Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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1. Annette Peacock: The Perfect Release (Third Man Records, vinyl) / 
2. John Lennon: Plastic Ono Band (Special Edition) / 3. Tony Allen & Africa 70: No Accomodation for Lagos  / 4. Various Artists: Fire Over Babylon – Dread, Peace & Conscious Sounds at Studio One / 5. Don Cherry: The Summer House Sessions / 6. Culture: Children of Zion / 7. Beverly Glenn-Copeland: Keyboard Fantasies / 8. Tiziano Popoli‘s  Burn The Night (Bruciare la Notte): Original Recordings, 1983-1989 / 9. Annette Peacock: X Dreams (Third Man Records, vinyl) / 10. Jeanne Lee: Conspiracy / 11. Dunkelziffer: In The Night (bureau b) / 12. Soul Jazz Records presents Cuba: Music And Revolution 1975-85  / 13. Neil Young: Young Shakespeare / 14. V.A. – Heisei No Oto: Japanese Left-field Pop from the CD Age, 1986-1989 / 15. Tim Buckley: Merry-Go-Round at the Carousel June 1968 / 16. Can: Live in Stuttgart 1975 / 17. Die Welttraumforscher: Wir arbeiten für die nächste Welt / 18. Hector Zazou: Geographies / 19. Juana Molina: Segundo / 20. V.A. – Impulse Records – Music, Message & The Moment

 

2021 21 Jun

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Es wird auch wieder Zeit. Nicht nur Nachtradio, Nachtlandschaften, Nachtwanderungen, nein, auch Nachtfahrten haben ihren Reiz. Ich war so verwöhnt vom leeren Sylt, dass ich mir nicht vorstellen konnte, die Insel im Volltouristen-Modus aufzusuchen, aber mir fehlte das Meer, und mir fehlen die Nachtwanderungen, was ich mal als neue Obsession bezeichnen würde. Mit dem Sonos Move richte ich mir nachts um zwei eine kleine Soundinstallation ein, mit dem Meer und mit Pauline (nicht die Frau an meiner Seite, sondern der Sound aus der Zisterne). So bleiben die alten Effekte meiner Robinsonade im Lockdown erhalten. Und die Uwe-Düne, morgens um sieben (wenn die Welt noch in Ordnung ist), eine solitäre Angelegenheit. Der Trick ist, acht Tage lang die leeren geräumigen Orte aufzusuchen, und als kleines Kontrasterlebnis, ein Trubelrestaurant pro Tag. Wer mal vorbeischauen will, Samstag um 6.45, auf der höchsten Düne der Insel. In solch dünner Höhenluft überlegt man sich jedes Wort. Abenteuer gibt es jede Menge: ich weiss, wer einen echten Chagall hat auf der Insel, und ich habe „Lupin“ gesehen, auf Netflix.

 

2021 20 Jun

The Mix #1

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Auch übernächtigt lasse ich mir solche späten Abende nicht entgehen. Wenn du den Lautsprecher aufdrehst, hörst du ganz verschiedene Quellen von Sound und Geräusch, alles in realer Zeit, keine Spielerei. Ich kann stundenlang dasitzen, und diesen Lichtern zusehen. Ganz im Hintergrund erkennst du vielleicht auch die leise Musik aus meiner elektrischen Höhle. Ich hatte im Dunkeln das Regal abgesucht, und bin dabei auf diese CD gestossen, die ich viel zu lange nicht mehr gehört habe, vielleicht ein Jahr. Und dabei ist sie eine der schönsten Platten meines Lebens.  Etwas mehr passiert auf Mix #2, den du etwas früher an diesem Tag findest, obwohl er fast zur gleichen Zeit aus derselben Laune heraus festgehalten wurde. Es ist das gleiche Album, und ich als ich die Musik hörte, hatte ich eine Idee.

 

 
 

Nik Bärtschs Buch ist nun erschienen, in klarer englischer Sprache, mit zahlreichen Fotos, Illustrationen und side-kicks. Der flapsige Untertitel „A useless guide for everything“ sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Werk bei all seinem Seitwärtstreiben, Stories und Reflexionen ein spannendes Handbuch ist, über Listening / Music / Movement / Mind. Ich mag solch mäandernden Erzählwerke, in denen man hemmungslos rumstöbern kann, aber auch linear, von vorne bis hinten, in einen mindestens „modul-artigen“ Sog gerät. Eine tiefere Sympathie für die Musik von Nik Bärtsch erhöht die Lesefreude und macht das Lesen zu einem „thrill of thoughts“. Eine Stunde darüber in den Klanghorizonten, im Oktober, ist in Planung.

