Manafonistas

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2019 3 Mai

The Jazz Hour

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1  Theon Cross: Fyah  //   2  Chris Potter: Circuits

KARL LIPPEGAUS – On Vincent Courtois, his violas, and a famous recording studio in the south of France 

3  Areni Agbabian: Bloom (one of our albums of the month, see review)   //   4  Daniel Herskedal: Voyage

KARSTEN MÜTZELFELDT on Vossa Jazz Festival (46th edition) & Jazzahead, Bremen

5  Michele Rabbia – Gianluca Petrella – Eivind Aarset: Lost River, two tracks (VÖ: 30.5.2019!!)  //  6 Kendrick Scott: A Wall Becomes A Bridge    

 

 

 

 

„References were never a topic, but for me personally I have spent so much time listening to the stuff you mentioned, (except AMM, which are not so familiar territory for me.) 70´s Miles Davis, Rypdal and Garbarek, Jon Hassell, Brian Eno, Michael Brooks Hybrid, David Torn, have all been highly influential on me. I think Michele has some of the same references too. I am not sure about Gianluca but he has for sure a stronger jazz background than me, and he is very into music from the 70´s.“ (from my recent email interview with Eivind)

 

 

 

 

 

these fifty-four minutes and thirty-nine seconds have been brilliantly engineered by Roman Weingardt, we had real fun doing it – I think the hour is full of interesting themes (rare instruments in jazz: tuba and cello etc.) and a broad palette of different (production) styles with the contributions of Karl and Karsten adding some decent magic … 

 

Ich kann nicht sagen, dass ich dieses Cover auf den ersten oder zweiten Blick hin besonders gelungen finde, aber ich freue mich stets riesig auf ein neues Album von Bill Callahan, schon zu den Zeiten, als er unter dem Namen „Smog“ unterwegs war. Im nächsten Monat ist es soweit. 20, zum Teil sehr kurze Songs, ungewöhnlich.

 

Das sind nicht alle, aber alle meine Smog / Bill Callahan-Platten. Und ich kenne sie so gut, dass ich sie hier kurz vorstelle, zuvor noch etwas zu Bill und seinem Album Apocalypse: Bill Callahan ist ein Drifter, ein Streunender (zumindest war er das eine ganze Zeitlang), und dass die Räume seiner Kindheit ihre Dämmerung behalten haben, zeigte schon sein frühes RED APPLE FALLS, das er noch unter dem Namen Smog aufnahm. Und wie schon auf zwei anderen Smog-Alben, KNOCK KNOCK und A RIVER AIN-T TOO MUCH TO LOVE (letzteres ein absolutes Lieblingsalbum des Ex-Go-Betweens Robert Forster), gingen die Reisen von Callahan meist ins Hinterland, suchten das Weite, die Orte, wo Blicke sich verlangsamen und dehnen können. Da passiert es schon mal, wie auf „Apocalypse“, einfach mit dem Boot aufs offene Meer zu treiben – und den eigenen Untergang knochentrocken zu kommentieren: „The boat burned as well / Hm! / And the punk and the lunk and the drunk and the skunk and the hunk and the monk in me all sunk.“ in diesem Sinne: take care! (Die tracklist verschwindet morgen.)

 
 

The Doctor Came at Dawn, 1996 – ****

Red Apple Falls, 1997 – ****1/2

Knock Knock, 1999 – ****1/2

Dongs of Sevotion, 2000 – ***

Rain on Lens, 2001 – ***

A River Ain’t Too Much to Love, 2005 – ****

Sometimes I Wish We Were an Eagle, 2009 – *****

Apocalypse, 2011 – *****

Dream River, 2013 – *****

Have Fun with God, 2014 (dub-version) – ***

 
 
 

 

 

„There’s a dark side to each and every human soul. We wish we were Obi-Wan Kenobi, and for the most part we are, but there’s a little Darth Vader in all of us. Thing is, this ain’t no either or proposition. We’re talking about dialectics, the good and the bad merging into us. You can run but you can’t hide. My experience? Face the darkness, stare it down. Own it. As brother Nietzsche said, being human is a complicated gig. Give that old dark night of the soul a hug! Howl the eternal yes!“

(Chris in the morning, Northern Exposure)

 

 

 

 

Es ist eine erhebende Erfahrung, in begeisternden TV-Serien zu versinken, wie früher in immensen, am besten nie zu Ende gehenden Romanen, die manche von uns eben nicht als „alte Schinken“ oder „dicke Wälzer“ erlebten, sondern als rauschhafte Ware. Ich kenne drei Menschen, die haben sich in Marcel Prousts opulentes Lebenswerk hinein begeben, über Monate hinweg, Thomas Köner, Annette von Aretin, der Dritte hat nach Tausenden von Seiten einen Suizidversuch begangen. Wir sprechen hier sowieso nicht von simpler Unterhaltung.

Die Option besteht noch immer, aber nicht alle Tage finde ich einen dieser schweren Schmöker, die sich der 1000-Seiten-Grenze nähern oder sie gar überschreiten, und zugleich den geschätzten Sog erzeugen. Da bin ich glücklich, in grandiose Erzählwelten solch überragender, abgründiger, tiefsinniger und tief sinnlicher Serien einzutauchen wie Banshee, The Leftovers, Justified, Fargo oder Sons of Anarchy, und danach wie verwandelt aus dem Fluss der Bilder und Stories zu steigen. All die genannten Serien haben auf ureigene Weise Standards gesetzt. Seelennahrung sind sie mir obendrein.

Und dann ist es wieder mal was ganz Besonderes, einen dieser prächtigen, schier „unendlichen“ Romane für sich zu entdecken, der einen flugs in all seine erfundenen Wahrheiten lockt, seine Rätsel und Mysterien. Seltsamerweise ist mir das in den letzten ein, zwei Jahren, neben der „Gitarrenstunde“ von Clemens J. Setz, mit zwei japanischen Romanen so gegangen, die, wie alle sehr guten Kriminalromane, weitaus mehr sind als „nur“ sehr gute Kriminalromane.

Das eine Buch stellte ich in meiner Japan-Stunde der letzten Klanghorizontevor, Unter der Mitternachtssonne. Das andere heisst, viel schlichter, „64“, nicht minder mitreissend dargeboten in einem so betörend auf adagio gestimmten Erzählfluss, dass mir die Welt ringsherum, permanent aufs Neue, abhanden kam. Zehn Jahre hat Hideo Yokoyama daran gearbeitet. Jetzt ist 64 als Taschenbuch erschienen – man kann es nicht mehr so gut, nebenher, als Fitnessgerät benutzen wie die Hardcover-Ausgabe des Atrium-Verlages:

 

Hideo Yokoyama’s Six Four is the size of a small brick. But as this new elephantiasis in the size of crime fiction novels seems to be the new norm, we have at least some consolation with this book: those who stick with the complexities of Six Four beyond its first hundred or so pages will find themselves gripped, and complaints about its considerable extent will melt away.“

(The Independant)

2019 23 Apr

Unheimliche Musik

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Wenn man näher hinschaut, wird der Anblick unerfreulich. It’s not Joey. Ich glaube nicht, dass ich düstere Dinge lostrete, nachts im Radio, aber gerne erzählt ein alter Kumpel, wie er einmal Weihnachten die Klanghorizonte eingeschaltet habe, und es wäre doch tatsächlich „mit diesem trostlosen Lied von Scott Walker“ losgegangen. Er meinte „It‘s Raining Today“ – und tatsächlich verströmt da nichts Heiterkeit, ausser der Tatsache vielleicht, solche „unpassende“ Musik am Heiligabend aufzulegen. Der Trost, den Musik spenden kann, nimmt eben mitunter seltsame Formen an. Was Sie da sehen, ist tatsächlich das Cover eines der Alben meiner Radionacht im Juni. Mit dieser Musik geht es los, wenn gerade wieder eine vertraute Stimme etwas über die Sterne und das Weltall erzählt hat. Auf diesem Album geht es, elektronisch und, Achtung, Lieblingswort, archaisch zu. Alte Dinge, Masken, Wälder, tiefe Nacht.

 

2019 20 Apr

„Comes a time“

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Dieses Foto habe ich gestohlen. Es findet sich auf dem Blog von Karl Hyde, und erinnerte mich sogleich an das Cover von „Someday World“ von Eno und Hyde. Wahrscheinlich ist es in Essex entstanden. Ins englische Hinterland drangen auch die ersten beiden Stunden der Radionacht Klanghorizonte vor, die ich hier noch einmal für eine Weile reinstelle. Es beginnt mit dem Gedicht der einst dort so zurückgezogen lebenden Emily Dickinson, dargeboten auf ihrem uralten Klavier, und das in ihrem einstigen Zuhause. Grossartige Idee der Unthanks. Die Nacht, die um Emily  herum immer schwärzer wird, findet ihren Nachhall in Fennesz‘ Stück „Rainfall“. Es folgt ein feiner, lyrischer Song aus der Folkkammerkiste des neuen Albums von The Leisure Society, der dieses ländliche Flair aufnimmt, das von Will Burns und Hannah Peel in wiederum dunklere Zonen gelockt wird.

