Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Among the bunny bunch of recently covered and anticipated songs is „You“ by the group Ten Sharp, which I always liked listening to, remembering those radiodays at the construction sites. Found it as exhilarating as Bruce Hornsby’s „The Way It Is“ or Anastacia’s „Sick and Tired“. Luckily there is an overdub function on my little recorder which makes it easy to do a quick take and saves me from rheumatic symtoms while diving for hours into music, cable-tangling and technical overloaded issues: frozen bones in an advanced age. This fact offers another point of identification with detective Harry Ambrose, who tried to catch a Nietzsche-influenced criminal, permanently hobbling with sciatic problems through the third season of the fantastic and dark series The Sinner. Further on it reminds me of philosopher Dietmar Kamper, who once wrote that stumbling is the most appropriate way to move for man and mankind. So here we are, cheeky stumbling into fingerpicking again, just for fun and fit for „You“.

 

2020 25 Jun

borders and bindings

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During the last days and weeks I discovered some songs of Carlos Santana, which probably may be assigned to the topic of mainstream, but I don´t mind. Since I meanwhile have to transfer nearly every song I like into my own guitar-playing, a new way of listening has developed over the years, which admittedly has something addictive about it. A good song always introduces itself as a binding and as a border as well – in it´s unknown structure and in the sense that you can’t play everything you´re listening to immediately. But the analytical ear is trained over time and that’s a good thing, because you can’t always rely on these quickly available online chord sheets. One example is a lockdown session with Carlos, John and Friends that made me want to anticipate and participate. What damn kind of lick is that in minute 0:15? I want to own it, play it, keep and eat it, digest it in my system. The chords are quite simple but this kind of music shows the meaning of the correct counting time. One of many meanings of the Blues. Like Wolfram once wrote: every Manafonist has to find his own subject. Well, this songdiving thing is mine.

 

2020 18 Jun

Today

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2020 8 Jun

Hohe Drehzahl

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Bosch ist hier nicht Motor und kein Maler, sondern Polizist. Die sechste Staffel dieser Serie gleichen Namens kommt, wie alle vorher schon, recht still daher, zieht aber behutsam in die Tiefe. Eine Klasse für sich. Für einen Thriller mit recht wenig suspense und gerade deshalb angenehm – man bleibt doch gerne am Ball. Kaum Filmmusik, der Sound ist die Umgebung. Falls der Teufel das Detail liebt, wird er hier unzählige Augenblicke lang verweilen. Der zwischenmenschliche Beziehungsbereich, der Polizeiapparat, feine Charakterschilderungen, Intrigen: es geht um Mikrostrukturen, die ja im geduldigen Verlauf von Serienstaffeln viel genauer gezeichnet werden können als in Filmen. Überhaupt, dieses Los Angeles-Ambiente hat es in sich: eine Augenweide. Mir fiel zudem Aufmerksamkeits-technisch etwas auf: meistens nämlich finde ich dann eine Sache gut, wenn sie gleichzeitig das Interesse weckt und es ebenso befriedigt. Es entsteht dann dieses Zeitgefühl mit dem bereits erwähnten flow. Es ist auch das Wirken von Intelligenz von einer niedrigen in schnellere Drehzahl, wie ich einmal bei einem Sufi-Autor las. Man kennt das von der Fahrradschaltung mit den heute üblichen rund zwei Dutzend Gängen: ständig ist man am Schalten, denn es geht um den richtigen grip, im permanenten Wechsel. Ich wäre sogar in der Lage, in diesem Sinne eine Fernsehserie mit bestimmten Arten von Jazzmusik, der Akkordstruktur eines Steely Dan Songs, meiner Werkzeugkiste oder einem Fussballspiel in Zusammenhang zu bringen – doch ginge das hier zu weit. Bleiben wir in Bodenhaftung, so wie Bosch: von Natur aus nüchtern. Auch darin liegt ein Zauber. Einziger Nachteil solch televisionärer und komplett ideologiefreier Feinkost: man möchte permanent auf die Pausetaste drücken angesichts der dichten Dialoge und raffinierten Details. Dann aber wäre das Surren der Synapsen störend unterbrochen, in einem Hirn, das hier Erweiterung erfährt: auf eine Weise, die nicht jeden Handlungsstrang akkurat verfolgen muss, auch mal ins Randgeschehen sich verträumt. Mit dem Vertrauen, das Erkenntnis nicht nur rational geschieht, zuweilen sich auch unbewusst den Zugang sucht. Wann hört man schon in einem Krimi Leute über Art Pepper und Thelonius Monk reflektieren und sieht den undurchsichtigen Kartell-Schurken lesen in diesem bekannten Buch von Marcel Proust? Der Hund von Bosch heisst Coltrane, der spielt allerdings kein Saxofon. Das hätte wohl dem phantastischen Hieronymus sogar gefallen.

2020 26 Mai

Wunderkind-Jazz

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Eine als Blitzgedanke maskierte Fragestellung gestern lautete: „Was macht eigentlich Joey Alexander?“ Vorzeiten schon bekam man ja den Tipp, sich dieses Wunderkind des Jazz mal anzuhören und reihte sich daraufhin ein in die Riege derer, die nicht fassen konnten, was ein Junge mit gerademal neun Jahren am Piano zelebrierte. Mittels YouTube entdeckte man das Stück „Warna“ aus dem in diesem Jahr erschienenen gleichnamigen Album des mittlerweile Siebzehnjährigen. Da man in diesen Tagen Carlos Santana näher unter die Lupe nahm, passte, was man hörte, wie die Faust aufs Auge: allerfeinster latin stuff. Die Recherche-Maschine namens Internet startete auch prompt – man muss ja heute nicht mehr pilgern, nicht einmal das Haus verlassen, um sein Instant-Wissen anzuhäufen – und enthüllte einige interessante biografische Details. Der Pianist kommt aus Bali, ist dann aber mit seinen Eltern irgendwann der musikalischen Kontakte wegen nach New York gezogen. Als Kind schon traf er Herbie Hancock, der zu ihm sagte, dass er an ihn glaube. Das stärkte den Entschluss, sein Leben der Musik zu widmen. Man hört es selbst, was auch seine namhaften Mitmusiker bestätigen: er kann alles antizipieren, hat ein fantastisches Gefühl für rhythmische Nuancen. Wen wundert es, wenn einer mit gerademal Sechs ein Stück von Thelonius Monk entdeckt und auf dem Spielzeug-Keyboard dann gleich spielen lernt!

 

2020 12 Mai

Muthspiel 2

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Weil ich das Stück „Camino“ nicht unter Manafonistas vorstellen möchte (ein Handgriff, der sich seit der Anfangszeit des Blogs oft als nützlich und unproblematisch bewährt hatte, zunehmend aber zu Verwirrung und auch Unbehagen hinsichtlich nicht nachverfolgbarer Autorenschaft führte und deshalb nun eine Zeitlang brach liegen sollte), hier eine kurze Begleitnotiz, direkt und frech in die Tastatur getippt – zu diesem wieder einmal vorzüglichen Vortrag des Österreichers. Wenn einem zu einem Thema etwas einfällt, und zu solcherlei Gitarrenspiel fällt mir eine Menge ein, dann geraten die Dinge ja generell wie Dominosteine ins Purzeln. Jegliche Schreibhemmung (little reference to Shining) wird auf den nächsten Tag verschoben und jede Latte, die zu hoch gesteckt war, fällt herab und verliert so ihren Schrecken. Klassische Gitarrenmusik interessiert mich ja relativ selten, umso mehr aber der typische Klang einer Konzertgitarre in anderen Musikbereichen, sei es Jazz, Folklore oder Bossa Nova. Muthspiels Spiel ist diesbezüglich paradigmatisch. Es hat einen Anklang an die Klassik, ist aber etwas Anderes – es ist, wie wir Anglophilen sagen: far more thrilling.

 

2020 7 Mai

Television Logbook

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21th Century Streaming (viewed in 2020):

 

Excellent: The Marvelous Mrs. Maisel – Season Three. Der Überläufer – Vierteiler (ARD / Literaturverfilmung / Siegfried Lenz). Better Call Saul – Season Five Very good: The Marriage Story – (Netflix Film). Giri / Haji – Limited Series. Unorthodox – Mini Series. The Meyerowitz Stories – Miniseries (updated 13/5/20) Bosch – Season 6 (updated 7.6.20) Little Fires Everywhere – Miniseries (updated 20.6.20) The Sinner – Season Three (updated 28/6/20) Good: Miss Americana – Taylor Swift (Netflix Documentary). Unterleuten – Dreiteiler (ZDF). Marc Maron – End Times Fun (Comedy). Corona Explained – Miniseries (Netflix). Citizen K (documentary on Michail Chodorkowski). After Life – Season 2 (updated 13/5/20) Quite Good: I Am Not Okay With This – Season One. Pastewka – Season Ten

 
(permanently updated, meticulously managed)

 

 

 

Everybody who´s been buying equipment for the last twenty years, you got a pretty good bag or box of cables, chargers and whatnotgoing, right? Like I went through – because every piece of equipment you buy comes with that one wire where you´re like „What the fuck does this one even do? Does this even go to this machine? I don´t know, it´s all wrapped and it´s got a twisty on it. Better save it. Maybe I´ll know what it does later. I might need it.“ Right? I went through that entire box. It took me like an hour and a half. Did not think about the end of the world during that time. And, honestly, I did not throw one of those things away …

(MM, End Times Fun)

 

