Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2021 15 Okt

The Turn of the Screw

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Die Drehung der Schraube. Das Drehen der Schraube. Das Drehen an der Schraube. Hinter der Wendung steckt jedoch mehr. The Turn of the Screw ist auch ein idiom. Das Cambridge Dictionary erklärt die Bedeutung so: „an action that makes a bad situation worse, especially one that forces one to do something“. The Turn of the Screw, so heißt eine Gespenstergeschichte von Henry James. Die deutsche Übersetzung ist unter verschiedenen Titeln erschienen: Das Durchdrehen der Schraube. Der letzte Dreh der Schraube. Schraubendrehungen. Daumenschrauben. Das Geheimnis von Bly. Es ist eine Geschichte in einer Geschichte. Freunde, Bekannte sitzen um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, wir schreiben das Jahr 1898, am Kamin und tun etwas Ähnliches wie das, was wir Manafonisten rund um unsere Notebooks oder ipads tun: Sie erzählen einander. An einem Donnerstag Abend liest jemand aus dem Kreis den anderen ein umfangreiches Manuskript vor: alte verblasste Tinte und mit schöner Handschrift verfasst. Geschrieben von einer Frau, die das Manuskript dem Mann, der es besitzt, vor ihrem Tod geschickt hat. Bly liegt in Essex, England. Es ist ein Landgut. Eine junge Gouvernante wird hier eingestellt, um in großzügig ausgestatteter Umgebung ein zauberhaftes Mädchen zu unterrichten. Deren Bruder wurde vom Internat verwiesen und verbringt nun auch seinen Sommer auf Bly. Die Wahrnehmung wird Stück für Stück demontiert. Es tauchen rätselhafte Personen (Geister? Gespenster?) auf, von denen man nicht weiß, wer sie sieht. Ich dachte an den Horrorfilm It Follows, den einige von uns kennen, hier aber sind die Verfolger:innen konsequent nur für die Infizierten sichtbar, für alle anderen nicht. In Bly liegt die Sache anders. Die Erzählerin entzieht uns Stück für Stück den Boden unter den Füßen, indem sie mit den in unserem Alltag angeblichen Gewissheiten von Raum, Zeit und Ich jongliert. Identitäten sind unklar, uneindeutig, verändern sich. Zeitebenen geraten durcheinander. Die Logik wird, je weiter die Erzählerin an der Schraube dreht, außer Kraft gesetzt. Die Energie von The Turn of the Screw beweist sich auch darin, dass die Arbeit vielfach in anderen künstlerischen Genres interpretiert wurde.

 

Kurzlesungen im Rahmen der Seligenstädter Literaturtage. Es lesen: Martin Piekar, Martina Weber, Susanne Konrad, Ingrid Walter, Dirk Hülstrunk, Eward Reder, Klaus Hensel.
Samstag, 9. Oktober 2021, 19 Uhr
St. Josephshaus, Jakobstraße 7, 63500 Seligenstadt
Eintritt frei.

 

Eine Zeile aus einem Kinderlied, der Refrain. Es ist eine Zauberformel aus dem Lied „Auf einem Baum ein Kuckuck“, das, wie Wikipedia weiß, zuerst 1838 in einer Sammlung von Volksliedern erschien. Ich schlug das Buch auf, las den Liedtext, und versuchte, die Melodie, wie ich sie kenne, singend hinzubekommen, bin aber aus der Übung. Der erschossene Kuckuck, der nach einem Jahr wieder da ist. Ein Fall von Magie, auch von Symbolkraft, aber in der dritten oder vierten Klasse haben wir darüber bestimmt nicht gesprochen. Der zweite, der wieder aufgetauchte Kuckuck wirft Fragen auf, auch die nach der Identität. Martina Bilke hat ihren dritten Roman nach diesem Lied betitelt: „Auf einem Baum der Kuckuck“. Die Frage nach der Identität steht hier im Zentrum. Inwieweit wird die Persönlichkeit eines Menschen durch Gene, Erfahrungen in der Familie, durch Erziehung geprägt und inwieweit durch das eigene Umfeld und den eigenen Willen? Die traditionsreiche nature-nurture-Debatte. Können wir ausbrechen, uns lösen? Martina Bilke konzentriert sich auf die Frage, wie es sich auf ihre Hauptfigur auswirkt, wenn sie etwas über eine Verwandte erfährt, was nicht nur ihr Bild von der nahe stehenden Person radikal verändert, sondern auch ihre eigene Selbsteinschätzung.

