Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Als Lajla neulich rundschrieb, es gäbe ein Porträt von Brian Eno, zur besten Sendezeit im DLF, lauschte ich also der, aus ca. zwanzig Begegnungen, altvertrauten Stimme, und dachte, dass, wenn Dinge sich im Kreis drehen, nicht immer Spannendes herauskommt. Brian ist sicher einer der intelligentesten Menschen, die ich je getroffen habe, aber (und da spinne ich Gedanken weiter, die in der Stunde gar nicht vorkamen), seine Vorträge kreisen seit 1988, und dem öffentlich geführten Essay über Parfüm, Haarfrisuren und andere Marginalien, die „cultural issues“ ins Visier nehmen, bevorzugt um dasgleiche (natürlich voller Variationen und ‚sidesteps’): wozu Kultur da ist, obwohl sie ja etwas sei, dass ein Luxusfeld jenseits des Notwendigen sei, wie wichtig das freie Spiel sei (und eigentlich landet man da bei jenen alten Hüten, die schon der Dichter Schiller in seinen Aufsätzen ins weite Feld der kulturellen Reflexion führte). Dann doch lieber jene Kreisläufe und Wandlungen, die Brians „Music for Installations“ zu einer wahren Schatztruhe machen. Dass solch systemische, funktionale Musik ihren eigenen Algorhythmen entkommt, und tiefe emotionale Schichten in Schwingung setzen kann, ist das feine Rätsel.

 

Einmal sagte der Autor, und da greife ich gerne korrigierend ein, Brian Enos frühe Werke seien gefloppt, sie hätten sich zu stark an tradierten Rockformaten orientiert – das ist natürlich Unsinn. Kommerziell waren „Here Come The Warm Jets“ und „Taking Tiger Mountain (By Strategy)“ sicher zu ihrer Zeit (der Fluch der Avantgarde) keine Reisser, aber sie gingen radikal und subversiv und extrem vielseitig mit der Formensprache der Rockmusik um – Klassiker, die von Generation zu Generation neue Hörer finden.

 

A propos „Zukunftssicherung“: manche Künstler, erzählte Brian Eno Marcel Anders, seien wegen des Geldes unterwegs, andere wegen den Ruhmes, und letzteres sei sein Motiv: er wolle in die Geschichtsbücher. Tja, als überzeugter Atheist wird Eno nicht die Fantasie haben, seiner Wirkungsgeschichte aus dem Jenseits entspannt zuzuschauen. So wohltuend Anerkennung zu Lebzeiten ist, scheint mir diese Sehnsucht nach anhaltender Berühmtheit seltsam kurz gegriffen, und auch flüchtig, trotz all der schon existierenden und noch folgenden Publikationen, Ehrungen, Jubiläen (hunderster Todestag etc.).

 

 

 

 

Hat er da weit genug gedacht, tief genug empfunden: geht es nicht letztlich in der Kunst darum, Verbundenheiten aufzuspüren mit dem „Ganz Anderen“, „Unbekannten“, vielleicht gar vergessenen Ursprüngen, statt einen Olymp zu besteigen, und den Applaus einer amorphen Menge zu empfangen; geht es nicht vor allem darum,  Menschen zu beglücken, zu bereichern, zu trösten,  ihnen neue Horizonte zu erschliessen, sie aus lang bewohnten Dachkammern zu locken?! Man könnte diese Liste der Wirkungsweisen von Kunst noch poetisch und sachdienlich verlängern – Ruhm und Anerkennung sind doch arg verkürzte Triebfedern. Und „Unsterblichkeit“, na ja. (Lassen Sie dazu kurz das Foto auf sich wirken – es stammt aus einer Installation des Meisters, den ich nur im Spass Meister nenne.) Die Verbundenheit von Allen mit Allen (eine Art  „archetypisches“ Kraftfeld) ist schon ein anderes Kaliber, und nicht  allein mystisches Gedankengut. Jeder ist „bedeutend“, jeder „Anonymus“. Lassen wir mal offen, ob das hinduistische Weisheit, Hobbymystik oder Post-Existenzialismus ist. So wie Brian das Ego in seiner Ambient Music zur Auflösung treibt, und zwar ziemlich radikal, so ist das Ego ohnehin eine Konstruktion des Geistes, und stete Quelle zahlloser kleiner Irrtümer. Sternenstaub trägt keine Signaturen.

 

 