Die Kunst besteht darin, Dinge aufs Tablett zu bringen, die jedermann auf der Zunge liegen, aber selten klar benannt werden. Solche Momente liefert auch der kalifornische Komödiant und Schauspieler Marc Maron zuhauf, vielen bekannt als Hauptdarsteller der Netflix Serie Glow, in der es um female wrestling geht. Als er einmal in einer früheren Show über die Dave Matthews Band sinniert, wird klar, dass auch unsereins sich ein Leben lang fragte, wer eigentlich diese mysteriöse Musikgruppe sei, die einen niemals wirklich interessierte. Im musilschen Sinne eine Band ohne Eigenschaften, ein Ausbund an Langeweile, so stellte ich sie mir stets vor. Nun, in End Times Fun, wie gewohnt zynisch, zornig, witzig und empathisch lamentierend vorgetragen, erneut so ein Wiedererkennungs-Effekt: Tonnen von angesammelten Kabeln, Steckern, Adaptern und Zeugs, dessen man sich mühsam, meist vergeblich, zu entledigen sucht. Und wenn schon Peter Sloterdijk jüngst die grassierende Unfähigkeit vieler Zeitgenossen erwähnte, sich vom Konsummüll alter Tage zu trennen, muss man sich doch fragen: „Wenn nicht jetzt (im Corona-Lockdown) – wann dann?!“

 

2020 18 Apr

letter from homeoffice

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X für U

Hans hörte gerne Jazz, sammelte auch jede Menge Platten. Allerdings nur die mit ansprechendem Cover, die stellte er in seinen Schrein. Er konnte unerbittlich in der Wertung werden, richtig böse, wenn man ihm ein X für ein U vormachen wollte – wobei das Erste für Exzellenz stand und das Letztere für Unsinn. Einmal traute ich mich, es war zu Beginn der Neunziger, Sympathie für Prefab Sprout zu zeigen und er rümpfte gleich die Nase: „Ja, hör du man Prefab Sprout!“ (in other words: lass ihn doch im Mainstreamtümpel baden, derweil unsereins mit Sonic Youth seine proletarische Herkunft feiert). Später wagte ich auch ein Bekenntnis zu Steely Dan, die er auch nicht mochte. Für unsereins jedoch: real lifers, seit dem Maschinenhaus in Mopedtagen (zu Bremen auf den Höfen) und Royal Scam im Fürstentum Monaco. Dass Hans Charakterzüge eines narzisstischen Psychopathen hatte, dämmerte mir später erst. Interessante Typen, zumal schwer im Trend, denn daraus lassen sich die guten Serien drehen: Der Killer war ein Plattensammler, beispielsweise.

 

Batikhemden, Kriegstraumata

Weisser Stoff, mit Wachs behandelt und mit Fäden abgebunden, in verschiedene Farbbäder getaucht, zum Abschluss imprägniert mit Kochsalz. Dann die Überraschung, was dabei herauskommt: Sommerfreude, Schmetterlinge, Hippiefreiheit. Eine Wohltat in den späten Wiederaufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg, der noch immer diesen obskuren Schatten warf. Grossartig ist die jetzt neu verfilmte Fassung von Der Überläufer (ARD) aus der Feder des Schriftstellers Siegfried Lenz (wir „hatten“ ihn in der Schule, dass er so gut ist, war mir nicht klar). Nicht nur der flow zeichnet eine gute Serie aus, sondern auch der Umstand, dass man sich mittendrin wähnt im Geschehen, als sei man selbst dabei. Und am Ende der Etappe packt einen dann die Sehnsucht, an diese Orte zurückzukehren, den Akteuren nochmals zu begegnen. Alles ist so dicht und empathisch erzählt, dass eine abendlich portionierte Dreiviertelstunde in der Mediathek vollkommen ausreicht, um emotional auch mitzukommen. Viel Eros ist dabei. Findet Orpheus seine Eurydike vielleicht zu einem herzergreifend guten Schluss?

 

2020 10 Apr

Muthspiel

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Die Grenzen des versierten Gitarrentrios neu auslotend, fasziniert besonders das Oszillieren dieses Gitarristen aus Österreich zwischen den Bereichen Klassik und Jazz, ferner auch das raffinierte Einsetzen von Echo- und Loop-Effekten. Beim Hören und Sehen (als ein Freund gelungener Musikvideos, für den es muy importante ist, auch einen visuellen Eindruck der Musiker bzw der Musik zu haben) auf YouTube (der Mindestabstand von zwei Metern sollte auch hier der Server-Last wegen unbedingt eingehalten werden) war ich hin und weg („Das grenzt an Zauberei!“): das Bild eines dreidimensionalen Schachspiels erscheint. Jeder einzelne des Trios musiziert gleichzeitig für sich allein auf seiner Ebene, im Gesamtraum des Zusammenspiels kommunizieren aber alle miteinander: das Gefüge der Gruppe. Jener Moment, in dem der Hörer (und Betrachter) sich fragt: „Was geht da ab? Wie machen die das bloss?“ Das frage ich mich oft im Jazz: ja ist es denn ein Wunder! Jetzt ist auch noch das brandneue Album Angular Blues erschienen, mit Brian Blade am Schlagzeug und Scott Colley am Bass. Wolfgang Muthspiel spielt akustische Gitarre, aber auch die elektrisch verstärkte, wie gewohnt. Das Stück „Kanon in 6/8“ ist auch dort zu hören.

 


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