Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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„We met in the summer and walked ‚til the fall
And breathless we talked, it was tongues.
Despite what they’ll say, it wasn’t youth, we’d hit the truth“

– Aztec Camera, Walk Out To Winter

 


Diese drei kleinen Begebenheiten fielen mir ein, als ich vorhin Seite 1 des Doppelalbums „A Light For Attracting Attention“ von „The Smile“ auflegte, und nach einem sehr interessanten Email-Pingpong, in den letzten 24 Stunden, zwischen Henning und mir. Henning lebt in Amsterdam in einer pulsierenden Musikszene, und ist mehr an diesen Orten des Live-Musizierens unterwegs als daheim allein mit seiner Hifi-Anlage. Ich hingegen gehe viel sparsamer mit Konzert- und Festivalbesuchen um (sehe mich auch als Journalist in der Rolle eines Einzelgängers, all meiner Kommunikationsfreude zum Trotz), und ziehe all dem kreativen Trubel oft das Verweilen in meiner „elektrischen Höhle“ vor. Zwischen den folgenden Episoden gibt es Schnittmengen, etwa die Präsenz einer Einkaufstasche in meiner Hand, gute Musik (real oder virtuell), und London, mal in hellem Tages-, mal in wärmendem Kunstlicht.

In der ersten Erinnerung gehe, stromere ich Westbourne Grove entlang (Damon Albarn hat mal einen wunderbaren Song über die Historie dieser Londoner Strasse geschrieben) und lande nah der Metro-Station, auf deren Namen ich gerade nicht komme (Bayswater vielleicht?) in einem modernen „paper and pencil“-Shop. Was hören meine Ohren auf einmal, aus diskret angebrachten Lautsprechern? Eine Musik, weit davon entfernt, die übliche Berieselung abzuliefern: „Hail To The Thief“ von Radiohead (das Album war gerade frisch erschienen, ich hatte die Cd noch gar nicht gehört, sollte sie erst daheim in Dortmund in meinem Briefkasten finden). Ich sperre also meine Ohren sperrangelweit auf und erfreue mich an federfüssig vibrierendem Getrommel und Thom Yorkes darüber hinweggleitenden Singsang. Das Licht in dem Geschäft, warmes Kunstlicht, ist eine Wohltat im Umfeld dieser Klänge, und ich kaufe Briefpapier, hellblaues und sandfarbenes, so berauschend in jenen Minuten, wie die Farbenpracht des Covers von „The Smile“. 

Die zweite Episode, ein paar Jahre früher, führt mich in die Portobello Road, wo wieder mal Strassenmarkt ist. Es gibt ein paar kleine „record shops“ da, und in einem finde ich (die viertel Melone, die ich gerade gekauft habe, verstaue ich etwas tiefer in meiner Papiertasche) ein Bündel Les Baxter-Platten, voller farbgesättigter Motive, Einblicke in ferne Welten, so, wie unser „Exotica“-Spezialist eben, mit einem sehr westlichen Blick, und einem Glas Martini mit Eis neben dem Steinway, sein privates Afrika imaginierte.

 

 

 


Aber viel tiefer berührt mich, als ich ein paar Hausnummern weiter einen kleinen Friseurladen entdecke (man muss erst mal ein paar Stufen runtergehen, um ihn zu betreten), und einem „traumhaften“ Popsong lausche. Alle Plätze sind besetzt, und einen neuen Haarschnitt brauche ich auch nicht. Dieser Song ist nicht einfach traumhaft in der Art von „ganz nett in dieser Hitze zu hören, an einem schattigen Plätzchen, mit Ventilator“. Und auch wenn ich kurz darüber nachdenke, was mich in das Lied hineinzieht, und journalistische Reflexe einsetzen a la „irgend so ein Indie-Juwel einer unbekannten Band aus den Achtzigern“, oder „hey, so deep wie ein Song aus dem ersten Album von Aztec Camera“, bleibe ich einfach wie verzaubert stehen, ehrlich jetzt, und obwohl es ein Leichtes wäre, jemanden mit Schere und Fön nach dem Track zu fragen, mache ich nichts dergleichen, und traumwandle (under a spell / enchanted / speechless) nach dem fade-out zurück zu den Marktständen. Roddy Frame war es nicht, es war, gottweisswer, Anonymous & The Painbreakers.

