Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Autoren-Archiv:

2018 21 Mai

nice bicycle tour

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar


50.2929 , 11.1512      Mupperg

 

 
 
 

50.3218 , 10.9054         Meeder

 


 
 
 

2018 9 Mai

gehen

| Abgelegt unter: Blog | RSS 2.0 | TB | 3 Kommentare

 
 


 

Beethoven geht vorüber

 
 

 
 

 


 
 

Dies ist meine allererste ECM-Platte. Damals habe ich nicht ahnen können, zu welch bedeutendem Label ECM sich entwickeln sollte. Edition of Contemporary Music, ein Name, von einer Offenheit, die mich nach weiteren frühen Veröffentlichungen – von denen einige in meine Sammlung traten – verblüffte. Das war doch alles (nur) Jazz. Ja, vorerst schon, aber dann!

Anthony Braxton, Olivier Messiaen, Keith Jarrett, Ludwig van Beethoven, Hardangerfiedel, Duduk, Hilliard Ensemble, Ronin, Shostakovich, Ralph Towner, Oregon, Armenien, Carla Bley, Carl Philipp Emanuel Bach, Meredith Monk …

Gibt es überhaupt ein ECM ebenbürtiges Label, ein Label mit diesem Spektrum, mit einem ähnlich wagemutigen, visionären Produzenten? Würde ECM ohne Manfred Eicher noch das sein, was es seit nun bald 50 Jahren ist?

Zurück zu ECM 1004, Marion Browns Afternoon of a Georgia Faun. Ein rätselhafter Titel, jedenfalls auf den ersten Blick. Die Anspielung auf Claude Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune ist offensichtlich.

 

After returning to the United States, I was married. My wife and I went south to Atlanta, Georgia, for the winter. The music that you’re listening to is a result of that visit. AFTERNOON OF A GEORGIA FAUN is a tone poem. lt depicts nature and the environment in Atlanta. The vocalists sing wordless syllables. The composition begins with a percussion section that suggests rain drops – wooden rain drops. The second section is after the rain. Metallic sounds that suggest light. The Zomari enters followed by wooden flutes. This suggests animals of the forest. Then Chick. His solo is a gem. Like Oriental poetry. Precise, simple, yet profound and filled with transcendental wisdom. After Chick come the two vocalists surrounded by the warmth of flutes. First Anthony, then Bennie. lt ends as it began, with wooden raindrops.

(from the cover’s back side)

 

Ein Naturbild also, Faunus ist der Gott der Natur und des Waldes, der Beschützer der Bauern und Hirten, ihres Viehs und ihrer Äcker. Sanfter Free Jazz, bestimmt kein Album, das hohe Verkaufszahlen erzielt hat, ein Mauerblümchen im ECM-Katalog.

Ich habe das Titelstück irgendwann im Jahr 1971 im Radio gehört und bin sofort hellhörig geworden, weil es ein meisterhaftes Beispiel darstellte für eine Art Musik zu machen , die ich damals mit 10- bis 12-jährigen Schülern ausprobierte.

 

The music that you’re listening to is a collective experience involving six players, two vocalists, and three assistants. Although l am responsible for initiating the music, I take no credit for the results. Whatever they may be, it goes to the musicians collectively.

(from the cover’s back side)

 

Kollektives Improvisieren in kleinen Gruppen, mit Klavier, Schlaginstrumenten und sonstigen Geräuschquellen, oft nach szenischen Vorstellungen, aber auch nach musikalischen Formprinzipien, z.B. call-response-Strukturen, war das Vorhaben.

Für meinen ersten Versuch in der Reihe ECM Double Take habe ich meine verstaubten Spulen-Tonbändern durchsucht und wirklich ein Band mit Aufnahmen aus dem Jahr 1971 gefunden, das nach mehr als 40 Jahren meiner Revox A77 anvertraut wurde. Klar, für ein Album Morning of a Kronach Teacher reichen die Ergebnisse nicht im Entferntesten. Ich bin aber so frech und veröffentliche ein paar Minuten.