 

Warum, um Himmels willen, sollte man sich zweimal zwanzig Minuten lang diesen relativ monotonen Gedankenstrom anhören, und warum fasziniert das einige Menschen so sehr? Zur Hälfte liegt das an der Musik des kürzlich verstorbenen Blue Gene Tyranny (Piano, PolyMoog, Clavinet). Ein gewisser Kris spielt Tabla. Wie infiltriert diese Hintergrundmusik unsere Wahrnehmung?

Ich denke, es liegt daran, das die Musik auf der hauchdünnen Grenze existiert zwischen Unbeteiligtsein und emotionaler Unterstützung. Die Gedanken setzen sich aus Trivialem und Existienziellem zusammen, aber immer, wenn ein Satz, eine Bemerkung uns aufhorchen lassen (das ist bei jedem anders), scheint die Musik diese Momente fast unmerklich zu dramatisieren. So kann aus scheinbarer Gleichförmigkeit ein seltsam spannendes  Hörerelebnis werden.

Die Abmischung ist interessant. Man kann hören, was die Stimme sagt, aber die Worte werden mit einer Verletzlichkeit vorgetragen, die dazu führt, dass  man sich den Lautsprechern  nähern möchte. Der Text hat  beruhigende physiologische Nebeneffekte, die sich ähnlich anfühlen wie bei geführten Meditationen – wir tauchen in den Gedankenfluss eines anderen ein, lassen einen andern in unsern Kopf hinein: der Hörer wird zu einem Detektiv, der Spreu vom Weizen trennt, Spuren sichtet – hellwach, erschrocken, tief entspannt, persönlich berührt.

Eigentlich ist die Komposition The Park verwandt mit dem  Song „The Windmills Of Your Mind“ – da geht es auch um das endlose Herumtreibem und Kreisen von Hoffnungen, Gedanken, Sehnsüchten, Erinnerungen im Kopf – und  die Versionen sind am besten, die nicht auf Gefühlswallung setzen,  und eher in seltsam gelassener Melancholie dahintreiben.

 

Round like a circle in a spiral, like a wheel within a wheel / Never ending or beginning on an ever spinning reel / Like a snowball down a mountain, or a carnival balloon / Like a carousel that’s turning running rings around the moon (…)

 

Als  letztes noch dies: PRIVATE PARTS spielt mit Erwartungen: es hat etwas vom Thriller, es ist kein Thriller. Es hat etwas von einem Drehbuch, es ist kein Drehbuch, es hat etwas von Essay, es ist kein Essay. Es hat etwas von einem Hörspiel, es ist kein Hörspiel. Es hat etwas von Schallplatte, es ist keine Schallplatte. Es handelt von Leere, und es handelt von Überfluss.

To The Moon

by Percy Bysshe Shelley

 

Art thou pale for weariness
Or climbing heaven and gazing on the Earth,
Wandering companionless
Among the stars that have a different birth,
And ever changing, like a joyless eye
That finds no object worth its consistency?

 

 

It is wonderful to read this poem without a sound, just breathing its words, feeling images in the making. And it’s very special to hear them spoken by Marianne Faithfull, „wandering companionless“ with a companion. This night will include small interview excerpts from Kurt Wagner (Lambchop), Eduardo Henriquez & Caroline Chaspoul (Nova Materia), Shabaka Hutchings (Sons of Kemet), and perhaps a „vocal appearance“ from another well-known guest. Because of our long journey through an ancient Mexican jungle with Nova Materia, there are a number of really fine new albums that will not make it into this edition of my radio night (I think of St. Vincent, Lump a.o.) – they will probably be part of the night in August, for sure, amongst, f.e., an excellent forthcoming work by The Eivind Aarset Quartet (that will do their release concert at the Punkt Festival in Kristiansand, in the early days of September). Thanks again for „Klinger Factory“ providing well-shaped audio-files of the single interview sections. It is now a matter of fact, that my personal journey through three decades of „horizons of sound“ will end in December. Four radio nights left – and to avoid any kind of wrong sentimentality, the last radio show, a few days before Christmas, will offer a surreal ride through times gone by (the good side of sentimentality!), and not end with a whisper.

