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2021 12 Okt

october sights & sounds

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<span style="color: #a19381;">"Fahrn Fahrn Fahrn" © JS / Oktober 2021</span>

 

„Fahrn Fahrn Fahrn“

pre-tape

session

Karsten: ss, final cymbals
Jochen: g, pre-tape

 

<span style="color: #a8957b;">„Bodenhaftung“ © JS / Oktober 2021</span>

 

„Wir könn‘ ja mal …“

session

Karsten: ts
Jochen: bass loop, g

 

 

„Ein Smartphone verbraucht schon geistige Ressourcen, wenn es nur in Sichtweite liegt – selbst wenn es ausgeschaltet ist. Denn wir müssen der Versuchung wider­stehen, uns mit dem Gerät zu beschäftigen, daran zu denken, welche Nachrichten eingehen könn­ten.“

 

(zeitonline)

 

Ein Beitrag des Künstlers Dietmar Moews, den Lajla mir schickte, triggerte einige Erinnerungen, wirkte wie eine kleine Zeitreise. Dort ist von den Stones die Rede, ihren jüngsten Konzerten mit neuem Drummer und Bassisten. Es wird aber auch zurückgeblickt auf die damalige Beatlemania und wie sehr uns damals Rockmusik beeinflusst hat, auch Flucht und Ausweg, zumindest aber einen neuen Horizont bedeutete. Dass die Fab Four als „Teletubbies“ bezeichnet wurden, finde ich witzig, bei allem Respekt. Als ich heute mit meinem neuen Smartphone rumspielte, etwas unbeholfen im Vodafone-Shop erklärte, ich sei Neuling dieses digitalen Bioreservats, lächelte man altersgerecht verständnisvoll. „Tamagochi“ nenne ich das, was sich nun unausweichlich einschlich, nützlich zwar, doch auch Suchtgefahren bergend. Nun sagte Heidegger aber, das Bergende sei das Rettende, und sollte dies nicht stimmen, nehmen wir unseren Han zur Hand und denken an die analoge Zeit zurück. Der zentrale Triggerpunkt des Moews-Essays aber war die Bemerkung, wie sehr uns damals die Rockmusik zur Nachahmung anstachelte. Ich könnte hier tausend Geschichten erzählen, und heute mit mehr als sechzig Jahren behaupte ich: zumindest in dieser einen Sache bin ich jung geblieben. In jüngster Zeit war es eine Vorliebe für den Sänger, Gitarristen und Songschreiber John Mayer, den ich zunächst unterschätzte, dann aber auf wundersame Weise in tieferen Schichten seine Qualität entdeckte. Softrock ist nun nicht mein Ding, doch dass hier Schmalz trieft, ist nur vordergründig. Als Gitarrist sei er ein Meister, konstatierte Berufskollege Eric Clapton, und meine Wenigkeit bestätigt das, nach ausgiebiger Tiefensong-Recherche. Und hier wären wir wieder bei den Beatles: das Ahmungs-Fieber ist noch nicht erloschen. Das heutige Mitbringsel kleiner Fender-Exkursionen in die Höhlenwelt der Sound-Escapes brachte drei kleine Stücke ans Tageslicht, sie heissen: „Rock Solid“ (Grüsse an John Mayer), „In die Vollen“ (inspiriert von Lava-Impressionen) und „Evening Sky“ (denn die Sonne kam noch durch, am späten Nachmittag im Park).

