Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Links am Flügel nimmt Carla Bley Platz, in der Mitte sieht man Steve Swallow in seiner typischen Haltung leicht vorgebeugt Carlas intrikate Partituren lesend, rechts bläst Andy Sheppard mal Tenor, dann wieder Sopran. Das ist kein Trio. Das ist Dreieinigkeit.

 
 

 
 

Die Unterfahrt ist noch fast leer, es sind noch 90 Minuten bis zu den ersten Tönen, aber es wird schließlich sehr, sehr eng im Club, der Andrang ist gewaltig, unter den Zuhörern entdecke ich Manfred Eicher.

Pünktlich um 21 Uhr wird die Band vorgestellt, man werde Stücke ihres letzten Albums Andando el Tiempo hören. Altersgemäß vorsichtig betreten Carla und Steve nach Andy die Bühne. Steve Swallow begrüßt die Zuhörer und korrigiert die Ansage. Man werde fast nur neue Stücke hören, die Carla in den vergangenen Jahren geschrieben habe, Stücke, die auf dem nächsten Album bei ECM erscheinen werden. Wunderbar. Aber eine Studioaufnahme wird die Magie dieses Abends nicht erreichen.

Die beiden letzten Stücke waren gute Bekannte, nämlich Three Banana aus dem fabelhaften Album The Lost Chords Find Paolo Fresu – ein Stück für Beatles Kenner – und Carlas meisterhafte Paraphrase von Monks Misterioso. Als ich mein Abendessen und den Rotwein beglichen hatte, war der Saal fast so leer wie am Anfang. Steve kam noch einmal auf die Bühne, um seinen Bass und diverse Notenblätter einzusammeln. Ich bedankte mich für den tief bewegenden Abend und Steve meinte, es sei für das erste der Tournee ein ganz gutes Konzert gewesen.

 
 

 
 

16. Mai – München, Unterfahrt
17. Mai – Zürich, Moods
20. Mai – Wien, Porgy & Bess
24. Mai – Köln, Stadtgarten
25. Mai – Köln, Stadtgarten
16. Okt.- Utrecht, Tivoli Vredenburg

 

 


 
 

 
 
 

 
 

 


long version

 

 

Oft wird gesagt, man könne Äpfel und Birnen nicht miteinander vergleichen. Das stimmt nicht. Ich kann es. In meinem Freundeskreis gibt es eine Person, die keine Äpfel isst wegen einer Allergie. Birnen lässt sie sich schmecken. Ich weiß von lieben Menschen, die einen anaphylaktischen Schock erleiden würden wenn sie in Messiaen beißen, die an der Bar drei Caipirinhas trinken müssen bevor sie einen Sakamoto schlürfen. Ich werde jetzt Ryuichi, Mike und Daniil vergleichen. Alle drei spielen Klavier. Äpfel und Birnen sind Obst.

 
 
Ryuichi Sakamoto
 

BTTB habe ich angehört, denn Gregors Rezensionen sind mir oft ein Anlass, dem Besprochenen nachzuhören. Ryuichi Sakamoto wäre eine verschwommene Erscheinung am Rande meines Klanghorizontes, würde nicht hie und da unter den Manafonistas über ihn gesprochen. Damals, kurz nach dem Erscheinen habe ich das Album X∞Multiplies des YELLOW MAGIC ORCHESTRA gekauft.

 

 

 

 

Ich fand die Musik zwar interessant, aber doch nicht hinreißend genug, um mich dauerhaft zu fesseln. Seit wenigen Jahren erst ist mein Interesse an Ryuichi Sakamoto erwacht, ausgelöst von der Musik zu The Revenant. Im Praeinternetikum ist es schier unmöglich gewesen, die vielen Facetten seiner Persönlichkeit zu entdecken. Jetzt schätze und bewundere ich seine Vielseitigkeit. Für ein piano wunderkind halte ich ihn nicht, genauso wenig das Album BTTB für ein Meisterwerk.

Haruki Murakami schrieb die Liner Notes, u.a. notiert er:

“Personal and intimate music – somebody (an anonymous somebody) sitting alone in front of the school piano early in the morning, weaving a melody, exploring harmonies.“

 

Sakamoto ein Musiklehrer? Ja, das auch. Es hat wohl bei NHK, dem japanischen TV, eine Reihe zur Musikgeschichte gegeben mit dem Teacher Sakamoto.

