Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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On the back cover of Paul Cronin´s book of conversations with Werner Herzog Werner Herzog – A Guide for the Perplexed one can find this amazing list which might be helpful in various situations.

 

Always take the initiative. There is nothing wrong with spending a night in jail if it means getting the shot you need. Send out all your dogs and one might return with prey. Never wallow in your troubles; despair must be kept private and brief. Learn to live with your mistakes. Expand your knowledge and understanding of music and literature, old and modern. That roll of unexposed celluloid you have in your hand might be the last in existence, so do something impressive with it. There is never an excuse not to finish a film. Carry bolt cutters everywhere. Thwart institutional cowardice. Ask for forgiveness, not permission. Take your fate into your own hands. Learn to read the inner essence of a landscape. Ignite the fire within and explore unknown territory. Walk straight ahead, never detour. Manoeuvre and mislead, but always deliver. Don’t be fearful of rejection. Develop your own voice. Day one is the point of no return. A badge of honor is to fail a film theory class. Chance is the lifeblood of cinema. Guerrilla tactics are best. Take revenge if need be. Get used to the bear behind you.

2018 2 Dez

Tarifa

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Faszinating Twin Peaks Time. This is a song I just listened to at The Bang Bar.

 
 

Hit the ground / The Yard I found something / I could taste your mouth / Shut the door / Now in the sun tanning / You were so / Just / Looking across the sky / Can´t remember / I can´t recall no / I can´t remember / Anything at all / Let´s run under / Cursing myself at night / Slow it was seven / I wish it was seven all night / Tell me when / Tell me when this is over / Chewed you out / Chew me out / When I´m stupid / I don´t wanna / Everyone else pales / Send in the owl / Tell me I´m not a child / You summon / Forget about / Everyone else / Fall away/ Somehow

2018 29 Nov

Understanding Poetry

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„To fully understand poetry (…) ask two questions. One: How artfully has the objective of the poem been rendered? And, two, how important is that objective? Question one rates the poem´s perfection. Question two rates its importance. And once these questions have been answered determining a poem´s greatness becomes a relatively simple matter. If the poem´s score for perfection is plottet on the horizontal of a graph and its importance is plottet on the vertical, then calculating the total area of the poem yields the measure of its greatness. A sonnet by Byron might score high on the vertical, but only average on the horizontal. A Shakespearean sonnet, on the other hand would score high both horizontally and vertically yielding a massive total area thereby revealing the poem to be truly great.“

 

This is the beginning of the preface of a textbook by Dr. J. Evans Pritchard, Ph.D. In Dead Poets Society the new English teacher John Keating assigns the boys at the boarding school to rip out the entire page. He develops his own method of getting the pupils to write poems themselves. This is one of the central scenes. Let it fill your soul.

 

2018 29 Nov

Scheherazade

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Erzähl mir von deinem Traum, wie wir die Körper zogen, raus

aus dem See und sie in warme Kleidung steckten.

Wie spät es war und niemand schlafen konnte, und die Pferde rannten

bis sie vergaßen, wer sie waren (nämlich Pferde).

Es ist nicht wie ein Baum, wo die Wurzeln irgendwo enden,

es ist eher so wie ein Song im Polizeifunk,

wie wir den Teppich zusammenrollten, um zu tanzen, und die Tage

waren hellrot, und immer, wenn wir uns küssten, gab es einen anderen

Apfel, in Schnitze zu schneiden.

Schau, das Licht hinter der Windschutzscheibe. Heißt, es ist Mittag, heißt,

dass wir untröstlich sind.

Sag mir, wie all das und auch die Liebe uns ruinieren wird.

Unsere Körper, besessen von Licht.

Sag, wir werden uns nie dran gewöhnen.

