Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Autoren-Archiv:

2018 18 Sep

This is not America

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

 
 

<span style="color: #8f8894;">"Solid State" © JS - aus der Fotofolge "This is not America"</span>

 
 

Neulich erwähnte M eine Freundin, die den Erzählstil von Lost schwierig fand, der ganz gemäß des Titels dieser sehenswerten Serie seltsam ins Endlose sich verliert und variiert. Spontan dachte ich dabei an eine zurückliegende Begegnung mit einem sogenannten „Guru“. Es waren jene Tage, als man Gurdjeff las und die Suche nach dem Wunderbaren sowie das Treffen mit bemerkenswerten Menschen sich zu lohnen schien wie das Beten für den Glaubensfesten in der Kirche. Gerne widersprach man dem Schriftsteller Gerhard Zwerenz, die Erde sei so unbewohnbar wie der Mond. Auch Skeptiker und Nihilisten standen noch nicht hoch im Kurs, deren Zeit sollte erst später folgen. Er war der Sohn des grossen Hazrat Inayat Khan gewesen, der in seiner Heimat hohes Ansehen genoss, zudem auch Autor war einer Schrift namens The Music of Life. Peter Michael Hamel und Joachim-Ernst Behrendt erwähnten ihn in ihren Büchern. Sohn Pir Vilayat also – der Name klang nach Hirsch und Pirsch und Pionier und passte – führte die Erbschaft seines Vaters fort und war der Anführer des Sufi-Ordens im Westen. Ihm zu begegnen auf einem hohen Bergplateau in Sichtweite des Mont Blanc war ein erhabenes Ereignis. Eine bunt gewürfelte Dreihundertschaft aus aller Welt kam dort zusammen, um zu meditieren und Musik zu machen. Ich assistierte R in einem Workshop, wo man die eigene Stimme als „Spiegel seines Selbst“ wahrnahm, ein Buchtitel von Roland Barthes war richtungsweisend: Was singt mir, der ich höre in meinem Körper das Lied. Hernach kam man spielend vier Töne höher als zuvor, genoss die Rauheit seiner Stimmbänder und war auch ansonsten recht locker. Mit dem Sufismus selbst hatte ich eigentlich nichts am Hut und mit sogenannten „Gurus“ auch nicht. Doch dieser indische Weise war sympathisch, humorvoll, strahlte Würde und grossväterliches Wohlwollen aus. Das Essen war vegetarisch und das Wetter dort oben sehr wechselhaft. Auch die Gefahr, sich zu verlieben, war sehr gross. Lawinen gab es aber keine. Im Retreat sprachen wir zehn Tage lang nicht. Man zog sich in sein Zelt zurück, ging zuweilen wandern, traf sich schweigend nur, zu den Mahlzeiten etwa. Manchmal kam R vorbei, wir sassen vor meinem Zelt, genossen den Ausblick, rauchten eine Selbstgedrehte, tranken meinen Instantkaffee, denn offiziell gab es nur Chicoree. Nach dem Retreat war Fragestunde im grossen Rundzelt, mit dem Blick auf die Gletscherkulisse des Mont Blanc. Wir alle teilten scheinbar ein Problem: „Warum wird man während der Meditation permanent gestört durch Wünsche von Besitz, Besitzenwollen und dem Stilisieren von Gegenständen zu Kultobjekten?“ Des Gurus Lösung lag parat: man solle die Dinge nur als Mittel zum Zweck benutzen, nicht als Objekt der Begierde, Anbetung und Identifikation. Dann fragte Jemand, was er denn von Psychoanalyse halte. Interessiert spitzte ich meine Ohren. Das Unbewusste sei wie ein Tiefseefisch: der Analytiker versuche, ihn an Land zu ziehen, aber was er bekomme, sei kein Fisch mehr, sondern etwas Totes, seiner natürlichen Umgebung entzogen. In der Meditation aber lerne man zu tauchen. Jahre später begegnete ich dem grossväterlich symphatischen Inder erneut, auf einem Meeting in Norddeutschland. Wir sassen auf unseren Meditationskissen und ich liess mich von seiner angenehmen, mir vertrauten, besänftigenden, mit Witz gewürzten Stimme umfangen. Hinter mir flüsterte eine junge Frau ihrer Freundin zu: „Verstehst du was? Ich verstehe gar nichts.“ Ich musste schmunzeln, denn ich wollte ihn gar nicht verstehen und verstand ihn wohl genau deshalb. We sat in the same boat, diving in the same ocean. „Meet me on the higher planes“ – das waren oft des Gurus Worte. Doch ich hatte mich überschätzt bei meinem Höhenflug. Plötzlich war ich, auf dem Meditationskissen sitzend, ein Vierjähriger im Morgentau auf einer riesigen Wiese, Hasen hoppelten um mich herum. Diese Sinnesschärfe und Offenheit machten mir Angst, hauten mich regelrecht um. Panikartig reiste ich ab Richtung Heimat, zurück in gewohnte Gefilde. Einer jener Momente im Leben, die man als Niederlage verbucht und der Magie aus Mangel an Mut wie im Nu verpuffen lässt. The return of the anti-hero. Zurück zur Freundin von M: gerade sah ich Sneaky Pete, die Serie über einen trickreichen, windigen Filou. Das ist witzig, genial fotografiert, mit wunderbaren Typen auch. Aber die Handlung ist vertrackt, sprunghaft und schnell. Ich wollte aber gar nichts verstehen, nur wie blöde mich dem Flow hingeben – und hatte doch am Ende das Gefühl: I got it all. Was den Umgang mit Dingen als reines Nutzobjekt angeht, ohne jede kultivierende, ästhetisierende, identifikatorische Attitüde: da bin ich immer noch recht ratlos und auch vor so mancher Situation laufe ich noch davon. Ach wären wir doch Fernsehhelden! Und Meditation betreffend: leider hat sie nicht mehr die Schärfe jener Zeit, als wir noch Gurdjeff lasen, nach Tiefseefischen tauchten und keine Psychoanalyse brauchten. Doch heutzutage sind die Serien besser, und nichts geht über guterzählte Stories.

