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Archiv: ECM

Das Jazzfest Berlin beeindruckt jedes Jahr mit einem einzigartigen Programm bekannter und zugleich durchweg spannender internationaler Musiker/innen aus dem weiteren Jazzbereich. Ich kann hier immer wieder Anfang November, nur wenige Minuten von meiner Wohnung entfernt, eine beeindruckende Menge hochinteressanter, oft auch seltener Konzerte erleben.

In diesem Jahr hat die neue Leiterin Nadin Deventer die vier Festivaltage so geschickt wie ambitioniert nach thematischen Überlegungen geordnet, unter anderem gab es den „Fokus: Chicago“ mit Nicole Mitchells Black Earth Ensemble, dem Projekt ihres aktuellen Albums Mandorla Awakening, das Art Ensemble of Chicago erstmals seit 27 Jahren wieder in Berlin und Trompeten-Jungstar Jaimie Branch. Zusätzlich traten unter dem thematischen Überbau „Blick zurück in die Zukunft afroamerikanischer Musik“ (Überschneidungen offenkundig) u.a. Irreversible Entanglements, Moor Mother, Roscoe Mitchell und Jason Moran auf. Allein diese Namen waren bereits große Versprechungen, und ich hatte mir, wie in den Vorjahren, vorgenommen, einiges anzuschauen/anzuhören. Meine frühzeitige Bewerbung um Pressekarten führte jedoch zu wenig Erfolg, was leider erst in den letzten Tagen vor den Veranstaltungen mitgeteilt wurde, und da waren dann schon fast alle Konzerte ausverkauft … zumal mein trister Kontostand als Unter-Hartz4-Satz-Verdiener mir auch nicht wirklich einen Erwerb weiterer Eintrittskarten ermöglichte.

Am Ende besuchte ich daher also auch in diesem Jahr nur eines der vielen tollen Konzerte und kann so leider keinen wirklich ergiebigen Festivalbericht erstatten, wie ich das gerne getan hätte – sondern belasse es stattdessen bei ein paar persönlichen Zeilen zu dem letzten Konzertabend. Am Sonntag beschloss nämlich Bill Frisell, dessen jüngste Alben hier ja einige begeistern, das Festival mit einem intimen Auftritt, den er in ein und derselben Position ohne große Worte, allein mit einer Gitarre, im kargen Licht sitzend, bestritt. Der ganze Abend stand unter der nicht ganz adäquaten Überschrift „Melancholic Sunday“, was, wie seine aktuelle Karriererückblick-CD Music is verrät, immerhin ganz besonders auf Frisells bewegendes Programm zutraf. Manchmal können diese unaufdringlichen Improvisationen etwas lang werden, doch der ganze Saal im Haus der Berliner Festspiele lauschte gebannt und zeigte sich hinterher mit langem Applaus begeistert von dieser unprätentiösen, fast schon weisen Lebensreise des 67-Jährigen. Als ich ihm hinterher bei der kleinen Signier-Viertelstunde mitteilte, dass ich seine jüngsten ECM-Mitwirkungen besonders schätze, verriet er, dass im Februar ein weiteres Album mit Thomas Morgan erscheinen soll. (Das brachte mich auf die Idee, dass man vielleicht mal ein Portrait-Video von Thomas Morgan machen müsste.)

 
 
 


 
 
 