 

Original version by Richard Siken, in: Crush

Translation by Martina Weber

 

Zwei Frauen beim Tennisspielen im Stadtpark im Sommer. Schnitt. Ein Mann blättert vor einer Kunstbuchhandlung in einem Buch, auf dem angewinkelten Arm trägt er einen Stapel Bücher. Er betritt den Laden. Nachthimmel, schwarz, mit einem letzten Hauch von Abendrot. Ein großes Gewässer. Vereinzelte weiße Lichter auf der anderen Seite. Der Mann sitzt jetzt im grellen Badezimmerlicht in der Badewanne, er hat eine Zigarette im Mund und hält ein aufgeschlagenes Buch mit beiden Händen. Es war seine Stimme, die wir gehört haben, noch bevor das erste Bild erschien. Er spricht weiter halblaut vor sich hin, und es ist unklar, ob es jemanden gibt, der oder die zuhört. Der Text handelt von der neuen Ausdrucksweise bei Velázquez nach dessen 50. Lebensjahr. Velázquez änderte seinen Stil und fing plötzlich damit an, Gegenstände und Menschen mit Licht, Luft und Dämmerung zu umgeben. Zwar standen auf den ersten Blick die Mitglieder der Königsfamilie Philipps IV, an deren Hof er arbeitete, im Mittelpunkt der Gemälde. In Wahrheit waren es jedoch Lichtreflexe und Veränderungen, und die Regie führte in den Gemälden nurmehr der Raum. Écoute ça, petite fille. Ein kleines Mädchen im festlichen Kleid legt ihre Hände auf den Badewannenrand, sie lauscht. Der König war degeneriert, die Kinder krank, und alle umgeben von Zwergen, Idioten und hässlichen Clowns. Spanische Maler gingen tagsüber nicht ins Freie, sie kommunizierten mit der Dämmerung, die alle Konturen verwischt. N’est-ce pas magnifique? Der Film läuft erst dreieinhalb Minuten, aber bereits jetzt ist klar, dass hier Erzähltechniken des Kinos revolutioniert werden. Es ist der Anfang von Jean-Luc Godards Film Elf Uhr nachts aus dem Jahr 1965. Velázquez malte sein berühmtestes Bild in seinem 57. Lebensjahr, das war 1656. Es hat den Titel Las Menidas und ist eines der meistdiskutierten Gemälde der Kunstgeschichte.

Auf falk.de klicke ich auf den Routenplaner, ich tippe bei A) ein: München, und bei B) Paris. Dann klicke ich das Symbol für „zu Fuß“ an. Es sind 774 Kilometer. Die Reisedauer beträgt 6 Tage, 15 Stunden und 50 Minuten. Es sind also rund 160 Stunden Fußweg und dabei wird, ich rechnete es mit dem Taschenrechner aus, eine zurückzulegende Strecke von 4,8375 km pro Stunde angenommen. Ich klicke auf die Details zur Route, und wie erwartet erhalte ich genaue Informationen, mit Minuten- und Streckenangaben, Ortsnamen, Straßennamen und Himmelsrichtungen. Mit einem Smartphone (und einer Powerbox zur Stromversorgung) wird das Abenteuer berechenbar. Exakt heute vor 44 Jahren brach Werner Herzog von München nach Paris auf, zu Fuß. Er trug einen Anorak, neue Stiefel, einen Matchsack und den Kompass, den er bei den Dreharbeiten zu seinem Film Fata Morgana in der Sahara dabeihatte. Die Landkarte München konnte er nur zwei Tage lang verwenden, dann ging er einfach immer Richtung Westen, möglichst eine gerade Linie. München und Paris liegen auf dem gleichen Breitengrad, dem achtundvierzigsten. Die Reise hatte ein spirituelles Ziel. Lotte Eisner, Filmhistorikerin, Filmkritikerin und Mentorin junger deutscher Filmemacher in den 60er Jahren, war damals 78 Jahre alt und schwer erkrankt und Herzog war davon überzeugt: Wenn er den Weg nach Paris schaffen würde, wäre sie noch am Leben. Werner Herzog wanderte querfeldein, Erdbrocken klebten schwer an seinen Sohlen, meist schlief er in leerstehenden Behausungen, deren Türen er aufbrach, er trank aus Bächen, litt  Hunger und Durst, seine Füße schmerzten, er hatte weder Taschenlampe noch Heftpflaster dabei, da war der Niesel, der Schnee, ständig Regen, es gab Krähen, Kraniche, überall Mäuse und einmal einen irre gewordener Fasan, und oft liefen Menschen vor dem Wanderer, der bald nicht mehr wusste, wie er denn aussah, davon. Einmal schrieb er, der Gedanke ans Skispringen gäbe ihm Kraft zum Weitergehen und ich erinnerte mich an die Dokumentation über den Bildschnitzer und Skispringer Steiner auf der DVD mit dem Film Fata Morgana. Sehr stark sind die surrealen Passagen, in denen Herzog die Kontrolle über den Text völlig aufzugeben scheint und die Vielschichtigkeit einer Landschaft spürbar wird, deren Geschichte immer noch präsent sind, wenn man nur innehält und schaut und hinhört. An jedem Tag seiner Wanderung schrieb Herzog einige Seiten in ein Notizbuch, das vier Jahre später unter dem Titel „Vom Gehen im Eis. München – Paris 23.11. bis 14.12.1974“ publiziert wurde. Starke Details und Bilder, poetisch geschrieben, existenziell. Ein tief beeindruckendes Dokument einer Landschaftserfahrung und einer Grenzerfahrung der Einsamkeit, der Verzweiflung und Hoffnung.

2018 20 Nov

The animals

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Die Tiere

 

All die Jahre hinter Fenstern

mit ihren blinden Kreuzen die über Tische gleiten

 

starrte ich aufs leere Land

Nie sah ich Tiere

 

Ich mit

ohne Stimme

 

erinnerte mich an Namen die ich für sie erfinden könnte

Wird eines zurückkommen wird eines

 

ja sagen

 

und schau doch ja

Wir sehen uns wieder

 

 

Original version by W.S. Merwin, from The Lice (1967)

Translation by Martina Weber

 

2018 19 Nov

Drive

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Ich mag Geschichten, die zu Entdeckungen von Büchern, Filmen, Schallplatten etc. führen, und deshalb erzähle ich diese: Irgendwann fiel mir auf, wie faszinierend Los Angeles als Filmkulisse ist – erwähnen möchte ich hier nur zwei Filme mit starken Hauptdarstellerinnen: Mulholland Drive (von David Lynch) und Starlet (von Sean Baker), und während ich daran dachte, gezielt nach Filmen zu suchen, die in L.A. spielen und ein bisschen recherchierte, entdeckte ich das Buch „Orte des Kinos. Los Angeles. Eine Stadt als Filmkulisse“ von Wolf Jahnke und Michael Scholten. In der etwas reißerisch verfassten Kurzbiographie von Wolf Jahnke wurde u.a. der Film „Drive“ als einer erwähnt, mit dem Jahnke sich gern nach L.A. versetzt. Ich recherchierte dann nur so viel, bis ich folgende Informationen hatte: 1. Driver, die Hauptfigur, arbeitet in einer Autowerkstatt, und außerdem als Stuntman. 2. Die Musik ist cool. 3. Fantastische Aufnahmen von L.A. und 4. Es handelt sich um einen harten, unterkühlten Gangsterthriller. Nr. 4 überlesend bestellte ich den Film und habe ihn innerhalb weniger Tage zwei Mal gesehen.

Selbstverständlich gibt es hier keine Nacherzählung des plots. Ich möchte nur den Blick auf wenige innere Mechanismen lenken. Driver, die Hauptfigur, hat noch einen weiteren Nebenjob: als Fluchtwagenfahrer (get-away-driver). Es gibt drei Autoverfolgungsjagden, und jede ist auf andere Art mit der Psychologie des Fahrers verknüpft, und dies macht sie interessant. Der Regisseur, Nicolas Winding Refn, hat keinen Führerschein, was ihn vielleicht zu einem anderen Blick auf Automobile befähigt. Ich habe mir die Interviews mit Cast & Crew angehört, alle erzählten etwas über den Charakter, den sie spielten, nur Ryan Gosling, der den Driver spielt, wollte die Hintergrundgeschichte, die er zu seiner Figur entwickelt hat, lieber für sich behalten. Der Charakter des Fahrers ist der spannendste Aspekt in dem Film. Und, ungewöhnlich für einen Gangsterthriller, ein gelegentliches Abgleiten in Traumlogik. Die Bildübergänge (cuts) sind fantastisch gelungen. Übrigens spielt auch die rothaarige Chefsekretärin aus Mad Men mit. Man sollte sich hier allerdings auf einen klassischen boyz flick einstellen, in dem Frauen entweder heilig, naiv oder nackt sind. Es gibt nur eine Lady, die einen coolen Auftritt hinlegen darf, und der dauert nur ein paar Sekunden.

Immer wieder blitzt feiner Humor in den Dialogen auf. Da wird Driver nach einer atemberaubenden Vorführfahrt mit einem potenziellen Geschäftspartner bekannt gemacht und er zögert, ihm die Hand zu reichen. My hands are dirty, sagt er. Und der andere entgegnet: So are mine.

Das unvermeidliche Leichtsein

 

Die Straßen und alles, was auf ihnen liegt, fliegen hoch und lösen sich auf

ein Netz erhebt sich, als trennte es jemand ab von der Erdoberfläche

das Spinnennetz, in dem die Erde dabei war zu sterben

und sie atmet, nackt, mit ihren frischen Narben

und überall Himmel

 

Orignal version: W.S. Merwin, in: The rain in the trees, 1988

Translation: Martina Weber

 

Auf dem Cover des Gedichtbandes „The rain in the trees“ (ich habe ein ehemaliges Bibliotheksexemplar aus den USA) finden sich eng aneinanderstehende Bäume mit silbrig glänzenden Stämmen, wahrscheinlich aus Hawaii, denn W.S. Merwin war inzwischen auf eine der Inseln gezogen, und er lebt immer noch dort und arbeitet jeden Tag an seinen Gedichten. Auf der Rückseite ist ein großes Portraitfoto von Merwin, der wohl um die 60 herum sein wird, mit leichten Locken, der Andeutung eines Lächelns und einem Blick vorbei am Betrachtenden. Das Gedicht ist, wie auch the archaic maker, dessen Übersetzung ich vor einiger Zeit hier postete, eines der ungewöhnlichen in diesem Band. Es ist eines der seltenen Gedichte, die ganz ohne Menschen auskommen. Es geht darum, einen neuen Blick auf die Welt zu entwickeln, einen anderen Blickwinkel. Alles von Menschen Gemachte löst sich auf (die Straßen und alles, was auf ihnen lag,), die Erde hat zwar Narben davongetragen, aber es schimmert eine neue Chance durch, unter dem Himmel, der im Schlussbild vollkommen präsent und unendlich ist, alles ist offen. Eine Befreiung. W.S. Merwin schafft es, in nur fünf Zeilen eine starke Stimmung zu erzeugen mit ungewöhnlichen, teilweise surrealen Bildern. Es ist viele Jahre her, dass ich dieses Gedicht entdeckt habe, aber ich denke oft an diesen Text. Und das Gedicht gehört zu denen, von denen ich wünschte, ich hätte es selbst geschrieben.

2018 16 Nov

In Autumn

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Die ausgestorbenen Tiere suchen noch immer ein Zuhaus

die Augen voll Baumwolle

 

Jetzt werden sie

nicht wiederkommen

 

wie Sterne

 

bewegen sie sich ohne Erinnerung, ohne Gedächtnis

drehen sich um ohne einander nah gewesen zu sein klettern sie

Nichts Eine Wand

 

Stunden und ihre Schatten

 

Lichter spiegeln sich im Laub, hat nichts mit Abend zu tun

 

Städte

in denen ich leben wollte

 

 

Original version: W.S. Merwin, in The Lice

Translation: Martina Weber


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