2018 25 Aug

Pirsig reloaded

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: , , | 1 Kommentar

 

 
 

Die Dinge, die wir am besten kennen, sind jene, mit denen wir uns in beständiger Praxis auseinandersetzen. Von Heidegger stammt die berühmte Feststellung, dass wir einen Hammer nicht begreifen, indem wir ihn anstarren, sondern indem wir ihn in die Hand nehmen und mit ihm hämmern.

(Matthew B. Crawford)

 

Dass man den Robert M. Pirsig nun endlich ruhen lassen möge mitsamt allem Zen und der Kunst, ein Motorrad zu warten, hörte ich desöfteren von intelligenten Zeitgenossen. Aber der Wille trotzt: das Ich ist nicht Herr im Haus des Cogito und so wünscht der reflexive Verstand, der immer wieder gerne auf richtungsweisende Einflussnahmen der Vergangenheit zurückgreift, dass jenes geniale Buch über Philosophie, Selbstsuche und die phänomenologische Definition von Qualität regelmässig auferstehe im Geiste. Es ist nämlich so, dass jene aufgezeigte Dichotonomie von romantischer und klassischer Weltanschauung immer noch brandaktuell ist, beispielsweise hinsichtlich eines denkwürdigen Wechselspiels von Betrachtung und Operation. In dem Moment, wo man zu handeln beginnt („Handwerk“), ändert sich nämlich jene Sichtweise, die etwas als absolut, gegeben, unverrückbar und unantastbar annimmt. Ich kann einen störenden Fleck auf der Tapete ewiglang ehrfurchtsvoll anschauen, doch eines fernen Tages dann im Jahre 2084 putze ich ihn einfach weg.