Die Geschichte des Rattenfängers von Hameln ist über die Grenzen der niedersächsischen Kleinstadt bekannt geworden. Mit bezirzenden Flötenklängen verführte er die Menge, lockte sie in die Irre, umspielte sie gewissermassen dumm und dusselig. In seiner Grundstruktur erinnert diese Geschichte an die heutige total-digitalisierte Medienwelt und man fragt sich oft als User, ob man Täter oder Opfer sei. Der Gebrauch des Smartphones mag als Beispiel gelten: dass in freier Landschaft telefonierende „Phonies“ den Eindruck hinterlassen, sie wären lunatics, mag zumindest den Altbewanderten so vorkommen. Der koreanische Philosoph Byung-Chul Han beleuchtete in seinem Buch Der Schwarm mit sezierender Genauigkeit die Problematik solcher Sachverhalte. Aber nicht nur die Gefahren einer medialen Überfrachtung sind gegeben, sondern auch die Verfälschung ihrer Inhalte. Jüngstes, lustig-peinliches Beispiel: ein Fernsehsender des öffentlichen-rechtlichen deutschen Fernsehens entfernte das Logo einer nicht genehmen Zeitung vom Mikro des Interviewers. Was wird ansonsten noch so vertuscht oder hinzugedichtet, hier und da? Man kann nur mutmassen und wie im Dschungel einst die Kobra, so lauert höchstwahrscheinlich hinter mancher Nachricht eine fake-news. Aber man soll sich nicht aufregen und um nicht ins Fahrwasser des ewig Gestrigen zu geraten, verweise ich auf die Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel, die einmal sagte, sie würde das Digitale begrüssen und gleichzeitig kritisch sehen. Kommen wir aber nun, um das Hölzchen-und-Stöckchen-Spiel (eine meiner Spezialitäten) genüsslich weiterzutreiben, vom Rattenfang zur Rhythmusjagt. Wer kennt ihn nicht, den groove-hunter? Geboren im Adelsgeschlecht der Tänzer, das seine Wurzeln von Afrika aus in Länder und Kontinente wie Brasilien oder Nordamerika spriessen liess, ist er seit ehedem dem Diktum ergeben, dass alles Leben nicht nur Körper, sondern auch Rhythmus sei. So sagte beispielsweise ein brasilianischer Schriftsteller, nämlich der honorige Jorge Amado aus Bahia: wer nicht tanzen könne, müsse fusskrank sein. To be a Slave to the Rhythm, davon sang ja schon Grace Jones und sogar ein Album des Jazzdrummers Paul Motian hiess Dance. Auch unsereins scheint jede Menge Blut davon in seinen Adern zu haben, denn eine grosse Portion Extra-Funk war schon immer ein Zuschlag, den man sich gerne gefallen liess. Wenn in der Diskothek Maschinenhaus in Bremen einst in Jugendtagen – man fuhr dort vom Lande aus mit dem Moped hin – zwischen Stahlgerüsten Sklavenkörper tanzten, etwa zu „The Fez“ von Steely Dan, war die eine oder andere Jägerin des Grooves gewiss dabei. Und hopplahopp, nochmals ein Sprung über das Stöckchen: gestern abend entdeckte ich eine Home-Session mit dem Trompeter Alexander Sipiagin und seinen Mannen. Nicht, das ich jetzt ein Sipiagin-Jünger wäre, aber sein Werk war eine der musikalischen Entdeckungen dieses Jahres, wovon noch näher zu berichten sein wird. Zur Jazztrompete generell sei hinzugefügt: ich mag ein differenziertes Spiel mit klar umrissenen Tönen, ohne die expressiv-„schwammigen“ Ausbrüche, zu denen dieses Instrument allzu leicht verführt. Das Stück hat Groove, heisst „The Master Switch“ und wird vorgetragen von The Thieves Quartet.

2021 14 Sep

fresh & recommended

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Aoife O’Donovan – „Phoenix“ (Official Music Video)

 

 

Der erste Eindruck täuscht selten. Das gilt für Dinge, Menschen, Situationen, Atmosphären – und Musik. Als ich vor einiger Zeit ein paar Takte des Colin Vallon Trios wahrnahm – es wurde wohl in Deutschlandfunks´ Jazzfacts oder den Klanghorizonten gespielt, vielleicht sogar im Kontext von Klaviertrioformationen – da fand ich es gleich gut. Jetzt höre ich genauer hin und stelle fest: es hebt sich ab von Anderem. Als wenns nichts weiter wollte als Musik sein, klingt es einerseits recht simpel, andererseits nach ECM-Jazz par excellence. Wichtig ist der Impuls, den die Musik beim individuellen Zuhören subjektiv bewirkt. Hier unterscheidet unsereins gottseidank noch zwischen all dem Info-Inflationären, das einem täglich so um die Ohren flattert und dem, wovon Bauch, Herz und Sinne sagen: dies ist eindeutig meins. Dann will man natürlich mehr wissen über Künstler, die man noch nicht kennt – denn Kunst kommt von Kennen – und so googelt man sich langsam ran an die Materie: schaut auf die Homepage; liest, was in Amazon-Rezensionen und Magazinen so geschrieben steht – und bekommt hier bei den Manafonistas schonmal vorab eine warmherzige Scheibe …