 

 

Ánaca ist 23 Jahre alt und dabei, ihr Studium abzuschließen. Sie lebt seit ihrem dritten Lebensjahr in Venezuela, sie ist Deutsche, zweisprachig bei der Großmutter aufgewachsen, glücklich verliebt. Der Plot wird nicht verraten. Der Roman ist atmosphärisch dicht, aus der Perspektive von Ánaca geschildert und doch mit diskreter Distanz, fein und klug komponiert, und schafft es bei mir nach ein paar Seiten, bis ich mich in die Perspektive eingefunden habe, einen Lesesog zu erzeugen.

 

In dem Roman steckt Sprengstoff. Es mag wichtige Gründe dafür geben, warum das Buch erst 24 Jahre nach der Handlung, die sich im Buch über einige Monate des Jahres 1996 erstreckt und in der Reflexion einen großen Sprung rückwärts macht, erscheint. Es werden Namen eingestreut, Orte, Titel wissenschaftlicher Bücher, die existieren. Eines der Bücher, die im Roman genannt werden, erschien im Jahr 1996, und könnte es wegen seiner eminenten Bedeutung für die Aufarbeitung eines Kapitels der Medizingeschichte auch in die kleine Bücherei eines Ortes namens „Himmelsteig“ geschafft haben. „Himmelsteig“ – eine kleine Gemeinde, die ich ohne zu zögern ins Baden-Württembergische Mittelgebirge verorten würde. Einen Bahnhof Himmelsteig, an dem Ánaca ausgestiegen hätte sein können, kennt das Internet jedoch nicht. „Himmelssteig“ mit zwei „s“ dagegen gibt es. Eine winzige Schraube, an der hier gedreht wird, vielleicht um Distanz zu schaffen. Letztlich spielen meine kleinen detektivischen Recherchen keine Rolle. Es hätte geschehen sein können, so oder ähnlich, hier oder da, mit diesem oder anderem Personal. „Auf einem Baum der Kuckuck“ ist Fiktion. Simsalabim. Oder, wie ein alter Indio im Roman in Kolumbien sagt: „Es gibt keine Zeit, Zeit ist nur im Kopf.“

2021 27 Sep

Outdoor Artists (2)

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Ich schaute durch die Schießscharte auf die Linden, auf Birken, Robinien, in das trübe Wasser des Burggrabens oder auf sich nähernde Attrappen von Menschen in Ritterrüstung. Ich erinnerte mich. Ich habe viele Sonntage meiner Kindheit auf Burgen im Odenwald oder im Pfälzer Wald verbracht, es waren Ausflüge, die meine Eltern mit Freunden meines Vaters und dessen Familien geplant hatte, Wanderungen durch herbstlich verfärbte Wälder mit Kindern, die ich nicht ausgesucht hatte, mit denen ich mich arrangieren musste. Es endete meist, etwas erschöpft, mit der Einkehr in ein Gasthaus, dann Rückreise, der Neckar zieht sich wie ein gerades Band dunkel neben der Straße entlang. Und ganz sicher war ich auch schon hier, sagte ich. Schandkorb, Eiserne Jungfrau, Streckbank, im Gewölbe des Kriminalmuseums, in dem man immer fror. Erinnerung an das Schaudern, das Gruseln, der leichte Druck im Bauchbereich, die Vision unabwendbarer staatlicher Gewalt, die die Atmosphäre evoziert, auch ohne die Geräte nochmal zu sehen. Die Sonne schien, wir  gingen den Hochpfad an der Stadtmauer entlang, es war eine Einbahnstraße, ein Einbahnweg genauer gesagt, pandemiebedingt, aber andere hatten das Schild nicht wahrgenommen und so ging es dann doch in beide Richtungen. Es gab eine Unterbrechung des Hochwegs und eine Treppe hinunter. Und dort, zwischen Klingentor und Strafturm, erwartete uns, unter freiem Himmel, etwas überraschendes: eine Kunstausstellung.

