Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2019 12 Jun

Sehr schade

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Gerade stirbt in den USA ein weiteres Highlight der amerikanischen Presse: Die New York Times hat angekündigt, in Zukunft keine politischen Karikaturen mehr zu veröffentlichen. Bislang waren Karikaturen – wie in fast allen Zeitungen hier – fester Bestandteil der täglichen Op-Ed-Seiten, der politischen Kommentarseite also.

Traurig, dass es gerade eines der Flaggschiffe der amerikanischen Presse betrifft – wenn irgendein Blatt sich gegen Anwürfe aller Art wehren kann und sich nicht unter Druck setzen lassen müsste, dann doch wohl die New York Times. Aber sie liegt im Trend. Auch die eigentlich von mir durchaus mal geschätzte Pittsburgh Post-Gazette hat vor einiger Zeit ihren Karikaturisten Rob Rogers gefeuert – einen mehrfach preisgekrönten Könner des Metiers. Das war kein gutes Signal. Tatsächlich läutete das den langsamen Abstieg der Zeitung ins Pro-Trump-Lager ein. Anscheinend lohnt es sich nicht mal, die Zeitung verliert immer noch laufend Auflage. Inzwischen erscheint sie Dienstags und Sonnabends nicht mehr gedruckt.

 

2019 28 Mai

Two Books and a Video

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Jeder, der die Pet Shop Boys kennt, sieht natürlich sofort, dass sich sowohl der Buchtitel wie auch diese Abbildung auf das Cover des Actually-Albums beziehen:
 
 

 
 
Aber weshalb die Anspielung auf Che Guevara? Und wen stellt der Herr rechts im Bild dar?

Die Buchrückseite verrät es uns. Das Bild bezieht sich auf die Zeilen
 

I was faced with a choice at a difficult age
Should I write a book or should I take the stage
But in the back of my head I heard distant feet
Che Guevara and Debussy to a disco beat

 
aus „Left To My Own Devices“ vom Album Introspective von 1988.
Der Herr rechts ist also Claude Debussy. Den hätte ich jetzt nicht erkannt. Darauf kann man nur kommen, wenn man sich mit dem Werk der Pet Shop Boys wirklich sehr ausführlich beschäftigt. Ich fürchte, noch immer werden viele gar nicht auf die Idee kommen, dass sich das lohnen könnte, aber sie irren. Der „Spex“-Autor und Übersetzer Jan-Niklas Jäger jedenfalls hat sich dieser Aufgabe unterzogen, und das resultierende Buch ist sehr lesenswert. In neun Kapiteln geht er der Karriere dieses Duos auf den Grund, weniger im Sinne einer Band-Biographie als im Sinne einer großflächigen Analyse ihres Werks.

Dass Neil Tennant und Chris Lowe trotz ihres (scheinbaren) Dauer-Kirmesdiscobeats ziemlich geniale Songschreiber sind, muss man sicher nicht mehr betonen. Auf einem Album kann man bluffen, vielleicht auch auf zweien, aber nicht 33 Jahre lang auf — wenn ich richtig zähle — 17 Alben. Und die Songs darauf, wie Jäger an Beispielen immer wieder zeigt, sind gesellschaftspolitisch oft reflektierend, mit wachen Augen beobachtend, manchmal witzig, manchmal satirisch, manchmal melancholisch, manchmal aber auch regelrecht subversiv wie „West End Girls“ oder „King’s Cross“, ebenso bemerkenswert die freundliche Ironie, mit der eine Gurke wie „You Were Always On My Mind“ ihrer originalen Sentimentalität beraubt wird. Das Eingangszitat aus „Left To My Own Devices“ ist nicht zufällig gewählt, Jäger zeigt, dass dies ein Schlüssel zum gesamten PSB-Kosmos ist. Die Jungs kennen ihre Szene sehr genau, und weil auch Jäger sie kennt, gelingt es ihm immer wieder, auch die Musik (und die Discobeats) auf die Texte zu beziehen und klarzumachen, warum sie so sind, wie sie sind — ich muss in diesem Punkt passen; Jäger folgt den diversen Club-, Disco- und sonstigen Wurzeln manchmal bis in die feinsten Verästelungen, die ich nur noch zur Kenntnis nehmen, aber nicht mehr aus eigener Erfahrung nachvollziehen kann.

