Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2020 26 Jan

Zwei Wittgensteine

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„Wenn man mit Leuten redet, die einen nicht wirklich verstehen, fühlt man immer das man has made a fool of oneself, wenigstens ich. Und das geschieht mir hier immer wieder.“

(LW, Public and Private Occasions)

 

„Die Schwierigkeit ist mit einem Menschen freundlich zu sprechen ohne Punkte zu berühren in denen man sich nicht verstehen kann.“

(LW, dito)

 

2020 25 Jan

Favorite Wire Lyrics

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Leaning backwards a memory / Staying on the periphery / To all the things that used to be / I’ll say goodbye // To the smoky rooms, where they piss their time / To the alright boys, left with no rhyme / To all the ploys as dumb as mine / I’ll say goodbye // Nothing ventured, nothing gained / Put it down to expenses, it’s all the same / To all the players of the game / I’ll say goodbye // To the wait in line and don’t complain / To the fake pretending not to be sane / To the someone’s loss is always my gain / I’ll say goodbye // To the people cocktail, that does not mix / To the have-it-all by dirty tricks / Of national airwaves jammed by pricks / I’ll say goodbye // To the chilled and labelled haunted face / To the claustrophobic can’t do space / To every lace curtained place / I’ll say goodbye // Through the thin and unsupported walls / To the talking big and acting small / To the last ordered home time call / I’ll say goodbye // To the third rate butcher’s dance-hall-mix / To the gain attention finger clicks / To the try it on the wind-up slicks / I’ll say goodbye. (Wire – „Goodbye Ploy“ from the album Manscape)

 
 
 

 

2020 22 Jan

Serieller Humor

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Eine kleine, spontane Betrachtung von Fernsehserien unter dem Aspekt des Humors scheint lohnenswert, auch wenn sie vorerst lückenhaft bleiben muss. Es ist aber gar nicht so einfach: zählen beispielsweise auch die feinen Nuancen des Schwarzhumors dazu? Dann nämlich käme es zu einer Vielzahl und diese Rubrik wäre prall gefüllt. Fangen wir also an mit dem Subtilen und nehmen hierbei die Gelegenheit zur vergnüglichen Rückschau wahr. Es war gewiss nicht Friedemann Schulz von Thun, auch niemand aus dem Hause Thurn und Taxis, vielmehr der lobenswerte, höchst erfolgreiche, tiefsinnige und prägnante Ferdinand von Schirach, der unsereins mit seinem Statement, das wirkliche Leben zeige sich ja immer erst in der Rückschau, ein zutiefst zustimmendes „Genau!“ entlockte. Wo also waren wir gewesen, als wir wiedermal nicht Musik hörten, noch Bücher lasen, sondern Serien schauten? Es beginnt mit Fargo – die Staffel Eins für mich besonders gelungen. Hierzulande nicht im Streaming, trotzdem gut war Justified. Erstklassig auch Breaking Bad, ebenso die daraus entwickelte Weiterführung bzw Parallelgeschichte Better Call Saul. Gut sind auch Sneaky Pete, Dr House und Glow. Aus England kommt viel Witz: Detectorists, Fleabag, The End of the f***ing World. Und dann dieser Mann, dessen Frau starb und der seinen Hund über alles liebt, gespielt in der Serie After Life von einem Schauspieler, der auf die Frage, woran er denn glaube, wenn nicht an Gott, nach kurzem Zögern konterte: „An Hunde!“ In jüngster Zeit war dann auch The Marvelous Mrs. Maisel von verblüffender Qualität und zählt zu den Serien, die staffelweise immer besser werden, on top was number three. Aber was ich momentan schaue, das ist die Krone des Vergnügens, zu genial. Lauthals wird gelacht, nicht nur vornehm geschmunzelt. Bis die allerletzte Episode daheim verköstigt wurde, bleibt das aber geheim. Denn über alle Staffeln, die wir noch nicht zu Ende geschaut haben, müssen wir schweigen. Das wusste ja schon Wittgenstein. Oder war es von Thurn und Taxis?

2020 14 Jan

Only (one) Sky

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„Only One Sky“ – Todd Neufeld

 

„Only Sky“ – David Torn

 

