Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Author Archive:

2020 26 Sep

afro jazz modal loop

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | No Comments

 

a u d i o

 

2020 20 Sep

Septemberlicht

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment

 

Im Wartezimmer der kieferchirurgischen Praxis lag die heissbegehrte Ware wohlfeil ausgestellt: der Patient nahm eine jener Zeitschriften zur Hand, die er sonst selten zur Ansicht bekam und wenn, dann nur zuhause online (umsonst & drinnen). Es fand sich schnell ein interessanter Artikel, um die Wartezeit zu überbrücken: von Bas Kast, jenem Journalisten, dem es gelungen war, mittels ausgiebiger Recherche einen „Ernährungskompass“ zu erstellen, den man wohl in der Kategorie „Mega-Bestseller“ verbuchen kann. Mittlerweile zu einem Papst für gesundes Essen avanciert, beklagte der Autor aber, dass er sich in dieser Rolle unwohl fühle: erstens sei er noch nicht so alt und zum Zweiten auch kein professionell legitimierter Berater dieses Fachgebiets. Es entspräche auch nicht seinem Bild von sich selbst. Das brachte ihn aber auf ein anderes Thema, nämlich die Frage, wer wir eigentlich sind. Darüber schrieb er dann einen Roman. Der Patient fand das insofern interessant, weil er festgestellt hatte, dass sich im Laufe der Jahre Identitäts-Schwerpunkte verlagern und Vieles von Früher später obsolet erscheine. Weitergehend seine These, dass man selbst zu den Neurosen, vergangenen Verhangenheiten und skurrilen Leidenschaften Abstand gewinnen könne. Praktische Dinge gewännen zunehmend an Gewicht. Der eigene Körper verfiele zudem zunehmend in die Rolle eines schwer erziehbaren Störenfrieds, wie der Lümmel in der letzten Reihe, den es zu händeln gelte. Auch im Zuge von Corona wurde wieder klar, was viele sehen: „Ich weiss, dass ich nicht weiss“. Der Patient wurde aufgerufen und brach die Wartezimmer-Lektüre abrupt ab. Als er dann, im Praxisraum auf dem Behandlungsstuhl sitzend, auf eine riesige Luftaufnahme von Rio de Janeiro blickte und der strahlende Doktor ihm auch zahntechnisch eine Perspektive eröffnete, war die Welt wieder in Ordnung. Das Ich stellte keine weiteren Forderungen. Der Patient trat im Septemberlicht radelnd gutgelaunt den Heimweg an und auch der Lümmel aus der letzten Reihe schwieg für eine Weile.

 

2020 11 Sep

aproach to a song

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment


 
 

(cover 1)

(cover 2)

 

2020 5 Sep

Transparente Schritte

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 12 Comments

 

„Mehr Transparenz!“ wird allerorts gefordert – wobei ja diese Durchsichtigkeit auch schnell ins Negative kippen kann: Entzauberung und Überwachung wären dann die Folge. Darüber schrieb ja auch der koreanische Philosoph Byung-Chul Han in einem Buch mit dem Titel „Transparenzgesellschaft“, das zu jenen zählt, die ich immer wieder lese: denn gute Gedanken und Formulierungen haben kein Verfallsdatum, lesen sich auch nicht zur Neige, so wie man eine Schachtel Zigaretten „aufraucht“.

Gestern verfolgte man beeindruckt ein Live-Konzert in Kristiansand, mit dabei die Herren Bang und Aarset. „Ja, was kommt denn nun von wem?“ war die bange Frage. Eine Handbewegung des Gitarristen Eivind verriet es: ah, dieser Basslauf kommt aus seinem Instrument! Was ein Zauberer und Zubereiter namens Jan da zelebriert, bleibt geheime Alchemistenküche. Sein empathischer Körperausdruck jedenfalls ist eine Show. Auch der dargebotene Sound: vom Feinsten. Waren die Bild-Projektionen zufällig oder Punkt-genauestens zur Musik plaziert?

 

 

Summa summarum jedenfalls bekam unsereins beim Hören dieser Klänge sofort Lust, selbst Musik zu machen, was ich heute dann auch tat. Eine zuweilen zeitraubende Angelegenheit, bei der man vom Hundertsten ins Tausendste kommt, von Sirenensounds betört die Richtung verliert, wie das einst schon Odysseus drohte. Immerhin, kleine Erkenntnisse und noch ein kurzes „Mikado-Spiel“ zum Abschluss der Tages-Session: eine erste Spur wird hingeworfen, dann direkt die zweite Spur dazu gespielt. Ein bisschen Schnitt noch, fertig sind die transparenten Schritte.

 

Als in der Mitte der Achtziger Jahre des Nachts auf BBC das Solodebüt eines englischen Musikers vorgestellt wurde, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte, da wusste ich auch nicht, dass dieser einst einen ähnlichen Stellenwert bekommen würde wie den zuvor schon John Martyn, Joni Mitchell und zeitweise James Taylor inne hatten – ich bekam noch gerade den Teil einer Sendung mit, in dem also ein Gast war, den ich nicht einzuordnen wusste. Geradezu elektrisiert wurde am nächsten Tag im Plattenladen fiebrig nachgefragt. Dem Verkäufer bei Musicland zu Hannover wurden hilflos im Dunkeln tapsend Anhaltspunkte um die Ohren gehauen: „erstes Soloalbum“, irgendwas mit „Japan“, „klingt wie Brian Ferry“. Der hingegen wusste natürlich gleich Bescheid und gab das gesuchte Album mit auf den Weg. Ich trug es nach Hause wie eine Trophäe, als stolzer Besitzer von David Sylvians Brilliant Trees. Es war wohl John Peel damals in den alten Radiozeiten, der in jener Sendung die Fragen stellte: „What are you reading these days, Mr. Sylvian?“. Ein Buch von Jean Cocteau sei es mit dem Titel The Difficulty of Beeing, war die erstaunliche Antwort. Der Titel bildete seitdem einen der zahlreichen Brückenschläge zu dem, was mich an der Philosophie zu interessieren begann – es hing auch mit einem allgemeinen Unbehagen zusammen und dem Gefühl, dass im richtigen Leben viel Falsches sei und die Erde zuweilen unbewohnbar wie der Mond. Hegel nannte es das Negative und auch Krishnamurti sprach davon. Ausdrücklich geht es hier nicht um Erbaulichkeiten, die sich als Lehrstoff für die Schule eignen. Seit jenen Tagen in den Achzigern war ich lange Zeit gewissermassen als Botschafter in Sachen „Sylvian“ unterwegs: die Identifikationsfigur schlechthin in dieser Gemengelage aus personeller Selbstfindung, spirituellem Abenteurertum und Reimen, die nach Shakespeare klingen. Anspruchsvolle Hybridität auch, die ihre Wurzeln im british folk genauso hat wie in der Popmusik und im Avantgarde-Jazz. Heute höre ich diese Musik nur noch selten, der identifikatorische Reiz zumindest scheint verblasst. Zuweilen allerdings spiele ich einige von David Sylvian´s Liedern gerne auf Gitarre nach, haben mich doch deren teils rätselhafte Akkordstrukturen stets verwundert. Die Melodielinien, von einer Jahrhundertstimme vorgetragen, als habe Orpheus persönlich sie gesungen, sie bleiben zeitlos schön.

2020 4 Aug

A Praise

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  No Comments

 

Small wake-up call from the television-muezzin: „Succession!“ it sounds from the onion dome and praised is a highly acclaimed masterpiece: the portrayal of a patriarchal media mogul and his family-entourage. The heirs, his children, are four freaky, more or less troubled sibblings. Watching this is a must, according to Quawali-singer Nusrat Fateh Ali Khan actually a „Musst, Musst“. For me it is one of the few series I would even watch for a second time. The story is: my Netflix summer break alternative offered a ticket to Sky but did not provide subtitles, so I had to watch it „pure“, in the original version. First a bad surprise („Wow, is my English still that poor?“) it soon turned to be a win situation: you don’t get all dialogue details, maybe half of them, but on the other hand valences of attention become free for other things, like the faces, the venues, the film-cuts. The flow is guarantied, anyway. And brilliant acting transports a main part of the plot by itself. The rest do the episode-guides. Someday, if circumstances allow, on a second run the dialogue subtilities will certainly be re-adjusted. Already looking forward to that point. In the meantime I tune in with a reviewer hiding out somewhere in the widespread cotton fields of Rotten Tomatoes: „My regrets to all those who have missed this ambitious shakesperean show.“

 

2020 29 Jul

Ein Triptychon

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 4 Comments

 

 

2020 26 Jul

Song of the Day

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment

 

Yes

&

me

 

