Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2020 25 Sep

Bei mir piept‘s

von: Uli Koch Filed under: Blog | TB | Tags:  2 Comments

Wahrscheinlich hab ich eine Meise oder irgendeinen anderen Vogel. Neulich war wieder mein unsichtbarer Agent für sonderbare und skurrile Musik da und hat mir einen kleinen Kosmos dagelassen, einen Cosmo sozusagen. Einen Cosmo Sheldrake. Höchst obskur, was nun aus meinen Boxen kommt: aber ich glaub ich steh im Walde, mitten zwischen den Glockenblumen in der Abenddämmerung und ein eigenartiger Frieden überkommt mich. Vor einem Jahr hat Gregor zum 200. Mal seinen Plattenschrank geöffnet und Messiaens Catalogue d‘Oiseaux und dessen Faszination für Vogelstimmen ausführlich gewürdigt und nun tritt der Sohn des renommierten englischen Biologen Rupert Sheldrake in diese Fußstapfen, die ihm kein Stückchen zu groß zu seien scheinen. Nur ist seine Art mit den tausenden gesammelten Aufnahmen von Vogelstimmen eine ganz andere: die Musik ist schon längst da. Da, wo Messiaen noch mühsam transkribierend mit der Vogelwelt Hase und Igel spielte, überlässt Cosmo Sheldrake der Vogelwelt scheinbar gleich die Regie und führt den Hörer gleich direkt in die pastoralen Welten einiger in England bedrohter Vogelarten. Der Multiinstrumentalist und Komponist geht mit kindlicher Neugier und Staunen an die Welt heran, aber mit dem feinen Blick eines Genius, wie ihm eine Rezension im Guardian bescheinigt. Er hat gewiss seinen David Rothenberg gehört und schon mit Bernie Krause musiziert und überlässt es nun in 13 Miniaturen jeweils einer gefährdeten Spezies das Solo zu zwitschern und bettet all das ein in eine Welt, die mich an meine Kindertage erinnert, wo ich im Sommer frühmorgens wach wurde von der Lautstärke und Intensität eines vielfältigen Vogelkonzertes und mich noch ganz in der Welt geborgen fühlen konnte. Nur einschlafen ging nicht mehr: Wake up calls!

Und dabei bleibt er very british mit viel Ernsthaftigkeit, musikalischer Kompetenz und einem feinen, hintergründigen Sinn für Humor, der auch schon seinen bisherigen Veröffentlichungen ganz zu eigen war. Hier noch einer seiner ersten Videoclips, der dies besser als tausend Worte erfahrbar macht.

 
 

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2 Comments

  1. Lajla Nizinski:

    Manchmal gehe ich mit meiner Flöte in den Wald und höre genau hin, ob die Vögel reagieren. Mit ihnen zusammen habe ich noch nicht gespielt. Das probiere ich demnächst aus.

  2. Uli Koch:

    David Rothenberg hat mit einigen Tieren gejammt: Walen, Zikaden und nicht zuletzt mit Nachtigallen in Berlin. Das wirkt manchmal etwas seltsam bis aufgesetzt, ist aber doch beeindruckend, wenn man es auf sich wirken lässt. Denke, Lajla, dass es der Versuch allemal wert ist.

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