 
Commmons Schola: Live on Television Vol.1 Ryuichi Sakamoto Selections
 

In diesem Trailer spielt Ryuichi Sakamoto u.a. Maurice Ravels Menuet sur le nom de Haydn, eine kurze Sequenz aus J.S. Bachs Goldberg-Variationen und ein Duo mit dem japanischen Jazz-Pianisten Yosuke Yamashita.

 

BTTB

Die Assoziationen verschiedener Rezensenten – Satie, Debussy, Cage, Bach – verraten es schon: es ist eine rückwärts schauende Musik, zurück bis tief ins 19. Jahrhundert reichend, in wenigen Piècen fast an die damals verrufene Salonmusik erinnernd. Es gibt aber ein paar pfiffige Stücke. Murakamis Liner Notes evozieren zwar die Vorstellung eines entspannt improvisierenden *Somebody*. So ist es nicht. Das Album enthält überwiegend (vermutlich exakt notierte) Kompositionen. No. 6 choral no. 2 beginnt und endet als strenger Kanon zweier Akkordlinien und auch der Mittelteil ist ein vorwiegend kanonisch geführtes Bicinium. Das kann man nicht so leicht ad hoc aus dem Ärmel schütteln. No. 3 intermezzo klingt wie ein verschollenes und wiederentdecktes Intermezzo von Johannes Brahms. Es dauerte nicht lange und ich hörte das Album wie ein amüsantes musikalisches Rätsel. No. 2 sonatine erinnert an Prokofievs schalkhafte Symphonie classique. No. 7 do bacteria sleep? Maybe, Several Species of Small Furry Maultrommels Gathered Together in a Cave? Bei meinen Streifzügen durch Sakamotos Welten habe ich ganz andere Objekte angetroffen – faszinierende! Dieses zum Beispiel:

 

Alva Noto & Ryuichi Sakamoto with Ensemble Modern: Utp_

 
 
Mike Westbrook
 

Ob jemand Mike Westbrook kennt? Vielleicht ist er der erste Arrangeur gewesen, der ein komplettes Album der Beatles für Big Band einrichtete. Als die Platte 1989 erschien, habe ich sofort zugegriffen. Schließlich handelt es sich um das von mir am meisten bewunderte Album der Beatles. Die Scheibe der Mike-Westbrook-Band trägt den Namen Off Abbey Road. Mike Westbrook ist aus meinem Sichtfeld verschwunden, nachdem ich mich satt gehört hatte. Vor kurzem ist er mir wieder begegnet mit seiner Version eines der schönsten Songs der Beatles, mit John Lennons Because.

 

 

 

 

Mike Westbrook spielt ebenfalls gerne Klavier. Er schaut nie rückwärts, auch wenn er seine Lieblinge – etwa Duke Ellington – interpretiert. Er gehört zu einer Garde von Jazzpianisten, die ohne brillantes Laufwerk brillieren mit unverwechselbarem Ton und Gestus. Er ist spröde. Wer Paul Bley mag, könnte an ihm Gefallen finden.

 
 
Daniil Trifonov

obwohl es im leben groesseres gibt als klaviermusik
gibt es im leben momente
da gibt es nichts groesseres als klaviermusik

 

Einen solchen Moment habe ich am 21. Februar erfahren. Dieses Ereignis hat mich mit einer emotionalen Wucht getroffen, wie wenige andere. Ich war – im „übertragenen“ Sinn – live dabei, als Trifonov einen unglaublichen Klavierabend in der Berliner Philharmonie spielte, der über die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker zeitgleich vermittelt wurde. Schön, dass ich den Auftritt zusammen mit einem guten Freund erlebt habe. Da es sich nicht beschreiben lässt, breche ich jetzt ab. Das letzte Wort hat Uli.

 

Der fröhliche Diskurs entsteht ja, weil es eben nicht darum geht die Erfahrungen anderer zu bewerten, sondern neugierig Trittbrett zu fahren und etwas zu entdecken.

 

to short version

 
 


 
 

Love, deep love at first sound – these are very rare occurances in my life. I remember just a few, less than ten. At the moment I remember half an hour of roaring silence I listened to in Iceland many years ago, I remember Forest Flower, Sunrise-Sunset played by the Charles Lloyd Quartet at Monterey, I remember Stella by Starlight performed by the Miles Davis Quintet at Lincoln Center on February 12, 1964. Furthermore some Madrigals composed by Claudio Monteverdi and of course Keith Jarrett, Lausanne 1973 Part II.

Love at first sound came to pass when I listened to New Age Hand Jive the first time. This happened not only to me, but at the same time to my daughter, who entered my living room and said: „I want this piece of music, please“. When she was pregnant, she played it many times and my unborn grandson Julius became familiar with this beautiful music (but now he likes Bavarian Folk Brass Music – uff da daaa).

Larry Karush is the composer’s name. But who is Larry Karush? Damn! I don’t know how I got on Karush’s album PIANO CROSSROADS. Larry Karush was born October 6, 1946. He performed improvised music with roots in jazz, 20th and 21st century western classical music, African percussion, and the classical music of North India. This characterises exactly the above mentioned album. Together with Glen Moore and Glen Velez he formed the wonderful Trio Mokave.
 
 
 


 
 
 

In December 2015 I contacted Glen Moore to learn more about Larry. I wrote:
 

Today I write primarily because of Larry Karush and Mokave. I heard of Larry Karush when Steve Reich’s „Music For 18 Musicians“ was released in 1978. He was then a member of Reich’s Musicians. I didn’t forget his name, maybe because of the release of „May 24, 1976“ (JAPO Records) which I didn’t buy then. In those days I noticed quite carefully all the issues published by ECM.

It took me a very long time until I realized what an astonishing pianist and composer he has been. Now it’s only a few weeks ago when I listened by chance to „PIANO CROSSROADS“. I was unusually fascinated and looked out for some more records of Larry. There are not so many.

In my ears and in my opinion Larry was one of the best piano players of modern jazz and more, being at the same height of virtuosity, originality, deepness like many other well known piano players. And he has his own dialect.

I don’t understand, why he remained so unheeded.
– was he too unpretentious, too shy?
– didn’t he find a label, a promoter to bring him forward?
– did he prefer more to teach than to perform?

I read about him (wikipedia). It’s woeful that he has passed away already in 2013

 

Glen’s answer:
 

Dear Hans,

thank you very much for your kind letter.

I am happy for you that you could find Larrys recordings – he also plays a duet with me on the Oregon album FRIENDS.

Larry and I became friends in Portland, Oregon where he was a student at Reed College. Larry was a very talented player.

Your first assumption was correct – he was too unpretentious, too shy to be able to push himself out into the world. He loved music and was one of the greatest players I have known.

I will pass your letter to his wife and son who would be pleased to hear his praises sung by you.

All the best,

Glen

„In brief interviews, Mr. Frith recalls being inspired as a teenager by the rhythm guitar playing on the Beatles‘ records. He rejects self-expression as an artistic ideal and talks interestingly about performing for small audiences and waking them up to the possibilities of what music can be. Mr. Frith is also shown to be a musician whose esthetics, like Mr. Cage’s, are related to environmental concerns. In one scene, he is shown standing on a rocky coastline serenading flocks of seagulls that seem drawn to the birdlike sounds he is creating. Make no mistake: Mr. Frith is no dreamy, new-age nature boy. The black-and-white movie, which was filmed on three continents, also has extended sequences of decaying urban sprawl accompanied by appropriately abrasive sounds.“

(James Holden, NYT, 1992)

 

 
 

Step across the border   /   Das Porträt des englischen Musikers Fred Frith

ARD-alpha / 24.02.2019, 21:55 Uhr

 

2019 29 Jan

Olompen

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Ich schreibe hier selten über neu erschienene Alben. Meistens sind es Rückblicke auf Klassiker oder Konzerterlebnisse – längst stattgefundene oder frisch erlebte. Aus diesem Grunde sind meine Jahreslisten kurz und enthalten oft weit zurückblickende Reviews. Man gestatte diesen holprigen Pleonasmus. Manchmal mache ich mir Gedanken, warum das so ist. Ein paar persönliche, nur auf mich zutreffende Antworten habe ich. Diese zum Beispiel.

In meinen ganz jungen und den noch jungen Jahren war die Welt ein Buch mit unendlich vielen ungeöffneten Seiten. Das ist es auch heute noch, obgleich es weniger unendlich viele Seiten zu sein scheinen als vor sechs Jahrzehnten.

Ich erinnere mich an eine meiner ersten Geigenstunden. Ich war damals 9 Jahre alt. Nach dem Schrubben auf leeren Saiten und den ersten Griffübungen kam endlich eine vollständige Tonleiter zur Aufführung, G-Dur – grifftechnisch simpel und nur ein Saitenwechsel. Kantor Arthur Orth begleitete mit ein paar Harmonien und meine Knie wurden weich von diesem unerhörten Eindruck. Zu Hause erzählte ich – noch ganz ergriffen – meiner Mama von diesem Erlebnis. Die Wirkung heute? Sie wäre gleich Null …
 
 
 

Olompen
 
 
 

Die ersten Seiten im Buch der Welt machen einen ungeheuren Eindruck, wenn man sie zum ersten Mal aufschlägt. Seit 2 Jahren und 3 Monaten habe ich Julius, meinen ersten Enkel. Es ist ein Riesenvergnügen mit ihm. Zwar flippt er nicht aus bei einer G-Dur-Tonleiter , aber bei Blasmusik, bei „Uff da daaa“ schon. Bayerische Volksmusik und die Blaskapellen beim Helmbrechster Schützenfest waren ja auch meine ersten musikalischen Vorlieben. Meine banalsten Scherze und Blödeleien verlangt er „nochmaahl, nochmahhl“

Das Gedächtnis in den ersten Lebensjahren ist wahnsinnig leistungsfähig. Julius merkt sich in der Regel ein einmal gehörtes Wort. Und wenn eines schwer auszusprechen ist oder es ihm nicht gefällt – wer weiß das schon -, dann erfindet er ein neues. Beim Kinderarzt bekommt er nach der Untersuchung zur Belohnung *Gummigiechi*. Letzte Woche habe ich in der Wohnung mit ihm Fußball gespielt, nicht mit einem schweren Ball, sondern mit *Olompen*.

Julius gibt mir richtig Aufwind.

1979, wenige Wochen nach der Aufnahme von Fictitious Sports trat die Carla-Bley-Band bei den Berliner Jazztagen auf. Die Aufnahmen gibt es sicherlich noch im Archiv des SFB, nunmehr kulturradio rbb. Vielleicht muss man einfach wachsam sein, wenn man den kompletten Auftritt irgendwann hören möchte. Rundfunk rbb überträgt regelmäßig Konzerte der Berliner Jazztage aus alten Zeiten. Im Jahr 2015 hat eine italienische Bootleg Seite zugegriffen und das komplette Konzert – übertragen von rbb – mitgeschnitten. Das Download-Link ist leider vertrocknet. Michael Naura stellte die Band vor, und dann gab es diese Schmankerl zu hören:
 
 

Floater
Ida Lupino
Wrong Key Donkey
Dreams so real
Walking Batterie Woman
I’m a mineralist
Boo to you too
Musique Mecanique III

 
 

Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des JazzFests Berlin veröffentlichten die Berliner Festspiele in Kooperation mit SWR2 und kulturradio rbb eine LP in limitierter Auflage, von einer exzellenten Pressqualität, wie ich sie noch nie auf dem Plattenteller hatte. Weil dem Globe Unity Orchestra eine LP-Seite eingeräumt wurde, ist der Auftritt der Carla-Bley-Band nur zur Hälfte auf der Schallplatte vertreten. Hier eine kleine Galerie des Gatefold Covers:
 
 
 

     
 
 
 

Im zweiten Bild steht links an den Tubular Bells Thomas Stöwsand. Das möchte ich für die Freunde der Gleichmannstraße 10 anmerken. Was es mit dem Titel Boo To You Too auf sich hat, beschreibt Bert Noglik im Cover Text. Auf dem Image ist das schwer zu entziffern. Hier, bitteschön, der Text in voller Lesbarkeit:
 

Es erschien reizvoll, bei dieser LP-Edition der europäischen eine unkonventionelle amerikanische Großformation gegenüber zu stellen. Auch bei der zweiten hier dokumentierten Konzertaufzeichnung handelt es sich um eine Erstveröffentlichung, diesmal aus der langjährigen Ära von George Gruntz als künstlerischem Leiter des JazzFest Berlin. Die Carla Bley Band betrat 1979 die Bühne der Berliner Philharmonie. Carla Bley präsentierte Stücke aus eigener Feder, in denen sich zwar etwas von der Tradition amerikanischer Großformationen des Jazz, zugleich aber auch ein europäischer Einfluss spiegelt. „Walking Batterie Woman“ zählt zu den frühen Kompositionen von Carla Bley, erstmals 1966 eingespielt mit dem von ihr und ihrem damaligen Ehemann Mike Mantler gemeinsam geleiteten Quintett (mit Steve Lacy) für die Platte „Jazz Realities“. Der musikalische Gestus des Themas ist prägnant und erinnert in seiner Kantigkeit ein wenig an Thelonious Monk. Mit der Musik und dem vom Schlagzeuger D. Sharpe vorgetragenen Songtext „l’m A Mineralist“ bezieht sich Carla Bley klang- und wortspielerisch auf die Minimal Music. „Erik Satie gets my rocks off“ heißt es da, „Cage is a dream, Philip Glass is a mineralist to the extreme“. Das Stück entstand für die Platte „Fictitious Sports“, die im Monat zuvor in New York aufgenommen und später unter dem Namen des Pink Floyd-Schlagzeugers Nick Mason veröffentlicht wurde, obwohl alle Kompositionen von Carla Bley stammten. Auch „Boo To You Too“ findet sich auf „Fictitious Sports“. Inspiriert wurde das Stück von den berühmt-berüchtigten „Berlin Booers“, denen Carla Bley das Stück auch gewidmet hat. 1979 war das Berliner Publikum allerdings nicht mehr so buhfreudig wie noch in den Jahren zuvor. Die Buhs wurden von George Gruntz, Mitarbeitern und Presseleuten in den Saal gerufen und von den gesitteten Konzertbesuchern argwöhnisch wahrgenommen. Das abschließende „Musique Mecanique III“ hatte Carla Bley ein Jahr zuvor für ihr 1979 veröffentlichtes Album „Musique Mecanique“ aufgenommen. Schon als Kind, bekannte sie, habe sie der Besuch eines Museums mit mechanischen Musikinstrumenten und Spielautomaten in San Francisco außerordentlich fasziniert. Aber auch ein undogmatischer Umgang mit Ausdrucksmitteln der Minimal Music, Einflüsse von Kurt Weill, Hanns Eisler, Gil Evans, Charles lves und vielen anderen haben Spuren hinterlassen. Dabei ist Carla Bleys Musik unverkennbar eigenwillig. Sie trotzt der Kategorisierung und kreiert, anders als Alexander von Schlippenbach, aber im Nonkonformismus wesensverwandt, ihre eigene Welt.

 
Nick Mason’s Fictitious Sports
 
 

Innerhalb von Pink Floyd hat sich Mason immer tadellos verhalten. Bei allen seinen Kompositionen war er zugleich Experte und Erfinder und er verstand es vor allem, seinen Kumpeln gegenüber äußerst respektvoll zu sein. Daher kann er es sich gutschreiben, der einzige Musiker zu sein, der auf allen Alben der Gruppe vertreten ist. Er ist aber auch derjenige, über dessen Karriere außerhalb der Gruppe am wenigsten bekannt ist. Obwohl sein Name auf diesem Album steht, so ist dieses nicht als eine besondere Leistung seinerseits zu betrachten, sondern als ein Projekt, das er zusammen mit der wunderbaren Carla Bley und dem nicht weniger genialen Robert Wyatt realisiert hat.

 
 


 
 

Fictitious Sports wurde mitten in der Zeit der größten, persönlichen Auseinandersetzungen der Gruppe eingespielt und ist, ohne wirklich asketisch oder schwer verständlich zu sein, meilenweit von dem entfernt, was Pink Floyd je produziert haben, abgesehen von dem herrlichen Hot River mit einem Chris Spedding, der auf perfekte Weise David Gilmours Slidekunst imitiert. Was den Rest betrifft, so wandelt man eher durch die Welt des Experimental Jazz von Bley oder des hochkarätigen Progressive Rock, wie man es von Soft Machine, King Crimson, Frank Zappa, Adrian Belew oder Brian Eno her kennt… Dieses Album ist auch eine erste fruchtbare Zusammenarbeit mit Bleys treuem Komplizen, dem Trompeter Michael Mantler. Mit dieser sorgfältig erarbeiteten Neuausgabe erfährt also das Album eine gerechte Revanche, nachdem es nach seinem Erscheinen vor 37 Jahren zu Unrecht sofort in Vergessenheit geraten war. Mason liefert damit einen zusätzlichen Beweis, dass er vor allem zu den besten Schlagzeugern der Geschichte gehört und dass er sich weitab, sehr weitab von Floyd hätte perfekt entfalten können.

 
© Jean-Pierre Sabouret/Qobuz

2019 25 Jan

hearing aid

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Ein Wort, ein Begriff ist leicht ausgesprochen. Die Bedeutungen, verpackt in Phonemen, sind vielfältig

 

Hilfen für das Hören gibt es hier im Blog reichlich
Aaron Parks – hätte ich ohne Brian nicht entdeckt
TRINNOVs Amethyst und Mangers Lautsprecher sind fantastische Hörhilfen
Walter Bachauer im RIAS, Micha im NDR und im DLF
Murray Schafer, Die Ordnung der Klänge – Eine Kulturgeschichte des Hörens

 
 

 
 

Seit dem 9. Januar trage ich ein Hörgerät


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