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King Crimson und die Reduktion auf das Wesentliche
 

Vorgestern war ich im Konzert von King Crimson in München. Wer die Band nicht kennt: sie sind eine Art „Grateful Dead“ der Prog-Rock-Szene – seit nun gut 50 Jahren schart die inzwischen 72-jährige Gitarrenlegende Robert Fripp […] immer wieder neue und stets sehr gute Musiker um sich, um die Band (in der er ursprünglich auch „nur“ Gitarrist und ein Bandmitglied von vielen war) als „King Crimson“-Projekt am Leben zu halten.

„King Crimson“ spielte 2x in der Philharmonie im Gasteig und konnte den Saal beide Male problemlos bis auf die letzten Plätze mit Zuschauern füllen. […] Die Zuschauer waren durchaus auch ergraut, aber nicht ergrauter als das typische Klassikpublikum (und meistens wesentlich jünger als zumindest Robert Fripp). Auch junge Zuschauer waren zu sehen, und zwar deutlich mehr als bei einem typischen Klavierabend im Herkulessaal, bei dem die einzigen jungen Menschen Klavierstudenten sind.

Warum das so bemerkenswert ist, dass ich darüber erzähle? Hierzu muss man die Musik von „King Crimson“ ein wenig kennen. Es handelt sich hier um eine besonders experimentierfreudige Band im Genre des sogenannten „Progressive Rock“, das seit einigen Jahren eine bemerkenswerte Renaissance erlebt. „King Crimson“ waren hierbei schon in den 70er Jahren Vorreiterband, die schon sehr früh verschiedenste Einflüsse amalgamierte und in ihrer experimentierfreudigsten Phase sogar fast eine Art Free Jazz mit Heavy Metal-Elementen spielte und selbst bei quasi „rockigeren“ Titeln wie „21st Century Schizoid Man“ nie vor komplexen Rhythmusstrukturen und dissonanten Riffs zurückschreckte. Man kann sich kaum eine Band vorstellen, die weiter von dem entfernt ist, was man allgemein als „Mainstream“ bezeichnet.

Das Konzert in München begann mit dem Stück „Lark’s Tongue in Aspic“ und bestand aus einer Mischung älterer und neuerer Stücke. Keinerlei Bühnenshow, die Musiker stehen/sitzen einfach nur da und spielen, einzig und allein beim letzten Stück des Abends färbt sich das Licht Rot, das war’s. Keine Ansagen, kein Herumalbern mit dem Publikum, es geht nur um die Musik (die es lautstärke- wie energiemäßig in sich hat, mit einer komplexen Rhythmusgruppe aus drei Drumsets, die fast ständig verschachtelte Rhythmen spielen). Tausende Menschen lauschen musikalisch durchweg anspruchsvoller Musik, applaudieren wild, sind treue Fans.

Was funktioniert hier, was bei „Neuer Musik“ oft nicht funktioniert? Geschenkt – „King Crimson“ nehmen den Vorteil mit, als Band eine lange Geschichte zu haben, das zieht treue Fans an, die die Stücke aus zahlreichen Einspielungen fast auswendig kennen. Aber dennoch waren sie nie „kommerziell“, haben sich in ihrer langen Bandgeschichte komplett zunehmend unabhängig von den üblichen Popmusik-Kompromissen und Deals mit „Major Labels“ gemacht und füllen dennoch als äußerlich unscheinbare Männer fortgeschrittenen Alters die Säle. Sie sind genauso „klassische Musik“ des 20. Jahrhunderts wie die sogenannte „Neue Musik“.

Das typische Klassik-Publikum kennt viele Klischees, warum die Neue Musik „böse“ ist, u.a. weil sie angeblich keinen Hörgewohnheiten entspricht und zu „atonal“ ist. „King Crimson“ beweist spielend, dass das alles Bullshit ist: über lange Strecken sind sie ebenfalls „atonal“, Fripp hat z.B. Vorlieben für dissonante Riffs die sich in komplexen Taktwechseln entgegen der „Hörgewohnheit“ unendlich transponieren, das ist weder traditionell noch eingängig, dennoch schütteln Tausende Menschen beim Konzert begeistert die Köpfe im (meistens 5/8 oder 7/8) Takt.