Vor vielen Jahren bekam ich das Angebot, vier Stunden am Tag, in einem „independant tea and coffee shop“ in Soho, London, als Servicekraft zu arbeiten, gleichzeitig „alternative coffeehouse music“ aufzulegen (mit zwei Cd-Spielern) – neben einem  ordentlichen Salär konnte ich in einer kleinen Wohnung im selben Haus frei wohnen. Der Spass dauerte sechs Wochen und wurde von einem guten Bekannten der BBC vermittelt, in einem Projekt, das Radiomenschen in ungewohnte Settings unterbrachte. Da lernte ich auch die Zubereitung von cremig grünem Matcha Latte mit Eiswürfeln. Ich war einst argentinischem Matetee sehr zugetan, als ich rauschhaft Julio Cortazars Meisterwerk „Rayuela“ durchlebte, doch Mate und Matcha sind zwei verschiedene Kaliber, der kalte Matcha war für mich ein ekliges Gesöff wie selten eins. Soll gut gegen Krebs sein, und ich kenne kluge Leute, die ihn sogar köstlich finden, Martina etwa, wie sie jüngst in ihrer Geschichte zu „Sans Soleil“ kundtat. Allein optisch ist der Iced Matcha-Latte schon eine einzigartige Kreation. Das Matcha-Pulver wird aus den zerstoßenen Teeblättern hergestellt. Der Trinker nimmt also keinen Extrakt zu sich, wie es bei normalem Tee üblich ist, sondern konsumiert das gesamte Blatt. Der Matcha-Tee wird in Japan auch gerne als “grüner Espresso” bezeichnet – der Matcha-Latte ist dann wohl der grüne Latte-Macchiato! Die Zubereitung des Matcha-Latte ist relativ einfach und nicht komplizierter als die Zubereitung eines normalen Latte-Macchiatos. Alles in allem also die perfekte Latte-Alternative im Sommer, wenn man dieses Gesöff halt mag. In dem Laden war es damals das Szene-Getränk no. 1. Die Zubereitung ist einfach, und außer dem Matcha Pulver und Milch sind keine besonders exotischen Zutaten notwendig: 1/2 TL Matcha Pulver, 50 ml heißes Wasser (80°C), 200 ml kalte Milch, 1 Handvoll Eiswürfel. Lassen Sie sich also nicht abschrecken von meinem fast schon körperlichen Ekelgefühl, ich finde ja auch Marzipan und Buttermilch widerlich. Viel interessanter waren aus meiner Sicht die vielen tollen Musikgespräche mit Gästen aus allen Altersgruppen, während meine Musik lief. Jeden Morgen lag auf jedem schwarzlackierten Tisch ein Flyer mit dem „drink of the day“, und den Namen von drei Musikern, die sich zwischen 8 und 12 Uhr munter abwechselten. Diese Blätter habe ich jüngst  auf dem Dachboden gefunden, aber sie sind grau und hässlich geworden mit der Zeit. Hier einige der „Blue Morning Music Wonders“, „Trios“ der besonderen Art, Musik, die man, von Ausnahmen abgesehen,  tatsächlich eher spätabends, nachts,  oder nie zu hören kriegt: Brian Eno / Tuxedomoon / Steve Tibbetts  ——-  Jon Hassell / Ras Michael / Joni Mitchell ———  John Martyn / Penguin Cafe Orchestra / Bill Connors ——— John Surman / Vaughn Williams / Jacques Brel ——— Nits / Talking Heads / Caetano Veloso ——— Sun Ra / Nick Drake / Cluster ——— eine kleine Auswahl. Es gab in diesen sechs Wochen ausser ethnischer Vielfalt, nahegehenden Begegnungen und einem Hauch von Routine noch eine besondere Sache, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. Ben, der Chef des Lades, bat mich, allabendlich eine Runde mit dem Hund zu gehen, ein Golden Retriever namens Mister Phelps. Auf den Strassen von Soho möge ich den Hund zudem stets mit vollem Namen ansprechen, was zu witzigen Situationen führte. Ich verstand mich grossartig  mit Mister Phelps, er war offensichtlich ein Fan der Talking Heads, bei Psycho Killer führte er gar ein Duo mit David Byrne auf. Allein, wenn ich seinen Namen rief, schauten die Leute immer wild umher, welchen Gentleman ich da zur Raison rief, und dachten wohl, ich wäre ein weiterer Irrer, der mit Geistern kommuniziert. Der tiefere Witz der Story ist, dass ich  ein Jahr später, in der Normandie eine kurze Affäre mit einem  britischen Photomodell in den zweitbesten Jahren und einem astreinen Audrey Hepburn-Pony hatte – sie hiess, bingo, Mrs. Phelps, und ich nannte sie auch immer so (was im Bett dann schon mal den Charme einer Rock Hudson-Komödie hatte) – ihr früh verstorbener Mann war der Gründer einer Gruppe, die sich fast in Vergessenheit geratenen Vertretern des „spiritual jazz“ zuwandte, und regelmässig in einem englischen Jazzmagazin publizierte. Mrs. Phelps war vom Jazzvirus ihres Mannes infiziert – und sie hatte einen Riesenfundus an Platten, bei denen der Jazzpianist Stanley Cowell mitwirkte, ihr Lieblingsalbum war „Illusion Suite“. 

 

Multi-instrumentalist, singer, composer, lover of free improvisation, and music therapist Aby Vulliamy takes a long look back to first musical revelations and „non-musical“ sounds from an old clock in the hallway to birdsong. She gives  insights in her love and learning of instruments, and how someone encouraged her to trust her voice to sing. I really  didn‘t know much about her musical life when I first contacted her. Simply being fascinated with her viola and rare vocal contributions on the last two installments of Bill Wells‘ fabulous National Jazz Trio of Scotland (Bill has a knack for special voices!), and reading about her therapeutic activities, this was enough for me: a starting point. 

The diversity of her musical activities goes way beyond the viola and vocal moments on Bill‘s albums, but sometimes a small snippet, the bending of a note, are enough for stopping you in the tracks. I would be very surprised if she didn‘t have David Darling‘s „Cello“ or the early albums of The Penguin Cafe Orchestra in her record collection. Also, I do think (after our first „conversation“), she must certainly be in love with Kate Bush’s song „Mrs. Bartolozzi“ – and, talking about ancient, worn-out instruments, she followed the link leading to  my recent interview with Steve Tibbetts –  and „Life Of“ will soon have another listener in Glasgow. 

Aby Vulliamy also thinks back  of growing up in Hull. A town that I only know from the history of lucid dreaming. Psychologist Keith Hearne made his famous discovery concerning ocular-signaling from the lucid dream state on the morning of 12th April 1975, at Hull University’s sleep-laboratory. He communicated the data, and other examples, to Professor Allan Rechtschaffen of Chicago University. Much later, Stephen LaBerge, at Stanford, produced similar work.  In following conversations  I will (and do write this with a big smile) try to raise her  interest in the subject. By the way, when these conversations will come to an end, her debut album will  have been released, in October, on Karaoke Kalk. 

 
 
 

 
 
 

  1. One record or two that put a spell on you and made you feel this music will accompany you for a long time.

 

I remember hearing Keith Jarrett’s Koln concert for the first time maybe in my late teens, and just being blown away by the fluency and energy of his piano improvisation. Someone made me a cassette tape of it, and I kept it for about 15 years until my tape player broke. It’s the only music I could ever listen to whilst writing essays or reports – somehow although I loved it, it didn’t distract me like all other music did, it helped give me momentum and energy and focus. I remember listening to a Charles Ives piece years later and finding some of it familiar, and realising that Jarrett references it in his Koln concert, and I’m sure there are many other references in there too.