Zur Zugabe holte Frisell die jüngere Kollegin Mary Halvorsen zu einem Duett auf die Bühne. Halvorsen war beim diesjährigen Jazzfest „Artist in Residence“ und entsprechend in vielen unterschiedlichen Formationen, Auftritten und Veranstaltungen aktiv – was vielleicht erklärt, warum sie beim ersten Europa-Auftritt ihres Oktetts (mit dem Programm des Albums Away with you) eine erstaunlich untergeordnete Rolle einzunehmen schien. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass sie vielleicht schon etwas müde war. Einem Freund, der das Konzert ebenfalls besuchte (aber nicht wie ich im Parkett, sondern oben in der Loge saß), gefiel es nicht, dass Halvorsens Gitarre gegenüber den anderen Instrumenten kaum zu hören war (War das evtl. oben mehr ein Problem als unten?), speziell auch, weil neben ihr Pedal-Steel-Gitarre von Susan Alcorn so viel Raum bekam. Mich störte das weniger, aber es fiel schon sehr auf, dass jede/r der Mitwirkenden ausgiebigen Raum für Soli, meist mehrfach, bekam, während die Chefin sich diesen Raum nicht schenkte und geradezu bescheiden am Rand saß und spielte, als wäre sie eine Nebenfigur des Ganzen. Ihre Mitmusiker waren durchweg beeindruckend und mitreißend, speziell Bassist John Hébert und Saxofonist Jon Irabagon kamen beim Publikum sehr gut an. So unterhaltsam ich das etwa 45-minütige Programm auch fand, es schien mir auch ein klein wenig enttäuschend konventionell, in American-Jazz-Mainstream-Weise, weshalb mich sehr wunderte, dass Bill Frisell die Zugabe mit Halvorsen später mit den Worten einleitete: „It blew my mind. I’ve never heard anything like that.“ Denn so vielseitig und eingängig Halvorsens Oktett-Programm auch war, dass man das, womit die acht oder neun hier dargebotenen Stücke aufwarteten, nicht bereits irgendwo so oder ähnlich gehört hätte, konnte man nun wirklich nicht sagen.

Dabei fällt mir ein, dass in einem Kurzbericht zum Festival (im RBB, wenn ich mich nicht irre) ein paar Gäste nach den Konzerten befragt worden waren, und einer dieser Interviewten, laut Selbstaussage seit vielen Jahren ein regelmäßiger Jazzfest-Besucher, brachte es tatsächlich fertig, in seinen kurzen Statements sicher sechs- bis achtmal zu sagen, dass das Programm in diesem Jahr besonders „anstrengend“ (gleichwohl lohnend) sei, „so anstrengend war es noch nie“. Man darf daher mit einiger Sicherheit annehmen, dass der Herr sich über das zumeist ruhige Programm des „Melancholic Sunday“ sehr gefreut haben dürfte. Leider war ich nicht bei dem Doppelkonzert am Nachmittag, obgleich Maria Fausts großartiges Ensemble-Programm für eines der besten und fantasievollsten im zu Ende gehenden Jahr veröffentlichten Jazzensemble-Alben (Machina) gesorgt hat, das ich liebend gerne live erlebt hätte, zumal in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und gefolgt von einem Soloauftritt von Kara-Lis Coverdale.

Zurück zum Abendprogramm: Während Mary Halvorsens Oktettstücke also mit Abwechslungsreichtum und Publikums-Eingängigkeit punkteten, das Konzert indes leider ein wenig steif und unflexibel wirkte (ein Eindruck, den mein Freund oben auf der Loge ebenfalls bekam – jedes der vielen Soli vermittelte weitaus mehr das Gefühl von Pflicht als von Kür, schade), war der Auftritt von Kim Myhrs Septett, der den Gitarren-Konzertabend eröffnete, gewissermaßen das Gegenteil: Interessanterweise machen die Stücke seines Albums You | Me in ihrer etwas ausgebauten Live-Variante (erweitert auf ganze vier Gitarristen!) erst einmal den Eindruck streng durchgeplanter und unflexibler Minimal Music. Wer das Album kennt, weiß, dass es sich hier um zwei epische Kompositionen für Gitarre und mehrere Perkussionisten (Hans Hulbækmo, Ingar Zach und Tony Buck) handelt, die in der Tradition von Steve Reichs „klassischem“ Material stehen, gefiltert durch leise Anklänge an norwegische Volksmusik und die aus dem Osloer Sofa-Music-Umfeld (oder ähnlich auch von den Necks, apropos Tony Buck) bekannte Ambient-Improvisation, wo Kim Myhr und Ingar Zach mit dem Sofa-Label und ihren zahlreichen Bands und Projekten seit mindestens 15 Jahren wesentliche Protagonisten sind. Der Ansatz, den diese Musiker verfolgen, ist oftmals der eines hypnotischen Musizierens mit sich ineinander verzahnenden und auseinander herauskristallisierenden Entwicklungslinien, was auch beim Zuhörer gerne einen latenten Trance-Zustand evoziert. Das gelang auch beim Auftritt am Sonntag Abend sehr schön und vor allem ohne, dass es je steif und formal geworden wäre, nicht zuletzt weil sich die sieben Musiker offenkundig seit vielen Jahren kennen und gut verstehen. Man darf dabei freilich keinen konventionellen Jazz erwarten, wie das wohl die beiden etwas älteren Besucher/innen neben mir hatten, die nach dem Myhr-Konzert kommentierten, dass das die Konzerte aufzeichnende Radio jetzt fürs erste wieder genügend banale Dudelmusik für die Minuten vor den Nachrichten in petto habe. Schätze, die beiden waren mit dem deutlich jazzigeren, aber auch gefälligeren Auftritt des folgenden Oktetts dann gut bedient.