2020 14 Jan

Neues Feld

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Manchmal taucht ganz unvermittelt eine Neugier oder ein Interesse auf und schon ist man drin in einem selbstgestrickten Film („XYZ ungelöst“). Es muss so zwischen Nikolaus und Weihnachten gewesen sein, das Tablet war zur Hand, die Körperhaltung war entspannt und wie ein Trojanisches Pferd stand die entscheidende Frage im Raum: „Gibt es eigentlich Alben von Tyshan Sorey?“ Sorry, what, mag sich jetzt der Leser fragen, zumal jener, der sich in der politischen Parteienlandschaft besser auskennt als in der Jazz- und Avantgardeszene New Yorks. Und so kommt der Schreiber dieser Zeilen um eine Statement nicht herum: der gesuchte Interpret ist ein Schlagzeuger von imponierender Gestalt, recht jung noch, spielt ebenfalls Posaune und Klavier. Man sah ihn einst in Hamburg live und fand ihn gut. Das Ergebnis einer durch einen Streamingdienst des Vertrauens gestützten Internetrecherche führte flugs zu einem Album namens Koan, dass mit Zen erstmal recht wenig zu tun hat. Dort musiziert im Trio neben Sorey am Schlagzeug und Thomas Morgan am Bass auch Todd Neufeld an der Gitarre. Dieser Gitarrist war auf meiner Karte bislang nicht verzeichnet gewesen und ist insofern eine Überraschung auf dem Gebiet massgeblicher, hörenswerter und richtungsweisender Gitarrenmusik. Genau der Klang, der mir seit langem auch vorschwebt beim Spielen. Jedem, der irgendein Instrument spielt, steht es frei, einen Vertrag zu kündigen, der so auch nie abgeschlossen wurde, nämlich Dienstleister zu sein im Feld akustischer DIN-Normen, als Sklave des Rhythmus, mit dem jeder mit muss, und als hart ackernder Mojo im begrenzten Feld strikt vorgegebener Funktionsharmonik, wie man sie aus simplen Schlagern kennt, aber auch den höherwertigen Jazz Standards oder dem reizvollen Bossa Nova. Wer hier die Flucht ergreift, tut gut daran, lässt Altes hinter sich, und entdeckt Neuland. Oder eben Todd Neufeld. Vorbilder hinsichtlich gelungener Ausbruchsversuche gab es ja schon immer. Sein Spiel kann man als eine verblüffende Mixtur verschiedener Einflüsse hören, in Wahlverwandschaft zu David Torn etwa, Mary Halvorson, Derek Bailey, Marc Ducret, vor allem auch John Abercrombie. Als Gitarrist für mich die Entdeckung des Jahres Zwei-Null-Neunzehn, und bis auf Weiteres, was das eigene Musizieren angeht, die Referenz. Vorhang auf und alle Klänge offen, zu hören ist „Embed“.

 
 

2020 9 Jan

Selbstkongruenz

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Gedankenmüll im Kopf, Professor ratlos. Das Rettende: subtile, spontan auftauchende „Sprünge“ (shifts), aus deren Kraftimpuls heraus man plötzlich den Antrieb gewinnt, etwas zu schreiben und den Kernpunkt beim Schopfe packt, so als wolle man einen Schmetterling fangen. Diese Impulse sind unverfügbar, man muss sie einladen, ihnen ein ansprechendes Ambiente bereiten. Sind sie dann da, verschwindet alles andere, das Zeitgefühl verändert sich und drei, vier Stunden können sich dann in der Wahrnehmung leicht zu zwanzig Minuten komprimieren (einzig fatal ist, dass in solchen Momenten in der Küche gerne mal was anbrennt). Über eine lange Distanz hin entsteht so eine Sammlung eigener Texte, die auch im Rückblick noch Wert haben: das Glück des Schreibens, die Frucht der Arbeit, auch autobiografisch gesetzte Ankerpunkte. Beim Aufräumen der Wohnung fand sich in einem Packen angesammelter Journale, Schriftstücke und Zettelkrams auch ein älteres Blatt mit einer handgeschriebenen Notiz (zuweilen schrieb ich ja kleine, mir bedeutsame Textpassagen aus irgendwelchen Büchern ab). Schon im Begriff, diese dem Altpapier zukommen zu lassen, machte ich mir doch die Mühe, diese Kritzelschrift – etwas ungeduldig, da unter Zeitdruck – zu entziffern. „Das ist ja genial, was da geschrieben steht. Es entspricht genau meinen Vorstellungen und meiner Gefühlslage. Von wem war denn das bloß noch?“ Es sickerte dann durch: das hatte ich mal selbst geschrieben. „Sieh an, das hätte ich jetzt nicht gedacht!“ Welch ein Unterschied zu den oft hilflos herumstochernden, im Nachhinein peinlichen Selbstbezogenheiten und Egodramen in Tagebuchaufzeichnungen aus Jugendtagen, die einem beim Aufräumen auch jederzeit entgegenspringen könnten.