Abdullah Ibrahim’s Water from an Ancient Well has accompanied me for a long time too. My dad once said the trombone sounds like a bull elephant and it often makes me tearful when I hear it. Also Ibrahim’s duo as Dollar Brand with Johnny Dyani (Good News From Africa) will stay with me throughout my life, I’ve no doubt; it’s their liberated vocals and intuitive connection with each other, I love it.

 

  1. What was the 1st non-musical sound experience in childhood that had a deep emotional impact?

 

I’m not sure there is such a thing as a non-musical sound experience? Everything can be viewed through a ‘musical lense’, it’s just whether it’s received as such by the listener.  People say to me ‘I’ve not got a musical bone in my body’ but we’ve all got a pulse, we’ve got a unique tone of voice and particular pitch range, we have a natural walking pace etc. All communication is based on the elements of music; rhythm, tempo, timbre, melody, pitch contour etc. We are all musical beings.

Aidan Moffat and Bill Wells used the clicking of a car indicator as the opening sound which dictates the rhythm and pace of the first track on their brilliant 2nd album, The Most Important Place in the World. We had a beautiful old grandfather clock (since stolen) in our hallway when I was growing up, and it’s background ticking and hourly chime structured my childhood, making me feel safe. I would always be subdividing the rhythms in my head, or practicing 3 beats over 2 etc.

There must be millions of examples of ‘non-musical’ sounds being incorporated into music, or inspiring composition. Washing machines are musical; I often find myself humming harmonies or singing along to the drone of the washing machine. I can often hear different frequencies the more I listen to simple drones. Birdsong is of course music, it has plenty melody and repetitive rhythmic patterns, although birds don’t get any publishing rights. I love Messiaen’s crazy birdsong inspired organ pieces, and of course Vaughan Williams’s Lark Ascending. Melodies from birdsong feature in loads of folk music.

 

  1. How did your private surroundings (the town you grew up in, family, friends) inspire your love for music?

 

I grew up in Hull. Its a very special place, home to some beautiful people. But it gets so much bad press and has some terrible statistics in terms of life expectancy, teen pregnancy, addiction problems, poverty etc. It’s the end of the line, and I think it’s quite hard to get bands to include Hull on their tour schedule, although Paul Jackson of the very special Adelphi Club has single-handedly changed the lives of many local music-lovers and musicians by persuading a fabulous array of touring bands to make the detour to Hull.

Music was escapism for me. I grew up in a very busy household with my 3 brothers and 1 sister and many visitors. I was shy and quiet and not assertive, but when I was practicing my Khachaturian on the piano I was like a different person! I loved the Russian composers, they’re wild and intense. My piano teacher used to enter me into the competitive music festival, at the magnificent and overbearing Hull City Halls, which seems like a terrible idea (music as competition?!?) but in fact I think it helped me a great deal with performance anxiety – I mean, what’s the worst that can happen? Now, music is a social thing for me and it has been the way I’ve made new friends in each new city I’ve moved to. I need to play – after water, food, shelter, love – I’d soon go mad if I didn’t play music.

My mum and dad are music lovers but not musicians themselves. All 5 of us siblings played instruments at various points; 2 brothers played double bass, one played cello, my sister played clarinet, and we had the piano too. What a fabulous ensemble that would have been! But we never played altogether, sadly. My sister and I did some duets far too occasionally, which was always a treat to me.

My dad’s dad was a brilliant pianist and I inherited his beautiful faded black baby grand piano when he died. I feel sad I never became accomplished and confident enough to play the wild Rachmaninov duets that he wishfully shoved in front of me when I visited him.

My mum, despite having 4 other kids and a household to run and studying for a degree etc etc, would sometimes spend her precious time sitting beside me whilst I practiced the piano, coz she knew that it helped me stay focused and motivated, so she did it despite all the other demands on her attention. A gentle, quiet but incredibly powerful and generous gift.

 

  1. Tell me about your main instruments. Love at first sight, just classical training? And, a propos  viola, a special  record that made you fall for it? Just let your thoughts flow, I keep quiet, in listening mode:)…

 

Piano is really my main instrument. All of the songs on my upcoming album were written on the piano, although there are several short viola ‘interludes’ on there too. I had my first piano lessons aged 4, with a music student we referred to as ‘Julie Fingers’, who charged 50p per lesson.

I started on the violin when I was 7, and was given free lessons at school, on a borrowed instrument. I soon switched to the viola. It suits me so much better; it’s deeper, more mellow and rich to my ears. The violin and viola sit so close to the player’s ear, and can sound so jarringly tinny and reedy there; too many high frequencies for my sensitive ears. The viola suits my personality much better than the violin. In orchestral music it’s often hard to discern the viola, you only notice us when we screw up. But we have a really important role to play, supportive and containing; the fabulous Swiss band I play with, Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp XXL recently played a gig without me, and the band leader said it felt out of tune without the viola! Its often the glue that holds parts together, quietly but enrichingly.

 
 
 

 
 
 

My parents bought me my viola when I was about 10, and my mum kept apologising, fearful that I would experience it as a pressure and expectation. I love that viola so much! I still use the same one, and though I’m often surrounded by musicians who’s instruments cost 10’s of £1000’s more than mine, I feel safe and solid with my trusty old viola. It’s like an extension of my body- it’s getting a bit old and battered but it’s strong and resilient and full of instinctive memories.

I think at first I just went along with the music lessons I was offered, but didn’t initially feel very moved by the music, strangely. People were encouraging, and I knew I was lucky to get free lessons at school, so I kept going with it. I’m gutted that nearly all music services in British schools have to be paid for now, so that learning an instrument is only for children with families who have spare money. I believe that the opportunity to learn an instrument as a child is one of the most powerful and influential experiences available; it could be key to solving some of the major societal problems we face; intergenerational poverty, unemployment, demoralisation, depression and addiction. The Big Noise project which is now well-established in some of the most deprived communities of Scotland (based on the Venezualan El Systema model) has far-reaching goals and some amazing statistics and research showing how the discipline, team-work, mutual responsibility, co-operation, shared purpose of music-making have a huge influence on positive development in terms of self-worth, self-awareness and social conscience. At the same time, making music is a form of self-expression and communication that can process feelings that are otherwise too strong and disturbing, and can provide an intimacy that it is hard for some people to access using just words. Learning music enhances so many crucial skills; academic (particularly maths) and life skills such as self-esteem and communication skills, it’s crazy to deny children this. For the tricky teenagers, that I work with as a Music Therapist, music can be a form of expression far more powerful than words – a place where they can feel heard and understood and accepted and valued for who they are.