 
 
 

 

Kongreßsaal – so darf man das seit 1996 nicht mehr schreiben. Duden empfiehlt „Kongresssaal“, lässt aber auch „Kongress-Saal“ zu („Konzert-Saal“ dagegen ist ein orthografischer Fehler). Mir sind drei s in Folge zuwider. Ich bin da nicht allein, wie man auf diesem Ticket aus dem Jahr 1977 erkennen kann.
 
 
 

 
 

Ohne besondere persönliche Gründe gäbe es keinen Anlass, vom KONGRESS-SAAL IM DEUTSCHEN MUSEUM zu berichten. Dieser einst bedeutende Konzertsaal ist – man muss es so sagen – heruntergekommen. Vor wenigen Tagen war ich in München, an einem kühlen sonnigen Frühlingstag. Wir machten einen ausgedehnten Spaziergang, Wege, die ich zur Zeit meines Studiums und die Jahren danach oft gegangen bin: Musikhochschule, Brienner Straße, durch den Hofgarten an der Residenz vorbei, die den Herkulessaal beherbergt. Entlang der Isar gelangt man zum Gasteig, dann sind es nur ein paar Schritte und ich stehe vor den verschlossenen Türen des Kongreßsaals. Wenn ich an diesen Orten vorbei schlendere tauchen Erinnerungen an fantastische Konzerte auf. Den mächtigsten Eindruck hinterließ der Auftritt des Miles-Davis-Septets im Kongreßsaal des Deutschen Museums im Herbst 1971. Am Osterwochende brachte Ö1 den Mitschnitt des Auftritts dieser Band vom 5. November 1971 in Wien – ein weiterer Finger auf … nein, nicht eine Wunde, eher auf eine erogene Zone.
 

Hauptsächlich ging es mir gar nicht um Miles Davis, sondern um Keith Jarrett. Seit ich ihn auf Forest Flower gehört habe, bin ich unheilbar infiziert. Jetzt konnte ich ihn zum ersten Mal live hören, es war atemberaubend, natürlich nicht nur seinetwegen, sondern auch wegen der brachialen Energie, welche das Miles-Davis-Septet verstrahlte. Wir saßen vorne links in der ersten Reihe.
 
 
 

 
 
 

Ein paar Reihen hinter uns waren noch besetzt, dann gähnende Leere. Ich schätze, es waren circa 500 Besucher im Saal, der an die 2500 Plätze bot. Keine fünf Jahre früher habe ich im Kongreßsaal das Dave-Brubeck-Quartet und das Oscar-Peterson-Trio gehört – volles Haus! Vielleicht hatte Miles Davis mit Bitches Brew sein altes Publikum (zumindest in München) verschreckt.
 

Während jener Tournee spielte die Miles-Davis-Group häufig zwei Konzerte an einem Abend, die um 19 und 22 Uhr begannen. Wir hatten Tickets für die 19 Uhr Vorstellung. Nach dem ersten Auftritt kam ein Mitarbeiter des Veranstalters auf die Bühne und bot allen im Saal an, mit der 19 Uhr Eintrittskarte zur 22 Uhr Vorstellung zu kommen. Dafür seien noch deutlich weniger Plätze verkauft worden, das wäre ja ein Affront den Musikern gegenüber. Klar, wir blieben.
 

Ich musste nach beiden Aufführungen noch zurückfahren, bis nach Kronach, und bin wohl gegen 4 Uhr morgens ins Bett gekrochen. Am Vormittag war Schultag. Ich wohnte zur Miete bei einer Familie, deren Sohn Werner – er wurde ein guter Freund von mir – Schüler in der Abiturklasse war. Nachmittags schwärmte ich vom Erlebnis des Vorabends, offenbar eindrücklich. Denn als ich anfügte, das Miles-Davis-Septet spiele diesen Abend zu Frankfurt-Hoechst in der Jahrhunderthalle meinte er, man solle unbedingt dorthin fahren. Ich sei dazu wegen Schlafmangels nicht in der Lage sagte ich und lehnte ab. Werner rief seinen Freund Wolfgang an, der seit ein paar Wochen den Führerschein besaß. Er war bereit zu fahren, ab 18 Uhr – er leistete Zivildienst. Telefonische Kartenreservierung, kurz vor 22 Uhr trafen wir in der Jahrhunderthalle ein.
 

Innerhalb von 30 Stunden dreimal das Miles-Davis-Septet live hören – das muss man erlebt haben! Wolfgang hat uns in meinem VW-Käfer, der 2 Jahre später im Oktober 1973 verendete, sicher chauffiert.

Für mich bleibt das schlechteste Musikstück der Welt „Jingle Bells“
(Wolfram Gekeler)

„Jingle Bells“ hat vor circa 2 Jahrzehnten eine marginale Rolle für mich gespielt. Das kam so: Ein ehemaliger Schüler leistete nach dem Abitur Sozialdienst im Krankenhaus Kronach. Der Chefarzt der Abteilung kannte ihn als Gitarristen der Voodoo Shakers, deren einziges Album – man glaubt es kaum – bei Spotify, Qobuz, Amazon und wer weiß wo noch kaum beachtet auf Hörer wartet. Weihnachten stand bevor, und der Arzt bat Chris, er möge doch die Weihnachtsfeier mit seinem Guitarspiel verschönern. Nun, Solospiel ist eine schwere und einsame Aufgabe. Chris suchte Helfer und sammelte auch mich ein. Schließlich waren wir ein Quartet und hatten dem Anlass gehorchend einige Weihnachtslieder im Programm, ausschließlich dieses anglo-amerikanische Zeug, dem ich nicht viel abgewinnen kann.

Hätte ich schon damals Wolframs Verdikt von „Jingle Bells“ vernommen, ich hätte sicherlich zugestimmt. Im vergangenen Jahr ist mir folgende Aussage in die Quere gekommen.

 

Der Spruch, es gäbe nur zwei Arten von Musik, gute und schlechte, ist Unfug.
(Josef Bulva)

Der Spruch ist mir geläufig, ich habe ihn aus dem Munde meines Violinprofessors an der Musikhochschule München vernommen, ich war gewissermaßen ein Anhänger dieser Auffassung, für mich war klar: Messiaens „Vingt Regards sur l’enfant-Jésus“ sind bessere Musik als der ganze anglo-amerikanische Weihnachts-Klingklang. Josef Bulvas Satz empfand ich als provokant, aber auch irgendwie sympathisch, weil er meine längst betonharte Meinung bröselig machte. Das schaffte der oben zitierte Satz nicht allein, sondern auch jene, die ihn begleiten, weshalb es nicht schadet, Bulvas Gedanken hier nachzulesen.
 
 
 
     
 
 
 

Unter den Jazzern diesseits meines Klanghorizontes, die „Jingle Bells“ überhaupt anfassen, finde ich nur Carla Bley. Ihr vertraue ich blind, ihre Musik hat mich nie enttäuscht. Ich war gespannt, wie „Jingle Bells“ – welches übrigens gar kein Weihnachtslied ist – auf ihrem 2009 veröffentlichten Album „Carla’s Christmas Carols“ zubereitet wird. Nach dem heiter-ernsten „Jesus Maria“ (für mich eine der schönsten Kompositionen Carlas) erklingt ein skurriles „Jingle Bells“, wie vom Dorfmusikantenquintett aus Kingston gespielt. Richtig gute Musik.

Jetzt, wo doch längst alle Schokoladenweihnachtsmänner zu Osterhasen umgegossen sind, ist mir das anglo-amerikanische Weihnachtslied „Santa Claus is Coming to Town“ zu Ohren gekommen. Gänsehaut läuft mir über den Rücken – das hätte ich (früher) diesem Song nicht zugetraut. Aber wenn es mit derart hinreißendem Groove, bar jeder Routine gespielt wird, dann ist es allerbeste Musik. Zu hören auf diesem am 2. März erschienenen Album.
 
 
 
     
 
 
 

Der Spruch, es gäbe nur zwei Arten von Brettspielen, gute und schlechte, ist Unfug. Ist Schach das bessere, ist Mensch ärgere dich nicht das schlechtere Spiel? Bestimmt würden nicht Wenige das so sehen. Es ist vielmehr so: Schach ist ein um Größenordnungen komplexeres Spiel als Mensch ärgere dich nicht.

Der Spruch, es gäbe nur zwei Typen von Sportarten, gute und schlechte, ist Unfug. Ist Fußball die bessere, Biathlon die schlechtere Sportart? Nein, Fußball ist einfach um Größenordnungen komplexer als Biathlon.

Allerdings: man kann richtig schlecht Fußball spielen.

I believe in Zufall (chance).

I guess it was before 1995 when I became aware of Marc Copland, so it was just the same time when Brian met the music of Marc Copland. It was the time when the internet stepped out from governmental, universitary or military institutions to conquer the world and knit a world wide web. In those days it was not so easy to do things like this:

 

I’ll be exploring his back catalog for many years to come.

 

Nowadays it’s simple. Just visit Discogs or Spotify (as I did yesterday) and you’ll find an abundant number of recordings of Marc Copland.

How did it happen – maybe in 1993 – that I heard Marc Copland? You know (or even not) that German TV-stations didn’t broadcast a full 24-hour-program then. The station 3sat for example showed overnight only Teletext, underlaid by Jazz and some additional information about the presented tune. On average I visited 2 or 3 times a month this nightly hours of 3sat when I couldn’t find sleep or when I woke up early in the morning. One morning I listened to an electrifying Piano Trio, Marc Copland treating the keys, as I could read. A few days later I got the CD. Two Way Street is the title of this fine album, starting and ending surprisingly muscular. In between you’ll find wonderful balladesque versions of M.A.S.H. and Antonio Carlos Jobim’s Zingaro. You listen to an imaginative pianist with a highly individual use of harmonies, fine melodic lines, in conversation with his tasteful partners Dieter Ilg on bass and Ralph Penland on drums. Songs Without End never found the way to Germany, I presume.

 
 
 

 
 
 
Booklet remarks by John Abercrombie
 

I lost sight of him, like you Brian, not because of descending interest, but rather than lack of offerings. I discovered one more album, What’s Goin On, with Dieter Ilg and Jeff Hirshfield. This time the notes in the booklet are created by Marc Copland.

 
 
 

 
 
 
Booklet remarks by Marc Copland
 

It was rather late, when I focussed on this great artist again, not since Copland is cooperating with ECM, which started not before 2013. The label Pirouet from München had been the home of Copland for a long time, as far as I see from 2003 until 2012. In this period 3 highly important albums had been released, gems in my collection.

 
 
NEW YORK TRIO RECORDINGS VOL. 1 / MODINHA
NEW YORK TRIO RECORDINGS VOL. 2 / VOICES
NEW YORK TRIO RECORDINGS VOL. 3 / NIGHT WHISPERS
 
 

I know that Marc Copland started his musical career as a saxophone player, a fact which is well documented on the Pirouet website.

 

Marc Copland, 1948 in Philadelphia geboren, beherrschte das Altsaxophon Mitte der 1970er Jahre vorzüglich, kollaborierte in New York mit arrivierten Kollegen wie Ralph Towner, Chico Hamilton und John Abercrombie. Doch irgendwann spürte er, dass etwas falsch lief. „Die Musik, die ich spielte, war nicht die Musik, die mir im Kopf herumging.“ Von einem Tag auf den anderen legte er das Horn zur Seite, zog sich völlig aus der Szene zurück und begann, das Geheimnis des Elfenbeins zu ergründen. Zehn Jahre verschwand er von der Bildfläche, übte verbissen und studierte andere Pianisten. 1985 fühlte er sich endlich bereit für den Start in die zweite Karriere. Ein Novum, ein Unding!

 

Another important label is hatOLOGY, where Copland recorded several albums between 2002 and 2011, including Marc Copland And … & Impressions (Duo with Dave Liebman).

I can’t say more than Brian about Marc Copland, except of that I witnessed him live at the wonderful Jazz Club Birdland in Neuburg/Donau – a deep experience.

Thanks to Brian for singing the praise of Marc.

Dreierlei hat mich zum Kauf des Albums bewogen.
 
Gregor Mundt

Gregor öffnet seinen Plattenschrank
nicht selten ist das ein understatement
was da aussieht wie eine Platte im Schrank
ist in Wahrheit die Tür in eine andere, unerhörte Welt
 
Marc André Hamelin

Ein großartiger Pianist & Komponist, hochgeschätzt von mir
 
Morton Feldman

Ich kenne diesen Komponisten aus der Beschäftigung mit John Cage. Man kann sagen, dass Feldman zum engeren Kreis um Cage gehörte. Ein interessantes Dokument dieser Verbindung findet man hier.
 
 

In den späten 70er Jahren besorgte ich Notenmaterial, um Musik von Morton Feldman mit der ‘AG Neue Musik‘ meiner Schule aufzuführen. Daraus wurde nichts, denn die Anforderungen waren zu hoch. Es gab zwar reichlich Freiheiten, aber dadurch wurden die Kreativität der Ausführenden und die instrumental-technischen Fähigkeiten eines Perkussionisten über die Maßen heraus gefordert. Für einen Eindruck mögen ein paar Bilder zu The King Of Denmark für einen Perkussionisten sorgen.
 
 

    Front

 
 

    Instructions

 
 

    Page 1

 
 

Ich habe mich seitdem kaum mehr mit Morton Feldman und seiner Kunst beschäftigt. Von Bunita Marcus habe ich durch Gregors Empfehlung zum ersten Mal gehört. Das ist wohl eine sehr interessante Persönlichkeit, wie man ihrer Biografie entnehmen kann. Es gibt so gut wie keine Tondokumente ihrer Kompositionen. Man braucht nur einmal bei Amazon auf die Suche nach Bunita Marcus zu gehen. Bis auf eine Ausnahme wird nur Morton Feldmans For Bunita Marcus – gleich in mehreren Einspielungen – angezeigt. Auch Spotify & Qobuz lassen von Bunita Marcus nichts hören.
 
 
M. Feldmans Komposition reiht sich ein in eine Folge von „For … “ – Stücken
 

For Frank O’Hara (1973)
For Aaron Copland (1981)
For John Cage (1982)
For Philip Guston (1984)
For Bunita Marcus (1985)
For Stephan Wolpe (1986)
For Christian Wolff (1986)
For Samuel Beckett (1987)


 

Unter den genannten Personen scheint Bunita Marcus eine besonderen Rolle in Morton Feldmans Leben gespielt zu haben. In Zeiten des Präinternetikums hätte ich kaum etwas über Mrs. Marcus in Erfahrung bringen können, nunmehr aber schon. Den folgenden Text findet man leicht. Er ist niedergelegt im Booklet einer Aufnahme des Werks, gespielt von Ivan Ilić.

On the title of ‘For Bunita Marcus’
 
From the beginning of his career, Morton Feldman made dedications into titles. The earliest was ‘For Cynthia’, a short piano piece named for his second wife. Then came ‘For Franz Kline’, dedicated to the abstract expressionist painter.
 
Feldman was proud of his association with artists he met through John Cage in the 1950’s. “The temperaments of artists like Rothko, Pollock, [de] Kooning, and Kline are very similar to mine,” Feldman said. “I know their research intimately”. By naming his pieces after them, Feldman cemented his link with a veritable who’s who list of artists living in postwar New York. Names he used include Frank O’Hara (the poet), Mark Rothko, Willem de Kooning, Philip Guston (painters), Aaron Copland, John Cage, Christian Wolff, Stefan Wolpe (composers), and Samuel Beckett (the writer, poet, and playwright). One name sticks out: Bunita Marcus.
 
Marcus was Feldman’s student from 1975 to 1981 at the University at Buffalo, where she earned a PhD in composition. In 1983 Feldman said, “I’m very enthusiastic about this girl. And I think she’s something to be enthusiastic about. I’m never going to have [another] student like her as long as I live. Never.” Although Feldman could be viciously critical of other composers, he had nothing but praise for Marcus and her “natural penchant for doing what she does very, very well.” Her compositions, which he said he “learned a lot from” were “gorgeous” and “elegant”.
 
Marcus was also Feldman’s intimate companion, on and off, from the time they met. She refused Feldman’s marriage proposal in 1981, but they remained close until his death in 1987. Marcus was by no means his only muse; on the contrary, by all accounts Feldman was a compulsive womanizer. But Marcus, who commissioned and premiered his last piano piece ‘Palais de Mari’ (1986), and to whom this CD’s composition is dedicated, will always be inextricably linked to Feldman’s legacy.
 
From the booklet of Ivan Ilić’s recording of ‘For Bunita Marcus’
Catalogue number PTY135305D

 
 

Mich hat das Notenbild von For Bunita Marcus interessiert. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es grafisch notiert ist, es musste konventionell notiert sein, denn Vergleiche der Hamelin-Einspielung mit zugänglichen Streaming-Angeboten zeigten nicht ein „offenes Kunstwerk“, wie es aus der Realisation einer grafischen Partitur resultieren würde.
Bei Universal Edition (offenbar der zweite große Verlag für Feldman, zuvor war es Edition Peters) sind die ersten 4 Seiten als Muster einzusehen. Daraus erschließt sich mir auch Feldmans Anmerkung zur rhythmischen Gestaltung.

For Bunita Marcus besteht hauptsächlich nur aus 3/8-, 5/16- und 2/2-Takten. Manchmal hatte der 2/2 musikalischen Inhalt, so am Ende des Stücks. Manchmal fungieren die 2/2-Takte als Stille, entweder auf der rechten Seite oder der linken Seite oder in der Mitte des 3/8- und des 5/16-Takts, und ich benutzte das Metrum als Konstruktion: nicht den Rhythmus, sondern das Metrum und die Zeit, die Dauer, die etwas beansprucht.

 
 

Die Taktwechsel sind das notationstechnische Mittel, um den eigentlich pulsfreien, kaum greifbaren Zeitstrom schriftlich zu vermitteln. Das ist vertrackt zu spielen !!! Fingerfertigkeit im Sinne schneller fingerbrecherischer Passagen à la Liszt / Rachmaninov (oder auch Hamelin) wird nicht verlangt, Anschlagskultur schon.
 
 

Ich habe For Bunita Marcus heute 2 Mal angehört. Es passiert fast nichts in dieser Musik, es gibt keine dynamische Entwicklung, es ist irgendwie ziellos. Ich war nahe am Aussteigen, doch das feine Timbre einzelner Töne und luzider Zusammenklänge hat mich doch nicht entlassen, gewann mehr und mehr meine ungeteilte Beachtung. Allmählich stellte sich ein Zustand von Selbstvergessenheit ein, ein Gefühl von schwebendem Verweilen in gedehnter Zeit. For Bunita Marcus ist so leise, dass mein Tinnitus hörbar mitmusiziert. Morgen lege ich das Stück wieder auf. Morgen höre ich es etwas lauter.

 

1
Jordi Savall, The Routes Of Slavery
siehe Jazz, A bis Z

2
Stephan Oliva, Princess
faszinierend undramatisch

3
Chopin Evocations
Daniil Trifonov & Mahler Chamber Orchestra
phänomenales Klavierspiel
geradezu ein „Konzeptalbum“ – Chopins Klavierkonzerte umgeben von kompositorischen „Verbeugungen“ Schumanns, Mompous, Griegs, Tschaikowskys & Barbers

4
Oregon, Lantern
vielleicht das letzte Album einer grandiosen Band

5
Omer Klein, Sleepwalkers
live gehört bei den Kulturwelten Helmbrechts

6
Laurent de Wilde, New Monk Trio
einfallsreich inspiriert von Monk

7
Tinariwen, Elwan
auf eigenen Füßen

8
Anouar Brahem, Blue Maquams
After ‚Noon In Tunesia‘

9
Olivier Messiaen, Quatuor pour la fin du temps
Martin Fröst et alt. mit beeindruckender Interpreation eines einzigartigen Werkes

10
Camille
OUÏ

 

Eine Reise zum Nonplusultra ist verlockend. Ich würde gerne den Rand des Universums besuchen. Aber vielleicht hat das Universum keinen Rand zum Nichts, vielleicht gibt es auch keine Grenze zwischen Schönheit und Hässlichkeit.

 
1
 
Die wunderschöne Mathematik hinter der hässlichsten Musik der Welt
 

Es kokettieren viele damit, schon in der Schule in Mathe schlecht gewesen zu sein. Ich habe noch nie jemand sagen hören, schon in der Schule schlecht Klavier gespielt zu haben.

 
2
 
Die meisten Musikwissenschaftler würden behaupten, Wiederholung sei ein wichtiger Aspekt von Schönheit.
 

Sie wissen, dass Schönberg sagte, alles sei Wiederholung – selbst die Variation. Andererseits können wir sagen, dass Wiederholung nicht existiert, dass sich an ein und derselben Pflanze keine zwei Blätter gleichen, sondern dass jedes Blatt einzigartig ist, oder dass in dem Gebäude gegenüber jeder Ziegelstein unterschiedlich ist. Und wenn wir die Steine genau untersuchen, so sehen wir, dass sie sich tatsächlich voneinander unterscheiden, und wenn der Unterschied nur darin besteht, wie das Licht auf sie fällt, weil sie an verschiedenen Stellen eingemauert sind.
 
 
 

 
 
 
Mit anderen Worten: Wiederholung hat damit zu tun, wie wir denken. Und wir können nicht gleichzeitig denken, dass sie sich wiederholen und dass sie sich nicht wiederholen. Wenn wir glauben, dass sie sich wiederholen, so liegt das im allgemeinen daran, dass wir nicht sämtliche Details beachten. Wenn wir aber allen Einzelheiten unsere Aufmerksamkeit widmen, als wenn wir sie durch ein Mikroskop sähen, erkennen wir, dass es so etwas wie Wiederholung nicht gibt.

 
3
 

Die Idee ist, dass ein musikalischer Gedanke wiederholt wird und so die Erwartung auf Wiederholung erzeugt wird. Diese Erwartung wird entweder erfüllt, oder die Wiederholung wird unterbrochen.

 

Als ich mir nur 3 Schallplatten pro Jahr leisten konnte bekam ich vom »Ring der Musikfreunde (Köln) – da war ich Club-Mitglied – eine Werbeplatte zugeschickt. Die Scheibe war klein, von Rand zu Rand 17 cm, und konnte nur Appetithäppchen verteilen. Eines hat mir wahnsinnig geschmeckt. Zu hören war nur der Anfang mit dieser verführerisch melancholischen Melodie. Ich kaufte die teure LP, Rachmaninoffs Klavierkonzert No. 3 mit Emil Gilels.
 
 
 

 
 
 
Rachmaninoff, der viel geschmähte – vor allem Anhänger und Verteidiger der »Schönberg-Schule«, allen voran Theodor W. Adorno, haben seine Musik einer oft vernichtenden Kritik unterzogen – hat mich auf den Weg zur Musik des 20. Jahrhunderts geführt. Als ich die Aufnahme zum ersten Mal abspielte, war ich ernüchtert. Da war so viel Unbegreifliches zu hören. Aber immer wieder tauchten Inseln von jener Schönheit, wie ich sie mochte, auf. Es war jedesmal ein Warten und Erwarten bis ich dort landete. Bei jedem Hören wurden die Inseln größer, zuerst unmerklich. Sie sind längst zum Festland zusammen gewachsen. Rach 3 gehört zu meinen viel gehörten Musikstücken.

 
4
 

Wiederholung und Schemata bilden den Schlüssel zu Schönheit. Denken wir an eines der schönsten Musikstücke überhaupt, Beethovens Fünfte Sinfonie und das berühmte »da na na na« Motiv. Dieses Motiv kommt mehrere hundert Mal in der Sinfonie vor.

 

In Beethovens Musik ist ein bestimmtes gestalterisches, kompositorisches, ästhetisches Prinzip erkennbar: Streben nach Zusammenhang, Entsprechungen und formaler Geschlossenheit, Streben nach dem also, was die »Einheit« der Musik nach heutigem Verständnis ausmacht. Das ist John Cage fremd, das war auch dem 15. / 16. Jahrhundert fremd.
 
 
 

 
 
 
Johannes Tinctoris (um 1435-1511) lehrte »in omni contrapuncto varietas accuratissime exquirenda est« und meinte damit, dass in der melodischen und rhythmischen Erfindung – vor allem geistlicher Musik – das Streben nach Vielfalt und Abwechslung oberstes Gebot sei. Das Prinzip »varietas« war in der Musik der Renaissance ein Kriterium höheren Stils.

Wie zu allen Zeiten ist auch im 16. Jahrhundert die meist improvisierte ’niedere‘ Musik der Spielleute und Bauern stark vom Prinzip der Wiederholung geprägt, während die ästhetisch höchstrangige, die sakrale Musik, das Moment der Wiederholung weitestgehend vermied. Monteverdi, der Modernist, scheute nicht zurück vor »Wiederholung«. Wie kann man Monteverdi und den Jazz näher zusammen rücken?
 
Hier steht’s.

 

5
 

Kann man ein Musikstück komponieren, das überhaupt keine Wiederholung enthält? Tatsächlich ist das eine interessante mathematische Frage. Es stellt sich heraus, dass es sehr schwer ist, ein Musikstück ohne Wiederholung zu erschaffen, und es geht überhaupt nur wegen eines Mannes, der U-Boote verfolgte. Jemand, der versuchte, den perfekten Sonar-Ping zu entwerfen.

 

Was für eine Wendung! Ein brillanter rhetorischer Kunstgriff! Von »Schönheit« zum »Sonar Ping« ! Hey, wach auf, guck mal, wo wir jetzt auf einmal sind!
 
 
 

 
 
 
Jetzt aber nimmt die Zahl der Fragen zu. Nicht nur mathematisches Kopfzerbrechen über »Schönheit« steht an. Auch dem »perfekten Sonar-Ping« komme ich nicht auf die Schliche. Was kann es? Ist es fähig zu unterscheiden, ob ein Schellfisch oder eine Scholle, ob ein russisches oder chinesisches U-Boot angepingt werden?

 

6
 

Für die Creation solcher Schemata, bei denen nichts je wiederholt wird ist die Mathematik des Evariste Galois nötig. Nicht nur seine Mathematik, auch seine Todesart machte Evariste Galois berühmt. Es heißt, er trat für die Ehre einer jungen Frau ein, er wurde zu einem Duell herausgefordert, er nahm an, er wurde erschossen, er starb mit 20 Jahren anno domini 1832.

 
 
 


 
 
 
Was für eine Geschichte! Viel herzzerreißender ist sie, als die kurze sachliche Formulierung des Hauptsatzes der Galoistheorie. Wenn L eine endliche Galoiserweiterung des Körpers K ist, und Gal(L/K) die zugehörige Galoisgruppe, dann ist L galoissch über jedem Zwischenkörper Z und es existiert eine inklusionsumkehrende Bijektion.

 

7
 

Sie sehen aus wie zufällige Punktmuster, aber das sind sie nicht. Wenn Sie genau hinschauen, fällt Ihnen vielleicht auf, dass das Verhältnis zwischen jedem Punktpaar verschieden ist.

 

Die Zeit zum genauen Hinschauen wird nicht gewährt. Genau hinschauen kann ich nur, wenn ich selbst ein Costas-Array bastle. Leider ist auf meinem Blatt nur Platz für eine 30 x 30 Matrix – also an die Arbeit …
 
 
 

 
 
 
Eine solche Matrix zu erstellen, ist leicht, denn „sie wird auf einfache Weise erzeugt. Grundschulmathematik reicht, um dieses Problem zu lösen. Man multipliziert immer wieder mit 3 [1, 3, 9, 27, 81 …]. Wenn man über 31 hinauskommt, was eine Primzahl ist, dann zieht man immer 31 ab bis man wieder darunter liegt.“ Versucht man nach diesem Algorithmus eine 12 x 12 Costas-Array zu bilden, dann gelingt das nicht.
1, 3, 9, (27-13-13 = 1) 1, 3, 9, 1, 3, 9, 1, 3, 9
Ich habe ein toy piano mit 12 Tasten und würde so gerne die Tasten 2,4,5,6,7,8,10,11,12 drücken …

 

8
 

Schönbergs Ziel war es, Musik zu komponieren, die völlig strukturlos ist. Er nannte das die Emanzipation der Dissonanz.

 

Schon wieder Schönberg. Jetzt ist es aber genug. Nur so viel noch: dass Schönberg strukturlose Musik zu komponieren die Absicht gehabt haben soll, halte ich für Käse.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz