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2018 24 Sep

White Album 50

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Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf die Ausgabe dieses Werkes zum fünfzigsten Jahrestag seines Erscheinens freue! Bei Alben, die mich ein Leben lang begleiten, mag ich auch die „alternate takes“, die einzelnen Etappen der Entstehung eines Songs, die bislang unter Verschluss gebliebenen Studioaufzeichnungen. Ähnlich wie bei Sgt. Pepper erschliesst auf „white album“ jeder Song einen anderen Raum, anders als bei Sgt. Pepper, ist der Sound direkter, roher, weniger ausgefeilt, was die Frage gestattet: wie geht man hier an den Surround-Mix heran? Schon bei Sgt. Pepper war das Vorgehen sehr behutsam, dem Geist der ursprünglichen Aufnahmen geschuldet, „Within You, Without You“ und „A Day In The Life“ waren radikal ausgeschöpfte 5:1-Versionen mit Gänsehaut-Garantie. Aber egal, ob mono, stereo, oder „all around you“, jede Darbiertung weiss ihren ganz eigenen Zauber zu entfachen, und der Sohn von George Martin wird es diesmal genauso gut machen wie zuletzt. Ein Fest.

 

Beobachtet man das Treiben meines Fussballclubs in den letzten Wochen, wird rasch deutlich, dass man zwar des öfteren mit dem Fussballgott im Bunde scheint, denn soviel Spielglück ist sonst nur unter dem Begriff „Bayerndusel“ bekannt, doch das ist dann auch schon das Ende alles Überirdischen. Seit also die Defensive als stabil gilt (was ich für ein vorschnelles Urteil halte), wird der fehlende Spielwitz im offensiven Bereich beklagt. Und das, obwohl man bevorzugt mit Dahoud, Delaney und Witzel in den defensiven Schaltstationen agiert, die den tödlichen Pass angeblich im Programm führen, und eine ideale Rollenverteilung verkörpern von Technik und Kampfkraft. Irgendwie funktioniert das aber nicht mit den Zulieferungen – ob sie Reus heissen, Wolf, Philipp, Pulisic oder Götze, soviel Sand im Getriebe erstaunt, die freien Räume werden nicht entdeckt, die Verzettelung ist unfreiwilliges Programm. Und der Offensive selbst gelingt es kaum, ihr eigenes Feuer zu entfachen im eins-zu-eins, die genialen Momenten haben Seltenheitswert. Diese Saison wird eher kein Knaller, das Glück ist bereits über Gebühren strapaziert. So wird das nichts mit dem Minimalziel Platz 4, oder dem Überwintern in der „Königsklasse“. Bleibt die Hoffnung, dass die Geduld, die Lucien Favre einfordert, dann doch beizeiten jenen sicheren Spielfluss aufs Feld bringst, der den Fussball wieder zum Fest werden lässt. Bis dahin heisst es durchatmen, Tee trinken, und die kommenden drei Spiele abwarten, gegen Nürnberg, in Leverkusen, gegen Monaco. Zu schön wenn mal wieder ein paar Sterne vom Himmel geschossen würden, derzeit werden nur billige Weihnachtskugeln auf früh eröffneten Festmärkten abgeräumt. Kagawa würde ich immer spielen lassen.

 

 

 

 

