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Archives: Deutschlandfunk

 

 


jazz on the verge of falling apart…highly experimental, not relying on well-trodden paths…to start this hour with the latest works of Barre, Ashley  and Moor Mother signals a decent research in unpredictability, and, poetically speaking, an ocean of sound…the book on jazz echoes from the 60‘s is another look at unforeseen changes of parameters in improvised music …and then, steve tibbetts‘ breathtaking anthology, a fine entry for beginners, and deep listening for all… a freewheelin’, floating hour looking for a final chord with a whisper, or a bang…ashley paul and steve tibbetts were kindly asked to participate. erlend apneseth (hardanger fiddle) and the hurdy gurdy man (matthias loibner) join the party, too.

 
 

 
 

 
 

/ 1 / Barre Phillips & Gyorgy Kurtág Jr.: Face à Face (ECM) / 2 / Ashley Paul: I am Fog (bandcamp – digital – cassette) / 3 /  Moor Mother: Jazz Codes / 4 / Feature – Michael Rüsenberg (book review – „Jazz Echos“) / 5 /   Steve Tibbetts: Hellbound Train / 6 / Erlend Apneseth: Nova (Hubro) / 7 / Lucas Niggli  & Matthias Loibner: Still Storm (Intakt Rec.)  

 

2022 23 Apr

John goes solo

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  8 Comments

 

What else to do at home, in times of the virus? The acoustic, the electric guitar, loops – all at his hand. A cover to make you smile, at least for a moment, for such  were the looks of nature, in the first lockdown – islands deserted from the tiniest idea of tourism, and the nature taking a deep, deep breath from noisy pasts. Has Mr. Scofield really been on  Sylt, I do have these dejavues of course  – no, he hasn‘t. Look at the buildings in the distance! The fence work. So many lonesome coasts across the ocean. Lay back, take your time. I contacted Luciano Rossetti, who did the photo for „Solo“, and this is what he wrote: 

 

Collaboro con Ecm dal 2008, per loro finora ho sempre fornito foto per „inside use“ e „press use“, musicisti come Francois Couturier, Gianluigi Trovesi, Tomasz Stanko, Savina Yannatou, Arvo Pärt, Giya Cancheli, Sokratis Sinopoulos, Craig Taborn, Mark Turner… Quella di Scofield è la mia prima copertina. 


La fotografia è stata scattata nel Massachusetts, a Newburyport – Plum Island Beach il 10 aprile 2015. Ero lì con il mio carissimo amico Garrison Fewell, chitarrista americano che suonò con Herbie Hancock, Fred Hersch, George Cables, Cecil McBee, Steve LaSpina, Tal Farlow, Larry Coryell,  Steve Grossman, John Tchicai, Steve Swell, Slide Hampton, Benny Golson … 

Lui abitava poco distante da quel posto e ci siamo andati perchè mi aveva detto che sarebbe stato un bel posto per scattare fotografie. Lì, oltre a scattare foto all’ambiente, gli ho scattato alcuni ritratti.  Quelle sono le ultime fotografie che gli ho scattato perchè Garrison sarebbe morto pochi mesi dopo. Sono particolarmente felice che ECM abbia scelto una fotografia di quella sessione per il disco di Scofield.

…ho come la sensazione che Garrison ci abbia messo lo zampino!
… I somehow have the feeling as Garrison gave a little push!

Best
Luciano

www.lucianorossetti.it

Niklas Wandt is again on air, with his second live night of „Klanghorizonte“ at the Deutschlandfunk (April 16),  and on his way to the break of dawn, a lot of new and ancient music will be floating through our ears. For example: Roger Eno*, Petter Eldh, jameszoo, Kaja Draksler, Giovanni di Domenico, Neu!, Amon Düül, Hölderlin, Cluster, Jeff Parker and many others.

Jan Reetze will be reading from his book „Der Sound der Jahre“, one of the most intruiging time travel experiences through „die alte Bundesrepublik Deutschland“ in recent years, musicwise. Anyone remembering Hölderlin, the band, not the poet? The night can be reloaded for immersive listening after it happened, for the next seven days to come. 