Man muss ab und zu mal solche Konzerte besuchen um zu begreifen, dass es manchmal einfach nicht mehr braucht, als konsequente Musik und gute Musiker, um ein gutes Konzerterlebnis zu vermitteln. Wo sich die meisten E-Komponisten heutzutage in Konzepte flüchten, in denen das eigentliche Musikerlebnis, ja das Gehörte an sich immer weniger eine Rolle spielt, […] wird bei „King Crimson“ einfach nur (gut) gespielt, und es überzeugt. Auch das kann gehen, und das ist auch gut so.

In der Reduktion auf das Wesentliche liegt (vielleicht) auch eine Chance für das, was in den nächsten Jahrzehnten „Neue Musik“ sein wird.

 
Moritz Eggert, 18. Juli 2018
 
 
Das Original der Rezension ist hier zu Hause

 

2018 30 Aug

bildlich gesprochen

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vor wenigen tagen ist mir jemand mit den initialen M.E. über den weg gelaufen
ein bunter vogel
 
ich hätte auch gleich schreiben können
noch so ein bunter vogel
 
 

2018 17 Aug

2 – Wagner

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Sandro?
nein
 
Richard?
schon eher
 
 
Ein ziemlich unscheinbarer cliffhanger in den comments von „My Ways“ ist Schuld an diesem (für manche abschreckenden) Titel.
 
 

es soll tatsächlich auch Leute geben, die ausser Wagner nichts gelten lassen

 
 

Ich selbst bin kein Wagnerianer, nicht einmal ein Opernfreund. Ich mag nur zwei Opern. Im Zeitraum eines halben Jahrhunderts habe ich vier Mal eine Aufführung der Bayreuther Festspiele besucht. In zwei Fällen war der Zutritt eher ungewöhnlich, ansonsten erhielt ich Billets von einer guten Freundin, die seit langem jährlich Festspiel-Tickets bestellt. Einst hatte man nach der Erstbestellung 8 bis 10 Jahre zu warten, bis einem Einlass gewährt wurde. Nicht warten müssen die von Hundertschaften der Polizei behüteten geladenen Gäste der Premiere. Sie sind reichlich ausgestattet mit ökonomischem und sozialem Kapital, aber bestimmt mit weniger kulturellem Kapital als die eingefleischten Wagnerianer, die später kommen, zum zweiten, dritten, vierten Zyklus. Ich erinnere mich, dass vor Jahren Franz Beckenbauer mit Gattin Premierengast gewesen ist. Im Präinternetikum hätte ich es bei diesem Sätzchen belassen müssen. Heute aber finde ich mühelos einen Artikel, der am 26.04.2008 im Berliner Tagesspiegel erschienen ist.

 

Es war Franz Beckenbauer, der Mitte der siebziger Jahre – angetrieben von seiner bildungsbeflissenen ersten Frau Brigitte – eine „Tristan“-Vorstellung auf dem Grünen Hügel besuchte und die Schallmauer durchbrach. Sein Kommentar? Er habe kein einziges Mal auf die Uhr geblickt. Im Übrigen sei die Arbeit eines Wagner-Sängers mit der eines Fußballers durchaus vergleichbar: fünf Kilo Gewichtsverlust pro Abend/Spiel. Und das Festspielhaus erinnere ihn an das Stadion Rote Erde in Dortmund: „Außen nicht besonders schön, aber drinnen hervorragend für die Spieler.“

 

Einer von jenen, die erfahren mussten, dass es Leute gibt, die ausser Wagner nichts gelten lassen, ist Gregor.

 

Ich musste um meine Musik kämpfen, sie heimlich hören, sie galt nichts, Klassik war alles, für meinen Vater vor allem Wagner. Aber für seine Musik zu kämpfen, das hat ja auch was.

 

Wie vor kurzem hier zu lesen war, blieben mir solche Kämpfe erspart. Vater-Sohn-Konflikte durchzustehen gab es für mich als opus postumum nicht. Mein Großvater aber war nicht besonders angetan von meiner Berufswahl. Er hielt Musik für eine brotlose Kunst.

Mit meinen Seminarlehrern gab es nur minimale Spannungen während des Referendariats. An die beiden blieben mir nur vage Erinnerungen. Sie rauchten wie Dampflokomotiven. Von Beat-Musik hielten sie nichts , denn da kämen ja Quint- und Oktavparallelen vor. Jo mei, wo sammer denn! Ich erlaubte mir den Hinweis, dass Carl Orff sich ebenfalls den Quintparallelen hingegeben habe, z.B. im Chorsatz Odi et amo aus Catulli Carmina. Ich bekam eine Antwort, deren Wortlaut mir entfallen ist, nicht aber der ideologische Duktus ihrer Rede, sinngemäß: Quod licet Iovi non licet Bon Jovi. Wie sie auf die Schüler wirkten, bekam ich zu spüren als ich in der 8. Klasse erstmals ohne beider Präsenz unterrichten musste. Als ich begann, den Auftrag zu erfüllen, ein Stunde über die Klarinette zu halten, brach unbeschreiblicher Lärm los, ich war hilflos im Tumult, der sich erst nach vielen Minuten legte, erst als die Schüler ihren Frust in Worten bekennen konnten und wir vereinbarten, dass in den folgenden Stunden zur Hälfte Stoff gemacht wird und sie dann ihre Lieblingsplatten vorstellen dürfen.

In Kronach war ich wieder im Hinterland angekommen. Der Musiksaal des Gymnasiums war der am weitesten vom Haupteingang entfernte Raum – ein Umstand, dem ich bald Symbolwert zuwies. Musik war kein Vorrückungsfach, die Oberstudiendirektoren, meine „Chefs“, waren keine „Wunderohrenkinder“, hatten auch keine Bücher über Polyphonie gelesen. Ich war abgesondert, vielleicht galt ich als absonderlich, niemand konnte mich an mir selbst irremachen, niemand hinderte mich, Songs der Beatles mit den Schülern zu singen. In meinem ersten Jahr in Kronach gestattete die Schulleitung gar den Auftritt der Band Ex Ovo (damals mit Klaus Kreuzeder am Sopran-Sax) vormittags zur Unterrichtszeit für die gesamte Mittelstufe. Im Sommer fuhren wir mit dem Bus nach Nürnberg zu Emerson, Lake and Palmer. Nun ja, einmal kam mir zu Ohren, dass ein Kronacher Kulturbischoff sich mokierte, der neue Musiklehrer lasse nur englische Lieder singen und spiele Beatmusik vor – das war aber nur die halbe Wahrheit.

 
 
 

 
 
 

Rechts im Bild sieht man Herrn Walter Kromp. Er ist vor vielen Jahren schon verstorben. Er hat mir einmal weitergeholfen. Es ging um den Auftritt einer Jazzband aus Hamburg, die ich von einem Jazzkurs her kannte, Musiker, die auch nach Auftrittsgelegenheiten suchten. Ich lud sie ein nach Kronach. Doch da das Konzert nur Abends stattfinden konnte, war es nicht möglich, dies als Schulveranstaltung auf die Bühne zu bringen.

Ich wandte mich an den Kulturring Kronach, der eigentlich nur sog. „Klassische Musik“ verwaltete. Den Vorsitzenden, Herrn S., versuchte ich mit besten Argumenten zu bewegen. Selbst der Hinweis, es würde den Kulturring keinen Heller kosten, fruchtete nicht, und mein vermeintlich stärkster Trumpf, der Saal würde mit jungen Leuten prall gefüllt sein, wurde mit diesen Worten niedergestreckt: „Für die sind wir sowieso nicht da!“. Ich habe den Hörer aufgelegt, ohne Gruß, und musste ein neues Telefon besorgen.

Walter Kromp dagegen, der Vorsitzende des Kreisjugendrings, antwortete auf meine Anfrage: „Klar, das machen wir.“ Das war dann erst der Anfang …

 
hm, jetzt fehlt mir aber der cliffhanger

2018 10 Aug

1 – My Ways

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Ein besserer Titel ist mir nicht eingefallen, obwohl ich lange nach einem anderen gesucht habe. Erinnert er doch an Frank Sinatras Hit My Way, an einen Song, den ich nicht mag. Der Zufall hat es gegeben, dass ich nicht in Saudi-Arabien, nicht in Syrien, nicht in der DDR, nicht in Bangladesh zur Welt gekommen bin. Ich habe Glück gehabt. Ich bin in einem Wegenetz angekommen, das ich mir freilich nicht aussuchen konnte, das mir aber lieber ist als andere schicksalhaft mögliche.

