Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Jemandem eine selbst gesprochene digital gespeicherte Nachricht zukommen zu lassen, ist heutzutage für viele selbstverständlich geworden. Einen anderen Flair hat eine solche Aufnahme, wenn sie auf einem Trägermedium gespeichert wird und nicht mehr verändert oder gelöscht werden kann, zum Beispiel auf einer Schallplatte. Wie das funktioniert, kann man in Terrence Malicks faszinierendem Film Badlands sehen. Kit beschließt nach einem Gewaltakt, mit seiner Freundin Holly aus Fort Dupree/South Dakota zu fliehen. Um die Autoritäten auf eine falsche Spur zu locken, produziert er eine Sprachnachricht, die dann in einem Loop auf einem Plattenspieler neben einem brennenden Haus ein uns andere Mal abgespielt wird. In einem telefonzellengroßen Mini-Studio (Record Booth) kosten fünfzig Sekunden Aufnahme im Jahr 1959 fünfzig Cent. Man muss zwischen einer Aufnahmegeschwindigkeit von 78 oder 45 Umdrehungen pro Minute wählen. Am Ende fällt eine kleine Schallplatte aus einem Schacht, wie wir ihn aus Fotoautomaten kennen. Das Aufnahmegerät ist ein Voice-O-Graph. Mitte der 1930er Jahre erfand Alexander Lissiansky ein Vorläufermodell; am 31. Dezember 1940 reichte er ein Patent für den Voice-O-Graphen ein. Bis in die 1960er Jahre wurden die Modelle weiterentwickelt, dann wurde die Produktion eingestellt. Vermutlich hatten Tonbandgeräte und Kassettenrecorder die Funktion des Voice-O-Graphen übernommen. In zahlreichen Filmen, von Marine Raiders aus dem Jahr 1944 über M*A*S*H* (1973) bis Masters of Sex (2013) tauchen Szenen mit einem Voice-O-Graphen auf, hier eine Filmliste und ein Zusammenschnitt der entsprechenden Voice-O-Graphen-Szenen. Falls sich von Filmen auf die Realität schließen lässt, könnte man vermuten, dass diese Aufnahmeboxen in den USA vor Jahrzehnten geradezu weit verbreitet waren. In Großbritannien und Frankreich scheint es einige Sondermodelle gegeben zu haben. Wie bei der Jukebox, gibt es auch beim Voice-O-Graphen einen Retrotrend. Wer seinen Voice-O-Graphen verkaufen möchte, findet über diese informative Seite glückliche Abnehmer.

2020 28 Sep

Funkstille

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In der Straße, in der ich wohne, wird gerade ein Teil eines Films gedreht. Vergangene Woche fiel mir eine kleine Menschentraube vor einem Nachbarhaus auf. Ein Teil des Teams, ansonsten Schaulustige. Als ich in einem großen Bogen, um nicht zu stören, mit dem Rad vorbeifuhr, sah ich einen Schauspieler auf einer Bank vor einem Nachbarhaus sitzen. Normalerweise befindet sich dort keine Bank. Es gab auch zwei Graffitis an der Hauswand. Kann aber sein, dass die vorher schon dort waren. Die Leute stehen auf ihren Balkonen oder bleiben vor der Haustür stehen und schauen zu. Ein Security-Mann in schwarzem Overall bat Umherstehende darum, sich zu entfernen oder nach Hause zu gehen. Heute drehen sie wohl auch an dem Park hier, in dem es einen großen Sandstein-Brunnen mit Figuren aus altgriechischen Sagen gibt. An einem Wohnwagen steht der Titel des Films: Funkstille. Ein Tatort. Ich bin keineswegs ein ausgeprägter Krimifan; ich wüsste noch nicht einmal, ob ich mir die Funkstille mit Aufnahmen aus dieser Straße ansehen würde. Vor vielen Jahren war ich Mitarbeiterin einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe an einem Forschungsinstitut. Wir trafen uns Donnerstag Nachmittags, um die vom Leiter der Gruppe ausgewählten wissenschaftlichen Aufsätze zu diskutieren und über unsere Arbeiten zu sprechen. Zu Beginn des Treffens fing M, der Gruppenleiter, immer ein Gespräch über den Tatort vom Sonntag an; er diskutierte den Tatort regelrecht durch. Als ich neu in die Gruppe kam, machte er eine Bemerkung, die es fast etwas entschuldigend wirken ließ, dass er so intensiv über den Tatort diskutierte. Es war definitiv eine Routine und die anderen machten mit. Ich fühlte mich ausgeschlossen und dachte darüber nach, auch den Tatort zu schauen, obwohl ich ihn eigentlich nicht sehen wollte, und ich dachte mir, ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wie ich meinen Sonntag Abend verbringe, nur um hier mitdiskutieren zu können. Ich trat aus der Gruppe aus, allerdings nicht wegen des Tatorts, und ich beschloss, nie wieder etwas zu tun, von dem ich nicht überzeugt sein würde. Als vor ein paar Jahren erfuhr, dass jemand eine Wikipediaseite über mich angelegt hatte, fand ich unter den Publikationen, die mir zugeschrieben wurden, eine Dissertation über die Strafbarkeit des Hausfriedensbruchs. Ein Buch, das ich definitiv nicht geschrieben habe, und ein Thema, um das es in dieser Arbeitsgruppe auch nicht ging. Da ich an dieser Wikipediaseite nicht herumwerkle, habe ich den Eintrag auch nicht korrigiert. Wikipedia ist schließlich nicht der Brockhaus; kleine Fehler können auch bereichernd wirken.

Zunächst hatte Sarah Treem, die ausführende Produzentin von The Affair, nur drei Staffeln geplant, dann aber wurden es fünf und wie bei LOST gewinnt die Serie, je weiter die Geschehnisse fortschreiten und sich weiter verwickeln, an Tiefendimension. In der letzten Staffel, die im Jahr 2019 spielt, wird gar eine Zeitebene aus dem Jahr 2051 hinzugeschaltet und tatsächlich gibt es neben ein paar technischen Pannen und eher putzigen technischen Errungenschaften auch dann noch Menschen, die richtige Bücher lesen und solche, die sie schreiben. Im Lauf dieser Serie, dies als Mikroinfo, tauchen zwar immer wieder diverse „Affären“ auf; im Zentrum allerdings stehen die Folgen einer Affäre, die in der ersten Staffel begonnen und das Leben der beteiligten Familien auf den Kopf gestellt hat. Dieser Haupthandlungsstrang mit allerlei Verwicklungen dürfte eine erzählte Zeit von ungefähr acht Jahren umfassen. Das große Thema dieser Serie berührt letztlich die Epigenetik, also die Wissenschaft davon, wie sich beispielsweise Traumata auf spätere Generationen auswirken können. Die Dialoge sind hochintelligent, immer wieder überraschende Wendungen, Haken schlagen, aber auch Witz und Humor. Ich dachte immer, flash mob sei eine politische Underground-Aktionsform. Wer The Affair gesehen hat, weiß, dass es auch ein zeitgenössischer und doch ur-amerikanischer Gruppentanz ist, mit Elementen von hochgestreckten Armen und auf den Handtellern balancierenden Pizzen und Gesten von Knutschern. Man kann immer wieder feine Beobachtungen machen und Verflechtungen entdecken: Bücher spielen eine große Rolle; einmal erkannte ich Ginsbergs Howl im Regal in einer Buchhandlung und eine Autorin las im Flugzeug Joan Didions White Album. Am Ende wird es ein Buch mit dem Titel Montauk geben, und es hat mich überrascht, wer es geschrieben hat. Auch die Waldbrände in Kalifornien spielen eine wichtige Rolle. Einmal wird die wunderbare junge Whitney, die einen Job in einer drittklassigen Galerie in Los Angeles hat, auf einer Party gefragt, was sie sich wünschen würde, wenn sie alles haben könnte. Sie sagt: „Well… Somebody would give me the money to start my own gallery where I could foster new artists. Younger artists. So much what I see now feels recycled, redundant … built for an audience that already exists as opposed to in search for a new one. I’d want to promote artists that are digging deeper, that are looking for something amorphous that haunts them, that haunts me that I just don’t have the language for.” The Affair ist ein solches Kunstwerk. Und plötzlich wird ein Gemälde enthüllt, auf dem man selbst mit einer solchen Wucht von Wahrheit abgebildet ist, dass man erstarrt.

„Die meiste Zeit weiß man im Grunde gar nicht, was die beiden voneinander halten. Sie tauschen bedeutsame Sätze über afrikanische Bestattungsriten aus, über Tod und Rachebedürfnis und andere Nichtigkeiten. Aber wie sie sich anschauen, das gehört zum Erotischsten, was das Kino zeigen kann. Selten hat man in letzter Zeit eine intensivere Liebesszene gesehen, als die, in der nicht mehr zu sehen ist, als wie sich Silvia nur für einen Moment an Tobins Schulter schmiegt.“ Das ist ein Zitat aus einer Filmbesprechung aus der taz, die vor etwa 16 Jahren erschien. Leider weiß ich den Autor/ die Autorin dieser Zeilen nicht, weil ich nur den letzten Abschnitt der Besprechung ausgeschnitten habe. Solche feinen Beobachtungen bringen mich dazu, einen Film sehen zu wollen. Die Dolmetscherin / The Interpreter lief vor vielen Jahren auf ARTE, und ich habe das damals noch auf VHS Videokassette aufgenommen. Visuell ein dramatischer Rückschritt und auch nur auf deutsch, aber gestern Abend wollte ich den Film unbedingt nochmal sehen. Es gibt noch dezentere Gesten zwischen der Dolmetscherin (Nicole Kidman) und dem Security-Man (Sean Penn) als diese Umarmung. Als der Sicherheitsbeamte kurz davor ist, die Wohnung der Dolmetscherin zu verlassen, erzählt er ihr in ein paar Sätzen, wie seine Frau zwei Wochen zuvor gestorben ist. Und wie reagiert die Dolmetscherin? Sie hört aufmerksam zu. An einer anderen Stelle geht sie im Gebäude der UNO eine breite Treppe herunter, sie sieht den Security-Mann unten stehen, lächelt. Dann erkennt sie seinen Blick und spürt, dass er keine guten Nachrichten hat. Ihr Gesichtsausdruck spiegelt die Veränderung ihrer Gedanken. Das läuft innerhalb von Bruchteilen von Sekunden ab und man kann so etwas schnell übersehen. Aber es sind genau diese wortlosen, fast unscheinbaren Gesten, die es nur in grandiosen Filmen gibt.

“Die Wüste”, schreibt Jean Baudrillard in seinem immer noch inspirierenden Essayband Amerika, “ist eine natürliche Verlängerung der inneren Körperstille. Wenn die Sprache, die Technik und die Bauwerke des Menschen eine Verlängerung seiner konstruktiven Fähigkeiten sind, ist die Wüste eine Fortsetzung der seiner Fähigkeit zur Abwesenheit; sie ist das ideale Schema seiner verschwundenen Form.“ Gus van Sants Film Gerry aus dem Jahr 2002 ist fast so etwas wie ein magischer Essayfilm über das Verschwinden. Während Werner Herzog in Fata Morgana die afrikanische Wüste durchquert und unsere Fantasie mit mythologisch-realen Bildern versorgt, kreiert Gerry einen Bewusstseins- oder Unterbewusstseinsraum. Die knappste Skizze des Ausgangspunktes der Handlung: Zwei junge Männer sind mit einem Mercedes in der Wüste unterwegs. Sie halten an einem „Wilderness Trail“ und verlieren beim Versuch der Rückkehr zum Wagen den Weg. Wie sich herausstellt, ist diese Betrachtung bereits Teil einer Interpretation. Wie bei Béla Tarr sind die Verwandlung der Landschaft und der Kamerablick Träger der Handlung. Die Spannungskurve wird nach innen verlagert. Das Sehen verändert sich. Die Linie des Horizonts über den Silhouetten der Hügel, der Berge, die karge, die verschwindende Vegetation. Die Stille und die leisesten Töne. Der Ruf einer fernen Eule, der Wind, das Knistern in den Flammen des Lagerfeuers. Spuren von Huftieren. Eine Landkarte in den Sand gezeichnet. Zwei Paar Schritte: synchron, und dann nicht mehr synchron. Am Morgen: Langsam in Pastellfarben beleuchtete Geologie. Manchmal sind die beiden Männer so winzig im Bild, dass wir sie erst erkennen, wenn sie sich weiterbewegen, klein wie auf japanischen Zeichnungen mit ihrem Anspruch, die Wahrheit der Dimensionen darzustellen. Später: Nebel, Schnee oder Salz, aber wieder kein Wasser. Die Farben der Kleidung, das Blau und ein seltsamer Stern. Das Blickfeld verliert manchmal an Schärfe. Als ob die Sehkraft schwächer werden würde. Die Schnitte sind auffällig hart. Sehr anti-Hollywood-like, sehr independent. In den karg eingestreuten, aber langen Redepassagen habe ich so oft das zögernde „er“ (sonst „uhm“) gehört wie in keinem anderen Film. Man hätte einiges schneiden, nochmal drehen und kürzen können. Dann wäre der Film kurzweiliger geraten und leichter konsumierbar, was seiner Intention, unser Zeitgefühl zu verzögern und zu irritieren, widersprochen hätte. Nur an zwei oder drei Stellen des gesamten Films ist Musik zu hören. Auszüge aus Arvo Pärts Arbeiten spiegel im spiegel und für alina. Eine tiefe Erfahrung.

 

For a glass:

1 lime
Some cane sugar
Several ice cubes
Mineral water

 

Squeeze the lime, press it through a fine sieve, pour it into the glass, add some cane sugar, then ice cubes and fill up with mineral water. A peppermint leaf is perfect for rounding off the taste and appearance.

 

My music of these days:

Friedman & Liebezeit: Secret Rhythms 3
Eric Malmberg: Den gåtfulla människan

 

Der erste Entwurf für den Film Paris, Texas basierte auf einer Sammlung unzusammenhängender Prosatexte von Sam Shepard, Motel Chronicles, 1982 erschienen. Die Storys, manchmal nur Skizzen, sind in einem Westen der USA angesiedelt, der nach schrankenloser Selbstbestimmung schreit. Was sich beim Lesen überträgt, ist das, was die Protagonisten am dringendsten zum Überleben brauchen: Instinkt und ein Gespür für Magie. Der erste Text wirkt wie eine autobiographische Erinnerung. Der Icherzähler ist als Kind in einer Winternacht in South Dakota mit seinen Eltern in deren Plymouth unterwegs. Sie halten an einer Stelle in der Prärie, in der es nichts andere gibt als ein paar riesige Dinosaurier aus Gips, die von unten angestrahlt werden. Die Mutter summt eine Melodie, die Augen der Dinosaurier bestehen aus kleinen blauen Lämpchen. Seine Umarbeitung des Shephard-Buches zu einem Drehbuch hat Wim Wenders verworfen. Ein Element des ersten Textes aus der Motel Chronicles-Sammlung taucht jedoch in Paris, Texas auf, in Minute 119. Der siebenjährige Hunter hat in einer Telefonzelle eine wichtige Lektion von seinem Vater gelernt. Wenn man nicht mehr weiß, was man sagen soll, und wenn´s brenzlig wird, hängt man den Hörer auf. Eben noch befanden wir uns in der Abenddämmerung an einer Raststätte, alle Parkplätze waren besetzt. Nach dem kurzen Telefonat ist der Himmel tiefschwarz. Alle Autos sind verschwunden. Am Horizont steht neben einem roten Totempfahl (Rot ist die Leitfarbe des Films) ein Dinosaurier, der ein bisschen blass geraten ist. Wir betreten jetzt eine Welt, in der ein Kontakt zur Urzeit möglich ist.

 

2020 29 Jul

Auf Pfadfinderwegen

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Vor einiger Zeit erhielt ich über ein Literaturportal eine Nachricht mit dem Betreff „Ihr Artikel im Deutschlandfunk“. Absender war Stephan Reimertz,  der zustimmend davon schrieb, wie sich die Stimmhöhe der jungen Frauen in den vergangenen Jahrzehnten verändert hätte und ein paar Thesen dazu aufstellte. Er lobte die „vorzüglich ausgewählten Tonbeispiele“ im Radiobeitrag und zeigte sich imponiert davon, „dass Sie ein Ohr für eine solche `Soziophonetik´ haben“. Es war ein begeistertes Feedback, wie man sich es nur wünschen kann. Leider kannte ich den Radiobeitrag nicht einmal und bat um den Link. Bei meinem Namen ist es nicht ganz erstaunlich, dass es „eine andere“ gibt, die sich für ähnliche Themen wie ich begeistert. Weniger Verwechslungsgefahr besteht mit der Basketballspielerin, die bei New York Liberty in der US-amerikanischen Profiliga WNBA unter Vertrag steht. Stephan Reimertz ist nicht nur ein vielseitiger Schriftsteller, sondern Mitautor auf einem Blog, der sich ähnlich wie wir, die Manafonisten, als „beyond mainstream“ versteht. Der Feuilletonscout ist ein Kulturmagazin, das sich der künstlerischen Avantgarde auf den Bereichen Literatur, Musik, Kunst und Film verschrieben hat.

 

2020 21 Jul

Sounds of landscape

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Der Vermieter fuhr mit dem Auto vor, er hatte schon Gäste, die das Haus nicht finden konnten. Waldsiedlung Sund heißt die Straße, aber es ist keine Straße. In dem ausrangierten Wohnwagen auf dem verwilderten Grundstück an der Ecke zum Wanderlehrpfad, sagte er, lebt ein Aussteiger, ohne Daten, ohne Wasser und ohne Strom. Hier gibt es nur eine Handvoll Häuser, gut versteckt in ihren Gärten hinter Hecken und alten Bäumen. Eine Schale mit weißen Hängeblumen an einem Haken dreht sich um ihre eigene Achse. Nadelbäume beugen sich im zeitlosen Wind. Ich rückte den Plastikstuhl immer wieder ein Stück vor, ein Buch in den Händen, bis die Sonnenstrahlen vom Rasen verschwunden waren. Es ist der passende Ort, um den Abend mit John Carpenters Halloween I zu verbringen. Die Geräusche draußen während der Nacht nicht deuten können. Erst schlaflos mit klopfendem Herzen da liegen. Sich dran gewöhnen. Ungewissheit ertragen. Ein Teil davon sein.

 

2020 4 Jun

Kunst sagt immer die Wahrheit, auch wenn sie lügt

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Ein nicht ganz legales und nur nachts geöffnetes Unternehmen bietet eine außergewöhnliche Dienstleistung unter dem Slogan „Be all that someone else can be“ an. Fünfzehn Minuten Anwesenheit in Körper und Geist von John Malkovich kosten nur zweihundert Dollar. Es ist das einzige Körpermodell, das J.M. Inc. anbietet, eine kleine Firma mit Sitz auf dem legendären Stockwerk 7½ im Mertin Flemmer Gebäude in Manhattan. Die Kundschaft steht Schlange, um einen Schacht hinter einem Kopierapparat herunterzurutschen, der direkt ins Gehirn des Schauspielers führt. Eine solche surreale Reiseerfahrung kann das eigene Lebenskonzept sehr gründlich durcheinanderwirbeln. Die Möglichkeiten im Spiel um Identität gehen noch weiter: Kann es gelingen, am Bewusstsein John Malkovichs nicht nur teilzuhaben, sondern es quasi zu besetzen und zu manipulieren? Wer wäre dann noch John Malkovich? Being John Malkovich (1999, Regie: Spike Jonze) schert sich nicht um konventionelle Kategorien, der Film ist crazy, energiegeladen, witzig, unruhig und sehr independent.


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