 

*Roger Eno‘s album is out on April 22, vinyl, cd, and dl, on Deutsche Grammofon Gesellschaft. Leah Kardos, author of a fine book on David Bowie, sings the praise of „The Turning Year“ in „The Wire“, as Michael Engelbrecht has done here. 

Es ist eine interessante Arbeit, die JazzFacts zu gestalten.  Nachdem der „Baukasten“ der Sendung mit Hilfe einiger Hörer konkrete Gestalt angenommen hatte, aus einer ganzen Reihe spannender neuer Produktionen ein paar der Kohärenz des Ganzen geopfert werden mussten („killing your sweetest babies“ – sorry, Steven Bernstein, sorry, Tim Berne), die drei Beiträge geklärt waren, begann das „sequencing“, das heute morgen eine weitere Volte erlebte: ich tauschte die Plätze von Niklas‘ Suche nach den Bertriebsgeheimnissen des Münchner Quintetts „Fazer“ mit meiner Vorstellung des wunderbaren „Korallen-Trios“ von trumpet magus Leo Smith (80 Jahre jung, ultraproduktiv) mit zwei Gitarristen. Vor dem Finale mit „Dedication“ werden also drei Trompeter den Ton angeben – unterschiedlicher können Trompetenhorizonte kaum sein.

 

Der ganze Plan bekam vor einer Woche einen zusätzlichen Kick, als  das Basssolowerk von Dieter Ilg in der Post lag, und ich ganz und gar beeindruckt von der Musik, über Michael Gottfried, den Kontakt zum Künstler herstellte. Meine Fragen beantwortete er schriftlich. Kein Problem, wir haben gute Sprecher im Sender. Aber was für scharfe, gewitzte Antworten das waren – Dieter Ilg nimmt kein Blatt vor den Mund, und zwei Passagen seines „Briefes“ bilden den gelungenen Rahmen dieser Jazzstunde. Und es beginnt wie in einem Film: jemand erzählt, der sich „Einzelwolf“ nennt, lässt seine  Worten Töne folgen … und wir sind mitten drin im Geschehen.

 

Und dann der schöne Übermut in Zeiten blitzschneller Kontaktmöglichkeiten. Ich mailte Steve Tibbetts die „Korallenmusik“, und bat ihn – vorausgesetzt er habe Zeit (er hat derzeit sehr wenig), und fände grossen Gefallen an diesen mäandernden Gitarrensounds von Leos Reise zum Pazifik – mir seinen Höreindruck zu schildern. Vom Schlagwerker Ziv Ravitz wollte ich auch gerne was wissen, fand seine Adresse im Netz, formulierte knapp gehaltene Fragen ins Blaue („Naked Truth“ hat gewiss einen magischen Mehrwert – aber fassen Sie den mal in Worte, ohne Poesie). Und dann nahm ich mir spasseshalber noch die originelle wie wimmelbildfeudige Website von  Bill Carrothers vor, bat auch ihn um ein „audio-file“ zu meiner Frage, worin denn die Eingebungen des Augenblicks bestanden hätten, als er sich in der Provence mit Vincent Courtois Joni Mitchells „Circle Song“ zugewandt hatte, ein Song, der vielen eine Menge bedeutet.

 

Aber auch, wenn bis zur Produktion am frühen Morgen des 3. Februar keiner der Drei Laut gibt – es ist einfach ein gutes Gefühl, konzentriert dieser Handvoll Platten der kommenden Ausgabe mit Neuem von der improvisierten Musik ausgiebig zu lauschen, hier und da kleine Texte dazu zu verfassen, und ganz beiläufig darauf gefasst zu sein, kleine Audiodateien aus der weiten Welt zu erhalten. Aber warum so weit in die Ferne schweifen, ladies and gentlemen – die Post des „Einzelwolfs“ (aka Dieter Ilg) liess keine Wünsche offen und überraschte zudem. Zum Ende hin fragte ich ihn, wie es ihm denn an jenem Tag ergangen sei, als „Dedication“ seinen letzten Schliff erhalten hatte, und er antwortete:

