Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2018 17 Mai

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ARGO ist eine illuminierte, interaktive Musikkomposition von Jacopo Baboni Schilingi (Mailand 1971 – )

 

Schilingi forscht auf technologischem Gebiet nach neuen Möglichkeiten, Musik zu komponieren. Seine Werke sind mit Algorithmen programmiert. Die abgebildete Installation bewegt sich seit 2017 ständig neu, die sich verändernden  Klänge reagieren auf das Atmen der Zeit.

 

 


 
 
 

Es ist eher ein singuläres Erlebnis, einer monologisierenden Person geteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Gestern begegnete ich einer Hutmacherin, die ich ausgesprochen unterhaltsam fand. Mir ist nicht klar, ob sie mich wirklich wahrnahm. Ob die Katze je Montaigne’s Streicheleien erfühlte, oder ob es beim „Streichen“ blieb, wissen wir auch nicht. Da ich auch meinerseits nicht auf ihren Vortrag oder ihre Geschichte reagierte, kann auch ich nicht sicher sein.

 

Eigentlich bin ich Musikerin, Gitarrenspielerin, genauer Gibson Playerin. Ich habe seit Jahren eine Les Paul im Keller. Ich kann sie schlecht in meiner Wohnung aushalten, es macht mich traurig, dass ich sie nicht mehr spielen kann. Ich stand jahrelang auf der Bühne. Sie wog immer schwerer, meine Schultern hielten den „Pott“, wie Les Paul selbst sie treffend nannte, immer weniger aus. Das Vollholzbrett drohte mir das Schlüsselbein wie ein Hühnerbein zu zerquetschen. Ich überlegte kurz, mir eine schlankere E Gitarre zu kaufen, eine Fender Strat etwa – nein, einmal Gibson, immer Gibson. Was habe ich mich die Tage aufgeregt, als Gibson Insolvenz anmeldete. Nicht die Information, dass jetzt keine Qualitätsgitarren mehr gebaut würden, das stimmt ja so gar nicht, ärgerte mich, sondern dass in der Presse das ungesunde Wachstum, verursacht durch falsche Investitionen, mit der Qualität der Gitarre verwechselt wurde. Mit Kopfhörern und Lautsprechern und dem ganzen Konsumentenelektronikkram kann doch nicht die Gibson Qualität geopfert werden. Lieber hole ich persönlich die rote Gibson „ES330“ aus dem Sarg von Chuck Berry, als dass ich das zulasse. Schließlich war die „ES-150“ die erste an Strom angeschlossene Gitarre. Schließlich spielt mein Lieblingsmusiker Ray Davies auf einer „SG“. Die Gibson ist nicht tot zu kriegen, die wird immer gebaut werden. Und wenn sie demnächst eine Gibson mit einem schlankeren Griffbrett vorstellen, versuche ich meinen „Pott“ gegen eine leichtgewichtigere einzutauschen. Obwohl die Schulter nicht mehr mitmacht, deswegen bin ich ja Hutmacherin geworden. Sehen Sie mal dieses rote Modell hier vorne, das hat den Sound, den George Harrison aus seiner Gibson gezaubert hat.

 


 
 

 
 

Hauschka spielte 70 Minuten ohne Pause vor etwa 50 Museumsbesucher. Zugabe waren die „Gaffertapes“. Wahnsinnskonzert.

 

Kammer Pop in den Kammerspielen in Düsseldorf? Baroque Pop? 150 Leute waren ins FFT gekommen, ausverkauft von Insidern, zu denen ich ab heute gehöre. Ist es die Erkenntnis von Wittgenstein, die ruhige Ernsthaftigkeit, die uns nach Norden zieht? Die klaren Linien, die den Kristallklang erzaubern?
 
 
1. Auftritt
 
Jarle Skavellen
 
 
Er kommt aus Norwegen. Normalerweise trifft man ihn im Victoria Café &Pub in Bergen. Jetzt war der junge Sing Songwriter zu Gast in Düsseldorf. Und jeder, der Dave van Ronk mag, mag auch ihn. Er steht allein mit seiner Akustikgitarre im Wald …

Oder auf der Bühne und singt mit sehr starker Stimme:
 
 

If you poke

My glass eye

I’ll be the ghost

In your smile

 
 
The Ghost In Your Smile ist das einzige einzigartige Album von ihm. „We were rebels on our streets …“ (EP Pilots). Wow, jetzt aber ganz in alter U.Utah Phillips Laune: „I will not obey“.

Was für eine Entdeckung für mich aus meinem Lieblingsland.
 
 
2. Auftritt
 
Teitur
 
 
Es lag nahe, dass ich mich auf diesen Musiker anhand meiner Mana Posts über meine Wanderungen auf den Färöern einstimmen würde.

Teitur Lassen kommt aus Torshavn, der Hauptstadt der Färöer. Er ist ebenfalls ein Singsongwriter, aber vielfältiger und bei weitem bekannter als Jarle. Teitur macht auch Filmmusik, Kirchenmusik, „running music „(Ian) und mit dem Ensemble Holland auch mal Baroque music. The Guardian schreibt über ihn: Er ist niemals weniger als außergewöhnlich. Vor allem aber ist er humorvoll.
 
 

„I was just thinking

I am tired of postcards

Especially the ones with cute dogs …“

 
 
Teitur hat mehrere CDs veröffentlicht. Er ist global unterwegs, singt, komponiert, mixed, jammed mit anderen Musikern (David Byrne, The National, The Ghost, Julia Holofernes …).
 
Jetzt ist er allein auf der Bühne, singt zur Gitarre: „I Was Just Thinking“. Warm, gewinnend, intensiv, reflektiert. Dann trinkt er das gute Färöer Bier und wirft lachend ein paar Cans ins Publikum. Die Stimmung ist ausgelassen, Er fragt nach special requests und erfüllt sie alle.

Dann singt er das neue Lied „Sara“. Es ist unglaublich schön. Es erscheint am 8. Juni auf der CD I Want To Be Kind.

2018 23 Apr

Balkan Music

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3/8  5/8  7/8 – Béla Bartók, the so called Bulgarian Rhythm …
 
 

Summer is coming, hot music will fill the air and move us towards our Balkan neighbors – to dance with them, to sing along, in order to get finally rid of our prejudices and physical anxiousness.

Let me lead you first to the poorest European capital: Sofia. This city is a concrete block world, where the desolate lime is dropping from grey facades. A few walls were in between painted, they make you think about, what Ilija Trojanow, a Bulgarian writer, said: „Most of the people in the world have no perspectives in the global capitalism.“

Some murals are showing more hope for life than the sad performances of Bulgarian artist Marina Abramović.

Bozko is the name of the young talented Bulgarian streetartist, who is often compared to Banksy. He also thinks that Streetart is the backbone of the society. „We should look at the murals and start thinking.“

 
 


 
 

In Bulgaria people are singing not only at special events, but often during the day. They sing old songs, which are going back to the 9th century. They are telling stories of the old rural villages.

Plovdiv will be the next European cultural city in 2019. I am looking forward to visit this town, which is situated at the old oriental road. The city runs an outstanding music academy, where you can study the famous bulgarian polyphony singing.

But let’s talk now about more modern arrangements.

SkilleR is a young bulgarian Beat Boxer with a lot of energy. Listen to his mouth made sounds, when he is performing with Orhan Osman. Orhan is a turkish Bouzouki player. It s so great how both musicians mix tradition and modernity for an ethno-jazz experience.

Another fine mix plays Tomàs Liška’s invisible world Quartet. They combine Jazz, Chamber music, Mediterranean and Balkan folk music.

When you feel quite exhausted from dancing to the music of Orhan and SkilleR, this band offers the right sound to relax.

We all know gypsy music. A very special band comes from Hungary: Somos Ensemble. They play music of the most ancient Hungarian minorities, the Csángós. I admire their different flutes, a kind of back pipe, called the Gajda and the Tschans, these are sheepbells, which they tighten on the drums.

 
 


 
 

In the end of my Balkan music presentation I would like you to lend your ears to a genius trumpeter of Macedonia. Dzambo Agusevi Orchestra.

Brass like it hot!

 

2018 10 Apr

Mein Jahrbuch: 1966

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Es ist schön, ein Buch zuhause zu haben, auf das man sich jeden Monat freuen kann. Jon Savage hat mit viel Wissen und genauesten Kenntnissen der LP-Neuerscheinungen im Jahr 1966 The Year the Decade Exploded verfasst – ein dickes Werk, das er in Monatskapitel aufteilt. Ich lese im April 2018 über den April 1966, dem Monat, in dem LSD angesagt war. Bob Dylan warf es ein: „Take me for a trip upon your magic swirling ship …“. The Birds flogen „Eight Miles High“The Dovers sahen mit „The Third Eye“.

Meine LSD Erfahrung ist vergleichsweise bescheiden. Wir fuhren mit unserem Buckelvolvo hinaus in den Kaiserstuhl, lagen unter Kirschbäumen und zählten die Käfer auf der Wiese. Ich bekam ein großes Verlangen nach dem Müdigkeitsgefühl, das ich als angenehmeren Zustand herbeisehnte. Mit viel Bier kam ich wieder „runter“. Das war 1978.

In der Musik öffnete die bis dato erlaubte Droge LSD im April 1966 neue Pforten des Hörerlebnisses. Ravi Shankar, Coltrane und Albert Ayler mischten sich unter die Popmusik. „Freejazz and Indian classical music had been the period’s secret soundtrack  – the preserve of beats and hipsters – and „Eight Miles High“ brought them into the mainstream pop market …“ (S.123)

In dem neuen Buch Die Schönheit der Zukunft von von F.C. Delius ist sehr anschaulich beschrieben, wie Delius 1966 in einem New Yorker Club den Freejazz entdeckt. Er hatte das Glück, Albert Ayler auf der Bühne zu erleben.

Und – was ist das Thema vom Mai 1966?  „Walkin‘ My Cat Named Dog“ …

Ich freue mich drauf.

 

 
 

 
 

 

 
 
 

Hearst a nit wia die Zeit vergeht singen die Alpinkatzen.

 
 

Der G Punkt Gipfel ist längst vorbei, geblieben ist das seltsam solitäre Schloss in der Elmau. Man erreicht es von Garmisch-Partenkirchen aus mit einer viertelstündigen Regionalbahnfahrt und einer anschließenden eineinhalbstündigen Wanderung. An der angemessenen Auffahrt zum Schloss will man augenblicklich den Rückweg antreten, so ausladend sind die Schilder: „Eintritt in das Luxushotel nur für Hotelgäste.“

Ich habe mich selten von Sperrungen oder Verboten beeindrucken lassen. Wir leben in der Moderne, wo das Subjekt gelernt hat, in sich hineinzuhören! Ich betrete das 5-Sterne Retreat und gehe gelassen an den beiden Empfangsdesken vorbei, steuere auf eine Tür mit dem Namen Liperello zu, trete ein und setze mich an den noch einzigen freien Tisch. Aha, hier sind sie also, die „Unentbehrlichen“ (Ilija Trojanow).

Der livrierte Kellner bittet mich um meine Zimmernummer, ich bitte um einen Kaffee, der Trainierte fragt noch einmal, mein Blick fällt auf einen Herrn mir gegenüber, ja ist das nicht, doch doch, da sitzt Roland Spiegel, Jazz Redakteur beim BR, ich sage geistesgegenwärtig: „Ich wohne nicht in diesem Hotel. Ich habe hier eine Verabredung mit einem Herrn vom Deutschlandfunk.“ Der ausgezeichnete Schümli kostet 5 Euro inklusive Babygeschrei vom Nachbartisch. Hier wird Edutainment angeboten für die Kleinsten der Nichtüberflüssigen. Es findet ein Schachturnier für Sechsjährige statt. Kleine Mädchen schleppen Schachbretter wie Schutzschilde vor sich her.

Ich verlasse diese seltsame Lounge. Mein Ziel ist der renommierte Konzertsaal, wo schon so viele Götter und Göttchen gespielt haben. Im März erst trat Brad Mehldau dort auf. Der Konzertraum ist erstaunlich klein. Schwere dunkelrote Sessel stehen unter goldverkleideten Stehlampen in einem Halbrund zur Bühne. Auf einem Louis 14 Tischchen liegt ein Programm für 2018. Ich sehe unter „Jazz“ folgende Künstlernamen:

 
 

Nils Wülker

Jukka Perko (kenne und mag ich)

Sebastian Gürtler

Joo Kraus

Cleo

Trilok Guru (Neuentdeckung für mich, coole indische Rhythmen)

Kinga Glyk Trio (habe mir paar Stücke angehört, die polnische Bassistin gefällt mir)

Kristjan Randalu Trio (habe mir ABSENCE angehört, na, wenn das nichts für Michael ist)

 
 

Ansonsten kommt natürlich die Luxustruppe aus dem FAZ Feuilleton angereist: Felicitas von Lovenberg trifft auf Grütters. Wie cool wäre das denn, wenn sie mal ein bisschen Schwung in die lahme Runde brächten und den hyper zeitgenössischen Text von Mick Jagger diskutierten: „GIMME SHELTER“. Und dann muss ich doch schmunzeln. Heinz Bude darf vorlesen aus Adorno für Ruinenkinder. Herrlich, das passt. Gestern habe ich das Championspiel Bayern München gegen Sevilla in einem oberbayrischen Gasthof angesehen. Er war überfüllt bis auf einen freien Tisch, an dem ein Neger alleine saß. Ich bin ein Kind von Fassbinder (Angst essen Seele auf). Ich setzte mich zu ihm. Wir sprachen nicht miteinander.

Als ich heute auf der Zugspitze stand, fragte ich mich, was ich aus dieser schönen Welt mitnehmen würde in eine mir unbekannte. Neben mir stand Effi mit dem DFB Pokal in der Hand für Werbeaufnahmen. Stinkefinger würde ich nicht mitnehmen. Vielleicht etwas aus der Kunst?  Ja klar, eine TÜTE LUFT (Duchamp).

2018 22 Mrz

Mind the gap

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SAÂDANE AFIF ist ein zeitgenössischer, französischer Installationskünstler, der auf raffinierte Weise aus dem Betrachter einen Konzeptkünstler herauskitzeln will. Dass er das mit einem der trostlosesten Orte zwischen Köln und Paris versucht, ist erstaunlich. Immer bin ich froh, wenn der IC nach Liège keine Panne in Düren hat und  ich von der tristen Vorstellung, auf dem öden Bahnsteig auf den nächsten Erleichterungszug warten zu müssen, verschont bleibe.

Am Wochenende habe ich in Brüssel im Wiels Museum seine Klanginstallationen besichtigt und die meiste Zeit in dem Raum verbracht, wo der originale Laternenpfahl mit zwei Lautsprechern dem Bahnhofsschild DÜREN  steht. Man hört monotone Durchsagen: „Bitte hinter der Bahnsteigkante zurücktreten“ und sieht an den Wänden zwei große Papierposter hängen, die die Wörter  „Ici“ (hier in Düren) und Là-bas (dort) zeigen. Sie sollen den Betrachter stimulieren, seine Gedanken zu formulieren und aufzuschreiben. An den Wänden sind einige Gedichte und Songtexte angepinnt. Ich habe einige abfotografiert.
 
 
 


 
 
 
Hier meine kleine Inspirationseingabe :
 
 

„Meine Tasche mit dem weichen Badetuch wiegt nicht schwer.

Wenn er nicht mit dem nächsten Zug kommt, weigere ich mich, noch länger die monotonen Lautsprecherdurchsagen anzuhòren.

In die Carolus-Thermen werde ich mich begeben und ihn beim Spaziergang durch die orientalische Badewelt gegen neue Götter eintauschen.“

 
 
Möchte noch jemand texten?


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