„I did it my way“ – naja, das tut auf irgendeine Weise jeder. Freilich gibt es eine Auswahl vielgestaltiger Wege: ausgetretene broad ways, verwachsene Pfade, Sackgassen, Seitenwege ‘beyond mainstream’. Der schönsten einer, die sich mir öffneten, ist der Manafonistas Blog. Auf meinen Wegen im schwedischen Lappland umschwirren mich bald Mosquitos, sobald ich stehen bleibe. Und in der Manafonistas Welt finde ich Sätze, die – wenn ich innehalte – sich zuverlässig melden, sich nicht abschütteln lassen, mosquitoartig. Es sind nur wenige, dieser zum Beispiel:
 

Ganz gewiss gehören weder du noch Gregor zu jenen, die meinen, man sei mit „höheren Weihen“ gesegnet, wenn man in der Klassik weilt (solche Menschen kannte ich aber)

 
Bei den verzweifelten Versuchen, einen griffigen Namen für die sog. „Klassische Musik“ zu finden, taucht neben anderen der Begriff „Bildungsmusik“ auf. So übel ist er nicht. Das Verhältnis von Claydermans Ballade pour Adeline zu Beethovens Hammerklaviersonate entspricht etwa dem von Mensch ärgere dich nicht zu Schach. In beiden Fällen ist das andere erheblich anspruchsvoller als das eine. „Bildungsmusik“ respektive „Klassik“ war zu meiner Schulzeit einziger Gegenstand der sog. Höheren Bildung im Fach Musik. In den Lehrplänen tauchten Popkultur, Jazz und dergleichen nicht auf. Mein junger Musiklehrer am Gymnasium Münchberg behandelte jedoch den Jazz, entgegen aller curricularer Vorschriften. Sensationell. Seine Wissensbasis war das 1953 erstmals erschienene Jazzbuch J.E. Berendts, welches ich kurz darauf erwarb. So gab es innerhalb meines Klanghorizontes vorerst ausschließlich Klassische Musik – bis zum Alter von etwa 17 Jahren.
 
 
 


 
 
 

Mit „höheren Weihen“ gesegnet fühlte ich mich deswegen nie. Ich komme nicht aus einem Elternhaus, das dem Bildungsbürgertum angehörte. Meine Altvorderen waren vorwiegend Bauern und Handwerker, meine Mama eine Angestellte. Zu Hause wurde nicht musiziert, niemand spielte ein Instrument. Wie es dazu kam, dass mich Musik gepackt und nicht mehr losgelassen hat, weiß ich im Grunde nicht. Wir hatten ein Radiogerät. Meine Lieblingssendung war der Landfunk. Ach was! Es war die einzige Sendung, die ich mir als Vorschulkind anhörte. Die Beiträge zu Ackerbau und Viehzucht habe ich ertragen, der eingestreuten kurzen Volksmusik wegen. Mundgeblasenes gab es einmal im Jahr zum Schützenfest, wenn die Helmbrechts Marching Band zum Festplatz zog und den Tag im Bierzelt verbrachte. Man hätte mich vormittags vor der Kapelle abstellen und nachmittags abholen können. Abends im Bett habe ich dann selbst Musik gemacht, vokale Variationen über Blasmusik, autodidaktische Stimm- und Gehörbildung bis ich in den Schlaf fiel.
 
 
 

 
 

Das hat mir meine Mama vor ein paar Wochen geschildert. Sie kann noch viel erzählen, aus ihrer Jugend, von unserer Familie. Als ich 12 Jahre alt war kaufte sie für mich ein Klavier, ein Steingraeber Piano. Es kostete etwa das 10-fache ihres Monatsgehalts.

Als Teenager war ich sogar AFN-Hörer. Wenn ich nach der Schule, nach der Zugfahrt und dem Weg vom Bahnhof zu Hause eintraf, war die Zeit gekommen, da AFN Sinfonische Musik sendete. Niemand hat mich angehalten, gehindert oder gezwungen, Klassische Musik zu hören. Warum ich diesen Weg über manchmal verwachsene Pfade gewählt habe, weiß ich nicht. Die Musik hat mich einfach angetörnt.
 

Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irremachen und quälen, und so musste ich original werden.

Dieser Satz ist nicht von mir, sondern von einem wahren Genie. So etwas kann mir nicht einfallen. Jedoch habe ich, seit ich ihn zum ersten Mal gelesen habe, das Gefühl, dass er nicht ganz unpassend meine musikalischen Wege charakterisiert.
 