Klar, etliche PSB-Songs sind einfach Schlager. Kein Problem damit — wenn sie so gut gemacht sind wie die der PSB, dann darf man das mögen. Der „Rockism“, demzufolge Rockmusik nur ehrlich ist, wenn sie auf Gitarren und Schlagzeugen handgespielt wird, ist ohnehin Unsinn. Jäger geht aber weiter. Obwohl weder Neil noch Chris je dazu tendiert haben, viel über sich selbst zu verraten, zeigt er an etlichen Beispielen die persönliche Ebene, die hinter den Lyrics und ihrer musikalischen Umsetzung steckt. „It’s all in the lyrics“, wie Chris Frager abzufertigen pflegt, die ihn zu persönlich fragen. Und da ist es wirklich. Nicht immer so hammerhart wie in „It’s A Sin“, aber wenn man weiß, worauf zu achten ist, dann hört man die persönliche Ebene ebenso wie die Sozialkritik; in der mittleren Phase der Pet Shop Boys klopft auch AIDS an die Tür und wird ohne Holzhammer thematisiert.

Selten haben sich die Pet Shop Boys so weit aus dem Fenster gelehnt wie auf dem Album Very, dem Jäger ein komplettes Kapitel widmet. Hier ist selbst die Reihenfolge der Tracks nicht ohne Bedeutung. Die Trias „Can You Forgive Her?“ (hier geht es noch darum, dass der Protagonist seiner Freundin verzeiht, statt sich seiner eigenen Sexualität zu stellen) — „I Wouldn’t Normally Do This Kind Of Thing“ (dass es „this“ heißt und nicht „that“, ist kein Zufall) — „Liberation“ (das übrigens auch Horst Königsteins Lieblingssong war) ist sprechend. Da ist nichts mehr ironisch, jedenfalls nicht, wenn man bereit ist, auf Empfang zu schalten.

Eine spezielle Analyse erhält der Song „Go West“, ein alter Titel der Village People, der es nicht so recht zum Hit geschafft hatte. Der Vergleich des Originals mit der PSB-Version zeigt, dass es nicht einfach eine Coverversion ist, sondern durch einige kleine textliche und melodische Ergänzungen (etwa die hinzugefügten Harmonien aus Pachelbels „Kanon“, obwohl die natürlich auf hunderte von Poptiteln passen) erhält der Song eine verblüffende inhaltliche Verlagerung ins Melancholische. In Verbindung mit dem Video, dessen Bluescreen-Tricks heute schon fast zum schmunzeln sind, der Kostümierung des Duos, der leicht veralberten Riefenstahl-Ästhetik sowie der Hinzunahme einer schwarzen Sängerin als Freiheitsstatue wird die inhaltliche Verlagerung noch betont, indem Neil plötzlich seitwärts von der Treppe in den Himmel hineinläuft und durch eine sich öffnende Tür in einer Art Disco-Paradies landet — das dann in wilder Grafik ausgemalt wird. Und dann ist da natürlich der Titel: Von New York aus gesehen heißt „Go West“: nach San Francisco. Auf der CD folgen dann zwei oder drei Minuten Pause, bis schließlich ein kurzer, „Postscript“ genannter Song ertönt. Hier singt Chris: „I believe in ecstasy / the times we’ve had, you and me / friends we’ve met along the way / partied every night and day / And I know we’ll meet again.“ Da bleibt nichts mehr zu sagen.

Dies nur als ein Beispiel. Jäger nennt viele; ich will sie nicht alle aufführen. Gelegentlich überzieht er seine Interpretationen vielleicht ein bisschen; manchmal nimmt er die Jungs auch ernster als die sich vermutlich selber nehmen, aber das macht nichts. Ich empfehle das Buch einfach. Man hört die Pet Shop Boys nach der Lektüre dieses Buches anders als vorher.

Eine kleine Bitte nur an den Verlag: Wenn ein Buch Anmerkungen enthält, die über reine Quellenangaben hinausgehen, dann sollten die bitte als Fußnoten unten auf der Seite stehen; das ständige Blättern ans Ende des Buches nervt irgendwann.

Weil es ebenfalls gerade erschienen ist, hier noch eine wunderbare Ergänzung:
 
 

 
 
Ein schön in weiß und silber aufgemachtes Buch mit Lyrics, deren Lektüre sich tatsächlich lohnt. Das hat man in der Popmusik nicht allzu oft. Dazu gibt es ein informatives Vorwort des Verfassers. Die Texte sind titelalphabetisch geordnet. Das ist vielleicht nicht ganz ideal, befreit einen aber auch von dem Zwang, in den Texten eine „Entwicklung“ wahrnehmen zu wollen. Es ist ohnehin nicht ratsam, die Texte hintereinander weg zu lesen. Und das „Poem“? Nein, ich verrate die Pointe hier nicht.
 
Und dann ist da natürlich noch dies:
 
 
 

 
 
 
Die bislang letzte Bühnenshow der Pet Shop Boys, aufgezeichnet an zwei Tagen im Juli 2018 in London, benannt nach einem Titel des Albums Super. Es ist müßig, über Playback oder Live zu diskutieren, das Ganze ist eine Show, kein Konzert im klassischen Sinne, und die Pet Shop Boys haben die Mechanismen solcher Events immer zu hintertreiben gewusst. Auffällig ist gleichwohl, dass die Shows der Pet Shop Boys im Laufe der Zeit „poppiger“ geworden sind. Eine latent verstörende Bühnenpräsentation wie Performance, bei der es nicht einmal Musiker auf der Bühne gab, scheint mir heute kaum noch vorstellbar zu sein. Dass Chris sein Gesicht gern hinter großen Brillen oder anderen Gegenständen versteckt, ist ein Running Gag geworden; die helmartigen Gebilde, mit denen die beiden hier aber auf der Bühne erscheinen, erinnern allmählich eher an Michel in der Suppenschüssel. Aber nach ein paar Titeln werden die Dinger entfernt, wobei kurz aufblitzt, dass inzwischen beide, Neil und Chris, sich vom wohl spärlich gewordenen Haupthaar verabschiedet haben. Die Tänzer, die in tropfenartigen Kostümen gegen Ende der Show erscheinen, erinnern an das MDR-Fernsehballett im „Kessel Buntes“, auch auf Requisiten wird weitgehend verzichtet, im Wesentlichen sehen wir Projektionen. Aber gut, damit kann man leben. Und auch, wenn offensichtlich wird, dass die Pet Shop Boys ihre stärksten Jahre wohl hinter sich haben, macht die DVD insgesamt noch immer Spaß. (Ihre beste Show, für mein Gefühl, bleibt aber Pandemonium von 2010.) Zudem gibt es als Zugabe einen Festival-Auftritt in Rio. Die Show ist dieselbe, wenngleich festivaltypisch auf 60 Minuten gekürzt; die Stimmung scheint mir dort fast besser zu sein als in London. — Geliefert werden in der Box die gesamte Show auf zwei CDs, auf einer DVD und einer BluRay-Disc.

2019 23 Mai

Banksys latest

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V i d e o

 

… und alle fragen sich jetzt, ob er das wohl selber war.

 
 

2019 18 Mai

Just opened

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Kim Gordon: „Lo-Fi Glamour“ @ The Andy Warhol Museum, Pittsburgh

(here joining the press with The Warhol’s Ben Harrison and Jessica Beck)

 

2019 17 Apr

Nein!

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Seine Las-Vegas-Shows, vorsichtig gesagt, tun John Fogerty nicht gut.

 

2019 13 Apr

Bauhausstil

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„Heute weiß jeder Bescheid. Wohnungen mit viel Glas- und Metallglanz: Bauhausstil. Desgleichen mit Wohnhygiene ohne Wohnstimmung: Bauhausstil. Stahlrohrsesselgerippe: Bauhausstil. Lampe mit vernickeltem Gestell und Mattglasplatte als Schirm: Bauhausstil. Gewürfelte Tapeten: Bauhausstil. Kein Bild an der Wand: Bauhausstil. Bild an der Wand, aber was soll es bedeuten: Bauhausstil. Drucksache mit fetten Balken und Grotesklettern: Bauhausstil, alles kleingeschrieben: bauhausstil. ALLES GROSSGESPROCHEN: BAUHAUSSTIL.“

Ernst Kállai (ungarischer Kunstkritiker): „Zehn Jahre Bauhaus“, 21.1.1930

 

Ich mag’s trotzdem.

2019 6 Apr

Green Book

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Der New Yorker hat diesen Film ziemlich heftig verrissen, und die Gründe sind bestimmt diskutabel. Die Familie des realen Pianisten Don Shirley ruft zum Boykott des Films auf oder wünscht zumindest, man möge ihn sich erst ansehen, wenn er im Kabel-TV gezeigt wird, weil dann die Produzenten weniger daran verdienen.

Ich bin da etwas anderer Meinung. Dass Green Book deutliche Parallelen zu Driving Miss Daisy aufweist, ist nicht nur mir aufgefallen, aber das liegt im Sujet und ist wohl kaum zu vermeiden. Im übrigen kann man dem Film nur eines wirklich vorhalten: dass er vorhersehbar ist.

Der afroamerikanische Pianist Dr. Don Shirley (von dem ich bislang nie gehört hatte — sorry für den Fall, dass das eine Bildungslücke ist), lebt in den frühen 1960er Jahren in einem museumsgleichen Apartment über der New Yorker Carnegie Hall. Für eine zweimonatige Tournee durch die USA heuert er Frank „Tony Lip“ Vallelonga als Fahrer an, den italoamerikanischen Rausschmeißer einer New Yorker Bar. Die beiden Männer sind so grundverschieden, wie sie überhaupt nur sein können — hochgebildet, eloquent und bestens erzogen der eine, verfressen, grammatikalisch zweifelhaft und straßenerprobt der andere. Green Book zeigt, wie diese beiden Typen eine Reihe von Abenteuern im tief rassistischen „Deep South“ der Vereinigten Staaten zu überstehen haben, sich dabei zunächst zaghaft, dann zunehmend vertrauensvoll, manchmal heftig streitend, einander immer weiter annähern, voneinander lernen, sich helfen und letztlich dicke Freunde werden. Der eine kapiert, dass es Situationen gibt, in denen ein trockener Fausthieb in die richtige Visage das einzg mögliche Argument ist, der andere kapiert, dass es in anderen Situationen wichtiger sein kann, seine Würde zu wahren als draufzuhauen. Das alles ahnt man von Anfang an, und genau so kommt es.

Was Green Book trotzdem sehenswert macht, ist das, was quasi „nebenbei“ erzählt wird: Der tiefsitzende Rassismus war viel mehr als nur Gesetz. Er war in die DNA der Menschen eingeschmolzen, sicher bis weit über das offizielle Ende der Rassentrennung hinaus (bis heute), und selbst viele Schwarze hatten ihn irgendwie als „normal“ absorbiert. Es gibt eine Szene in dem Film, die Bände spricht: Bei einer Autopanne behebt Tony über den dampfenden Motor gebeugt den Schaden, während Don danebensteht und zuschaut. Einige schwarze Feldarbeiter beobachten das Geschehen — und können einfach nicht glauben, was sie da sehen. Es widerspricht ihrer gesamten Lebenserfahrung. (Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch gern nochmals an Joan Didions Buch „South and West“, auf das ich letztes Jahr hier hingewiesen hatte.) Die Zumutungen, denen Schwarze seinerzeit ausgesetzt waren, machen nicht selten sprachlos; desgleichen die Polizeiwillkür, die in den Südstaaten völlig normal war. Nicht zu sprechen von den heruntergekommenen Motels und Spelunken, in denen Schwarze unterkommen konnten. Letztere waren verzeichnet im jährlich zwischen 1936 und 1966 erscheinenden „Negro Motorist Green-Book“, herausgegeben von seinem Namensgeber Victor Hugo Green.

Das Ganze ist manchmal ziemlich dick aufgetragen, die Fallhöhen sind oft sehr hoch angelegt. Das ist natürlich Absicht, aber es funktioniert. Don Shirleys Familie liegt mit ihrer Kritik an dem Film insofern falsch, als Green Book eben nicht, wie sie anscheinend glaubt, die wahre Lebensgeschichte des Musikers Don Shirley zeigen will, sondern dass eine Episode seines Lebens als Folie für eine Geschichte dient — nicht mehr und nicht weniger. Was vielen (besonders deutschen) Kritikern offenbar ebenfalls nicht passt: dass der Film sein Thema nicht mit empörtem Gebrüll und ständig hängenden Mundwinkeln anpackt, sondern als Komödie daherkommt — na gut, als Tragikomödie. Das allerdings ist auf ganzer Breite gelungen, und deswegen halte ich den Film für sehenswert. Seine Oscars hat er allemal verdient.

Trailer

2019 16 Mrz

In his own writing

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By Sun Ra, seen at Carnegie Museum of Art, Pittsburgh, as part of the „57th Carnegie International“.

By the way, mirrored in the lower photo one of the custom-built instruments of Harry Partch can be seen.

 

 
 

 
 

2019 27 Feb

Strangers in Dub

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„The thinking man’s James Last“ hat man ihn auch genannt, den Bert „Fips“ Kaempfert. Es ging wohl auf die Initiative seiner Tochter Doris zurück, seine Musik zu seinem 95. Geburtstag in ein zeitgemäßes Gewand zu stecken. Mit dem Heidelberger Projekt De-Phazz fand sich der richtige Realisator dafür.

Wenn ich meinen Ohren trauen darf, dann stammen die meisten der verwendeten Samples allerdings nicht vom Orchester Bert Kaempfert, sondern von der Platte Soothing the Tiger, einem Easy-Listening-Paket mit dem Orchester Herbert Rehbein. Letzterer war einer der engsten Mitstreiter Bert Kaempferts, in vielen Fällen lässt sich kaum mehr entscheiden, wer von den beiden größeren Anteil an ihren gemeinsamen Kompositionen hatte, und der Streit darum führte im Fall „Strangers in the Night“ letztlich sogar zu einem jahrelangen Zerwürfnis zwischen ihnen. Davon abgesehen war Rehbein aber ein durchaus eigenständiger Musiker. Kaempfert allerdings hatte die deutlich besser erkennbare Handschrift als Arrangeur, und das ist wohl der Grund dafür, dass der De-Phazz-Kopf Pit Baumgartner sich die Samples vorrangig bei Rehbein auslieh — die sind einfach neutraler und lassen sich leichter in neue Arrangements einbauen, und auch Rolf Ahrens‘ originales Schlagzeugspiel wäre wohl zu markant gewesen.

So wehen dann die Sounds und Samples vorüber, getragen von Computerbeats und behandelt mit allem, was das Dub-Mischpult so hergibt. Die originalen Soli von Manfred Moch und Herb Geller sind clever integriert, ergänzt um neue von u.a. Joo Kraus. „Strangers in the Night“ wird ungewohnt eröffnet, indem man mit dem Mittelteil des Stücks einsteigt und die Melodien nur noch andeutet, auch die Melodie „Moon over Naples“, weltberühmt geworden unter dem Titel „Spanish Eyes“, wird gegen den Strich gebügelt — darf man sagen: geschmackvoll? Selbst beiläufiges Scratching und ein paar Rap-Vocals von Gee Pierce, der wohl irgendwie mit dem Wu-Tang Clan verbandelt sein soll, fallen da nicht störend auf. Pat Appletons und Sandie Wollaschs Vocals passen sich ebenfalls fugenlos ein.

Ich geb’s zu: Strangers in Dub ist meine momentane Dauerdudelplatte. Anspieltipps: „Malaysian Melody“ und „(You Are) My Way of Life“ — neben „The World We Knew“ ohnehin eine von Kaempferts stärksten Melodien. Aber heute abend will ich dann mal wieder das Originalorchester hören — Orange Colored Sky oder gleich die noch immer unschlagbare Swingin‘ Safari!
 
 
 

 


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