I started with classical music on both piano and viola. Although I know how lucky I am for the opportunity to learn classically, I sometimes regretted the limitations of a purely classical training, when, aged 17 or so, I began to make music with my friends who had taught themselves to play guitar, bass, drums, and I lacked their confident spontaneity, intuition and creativity. It took time to gain confidence to stop relying on the safety net of music notation and theory, and to just listen and trust my instincts in response. Now I’m very grateful to have both, the theory, reasonable technical knowledge, and instinct/sponteneity.

I think I was 13 when I joined the City of Hull Youth Symphony Orchestra. I remember sitting at the back of the viola section, going through the motions and not feeling very connected to the parts I was playing, when suddenly the 100-piece choir began to sing behind me. My hair stood on end, I felt the force of their voices, my whole body vibrating, the feeling of being part of something immensely powerful. I think this was the first time I was wholly physically and emotionally moved (blown away) by music. I wish I could remember which piece we were playing – I’ve got a terrible memory! I know Verdi’s Requiem has given me the same overwhelming feeling since.

My dad got into jazz when I was a young teen, so having provided the obvious musical foundations of a 70’s child (Bob Dylan, the Incredible String Band, Bonzo Dog Dooda Band, Van Morrison, Pink Floyd, Dire Straits (almost exclusively male line-ups I now realise) he then began playing Abdullah Ibraham and Keith Jarrett as previously mentioned, Brotherhood of Breath, Dudu Pakwana, John Surman, Annie Whitehead, District Six, Jessica Williams, Colloseum (Tanglewood 64 – I played that when I was in labour with my first daughter. I love men singing, and in this case they’re using their voices as instruments, just ‘bah’ing the melody – it’s ace) etc etc. Brilliant stuff.

 
 
 

 
 
 

I also loved Funk/Northern Soul in my later teens. I joined my first band at 18, playing folky-style viola over guitar-based songs sung and played by my friend Shelley’s dad and his pal. Also a funk ensemble with me and my teenage friends as the rhythm section (I played ‘the Beast’ a ridiculously heavy old electric organ) and my friend’s Social Worker parents as the horn front line. We initially called ourselves ‚The Funkateers’, but decided to add an extra prefix every time we played a gig; we got as far as ‘the Almighty Allstar Funkateers coz gigs were hard to find in Hull and it was time for the younger generation to buzz off to university. And now I’ve come full circle, playing in another (much better) band making tongue-in-cheek claims of superpowers since the ‘Tout Puissant’ of Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp translates as Almighty (All Powerful). It is a very powerful band, the music moves people psychologically and physically, but the power to connect and move is in it’s collectivism and shared emotion, not a reference to a higher being.

The violinists / violists that influenced me are perhaps obvious; my dad subtly introduced me to Stefan Grapelli and although I loved listening to him, it never occurred to me that if I practiced hard enough I should eventually be able to play over changes fluently (Grapelli-style was unachievable but I could definitely improve my fluency). I wish I’d started practicing that earlier, because I’m still not fluent and confident over changes, and there’s no excuse really. My dad also pointed me towards Billy Bang, the ganster-turned-jazz violinist, who’s self-taught style of jazz improvisation was absolutely liberating and unique. I don’t understand why it’s still so unusual to include improvising strings in jazz front lines, they can add such different textures and sounds to the same old wall of saxophones that so many band leaders opt for. Saxophones are beautiful, but why not add something a bit different?!

John Cale (and Velvet Underground) and Laurie Anderson were a revelation and stopped me from wishing I’d learnt a funkier instrument than the viola – their music was immediately accessible for me, and although massively inspired and unique, didn’t feel technically out of my reach. More recently the free-improvising violist Mark Feldman is an obvious person to pick out, and my good friend and improvising mentor, Seth Bennett’s double bass playing is a massive source of inspiration.

I love free improvisation. I know some people find it too disturbing and un-nerving, and I was the same at first (I thought of it as musical masturbation – a self-indulgent exposure in front of an audience), but now it’s free improvisation that makes me feel most alive, to listen to and to perform. The spontaneity, fluidity, the emotional roller-coaster of intensity and dynamics (volume, speed, texture) makes for breath-taking unpredictability, moving through tension and resolution (or non-resolution!), tenderness and aggression, beauty and ‘ugliness’- it’s absolutely liberating. Stephen Nachmaninov writes really beautifully about free improvisation in his book Free Play. Good free improvisation is the ultimate music for me, though I love a lot of differet genres and I fully understand that it takes time to learn how to access and enjoy free improvisation.

In relation to some of the free improvisation I love, the piano-based songs on my upcoming album are very conventional!

When I moved to Glasgow, Scotland, in 2004 it was amazing how quickly people began inviting me to play. I knew only my partner George Murray (trombonist) when I moved up there, but Daniel Padden and Peter Nicholson (The One Ensemble), Chris Hladowski (Scatter, Nalle, The Family Elan), Hanna Tuulikki (Nalle), Bill Wells (NJTOS) and Stevie Jones (Sound of Yell) welcomed me with huge generosity and facilitated many brilliant learning opportunities for me. It’s such fertile and open-minded creativity that thrives up there – people inspire and nurture each others’ musicality with such generosity. There is such potent possibility to jump between genres (and therefore to stretch yourself and learn more). I wonder if it was partly because as a viola player I inherently offer something slightly different to the proliferation of traditional/folk violinists in Scotland. I played in indie, pop, jazz, folk, free-improvisation ensembles, and I did music for theatre/dance, performance art etc and I learnt tonnes.