 
 

 
 

Um die Kunst zu den Menschen zu bringen, hatten die „aktiven Mitglieder“ des Kunstkreises sich entschieden, ihre Arbeiten einen Sommer lang der Witterung auszusetzen und sie als Ausstellung an der Stadtmauer zu präsentieren. Das war das kulturelle Highlight meines Ausflugs nach Rothenburg ob der Tauber. Bedenkt man die Einwohnerzahl von 11273 (Stand 31.12.2020), ist die Dichte an bildnerisch künstlerisch Tätigen vermutlich sogar deutlich höher als die Dichte von Romanautoren in Berlin. Die Gemälde lassen den Rückschluss zu, dass im Kunstkreis viel über Theorie gesprochen wird. Alle Richtungen der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts sind vertreten: Collagen, ungegenständliche Farbflächen, in wilden schwarzroten Ornamenten verborgene halb illegale Anbandlungsgespräche, Landschaften, Stillleben, Reales, Irreales, Hilfloses, ein Triptychon, die Brooklyn Bridge, Malen nach Zahlen sogar vielleicht. Dies sind die zwei Bilder, deren Atmosphären mich am meisten berührt haben. (Zur Vergrößerung einfach anklicken.)

 
 

 

2021 22 Sep

Outdoor Artists (1)

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Wann habe ich zuletzt im öffentlichen Raum über Kunst gestaunt, bin stehengeblieben? Doch was verschwunden ist, lebt subkutan weiter und taucht wieder auf. Es war vor ein paar Tagen, als ich mit einer Einkaufstasche im Fahrradkorb loszog, und dann auf einem großen Platz vor einem ehemaligen Straßenbahndepot, in dem inzwischen Konzerte stattfinden, erst sehr coole Elektroklänge hörte und dann die herumstehenden Menschen sah. Hinter dem rotweißen Absperrband war eine Fläche ausgelegt, etwa 3 mal 3 Meter groß. Hier bewegte sich eine Gruppe junger Tänzerinnen und Tänzer. Sie trugen Sporttrikots, jeder etwas anderes. Sie tanzten, auf nackten Füßen, mal einzeln, mal in wechselnden Konstellationen, immer in eigenem Stil (zwischen ruppig-roboterhaft und fließend, geradezu fröhlich): ein Wechselspiel von Eigensinn, Rückzug, Distanzierung und Heraustreten, Annäherung, Interaktion, klassische Elemente. Immer wieder Spiegelungen in der Bewegung, alles improvisiert. Manchmal verließ jemand die Fläche und blieb am Rand, einmal tanzte nur noch eine Person. Es war nicht nur die Schönheit: Der politische Aspekt dieser Performance hat uns, die Umstehenden, in Bann gezogen und gehalten. Zuhause habe ich mir überlegt, welche Musik dem, was ich gehört habe, am nächsten kommt, und ich legte das Album SHADOWS DOCUMENTS von Schneider Kacirek auf. Ja, das kam hin. Seither ist das Album, das ich länger nicht mehr gehört habe, schon einige Male auf dem Plattenteller gelaufen. Und ich habe angefangen, zu der Musik in der Art, wie ich es gesehen habe, zu tanzen, wenn auch auf einer kleineren Fläche. Dank der Spiegelneuronen trainiert unser Körper beim bloßen Zuschauen Bewegungsabläufe ein.