Gerne hätte ich wie gesagt auch andere Konzerte erlebt, zumal der erwähnte Freund sehr positiv über die Auftritte von Jaimie Branch, Moor Mother und Irreversible Entanglements berichtete. Bill Frisell hat er wiederum durch diesen Abend schätzen gelernt. [Fotos © Camille Blake. (Die zweite Gitarre fasste Frisell während des ganzen Auftritts übrigens nicht einmal an.) Ein paar Fotos von dem Abend kann man hier bei der Jazz-Zeitung sehen.]

 

 
 
 
I’m relatively new to Django Bates artistry, so he is still a bit of an enigma to me. I gather he has many facets. Having first heard him on Anouar Brahem’s Blue Maqams and then on his brilliant new trio album, Beloved, I didn’t know what to expect when I saw this – but I knew I had to have it. I watched a couple live YouTube videos and was intrigued.

For the most part Bates has stayed almost religiously true to the canon of Pepper; there is barely a bar that has been changed with regards to form and structure. Rather than completely reinvent the album as was done to Revolver by San Francisco jazz singer Ann Dyer (Revolver: New Spin,) he has wisely chosen to keep Pepper’s bones intact, for the most part anyway, and instead adds some jazz filigree to the mix, by augmenting it with earthy big band horn parts, a few surprising harmonic twists and turns, occasional funky guitar riffs and subtle groove shifts. He plays a lot of Rhodes piano, deftly riffing here and there, but never muddying the sacrosanct Pepper waters. Amidst the augmented arrangements, all the associated licks and classic guitar solos are reverently played (although not always by guitars,) once again showing Bates has a great deal of respect for the material. There are exceptions: one tune, (and it might be the Sgt Peppers theme itself if memory serves), is mostly in 5/4. But these sorts of liberties are rare.

The vocalist is perhaps the weakest link in the chain. He too stays true to the originals, offering little in the way of reinterpretation. He has the right Brit rock/pop pipes, no doubt, but there is very little to distinguish these vocals. I would describe them as appropriate and serviceable, yet they come off for this listener as a bit flat, i.e. they don’t get in the way of the proceedings, nor do they particularly shed any new light on the material.

That being said, a more radical departure may not have worked. I think of Nguyen Le’s Dark Side of the Moon, a reimagining of the classic Pink Floyd album. It is a far more radical departure from the original, reinventing the material entirely for big band and employing female (as well as males) voices for the vocal chores. Le even adds his own entirely original material to the mix – it’s the complete opposite approach to Bates’s, and while extremely bold, doesn’t seem to find its way onto my player very often. This version of Pepper however, is plain fun to listen to and finds a sweet spot between reinvention and fidelity to the original.

The bottom line is, Bates has managed to create a highly listenable version of a masterpiece, run through the kaleidoscopic lens of Bates’s wild imagination.

 

 
 
 

Lieber Michael,

hier die Antwort von Mayo Bucher: 

Das Bild heisst eigentlich „December Walk“. Was es genau darstellt, bleibt der Fantasie überlassen. Nur so viel: Ich habe das Foto 2010 auf dem Flugplatz Dübendorf (wo sich auch mein Atelier befand) im Nebel geschossen, und der Boden war voller Raureif- so dass das gefrorene Gras beim Laufen geknistert hat. Die Schwarz-Weiss Fotografie wurde mit Pigmentdruck auf Malerei auf Holz übertragen. Matt und Glanz spielen im Original auch eine wichtige Rolle.

Das finde ich sehr passend! Vielschichtig, knisternd, glitzernd, aber gleichzeitig etwas Weiches – tief, aber sanft etc. 

Liebe Grüsse, Björn 

 

 

MEREDITH MONK: ON BEHALF OF NATURE

 

Ja, es dreht sich um Natur, Evolution, Klimawandel, Zerstörung, Transformation, aber diese Musik ist ein Akt der Beschwörung, nicht der Belehrung. 74 Jahre hört man der Stimme der Meredith Monk nicht an, wohl aber die, zahlreiche Monde ungebrochene, Kreativität, mit einer kleinen Schar von Sängern und Instrumentalisten unerschöpfliche Musik anzuzetteln, in der Avantgarde und Archaisches eins werden. Ich schaue mir die Herbstliste des letzten Jahres an, gerade die Werke der „New Series“, und rufe wohl morgen mal im Hauptquartier nahe München an, um auch noch Eleni Karaindrou und Gavin Bryars ins Haus zu holen, allesamt Stammgäste der Klanghorizonte seit 1990, und in entlegenen Räumen unterwegs.

 

2016 4 Jun

Remembering ECM classics from the 21st century (1): „Siwan“ (2009)

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No doubt, pianist and composer Jon Balke has always been interested in Africa.  Along with singer Amina Alaoui from Marocco (now living in Granada), master violinist Kheir Edine K’Hachiche, a Norwegian ensemble of Early Music speicialists and master trumpet player Jon Hassell, Balke has created a bold fantasy: he’s recurring on a dead end of history, when the period of Al-Andalous came to an end in 1492. Peaceful coexistence between Muslims, Christians and Jews was destroyed by intolerance and those „witch hunters“ every period knows too well.

Now, Balke asked himself, how would the music sound when the fruitful dialogue oft arts and sciences had been continued. How would arabic music sound in melange with baroque textures and modern improvisation? Such experiments could easily end up in kitsch and high brow art. But, with „Siwan“, Jon Balke is brilliantly successfull. The music has a great flow, nothing seems artificial, the elegant, sensual and erotic voice of Amina Alaoui is , from time to time, having great „conversations“ with Jon Hassell’s drifting trumpet figures. A lot is going on here.

The music is trenendously rich in textures and  melodies. The whole project started when Jon Balke was intrigued by an anthology of Spanish and English translations of old texts and poems from Al-Andalous. But when his companion Amina performed some of the pieces in arabic language, the words brightened up. So nearly everything was done with the original texts. The result: one of the most stunning records of 2009 – lovers of Early Music could as easily enter this word as jazz freaks (with a special love for textures from Gil Evans and Miles Davis), or people from the not-so-fucked-up corner of „ethnic fusion“. It rarely happens: a pure fantasy that comes along without cliches! One of the greatest achievements of Jon Balke, alongside this year’s ridiculously  overlooked „solo-piano-and-sounds“-opus „Warp“.

2016 29 Apr

Andando el Tiempo

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Am 11. Mai feiert Carla Bley ihren 80. Geburtstag. ECM feiert mit und veröffentlicht am 6. Mai bei ECM Andando el Tiempo, das neue Album des Trios Carla Bley mit Andy Sheppard und Steve Swallow. Es präsentiert neue Musik aus der Feder Carla Bleys. Das Trio mit Sheppard und Swallow fungiert seit mehr als 20 Jahren als ideales Medium für Carlas Kompositionen und stellte zugleich auch immer einen der besten Kontexte für ihr unverwechselbares Klavierspiel dar. Genauso wie das von der Kritik viel gelobte Album Trios (2012) wurde auch „Andando el Tiempo“ in Luganos RSI Studio aufgenommen und von Manfred Eicher produziert. Im Juli kommt das Trio für Konzerte nach Europa.

2016 26 Apr

Momente mit Monder

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„Das Amorphe wird man dir noch austreiben auf der Hochschule!“
 
Der Satz des Kunstlehrers traf einst ins Schwarze. Der Schüler wusste: zuviel Drift, Sublimation, Verstiegenheit ins Wurzelwerk natureller Formen war kontraproduktiv – weil: Weltflucht, Sexflucht. Those were the days with Max Ernst, Ernst Fuchs, Richard Oelze – they were fine but long time gone now.

Zurück zur Gegenwart: das Schiff des Brian war noch nicht gekommen. Da war es gut, ein Album des Virtuosen Ben an Bord zu haben – jenes Käpt´n Ahab eines modern hybriden Gitarrenspiels mit magischen, dunklen Nuancen und der Intention von Zauberei: denn dreht man Monder um, erhält man wonder.

Es brauchte wiedermal Geduld, das Abwarten des günstigen Moments. Dann plötzlich, augenblicklich: Evidenzerleben – die Pforten der Wahrnehmung bieten Zugang.

Mitten durch den Müll medialer Flut hindurch, vorbei an Scylla und Charibdis, weit westwärts der Böhmermanncausa und anderer Engpassagen mit dem Nährwert einer Null („Varoufakis!“ krähte der Hahn dreimal frühmorgens), hinein in eine Jemandsbucht, geprägt von Stille und mehr Tiefe.

Zunächst wurde wahlos herumgepeilt, der Kompass schlug in alle Richtungen aus.
Bojen mit Beschriftungen wie „Anat Fort Trio“, „Michel Benita“ und „Ches Smith“ wurden dieses Mal umkurvt und was sich dann eröffnete, das war wie Only Sky.

Er erinnerte sich an jenes Album The Garden of Eden der Paul Motian Electric Band aus dem Jahr Zweitausendsechs. Der renommierte Schlagzeuger hatte junge Musiker an seiner Seite, zwei Gitarristen dabei, die neugierig machten: Ben Monder eben und auch Jakob Bro. Beide sind seit langem etabliert und heissbegehrt – as a captain, cox or sideman.
 
 
 

 
 
 

Um´s kurz zu machen: Monders Amorphae, ECM-Einstiegsdroge. Wuchtige, massige, körperliche Klänge. Ein Vergleich mit David Torns Soloalbum Only Sky liegt nahe, in der Tat. Als Gitarrist kann man es nachempfinden, es geht hier nicht um das beflissene Vortragen einstudierter Stückchen. Es geht um beseelte Klangskulpturen, objets trouvés und Feuerwerks-Momente.

Play this on my funeral: ein Song wie ein Sog – stunning. Ein Backbord-Blick auf die Besatzung lohnt sich: Ben Monder spielt hier sechssaitigen Fender Bass, Pete Rende hört man am Synthesizer und Andrew Cyrille liefert sparsam pointierte Perkussion.

Der Name dieser Rose sagt es: „Gamma Crucis“ ist gleichsam erhaben, religiös und feierlich – and at the same time secular science fiction; fremdartiger Abgesang auch. Paul Klees Angelus Novus betritt die Szenerie: ein Engel dreht sich rückwärtsgehend aus dem Bild.