 
 
 

 
 
 

In Glasgow I also began singing, having always been far too self-conscious to open my mouth- I was too shy and easily embarrassed. It was Hanna Tuulikki who cajoled me into singing with her trio Nalle with Chris Hladowski in 2005/6. I was terrified at first but she insisted and I’m so glad she did. She’d kneel on the floor with me, our thighs touching, sometimes using walkie-talkies to distort the sound, often letting her voice slide fractionally below or above my pitch to create oscillations between us that disorientated and connected us at the same time. It was precarious and exciting.

Not long after that, with his National Jazz Trio of Scotland, Bill Wells began rearranging traditional jazz and folk songs and writing original songs, often leaving the voice brutally exposed, and often at the very bottom of my vocal range, where it’s hard to get a sound out at all, let alone to control the sound of my voice. These were utterly terrifying gigs where my knees shook as much as my voice wobbled. Often the lyrics were devastating and I feared it (and I, as a nervous wreck) would be just too much for the audience to cope with; too raw and fragile and exposed. I’ve learnt that some material is supposed to feel precarious, it wouldn’t work if I could sing it confidently, and audiences generally cope!

I’m well aware of how extremely lucky I am, to have had opportunities to learn several instruments (including lessons on piano, viola and flute), and to have met so many beautiful generous talented musicians who’ve shared musical space and skills and opportunities with me, stretching me and inspiring me to learn more, take more risks, experiment more. For a long time I thought I couldn’t self-generate music; that I was dependent on other musicians to initiate and give me something to respond to and that my main skill was my ability absorb whatever was thrown at me, and come up with creative ideas in response. It took me by surprise when my piano-based songs emerged, and although I’m really proud of finally producing my own material I’m also keen to convey that my new album is not the whole of me, and there is lots more very different stuff to come in the not-too-distant future.

Es waren die liner notes von Jon Hassell zu seinem Album „Dream Theory in Malaya“, und ein Artikel von Prof. Paul Tholey, die mich Einst auf die Spur der luziden Träume brachten. Es öffnete sich eine Erfahrungswelt jenseits meiner Vorstellungskraft, und das, obwohl ich während des Psychologiestudiums, in der Schlaf- und Traumforschung,  sowie Traumdeutung, einiges an Ausbildung und Praxis gesammelt hatte. Bis dahin war das Luzide Träumen weitgehend bloss an einer kalifornischen Universität erforscht worden, von Stephen LaBerge.

Trotz meiner nicht ganz so bescheidenen didaktischen Fähigkeiten scheinen die wenigsten Menschen, denen ich von luziden Träumen (synonym mit Klarträumen) erzähle, zu begreifen, was Klarträume sind, selbst wenn ich es anschaulich ausführe, mit Beispielen, mit einfachsten Analogien. All diese Menschen sind überdurchschnittlich intelligent, wissbegierig und neugierig. Ich glaube, es gibt eine Sperre, sich ausserhalb der eigenen „Konzepte“ zu bewegen. Man verschliesst sich dem Neuen, weil man sich in den Schwungrädern eigener „patterns“ gut aufgehoben fühlt.

Folgendes Unverständnis erntete ich im Laufe der Jahre: luzide Träume seien wie LSD nehmen, luzide Träume seien besonders intensive Träume, luzide Träume seien wie Kino, man sähe „von aussen“ zu, und erkenne, dass auf der „Leinwand“ ein Traum ablaufe. Luzide Träume seien absolut gefährlich, weil man ins Unbewusste eingreife. Alles Unsinn. Dies ist übrigens eins der besten Bücher für Ensteiger:

 
 
 

 
 
 

Nun muss man nicht  auf dieses Thema abfahren, aber grosses Unverständnis ist die Regel. Dass man im Traum (via Übungen am Tage, oder Übungen am frühen Morgen, vor den längsten R.E.M.-Phasen, evtl. mit Hilfe von bestimmten Nootropica) klares Bewusstsein erlangen, und dann die „unglaublichsten“ Dinge initiieren kann (!!!), hellwach im Traum (!!!), wird wie ein  „Exotikum“ wahrgenommen. Eine Story.

Im normalen Traum, man könnte ihn auch „Trübtraum“ nennen, ob wir nun Traumerinnerung trainieren, oder Träume nur gelegentlich erinnern, hält jeder das, was er träumt, w ä h r e n d  er träumt, für r e a l, obwohl es oft völlig abstrus ist. Man mag den grenzenlosesten Irrsinn träumen, man hält es für die „schlichte Wahrheit“, man hält sogar den wahnsinnigsten Alp für real, statt den Realitätszustand im Traum zu überprüfen, und dann das klare Erwachsenenbewusstsein „anzuknipsen“. In den letzten fünf Jahren habe ich bloss zwei „humans“ gefunden, die hochmotiviert waren, das Klarträumen zu lernen. Erstaunlich.

 

„In other words, following the old dream theory of Senoi (unknown to Freud and Associates), and modern, scientific dream studies: in a lucid dream you’re director, actor, and you create the events with an improvised  script in your mind, always ready to face  the unexpected! And, yes, you are fully awake, inside the dream world.“

 

2 – Mein erster Klartraum

 

Ich stehe im Rombergpark, am Anfang des Rundweges, es ist ein herrlicher Sommertag. Ich stelle mir die Frage, ob ich wache oder träume, und ein Schauer fährt durch mich hindurch: ich träume, ich bin bei klarem Bewusstsein, und weiss, dass mein Körper in Bergeinöden im Bett liegt. Glücksgefühle schiessen durch jede Zelle meines Traumkörpers, der sich völlig real anfühlt. Ich sehe, wie die Sommerblätter zittern im Wind, und bin berauscht von dem Zustand. Da fällt mir ein, dass ich ja im wahren Leben tottraurig bin, und was ich im ersten luziden Traum machen wollte. Einen weisen Mann um Rat fragen. Da hinten kommt ein Jogger, ein Muskelpaket, so stellte ich mir einen Ratgeber nicht vor. Als er an mir vorbeilaufen will, rufe ich ihm zu: „Hallo, können Sie mal kurz anhalten?“ – Was ist? – „Passen Sie auf, das hört sich verrückt an, Sie sind in meinem ersten Klartraum.“ – Das interessiert mich nicht. – „Gut, klar. Aber ich möchte Ihnen eine Frage stellen: was kann ich tun, damit H. zurückkommt?“ Nachden ich diese Frage gestellt habe, verwandelt sich sein Kopf vor meinen Augen in eine Schwarzweissfotografie des Gesichts der Wölfin, und dann in einen Totenkopf. Ich erschrecke mich und wache in meinem Bett auf.

 

 

3  – Mein kreativster Klartraum

 

Nachdem ich in Berlin genug Gelegenheiten für „reality checks“ hatte, war ich heute fest entschlossen, meinen ersten luziden Traum 2017 zu erleben. Nachdem ich genügend Schlaf für die langen R.E.M.-Phasen gesammelt hatte, stand ich gegen 6.30 Uhr auf, schaute entspannt in die bitterkalte Nachtlandschaft, schrieb einen Kommentar zu meinen Berlin-Notizen, nahm die von Thomas Yuschak empfohlene Kombination von Galantamine und Choline ein, verdunkelte die Jalousien vollständig und machte mich an die mentalen Übungen, die Thomas Yuschak en detail beschreibt, um bei klarem Bewusstsein in die Traumwelt einzudringen. Es gelang, Wahnsinn, eine seltsame „Klarträumerei“, weil ich zwischendurch öfter meinen realen Körper zu spüren meinte, und mich besonders in der langen Anfangsphase, die ich hier nicht gross beschreibe, immer wieder in den Traum „hineinkämpfen“ musste.

 

Wenn man bewusst in die Traumwelt und den Traumkörper schlüpft, beginnen viele dieser Träume im Schlafzimmer, das aber nicht das reale physische Schlafgemach ist, sondern ein nachgebildetes. Da lauern viele Gefahren eines „falschen Erwachens“, aber genug der Vorrede. Immer wieder erhaschte ich Schlaftraumbilder, während ich noch meinen physischen Körper fühlte.

Dann war ich in der Traumwelt. Ich sagte laut zu mir, dies sei nur ein Traumschlafzimmer, öffnete die Tür, schloss meine Augen und gab mir den Impuls, nun durch das grosse Glasfenster hindurch zu schweben. Ich hielt die Augen weiterhin geschlossen und wünschte mir, in einen warmen Sommertag hineinzufliegen. Ich spannte meine Arme breit und erhob mich in die Lüfte, in gemächlichem Tempo. Als ich die Augen öffnete, war ich überrascht, denn es waren zwar gefühlte 22 Grad, aber tiefe Nacht am Rande eines Waldes.

Ich flog nur eine kurze Weile, dann erblickte ich eine Vorstadtsiedlung, die mich im Nachhinein entfernt an den Weissdornweg in Dortmund erinnerte, wo ich zwischen meinem fünften und zehnten Lebensjahr lebte. Im Traum sah ich wie zwei, drei Löwen (!) sich auf den Weg zu mir machten. Ich sagte zu ihnen: „Ganz ruhig, Jungs. Ich bin in friedlicher Mission.“ Die Löwen verlangsamten ihren Gang und hockten sich hin.

Ich betrat ein grosses Haus, in dem sich offensichtlich viele junge Leute zu einer Party versammelten. Mein Traum-Ich wird wohl auch so um die 18 gewesen sein, und ich dachte, es wäre Zeit für ein erotisches Abenteuer. Also rief ich in die Runde: „Wo ist meine alte Schulliebe?“ Plötzlich riefen alle Anwesenden im Chor: „Wo ist meine alte Schulliebe? Wo ist meine alte Schulliebe?“ Das schwarzhaarige Girl neben einer Musikanlage schaute wohl (ich konnte ihre Augen nur ahnen, weil ihre Ponyfrisur das meiste verdeckte) in meine Richtung, ich ging zu ihr und fragte, ob ich sie küssen dürfe. Endlich konnte ich ihre Augen sehen, die allerdings ein wenig asymmetrisch angeordnet schienen. Wir umarmten und küssten uns, und ich spürte den schönen Anfang einer schönen Empfindung.

Ich freute mich total über das Bewusstsein, in einem Traum zu sein, hielt die Hand des Girls und rief in die Runde: „Es ist ja gar keine Musik zu hören, ich möchte gerne einen neuen Song von Brian Eno hören.“ Ich wiederholte den Wunsch innerlich, um ihm Nachdruck zu verleihen, und plötzlich erschall Brians Stimme aus der Anlage, nicht sonderlich laut, aber gut zu hören. Es war ein melodisches Lied, mit sanfter Polyrhythmik, stilistisch der Zeit von Before and After Science zuzuordnen. Ein absolutes Glücksgefühl durchrauschte mich, und ich konzentrierte mich so sehr auf das Lied, dass ich meine „alte Schulliebe“, die nicht annähernd so aussah wie meine alte Schulliebe (Jutta K.) vergass, und mich voll auf die Musik konzentrierte.

Im Klartraum ist ja das kritische Bewusstsein voll auf Touren, und so konnte ich, ganz und gar der Musikjournalist, feststellen, dass der Song eine Granate ist, dass er nicht die Coverversion irgendeines anderen Liedes ist, sondern „vintage Eno“ – nur, dass Brian dieses Lied nie aufgenommen oder komponiert hat. Vielleicht währte der Song drei Minuten. Im luziden Traum kann man die Realzeit sehr gut einschätzen. Danach hatte ich das Gefühl, in meinen schlafenden Körper zurückgezogen zu werden. Aber was für eine Freude!

Das MHQ musste eigentlich schneller handeln, aber es dauerte Monate, bis das Team aus dem Elfenbeinturm reagierte. Man wollte es kaum glauben, man sichtete und sondierte, und es wurde immer klarer: die ganz und gar grossartigen TV-Serien der letzten Jahre haben Standards gesetzt, denen die Gegenwart hinterherhinkt. Natürlich wird es auch weiterhin immer wieder mal erstklassige Serien geben, aber kaum in der power spot-Häufung  vergangener Jahre – sie werden wie „Ausreisser“ daherkommen. Keine einzige 5-Sterne anno 2018. Die letzten überragenden Serienabenteuer waren Little Big Lies, dann dieser unfassbar gute, siebteilige Western, dem John Ford aus dem grossen Jenseits salutieren würde, gewiss auch die bittere Abrechnung mit US-amerikanischer Klassenjustiz, und einem Detective Fish, der die grosse Ahnenreihe der Marlowes und Spades bereicherte – sowie, kleiner Kalauer, das Beste kommt am Schluss. Auch Stranger Things 2 war noch richtig gut, aber weiterhin und dauerhaft über „Zweitbestes“ berichten zu wollen, ist nicht so prickelnd. Darum verschwindet die Rubrik „TV Series of the Month“ ab August von unserer Empfehlungsliste, und singuläre Begeisterungen werden entpannter Teil des „Blogtagebuches“ sein. Sons of Anarchy, Mad Men, Game of Thrones, Lost, The Leftovers, Justified, Halt And Catch Fire etc etc – those were the days. Es gibt eine Ironie in dieser Geschichte. Die Revolution begann (um dann eine Zeitlang kreativ zu verschnaufen), mit Twin Peaks und The X Files – und sie endete, im Grunde, mit David Lynchs tollkühner Zumutung und Hammerserie Twin Peaks – The Return.

 

 

Jeder, der sich für Jazz / Musik interessiert, kommt in diesen Wochen an dem Cover der neuen Platte von Kamasi Washington nicht vorbei. Wir werden uns hüten, es hier nochmals aufzutischen. Offensichtlich sind da beträchtliche Werbegelder im Spiel, und die Musikkritik zeigt sich überschwänglich. Wer so blöd ist, da gleich den neuen Coltrane wahrzunehmen, wie des öfteren passiert, anlässlich des kräftig gehypten Debuts, nimmt sich selbst aus dem Feld. Was ich über die Musik lese, ihren Mut zum Pathos, zum grossen Klangtheater, etc., lässt mich eher zaudern, sie anzuhören. Das Schlimmste ist das Cover von „Heaven and Earth“: als könnte der aufgebrezelte Kamasi über Wasser gehen. Ein Götterbote, mindestens. Pseudomystischer Overload. Wie sehr mag ich dagegen ein ähnliche Motiv ohne posierendes Ego: die vier Luftballons auf dem Cover von Keith Jarretts „Belonging“.  Und wie sehr schätze ich, im Kontrast zu Kamasis Kitsch, das Cover der neuen CD von Graham Nash (Gregor öffnete seinen Plattenschrank dazu, vor Tagen): ein Junge schaut mit seinem Fernrohr auf ein riesiges Naturpanorama. Beide Bilder inszenieren Natur, aber bei dem Cover der übrigens betörend schönen Arbeit („Over The Years“), Demo-Versionen bekannter und weniger bekannter Lieder des alten Barden, spielen Staunen und Nostalgie auf durchweg sympathische Art mit, und die Lieder zahlen diese Mixtur aus Einfachem und Profundem mit Mehrwert zurück, und vollkommen reduziert. Was für eine Zeitreise, ohne Prätention und Zirkusgehabe. (Und wie ich die Musik von K.W. wohl empfinde, nach dieser Vor-Urteilsbildung, sollte ich sie wirklich einmal hören!?). Und wenn diese zwei Cover auf so unterschiedliche Art mit dem Motiv „grandioser Natur“ umgehen, wie umschattet wirkt da die Bebilderung des Soloalbums von Stuart Staples – auch da taucht der Himmel auf, in einem Bild von Suzanne Osborne. Ursprünglich wollte Claire Denis Suzannes Serie von 365 Ölgemälden, mit dem Himmel als durchgehendem Raum, in einen Film verwandeln. Als Langzeitlauscher der Tindersticks wartet „Arrhythmia“ daheim auf mich, ich kenne keine einzige Komposition, ahne aber, dass die Musik bestens passen wird in die Klanghorizonte im August, vor oder nach zwei, drei Stücken der kommenden CD von Tord Gustavsen. Von der ich gleichfalls noch keinen Ton gehört habe.

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The last radio show, for example: the check-up routines for the two record-players, and, in a night that was full of untold angst, untold sadness (Susanne, please, no reason to die, if we simply had been able to  freeze a single day!), „Across The Universe“ from the Mono Masters, seemed to stumble near the end, as if our Fab Four‘s spiritual utopia had been devoted to crash test driving.

You know what happens in movies when someone says she‘s / he‘s just going around the corner for a bottle of Merlot, a pack of cigarettes?! Going away has many discreet announcements in the way of „Nothing’s gonna change my world“, but then, you know …

 
 
 

 
 
 
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Always returning is more tricky than most people think – old pain just reveals different colours with decades going by. Think of Ray Davies (nearly being killed in New Orleans) re-visiting his past one more time on „Our Country – Americana 2“. The Jayhawks are the most thrilling houseband he could imagine for his time travel enterprises, and for good reasons. They are simply able to wipe away the dust from every post-WW2 syle of American tapestries – just to let all those dust molecules fall back softly like brand-new memories.

A propos time-travel: when the late 60‘s had put psychedelic drugs on their agenda, it was only a matter of time when a mix of naivety (on the side of hippie romantics) and supression (the reactionary boomerangs) put the likes of LSD, mescaline and associates under constant suspicion. Times have changed (sometimes that really happens!), and famous culinary writer (!!!) Michael Pollan makes the transition from feeding your body to feeding your head. „How To Change Your Mind – What The New Science of Psychedelics Teaches Us About Consciousness, Dying, Addiction, Depression, Transcendence“ is a book with stunning insights, simple as that.

„Words are flowing out like endless rain into a paper cup / They slither while they pass, they slip away across the universe“. Sean Duffy is such a refreshing mind when it comes to music, he could easily sing  along with that old Beatles track and leave some dry remarks. But, being a detective in his real, fictional life, he certainly has different things going on in his mind on the first pages of Adrian McKinty’s new thriller. Things can go terribly wrong, oh, yes, they can! Though this is another book of the famous McDuffy series, it can be read as a stand-alone novel, and no one should hesitate because of the simple German (!) title, „Dirty Cops“, leaving out the wit of the original, „Police at the Station and They Don’t Look Friendly“. A historic crime novel of sheer dark brilliance!

What‘s your favourite flute player since the salad days of Rahsaan Roland Kirk and Herbie Mann? Still whispering along „Memphis Underground“? Early Jeremy Steig? The fabulous Chris Hinze – oh, you never heard his „Mission Suite“ on MPS?! Maybe it‘s a good time to meet a French wizard of the flute, yes, the early  70‘s again, a sometime collaborator of Jacques Rivette. So, be ready for two buried treasures finally brought to daylight by the fine French label „Souffle Inconnu“. Jean Cohen-Solal studied the flute from all angles, he knows about the far away horizons, as he does about the electro-acoustic school of sound. „Flutes Libres“ maybe the perfect starting point, a record that knows how to escape well-trodden roads.

Small roads, tiny villages and rainy coastlines: you get all of this and much more in „Shetland, season 4“. Based on the novels by Ann Cleeves, the British TV-series is slow and quiet, very slow, very quiet, luckily it’s convincing, too, in every way. If you want to know why Patti Smith has a knack for English crime series, enter the world of DI Jimmy Perez (aka Douglas Henshell), and you will be drawn into a landscape that has a hundred different words for grey.

All our recommendations for July are definitely not about entertainment, they are about the old question: what is this life all about? Well, serious questions can produce funny answers: „Images of broken light which dance before me like a million eyes / They call me on and on across the universe / Thoughts meander like a restless wind / Inside a letter box they / Stumble blindly as they make their way / Across the universe“.

 
 
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No smartness required.

Just a little break.

I will go for a Merlot.

Don‘t wait.

Just put the needle on the record.
 

 

Stephan Thelen sandte mir das Album VORTEX seiner Band SONAR gerade noch rechtzeitig, nun sind alle manafonististischen „Alben des Monats“ versammelt. Die Nacht beginnt, nach dem Krimi, wie immer, mit zwei Stunden randvoll mit neuen Produktionen. Die üblichen Verdächtigen können immer noch in ihren Bann ziehen, und laden durchweg zum Lauschen, der Gegenwelt des flüchtigen Reinhörens.

Sehen Sie sich das Foto an: Nils Okland und Sigbjorn Apeland setzen über zur Insel Lysøen, um den Spirit des einst berühmtesten Geigers ihres Landes, Ole Bull, zu beschwören. Die „Hardingfele“, wie Oklands Hauptinstrument heisst, gibt den Ton an in der dritten Stunde, der Nahaufnahme der Klanghorizonte, zwischen Freitagnacht und Samstagmorgen im Deutschlandfunk.

 

 

 

 

„Pools of sorrow, waves of joy, are drifting through my opened mind“, schrieb John Lennon einst, und diese Zeile könnte sich morgen im Äther herumtreiben. In den beiden Zeitreisen zum Ende der Nacht, erinnere ich an den jüngst von uns gegangenen Pianisten Misha Alperin, und um eines seiner radikalsten Alben herum spiele ich Musik, die sich luftig zwischen Trancesession und Grenzgängerei bewegt, neben Klassikern gibt es ein wieder aufgetauchtes Album aus dem französischen „Chanson-Underground“ der frühen 70er Jahre, und, vielleicht, einen Song aus Gregs Jukebox.

In der Stunde nach dem ersten Hahnensschrei schliessen und öffnen sich gleich mehrere Kreise (das passiert schon vorher permanent – Vorsicht: Dejavu! – man denke an Steve Tibbetts‘ Begegnung mit der Hardanger Fiedel) – Jon Hassell begegnet seinem jugendlichen Ich anno 1978 in New York und erinnert sich an Italo Calvinos Buch „Die unsichtbaren Städte“.

 

 

 
 

Es war eine Nacht lang meine Verbindungsbrücke zur Welt und heisst „Vier Jahreszeiten“, was ein kleiner Scherz und doch wahr ist. Von dem berühmten Hotel gleichen Namens hat es immerhin den vollkommen verblichenen Abglanz einer alten Ära übernommen. Da schwirren ja überall Trachtenmädels herum in der Stadt, der Lokalkolorit kann gnadenlos sein, von alten Männern mit grosser Vogelfeder im Hut ganz zu schweigen. Ich kann auch meine Geschichten von Hotels erzählen, ähnlich, wie es, in der Nacht zum Samstag, in den Klanghorizonten, Father John Misty und Ketil Bjornstad angehen. Wenn es nicht um Begegnungen mit Unbekannten geht oder Liebesrauschnächte, ist das Hotel ein guter Ort, das Alleinsein zu kultivieren. Der norwegische Pianist hat diese Lektion gelernt, von seinem alten Freund Terje Rypdal, wie man in solch fremden Räumlichkeiten aufschlägt, in dem man das Persönlichste (Musik, Bücher etc.) sofort nach Betreten des Zimmers um sich ausbreitet. Habe ich in den „Vier Jahreszeiten“ auch gemacht. Nicht zuletzt das Booklet von Bjornstads „A Suite of Poems“. Der Raum mit seiner hohen Decke und der Bahnhofsnähe brachte frühe Kindheitserinnerungen zum Vorschein. Asthma in Bad Gastein, Gespenster unter dem Bett. Erste Fahrstuhlfahrten. Viele alte Fahrstühle sehen aus wie Särge aus den Fünfziger Jahren. Beengt und schmucklos, Rumpelsärge. Guter Humor ist stets gefragt, in Garmisch wie in New Orleans: „It’s brass band in the bathtub / It’s the devil in the minibar / It’s voodoo in the wall / I think I’ll call it a day.“ (Lars Saabye Christensen)


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