 

 


Mittlerweile läuft der luftige Dub-Ambient-Flow des Doppelalbums „360 business / 360 bypass“ von Pan-American auf meinem Plattenspieler, und ich hole mir ein Fläschchen Sinalco aus dem Keller. Die dritte Episode stammt aus dem Sommer 1993 (?), und ich bin unterwegs in einer Ecke von London, deren Strassennamen ich gerade nicht parat habe. Wieder betrete ich einen „Paper and Pencil“-Shop und sehe eine Frau mit fesselndem Pagenschnitt, die mir auf den ersten Blick anmutig, attraktiv und intelligent erscheint. Ich warte auf einen günstigen Moment, sie in ein Gespräch zu verwickeln, um  sie – idealerweise – zu  meinem „scout“ zu machen, die mir die Strassen von London zeigen soll, wie in dem Song von Ralph McTell. In dem Evergreen geht es viel dunkler zu als manche Nostalgiker denken, ich bin aber auch bereit für die dunklen Ecken von Eastend, wie mein alter Freund, der Protagonist von Ernst Augustins wunderbarem Roman „Eastend“ (das Rot der Ausgabe der Reihe „Suhrkamp Taschenbuch“ leuchtet gerade so „zinnoberisch“ auf wie das Rot des archetypischen Londoner Doppeldeckerbusses).

Ich bin also bereit, das Spiel zu eröffnen, „auf dem Sprung“, da höre ich aus dem hinteren Ladenteil jemanden „Michael“ rufen, und es ist Brian Eno. Wir sind für den Nachmittag verabredet, um uns über „Neroli“ zu unterhalten, und er merkt, dass ich ein, zwei Takte lang „off balance“ bin, fragt mich, ob er mich gerade gestört habe, und ich antworte ihm, mit einem Schmunzeln, ich hätte bloss meine Reiseführerin entdeckt („the travel guide of my dreams“), spiele aber, wohl zurecht, die Tiefe der Anwandlung herunter. Wir machen herzlichen „small talk“, ich kaufe zehn Blätter sandfarbenes Briefpapier, meine „Liebesgeschichte“ hat sich natürlich verflüchtigt, und wenige Stunden später sitzen wir in seinem alten Studio, unweit seines Häuschens in Maida Vale, und Brian erzählt von seiner jüngsten Parfümmischerei, von der technischen Seite seiner zwei Alben mit Harold Budd (ich komme mir vor wie in einem Kapitel aus Robert Pirsigs „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten“), und von einem Orangengarten in Marokko.


Gestern haben meine grossen Ferien begonnen, mit Aufräumarbeiten und Reiseplanungen. Die Fahrt nach Grassau habe ich mit Uschi auf den Herbst verlegt. Die Romane im Gepäck: „Utopia Avenue“ (Zeitreise in die „psychedelische Ära“), und ein schwedischer Kriminalroman der Extraklasse (bin mittendrin), „Was ans Licht kommt“. Morgen  vielleicht „Warten auf Bojangles“ im Kino. Und hier noch zwei TV-Serientipps, bevor ich davonbrause: „In With The Devil“, apple+, und „Indian Summers“, arte mediathek.

 

„I had this idea that—I’m not a religious person, but I do believe that there’s a spirituality to a lot of people and they’re not religious. You don’t have to be religious to be a spiritual person, right? You just don’t have to. There should be an acceptance, or a way of recognizing spirituality without it being overtly religious.

The only prophets worth a shit are the reluctant ones, and so it was that right before he started working on what would become his new album, The Bible, Lambchop’s Kurt Wagner found himself at the proverbial crossroads. Nearing the end of Lambchop’s third decade as a recording artist, Wagner felt musically isolated. He questioned whether continuing to make music even made sense. “I feel weird because I’m going to be 64, dude,” he says on the phone in between drags of a cigarette. “What the fuck am I doing?”“   

 