Das waren insbesondere die Studentenjahre in Würzburg. Nach den bruchbudigen Pferdescheunen der Inselkinos auf ostfriesischen Inseln. Jeden Mittwoch ein Filmereignis im Audi Max, eingeleitet von kundigen Worten eines Filmbesessenen. Werde nie die Magie vergessen, das erste (und bislang nie wiederholte, weil Enttäuschung fürchtende) Sehen von Werner Herzogs „Fata Morgana“. Im City-Kino das begeisterte Versinken in Wim Wenders‘ Road-Movie aus dem Niemandsland der Ostzonengrenze. Später dann sogar ein kleines Filmfestival, in dem meine alte Heimat zu ihrem Recht kam, und ich Typen in der Dortmunder Nordstadt rumlaufen sah, die ich aus „alten Zeiten“ kannte, und mit denen ich, achtzehnjährig, über Platten gesprochen hatte von Soft Machine und Caravan. Im kleinen Würzburger Café an der Mensa, morgens, das Ritual, nach dem Sportteil der SZ sofort das Feuilleton aufzuschlagen, nicht zuletzt  auf der Suche nach Filmbesprechungen von Kritikern, die rasch lebendig wurden, in ihrem jeweils unnachahmlichen Stil, meine Neugier zu wecken. Vor allem Hans-Günther Pflaum, auch Peter Buchka. Später dann nahm ein gewisser Michael Althen ihren Platz ein, ein Kinosesselverwandter besonderer Art. Nicht fixiert auf das sofort in hehre Kunst Verwandelte, liess er sich treiben von Neugier, die nie an Genregrenzen festhielt, und mir sogar einmal einen besonderen Horrorfilm bescherte, der mal nicht „Rosemarys Baby“ hiess. Dann, später, musste ich schmunzeln, als er beschrieb, wie er einer meiner Lieblingsschauspielerinnen der Marke „hinreissend schön, und natürlich geheimnisvoll“ begegnete, auf einem Filmfest: Jahre zuvor hatte er sie einmal befragt, in einem dieser Interview-Staccati mit zwanzig Minuten Gesprächszeit. Und da schälte sie sich aus der Menge, und er war total verwundert, wie sie auf ihn zusteuerte, ihn herzlichst begrüsste und in ein Gespräch verwickelte, als wären sie alte Freunde. Zuweilen wird das Leben selbst zum Film. Nun ist Michael Althen schon länger nicht mehr unter uns, und es gibt einen Preis, der nach ihm benannt ist. Ein manafonistischer Text von Martina ist in die enge Wahl gekommen, und er ist so gut, dass er den Preis verdient hätte (wie die anderen Neun natürlich auch). „Gott ist ein Buch aus Sand“ ist der Titel ihres Beitrages, hier platziert zur Weihnachtszeit 2017. Und der Name der Schauspielerin ist Jacqueline Bisset, ich sah sie vor Wochen, daheim in meinem „electric cinema“, als Geliebte von Steve McQueen in dem Klassiker „Bulitt“. Dem mit der berühmten Autoverfolungsjagd. und der Musik von Lalo Schifrin, jüngst bei Speaker‘s Corner in einer exzellenten Vinylfassung neu herausgebracht.

 

In den unerschöpflichen 1970er Jahren, in denen so unterschiedliche Künstler wie Keith Jarrett, Brian Eno und Joni Mitchell Meisterwerke in extrem dichter Abfolge ablieferten, und mit ganz a n d e r e n Klängen  voller Unerhörtheiten den Abschied von einem spektakulären Jahrzehnt im allgemeinen, und von den Beatles auf einem Londoner Hochhaus im besonderen, verschmerzen liessen, passierte ja sowieso unendlich viel, und die zwei Alben, die der radikale Freigeist aus der Gilde der Kontrabassisten, Barre Phillips, damals im Geist der „Fusion-Ära“ fabrizierte, strahlen heute noch unermüdlichen Glanz aus.

„Mountainscapes“ (1976 – auf einigen Stücken wirkte John Abercrombie mit), und „Three Day Moon“ (1978) folgten keinem Formular und keiner modischen Marschroute. Und belegten ausserdem, dass das Ungezähmte genauso zum Label ECM zählte wie der werbestrategisch wirksame Spruch vom „schönsten Klang neben der Stille“. Ich trug meinen kleinen Teil zum Erfolg der Münchner Firma  bei, und kaufte mir nahezu jede Neuerscheinung. Ich weiss noch, wie in einer Ausgabe der „Zeit“ Manfred Sack ein Loblied schrieb auf „Mountainscapes“, und ich sofort bei „Jazz By Post“ vorstellig wurde. 

 
 
 


 
 
 

Wenn man von den Pionieren jener „Jazz-Rock“-Zeiten spricht, fallen stets die gleichen Namen.  Wer  die schnellen Schlagzeilen und übliche Schubladen ausser Acht lässt, dem kommen reihenweise Namen in den Sinn, die ihren Beitrag zur neuen Wildheit lieferten, jenseits der alsbald in diesem Feld aus „Crossover“ und „Crossunder“ auch beheimateten Biedermänner. Spyro Gyra – urrgh! Wie gerne verschwendete ich, im besten Sinne, Stunden um Stunden  mit diesen beiden fantastischen Alben von Barre Phillips. 

Auf „Three Day Moon“ war Terje Rypdal mit von der Partie, auch ein gewisser Trilok Gurtu, und der kaum einem Leser bekannte Synthesizerspieler Dieter Feichtner (ein Österreicher, der 1999 in Salzburg starb), mit seinem einzigen, doch faszinierenden, Auftritt bei einer Produktion aus dem Hause Eicher. Kann ich genau sagen, was diese Werke in mir anrichteten, ich kann es nicht. Ganz lapidar taten sich Horizonte auf, eine Unverbrüchlichkeit reinen Gewahrseins, und wer immer behauptet, in die Jahre gekommen, man habe damals die Jugend zu schnell vorüberziehen, entgleiten lassen und so weiter – ich trete nicht dem Chor alter trügerischer Weisheiten bei: ich war damals und später in jeder Sekunde voll da, wenn diese zwei Schallpatten ihre gar nicht so einsamen Runden drehten auf meinem zweiten und dritten  und vierten Plattenspieler, in Würzburg, Gerbrunn, Bergeinöden, Daun und Dortmund. Alles weitere hören Sie besser selbst.

 
 

(das hier ist die Rohfassung jener Zeitreise und vierten Stunde in der Radionacht Klanghorizonte vom 20. Oktober, in der neben diesen Klassikern auch die neue Reissue „Spiritual Eternal“ (1975-1977) von Alice Coltrane vorgestellt wird. Barre Phillips‘ Soloalbum „End To End“ ist jüngst bei ECM erschienen.)

 

 

 
 
 
 

Es war ein warmer Sommertag, und da der grösste Buchladen Dortmunds in einer Passage lag, war es vormittags noch recht kühl. Ich wunderte mich, dass Gregor in der Thrillerecke ganz versunken auf einem Hocker sass, und zwischendurch laut lachte. Er hatte zwei Kapitel aus einem Krimi von Dick Francis gelesen: ein bekannter Jockey aus England hatte eine Detektei aufgemacht, und den Auftrag bekommen, in der Türkei einen Dopingskandal aufzudecken. In speziellen Glasröhrchen wurden über den Orientexpress von unauffälligen Geschäftsleuten beträchtliche Mengen dieses Mittels geschmuggelt, das beim Menschen koksähnliche Wirkungen hervorrufe. Jetzt fehlt nur noch, lachte er, ein sprechendes Pferd.

Tatsächlich gibt es diesen Roman nicht (ist ja auch kompletter Blödsinn), nur den Traumtext, den ich vor einem halben Jahr in meinem Traumtagebuch festhielt. Nun haben wir uns gestern telefonisch auf ein neues paralleles „reading adventure“ geeinigt. Ich wählte dazu zwei Dick Francis-Romane aus (s. Abbildungen), von denen ich nach ein wenig Internet-Recherche hoffen konnte, dass sie zu seinen richtig guten zählen könnten. Ich musste zudem darauf achten, dass „mein Francis“ nicht schon zu den ca. zwölf Romanen gehört, die ich von ihm gelesen habe.

Wer Dick Francis nicht kennt, zögert mit der ersten Lektüre, weil sie sich meistens im Pferderennsportmilieu bewegen. Wer dann damit anfängt, wird meist eine verdammt gute Zeit mit ihnen verbringen. Ich kenne den Briten ganz gut, schätze ihn (und seine im Hintergrund wohl diskret mitwirkende Frau), aber das ist alles lange her. Meinen letzten Francis las ich vor langer Zeit. Nun lesen wir in Kürze parallel, Gregor „Reflex“ und ich „Verrechnet“. Dann beantwortet jeder von uns zehn identisch lautende Fragen zu den beiden Kriminalromanen. Wer noch mitmachen möchte, muss sich einen Dick Francis eigener Wahl (als Diogenes Taschenbuch) besorgen, und wird dann den gleichen Anschlussfragen begegnen. Aber Eile ist geboten. Die Lektüre beginnt Ende nächster Woche. Und in den ersten fünfzehn Oktobertagen wird „The Dick Francis Experience“ zur hoffentlich allgemeinen Freude zu begutachten sein.

 

 

 
 
 

Few things are certain in life. Birth, death, your favourite football team will let you down at some point, etc, etc.  Oh, and the fact that when Mr Reliable releases an album, you’re guaranteed a piece of class.“ In regards to 13 Rivers at least, I think, the writer is right. Of course, Richard Thompson is a living legend, remember his days with the folk-rock pioneers of Fairport Convention, his duo albums with former partner of ancient times, Linda, and, well, his compassion for music, documented on many, many solo albums.

 

But somehow I lost track of him. Even the classic Liege a Leaf that had blown me as a teenager with its raw and romantic landscapes (the long far away and gone) later sounded strangely dated, like a spell losing its magic. I had my hours with the likes of Fairport Convention, Pentangle, and even the more trad-oriented Steeleye Span. But, then, the times are gonna, yes, you know. So, this is no statement of a merciless critic, just an observation of changing listening habits.

 

Then again, I was kind of surprised when his new work, 13 Rivers caught me on the right ear (if this phrase makes any sense), and I liked the songs of a power trio (el-g, b, dr) plus second electric guitar. From start to end. Rather dark stuff, self-produced in ten days. The songs, haha, even surprised the man himself. Didn‘t know, btw, he‘s a muslim, till I recently read an interview. Interesting.

 

So, I even didn‘t care much when his voice on the first track sounded very much like Nick Cave. Old man going wild, with some surprising nods to his Fairport days. Reason enough to travel back soon to my first record collection (all in the basement, the back of my mind) where Liege a Leaf found itself in good neighorhood, with Aftermath, Atom Heart Mother, The Beatles – and the first Caravan album.

 

 

 

 

„I also admit to be utterly terrified of this book. After finishing it, I returned it back to the library along with a few other horror reads (or anything that involved dead people) I had planned for the month. I don’t think I can stomach any more dark reads for the month. I need a happy book now! Reading this book also made me want to keep a diary so that if I ever disappear, people will know what’s up–hopefully.“

(Rachel Fulman, on „People Who Eat Darkness“)

 

 

Let’s be straight about the true mysteries of the universe: what is the nature of time? What are the origins of life? Is there life on other worlds? And a bit more significant for us humans: is there life after death? Another mystery we may never solve is the mystery of other people. This is the underlying subject of all fiction, crime and mystery included: Who are you, who the fuck am I?

 

This is a short excursion into some of the most wonderful, heartwarming (and, to be honest, disturbing) books I‘ve read in my life and times, and for the most part they have been crime novels, thrillers. Fjodor Dostojevski, Mark Twain and the greatest book of all time, „Don Quichote“ (surely not the bible!), set the bar high. And I‘m very grateful for the  younger me teaching me a central lesson: only stay with a book, if it‘s turns you upside down, leaves you stunned and speechless. Rollercoaster time, guys, and, well, time to think twice!

 

 

My introduction into the world of crime and thrill (when I was younger, so much younger than today): die Sherlock Holmes- Stories von Arthur Conan Doyle, herrliche kleine Taschenbücher aus dem Heyne-Verlag (das dort betriebene messerscharfe Schlussfolgern und Ableiten, als deduktives Denken bekannt, erfordert, das ist der Clou, stets auch einen gehörigen Schuss Phantastik – wenn das Denken in gewitzte Stories gepackt wird, ist die philosophische Lektion Begleitphänomen)

 

The best crime novel I‘ve read in 2018 (so far): Keigo Higashino – Unter der Mitternachtssonne (so geht Sog, das Unsichtbare, die flüchtigen Ahnungen, spielen mit, das Bedrohliche lauert im Hintergrund, und alles Dunkle zieht seine Kreise über zwei Jahrzehnte hinweg – wie Menschen sich hier verflüchtigen  und aus den Schatten auftauchen, in einem endlosen Reigen, das ist grosse Literatur)

 

The best detective mystery story I came across in recent years: Francesco Dimitri – The Book Of Hidden Things (und das ist so verdammt gut erzählt, und eben auch ein Genremix der besonderen Art. Vier Freunde, und dann läuft alles aus dem Ruder.)

 

 

 

 

Two  modern classics: Don Winslow – Tage der Toten / Lou Berney – The Long And Far Away Gone (der eine ist schon ein Klassiker, der andere unfasslicherweise noch von keinem deutschen Verlag entdeckt)

 

A classic of the days of old: I think I read it, along time ago, on a holiday on the island of Borkum, Eugene Sue und „Die Geheimnisse von Paris“, einst ein Fortsetzungsroman im alten Frankreich, und nicht minder fesselnd (zumindest für Jugendliche) wie die Kriminalromane von Wilkie Collins. 

 

The most thrilling crime story ever (and maybe the first): Edgar Allen Poe – Der Doppelmord in der Rue Morgue (habe ich mit ca. 17 Jahren gelesen, und diese Geschichte vergisst man sein Leben lang nicht).

 

Five of the best Dick Francis crime novels from the man with the horses:  Reflex / Risiko / Handikap / Zuschlag / Verrechnet (mehr oder weniger hat seine Frau an den meisten Romanen mitgewirkt, man traute sich wohl nicht, sie als Autorengespann zu vermarkten.) Stilistisch ungeheuer versiert,  verfügen Mr. und Mrs. Francis über originelle Plots. Old-fashioned in the best way.

 

The best crime novel I know about a small town falling apart (by the way, written by a master of lyrics): Stephen Dobyns: Das Fest der Schlangen (sicher auch ein literarisches Meisterwerk) //  And A wonderful crime novel full of surreal humour –  and strange as strange can be: Stephen Dobyns: If Fat Bob Dead Yet? Hervorragend übersetzt. 

 

The best crime novel that is a Western: Charles Portis – True Grit (zweimal sehr ansprechend verfilmt) // The second best crime novel that is a Western: Cormack McCarthy: All die schönen Pferde  // The third  best crime novel that is a Western: C.J. Box – The Disappeared //  The fourth best crime novel that is a Western: Joe R. Lansdale – The Thicket (Das Dickicht)

 

A great introduction to the epic world of James Lee Burke: Regengötter & Glut und Asche / Fremdes Land, & und ein Dave Robicheaux-Roman nach freier Wahl, eine Empfehlung „Sturm über New Orleans“ //  And, for a closure that might be even more haunting, here are two of the most impressive „true crime books“ I ever found myself „trapped in“: Richard Parry‘s „People Who Eat Darkness“, and Truman Capote‘s „In Cold Blood“ („Kaltblütig“) 

 

Das bislang beste Album des Jahres 2018 kommt aus den ersten Septembertagen des Jahres 1973 und heisst „Roxy“. Kurze Zeit nach der Aufnahme des Klassikers „Tonight‘s The Night“ wird das dunkle Material live dargeboten, unendlich inspiriert, und mit einem Neil Young in durchaus humorvoller Stimmung. Die Schwärze der Songs dringt dennoch durch, diese Lieder waren von Anfang an Rohfassungen, und blieben Rohfassungen, auch wenn sie früh schon ins Rollen und Rocken kamen.

 

Das Foto einer Favoritin auf der Zeitreise in die Lyrik der 1970er Jahre. Gut, dass ich nicht der Lover aus einem ihrer Texte war, der mit dem „ausgeleierten Arsch“. Als ich ihren ersten Gedichtband las (in dem einzigen Jahrzehnt, in dem ich mich brennend für Gedichte interessierte), lief bei mir „801 Live“ auf dem Plattenteller. Im „Zündfunk“ war es das Album der Woche. Hätte ich einfach mal begriffen, dass die 1970er Jahre kein Ende kannten, wäre ich immer noch dort unterwegs.

 
 
 

 
 
 

Ein anscheinend hinreissendes Album, das ich nicht kenne, stammt von Milton Nascimento und Lô Borges, „Clubo Da Esquina“. März 1972. „Casual and inspired, studied and spontaneous, the album is Pet Sounds, Innervisions and The White Album all rolled into one and it remains beloved even for those who know just a few Brazilian albums.“ Naja. Grosse Worte, gelassen ausgesprochen, in einer vor Tagen gelesenen, langen Pitchfork-Besprechung. Drei Stücke auf youtube wecken meine Neugier, wegen des Patchworks, des Gesangs, und der starken Melodien. Da verkrafte ich auch eine elektrische Gitarrennummer aus der Mottenkiste. 

2018 4 Sep

Der LSD-Experte

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Abends. Ich bin so groggy, aber angenehm groggy. Ich weiss gar nicht, woher dieses Beschreibungswort stammt, aber es war schon in der alten BRD in Gebrauch, vor der grossen Lust an anglisiertem Deutsch. Meine kleine Wanderung zwischen Sansibar und Seepferdchen unterbrach ich hin und wieder, in dem ich mich lustvoll in den weichen Sand fallen, in der FKK-Zone die Hüllen fallen liess, und ins Wasser sprang. Mit weisser Vaseline war der Wattebausch getränkt, und so mein kleines Loch im Trommelfell abgedichtet. Das zeitweise Empfinden vollkommenen Lebendigseins. Zum zweiten Mal lese ich, haarklein, mit vielen Pausen fürs Unbewusste, Absatz für Absatz, und sinnenfroh, Michael Pollans Buch über die alte und junge Erforschung von Psylocybin und LSD. Dieses Buch fasziniert mich total, weil es von einem kritischen Rationalisten geschrieben wurde, der in seinen Interviews mit teils kauzigen, teils tiefernsten Wissenschaftlern – und in seinen Drogenreisen – sein angestammtes Weltbild einem Radikaltest unterzieht. Vor meinem Zimmer steht ein Strandkorb, vor dem Strandkorb steht ein Tisch mit einer kleinen Box. „This precious time  / This passing time / This joyful time / This desperate time / This crucial, lonely, hopeful, helpless, impossible, precious time …“ Ich höre Aby Vulliamy. Ein High folgt dem nächsten. Das Plündern der Mini-Bar. Bin ich schön müde!

 


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