 

THE FIRST HOUR

 

Portico Quartet: III (from Terrain) / Sons of Kemet: Envision Yourself Levitating, from Black To The Future, / Anthony Joseph: Calling England Home, from The Rich Men Can Only Be Defeated When Running For Their Lives / Vijay Iyer: Touba, from Uneasy / Anthony Joseph: Maka Dimweh, from The Rich Men Can Only Be Defeated When Running For Their Lives / KURT WAGNER SPEAKING (OTON 1) / Lambchop: a track from Showtunes / Peter J. Schwalm & Markus Reuter: from Aufbruch

 

THE SECOND HOUR

 

STERNZEIT

 

 

 

 

Trees Speak: Machine Vision (single a-side from PostHuman, extended edition) / INTERVIEW EXCERPT NOVA MATERIA (part 1) / Nova Materia: Xpujil, from Xpujil (Made to Measure Vol. 45) – (one composition, 40 minutes long) / INTERVIEW EXCERPT NOVA MATERIA (part 2) / Trees Speak: from PostHuman – side B of the vinyl (X Zeit) – oh me oh my, i would have liked to play a much longer sequence, but that was impossible in regards to the album by Nova Materia being played. But in hour no. 4, the Diaz Brothers aka Trees Speak got plenty of time (necessary to get an idea of the full impact and  to be literally drawn inside😉)

 

 

 

(Three photographs, provided by Trees Speak, Tucson, Arizona)

 

THE THIRD HOUR – „Around romantic poems, shadowy showtunes & spoken word magic“

Brian Eno: Vanadium, from Making Space  / Marianne Faithfull: La belle dame …, from She Walks In Beauty / Lambchop: Unknown Man, from Showtunes / KURT WAGNER SPEAKING (OTON 2) / instr. Stephan Micus: Oh Chikulo, from his new album Winter’s End  / (small text by Martina Weber on Robert Ashley‘s Private Parts) / Robert Ashley: The Park, from Private Parts (1978 – Lovely Music) / (small text by Michael on Robert Ashley’s Private Parts) / Stephan Micus: Companions / KURT WAGNER SPEAKING (OTON 3) / Lambchop: The Last Benedict, from Showtunes (P.S.: a composition from Paddy MacAloons bzw Prefab Sprouts spoken word (and more)-album „I trawl the Megahertz“ was only missing because Martina‘s and my excursion into „Private Parts“ were waaaaaayyyyyy too long:))

 

THE FOURTH HOUR – TIME TRAVEL (1)

 

 

 

 

From my email interview with Trees Speak: „OHMS was the exploration of sonic minimalism and interlacing sounds together to create two 20 minute opuses. At the time, we were listening to Tangerine Dreams: Zeit, 70s Italian soundtracks, John Barry’s records, and the 1970’s spirit of concept albums. We felt that form of expression had not been explored much as of late. It was a curious approach to creating a record. It was exciting to think about one large composition and take the listener on a cosmic journey. At the time, the standard was to keep it interesting, lead the music into the unknown, and to have a sense of danger. We constantly limit ourselves with basic analog instruments and gear from the 70s and stay away from creating music on laptops or computers.“

 

Trees Speak: from OHMS /  Hector Zazou: from Geographies / Jan Garbarek, title track from It‘s OK to listen to the gray voice / Hector Zazou: from Geographies (Made To Measure Vol. 5 – just reissued), / The Coral: from Coral Island (a complete sequence of songs and spoken word-pieces)  / Hector Zazou: from Geographies / Jan Garbarek: Considering a snail, from Paths, Prints / Hector Zazou: from Geographies  / Trees Speak: from SHADOW FORMS 

 

From my email interview with Trees Speak: „Soul Jazz Records inspired Shadow Forms. We had released OHMS in March of 2020 during the pandemic, and the record unexpectedly sold out within a month. Soul Jazz asked us if we had any more music to release. We went through our archive of outtakes from Ohms and tracks we were working on and sent them to the label, and Stuart Baker brilliantly curated the sequencing of the record. It was a serendipitous record. Sometimes some of the most exciting things come from a place you would have never conceived, and Shadow Forms came from that realm. Each song is a world in itself. We mostly listen to vintage music and pay close attention to the productions and instrumental arrangements from the past. It only makes sense that the aesthetics of the vintage flows through our records. Unfortunately, a lot of beautiful and important music from the 70’s era has been overlooked. Hopefully, we could help ignite people to revisit some of those fantastic records that still hold up today.“

 

 

THE FIFTH HOUR – TIME TRAVEL (2)

 

 

 

 

Can: Live in Stuttgart 1975 (aus Versehen habe ich die zweite statt der ersten Cd des Konzertdokuments aufgelegt, und dann sprang die Cd auch noch kurz vor Ende zurück auf Anfang, That‘s live. Und wenn dann, in der letzten halben Stunde, das Wort „Klappcover“ zum Zungenbrecher wird, ist das ein untrügliches Zeichen: nach so einer Nacht ist man „angenehm alle und seltsam erfüllt“ – die erste Raststätte wurde zum Kurznickerchen angesteuert, auf gut deutsch „power nap“.)  / / 5.30 NACHRICHTEN UND PRESSESCHAU / / John Coltrane Alabama / OTON SHABAKA HUTCHINGS (on Pharoah Sanders THEMBI) / Pharoah Sanders: Astral Traveling / Marion Brown: from Vista (all three tracks taken from the 60th anniversary edition “Impulse Records: Music, Message and the Moment” – two of my favourite albums from the Impulse catalogue, apart from all those works by John C., Alice C. And Pharoah S. are from Marion Brown: Geechee Recollections and Sweet Earth Flying. And, to make a long list short, Keith Jarrett‘s Fort Yawuh, and Gato Barbieri‘s Latin America: Chapter One. (m.e.)

 

 
 

Man kann dieses Buch im Original lesen, natürlich, aber auch auf den 1. Juli warten, dann erscheint die deutsche Übersetzung im Piper Verlag. Und da ich gerade mittendrin bin in der Lektüre, kann ich, ohne viele Worte, von einem hohen „Wow!“-Faktor berichten. Wenn die Serie „Mare of Easttown“ zu den besten Serien des Jahres zählen wird (und da bin ich mir sicher!), dann wird Chris Whitakers Roman für viele Leser ein ähnlicher Herzensbrecher sein, und ein unvergessliches Leseabenteuer: eine kleine community, eine rästelhafte Geschichte, die Jahrzehnte zurück reicht, ein gutmütiger Cop, dem jede Härte fehlt, und eine verdammt junge Teenagerin, die eine schwere Last zu tragen hat , und in den Verzweigungen ihres Stammbaums entdeckt, dass sie ein „Outlaw“ ist. Und sie ist tatsächlich ein „Outlaw“, und was für einer! California Blue & Noir at its best. Mit den Worten von Louise Penny: „I loved this book. From the riveting plot, to the beautiful writing. But mostly what kept me longing to get back to it each day were the characters, especially young Duchess. Fierce, brave, vulnerable she leaps off the page fully formed. As does Walk. How aptly named. A chief of police on his own inexorable journey. This is a book to be read and re-read and an author to be celebrated.“ Eine ausführlichere Besprechung wird zu gegebener Zeit folgen.

 

2021 15 Jun

From Arizona

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Question:  One of of the recurring appearances  of the albums OHMS and SHADOW FORMS is a special way the use the sounds of a saxophone. Not the smooth way, more as free agents, eruptive forces!

Trees Speak: It is a very intentional concept we had from the beginning with the way we explore each instrument. When we recorded OHMS we hired Craig Dreyer, a jazz musician in Brooklyn, New York. We asked if he could play all the wrong and dissonant tones you are taught not to play or learn on the saxophone. He was confused because we were in the studio and was used to playing and performing harmonious tones. We wanted the sax to sound like a wild, primal beast unleashed. We were going for the animalistic potential of a performance and asked if he could play one note for five minutes. It was brilliant. We feel that music and instruments have a lot more potential than how social norms have been presenting them to us for years. We are seeking the depths and darkness of frequencies and tones, like scientists experimenting in a lab.

 

Viele von euch haben Platten oder CDs von Jan Garbarek. Lieblingsalben. Interessant ist, sich mal allein die Arbeiten in Erinnerung zu rufen, bei denen Gitarristen an seiner Seite waren. Anfangs Terje Rypdal, später Bill Connors, David Torn und Bill Frisell. Ich bin nun beim Vorbereiten meiner Radionacht über It‘s OK to listen to the gray voice (1985) gestolpert, die ich so lange nicht gehört hatte. Eine echte Wiederentdeckung, Klasseplatte! Places mit Bill Connors zählt sowieso zu meinen Lieblingswerken des Norwegers. Wayfarer fand ich damals etwas enttäuschend, trotz des tollen Covers. Sart mit Terje Rypdal wurde ein  lifer, in frühen Jahren, eine meiner ersten ECM-Platten überhaupt. Aber wie steht es um Paths, Prints (1982)? Hat das Album bei jemandem, der diese Zeilen liest, Spuren hinterlassen? Wird es eine so interessante Neubegegnung wie bei It‘s OK to listen to the gray voice, die mir auf ähnliche Weise entfallen war? Dann wäre es ein weiterer „slow grower“. Jedenfalls habe ich mir das Album gerade bestellt, und warte darauf voller Neugier, obwohl ich alle Beteiligten gut kenne und auch die Schallplatte einmal besass.*

 

* the old album arrived in the morning. I let Paths, Prints stream between trees. Actually i fixed it between branches of a cherry tree.  I knew the album once, I nearly forgot it’s stuff dreams are made of. The heat will increase, thus early hours are great for letting sounds wash over you, outdoors. Thank you for sending thoughts about it. The two albums of this double take will frame those imaginary coastal jukebox songs from Coral‘s fantastic new album – set in another era (before the morning comes on June 19). A propos another time and place: anyone knowing where that road is, the road on the cover? I know such roads from Lanzarote, this is probably somewhere else.

Ihr Label A&M war damals nicht so glücklich darüber, dass ihre Songs weder gängigen Trends folgten, und viel zu selten „consumer friendly“ herüberkamen – es waren Lieder, die eher den doppelten Boden eines Verses mit rhythmischer Vetracktheit ausspielten, statt ihm  schlicht und einladend seine Schärfe zu nehmen. Ein Star wurde sie trotzdem. Sie hat so viele gute Alben gemacht (all die, die sie nach To The Limit machte, kenne ich nicht), und zu den herausragenden zählte sicher „Joan Armatrading“, das mit „Love and Affection“ sogar einen Hit hatte. Und vor Jahren als Vinyledition ein fantastisches „Remastering“ erhielt: aus einem ohnehin toll klingenden Album ein wurde ein audiophiles Juwel. Unvergessen die geniale Eröffnung: „I am not in love, but I‘m open to persuasion“. Sie konnte Emotionen ausleuchten, ohne sie ins Tageslicht zu zerren, mit raumgreifender Akustikgitarre, einer Phrasierung des Gesangs, der sich keinen Moment lang hinter Joni Mitchell verstecken musste – und stets handverlesenen Studiomusikern. 1976 kürte das britische Magazin „Sounds“ das Werk gar zum Album des Jahres, noch vor Bob Dylans „Desire“ und Joni Mitchells „Hejira“ – und genau in diese  einsame Klasse gehört es noch heute. Jetzt erscheint am Freitag ein neues Album von ihr, das überraschend in meiner Post lag. Aus der Karibik stammt sie, in England fand sie ihre zweite Heimat. Früh lernte sie Lektionen bei Otis Redding. beim jungen Van Morrison – und das erste Hören dieser Lieder unter Bäumen in tropischer Hitze ist einfach nur eine Freude: still alive and kicking, and brimming with life. Das ist in diesen Zeiten immer eine gute Nachricht. Übrigens wieder eine astreine Studioproduktion, und was zeichnet eine astreine Studioproduktion aus. A) klinische Perfektion? B) natürliches Klangbild? C) fetter Sound? D) Dezente Kompression? Sie überlegen kurz. Sie brauchen keinen Joker? Gut. Es gibt „Consequences“ natürlich auch auf Vinyl. Und, nebenbei noch dies: auf ihren grossen Alben drehte sich vieles um Liebe, Begehren, Verlust, Trauer, Freude. Sie ist stets eine Meisterin der Zwischentöne. Und auch wenn die lyrics auf diesem neuen Album nichts Wagemutiges haben, und beharrlich um die alten Themen kreisen, nehme ich ihr jedes Wort ab, und es ist ihr Vortrag (und wie sie das alles auch “instrumentaltechnisch“ abliefert), was  dieses Spätwerk so überzeugend macht.


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