2015 17 Nov

Only Sky (reminder)

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„Cast alone with just his guitars and effects rig for company, in this stunning if somewhat unsettling set of soundscapes David Torn has produced perhaps his most direct and unfiltered work to date. […] It’s a truly fascinating glimpse into the mind of one of the great creative forces of our time and each successive listen should reveal fresh new dimensions for many years to come.“

 

2015 4 Nov

Mette Henriette

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Mette Henriette Martedatter Rølvåg. Der Name ist so schön norwegisch, den muss man wenigstens einmal voll ausschreiben. Ungewöhnlich genug: Ein ECM-Debut mit einer Doppel-CD, noch dazu mit Fotos von Anton Corbijn. Aber diese Künstlerin, behaupte ich mal, ist es wert.

Die CD 1 ist in einer Triobesetzung mit Saxophon, Cello und Klavier eingespielt, kommt sehr leise, sehr schwebend, fast flüsternd daher. Nachtmusik, das Saxophon mit viel Geräuschanteil, der Atem bestimmt die Spannungsbögen der Stücke. Die CD 2, mit einer 13-köpfigen Band aufgenommen, greift dieses Konzept zwar zunächst auf, steigert sich aber zu einer Intensität, die mich zeitweise fast an Carla Bleys legendäres Escalator over the Hill erinnert. Musik für die „Difficult Listening Hour“ und eine gelungene Synthese von Jazz und Kammermusik. Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 2013/14.

Mette Henriette hat bereits Ende 2014 mit der Gruppe Torg und unter der Produzentenhand von Bugge Wesseltoft an dem Album kost/elag/gnäll mitgewirkt (erschienen erst im September 2015 auf dem norwegischen Jazzland-Label). Dieses Album klingt offener, entspannter, spielerischer als ihr ECM-Album, streckenweise hat es etwas Vergnügtes an sich, was zum Teil wohl auch daran liegt, dass hier auch Gesang zu hören ist. Man stelle sich vor, Kurt Weill würde versuchen, wie Philip Glass zu komponieren und gäbe der Band dazu noch großen improvisatorischen Freiraum — dann  käme wahrscheinlich so etwas wie diese Platte dabei heraus.

 
 
 


 
 
 

Trotz aller Ähnlichkeit der beiden Albumkonzepte ist der Unterschied zwischen Torg und ECM beachtlich. Das ECM-Album ist konzentrierter und dichter. Dies ist mit Sicherheit dem Produzenten Manfred Eicher zuzuschreiben, der es immer wieder versteht, entsprechende Session-Atmosphären entstehen zu lassen. Wenn das ein Hinweis darauf ist, in welche Richtung es weitergehen könnte, dann bleibe ich neugierig.

Once founded by saxophone player Iain Bellamy, and following quite an amount of incarnations and stylistic changes, „Food“ never did a wrong move, never stopped to surprise, never put out anything but, good, very good, or excellent albums. In recent years, Iain Bellamy’s knack for sophistication and sparseness has been the perfect match for Thomas Stronen’s hitting on things, and his way of, well, sophistication and sparseness. Soulmates are always welcome.

Austrian guitar and sound manipulator Christian Fennesz takes care of unexpected ambiences and noisy undercurrents; he’s a hunter of discreet wilderness proving the rewards of letting all power fall. Normally starting with nothing more than a vibe, an impulse, „Food“ decided a new modus operandi and made use of „real themes“ – banning away the beloved raw skeletons. But why making it simple when complication is so much fun?

After recording a heavy load of material, Thomas Stronen was left alone with it for months, mixing, doubling, cutting, layering, chaneling, canceling. The basics were radically reshaped without letting go some of the key elements and original ideas. „This Is Not A Miracle“ (ECM Records) may not be a miracle, but it is an adventurous perpetuum mobile of shifting moods and awesome polarities. Call it electronic, call it organic!

Stronen and Bellamy know about showdowns, too: the last four tracks are brutally ascetic and perfectly executed: it’s the magician’s trick of „Food“ to be able to even make the tiniest details unforgettable, at least endlessly enjoyable. This time they added (en passant) some grand gestures that hit you right in the face. No one could have expected that!


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