2020 23 Jul

Spielfreude

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: , 4 Comments

Zu den nachhaltig wirkenden Wertschätzungen der letzten Jahre zählt für mich das Buch Wer nicht spielt, ist krank des Philosophen und Medienwissenschaftlers Norbert Bolz. Auch wenn der Titel mich stets störte, nehme ich es immer mal wieder zur Hand. Denn wer spielt, der ist und bleibt gesund, so müsste es doch heissen. Nichtsdestotrotz nimmt das Buch eine geradezu paradigmatische, symbolische Stellung ein, als Grundüberzeugung. Hinzu kommt eine Fülle aufgeführter literarischer Quer-Verweise, die das Thema vertiefen. Auch weckt der Nachname dieses Autoren Erinnerungen an jene Glücksmomente vergangener Kindertage, als man den Marktplatz eines kleinen Dorfes in einen Bolz-Platz umfunktionierte, um dort Fussball zu spielen. Dieser Platz war eigentlich die Kreuzung von Feldwegen und kleinen Strassen gewesen, die in alle Himmelsrichtungen führten und die Gegend zum leicht zugänglichen Abenteuer-Gelände machten, mit verzaubernden Waldwinkeln, schroffen Böschungen, sanften Hängen, all den prallgrünen Wiesen, den kornblumenblau und klatschmohnrot geschmückten Getreidefeldern. Durchpreschende Trecker, Mähdrescher, Gülle-Anhänger; und auch mal eine Herde Kühe aus dem Bestand der umliegenden Bauernhöfe wurde geduldig durch die Horde des Fussball-ekstatischen Jungvolks getrieben. 

Zerschrammte Knie und kurze Lederhose mit integriertem Brustbeutel für Geldmünzen und Seitentasche für das Taschenmesser waren damals ein untrügliches Zeichen für vitales Jungsein und gelungenes Leben. Heimliches Spatzenschiessen mit Freunden, die an jene proletarischen Randfiguren erinnern, deren eine von der amerikanischen Schauspielerin Julia Garner bravourös darstellt wird in der dunklen Fernsehserie Ozark. Man wohnte dort in spärlichen Behausungen und hatte dennoch auch Zugang zur Kultur. G war damals der grösste Rowdy in der Nachbarschaft und zeitweise mein bester Freund. In dem winzigen Haus am Dorfrand betrieb die Mutter einen Kiosk. Eine Cola und ein Stück Lakritze staubte man dort immer ab. Als Vorgarten diente ein kleiner Sandplatz mit Schlammgrube, in der sich ein glückliches Schwein suhlte. G´s Zimmer war tapeziert mit Bravo-Postern der Band Creedence Clearwater Revival. Er hatte auch die Luftgewehre. Als Mutprobe die Stromstärke der Elektrozäune auf den Viehweiden mit der Hand zu testen (man tastete sich mit einem Grashalm heran, bis einen der Schlag erwischte) gefiel mir weniger. Wie sagte schon ein Mit-Manafonista einst am Telefon: „Du weisst, für unsereins beginnt der Tag mit einer Schusswunde!“

Das Zentrum war also jener Bolzplatz und man dachte sich gerne die passende Identität dazu aus: „Karl-Heinz Schnellinger bin ich schon!“ „Na gut, dann bin ich eben Gianni Rivera.“ Kleiner gedanklicher Abstecher also in weit zurückliegende Sommer. Was bleibt, ist bis auf Weiteres die Lust und Fähigkeit zu Spielen, und auch die Einbildungskraft. Das Bedürfnis, sich die reale Existenz durch Illusionen auszuschmücken, bleibt weiterhin legitime Flucht. Illusion heisst ja: ins Spiel kommen, das weiss auch der rapide alternde Lateiner. Ich schrieb einmal in diesem Blog über das Akustik-Mikado-Spiel, das eine Möglichkeit bietet, mit eigenen Improvisationen locker umzugehen. Eines ist gewiss: im nächsten Leben werde ich ein ausgebildeter Komponist, der auch in der Lage ist, Melodielinien, voicings und Rhythmen Noten-mässig („notariell“) festzulegen, denn nur die notierte Musik hat ihren Namen auch verdient, behaupten wir hier mal ganz unverfroren. Bis dahin bleibt mir als – Achtung: Pleonasmus! – dilletantische Vergnügung das Mikado-Spiel (das kleine Stück vom Vortag, als erholsames Randprodukt, nach zuvor vergeblichen Versuchen der Interpretation eines Eros-Ramazotti-Songs, nannte ich „Define and Dissolve“).

 

Among the bunny bunch of recently covered and anticipated songs is „You“ by the group Ten Sharp, which I always liked listening to, remembering those radiodays at the construction sites. Found it as exhilarating as Bruce Hornsby’s „The Way It Is“ or Anastacia’s „Sick and Tired“. Luckily there is an overdub function on my little recorder which makes it easy to do a quick take and saves me from rheumatic symtoms while diving for hours into music, cable-tangling and technical overloaded issues: frozen bones in an advanced age. This fact offers another point of identification with detective Harry Ambrose, who tried to catch a Nietzsche-influenced criminal, permanently hobbling with sciatic problems through the third season of the fantastic and dark series The Sinner. Further on it reminds me of philosopher Dietmar Kamper, who once wrote that stumbling is the most appropriate way to move for man and mankind. So here we are, cheeky stumbling into fingerpicking again, just for fun and fit for „You“.

 


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz