Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2022 30 Sep

„my place in the sun“

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„I’m having my day,
my place in the sun –
I’ll grow to resemble
the man I’ve become …“

(David Sylvian, A History of Holes)

 

a u d i o

 

    1. Better Call Saul – Final Season Five (netflix)
    2. Succession – Season Three (wow)
    3. Ozark – Final Season Four (netflix)
    4. Ted Lasso – Season One & Two (apple+)
    5. Sex Education – Season Three (netflix)
    6. In With The Devil – Miniserie (apple+)
    7. Euphoria – Season 1 & 2 (wow)
    8. Mare of Easttown – Limited Series (wow)
    9. Der Pass – Season One & Two (ard)
    10. Slow Horses – Season One (apple+)
    11. Funeral for a Dog – Miniserie (wow)
    12. Tehran – Season One & Two (apple+)

 

 

About ten, twelve years ago I discovered the impressive skills of Guthrie Govan playing along backround tapes on YouTube. I was stunned about the technic, fastness and versility of what I heared and saw and wondered why this man still wasn’t famous. But at some point then he appeared in the band and on two albums of Prog-Rocker Steven Wilson and fate took it’s rightgeous course. Recently the Youtuber and musician Rick Beato praised this exeptional guitar player in one of his nicely done videos. Beato also gave the hint to the trio The Aristocrats and I was stunned again: versility, precision, the interplay. Heavy weight geniusses that triggered and re-awakened my sympathy for solid rock with it’s corner stones laid by bands like Mountain and Deep Purple in childhood days: the Fripp-side of the moon. With Hannover-born drummer Marco Minnemann and bassist Brian Beller they give a brilliant show. Of same calibre as Govan (but more into jazzy and fusion tones) performs the somewhat twenty year old sicilian guitarist Matteo Mancuso. Early trained on the classical guitar, he transfers the alternating touch of the right hand fingers to the electric instrument in an unusual way and reaches astonishing speedy heights with this wing beats. „What are you doing? You’re killing us!“ famous Al di Meola ironically acclaimed. Even more so for us ordinary mortals there is a limit where, even as practising guitarists for decades, we are condemned to listen in amazement, but apart from that we continue practising our own stuff. Maybe we play along with country and folk tunes, one of Joni Mitchell‘ s songs or one by Taylor Swift. Not bad either, and alongside with the muscular masculine the sensitive feminine approach always found our emphatic appeal. Both sides now? No, Yin and Yang have always been, surfing on the waves of ideosyncratic interests, taking the gifts and flows in the balance of the given moments.

 

2022 7 Sep

this morning

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„zorny days“

 

„cardigan“ (cover)

„cardigan“ (taylor swift)

 

„nachspiel“

 

2022 19 Aug

Better watch twice

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In die neue Serienwelt stieg ich relativ spät ein, dank der ersten Staffel von Mad Men, die Micha mir damals schickte und die ich zunächst verwarf. Ich hatte mir extra einen DVD-Player dafür gekauft, schob die erste Scheibe ein und dachte: „Kettenrauchende, tagsüber schon Whiskey trinkende Typen in sterilen Büros der Hochhäuser von Manhattan, umgeben von Nierentischen und Tussies mit hochgesteckten Frisuren in Fünziger-Jahre-Röcken? So einen Sch… schaue ich mir nicht an!“ Wie man sich doch täuschen kann. Als ich dann in die Serie Breaking Bad einstieg, war das schon eine alte Kamelle, längst allbekannt, nur mir mal wieder nicht. Gestern beendete ich die letzte Staffel von Better Call Saul und eine wenig Wemut kam auf. Als dieser unmögliche Anwalt, dieses labernde Windei in schlechten Anzügen das erste Mal bei Breaking Bad auftauchte, dachte ich: „Nein, bitte nicht, der Typ verdirbt alles.“ Zwei Jahre, nachdem Breaking Bad zu Ende gegangen war, bekam genau der seine eigene Serie, als Prequel. Wie bitte soll das gehen? Nun, es funktionierte, und viele meinen: sogar besser als der Vorläufer. Denn die Zeit bleibt nicht stehen und auch bildtechnisch wurde vieles noch verfeinert. Geblieben ist der unglaubliche Witz, diese Mischung aus Drama, Crime, Komödie und, ja: grosser Kunst. Es werden teilweise banale Alltagstätigkeiten so raffiniert aufgenommen, dass man schon ein Erleuchtungserlebnis dabei hat, wenn jemand eine Zahnpastatube ausdrückt. „Verrückt“ – genau das wäre auch mein Prädikat dieser epischen Gesamterzählung, mit ihrem Kern in Albuquerque und den wüsten Geschichten drumrum, in der Wüste. Und mit einer Spannweite von dreizehn Jahren: Walter Whites Irrsinn begann 2009 hierzulande auszustrahlen, nun gerade endete der nachfolgende Vorläufer. Da kann man schon ein bisschen melancholisch werden. Für keine andere Serie gilt sosehr wie hier: the venue was the star. Das verzaubernde Licht von New Mexico. Und Schauspieler Bob Odenkirk ist ein Grosser, in einem grossen Gesamtensemble. Eines vorweg, ohne zuviel zu verraten: Zeitreisen spielen eine Rolle in der allerletzten Episode. What you loved – and what you regret.