Himmelblau. Nicht ungetrübt. Ein Grauton im Blau. Ein sehr leicht marmoriertes Blau. Ein Hauch großflächiger Wolken. So zaghaft angedeutet, dass es für diese Wolkenform, das Wolkengebilde, keine Bezeichnung gibt. Dann weiße Tauben, die auf Ästen sitzen, mit dem Kopf nach unten, entgegen den Gesetzen der Natur. Als stünde der Baum auf dem Kopf. Als wäre das Land da, wo man den Himmel vermutet. Wellen. Poolblau. Das Wasser eines Swimming Pools, an dessen Rand ein junger, gut gebräunter Mann in Badehose auf dem Rücken liegt, auf hellen Platten, einem Grundstück auf einer Anhöhe in einer mediterranen Landschaft. Wiesen, Buschwerk, begrünte Hügel, etwas entfernt, kaum in Hörweite wohl, eine gelegentlich befahrene Straße. Gleich wird eine Frau im Bikini gut gelaunt aus der Villa schlendern, und sie wird sich von dem Mann, der am Pool liegt, an einer juckenden Stelle am Rücken kratzen lassen. Alltag einer Liebesbeziehung. Es sind Szenen wie diese, über die Michael Althen in seinem Kinobuch Warte, bis es dunkel wird in einer so begeisterten Art geschrieben hat, dass ich mir einige dieser Filme angesehen habe: Nachtblende. Die Dinge des Lebens. Reisen in die Zeit Mitte der 60er bis Anfang der 70er Jahre. La Piscine oder The Swimmingpool hat schon deshalb für Aufsehen gesorgt, weil Marianne von Romy Schneider gespielt wird und der Geliebte im Film von ihrem Exmann Alain Delon. Da ist, im Zentrum, der Pool. Da ist das wunderbare Haus, das Freunde ihnen überlassen haben, während sie in Indien sind. Marianne schreibt (aber wohl nicht im Urlaub), sie ist glücklich, erfüllt. Jean-Paul hätte sich mehr von seinem Beruf erhofft. Es wird nur angedeutet, man kann es überhören. Ein älterer Freund der beiden ruft an, kreuzt auf, mit seiner fast erwachsenen Tochter. Sie bleiben. Die Musik ist lässig, sie wird sparsam eingesetzt. Es ist ein Jazz, den man hört, wenn man an einem Nachmittag, an dem es draußen am Pool zu heiß ist, auf dem Bett liegt. Wir befinden uns im Jahr 1968. Das Cover einer Schallplatte ist zu sehen.

 
 

 
 

Das Genre verändert sich. Es geht jetzt darum, was gesagt wird, und darum, was nicht gesagt wird. Man könnte den Film als Vorlage für eine Hausarbeit im Jurastudium einsetzen. Was sich ein normaler Zuschauer nicht vorstellen kann: Jeder Zweit- oder Drittsemester könnte zur Aufgabe „Untersuchen Sie die Strafbarkeit aller Beteiligten in einem Gutachten“ zehn Seiten schreiben. Die junge Frau, die nur wenig spricht und Bücher liest, wird von Jane Birkin gespielt, der Mutter von Charlotte Gainsbough. Tanzstile der 60er. Auf einer Party vom Vater gedrängt, mit ihm zu tanzen, ist sie sofort im Rhythmus. Schiebt ihren Po hin und her, bewegt zuckend und zappelnd die Arme. Als sei es nicht möglich, sich zu dem Song, der damals wahrscheinlich sehr verbreitet war, nicht zu bewegen. Zwei Jahre zuvor hatte Jane Birkin im swinging London in Antonionis Blow up eine Figur verkörpert, die der Fotograf als chick bezeichnet hat. Die mit ihrer Freundin ohne Scheu beim Fotografen klingelt und fotografiert werden will. Doch der Fotograf ohne Name interessiert sich für die Frau, die er fotografiert hat, während sie ihren Geliebten heimlich in einem Park traf. Auch sie beginnt sofort zu tanzen, als eine Schallplatte sich auf dem Plattenteller im Studio zu drehen beginnt.

Tokyo 2003. Ein Comicautor sitzt zur Signierstunde in einer Buchhandlung an einem Tisch. Ein paar Leute haben sich angestellt. Eine Japanerin nähert sich, der Comicautor begrüßt sie auf japanisch, sie sagt Hi und „Favourite artist“, fragt höflich, ob er ein Buch signieren würde. Er bejaht, erfreut. Sie schiebt ihm ein Buch hin. Es ist aber nicht das Buch des Autors vor ihr, es ist Ghost World von Daniel Clowes. Dies ist der Anfang einer kleinen Story aus Adrian Tomines The Loneliness of the long-Distance Cartonist.

 

 

 

 

Daniel Clowes hatte einen enormen Einfluss auf die alternative Comicszene. Ghost World enthält acht sensibel erzählte Graphic Novel Geschichten aus dem Leben zweier Highschool-Absolventinnen in der Zeit nach dem Schulabschluss, einer Phase zwischen Plänen und Planlosigkeit, Rumhängen in Cafés und auf Partys, dem Ausbalancieren von Beziehungen, einem Yard Sale, auf dem Restposten der Kindheit verkauft werden. Es gibt nur Hass oder Liebe, an jeder Ecke lauert ein Drama, alles ist fragil, sucht nach Definition und Kontur, auch die launenhafte Freundschaft zwischen Enid und Rebekka. Einmal machen sie im Auto von Enid (einem Fehlkauf aus Trotz, es ist ein ehemaliger Leichenwagen) einen Ausflug zu einer Art Urzeitpark mit hüttenartigen Unterkünften, einem Höhlenbewohner mit Lendenschurz und Keule und einem – hoppla, schon wieder! – Tyrannosaurus rex.

 

 

 

 

Zwar haben Dinosaurier und Urzeitmenschen nie gleichzeitig gelebt, aber was sind aus der Sicht eines Gegenwartsmenschen schon so ein paar Millionen oder Milliarden Jahre Erdgeschichte. Ghost World mit seinen Geschichten aus den 90ern wurde von Daniel Clowes und Terry Zwigoff zu einem Drehbuch umgearbeitet und verfilmt, mit der 16-jährigen Scarlett Johansson als Rebecca. Der Film findet sich auf Youtube. Ich habe das Drehbuch gelesen. Eine amüsante Änderung: im Comic muss Enid für ihren Schulabschluss noch einen Sommerkurs belegen und eine Prüfung bestehen. Es bleibt unklar, zu welchem Inhalt. Im Drehbuch wird daraus ein Kunstprojekt. Roberta, eine ambitionierte rotgelockte Lehrerin (hab doch mal kurz in den Film reingeschaut) erklärt es so:

 

I’m not going to start a discourse on the subject of „good“ art versus „bad“ art; these judgements are for each person to make on his own. I merely want to help each of you find the best way to look within yourselves – the best key to your particular lock.

 

Zwei Werke aus der Klasse. Eine bunte Zeichnung. Jemand schlägt mit einem Hammer auf den Kopf eines Mannes. Roberta fordert den Schüler auf, etwas dazu zu sagen. Phillip verweist auf ein Videospiel. Rebecca (trying to make a joke): I thought maybe this was supposed to be your father. In einer anderen Stunde hat eine Schülerin einen Tampon in einer Teetasse als Kunstwerk vorgelegt. Sie erklärt: It’s a „found object“… that’s when an artist takes an ordinary object and places it in an artistic context and thus it becomes art. I guess I see the teacup as a symbol for womanhood, because of tea parties in die olden days, but instead of tea I was trying to kind of confront people with this… like…

 

ROBERTA

This shocking image of repressed femininity!

 

MARGARET

Right, exactly!

 

ROBERTA

I think it’s a really wonderful piece, Margaret!

2021 3 Aug

T. rex

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Als Kind hatte ich ein Was-ist-was Buch über Dinosaurier. Vielleicht war das Buch doch nicht aus der Was-ist-was Reihe. Jedenfalls enthielt es Zeichnungen eines magisch-ursprünglichen menschenleeren Zustands der Erdoberfläche mit Urtieren, die körperlich einen stabilen Eindruck machten. Das Aussterben der Dinosaurier wurde als wissenschaftliches Rätsel dargestellt. Ich erinnere mich an das letzte Bild des Buches: Ein einzelner Dinosaurier – normalerweise ein Herdentier – stand traurig im Regen. Ich versuchte mir eine Begegnung mit einem Dinosaurier vorzustellen, kam aber nicht weit. Ich fand nicht einmal einen Quadratmeter Erdoberfläche, der nicht staatlich eingeordnet und verplant war und etwas Ursprüngliches an sich hatte. Vielleicht erinnern sich manche an den Vergleich der Zeitdauer der Erdgeschichte mit einem Tag. War es nicht so, dass der Mensch erst in den letzten Sekunden auftaucht? Wenn man erst einmal anfängt, auf Dinosaurier zu achten, sieht man sie. Zum Beispiel in dem Wendersfilm Paris. Texas. Manchmal  fahre ich mit dem Rad an einem der Dinosaurier vorbei, die vor dem Senckenberg Museum stehen.

