Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Autoren-Archiv:

2019 17 Apr

Nein!

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Seine Las-Vegas-Shows, vorsichtig gesagt, tun John Fogerty nicht gut.

 

2019 13 Apr

Bauhausstil

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„Heute weiß jeder Bescheid. Wohnungen mit viel Glas- und Metallglanz: Bauhausstil. Desgleichen mit Wohnhygiene ohne Wohnstimmung: Bauhausstil. Stahlrohrsesselgerippe: Bauhausstil. Lampe mit vernickeltem Gestell und Mattglasplatte als Schirm: Bauhausstil. Gewürfelte Tapeten: Bauhausstil. Kein Bild an der Wand: Bauhausstil. Bild an der Wand, aber was soll es bedeuten: Bauhausstil. Drucksache mit fetten Balken und Grotesklettern: Bauhausstil, alles kleingeschrieben: bauhausstil. ALLES GROSSGESPROCHEN: BAUHAUSSTIL.“

Ernst Kállai (ungarischer Kunstkritiker): „Zehn Jahre Bauhaus“, 21.1.1930

 

Ich mag’s trotzdem.

2019 6 Apr

Green Book

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Der New Yorker hat diesen Film ziemlich heftig verrissen, und die Gründe sind bestimmt diskutabel. Die Familie des realen Pianisten Don Shirley ruft zum Boykott des Films auf oder wünscht zumindest, man möge ihn sich erst ansehen, wenn er im Kabel-TV gezeigt wird, weil dann die Produzenten weniger daran verdienen.

Ich bin da etwas anderer Meinung. Dass Green Book deutliche Parallelen zu Driving Miss Daisy aufweist, ist nicht nur mir aufgefallen, aber das liegt im Sujet und ist wohl kaum zu vermeiden. Im übrigen kann man dem Film nur eines wirklich vorhalten: dass er vorhersehbar ist.

Der afroamerikanische Pianist Dr. Don Shirley (von dem ich bislang nie gehört hatte — sorry für den Fall, dass das eine Bildungslücke ist), lebt in den frühen 1960er Jahren in einem museumsgleichen Apartment über der New Yorker Carnegie Hall. Für eine zweimonatige Tournee durch die USA heuert er Frank „Tony Lip“ Vallelonga als Fahrer an, den italoamerikanischen Rausschmeißer einer New Yorker Bar. Die beiden Männer sind so grundverschieden, wie sie überhaupt nur sein können — hochgebildet, eloquent und bestens erzogen der eine, verfressen, grammatikalisch zweifelhaft und straßenerprobt der andere. Green Book zeigt, wie diese beiden Typen eine Reihe von Abenteuern im tief rassistischen „Deep South“ der Vereinigten Staaten zu überstehen haben, sich dabei zunächst zaghaft, dann zunehmend vertrauensvoll, manchmal heftig streitend, einander immer weiter annähern, voneinander lernen, sich helfen und letztlich dicke Freunde werden. Der eine kapiert, dass es Situationen gibt, in denen ein trockener Fausthieb in die richtige Visage das einzg mögliche Argument ist, der andere kapiert, dass es in anderen Situationen wichtiger sein kann, seine Würde zu wahren als draufzuhauen. Das alles ahnt man von Anfang an, und genau so kommt es.

Was Green Book trotzdem sehenswert macht, ist das, was quasi „nebenbei“ erzählt wird: Der tiefsitzende Rassismus war viel mehr als nur Gesetz. Er war in die DNA der Menschen eingeschmolzen, sicher bis weit über das offizielle Ende der Rassentrennung hinaus (bis heute), und selbst viele Schwarze hatten ihn irgendwie als „normal“ absorbiert. Es gibt eine Szene in dem Film, die Bände spricht: Bei einer Autopanne behebt Tony über den dampfenden Motor gebeugt den Schaden, während Don danebensteht und zuschaut. Einige schwarze Feldarbeiter beobachten das Geschehen — und können einfach nicht glauben, was sie da sehen. Es widerspricht ihrer gesamten Lebenserfahrung. (Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch gern nochmals an Joan Didions Buch „South and West“, auf das ich letztes Jahr hier hingewiesen hatte.) Die Zumutungen, denen Schwarze seinerzeit ausgesetzt waren, machen nicht selten sprachlos; desgleichen die Polizeiwillkür, die in den Südstaaten völlig normal war. Nicht zu sprechen von den heruntergekommenen Motels und Spelunken, in denen Schwarze unterkommen konnten. Letztere waren verzeichnet im jährlich zwischen 1936 und 1966 erscheinenden „Negro Motorist Green-Book“, herausgegeben von seinem Namensgeber Victor Hugo Green.