 
 
 

 
 
 

Wie immer machte das „sequencing“ der Stücke besondere Freude, und es war diesmal zeitaufwändig. In der zweiten Stunde sind dann, u.a., zwei Ausschnitte aus meinem Interview mit Areni Agbabian, zu hören, deren fantastisches Album ich auch in den JazzFacts vorgestellt habe. Eine Jazzsängerin ist sie ja eher nicht, schrieb mir ein Freund aus Amerika, und ich antwortete, „nope, she‘s an inside singer“. Und er lachte, und wurde nach dem vierten Anhören von „Bloom“ zum Fan dieser Produktion.

 

Leider hatte ich zum Zeitpunkt dieser Nachtsendung noch nicht das Album „Designer“ von Aldous Harding zur Hand (fragen Sie mal Joey, der ist ganz aus dem Häuschen, was diese Neuseeländerin betrifft!) – ich mag diese beiden Alben der zwei Sängerinnen unheimlich.  Da fällt mir ein: was bin ich gespannt auf mein Interview mit der exzentrischen Chan Marshall (Cat Power) – ihre letzte Alben haben mich trotz meiner Jugend und Unstetigkeit stets in den richtigen Momenten meines Lebens erwischt. „Wanderer“ mögen manche für ein recht konventionelles Werk halten, aber ich halte das für die falsche Schublade. Wie bei Areni und Aldous, ist auch bei Chan jede Sekunde lebendig. Three song albums that breathe life in every corner.

 

Heute morgen zahlten sich meine „Chicago Connections“ aus, und es landete das neue Album von Bill Callahan auf meinem Frühstückstisch. Ich frage mich, wie es es sich auf seine Songs auswirkt, dass er nun kein „drifter“ mehr – und im Familienleben angekommen ist. „Comes a time to settle down“, sang Neil Young einst auf dem famosen akustischen Album „Comes A Time“. Auch so eine Platte, die ich ein Leben lang hören kann.

 

 

Hour 1

 

 

Hour 2

 

 

Die junge Natalie begeisterte sich einst für einen der kitschigsten Filme überhaupt, „The Sinking of the Titanic“, anderthalb Stunden lieben, und anderthalb Stunden sterben. Dass ihre Platte dann auch noch wildromantisch daherkommt, und der hehre Gesang keine Gefangenen macht, liess bei flüchtigem Hören erstmal Abwehr entstehen. Aber als sie mir dann die Schallplatte schickten, und ich sie auflegte, in aller Ruhe hörte, kippte der erste Eindruck. Erst dachte ich, ja, eine Nachfahrin von Carole King, clever, clever: der „Brill Building-Sound“ hat ein neue Kunstfigur nerausgeputzt. Aber dann: all die Unterströmungen. Und jedes Lied nimmt eine andere Fahrt einer alten Zeit auf, und macht daraus zeitgenössisches Seelentheater. Noch bin ich hypnotisiert, aber wenn der Zauber anhält, haben wir es hier wohl mit einem heissen Kandidaten für einen „instant retro classic“ zu tun. Ich bin schon jetzt sicher  es wird das „Mojo Album of 2019“ werden. Natalie Mering hat wohl schlicht und ergreifend ein beeindruckendes Album gemacht. Wenn man die eigenen Platten nicht alphabetisch ordnet, kann man sie gleich neben „Pure Comedy“ ins Regal stellen. In other words: „a lot will surely be said about how the palate of the album recalls the neoclassical New Age-y ethos of a lot of late-’60s and early ’70s folk pop music, and of course its cinematic allusions, but the truly incredible components of these songs are within their active movement and the way that something like a Brill Building sound can be so deeply personal. Warm gallops slacken serenely and new spaces are birthed inside structures we thought we’d exhausted.“

 

  • Alto Saxophone, Flute – Nick Mazzarella
  • Autoharp, Piano, Flute – Ben Boye
  • Bass Clarinet, Flute – Jason Stein
  • Cornet, Flute – Ben Lamar
  • Gong, Harmonium, Flute, Painting – Lisa Alvarado
  • Gong, Tam-tam, Flute – Mikel Avery
  • Guimbri, Flute, Composed By, Producer – Joshua Abrams
  • Tabla, Tar (Drum), Flute – Hamid Drake

 

 

On the last track, they all pick up the flute,  blowing nirvana, so to speak, on a double-album with four compositions. Time is your friend on all of them. When it is said that American minimalism of the kind of Glass or Reich has some sources in modal jazz, this album of Mr. Abrams is proving exactly that – continuing the path of a nearly forgotten band named „Town & Country“, with a shower of nearly never-ending organic pulsations, and the deceptively simple machinery of illusion. Don Cherry should be a silent, happy witness here.