 

2018 6 Aug

Left Lost

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | 8 Kommentare

In einem Kraftakt abends um kurz nach Zehn ist es geschehen: erfolgreich abgeschlossen mit summa cum laude wurde ein Serienmarathon von nicht gekanntem Ausmass. Gut, Trainingseinheiten en masse fanden im Vorfeld statt, Kurse mit Namen Mad Men, Breaking Bad, Sons of Anarchy und manche mehr. Und doch, dies war eine andere Nummer: sechs Staffeln nacheinander, jeden Tag eine Episode, allerhöchstens zwei, insgesamt gut neunzig Stunden Fernsehzeit. Und man braucht „högschte Konzentration“, mit Berieselung war da kein Weiterkommen. Hernach sogleich zum PC gestürzt. Gierig, als sei es eine Nase Koks, ein Stoff, den unsereins ja nie genossen hat, zog ich mir rein, was über Wochen mir versagt war: die Reviews und Kritiken endlich nun zu lesen, Belohnung quasi für Strapazen, die man gerne auf sich nahm. Das, was man sah, emphatisch miterlebte, mit Anderen zu teilen nun. Mehr als beruhigend dann, dass die auch so ihre Probleme hatten: der Schluss der Serie war nah an einer Sonntagspredigt und manche Logik eines Handlungsstranges ging irgendwo verloren. Dem Grundkanon der Rezipienten, dies sei eine grossartige, erzähltechnisch Maßstäbe setzende Fernsehshow, schliesse ich mich an. Die erste Staffel lief im Jahr Zweitausendvier. Damals war im Traum nicht dran zu denken, die Lebenszeit dem Fernsehen zu schenken. Die letzte wurde im Jahr Zweitausendzehn beendet. Meanwhile the televised Revolution has become a quite a familiar place. Findet sich da auch schon ein leichter Abnutzungsprozess, eine leise sich anbahnende Tele-Müdigkeit? Und doch, selbst der durch Zeiten und Leben hindurch wiedergeborene Skeptiker in mir kann sich dem nicht entziehen: frappierend etwa ist die Modernität und Vielfältigkeit der Charaktere. Was sich da aus aller Herren Länder trifft zu einer besonderen Art von Encounter. Allein, was die Drehstandorte betrifft, müssen Unsummen verschlungen worden sein, als seien sie das Opfer einer böse-biestig schwarzen Wolke gewesen. Und richtig, spoke with Wikipedia: allein ein Flugzeugwrack auf eine Insel nach Hawaii zu bringen, kostete locker eine Million. Wie auch bei anderen Serien sind es ja vor allem die detailreichen, tiefenscharfen Zeichnungen der Charaktere. Dass es heute vorrangig Fernsehserien sind und nicht, wie vor Jahrzehnten noch Romane, die imstande sind, Erzählungen von epischem Ausmass vom Stapel zu lassen, das zeigt auch LostGrandiose Schauspieler spielen grandiose Figuren: Hugo „Hurley“ Reyes, Kate Austen, Benjamin Linus, John Locke, Jack Sheppard, Jin und Sun Paik, Claire, Michael … Deren aller Stimmen werden mir wohl nach Wochen im Ohr nachklingen wie liebgewonnene Vertraute. Meet you in another life, brother. Dieser ungeheure Kontrastreichtum auch durch die Schnitt-Wechsel von Wildnis und westlicher Zivilisation. Der Wortwitz in den Dialogen. M deutete das neulich an, missing Sawyers humor. Aber auch Jackpotknacker Hurley hat es in sich. Take „rotten“ rockstar Charlie and his Mancunian Slang. Interessant zu lesen, dass Evangeline Lilly, unsere liebe „Kate“, mit genau jenem während der Dreharbeiten eine Relationship hatte (sorry, das wäre die „Frau im Spiegel“, die ich beim Friseur gern läse). Jene Schauspielerin, deren Haus auf Hawaii während der dortigen Dreharbeiten (nun ist es raus, thats the island) abbrannte, sie ihren gesamten Besitz verlor, und überhaupt keine Eile hatte, ihren privaten Lost-Zustand vorschnell zu beenden. Just sideeffects, Marginalien. Das Ende der Serie wurde heftig diskutiert, so lese ich und pflichte bei, finde auch hier meine Wahlverwandten. Einziger Kritikpunkt meinerseits ist und bleibt die Filmmusik. Sie ist gewiss ganz ausgezeichnet und auf den Punkt genau komponiert. Jedes Blatt, das vom Baume fällt, bekommt so ungefähr den passenden melodramatischen Klangabgang. Ben Hur und die Titanic lassen grüssen, oh Graus. Und noch ein Zweites, und hier freue ich mich schon auf Kommendes, nach einer gewissen Rekonvaleszenz: die Stille, das die Einbildungskraft beflügelnde Fast-Nichts im Randgeschehen. Wie in Breaking Bad, wo eine einsame Coladose in der Wüste minutenlang Bände spricht. Man kann nicht Alles haben. Wie sagte jüngst ein gestürzter Radrennfahrer: „Ich weiss noch nicht, wann ich wieder in der Lage bin, aufs Rad zu steigen, brauche erstmal Abstand von der Tour.“ Doch dann gehts weiter, für den einen auf der Giro d´Italia und für den anderen auf dem Sunset Boulevard der neuen Serienwelt: ungedopt, frisch geduscht, geduzt und garantiert nicht ausgebuht.