 

„Auf dem Nachhauseweg stromerte ich an den Hängen des Schwarzwaldes entlang und siehe da. Meine gute Stimmung nach produktiver Arbeit verleitete mich etwas vom Weg abzukommen. Nein, Rotkäppchen lief mir nicht über den Weg. Aber einige Prachtexemplare von Steinpilzen lockten mich down, Verzeihung, zogen meine Blicke an, und verkündeten wohlschmeckende Berichte aus den Mysterien des Myzelreiches. So stieg ich hinab in die Untiefen des Pilzglücks und widmete mich stundenlang den Fruchtkörpern irdischen Glücks. Carlos Castaneda wäre neidisch gewesen.“

 


Ayumi Tanaka Trio: Subaqueous Silence (ECM)

Thomas Loewner über „Charlotte Greve: Sediments We Move“

Linda Frederiksson: Juniper (We Jazz)
James Mainwaring: Mycorrhiza (Discus)

Bert Noglik über John Coltranes „Free Jazz-Version“ von „A Love Supreme“ 

Mats Eilertsen: Hymn for Hope (Hemli)
Kappeler / Zumthor: Herd (Intakt)

Karl Lippegaus über „Craig Taborn: Shadow Plays“

Eberhard Weber: Once Upon A Time (Live In Avignon) (ECM) 

 


(Mit angeschlagener Stimme, Honig und Salbei trat ich heute zur Produktion an. Aber mein CEO fand das halb so wild, na gut. Tatsächlich steckt in so einem Magazin eine Menge Arbeit drin, wenn man es nicht gerade zusammenwürfelt. 
Der Struktur der Magie bleibt (bei besonderer Musik) stets etwas Unerklärbares erhalten, der Struktur so einer Stunde haftet kein Zauber an, nur eine klare Linie: Coltrane wird zentral platziert, wo sonst. Ich teile Berts Ansicht, dass es sich wohl um die jazzhistorisch bedeutsamste Ausgrabung der letzten Jahre handelt. Bedeutsamer aber ist, dass „Live in Seattle“ manchem Hörer den Zugang zu Coltranes „Free“-Phase öffnen könnte. Grossartig, dass Bert auf Stimmen aus alten Interviews mit McCoy und Elvin zurückgreifen konnte. Und sonst: das eine und andere Thema als Leitmotiv, und: drei Frauen eröffnen den Reigen der „blauen Stunde“, mit höchst unterschiedlichen Ansätzen. Die neuen Alben, die ich vorstelle, haben eins gemeinsam – sie erhalten von mir allesamt (Linda und Ayumi, James und Mats und Eberhard, sowie das Duo Kappeler / Zumthor), in altem downbeat-rating, vier Sterne. Ein Dank an alle Beteiligten – und an Martina B., die für klare Abläufe sorgt, immer. Im nächsten Jahr dann lasse ich die Nächte weg, freue mich auf abendliche Sendungen voller Jazzfakten und Jazzvisionen. Den Jahresrückblick 2021 haben Odilo, Karsten und ich fest im Visier.)

„Es hat einen ganz anderen Effekt, wenn man sich im üblichen, meinethalben erprobt-analytischen, Jargon, über die Band The Mountain Goats auslässt, oder ob man, in Bezug auf ihr  Werk „Dark In Here“,  die vier Texte allein den Songs voranstellt. Dann spürt man erst mal, wie diese Diskrepanz sich anfühlt, von geschmeidig vorgetragenen Liedern, und ihren abgründigen Stories. Eine andere Art von Verfremdung, und die Stimme ist der „go-between“ zwischen beiden Welten.“

 

SIX KINDS OF DARKNESS

 

These „six kinds of darkness“ refer to the six records of hour one handling that thing called darkness in various, even illuminating ways. Again, apart from „Dark in Here“, no album would be regarded as patricularly „dark music“, and even John Darnielle’s song cycle has its uplifting moments. Thrilling it is anyway, from start to end.