 

 

 

… the emptiness that we confess in the dimmest hour of day …

 

2022 26 Jul

Euphoria, die Zweite

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Wer meint, amerikanische Filme seien prüde, der hat Euphoria noch nicht gesehen. Junge nackte Frauen, die in den Pool kotzen, jede Menge Blut, jähe Gewaltausbrüche – okay, wer Quentin Tarantino kennt, die anarchischen Motorradrocker (sons of energy) oder Breaking Bad, der weiss: Tonnen von heinz tomato ketchup gehörten zur Staffage. Aber diese Menge an Penissen ist ist neu und arg gewöhnungsbedürftig dazu, weil: nicht jeder Mann’s Sache, ausgenommen natürlich das eigene Prachtstück. Immer wieder in den letzten Jahren, ja fast Jahrzehnten, konnte man feststellen, dass gewisse Fernsehserien Schallmauern durchbrachen: Dinge zeigten, die man so noch nicht gesehen hatte. Es hat sich also auch eine Art von Emanzipation innerhalb des Televisionären ereignet, indem gesellschaftliche Tabus thematisiert und ebenso überschritten wurden. Und auch das Formale hat damit Schritt gehalten: heutige Produktionen sind oft ein raffiniert synenergetisches Gesamtkunstwerk aus Erzählung, brillianten Bildern und Soundtrack. Vielleicht deshalb der grosse Hype um Euphoria, angeblich auf dem Podium der Publikumsgunst alleine noch von Game of Thrones verdrängt, was die Zuschauerzahlen betrifft. Nun ist dies aber keine Fantasy, eher Reality-TV, genau deshalb für unsereins der Grund, am Ball zu bleiben. Die Handlungsstränge sind, wie bei vielen anderen Serien auch, dabei gar nicht so wichtig. Vielmehr zeigt sich eine ureigene, stimmige Gesamtatmosphäre, die auch eine Tiefenschau von Seelen ist. Eine der Hauptfiguren, die irrlichternd schöne Jules, wird gespielt von Hunter Schafer, einer Transsexuellen. Als ich recherchierte, dass die junge Schauspielerin, aus gutem Hause kommend, der Vater Pastor, unter Dysphorie litt, googelte ich fragend, was das sei. Na klar: Dysphorie und Euphorie, live together in perfect … .  Dysphorie als Alternative zur Depression wäre ein Wort, das passte für manche Hölle in Jugendtagen (oder später), auf der Suche nach Identität abseits repressiver Normen. Auf diesem gut gedünkten Boden gedeiht jegliche Empathie, die dann auch Treibstoff wäre, sich mit Figuren zu identifizieren, mit ihnen mitzugehen, mitzufühlen. Wer zudem die fiebrig energetische Faszination, Teil eines Schauspielteams zu sein, aus eigener Erfahrung kennt, wird sich im Schlussakkord dieser Serie bestätigt sehen: auch hier findet sich Euphorie. Und er wird sich einmal mehr wundern über all diese jungen Akteure, die so glaubhaft ihre Rolle spielen, als seien sie es selbst.

2022 20 Jul

Cooldown with Clapton

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„River Runs Deep“

 

in meiner mp3-sammlung einzelner songs, die ich gerne mitspiele beziehungsweise spieltechnisch zu ergründen suchte, in guter nachbarschaft zu planxty, joni mitchell, diana krall, djavan und vielen anderen findet sich auch dieser cale-coole viertakter (akkorde a-moll und d 7/9), der sich auch bei erhöhten temperaturen – das termometer misst gerade 36° um neunzehn uhr („ja, wo gibt’s denn sowas?“) – gut mitzählen lässt und den ich mit auf eine einsame insel nehmen würde, überhaupt dieser clapton, gefällt mit immer besser, so does the blues in general  …

 

2022 15 Jul

Ein Dreisprung

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Jedesmal, wenn ich den Philosophen Julian Nida-Rümelin im Fernsehen sehe, nicke ich wohlwollend wie einst mein Grossvater beim schwarzweiss-televisionären Anblick von Willy Brandt in der Tagesschau (Franz-Josef Strauss hingegen wurde stets mit unwirschem Kopfschütteln bedacht). Und das hat seinen Grund. Ich erinnere den Moment noch genau, als mich das surrealistisch anmutende Cover eines Buches auf dem Fenstersims in der Nordstadt-Bücherei anlachte: es zeigte einen wie eine Wolke im Himmel schwebenden Stein. Betitelt war der Band mit „Philosophie der Gegenwart in Einzeldarstellungen von Adorno bis v. Wright“, herausgegeben von jenem Philosophen eben, der unter Schröder irgendwann Kulturminister wurde. Ich war damals inmitten der Neunziger in der glücklichen Lage, die gesamte Philosophie wie unentdecktes Neuland nach und nach auskundschaften zu dürfen, wie eine sattgrün und frisch darliegende Wiese, kein Stückweit abgegrast. Ich nahm das Buch in die Hand und fand unter den über hundert dort aufgelisteten Denkern neben dem pflichtgemässen Heidegger auch die Namen Emile Cioran und Jaques Lacan. Schonmal gut, dachte ich und nahm das Buch, das ich bis heute nicht besitze, mit nach Hause. Nun komme ich, wie der von mir geschätzte Politologe Albrecht von Lucke gerne in jeder zweiten seiner sprachmächtig verschachtelten Satzkaskaden zu sagen pflegt, „auf den entscheidenden Punkt“: in dem Buch fand nämlich eine Art „Dreisprung“ statt, indem von einem Denker zunächst persönliche Lebensverhältnisse und Werdegang eingehend vorgestellt wurden, es folgten Inhalt beziehungsweise die Kernpunkte seines Werkes und dann – jetzt kommt’s: die Rezeption, also die Art und Weise, wie sein Werk dann öffentlich angenommen und geschichtlich eingeordnet wurde. Ich las das Buch wie einen Krimi durch, wie einst in Weihnachtstagen mit heissem Kopf schon Pirsigs initiales Zenkunst- und Motorradbuch. Selbst japanische, mir völlig unbekannte Denker, bekamen dergestalt Profil. Wenn ich beispielsweise heute mich mit Verschwörungstheoretikern beschäftige und der Frage, was davon zu halten sei, dann denke ich, dass es genau daran mangelt: „Eine Rezeption findet bei euch nicht statt, ihr Banausen bleibt in einer sektiererischen Nische, wähnt euch bedeutsam allein qua Selbstermächtigung!“ Und auch die codes der Bildenden Kunst beinhalten ja unverzichtbar die Einordnung in den historischen Kontext: Kunst kommt auch von Kennen. Nicht zuletzt in den heutigen Fernsehserien kommt dieser julianische Dreisprung irgendwie zum Tragen: zunächst ist da das Werk selbst, und dann sind da die Schauspieler, das ganze Drumherum und schlussendlich folgen Betrachter, Rezensenten, Filmkritik. Sollte ich mir das Büchlein, das ich nie besass, nun doch noch kaufen, mmh? Ich werde es wohl dabei belassen, beim Anblick Nida-Rümelins weiterhin wohlwollend zustimmend mit dem Kopf zu nicken, dazu mit Billy Wilder sportlich, rhythmisch und geschmeidig bleiben: Eins, Zwei, Drei!


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