 

2020 2 Jan

Jumping Frogs

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Some years ago a Golden Retriever crashed into my bike. Unfortunately we both were on a high level fitness mode which means: wild things run fast. Luckily the dog was undamaged, did a quick shake to heal his trauma and then went on. Meanwhile the cyclist – which unfortunately was me – jumped over the handlebars like a dolphin but instead of warm water harsh gravel gave a not so warm welcome. Days later the surgeon said: „Instead of an irreparable discus lesion now on your left hand a clean fracture would have been less complicated!“. The following course of rehab exercises to heal that hand, doing a self-invented physiotherapeutic training on the fingerboard of my guitar, had an inpact on the generally way of playing it, led to more melodic playing and trying to imitate and enscrypt the songs I love. In the earlier days I thought that many songs were impossible to play: like bitches brew, obscure magic, intransparent structures. Well, the good news is: nearly everything that someone plays (exept the songs of Pat Metheny, haha) or sings or whatelse, can be copied and anticipated. This process can be very thrilling, like acoustic crossword puzzles, means: analysis by ear and then transcription to guitar. How exactly works that bassline? Can it be transformed into fingerpicking style? And so on. I hope to find the time (and discipline) to offer some of my crossword solutions more detailed in the next future. For now I may present a list of artists that performed or created the songs I am hunting for like a hot dog, jumping frog in Albuquerque: Prefab Sprout, Bon Iver, Joni Mitchell, Steely Dan, Peter Gabriel, John Martyn, Tori Amos, Alanis Morisette, Aldous Harding, Greg Allman, Joanna Newsom, Paul Brady, Kurt Vile, Tracy Chapman, Genesis, Sting, Eric Clapton, Djavan, Natalie Merchant, Walter Becker, Prince, David Sylvian and Yelawolf. Just to name some very few.

2019 28 Dez

Television Logbook

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21th Century Streaming (seen in 2019):

 

Excellent: The Affair – Seasons Four and Five, over again Seasons One and Two. Mindhunter – Season Two.  Unbelievable – Limited Series Very good: Better Call Saul – Season Four.  La Casa De Papel – Seasons One and Two.  Quicksand – Season One.  Sex Education – Season  One.  Glow – Season Three.  After Life – Season One. Zeit der Geheimnisse – Mini Series  Good: Sneaky Pete – Season Three. House M.D. – Season Five.  Bosch – Season Five.  Black Earth Rising – Limited Series.  Inside Bill´s Brain – Documentary.  Criminal – Germany. Modern Love – Season One. Fire in Paradise – Documentary Quite good: The Kominsky Method – Season One.  Russian Doll – Season One.  Pastewka – Season Nine.  Homecoming – Season One

 
 


 
 

21th Century Streaming (seen in 2020):

 

Very good: The Marvelous Mrs. Maisel – Season three. The Marriage Story – (Netflix Film)

 

„Jump!“ heisst der Teil eines Songs aus der mir neulich liebenswerter Weise zugeschickten CD 53 von Jacky Terrasson. Wie der Zufall es wollte, besprach ja auch ein Manafonista aus dem Oberfränkischen jüngst dieses hörenswerte Album eines Pianisten, für das ich so manches von Keith Jarrett gerne links liegen lasse. Aber darum soll es hier nicht gehen, vielmehr hat dieses Springen eine therapeutische und auch, was vergangene Begegnungen mit Gurus angeht, spirituelle Bedeutung. Der jüngste Fund östliche Weisheiten betreffend liesse sich unter dem Namen „Sadhguru“ fröhlich einorden. Der Typ ist einfach heiter drauf, voll auf Höhe der Zeit, darum wohl in den Hörsäälen weltweiter Eliteunis auch ein gern gesehener Gast. Yoga war ja immer essentieller Lebensinhalt meinesgleichen, wenn auch im „Freistil“ praktiziert. Aber auch die skeptizistischen, existenziell dunklen Gangarten der Philosophie sollte man nicht unterschätzen. Angesichts der Weltlage scheint mir Schopenhauer verdammt up to date zu sein. Die Schriftstellerin Sybille Berg könnte als seine „Tochter im Geiste“ gelten, sowie ja auch Sadhguru eine reizende Tochter hat, die ist allerdings Tänzerin. Zu Frau Berg muss ich sagen: gäbe es sie nicht, man müsste sie erfinden – und ihr aktuelles Buch GRM (sprich: Grime) mit dem Untertitel „Brainfuck“ ist ein Hochgenuss. Es gehört, das weiss ich jetzt schon, zu jenen, die ich nicht „zu Ende“ lesen werde, sondern immer wieder, weil das Gute eben nicht verjährt. Dieser Schreibstil sei zu negativ? So ein Unsinn: so viel mehr Trost und Empathie findet man hier als in manch abgenudeltem Kirchenpsalm. Und nun, liebe Freunde, zum Abschluss wieder die Kehre, the drive, die Punktlandung: „Jump!“ ist nämlich auch die Methode, ein Buch per Zufallsprinzip irgendwo aufzuschlagen und dann quasi quereinsteigend zu lesen. Spielend lässt sich damit jede notorische Romanlesephobie kurieren.

 
 


 

2019 12 Dez

„Belief“

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