Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Die Titel von „Discourses“ sind von programmatischer Strenge – the certainties, the suspension, the polarities usw. – und weisen,  Jon Balke zufolge, auf eine immer mehr aus den Fugen geratene politische Rhetorik der Ausgrenzung und  Unversöhnlichkeit. Tatsächlich haben die manchmal zögerlichen, eruptiven, Stille überspielenden Intonationen der menschlichen Sprache spezielle Rhythmisierungen  des Klavierspiels mit auf den Weg gebracht. Dabei sind diese, von allerlei Geräusch angereicherten, sich gleichsam „angreifbar“ machenden, Pianoklänge von jeder epischen Ausschmückung befreit. Dennoch erzeugen all diese prägnanten Stücke, wundersam paradox, einen verblüffend eleganten, kohärenten Spielfluss. 

 

 
 

 
 

 



Facing You is one of the most important recordings in contemporary jazz for several reasons, aside from being beautifully conceived and executed by pianist Keith Jarrett. It is a hallmark recording of solo piano in any discipline, a signature piece in the early ECM label discography, a distinct departure from mainstream jazz, a breakthrough for Jarrett, and a studio prelude for his most famous solo project to follow, The Köln Concert. Often meditative, richly melodic, inventive, and introspective beyond compare, Jarrett expresses his soul in tailored tones that set standards for not only this kind of jazz, but music that would serve him and his fans in good stead onward. In this program of all originals, which sound spontaneously improvised with certain pretexts and motifs as springboards, the rhapsodic „Ritooria,“ 4/4 love/spirit song „Lalene,“ and song for family and life „My Lady; My Child“ firmly establish Jarrett’s heartfelt and thoughtful approach. „Vapallia“ cements the thematic, seemingly effortless, lighter — but never tame — aesthetic. „Starbright“ is an easy-paced two-step tune signifying fully Jarrett’s personalized stance. Straddling a more jagged, angular, and free edge, the pianist evokes the influence of Paul Bley during „Semblence“ (sic). But it is the opening selection, an extended ten-minute opus titled „In Front,“ that truly showcases Jarrett at his playful best — a timeless, modal, direct, and bright delight. A remarkable effort that reveals more and more with each listen, this recording has stood the test of time, and is unquestionably a Top Three recording in Keith Jarrett’s long and storied career.

Michael G. Nastos, allmusic

 

2020 1 Jul

Simple Twists

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the loss of light in less sleep, feeding minutes

after rain‘s landing, counting sheep vanishing with

the half-serious question for the bakery‘s opening,

and a song from Liege & Lief , low in the ear, a reliable,

not so reliable call for dreaming the highlands,

last notes hanging, painting clouds, simple twists.

 

 
 

It all begins with „empty streets“, literally, cause that‘s the title of the opening track. Lascelle Gordon plays drums, percussion, electronics, combining, dissecting all the shining bits from the outer districts of real and imaginary cities. Melting pot music, wonderful in its ways to make you feel lost and strangely attracted at the same time. In some of its faraway places there is an impressionistic flair, not unlike Jon Hassell‘s latest album. A different way of haunting and playing tricks with your mind is at work here though: the sounds come from so many sources that every attempt to create a reliable map will lead you to nowhere land „where the streets have no names“. Luckily that awful song has no chance to get its jukebox sample appearance here. Peter Jones says that some piano playing reminds him of Robert Wyatt. Get your point, but old Robert’s voice murmuring some sweet nothings between foggy soprano sax lines, that would be the real  revelation – I can imagine it all too well. The whole album is so crammed full of strange exits, found voices, synthetic breathing, grooves you may call groovy and red district sensualism that it makes you wonder from time to timelessness what the fuck is really going on. Fuck knows. But it‘s a marvel. And it is definitely not a dream  that 72-year young British vocalist Maggie Nichols is stealing the show from some of the younger ladies who occasionally walk a thin line between old time „Smooth Operator“ vibrations, and an admittedly soulful blow job overture. No offense. A merry-go-round of sorts. There are deep layers here, echoes of  cosmic jazz, rock and old new wave (Lascelle likes A Certain Ratio), funk, dub, electronica and found sounds. In interviews, Gordon has cited James Brown, Can, Herbie Hancock, Weather Report, the Art Ensemble of Chicago and the ECM catalogue. (Well, Lascelle, where’s the ECM catalogue here?!) Another minor quibble: the ending comes all too sudden and would work better with some looped infiltration from the „Heavenly Music Corporation Inc.“ by the likes of Fripp & Eno. Nevertheless: kudos to a sophistcated mesh-up of British jazz-psychedelia! Great music for indoor sports at nighttime.

 
– written by M. Engelbrecht (most of it) and P. Jones (a little bit of it)

 

 

 

Discourses ist das dritte Pianosoloalbum von Jon Balke, das einmal mehr Manfred Eicher produziert hat. Zum Klang des Flügels gesellen sich des öfteren manch fremdartige, sorgsam ausgewählte Sounds. Der Klavierklang verliert seine reine Autonomie. Mit all den auf Prägnanz zielenden Kompositionen – nichts ufert aus oder verliert sich in einem poetischen Nirvana – geht erstaunliche Luftigkeit daher. Das Album fesselt vom ersten Ton an. Alle Magie hat ihre ganz alltäglichen Begleitphänomene. Solche Geschichten gefallen mir immer wieder.

 

„Es gab viele spezielle Situationen im Studio in Lugano, die meisten drehten sich um die Arbeit – intensives Hören, kurze Kommentare. Stille. Die Sache ist die, dass das Aufgehen in der Musik und die Konzentration enorm sind. Aber das erste, was mir in Erinnerung kommt, ist, dass ich Manfred eine Menge Schweizer Münzen schulde. Nach der Landung, oder auch früh morgens, ging ich stets gleich ins Studio, ich bekam es nie hin, mein Geld zu tauschen. Und jedesmal, wenn wir eine Kaffeepause machten, nahe den Toiletten, ausserhab des Studios, ist der Raum mit all den Kaffeemaschinen, hatte ich nie passende Münzen. Ein ums andere Mal öffnete Manfred seine Geldbörse und besorgte mir den Kaffee. Das passierte wieder und wieder, und mit der Zeit machte es mich doch etwas verlegen. Also schulde ich ihm tatsächlich eine Menge Kaffee. Wir hatten so viele gute Gespräche dort, während wir an den hohen Tischen standen und unseren Kaffee tranken, aus kleinen Plastikbechern.“

Dank Rosato gibt es jetzt („for the happy few“) die gekürzte und m. E. bessere Version der „Syltstunde“. Sie beginnt, wie sie beginnt, und endet mit Leonard Cohens Vortrag von „The Goal“. Mit dieser ganzen Inselgeschichte hat es noch etwas anderes auf sich. Natürlich stehe ich für eine persönliche Art des Radiomachens, nichts finde ich so schwer erträglich wie eine stereotype Dauerheiterkeit des Tonfalls. Oder chronische Seriosität (in cultural matters), Aber wie geht man so eine Darstellung einer nordfriesischen Insel im Lockdown an?

Mir war schnell klar, dass es hier sehr persönlich werden muss (im Sinne der schwankenden Aggregatzustände, in denen sich ein Ich im Laufe von Tagen und Nächten bewegt), denn ich hatte wenig Lust, den geläufigen Diskurs dieser Tage mit ein wenig Inselkolorit aufzubrezeln. Für mich ging es beim Zusammenstellen der Episoden (und der Musikstücke) darum, Gegensätze auszuloten: zum Beispiel: selige Vorfreude vs. Unheimlichkeit. Das seltsame Umschlagen von Gefühlen in Einsamkeitszonen. Plötzliche Euphorie. Kindheitserinnerungen vs. horror vacui. Die Natur Natur sein lassen. Da greift zu leicht der beschauliche Zugang, der idyllische Ton, und genau den wollte ich unterlaufen mit manchen Klängen (speziell vom Bersarin Quartet, und Kraftwerk („Mitternacht“ stammt aus „Autobahn“ und ist absolut nostalgieresistent).

Ich wollte nun auch keine Schauergeschichten erzählen, obwohl der Regen des öfteren ein willkommener Begleiter war. Dafür sorgen wohl eine gute Prise Humor und Selbstironie. Hätte ich das Archiv der „Dying Sounds Of Sylt“ ausfindig gemacht, würde ich sogar jetzt noch dem Sender eine ausgefeilte „Hörspiel-Version“ vorschlagen. Und Ulrike Haage um zwei, drei Klangskizzen gebeten. Ein Dutzend Stories blieben unerzählt. Als ich das falsche Stück von Yo La Tengo (nach Leonard Cohen) spielte, überlegte ich, wie ich diesen Fehler nutzen könnte, und mir fiel nur Schweigen ein – und eine gewisse Leere des Raumes: auch das letzte japanische Klavierstück hat nichts Anheimelndes. Passt schon.

Das Unvollkommene einer Live-Situation fordert manch schnelle Entscheidung heraus. Einiges ist nicht zurückzunehmen. Zum Beispiel, dem biologischen Tief um vier Uhr nachts geschuldet: trinke nie Blubberwasser, wenn du gleich vorhast, fünf Minuten am Stück zu erzählen! Ich schweife ab.

Wäre nicht das melancholische Schlaflied von Yo La Tengo gelaufen (von ihrer ansonsten traumhaften Platte „And then nothing turned itself inside-out“), es hätte noch eine finale Story gegeben, wahrscheinlich sogar zwei: in der einen wäre Richard Brautigan vorgekommen, und seine Schilderung von „Halloween am Meer“, in der anderen hätte ich eine Brücke geschlagen von melancholischen Schwingungen des kleinen Meisterwerks „Absolute Giganten“ (der Film ist auf BluRay und DVD erhältlich), mit der betörenden Filmmusik von The Notwist, zu einer Morgendämmerung an der Küste hinter der „Sansibar“. Momente ohne falsche Erhabenheit. Es wäre da auch eine andere Musik gelaufen, und an der richtigen Stelle wäre eine Schallplatte zweimal, dreimal gesprungen. Und jeder hätte gewusst warum.

 

NEULAND I (with excerpts from interviews with Ulrike Haage & Jon Balke) Simon Fisher Turner & Edmund De Waal: A Quiet Corner In Time / Cyrillus Kreek – Vox Clamantis & Jaan-Eik Tulve: The Suspended Harp of Babel / Jon Balke: Discourses / Sophie Tassignon: Mysteries Unfold (thanks to Ingo) / Ulrike Haage: Himmelsbaum / Sonar & David Torn: Tranceportation Vol. 2

 

„Ryuichi Sakamoto was one of the last pieces of the puzzle. I‘m trying ro remember how exactly I asked him if he‘d care to join us in spirit … it was through my friend in Kyoto, Shiro Takatani and his wife Yoko. A conversation maybe. I proposed we exchanged sounds of both our recordings of porcelain, and I found a way for him to beautifully put a full stop on the end of each side of the vinyl. Edmund also knows the master artist in Kyoto who Sakamoto recorded. It‘s a perfect circle. You couldn‘t have written a more perfect tale.“

(Simon Fisher Turner)

 

NEULAND II: Tony Allen & Hugh Masekela: Rejoice / Die Wilde Jagd: Haut (thanks to Hans Rollmann) / Neil Young: Homegrown / Benjamin Moussay: Promontoire / Lucinda Williams: Good Souls Better Angels / Bob Dylan: Rough And Rowdy Ways / Einstürzende Neubauten: Alles In Allem (2 tracks) / Roger Eno & Brian Eno: Mixing Colours

 

Musically, Lucinda’s Good Souls is a world away from the expansive The Ghosts Of Highway 20, a sprawling, murky, late-career peak which recalls Neil Young’s underrated and equally defeated Sleeps With Angels. Where the atmospheric Ghosts sounded like it had been plucked from the ether, Souls sounds dug up from the dirt – twelve shitkicking jams which veer from righteous to resigned.“ 

(Alex Wisgard)

 

CLOSE-UP: „DIE ETWAS ANDERE KLAVIERSTUNDE / A SLIGHTLY DIFFERENT PIANO LESSON“ – Jon Balke (again) / Franz Schubert (Andras Schiff) / Max de Wardener (thanks to Uli) / Ian William Craig  / a Keith Jarrett  „nocturne“ moment for his 75th birthday /  Harold Budd & Brian Eno / Anna Gourari / Ulrike Haage (again) / Peter Broderick plays Cage

 

Full of utterly bare songs centred on the piano and voice, Red Sun Through Smoke cuts deep into the random nature of life. Love and loss grow entangled as the lifeline to a subject with nowhere to run or hide, nor to succumb to the comfort of stories to ease the burden and soothe the confusion. It’s a full acceptance of life’s random power, embracing human finitude and vulnerability, that gives the greatest strength and depth to one of Craig’s most mature works from a long trajectory of quiet artistic excellence. What on previous recordings was buried underneath thick layers upon layers of uncanny noise, now emerges unashamedly as a sentimental and metaphysically alone human being at the very intersection of the sublime and the material, the artist at his most humanly exposed. Craig’s advanced aesthetics of decay employ the volatility of tape decks and the fragility of analogue technology. The media’s vulnerability to loss becomes a metaphor for frail humanity, transcribing it into sound with palpable intimacy …“

(Danijela Bočev, The Quietus)

 

ZEITREISE 1: „DIE ENTLEGENEN  UND POPULÄREN RÄUME VON SYLT IM LOCKDOWN / THE DESOLATE AND THE POPULAR SPACES OF SYLT IN LOCKDOWN“ – Yumiko Marioka, Bensarin Quartet, Kraftwerk, The Mamas & The Papas, „The dying sounds of Sylt“ (thanks to „The Source“), The Kinks, Hans Joachim Roedelius, „The Westerland dawn chorus“ (thanks to Rosato‘s remix), Dave Holland, „another green world“ in the background, Boards of Canada from „The Campfire Headphase“, a short apearance of the windharp from „Dis“, Leonard Cohen, Yo La Tengo (by mistake, the wrong track instead of the groove piece from Yo la Tengo, but I let it happen:)), and a Japanese piano „outro“ by Satoshi Ashikawa (thus, the Japanese framing of  the hour was a nod towards the Lucillle Carra documentary „The Inland Sea“ I talked about and that has been beautifully reissued by Criterion – there will be a special remix of the Sylt hour that lets it all end after the last note of the Cohen song / poem. Good option.

 

„There is a memorable closing summary of Nick Drake’s music in Rob Young’s book, Electric Eden, one that can’t be read without a considerable swell of emotion. Young sees Drake’s work as something that engenders a beatific state: “if we all abandoned the calendar of industry, fashion and routine, slowed down to the magical time, stepped far beyond the chine of a city clock, took more time to hear what the trees whisper, what the sea sings and the moon brings, dusted by oak, ash and thorn, we might yet be granted a glimpse of Paradise.” Frankly you could say the same about Roedelius’s music on Tape Archive Essence.“ – btw: Rob Young will make  a public talk with Irmin Schmidt at the next Punktfestival in early september (m.e.)

 

ZEITREISE 2: Fela Kuti and Africa 70: Afrodisiac  / Lee Perry with Seskain Molenga and Kalo Kawongolo / Culture: Two Sevens Clash / Edikanfo: The Pace Setter

 

Brian Eno – Thoughts on Fela

 

ZEITREISE 3: Eric Malmberg (thanks to Der Interaktionist)

 

(Journey’s end: E. Malmberg eschews familiar organ clichés (there’s not a single soul flourish in sight), opting instead for an almost classical-pop style that’s pretense-free, I might add. And, though the deep sonic richness of the organ spans centuries, there’s a modern dimension to the recording too; the ascending and descending whorls haunting the background of “Människan och evigheten” could be taken for a Kraftwerk nod. Häpna describes Den gåtfulla människan as “a highly personal record (and) a travel into the human psyche” and, while I’ve no doubt that that’s true, what’ll stay with you longest are the album’s timelessly simple yet melancholy melodies.”)

2020 16 Jun

Planspiele

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Samstag. 4.55 bis 5.00 Uhr in der Nacht. Man kann es so anlegen, das Ende, wie es Dirk von Lowtzow gemacht hat, ein Satz wie ein Mantra, nichts Heiliges, aber Durchschlagskraft, im Abspann von „Absolute Giganten“, und es hatte schon einen besonderen Dreh, als ich in einer Wiener Zeitschrift von dieser Querverbindung las, schön weit hergeholt, zwischen den ersten Tönen von Owen Palletts „Island“ und einem nicht minder lang ausgedehnten Sound des finalen Songs eines alten Lieblingsfilms. Also, die letzten Tage waren ja nicht so lustig, und die lange Nacht hat nichts Vorproduziertes, aber idealerweise sollte es den zweiten Abspann geben, nach dem Zeitlupenabgrund von Cohen. Und das wäre dann die neunte Geschichte, ihr Titel wäre, mit einem Schmunzeln, „Cloud No. 9“, und stammte, zumindest das im Kreis tanzende Instrumentalstück, aus den gesammelten Nachtliedern des besten Albums von Yo La Tengo.

 


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