 

2021 6 Sep

„Morsezeichen“

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audio

 

2021 6 Sep

Brückengeländer

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Mit zunehmendem Alter gefällt mir der Gedanke, für mich bedeutsame Bücher als Brückengeländer für Geist und Seele zu betrachten, auch als Proviant gedacht für die letzte Wegstrecke, wenn wir den Rubikon überqueren. Ein Schriftsteller rumänischer Herkunft, Meister der feinsinnigen und stilistisch wohlfeilen Aphorismen, gehört gewiss dazu. „Tausche zehn Bibeln gegen einen Cioran!“ höre ich mich scherzhaft sagen in einem jener unaufhörlichen Selbstgespräche, in denen sich das Gehirn seiner selbst vergewissert. Denn: die Religionen funktionieren nicht bei mir und ich denke oft an das Bild eines alten Herrn im Krankenzimmer, in seinen letzten Stunden, während vom Fernseher rechts oben in der Ecke Frau Käßmann spricht. „Stell das bitte aus, ich ertrage es nicht!“ bittet er seinen Sohn, der zu Besuch ist. So etwas tröstet mich, und zählt zu dem seltenen Trost, der nicht trübe ist. Aber jedem das Seine und mögen die tiefgläubigen Fundamentalisten ihrem Nächsten den Kopf abschlagen, im Namen ihrer Religion und dabei Smartphone-kompatibel einen auf gute Laune machen, wie man heuer mit Befremden wahrnimmt. Und auch in Dublin flogen Kugeln. Mein alter Herr übrigens, die Neunzig überschritten, wählt jetzt Grün, denn der Laschet sei ein Erz-Kathole. Und noch eins: so wie die Gläubigen mit missionarischem Eifer ihren Glauben in die Welt tragen, ist das den Ungläubigen selbstverständlich ebenso erlaubt. Gäbe es nämlich Skeptiker wie Cioran nicht, ich hätte den Rubikon wohl längst überschritten: vor Langeweile.

 

 
 
 
Vorsichtig schlug ich die Decke und das Laken beiseite und kroch ins Bett. Sofort kam es mir so vor, als würde ich versinken. Nicht die allerbeste Matraze, dachte ich. Ich sank tiefer und tiefer, es schien fast, als würde das Versinken nie ein Ende haben. Irgendwann war die Elastiziät dann aber doch erschöpft, und die Kuhle in der Matraze war so tief, dass es tiefer nicht mehr ging. Doch die eigenartige Empfindung des Immer-tiefer-Sinkens blieb. Das muss wohl eine Art Sinnestäuschung sein, dachte ich. Aber egal, wie mies die Qualität einer Matraze ist, letztendlich ist am Boden, auf dem das Bett steht, Schluss. Dann kann man nicht noch tiefer sinken.

(Maarten `T Hart, Der Nachtstimmer)

 

Man liest nur ein, zwei Sätze und beginnt sogleich zu schmunzeln. Was will man mehr? Als Romanlesephobiker lese ich das Buch sehr langsam und es wird mich vermutlich bis ins nächste Jahrtausend begleiten. Schneckentempo, so to speak. An einer Stelle ist die Rede von Bileams Eselin, sie stellt sich stur und wird geschlagen, will überhaupt nicht weiter gehen. Das erinnert an die eigene Aufmerksamkeit, die sich auch zuweilen quer stellt, wenn das Objekt des Interesses anscheinend kein lohnendes Ziel bietet, um weiter voranzuschreiten: Stichwort Fernsehserien. Ich konstatierte ja schon immer: es ist genau das von Interesse, was einen interessiert. The very thing, said Krishnamurti. Bücher wie das von Maarten `T Hart stimmen vergnüglich und ziehen mitten ins Leben hinein, sie machen Lust auf Sprache und auf Schreiben. Und ja, es herrscht die gute Laune! Oder wie ein gewisser Mister Harrison mal sang: „Here comes the sun.“

 

 
 

a u d i o

 
 


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