viel weiter weg liegen Strawberry Fields, zu John’s pubertären Jahren ein riesenflächiges Gelände, auf dem ein Waisenhaus stand. Heute graben die Immobilienhaie dort nach Gold.

 

You feel nothing at all

Zurück im Zentrum fallen die sehr guten Strassenmusiker auf. In der Hanover Street stehen jüngste Jungs zusammen, singen hervorragend, die Kinderfinger an der Gitarre. Ich denke, dass die Ausnahmeband The Beatles, die ich seit meinem 11. Lebensjahr höre, yeah yeah yeah aufgrund eines starken sozialen Gefüges entstand. Ein Glück für die junge Musikwelt war der Macher John, der allein 6 Freunde aus seiner Schule rekrutierte.  Sie nannten sich identifikationsstark The Quarry Men (Quarry Inst. hieß auch die Schule). 1957 kam dann Paul dazu, der brachte wiederum seinen Freund aus seiner Schule mit, das war George. Alles keine Drummer. Bevor Ringo Starr als festes Beatles Mitglied am Schlagzeug saß, versuchten 18 andere Drummer ihr Glück: Colin Hanton, Johnny Hutch, Tommy Moore, Norman Chapman, Ronnie, Ken Brown, Pete Best … (Auf mehr Namen stieß ich bei meiner Recherche nicht). Für mich ist Ringo der beste Schlagzeuger. Vor zwei Jahren spielte er hier auf dem Dach eines historischen Gebäudes, 50.000 Fans waren da. Sie gehen aber auch durchaus kritisch mit ihren Idolen um. 2006 lehnten sie sich gegen den Namen Penny Lane auf. Sie wollten keinen Sklavenhändler verehren. James Penny war Unternehmer und als Sklavenhändler reich geworden. Nach ihm ist die Strasse benannt. Die Protestler hatten keinen Erfolg.

Ein anderer möglicher Grund für den Erfolg der jungen Band könnte die städtebauliche Gegebenheit gewesen sein. Diese endlosen öden Arbeitersiedlungen bringen schon baulich gesehen eine dichte Enge mit sich (Ray Davies besingt sie gut in dem Song: My next door neighbor). George Harrison wohnte besonders kleinräumig. 6 Familienmitglieder teilten sich 2 Räume.

 

You got to be free

John wohnte mit seiner Tante am grosszügigsten.

 
 
 

John


 
 
 

George


 
 

Paul


 

John durfte angeblich nicht in der Wohnung Gitarre spielen, bei Ringo und George gab es keinen Platz, also trafen sie sich bei Paul und in verschiedenen Clubs.

Als ich später zu der berühmten Beatles Skulpur kam, fiel mir auf, dass dem Künstler  George Harrison nicht so gelungen ist. Die drei anderen Beatles hat er hervorragend getroffen. George ist mein Lieblingsbeatle. Die Doku über ihn empfehle ich sehr: Living in a material world.

Paul McCartney trat vor kurzem in einem Liverpooler Club auf, es war nicht der Cavern. Davor spielte er sein Oratorium in der fussballgrossen, neugotischen Kathedrale. Übrigens wurde sie von einem ebenso schon in jungen Jahren erfolgreichen Architekt entworfen. Scott war erst 22 Jahre alt. Die Kathedrale ist die zweit größte Kirche in GB.

 
 
 

 
 
 

Nicht zu übersehen ist die neue, stilunabhängige Bauweise. Da sitzen wohl kompetente und aufgeschlossene Leute im Rathaus. 80% davon sind in der Labour Partei, nur 2% haben in Liverpool für den Brexit gestimmt. Imagine.

 
 
 

 


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