 


 
 

Ich dachte immer, die Alben des Jahres werden am Todestag des Nikolaus von Myra verkündet. Aber ich habe mich schon oft getäuscht – und wenn schon! Dass ich in norwegischer Stimmung bin, liegt an diesem Zufall: im „Baukasten“ für die Klanghorizonte vom 16. Juni 2018 – man suche den 23. April auf – ist doch angekündigt, dass der Hardangerfiedel eine Stunde gewidmet würde. Diese kleine Anmerkung veranlasste mich, in meinen Plattenschrank zu greifen und eine vor sehr vielen Jahren zuletzt gehörte CD aus dem Archivschlaf zu reißen und mich in sie und das Thema zu vertiefen wie nie zuvor. So wäre der 6. Dezember ein Tag der Unzeit, denn jetzt sind die Eindrücke und Entdeckungen frisch.

 
Zu klären und zu erklären ist nun, was „Alben 2018“ eigentlich sind. Handelt es sich um Alben, die erstmals im Jahr 2018 erschienen sind, oder sind es Alben, die erstmals MIR im Jahr 2018 erschienen respektive wieder erschienen sind? Für mich ist letztere Definition die bedeutsamere.

 
 
01 Edvard Grieg – Slåtter Op.72

Das Album ist bereits 1988 erschienen. Es ist jenes aus meinem Plattenschrank, mit dem alles begann.

02 Christian Wallumrød Ensemble ‎– A Year From Easter

Dieses 2005 bei ECM veröffentlichte Album ist mir bei der Suche nach Aufnahmen mit Nils Økland aufgefallen. Die heitere, gelassene Melancholie dieser Musik hat mich beeindruckt wie wenige Alben in letzter Zeit.

 
03 Nils Økland Band – Lysning
 
04 Erlend Apneseth Trio – Åra

Diese beiden Alben sind 2017 bei HUBRO erschienen und zusammen mit Knut Hamre & Steve Tibbetts ‎– Å der Beginn einer wunderbaren Reise, Ende offen …

2018 15 Jun

JSB

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jetzt, da 2 Buchstaben entnommen wurden,
musste das mit ihnen verbundene Bild weichen
 
 
 

 
 
 
die verbliebenen 3 Buchstaben
sind zweifach enthalten in diesem Bild
 
 
das akustische Analogon kann man hören
– wenn man will –
 
listen
 
 

2018 5 Jun

Elbjazz Festival

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  Impressionen

 
 
 
Es ist ein weiter Weg nach Hamburg. Große Städte zu besuchen, reizt mich nicht besonders. Weite Wege lege ich lieber zurück, wenn ich in leeren Landschaften ankomme, in Landschaften voller karger Schönheiten.

Weite Wege gehe ich gerne, wenn ich Freunde treffen kann. Die Reise nach Hamburg war ein Geburtstagspräsent, das mein Mädel von unseren Kindern geschenkt bekommen hat.

Wir verbrachten zwei Tage bei Bettina und Rudolf. Zwei weitere Tage streiften wir auf dem Festival umher. Das Programm war reichhaltig, Bekanntes und Unbekanntes, Attraktives und Uninteressantes.
 
 
 
  Omer Klein Trio   (listen)
 
 
 
Dieses Trio habe ich im letzten Jahr live gehört. Wenn ein Auftritt in Reichweite ist, sollte man die Gelegenheit zum Besuch nützen. Ich halte das Omer Klein Trio live für das zur Zeit aufregendste Piano Trio weltweit. Das Recital in der Schiffbauhalle auf dem Blohm & Voss Gelände wurde von NDR info mitgeschnitten.
 
 
 
  Django Bates und die hr-Bigband
 
 
 
51 Jahre Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band. Saluting Sgt. Pepper – direkt an den Bühnenabsperrungen, ganz vorne. Witzige und aberwitzige Arrangements. Der Sänger Martin Ullits Dahl, glänzend!
 
A Day In The Life – a wonderful one in this case …
 
 
 
  Tony Allen
 
 
 
Ein Blick aus der Elbphilharmonie auf die Stadt. Am Samstagabend um 20 Uhr spielte im Großen Saal die Band von Tony Allen. Ich kannte ihn nicht. Der Auftritt war eine kleine Enttäuschung.

Allen spielte wenig differenziert, sein Pianist war kein begnadeter Improvisator, allerdings ein gut groovender basso-continuo-Spieler. Ein junger Saxophonist und ein talentierter Double Bass Player ergänzten zum Quartett. Zu Hause angekommen, habe ich mein Wissen über Tony Allen deutlich vergrößert, habe bei Qobuz ein paar Alben angehört, die mir gut gefallen haben. Brian Eno beschrieb einmal Tony Allen als „den vielleicht größten Schlagzeuger, der je gelebt hat“. Dieser Auffassung werde ich mich jedoch nicht anschließen.

Vielleicht lag es am Ort, am Großen Saal, dass ich wenig angetan war. Es ist ein Raum, gebaut für ein Sinfonie-Orchester, mit den dafür passenden akustischen Eigenschaften. Zwei Sekunden Nachhall mögen ideal sein für Sinfonische Musik, aber wenn Tony Allen die Cymbals traktiert, wird es ein zischender Klangbrei, in dem dumpfe Tomtom-Impulse schwimmen. Bass Drum und Kontrabass liefern ein konturlos wummerndes Tiefton-Fundament. Auch an den Freiluftbühnen der Blohm & Voss Werft frönte man den über die Maßen röhrenden Bässen, den Machos des Frequenzspektrums – grauenhaft. Am besten war der Sound beim Omer Klein Trio in der Schiffsbauhalle, vielleicht deswegen, weil Spezialisten des NDR am Werk waren.

Ich freue mich auf die Kulturwelten Helmbrechts, wo Mixer mit guten Ohren und Geschmack für transparenten Sound sorgen, in kleinen Sälen – ein großer Vorteil!

Wer wird dort wohl spielen?

2018 29 Mai

Sonnenschein

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heute kam es zu einem Gewitter
es war harmlos, einige Kilometer entfernt
aber es brachte Regen ohne Hagel
das tat den vertrockneten Feldern gut
die Wolken haben sich noch nicht verzogen
hängen bleigrau am Himmel herum
und trotzdem scheint die Sonne
es gibt ja nicht nur unser Sonnensystem

 
 

Ich erhielt nach dem Gewitter einen Telefonanruf von der Firma Steingraeber & Söhne, einer Klavierfabrik in Bayreuth. Mein Sohn studiert in der Wagner-Stadt und spielt American Football bei den Bayreuth Dragons. Er wohnt in einer WG, in einem schönen alten Gebäude der Altstadt, unmittelbar neben den Verkaufsräumen von Steingraeber & Söhne. Im Januar diesen Jahres fiel mir ein Plakat im Steingraeberschen Schaufenster auf: am 23. Juli 2018 wird Daniil Trifonov im Markgräflichen Opernhaus einen Klavierabend geben. Es schien das einzige Plakat für dieses Ereignis in der Stadt zu sein. Dass es noch Tickets geben könne, hielt ich für ausgeschlossen. Als Keith Jarrett 1981 im Herkulessaal zu München auftrat, blieben die Litfaßsäulen der Stadt frei von Ankündigungen. Nach wenigen Tagen waren die Eintrittskarten vergriffen.

 
 
 

 
 
 

Diesen hinreißenden Auftritt Trifonovs habe ich zwei Tage vor dem Steingraeberschen Telefonanruf auf youtube gesehen. Ich weiß, Klassikallergiker werden sich hüten, den Play Button zu drücken, das müssen sie auch nicht. Aber ich versichere, nur ein einziges Mal (und dann nie wieder) dieses kurze Recital im Yellow Lounge Berlin hören zu sehen, ist ein einmaligeres Ereignis, als zum zehnten Mal die CD mit dem Köln Concert aufzulegen. Was für ein Rahmen! Hört man den Ton nicht, könnte man sich in einem Jazz Club wähnen – Bill Evans, solo am Klavier. Das Durchschnittsalter des locker am Boden sitzenden und herumstehenden Publikums halte ich für jünger als das der Besucher eines Rolling Stones Konzerts. Ja sogar blutjunge Bierflaschen sind als Hörer zugelassen.

 
 

im Januar habe ich bei Steingraeber & Söhne angerufen
das Konzert sei seit Sommer 2017 ausverkauft
anderes habe ich nicht erwartet
es war aber schön, mit der freundlichen Dame zu sprechen
und um einen Platz auf der Warteliste zu bitten
das könne sie machen, ich aber möge der Hoffnung entsagen
und überhaupt, mein erstes Klavier war ein Steingraeber
als ich vor einem Jahr das Haus meiner Mama leerte
fand ich alte Korrespondenz & Rechnungen in ihrem Archiv
auch jene des Klavierkaufs und der Transportfirma
ich konnte das Lächeln der freundlichen Dame am Telefon hören
vorhin hat sie mich angerufen
es sei ein Karte zurück gegeben worden
ob ich sie haben wolle?

 
 
Sonnenschein aus einem fernen Sonnensystem

2018 28 Mai

JKSCB

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