 

Am 20. April ist es wieder soweit, über alle Horizonte hinweg, eine Nacht im Radio, live. Es wird unerhörte Töne geben, von jungen Jazzwilden aus England, Stephan Micus erforscht Duduk und Kalimba, Areni Agbabian wird für manchen eine Entdeckung sein. Auf diversen Zeitreisen geht es mit Chick Corea durch die frühen Siebziger, und, u.a. mit „Music for Nine Postcards“, durch seltsame japanische Lebenswelten der Achtziger Jahre. Ich erinnere an Scott Walker und Mark Hollis, und wenn unerwartet ein Klavierstück von Franz Schubert erklingt (auf einem uralten Wiener Konzertflügel aufgenommen), dann wird das so einleuchtend sein wie „In A Sentimental Mood“ von Duke Ellington. Gedichte von Will Burns erhalten feinsinnige Übersetzungen von Martina Weber und Astrid Nischkauer.

 

 

 

 

Und gleich noch eine Einladung hinterher, zu den „Klanghorizonten“ am 15. Juni. Hier, in aller Kürze, ein paar Namen zu jener Sommernacht – es wird eine Trioaufnahme zu hören sein von Michele Rabbia, Gianluca Petrella und Eivind Aarset, in der Nahaufnahme geht es um „ECM und die Stunde der Bassisten (1969 – 2019)“ – Solowerke von Barre Phillips, Dave Holland, Gary Peacock, Larry Grenadier, Eberhard Weber und Björn Meyer. Steve Swallow aber auch, in einem Duo mit Gary Burton. Später dann, aus der Zeit, als Reisen noch wilde Abenteuer waren, Musik von der Third Ear Band, Bernie Worrell („one track establishes the mode beautifully from jump, a regal formament of classical and jazz held aloft by XFiles synths and funk brass. It could be the perfect soundtrack to a surreal, funky afterlife“) – und Weltenbummler David Attenborough („While I was theoretically looking for pythons, in the evenings I would record different types of music“). Fred Möpert, my old friend, you should drive the streets of Berlin after midnight then, and look for the moon in June!

 

An edition of „Milestones“, to be broadcasted at the Deutschlandfunk on June, 21.  This hour of great music, with some background analysis and stories, would not come true without the creative input of Manfred Eicher (I remember conversations, carried by enthusiasm, over the past decades (and some slightly controversial telephone talks that have been, in retrospect, fun, too), without the pianistic knowledge of HD Klinger who will add some fine „recherche en detail“ in regards to the pianist‘s art of playing (he doesn’t know yet, but our favourite music teacher from Kronach is my perfect „man in the background“), without the immediate support for this „double take“ from Harald Rehmann, my „CEO Jazz“, without Ingo J Biermann‘s excellent and ego-less „interview“ with Richie (that started the ball rolling), and of course, the heartfelt support of Mr. Beirach who, to my surprise, is living not so far away from my town. To make a long story short: some circles will be closing, for all the good reasons).

 

A very small one.

 