Mein Schallplattenarchiv ist ein schön (und keineswegs heillos) geordnetes Durcheinander. Ich habe eine gute Stunde darin gestöbert, um meine Seelennahrung für die kommenden Monate zusammenzustellen. Was mir da alles in die Hände fiel: „Tales of Mozambique“ von Count Ossie and The Mystic Revelation of Rastafari“, „360 business / 360 bypass“ von Pan American, „English Settlement“ von XTC, „Dawn Of Midi“ von Dysnomia, „El Corazon“ von Don Cherry und Ed Blackwell, „Everybody‘s Talking“ von  Fred Neil (die Langspielplatte, nicht die Single), „Masterpieces“ von Duke Ellington, „Hybrid“, von Michael Brook (mit Eno und Lanois), „Staircase“ von Keith Jarrett, „Magical Mystery Tour“ von den Beatles (in Mono), „Hitchhiker“ von Neil Young,  „Trios“ und „Tropic Appetites“ von Carla Bley  –  dies und das. (Während dieser Minuten nahm übrigens eine Idee etwas konkretere Gestalt an, für einen eigenen youtube-Kanal, mit der vorläufigen Bezeichnung „The Vinyl Griot Corner“. Dazu werde ich mal Michael Ludwigs aka „Mr. 45RPM“   befragen. Der Mann hat schliesslich Ökonomie und Philosophie studiert, und wird mir (haha!) ein paar Rosinen aus dem Kopf picken.)

 

 

 


Aber ganz zu Beginn des freudigen Wühlens stiess ich gleich auf eines meiner liebsten Alben mit Songs aus dem 21. Jahrhundert, Lambchops „Showtunes“. Und hörte es von vorne bis hinten. Das fraglos experimentellste Werk von Kurt Wagner ist nicht weniger herzergreifend als
 sein erster Klassiker „Is A Woman“ – ein grösseres Kompliment gibt es für solche kühn gestaltete Texturen kaum, die ja nicht auf Ohrwürmer und Jukeboxen zielen.

Gleich entfaltete sich in meinen Hintergedanken die kleine Liste aus der Anteilung „my most stunning, beloved albums with songs from 2000 onwards“, und, was findet sich da, in munter assozierter Reihung, was kommt mir als erstes in den Sinn, neben „Showtunes“, unvollständig sowieso: „Everyday Robots“ von Damon Albarn, „Someday World“ von Eno und Hyde, „The Ship“ von Eno und ohne Hyde, „Another Day On Earth“ von Eno, „Cuckooland“ von Robert Wyatt, „Psychedelic Pill“ von Neil Young with Crazy Horse, „Dream River“ und „Apocalypse“ von Bill Callahan, „Negative Capability“ von Marianne Faithfull, „Pure Comedy“ von Father John  Misty, sowie, ähem, „Mr. M“, „Damaged“, „FLOTUS“, „This Is (What I Wanted To Tell You“), allesamt von Lambchop (ich sollte einem Fanclub gründen),  und,  für spezielle Nächte, „The Drift“ von Scott Walker.

Und nun ist es soweit, der Herbst verkündet neue Liederzyklen von Brian Eno (ausgrechnet auf dem Klassik-Label „Deutsche Grammofon Gesellschaft“, was ich bis vor kurzem für unmöglich gehalten hätte) und – Lambchop. Der Titel „The Bible“ – und geht man von dem ersten zu hörenden „Song“ aus, „Police Dog Blues“, wandelt Kurt weiter auf unerschrocken unausgetretenen Pfaden. Auch da habe ich gleich das Vinyl bestellt, mit einer sehr speziellen Farbe, eventuell gibt es ein weiteres „Zoom“-Interview dazu. Hinzu kommt wohl noch ein allerseltsamstes Klavieralbum (ohne Songs) von Daniel Lanois. Soweit zum munteren Stöbern in der Vinylsammlung, im Gedächtnis (mit all den aufspürbaren Falltüren, doppelten Böden, Überblendungen, Traumstoffen).

 

Lambchop: The Bible, starring:

Jim Anton: Electric Bass
Bells of the Lakes Choir: Lutheran Bells Choir  😂 (oh, my god, a lutheran choir)
Tony Crow: Inspiration  😉 (nice gesture for the old companion)
Chris Bierden: Electric Bass
Andrew Broder: Piano, Arrangements, Programming, Electric Guitar, Synths, Beats, Turntables, Bongos
CJ Carmen Camerieri: Horns and Horn Arrangements
Cole Davis: Upright Bass
Tim Fain: Violin
John Fields: Electric Bass
Madison Hallman: Additional Featured Vocal on “Police Dog Blues”
Bridget Kibbey: Harp
Kim, Kim, and Harmony: Gospel Choir
Derrick Lee: Gospel Choir Direction and Arrangement
Bill Mathis: Bells Choir Direction
Matthew McCaughan: Processing and Arrangement
Blake Morgan: Throat Singing and Background Vocals
Paul Niehaus: Steel Guitar
Alex Nutter: Electric Bass
Jeremy Nutzman; Beats and Programing
Ryan Olson: Arrangements, Editing, Programing, Processing, Beats
Evan Slack: Electric Guitar
Sid Sriram: Additional Featured Vocal on “Little Black Boxes”
Alastair Sung: Cello
Matt Swanson: Electric Bass
Twit One: Beats
Kurt Wagner: Vocal, Processing, Nylon Guitar, Arrangements

Produced by Ryan Olson and Andrew Broder

 

2022 5 Aug

Al Salam

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Muskatnuss und Zimt, Tamarinde und Granatapfel, Kardamom und Nelken, Koriander und Safran. Die Vielfalt der orientalischen und arabischen Küche macht aus einem Abendessen eine wahre Entdeckungsreise für Ihren Gaumen. Was wie der Werbesprech eines Restaurants klingt, ist auch genau das. Seit Jahren meine Nummer 1 in Köln. Und dabei ist meine gewöhnlich favorisierte Küche die indische, noch vor der französischen und italienischen. Aber das Al Salam in Köln ist einmalig. Und sie haben ihre Gerichte über die Jahre verfeinert. Herrlich. Gestern gab‘s bei mir auf dem Teller Hummus bel Lahem Royal für 16,50 € (Gebratenes Weidelamm / Hummus / Tarator / frische Kräuter / Tomaten / Pinienkerne / Mandeln / Undefinierbares / eingelegtes Gemüse) – und als Vorspeise Shourbat Adas für 6,50 € (Arabische Linsensuppe, schlägt sogar meine indische Linsensuppe aus dem Thermomix). Sehr gastfreundlich sind die Leute da sowieso. Einmal vor Jahren bekam ich Okraschoten serviert, und dachte gleich an Can‘s grosses Album „Ege Bamyasi“, und daran, wie ein Freund und ich manchmal Holger Czukay besuchten, in den Neunziger Jahren, fünf Minuten entfernt, in der Lindenstrasse. Da bekamen wir einmal, ein Jahr vor Erscheinen, seine Walfischmusik „serviert“. Holger war der einzige Gast, den ich je nachts live dabei hatte, in den Klanghorizonten. Nach der Produktion der JazzFacts leistete ich mir ein wenig Sentimentalität. Und einen marokkanischen (arabischen?) Mokka, mit Kardamom.

 

 

 


jazz on the verge of falling apart…highly experimental, not relying on well-trodden paths…to start this hour with the latest works of Barre, Ashley  and Moor Mother signals a decent research in unpredictability, and, poetically speaking, an ocean of sound…the book on jazz echoes from the 60‘s is another look at unforeseen changes of parameters in improvised music …and then, steve tibbetts‘ breathtaking anthology, a fine entry for beginners, and deep listening for all… a freewheelin’, floating hour looking for a final chord with a whisper, or a bang…ashley paul and steve tibbetts were kindly asked to participate. erlend apneseth (hardanger fiddle) and the hurdy gurdy man (matthias loibner) join the party, too.

 
 

 
 

 
 

/ 1 / Barre Phillips & Gyorgy Kurtág Jr.: Face à Face (ECM) / 2 / Ashley Paul: I am Fog (bandcamp – digital – cassette) / 3 /  Moor Mother: Jazz Codes / 4 / Feature – Michael Rüsenberg (book review – „Jazz Echos“) / 5 /   Steve Tibbetts: Hellbound Train / 6 / Erlend Apneseth: Nova (Hubro) / 7 / Lucas Niggli  & Matthias Loibner: Still Storm (Intakt Rec.)  

 

3. Mai – 2020

Niebüll bis Sylt – Apr.–Mai 2020 Reise

Nordfriesische Inseln – 25. Jan. 2021

 

 

 

April 2020. Steve Tibbetts has a story with Sylt, too. He was there, a while, after having recorded „Northern Song“. In 1982. When I lived between Grasfilzing, Bergeinöden, and Arnschwang. In the Northern Bavarian Wood. But look and remember: quiet life on Sylt in 2020. Not always quiet though.

Yesterday the longest walk, about 15 miles starting with some industrial noise made by rattling machines (I have no English names for) and construction workers on the seaside of Westerland. Then it went very still, down Rantum beach, to the nowhere land of Hörnum with those „walking dunes“. All prospects of sunny moments replaced by gritty grey in countless shades. Like in one of those merciless, melancholic black and white movies from early Italian neo-realism (but without people).

In between waiting  for audio files from Brian E. (Norfolk) and Steve T. (Minneapolis) – what a special way of spending your time, writing radio shows between the sea and the silence, on a remote island at the most northern point of Germany (tourism just a memory in spring 2020). This is what Steve  wrote:

 

„I’ll improvise into a microphone tomorrow or Friday, send you the results this weekend, and you can be Teo Macero and chop it up any way you want. Like, „Rated X“ where you can hear Teo punching in tracks using the subgroup buttons on the recording console during the mix. (Teo described in the liner notes to the re-issue of „Get Up With It.“). I‘ll try to be intelligent.““

2022 4 Aug

In a silent way

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Hard to believe now, to listen to this inkling and insistently groovy suite, that it was once thought so controversial to jazz listeners. I‘m speaking of Miles Davis‘ 1969 masterpiece „In A Silent Way“, mapping out a new space by stripping away most of the things normally looked at as being essential.

 

There‘s an overall airy feel to the two long pieces that feels weightier and lighter than its single ingrediences. It is a record that pushes the boundaries of studio possibilities, artist-producer relationships, and rock-jazz chasms. All fuelled by modal improvisation, an ambient flair of sounds flying by, and a fine sense of suspense in a zone where nothing much seemed to happen at all.

 

Some days ago, a guy called razorball sent me the 2002-Sacd-Sony-5:1-version of the album, and believe me, that surround experience is something to hold on, too. In my not so humble opinion, nothing, no dead quiet vinyl, no beautifully remastered cd, no stream with highest resolution data, can come close to the 2002 surround version of IASW.

 

Nighttime and velvet candles: When i listened to this Sacd (a collector‘s item that costed me 50 euros), a memory flooded my mind: Peter, Petra, Sylvia and I were sitting on a big couch and leather chairs in an Italian restaurant in Dortmund in 1971 or 1972, and we loved talking musics and books and movies and eating the best and largest pizzas in town and drinking cheap Italian wine. There were only two records running while we were there, Weather Report‘s „Sweetnighter“, and Miles‘ „In A Silent Way“.


I remember the dimmed lights there. Whatever we talked about, more than once we were nearly sumultaneously helding our breath, and just listened, listened, talked a while, and listened again. Peter was drumming on his legs, the girls were 
lovely, the corners dark, the sound warming. We were sweet sixteen, the background music turned to the foreground, and back again. As I said, nothing much happened, and everything (in a silent way).

„Retrato em branco e Preto“ ist eine Komposition von Antonio Carlos Jobim und Chico Buarque, was bedeutet, das Joey sie von allen Manafonisten wohl als einziger kennt. Wenn überhaupt. Diese Interpretation eines brasilianischen Songs eröffnet ein im Herbst 2022 erscheinendes Duo-Album. Produziert im November 2021. Wer die beiden Improvisatoren beim Namen nennt,  und den Titel der CD, die auch  auf 180 g Vinyl rauskommen wird, erhält die Cd innerhalb von 14 Tagen nach Veröffentlichung zugesendet. Bitte bei den „comments“ den Tip abgeben.  Neben zwei Eigenkompositionen und einer freien Improvisation spielen sie Standards, und zwar „The Song Is You“, „Round Midnight“, „I‘m Getting Sentimental Over You“, sowie „Misterioso“. Meine Meinung nach dem ersten Hören: es gibt Alben voller Standards, die virtuos und langweilig sind. Und es gibt solche Alben voller Standards, in denen es sehr persönlich zugeht. Dieses Teil gehört eindeutig zur zweiten Gruppe. Das Virtuose ist hier Begleitphänomen.

2022 31 Jul

Daniel Rossen

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„…wie ein verlorener Songzyklus, als ob sich Robert Wyatt aus der Mitte der 70er Jahre mit John Cale aus Paris 1919 und dem frühen Van Dyke Parks zusammentun würde.“ Was ein amerikanischer Musikjournalist hier so umschreibt, hat mich dazu bewogen, das Vinyl zu bestellen (blindes Vertrauen in den Schreiber in diesem Fall!). Die Rede ist von Daniel Rossens „You Belong There“. Die Robert Wyatt-Referenz kann ich gut heraushören, das Album ist wahrscheinlich ein „grower“. Es fasziniert mich und macht mich zugleich etwas ratlos. Noch. Abwarten. A propos abwarten: zwei Songalben, oder Alben mit Liedern, erwarte ich nun mit grosser Spannung im Herbst 2022, und sie stammen von alten Bekannten. Einmal Eno, und Lambchop. Kurt Wagner scheint seinen radikalen Weg fortzusetzen (sein letztes Soloalbum, das ich in einer Fassung mit 45 Umdrehungen pro Minute auf weissem Vinyl besitze) ist überragend, nicht unmittelbar eingängig, und, sozusagen, Kurts „Manafon“. 

London – Apr. 2014 Reise

 

Lugano – Juni 2014 Reise

 

Zwei Reisen anno 2014. Eine führte mich in Brian Enos Studio, und zum ersten Tag der Aufnahme seines zweiten Albums mit Karl Hyde. Die Improvisation, die sie vor meinen Augen und Ohren spielten, hatten etwas Verwegen-Krautrockendes, eine kühne Variante und Anverwandlung von Embryo-Sphären zur Zeit von  „Steig aus!“ Keine Sekunde davon landete auf „High Life“, obwohl das Stück voller Gänsehautmomente war. Was natürlich auch an meiner exklusiven Zuhörerrolle lag. Damals fotografierte ich das Café, in dem ich den legendären Bob T. Bright traf, der mir Wunderbares erzählte von Lee Hazelwood. Worauf ich meine Stories mit Jonathan Richman beisteuerte.

Die andere Reise führte nach Lugano, wo ich in Manfred Eichers geschätztem RSI Lugano, Zeuge letzter Takes und der Abmischung von Tigran Hamasyans „Atmosphères“ wurde. Wieder fabrizierte mein iPad diese beiden Fotoserien von allein, und auch auf die Untermalung hatte ich keinen Einfluss. Das ist dann ein närrischer Spass für Freunde von ECM und Eno – und als krönender Abschluss hier noch eine Zugabe aus Sylt, diesmal ein kunterbuntes Potpourri, „Sylt im Laufe der Jahre“. Mit einigen bekannten Gesichtern vom legendären Manafonistentreffen. Nur Martina ist nicht zu sehen. Beschwerden werden gerne entgegengenommen und fristgerecht innerhalb von fünf Jahren bearbeitet.

 

Reisen nach Sylt – Im Laufe der Jahre

2022 28 Jul

Robinsonade

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Am Strand Sylt – 30. Apr. 2020

 

Diese Zusammenstellung von Bildern aus meinem denkwürdigen Sylt-Trip im ersten Lockdown hat mein iPad ohne mein Zutun „komponiert“, und auch die Musik selber ausgewählt. Dem Sog dieser Fotos kann ich mich nicht entziehen, nicht mal mit dieser leicht angekitschten Musik. Ich wusste schon damals, dass diese Reise einmalig sein würde, und ich hatte das Glück, mich in diesen ersten dunklen Zeiten tagaus, tagein zu fragen, ob ich träume, oder wach sei – die Basisübung des „lucid dreaming“. Solche Sorglosigkeit ist gemeinhin das Privileg der Naiven, aber die ganze Zeit über hatte ich das Empfinden einer ätherischen Melancholie, und ich erinnerte mich an ein Märchen, das meine Mutter mir als Kind erzählte, von einer Zeit am Meer „in hundert Jahren“, wenn wir alle die Erde verlassen hätten. Skurril auch: eine Woche lang war ich der beste Kunde der „Sansibar“, ich lernte einige Ureinwohner kennen – am besten waren die Begegnungen mit Wildfremden auf verlassenen Parkplätzen, und ich bekam noch die Tage Post vom „Piano-Doktor“ aus Braderup, der mir seine Version von Roger Enos „Through The Blue“ sandte – es wäre der ideale Soundtrack für die kleine Fotoserie.


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