Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2019 18 Nov

Hamlet Questions

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The Affair – Season Five: „Supermoon“ (Episode Six)

 

2019 16 Nov

Tagesnotiz

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Nicht in der Karibik, leider nur im Internet surfte ich gestern. Eher zufällig schweifte der Blick dabei über einen Satz von Jiddu Krishnamurti, in dem es sinngemäss hiess, wir Menschen seien schlichtweg nicht in der Lage, uns unserer realen Lebenssituation zu stellen. Dies liesse sich ergänzen mit einer Verszeile aus Joni Mitchells wundervollem Song „Both Sides Now“: „Dreams and schemes and circus crowds – I’ve looked at life that way.“ Ja, die schnellen Illusionen sind es, die wir gerne abrufen. Placebo-Effekte haben Hochkonjunktur: sie sind verkaufsfördernd, werbewirksam und helfen der Wirtschaft auf die Sprünge, denn die muss stetig wachsen. Ich las Lajlas Beitrag „Im Osten viel Neues“, mit den Verweisen auf Carl Jaspers, bei dem ja auch Ernst Albrecht studiert hatte. Mich machte das einst neugierig und ich war sehr verblüfft, welchen gedanklichen Scharfsinn ich bei dem gebürtigen Oldenburger fand, der sich ja auch auf dieser reizvollen Grenzlinie zwischen Philosophie und Psychologie bewegte. Die stillen Tage abseits vom Klischee, als man die Vita und so manches Werk von Denkern wie einen Krimi las: leider bleibt vieles nur noch schemenhaft abrufbar. Massgeblich für mich war immer, dass ein agnostisches Verdachtsmoment gegen Glaube und Kirche mit im Spiel war. Auch beim Manatreffen morgens vor der Abfahrt schnitten wir das Thema an. Ein Sloterdijk-Satz erschien mir interessant, war aber unklar. Demnach werfen die monotheistischen Religionen einen paranoiden Schatten. Uli und Lajla erzählten Erhellendes dazu.

 

Am Samstagnachmittag, unsereins gerade auf dem Sprung, da bimmelt es. Nanu, zwei unbekannte Männer, ein bisschen so wie Asterix und Obelix, überreichen mir einen Prospekt. „Es geht um prinzipielle Fragen!“, sagt der vor dem Dinkelstein stehende, kleindrahtig, weisshaarig, altnazihaft wirkend. Freundlich entgegennehmend signalisiere ich, an weiterem Gedankenaustausch nicht interessiert zu sein und so endet die Begegnung im gegenseitigen Wünschen eines schönen Wochenendes. Soweit die kleine Overtüre. Im Fortgang folgt nun die gedankliche Pirouette, die Zeugen Jehovas mit dem Pianospiel von Kris Davis, ferner mit meiner Mutter und einer generellen Liebe zur Jazzmusik in Verbindung zu bringen.

Beim Hören des Stückes „Saturn Return“ aus dem Album Aeriol Piano jener geschätzten Pianistin kamen zwei Assoziationen auf. Es war zu der Zeit, als die öffentlichen Bibliotheken zu einem Pilgerort wurden und ein autodidaktisches Studium geisteswissenschaftlicher Gebiete ermöglichten: zur spannenden Lektüre gehörte auch das Buch Im Zeichen des Saturn von Susan Sontag. Symbolische Eigenschaften wie Lebensernst, Kargheit, Begrenzung und Angst wurden dort gewissen Denkern zugeschrieben, wie beispielsweise Emile Cioran und Walter Benjamin. Mehr noch aber erinnerte mich die von Davis vertonte Rückkehr dieses Sterns in ihrer Spielweise an einen Traum, den ich als Jugendlicher hatte.

Im elterlichen Wohnzimmer war mein Lieblingsplatz in der Ecke direkt neben dem Beistelltisch, auf dem das Röhrenradio und der Plattenspieler standen. Der weite Ausblick durch das grosse Fenster, über Felder und Höfe hinweg, hinab ins Flusstal, am Horizont die Waldböschung: das tat sein Übriges für ein gewisses „erhabenes“ Lebensgefühl. Der Grossvater sass mir schräg gegenüber. Wir hörten oft gemeinsam Marschmusik, eine Sendung im Radio, die für uns Kult war, uns in Ekstase trieb, Generationen übergreifend: ich marschierte fröhlich im Wohnzimmer umher, Opa lachte, drehte an seinem Hörgerät für den optimalen Sound. Für mich war Marschmusik stets der originäre Vorläufer des Rock´n Roll.

Es klingelt an der Tür. Ist es der Bäcker, der Drogerist, die wöchentlich vorbeikommen, hier auf dem Lande? Nein, oje: schon wieder die Zeugen Jehovas! Die Mutter öffnet die Haustür, will freundlich verständnisvoll abwimmeln. „Aber nein, es ist etwas für ihren Sohn. Es würde ihn erfreuen!“ Die offenherzige Mutter lässt sie ins Wohnzimmer und der Mann legt ein Holztablett auf den Tisch, zieht aus der Tasche eine dreieckige Papiertüte, ähnlich jener, in der man auf dem Bremer Freimarkt alljährlich gebrannte Mandeln kauft. Er schüttete den Inhalt aufs Tablett. Es sind goldenfarbene Heftzwecken, die auf dem Tablett zu tanzen beginnen und dabei Töne produzieren. Ich bin verblüfft und begeistert.

Diese tanzenden Heftzwecken waren dann ein beliebtes Motiv für erste surrealistische Malversuche, Daliesque und Tanguy-mässig, dargestellt vor weitem Horizont. Bis heute erinnern sie mich an die ungezügelte Freiheit tanzender Töne im Jazz und improvisierten Spiel. Auf der Gitarre entdeckte ich erst sehr spät die Lust und Fähigkeit, selbst auch annähernde Töne zu erzeugen. Viele Jazzpianisten, aber auch einige Gitarristen erwecken in mir diese Assoziation. Bei Kris Davis aber hat dieser Anschlag eine besondere Note. Die Musik ist frei ist von Botschaft, gänzlich unsentimental. Sie ist nicht spirituell, eher materiell, körperlich, spielerisch: stets Finten schlagend, Pirouetten drehend, Physikalität erzeugend.

2019 3 Nov

Kris Davis

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I met her in a Dublin bar, the sorceress from witchita. Not true, just kidding, according to Mister McAloon. From fiction to fact now: it was the splendid John Zorn Festival in the Elphi of Hamburg about two years ago, among twentyfive excellent jazz musicians from New York, many of them known from the Tzadik Label, where she was part of the crew. The first act on stage was on solo piano. She sat down at the instrument with her back to the audience. „Wow, what a charismatic presence – peaceful and fully focused!“ Her playing was special and I even prefered it compared to the great solo performance of Craig Taborn, which really meant something. Later that evening she participated in a quartet with Mary Halvorson on guitar, Drew Gress on double bass and Tyshawn Sorey on drums. Like others, declaring it later in in their press reviews, also for me this was the top act of a five hours during night. „Why isn´t she well known?“ – the research started on that canadian pianist and spellbound I listened to a lot of her works since then. It seems that she´s increasingly getting more interest now, but likewise it´s ok to stay secret. Shurely this years album Diatom Ribbons will be on a best list, published at Santa Claus on this blog.

 

2019 31 Okt

Die passende Lektüre

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Das Alltagsleben durchschnittlicher spätmoderner Subjekte in den Zonen, die der sogenannten »entwickelten westlichen« Welt zugerechnet werden, konzentriert sich und erschöpft sich mehr und mehr in der Abarbeitung von explodierenden To-do-Listen, und die Einträge auf dieser Liste bilden die Aggressionspunkte, als die uns die Welt begegnet: der Einkauf, der Anruf bei der pflegebedürftigen Tante, der Arztbesuch, die Arbeit, die Geburtstagsfeier, der Yogakurs: erledigen, besorgen, wegschaffen, meistern, lösen, absolvieren.

(H. Rosa, Unverfügbarkeit)

 

Es gab eine Zeit, da war das Thema „Beschleunigung“ in aller Munde und stand auf Tages-Ordnungen von Soziologen, die etwas auf sich hielten. Warum auch nicht? Gab es nicht zu jeder Epoche ihr passendes phänotypisches Verdachtsmoment, quasi als zwillingshafter Urbegleiter, um mit Sloterdijk zu sprechen? Paul Virilio („Geschindigkeit“) kommt mir in den Sinn oder Helga Novotny mit ihrem Buch Eigenzeit. Ging es dabei nicht immer auch um Entfremdung und um das Unbehagen in der Kultur? Des einen Marx ist des anderen Freud. Die Kritik an Auswüchsen des preußisch-protestantischen Arbeitsethos hat sich heute allerdings gründlich gewandelt und andere Schwerpunkte treten in den Vordergrund. Autoren wie Byung-Chul Han behandeln sie, oder Hartmut Rosa in seinem hitverdächtigen „Resonanz“- Buch, das ganz oben steht auf meiner To-do Liste abzuarbeitender literarischer Verlockungen. Nun aber zunächst dessen vermeintliche „Kurzfassung“ Unverfügbarkeit, die ich mir ausnahmsweise mal als E-Book besorgte. Da fehlt doch entschieden das sinnlich Haptische und mit Bleistift ankreuzen kann man hier auch nichts! Wie gesagt, jede Zeit hat ihre wunderlichen Wunden.

 

2019 28 Okt

Ein konstruktiver Ausblick

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Writing on the blog has always been a give and take. I always enjoyed the small and big stories, experiences from near and far away. Manafonistas is like a breathing echo system, a choir of voices. Now the system may repair itself. It is not possible in the classic set-up. I will surely not open up another blog.

Michael Engelbrecht, Manafonistas

Natürlich wünsche ich mir einen konstruktiven Ausgang für uns alle. Beim letzten Manatreffen zeigte sich, dass wir eine starke Gruppe sind. Ich habe auch jetzt nicht den Eindruck, dass das „Manahaus“ wackelt. Machen wir weiter mit dem, was uns hier zusammenbringt: schreiben.

Lajla Nizinski, Manafonistas

 
 

Da ist dieser Überraschungseffekt des unbekannten Neuen, der in gewissem Sinne auch ein Wiedererkennungseffekt sein kann: in uns wirkt eine Sehnsucht nach dem, was wesensnah ist und dennoch oftmals ungelebt bleibt. Man kann es dann in Identifikationsfiguren finden und in Geschichten, die andere erzählen. So geschah es mir oftmals mit den Fernsehserien, vor allem in der Pionierzeit, als alles unverbraucht war: wow und flow zugleich und Netflix war noch nicht in aller Munde. Eine solche Serie war The Affair. Zu Beginn ein Vorbehalt: Beziehungssülze, Seitensprünge, oh Gott! Doch dann diese Anfangssequenz: eine New Yorker Intellektuellenfamilie samt Kinderschar ist am Packen und auf dem Sprung in die grossen Ferien. Sogleich das Drama: der Sohn simuliert, er habe sich im Bad erhängt, nur um den Vater zu schocken. Nein, ganz anders: die erste Szene war eine üppig-muskulöse Beischlafszene, ich erinnere mich genau und wollte schon abschalten. Wie dem auch sei, die Quintessenz aus vier Staffeln: ein existenziell-erdiger Realismus auf der Höhe der heutigen Zeit, voller Eros, Spannung, Tiefgang, Herzblut. In der vierten Staffel beispielsweise eine tolle Darstellung davon, was Traumatherapie eigentlich ist, dann auch die Charakterskizze eines soziopathischen Lovers – als Variation der des emphatischen gegenübergestellt. Eine gesamte Staffel sah ich zum zweitenmal, weil mich schlichtweg die Sehnsucht packte, zu den Orten und Figuren zurückzukehren. Der Clou der Serie ist, dass die gleichen Vorkommnisse aus verschiedenen Sichtweisen erzählt verblüffend zeigen: jede Wirklichkeit ist variabel. War das nicht auch schon damals im Roman Stiller so, bei Max Frisch? Apropos: mag sein, dass die Attraktivität der Schauplätze New York und Montauk eine Rolle spielten, gewiss aber die der weiblichen Darstellerinnen: die zickig pubertäre Tochtergöre beispielsweise, gespielt von einer jungen Brasilianerin. Nun ja, ich könnte noch viel erzählen, das ist hier ja nur locker hinskizziert mit dem Ziel, das Beste nun schlussendlich zu promoten: die finale fünfte Staffel wartet, von mir bislang ungesehen. Wer die vorab bewertet oder was davon erzählt, dem drohe ich mit einer Festrede auf Peter Handke. 

 

Ein Neurowissenschaftler sagte mal, kurz nach der Pubertät sei der Mensch im Wesentlichen festgelegt. Dieses vor Jahren wahrgenommene Statement kam vor ein paar Tagen in Erinnerung, zum einen aufgrund der Neuausgabe des legendären Albums Abbey Road, zum anderen weil mich die Betrachtung von gemachten Fotos an einen Künstler erinnerten, der mich in jungen Jahren auf geradezu ekstatische Weise beeindruckte und beeinflusste. Könnte man Ekstase und Verzauberung messen, das „Twin Peaks Level“ wäre wohl noch um einige Dezibel überschritten gewesen. Es war genau in jener Umbruchzeit, der Stimmbruch schon vollzogen, als Jemand nassforsch-fordernd fragte, was denn meine Vorbilder seien. Ohne zu zögern schoss es heraus: „Max Ernst und die Beatles!“ Jahre später nochmals diesselbe Frage, diesmal war die Antwort, ebenso spontan wie selbstgewiss: „Die Sonne!“ Rückblickend kann ich heute sagen: alle drei prägenden Instanzen hatten mein Leben lang Bestand. Was auch immer gewisse Glaubensbrüder und -schwestern unter „Gott“ verstehen (ein für unsereins relativ unklarer Begriff): die Sonne stand zu allen Zeiten höher. Aufgrund eines Verkehrsunfalls lag ich zwei Monate im Krankenhaus, elfjährig und schwer verliebt in eine Krankenschwester. Ein Event tröstete mich am Tag der Entlassung über den Abschied hinweg: Abbey Road erschien. Noch schnell am Plattenladen vorbei, bislang besaß ich ja nur Singles („Crimson and Clover“, „Hey Jude“, The Troggs, The Rattles). Zuhause gleich aufgelegt (der Dual Plattenspieler wurde über Diodenstecker an das Telefunken Bajazzo Transistorradio angeschlossen). Ein neues Ich begann, tiefgreifende Identifikation: man hörte das Album nicht, man war es selbst. Ähnlich ging es mit Max Ernst, dessen Einfluss sogar die Aufnahme in die Kunsthochschule zu verdanken war. Bei ihm kamen verschiedene Momente ins Spiel: das poetische Moment, in altmeisterlicher Technik vorgetragen; die Schockeffekte von Dada und Surrealismus; und die Hinwendung zu Traumwelt und Psychoanalyse (hier besonders die Collagen). „Ein Zauberer der kaum spürbaren Verrückungen“, so wurde er genannt, der gleichzeitig urdeutsch und völlig undeutsch war. Wie gesagt, als ich im Sommer diese Fotos machte, dachte ich, der Ernst steckt irgendwie noch drin, mit all seiner Heiterkeit.

 
 


 
 

 

2019 26 Sep

Zwei Brüder

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Der Vater war Zirkusartist gewesen, hatte mit seinem Bruder in jahrelangem Training einen Trick geübt, bei dem der eine mit dem Kopf kopfüber auf dem Kopf des anderen stand, ohne Halterung oder Hilfsmittel, damit reisten sie dann um die Welt. Der ältere Sohn war sehr sportlich und dachte zunächst auch an den Beruf des Artisten, dem vierzehn Jahre jüngeren wurde dieses schlicht verboten, er bekam stattdessen sehr früh Klavieruntericht. In Leipzig geboren, schlugen beide irgendwann die Musikerlaufbahn ein, der eine mit der Klarinette, der andere mit dem Saxofon und dem Klavier. Die Mutter war Jüdin, ein Teil der Familie kam in Theresienstadt um. In der DDR wurde dem Klaviervirtuosen staatliche Anerkennung zuteil, die es ihm ermöglichte, in Wien ein Konzert zu geben. Als die Herren ihn dort in Empfang nehmen wollten, erschien er aber nicht, denn dieser Auftritt war als Möglichkeit zur Flucht geplant. Es folgte eine internationale Karriere mit vielen Stationen, auch für den Älteren. New York, Los Angeles, Paris, der Jüngere hatte zeitweise auch Gefallen an der Rockmusik. Charakterlich sind beide sehr unterschiedlich, insofern bietet das anderthalbstündige Filmporträt auf 3Sat, von Stephan Lamby erzählt und gefilmt, nicht nur hervorragende Zeitgeschichte und konzertante Köstlichkeiten, sondern auch eine intime, tiefgehende, hochinteressante Charakterstudie. Es sind die Brüder Kühn, die man auf diesem Wege näher kennenlernen darf.

 

2019 23 Sep

Television Logbook

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Seasons seen this year

 

Excellent:  Mindhunter – Season Two.  Unbelievable – Limited Series. Very good:  Better Call Saul – Season Four.  The Affair – Season Four.  La Casa De Papel – Seasons One and Two.  Quicksand – Season One.  Sex Education – Season  One.  Glow – Season Three.  After Life – Season One.  Good:  Sneaky Pete – Season Three. House M.D. – Season Five  Bosch – Season Five.  Black Earth Rising – Limited Series.  Inside Bill´s Brain – Documentary.  Criminal – Germany. Modern Love – Season One. Fire in Paradise – Documentary Quite good: The Kominsky Method – Season One.  Russian Doll – Season One.  Pastewka – Season Nine.  Homecoming – Season One.

 


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