„Elements which can be eliminated have been eliminated” is how Abbas Kiarostami once described his late turn toward minimalism. While he was known for the intricate, metatextual playfulness of his work, he also spent much of his career trying to achieve a certain purity of expression, one that he at first found more readily in his photographs and his poetry. “I want my films to become closer to my photography and more distant from storytelling,” he said in a 2000 interview, and the ensuing decade and a half would prove pivotal in that effort.“ So beginnt ein kleiner Text über das letzte Werk des iranischen Regisseurs, und soviel zur kleinen Vorrede. Es ist wieder mal an der Zeit, Brian ein kleines Päckchen zu schicken. Das Spiel spiele ich gelegentlich, seit 1989, und es begann wohl mit David Darlings „Cello“ (von einigen Manafonisten gerade mit Sternen hochdekoriert), nein, es begann mit Eleni Karandrous „Music For Films“, das Manfred E. titeltechnisch als kleine Referenz an Brians „Music for Films“ wählte, obwohl die Musik der Griechin durchweg real existierenden Filmen zugedacht war. Durchschlagende Resonanz fanden in den Folgejahren, in seinen Gehörgängen, Heiner Goebbels‘ „Landscape with Argonauts“ und das Album der Books mit dem grünen Cover, „Lost and Safe“, letzteres hat er eine Zeitlang nahezu obsessiv gehört. Das letzte Päckchen ist schon  einige Jahre her – in meinem Interview mit Brian und Karl Hyde stellte sich heraus, dass „Colossal Youth“ von den Young Marble Giants völlig an ihm vorüber gegangen war (die Platte erschien in seinen New Yorker Jahren, da sind Cardiff und der Plattenladen von Rough Trade in Notting Hill weit weg) – ein Klassiker, dem einst ein gewisser D.D. Diederichsen eine besondere Nachbarschaft attestierte, und zwar die von Eno und Schubert, bei letzterem meine ich Franz. Nebenbei, in den nächsten Klanghorizonten wird tatsächlich einmal Franz zu hören sein, Brian auch, aus einer Kirche übrigens, „Union Chapel“ in Islington, berühmt für ihre besondere Akustik. Wie gesagt, ein selten betriebenes Spiel, aber jetzt ist es wieder mal an der Zeit, dachte ich, als ich „Chalk Hill Blue“ von Will Burns und Hannah Peel hörte, „poetry & music“, eine fantastische CD (s. a. „Albums of April“), gewiss ein Top Ten-Album meiner Jahresbestenliste – Brian besass ja stets ein Faible für „spoken word-music“ (das hört man bereits auf seinem ersten Songalbum, wenn „Dead Finks Don‘t Talk“ erklingt), hatte dann ja auch mal mit Rick Holland einen Lyriker zum Duopartner gemacht. Und als ich vor Wochen tief in Trance versank, als ich den letzten Film von Abbas Kiarostami erlebte, „24 Frames“, einen Film ohne Handlung, ein „ambient movie“, hintergründig, abgründig, und ein Ende, bei dem nur tote Augen trocken bleiben, war der Gedanke naheliegend, Brian möge sich einmal diesen Trip gönnen, auf einer grossen Leinwand – und mit gutem Surroundssystem, was für ihn kein Problem darstellen dürfte. Zudem ist diese Edition von Criterion (s. Blogroll) mit spannenden Extras ausgestattet. Selten genug, dass eins meiner Päckchen nach London mit drei Neuerscheinungen aufwartet, aber diesmal ist es so gekommen.  Das dritte Teil stammt wieder mal aus dem Hause ECM, und ich habe einen Narren gefressen an dem in der zweiten Aprilhälfte erscheinenden Werk der aus Armenien stammenden und in Los Angeles lebenden Sängerin und Pianistin Areni Agbabian – an ihrer Seite der Schlagwerker Nikolaus Stocker (man kennt ihn von Nik Bärtsch, hier agiert er fernab aller Module), und der Produzent Manfred Eicher, der eine sehr kurze, gute dreissig  Sekunden währende Komposition namens „Whiteness“ beisteuert (wie das wohl zustande gekommen ist?) – vielleicht hat er im Studio in Zürich eine Melodie gesummt, und Areni hat sie sofort gespielt. Ich muss noch herausfinden, was mich an „Bloom“ so besonders fesselt (und ich rede hier von Arenis „Bloom“, nicht von Brians „Bloom“), rasch auf den Punkt bringen kann ich es nicht, die üblichen Floskeln machen wenig Sinnlichkeit. Jedenfalls freut sie sich darauf,  meine Fragen, die auch noch gefunden werden wollen, auf ihrem Smartphone zu beantworten. So, das Päckchen ist geschnürt. Gleich geht es, mit einer Briefmarke von einem Observatorium der Sterne, auf die Reise ins alte England, das seit Jahr und Tag dabei ist, von Debakel zu Debakel zu stolpern. Die Konferenz der Idioten tagt fast täglich. Ich sehe Theresa noch vor mir, wie sie in Brüssel zu einem ABBA-Song auftritt, und es wirkt so verklemmt, als wäre sie auf dem Weg zum Chiropraktiker, und hätte noch nie von Elvis‘ Hüftschwung gehört. Well, let‘s put „Eton Alive“ on the record player, Sleaford Mods‘ healing music of a different, a very different kind.

 
 
 

 
 
 

„So Much Longing in So Little Space“. That‘s not the title of the painting, it’s the title of the book from Norway’s epic self-analyst Karl Ove Knausgård who actually paints a refreshingly ego-free portrait of Edvard Munch, my favourite painter, along with Claude Monet. Look at this text, a marketplace of music, pictures, frames, and you‘re just about to finish it – anyway you find something to cherish, to be blown away by, and, maybe, you’ll read it one more time, slower, a bit slower, whatever you like, of course, but be sure about one thing, and this is guaranteed: elements that can be eliminated have not been eliminated.

 

The smoke of the campfires, into which you are throwing everything superfluous, make your eyes smart.


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