Das Ganze ist manchmal ziemlich dick aufgetragen, die Fallhöhen sind oft sehr hoch angelegt. Das ist natürlich Absicht, aber es funktioniert. Don Shirleys Familie liegt mit ihrer Kritik an dem Film insofern falsch, als Green Book eben nicht, wie sie anscheinend glaubt, die wahre Lebensgeschichte des Musikers Don Shirley zeigen will, sondern dass eine Episode seines Lebens als Folie für eine Geschichte dient — nicht mehr und nicht weniger. Was vielen (besonders deutschen) Kritikern offenbar ebenfalls nicht passt: dass der Film sein Thema nicht mit empörtem Gebrüll und ständig hängenden Mundwinkeln anpackt, sondern als Komödie daherkommt — na gut, als Tragikomödie. Das allerdings ist auf ganzer Breite gelungen, und deswegen halte ich den Film für sehenswert. Seine Oscars hat er allemal verdient.

Trailer

2019 16 Mrz

In his own writing

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By Sun Ra, seen at Carnegie Museum of Art, Pittsburgh, as part of the „57th Carnegie International“.

By the way, mirrored in the lower photo one of the custom-built instruments of Harry Partch can be seen.

 

 
 

 
 

2019 27 Feb

Strangers in Dub

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„The thinking man’s James Last“ hat man ihn auch genannt, den Bert „Fips“ Kaempfert. Es ging wohl auf die Initiative seiner Tochter Doris zurück, seine Musik zu seinem 95. Geburtstag in ein zeitgemäßes Gewand zu stecken. Mit dem Heidelberger Projekt De-Phazz fand sich der richtige Realisator dafür.

Wenn ich meinen Ohren trauen darf, dann stammen die meisten der verwendeten Samples allerdings nicht vom Orchester Bert Kaempfert, sondern von der Platte Soothing the Tiger, einem Easy-Listening-Paket mit dem Orchester Herbert Rehbein. Letzterer war einer der engsten Mitstreiter Bert Kaempferts, in vielen Fällen lässt sich kaum mehr entscheiden, wer von den beiden größeren Anteil an ihren gemeinsamen Kompositionen hatte, und der Streit darum führte im Fall „Strangers in the Night“ letztlich sogar zu einem jahrelangen Zerwürfnis zwischen ihnen. Davon abgesehen war Rehbein aber ein durchaus eigenständiger Musiker. Kaempfert allerdings hatte die deutlich besser erkennbare Handschrift als Arrangeur, und das ist wohl der Grund dafür, dass der De-Phazz-Kopf Pit Baumgartner sich die Samples vorrangig bei Rehbein auslieh — die sind einfach neutraler und lassen sich leichter in neue Arrangements einbauen, und auch Rolf Ahrens‘ originales Schlagzeugspiel wäre wohl zu markant gewesen.

So wehen dann die Sounds und Samples vorüber, getragen von Computerbeats und behandelt mit allem, was das Dub-Mischpult so hergibt. Die originalen Soli von Manfred Moch und Herb Geller sind clever integriert, ergänzt um neue von u.a. Joo Kraus. „Strangers in the Night“ wird ungewohnt eröffnet, indem man mit dem Mittelteil des Stücks einsteigt und die Melodien nur noch andeutet, auch die Melodie „Moon over Naples“, weltberühmt geworden unter dem Titel „Spanish Eyes“, wird gegen den Strich gebügelt — darf man sagen: geschmackvoll? Selbst beiläufiges Scratching und ein paar Rap-Vocals von Gee Pierce, der wohl irgendwie mit dem Wu-Tang Clan verbandelt sein soll, fallen da nicht störend auf. Pat Appletons und Sandie Wollaschs Vocals passen sich ebenfalls fugenlos ein.

Ich geb’s zu: Strangers in Dub ist meine momentane Dauerdudelplatte. Anspieltipps: „Malaysian Melody“ und „(You Are) My Way of Life“ — neben „The World We Knew“ ohnehin eine von Kaempferts stärksten Melodien. Aber heute abend will ich dann mal wieder das Originalorchester hören — Orange Colored Sky oder gleich die noch immer unschlagbare Swingin‘ Safari!
 
 
 

 

2019 13 Feb

TB 30

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Eigentlich, so der Verfasser dieser Zeilen, habe er ja bereits gestern TB, dem, wenn man ihn denn so nennen dürfe, Jubilar, seine herzlichsten Glückwünsche zum dreißigsten Todestag aussprechen wollen, doch sei dies Vorhaben an mehreren sogenannten Unwägbarkeiten gescheitert, als deren größte zweifelsfrei die kontinentale Verschiebung der Zeit anzusehen sei. Doch sei dies naturgemäß nicht zu ändern gewesen, da die Richtung des Zeitpfeils nicht umkehrbar sei. Außerdem habe er sich schon seinerzeit bei einem abendlichen Treffen sogenannter Feuilletonjournalisten anlässlich des zehnten Jubiläums wie der Jubilar selbst in einen großen Ohrensessel in der Nähe der Tür setzen und die anderen Anwesenden nicht in ihren Gesprächen stören wollen, da diese sogenannten Fachgespräche, da sei er sich sicher, doch nur als bessere Tischdekoration enden und wie jedesmal zu nichts und wieder nichts führen würden, oder zu gröbsten Gemeinheiten, oder, noch abgefeimter, zu den aufgeblasensten Lobhudeleien. An solcherlei wolle er, der Verfasser dieser Zeilen, sich unter keinen Umständen beteiligen. Statt dessen habe er, wie es der Zufall gewollt habe, sich gestern anlässlich des Datums in einem herumliegenden Buch wieder einmal, wie man so sage: festgelesen. Ja, man könne sogar sagen: Dieses Buch habe ihn tatsächlich über zwei Jahrzehnte hinweg nicht losgelassen. Die scheinbare Belanglosigkeit, mit welcher sich TB, der Autor jenes Buches, in einen ebensolchen Ohrensessel neben der Tür setze und wortlos den Gesprächen der ihm scheinbar unbekannten eingeladenen sogenannten Gäste folge, um diese von Seite zu Seite stärker geradezu zu sezieren, bis ein einziges unfassbar komplexes Beziehungsnetz sich offenbare, in dem jeder jeden bis auf die Haut kenne, diese Belanglosigkeit, die sei schuld daran gewesen, dass er, der Verfasser dieser Zeilen, einem nichtendenwollenden Leserausch anheim gefallen sei, der, so wird man anmerken dürfen, auch den großen Hüsch befallen habe, der sich darob dazu verleitet gesehen habe, stundenlang durch das seinerzeit winterbedingt halbverschneite Österreich zu fahren, um ein Autogramm des von ihm verehrten TB zu erhalten. Jedoch sei ihm dies, wie er in seiner „Du kommst auch drin vor“ betitelten Autobiografie unumwunden zugab, nicht gelungen, was ihn zur Erfindung seiner sogenannten Hagenbuch-Geschichten veranlasst habe, die dann wiederum den Verfasser dieser Zeilen zu dem Auslöser aller dieser Schreibereien geführt hätten. Der Autor dieser Zeilen sei zwar, wie leider auch er zuzugeben habe, ebenfalls nie in den Besitz eines Autogrammes von TB gelangt, was allerdings nicht allzu verwunderlich sei, da er dies auch nie versucht habe, doch besitze er immerhin ein solches vom großen Hüsch, der wiederum ein großer Verehrer des genannten Jubilars, TB, gewesen sei, so dass zumindest man von einer Art indirekter Verbindung sprechen könne. Weswegen der Verfasser dieser Zeilen hiermit kund und zu wissen tut, dass jenes in Rede stehende Buch eines seiner sogenannten Lieblingsbücher sei, und, da man bei jedem Lesen immer wieder neuer, bislang nicht entdeckter Details gewahr werde, naturgemäß wohl immer bleibe:

 
 
 

           

 
 
 

Die Übersetzung, so der Verfasser dieser Zeilen, sei naturgemäß dem Original nicht ebenbürtig, doch sei dies in diesem Fall zu akzeptieren, er habe schon schlechtere Übersetzungen lesen müssen.

 

2019 12 Feb

Shtisel

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Zugegeben, es dauert zwei bis drei Folgen, bis man drin ist in dieser für mich völlig fremden Welt orthodoxen Judentums. Diese Geduld muss man aufbringen.

Aber nach spätestens der dritten Folge, wenn man halbwegs begriffen hat, wer wer ist, dann ist man drin in der Geschichte. Und dann entspinnt sich die schönste Serie, die ich seit vielen Jahren gesehen habe.

Unbedingte Empfehlung.

 

2019 3 Feb

Rams

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Score by Brian Eno. Und ganz sicher nicht nur deshalb interessant.
 
 

Trailer

 
 

2019 9 Jan

Ryuichi Sakamoto: Coda

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It’s hard to say why this portrait film, made by Stephen Nomura Schible, refers in its title to an album that’s 35 years old, but however, the title fits. A coda is the closing part of a symphony or suite movement or of a single piece of music, and this is — probably — what we get here. Ryuichi Sakamoto, piano wunderkind, co-founder of the Yellow Magic Orchestra, composer of countless movie scores, solo records and collaborations with numerous musicians and part-time actor, is 67 now and doesn’t need to prove anything to anybody anywhere anymore.

Sakamoto is also known as an environmental activist and uses his popularity in Japan for campaigning against nuclear power. Consequently, the film opens with pictures of the Fukushima disaster and leads to Sakamoto, discovering and playing a ruined Yamaha grand that got into the water during a tsunami. It’s still playable and sounds, let’s say: interesting. But it is captivating to watch him checking out what kind of sounds this piano can produce for him — sounds you couldn’t get from a undestroyed instrument. This again leads to Sakamoto in the studio, preparing a piano.

It is this what makes this movie worth watching: It has a lot of time to follow its subject, but it leaves it up to you to draw conclusions from it. The film has no comments, Sakamoto himself doesn’t say very much, so the film concentrates fully on what he does. Of course there are some cutbacks to old times — snippets from YMO’s „Public Pressure“ tour (with Sakamoto’s former wife, Akiko Yano, singing), his contribution to Merry Christmas, Mr. Lawrence and some other movies (acting is not really his strong point, sorry to have to say that), some other companions he collaborated with over the years. Except some short mentions of his recent illness (in 2014, cancer of the throat was discovered, and this left some traces), the film doesn’t say much about the private Sakamoto, his family, wife, children, friends; apparently he wants to keep his private life private.

But that doesn’t do a harm. The most interesting moments in Coda are always to see this guy working in his studio (he has two, one in Tokyo and one in New York), checking out singing bowls or putting samples of nature sounds he loves to collect into compositions. Not all of his compositions are masterpieces, but Sakamoto always has an inerrant feeling whether a sound fits into a composition or not. However, it’s obvious that the piano is his main instrument, all his music is thought from there. And he has this Japanese way of hiding highly interesting or melodious stuff behind walls of scratchy or otherways unpleasant sounds which need an active listener. You can’t listen to most of Sakamoto’s music in the background.

At a reasonable price the DVD or Blu-Ray is available only in the UK; for some reason not in the US, and you have to sign to a subscription channel to watch it online. It’s also available with a live-taped presentation of his album Async. You can watch the trailer here.


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