 

 

2021 1 Aug

What light there is

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Der neue Band mit Graphic Novels von Adrian Tomine, „The Loneliness of the long-Distance Cartonist“, kommt im schwarzen Umschlag und mit Gummiband äußerlich wie ein Moleskine-Notizbuch daher. Auf der Vorderseite eine Skizze mit einem Selbstportrait des Künstlers am Zeichentisch, im Seitenprofil, er hält inne, schwitzt. Von welcher Art Einsamkeit handelt dieses Buch? Die Zeichnung suggeriert, es ginge um den kreativen Prozess an sich, vielleicht Themenfindung und Technik? Das ist aber nicht so. Adrian Tomine beschreibt in knapp zwei Dutzend Kapiteln Episoden aus seinem Leben, die er ohne seinen Beruf als Künstler nicht erlebt hätte – chronologisch geordnet von 1995 bis 2018 und mit Ortsnamen. Vorangestellt ist eine vielsagende Geschichte aus Fresno aus dem Jahr 1982. Der achtjährige Adrian kommt in eine neue Schule und soll sich vorstellen. Nach Hobbys gefragt steigert er sich in seine Comicleidenschaft hinein, wird ausgelacht, gemobbt und isoliert. Hier zeigen sich Eigenschaften Tomines, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichten des Buches ziehen: Er ist ein Nerd, verbissen und rechthaberisch, leicht cholerisch, aber auch sensibel, intelligent und reflexiv und er ist lernfähig. Die Geschichten des Erwachsenen handeln von Comic-Messen, Lesungen, Interviews, einem privaten Treffen mit etablierten Comicautoren, der Hoffnung auf Preise, einem Comic-Kurs für Kinder, einem Stalker oder einem Fan in einer Pizzeria, der Adrian Tomines Familie Nutellapizza spendiert, sie dann aber bezahlt haben will. Ganz gleich, ob die Geschichten tatsächlich so erlebt wurden oder nicht: Sie wirken glaubhaft und authentisch. Einmal sitzt Adrian Tomine mit seiner Frau in einem japanischen Restaurant und direkt neben den beiden sitzen ein Mann und eine Frau, die sich über Tomines Buch Summer Blonde unterhalten. Der Mann kritisiert nicht nur die Struktur der Geschichten (leider auf eine ziemlich intelligente Art, wie Tomine einräumen muss) sondern beleidigt auch die Frau, die ihm das Buch geliehen hat. In der ersten Geschichte, San Diego 1995, erhalten wir Einblicke in den Comicbetrieb. Auf einem Fest wirft jemand Adrian Tomine vor, er sei in seinen frühen Arbeiten gut gewesen, hätte dann aber den realistischen Stil von Daniel Clowes nachgemacht. Ein weiterer roter Faden betrifft eine Frage, die ich mir stelle, seit ich Adrian Tomines Werk entdeckt habe. Wie spricht man seinen Nachnamen korrekt aus? Für Tomine, der aus dem asiatischen Raum stammt, ist das ein ernsthaftes Problem. Auf einer Nennung der Nominierten plus Preisverleihung in San Diego (1996) weigert sich der Moderator Frank Miller, Tomines Nachnamen als Nominierten auch nur zu äußern. „Pink Frosting by … Adrian … I´m not even gonna try to pronounce that one.” – Lachen im Publikum. Der Moderator einer Lesung in Toronto (2004) hat es genau aufgeschrieben: Toe – Mih- Nay! Die soziale Einsamkeit verschwindet, als Tomine seine spätere Frau kennenlernt und eine Familie gründet. Als Single hätte er sich geweigert, die aufgedrängte Nutellapizza zu bezahlen, zumal jeder Tomine-Fan von Tomines Nahrungsmittelallergien weiß. Als Familienvater zögert er, blickt auf seine Frau und die beiden Mädchen, gibt dem Restaurantangestellten die Hand und bedankt sich.


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