2018 27 Jul

In the early morning hours

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | 5 Kommentare

 

<span style="color: #bda182;">Stadtwald Eilenriede, Nähe Kirchröder Turm</span>

 
 
 

To be honest, the picture above was taken round noon. Sherlock Holmes would have noticed this within milliseconds: the short shadowing would have aroused the suspicion of that psychopathic genius immediately. But the tour started early in the morning and was not finished in the high plateaus of Lower Saxony as usual, but in the rarely visited Hannover city forest, which guaranteed a feel-good atmosphere even at felt 36° Celsius. One can drive and drift around there for hours, in the middle of a city, with the sense of searching for silence as a compass. What a photo does not show indeed is the noisy soundscape mostly found in an urbanic region. The title of this posting belongs to one of many song lines permanently buzzing round my head during an ordinary bikeride. Remembering a backward posting on Manafonistas, it´s origin soon became clear. The trail led to Darrell Scott, whom I know from the brilliant TV series Justified, set in the area of Kentucky. There the american singer gave an acoustic warning shut to the reckless listener: You´ll never leave Harlan alive. Opposite to that I assure that the town of Hannover is completely save, so one may joyfully join in with Darrell praising „the early morning hours“ – even if anxious and guilt-ridden inner voices are moarning with the common choir that „Thou shalt not praise the day before the evening dawn“.

 

 

 
 
 

Living in Marina del Rey –
man, you better get a job!
I´m living off the sun and the sea:
Marina del Rey …
 
… drinking Coca Cola,
writing their names in the sand,
smoke this shit and get paranoid –
I feel like a fish on dry land.
 

(Marc Jordan, „Marina del Rey“)

 

Remind, repeat and working it through. Remembering one summer in the early eighties: school was out forever and a journeyman´s letter in the pocket. Long time lazyness then with the Doobie Brothers and a shared cottage life in the countryside: „Man, you better get a job!“ Along that summer we listened to a mysterious guy called Marc Jordan. In Internet-research-free time-zones a curious cover gave sparse information. Even hard to recall his name, but Wikipedia helped me. Imagined him as a black man, a soul singer, kind of Al Jarreau. He never was, Wikipedia told me now. In case Wikipedia turns out to be a male, I´ll call him Jacob. „Mexico“ is one of my favorite James Taylor tunes ever. Last but not least „Copacabana“ from the marvelous Eliane Elias and her album Dance of Time: why missed this bliss my last years best list? Scandal in the restricted destrict! Do you have some favorite sun- or summersongs, dear reader? Be free to add them in the commentary …

2018 8 Jul

Three Shadow Selfies

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

 
 


 
 

2018 22 Jun

Talks with Torben

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 5 Kommentare

Two years ago I visited the practice of famous psychiatrist Marie Meier-Walden to learn her self-hypnosis technique in a crash course. There I met Torben. He had a diagnosted Flow of Speech-syndrom that in some aspects perfectly complements a joyful Asperger type like me. Rarely tedious, a bit nerdy but mostly entertaining, Torben talks a lot.

Sometimes close to the borderline of rage it happens that he suddenly turns to calmer, fresher regions and something opens up. No more brackwater nor backwaters there. Since that course we had often met and share some common interests: many topics to go through. Music is one, TV watching another, a third one is settled in ambitious pornographic fields.