And the safari of the North Men, well, they must have a decent amount of light sources on board for their special mission. By chance, days ago, I saw that old John Carpenter movie „Dark Star“, a low-budget sci-fi noir classic with a touch of humour and some bossa nova – always a joy, in fantasy or real life, to see what the astronauts‘ choices are when listening to music on their missions to unknown and distant worlds. In  case of Eivind Aarset‘s forthcoming work, Mojo writes: „However far out Aarset travels, he never loses touch with melody, and his ninth album as leader could be his best.“

 

 

(This photo was shot on a dark star safari by Susanne Berndt. „Spider and i sit watching the sky / in a world without sound“). One of the darkest albums of the night will be the new record by Schwalm & Reuter, full of rare noise (to name-drop their label), a duo that will be part of the second night hour, and that has already earned critical praise, with a vocabulary oscillating between „nightmarish“, „black hole music“ and „Swans-esque blocks of sonic fear“. „For listeners willingly or not in the throes of this spellbinding trip, Schwalm & Reuter morph from the deeply cerebral to an equally penetrating visceral, then back again; that range of dynamics depends on the natural proclivity of the listener or a spontaneous surrender to temptation, to turn up the volume.“ Even that can be a joyous ride, and why so? Cause, in every second of listening to „Aufbruch“, you feel very, very awake. Call it survival instincts! Safe journey. 

By the way: The 81-year-old drummer Andrew Cyrille deploys crisp cymbals, hushed snares and even brushes on newspaper for this entrancing set alongside Bill Frisell, Ben Street and David Virelles – „The Guardian“ just called „The News“, produced by Sun Chung for ECM, their „jazz album of the month“. Marc Johnson‘s bass solo masterpiece „Overpass“, another ECM highlight of 2021, will be featured in the theme hour of the night, no idea yet which version of „Nardis“ I will finally chose. The darkest one may be the one from Bill Evans, a long time ago, during a night in Paris. Marc Johnson was there!

 

 

Dark Star Safari
Eivind Aarset
lyrics by John Darnielle
The Mountain Goats
Andrew Cyrille Quartet: The News
The Mountain Goats

lyrics by John Darnielle
Eivind Aarset
OTON Marc Johnson
Marc Johnson

 

 

SINGING IN CAVES

 

Not every Mountain Goats album is shooting the stars from the sky, but this one does. For me „Dark In Here“ is, in all its elegance, understatement and intensity, one of their very best, in a broad collection of good, great and excellent albums. In the beginning The Mountain Goats were John Darnielle himself (I fell in love with this music when listening to „The Coroners‘ Gambit“, a long time ago, pure lo-fi shangrila of primitve equipment, and my love grew stronger, when John turned to crystalline chamber music solitudes on 4AD longplayers) – meanwhile they are a band that, in my decent opinion, are one of the most profound units on the planet. They can perform with the intricate charms of Steely Dan, the poignant sharpness of early Talking Heads, and the poetic depth of Leonard Cohen. „This time the band hones in on catastrophe; characters are never quite at the centre of disaster, but find themselves either in its anticipation or aftermath.“ The album has a  subtitle: „12 Songs for Singing In Caves,  Bunkers, Foxholes, And Secret Places Beneath The Floorboards.“  Good company guaranteed. And if you ever asked yourself recently, how Brian Eno’s „lighthouse radio station“, his co-operation with Sonos, might look like, here it is, in all its glooming glory:

 

 

STERNZEIT

Talking
Dark Star Safari
J. Peter Schwalm & Markus Reuter
lyrics
The Mountain Goats
Moritz von Oswald Trio
The Mountain Goats
lyrics

J. Peter Schwalm & Markus Reuter
Talking
Brian Eno – from a collection of hidden gems
Brian Eno – from The Lighthouse
Brian Eno and Roger Eno at the Akropolis

 

A SHINING ABSENCE

 

Nardis ist einer der schönsten Jazzsongs überhaupt, eine Erfindung von Miles Davis. Er hat seine Komposition wohl nie selbst eingespielt. Bill Evans erschuf das umfassendste Kompendium dieses wunderbaren Stückes – eine Welt für sich. Niemand hat die tiefe Melancholie dieser Melodie so freigelegt wie Bill Evans in fast balladesken Versionen, in verzweifelt ruppigen up-tempo Variationen wie jener aus Paris vom 26. November 1979 mit seinen Partnern Marc Johnson und Joe LaBarbera 10 Monate vor seinem Tod. (HDK)

 

there is no other composition by miles davis that in spite of its early recognition as an instant classic of modern jazz composition and countless versions played by others he himself didn’t breathe life into at all stunning no single performance no bootleg discovery just an empty page in a huge discography just a piece of paper with perhaps skeletal notation maybe he listened to bill evans one night and thought bill should own it kind of dance around it in his own peculiar ways maybe a gift for bill for putting his magic into kind of blue the album  think of all the other dancers who followed jackie terrasson john abercrombie ralph towner to name a few who added a dance a picture a ripple of time in my false memory nardis was played on one of those famous albums we know so well from the miles davis quintet or well well just another radical example for miles‘ less is more approach a shining absence imagine

 

 

Opening words
Marc Johnson‘s Bass Desires (second album)
OTON Marc Johnson (on Whorled Whirled World)

Marc Johnson: from Overpass
OTON Marc Johnson (on Dave Holland‘s Emerald Tears)
Nardis (version from Ralph Towner‘s „Solo Concert“)
Marc Johnson: Nardis (from Overpass)
Nardis (version from Jackie Terrasson‘s „Smile“)
OTON Marc Johnson (on the recording in Sao Paolo)
Marc Johnson: from Overpass
OTON Marc Johnson (on Marc Wade‘s cover)
Marc Johnson‘s Bass Desires (second album)
Closing words
KALENDERBLATT

 

THE LONG PARTY AT THE BREAK OF DAWN

 

Over the last years, I called the fourth nightwatch „the strange hour“, that surreal zigzging between eras, sounds and memories in the time travel department. Dream logic as (un)reliable company in sequencing atmospheres. At times, it all falls into place, and then again, it falls apart like apparitions in nowhere land. I really don‘t know how the final sequence of the fourth nightwatch will work. At least, i once fell under the spell of its single components – later on, I took a second look and decided that, as the old saying goes, less is  more, and now looks like much more focussed journey: a buried treasure from „Made to Measure“ (kudos to Marc Hollander), and the adventures of Annette, Alice and, last minute decision, Laurie, now joining „The Wonderland Trio“. 

 

 

In case of „Douzième Journée: Le Verbe, La Parure, L’Amour“… NME called it “an album of mesmerising strangeness, an exotic, surreal trip. Elusive and fasctinating” and Glenn O’Brien wrote these nice lines : “You might say that this record is an acquired taste. Like raw sea urchin, methadone or Colt 45. No, this is a pure and immediate taste because it’s beautiful. A brilliant achievement, a great record.” 36 years later Pitchfork didn‘t go wrong when re-evaluating this classic from the margins: “Stunning surreal debut, dreamlike, both earthy and ethereal”. Newly remastered, this album will be available again on September 17, and  one of the highlights in my strange hour between 4.05 and 5.00 a.m. Btw, the radio night of „Klanghorizonte“ can be heard afterwards, seven days long, on the Deutschlandfunk‘s „audiotheque“. 

 

Surprise, surprise, the final hour, the long party at the break of dawn, two trumpet legends (always thinking outside the limits of their instrument’s history) – no second thoughts required here: Jon Hassell, his voice from an old interview, tropical London, summer 1990 (sweet dreams are made of this,  The Pearl Hotel, the hum of the city invading the open windows of Jon‘s appartement in South Kensington) – and Don Cherry in France, 1972. Two celebrations of life, the urban jungle, the countryside.

 

In case of Don and Moki: „The couple called the project Organic Music Theatre, as evocative a name as one can imagine for the holistic mystical experience they worked to create. A recovering heroin addict, Don hoped to forge a new way to present and experience music well outside of the jazz clubs and bars where he had formed his worst habits. Organic Music Theatre represented not just artistic inclusivity and openness, but a way of life encompassing health food (it’s not for nothing that his most revered record from this period is called Brown Rice), children’s education, and whatever else their cohort viewed as essential to a better life.

 

NIGHTWATCH FOUR: Benjamin Lew & Steven Brown: from Douzième Journee: LE Verbe, La Parure, L‘Amour (1982) –   / talking /  Alice Coltrane: from Kirtan Turiya Sings (1982) / Benjamin Lew and Steven Brown / Annette Peacock: from The Perfect Release (1979) / Benjamin Lew & Steven Brown / Laurie Anderson: from Bright Red (1994) / talking / Benjamin Lew and Steven Brown

NIGHTWATCH FIVE: In memory of Jon Hassell and City: Works of Fiction (1990) / excerpt from my old radio portrait of the fourth world wanderer / Jon  Hassell: City –  Works of Fiction / / Don Cherry: Organic Music Theatre – Chateauvillon 1972

 

An hour of time travel activities on August 19. Japanese music of the past can still surprise. The latest offering is a wonderful mix of melodic lightness and experimental touch. In those old days „Made to Measure“ wrote music history made to measure unfamiliar horizons: „La douxième journée“ by Lew & Brown was instantly regarded as a classic of its own kind with its audacious melange of north african modes, jazz sensibilities and twilight zones in between. From Bruxelles with love! No doubt Alice Coltrane and her Ashram singing of more or less improvised Hindu chants has a deepness to it that transcends its once-upon-a-time target group of religious devotion and now can easily be perceived as a profound, human meditation on yearning and loss. In the middle of it all we’ll see, on the cover of „The Perfect Release“ a woman (Annette Peacock) on a couch (looking slightly indifferent) – and then there is this vocal delivery  on the state of the world, with a casual performance that doesn‘t outnumber at all the simple truth of all its lines and verses. A stone cold groove keeps her company.

 

Leftfield Japanese Music from the CD-Age / Benjamin Lew & Steven Brown (a classic from Made to Measure) / Alice Coltrane: Turiya Sings / A spoken word classic from Annette Peacock / Alice Coltrane again / Benjamin Lew & Steven Brown again / Leftfield Japanese Music again (closing all circles)      

Die Nacht der Klanghorizonte am 19. Juni beginnt mit einem langen Musikstück, ich sage vorher kein Wort. Wenn man die ersten Minuten davon gehört hat, weiss man ohnehin, wo der Bartel den Most holt in dieser Nacht. Es gehört zu einem Genre, das gar nicht so fest umrissen ist, und von Nik Bärtsch „ritual groove music“ genannt wird. Damit verhindert er die üblicherweise ins Spiel gebrachten Wörter mit langen grauen Bärten, wie „Jazz“, „Minimalismus“, „Ambient“ und „Klassik“. Klassik hat den längsten Bart, historisch gesehen – um ihn zu stutzen, beschränken sich einige auf „Zeitgenössische Klassik“. Wörter wie „zeitgenössisch“ halten sich auch nur noch im Feuilleton wacker aufrecht, sie sind massiv einsturzgefährdet, so obsolet wie heutige Parteitage der von Gerhard Schröder abgewirtschafteten SPD, auf der man sich immer noch feuchtfröhlich als „liebe Genossinnen und Genossen“ anredet. Zur „ritual groove music“ könnte man leichterhand The Necks zählen, „Joshua Abrams & The Natural Information Society“, Nik Bärtschs Ronin sowieso, und das wunderbare Album, das meine Radionacht einleiten wird. Interessant, das ich bei dem ersten Stück der CD hier und da an die feinen repetitiven Wirbel der „ride cymbal“ von Eberhard Webers Album „Yellow Fields“ dachte! Ein Album, das man „organische Puls-Musik“ nennen könnte (wenn das nicht zu sehr nach veganem Lebensstil klingen würde), und bis heute nichts von seiner Magie verloren hat. Mein erstes Album der Nacht ist ein Werk, dem man daheim am besten von Anfang bis Ende lauscht. Es ist, nebenbei bemerkt, exzellent aufgenommen, und muss keineswegs laut gehört werden. Die Musiker leisten sich den Luxus, ihre Tableaus in oft recht hohen Tonlagen anzusiedeln, ohne schrill zu werden. Die Luft ist halt dünn in solch entlegenen Terrains (und Nachtlandschaften), über denen das  beste Opus, das diese Bande Gleichgesinnter je gemacht hat, schwebt, in all seinen aufregenden Perspektivwechseln, Eindunklungen, und Verwirrspielen. Ich verleihe dem Album 4 1/2 Sterne. Soviel, wie John Green in seinem tollen Essayband über das Anthropozän den Höhlenmalereien von Lascaux gibt. A strange, strange world, und, for sure, one my 33 favourite albums of 2021. Dim the lights, and follow the tapestries. 

 

1 – Am Ende eines Gespräches

 

In my next radio night I will play a long track from Robert Ashley‘s masterpiece „Private Parts“. A special voice tells a story full of apparently marginal things (but nevertheless a meditation on life), accompanied by interesting „background music“. Recommended for your ears, Kurt, also,  because of the way you are working with  language on Showtunes.“

“The  name rings a bell, Michael. Special background music – that was the  case, too, when Bob Dylan read his speech for the Nobel Prize, just being accompanied by a piano.“

“A propos piano. In a review of Showtunes, I put your album alongside some other albums from different genres that, for me, have a similar kind of nakedness, intensity and intimacy. And one of them was a piano solo album by Paul Bley: „Open, to love“.  Go for that, Kurt, it‘s awesome midnight music.

„I will, Michael. I love ECM“.

 

(transcribed from memory, from yesterday‘s Zoom-interview with Kurt Wagner (Lambchop) in Nashville, Tennessee)

 

 

 

 

2 – Einige dieser Sommerabende

 

Der Sommer, der morgen beginnt, und obwohl er schon ein paar Tage offenkundig war, rasch wieder von einer Regenfront und kühlen Winden verprellt wird, hatte genug warme Wiesen parat, um sich darauf zu räkeln, in die neuen Kurzgeschichten von Haruki Murakami abzutauchen,  oder sich vom feinsinnigen Humor der Essays von John Green entführen zu lassen – und obendrein gab es die angenehm kühlen Abende mit verlangsamten Blicken zu den Restlichtern dieser Tage (Laternen, Abendrot, Grillkohle), sowie Alben, die, wie in alten Zeiten, zur Nacht hin, abwechselnd den Plattenteller blockierten: immer wieder „Showtunes“ von Lambchop, „Promises“ von Floating Points, und das Album mit mehr als einem Hauch einer alten Stadt der Mayas. „Every repetition is a form of change“ (Oblique Strategies, oder Heraklit, ganz wie man will).

 

 

3 – In bester Gesellschaft von „Showtunes“

 

Mark Hollis’ solo album, Joe Lovano’s „Trio Tapestry“, Nico‘s „The Marble Index“,  Paul Bley‘s „Open, to Love“, Brian Eno‘s  „Another Day On Earth“, Prefab Sprout‘s „I Trawl The Megahertz“, John Cale‘s „Music For A New Society“, and the last album of Jacques Brel, the one with a pale blue sky and pale white clouds

 

 

4 – Nachspiel

 

Trio Tapestry‘s sense of melody, space and  letting-go  is immaculate. I will always remember their first record, one of the jazz miracles of 2019. For me, it was the best album Joe Lovano ever made, with Manfred Eicher’s perfect sequencing of the tracks. Listen to the vinyl: suspense, sound and silence in perfect union. It is quite natural that this follow-up lives up to the high standard of the first meeting in New York. Now with a deeper touch of Provence pastel and colours at dusk. You can think of every jazz writing cliche of praise, from „filigree“ to „elemental“, and be sure that Lovano, Crispell and Castaldi are breathing new life into it. After the first three pieces of pure baladry (written by soul, not by the book), the appearances of sound take more and more adventurous side steps, from moments of pianistic unrest and upheaval, to an exploration of metal and sound in Castaldi‘s drum figures. A zen-like purity‘s bold pairing with an adventurous spirit. „Garden of Expression“ delivers everything with grace, selflessness and the most nuanced sense of  tempo, time standing still and a flow of undercurrents. If this sounds slightly over the top, let the music take over, dim the lights and follow the tapestries!

 

The new songs comprised guitar tracks that were converted into MIDI piano tracks, over which Wagner laid Broder’s grand piano, Olson’s assorted sounds, horns by CJ Camerieri, turntable work from Twit One, some free-jazz drumming from Eric Slick and, finally, double bass from James McNew. “I always thought this kind of record needed this upright bass element,” says Wagner. “Very much like some classic jazz piano-trio record and James was always on my mind with that.”

(From Uncut, 2021)

 


Eine Freude, wenn in die Jahre gekommenen Wegbegleitern immer noch Bereicherungen gelingen
, und sie sich nicht darin erschöpfen, mit jeweils neuen Alben allein das Feld unserer Erinnerungen hübsch aufzubrezeln. Ach, weisst du noch – das ist nicht die Haltung Entdeckungsreisender in Sachen Musik.

Und so hat Kurt Wagner, als Lambchop-Mastermind und ruheloser Erforscher von Songhorizonten, auch in den letzten zehn Jahren weiterhin erstaunliche Arbeiten abgeliefert, und mit „Showtunes“ nun ein sicher nicht unmittelbar griffiges, aber rundum geglücktes Meisterwerk, experimentell und tiefgründig zugleich. Es bewegt sich in solch einsamen Höhen wie Mark Hollis‘ Soloalbum, oder Prefab Sprout‘s I Trawl The Megahertz. Eine gute halbe Stunde lang, mit keinem einzigen verschwendeten Moment, garantiere ich (natürlich ohne Gewähr und Reiserücktrittsversicherung) aufregende Erlebnisse mit jedem neuen Hören. Es gibt das Album auch, in einer Sonderedition, auf weissem  Vinyl, in einer Gatefold-Ausgabe mit 45 rpm (!). „Showtunes“ ist eines unserer Alben des Monats Juni (s. Kolumne rechts), und es ist ganz sicher eines meiner Top 5 Alben des Jahres 2021. Ich bin restlos begeistert.

Ich habe Brian dazu eine Mail geschickt, u.a. auch den substanziellen, grossen Artikel über Kurt aus der Juli-Online-Ausgabe von Uncut („The Conceptualist“). Es würde mich sehr erstaunen, wenn Eno nicht Feuer und Flamme wäre, was Kurt Wagners neue Arbeit beitrifft, entstanden in fast mönchischer Zurückgezogenheit, zuhause in Nashville, Tennessee. In den Klanghorizonten am 19. Juni werden zwei Songs aus „Showtunes“ auftauchen, in bester Gesellschaft von Marianne Faithfull, Robert Ashley, Stephan Micus, und, ähem, Brian Eno. Ein „phoner“-Interview wird angefragt, mit Kurt Wagner. Es wäre so ungefähr unser fünftes Interview. 

playlist of nighthawk‘s late night radio in June:

Brian Eno: instrumental track
talking 1 – Michael (on this hour, on Showtunes and She Walks In Beauty)

Marianne Faithfull: from She Walks In Beauty
Lambchop: from Showtunes
KURT WAGNER SPEAKING (possibly)
Stephan Micus: short instrumental track from Winter‘s End (ECM)

short story by  Martina Weber on Robert Ashley‘s Private Parts
Robert Ashley: The Park, from Private Parts (1977 – Lovely Music)
short story by Michael on Robert Ashley’s Private Parts

Stephan Micus: short instrumental track from Winter‘s End
KURT WAGNER SPEAKING (possibly)
Lambchop: from Showtunes
Marianne Faithfull: from She Walks In  Beauty

talking 2 – (Michael on everything)
Brian Eno:  instrumental track 

 


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