„Did you see Lost?“

„Oh yes – how I love those series with such acurate and sophisticated details! Like when Sawyer sits at the beach reading a book of russian writer Ayn Rand, best known for her novel Atlas shrugged and her ideas of libertarism and self enforcement. That fits perfectly into the cosmos of wilderness the survivors of a plane crash found on that island. Or take the scene in Mad Men when a new painting in the chief´s etage was no lesser than a Mark Rothko.“

And when „lost“ ex-popstar Charlie left the listed highlights of his life on a piece of paper for his love – he called them his „greatest hits“, Torben told that he had the idea of writing down all his „misses“, relating to the fact of many traumatic periods passing his earlier lifetime. One reason why later great sympathy arose for sceptic philosophers and writers with an „always look at the dark side of life“-attitude. Positive Thinking he found boring.

„Why are crime stories thrilling? Cause everyone´s so happy and respectable? C´mon!“

One method of stopping his flaming up verbiages was crudely changing the subject. Cycling, by the way, was another of our shared passions. He once won his bike in a lottery on the Bahamas and was eager in telling that story repeatedly.

„Torben, tell me again about your bike!“

„It was a quite cheap but solid one with air wings and a butterfly imprint. Later I rebuild and renewed it, boosted it up, so to speak. Quite expensive but like a fairy tale was the ferry crossing back to New York and from there across the ocean to Pearl Harbour.“

I always wondered why he didn´t take the direct way back to his hometown Bremen.

„Because of the wind roses, the compass climax and some circumstances in the topos of falling in love, my dear!“ Ah, the Art of How to Fall that jazz singer Rebekka Bakken exposed on one of her albums? „Yeah, kind of this. She also sang that everything can change.“ According to that argument we walked on, again modifying our subject, this time talking about Mark Twain and some of our unsolved teeth problems.
 
[excerpt from the novel Talks with Torben, unpublished manuscript]

 

 
 
 

01 Sonar w. David Torn – Vortex
02 Christjan Randalu – Absence
03 Andy Sheppard Quartet – Romaria
04 Jakob Bro – Returnings
05 Nik Bärtsch – Awase
06 Dave Holland – Uncharted Territories
07 Bobo Stenson Trio – Contra La Indecisión
08 Dave Liebman – Fire
09 Shinya Fukumori Trio – For 2 Akis
10 Mathias Eick – Ravensburg

 

2018 1 Jun

Lob des Fusion

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

Lange Zeit ging ein Gespenst um in der westlichen Musikwelt – das Gespenst des Fusion. Um es auszutreiben, hatten sich wissenschaftlich-akademische Mächte mit dem gemeinen Volk zu einer heiligen Allianz zusammengeschlossen: der Klassikliebhaber, der Jazzpurist und der globale Folkfan mit seinen Wurzeln in Irland, Schottland, England und der Bretagne; die Lateinamerika-Fraktion mit ihrerseits weltmusikalischen Auswüchsen. Mercedes Sosa, Violetta Parra und Inti Illimani seien hier exemplarisch genannt. Ferner die Klaren aus dem Norden (Jan Garbarek, Terje Rypdal, wobei, ähäm, herrje), die Bluespuristen … – ich könnt´ noch Hundert nennen. Dabei sind doch der Fusion-Sound und seine eng verwandte muskulöse Tante Jazzrock fest verwebt mit vielem, was geschmackvoll war und ist. Man denke an Gateway, die frühen Tage des Mahavishnu, an Chick Coreas Return To Forever. Auch Senora Flora Purim, Airto Moreira und Weather Report dürfen hier nicht fehlen. Folgerichtig spiegeln sich Slavoj Zizeks einleitende Worte seines Buches Die Tücke des Subjekts (The Ticklish Subjekt, 1999) auch in meinen neuen Anfang wieder – allerdings nicht bezogen auf die Rehabilitation des cartesianischen Subjekts (cogito, ergo sum) und einem berechtigten Misstrauen gegenüber New Age und den Obskurantismen der „Ganzheitlichkeit“, sondern bezogen auf ein Lob des Fusion. Möge sein Geist fortan frei walten, unbelastet von Vermaledeiungen der Vergangenheit – ich jedenfalls wähne mich frei von Stolz und Vorurteil.

 
 
Adam Rogers – DICE


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz