Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2020 2 Jun

The President’s Press Conference

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2020 31 Mai

heute

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2020 21 Mai

heute

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2020 23 Apr

mouvements

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2020 13 Apr

four colours

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Der erste Eindruck des Albums „Mixing Colours“ von Roger und Brian Eno wäre überraschend gewesen, hätte ich nicht die Vorab-Veröffentlichungen für die Klanghorizonte gekannt, denn kompositorisch-stilistisch ist das erstaunlich rückblickend, bezogen auf die Harmonik (du erinnerst dich bestimmt an deinen Musikunterricht: Tonika, Subdominante, Dominante, Funktionsharmonik, verminderter Septakkord usw.) („nein, nur sehr flüchtig“; M.E.)

 

Melodik und auch Form haben mich positiv überrascht, weil die Miniaturen nicht „amöbenhaft“ formlos gestaltet sind. Jedes der kurzen Stücke entwickelt sich aus charakteristischen Ingredienzien, hat klare Konturen.

 

18 kurze Stücke, zwar untereinander keine großen Kontraste aufweisend, aber doch jedes von eigenem Charakter. Nun gibt es (vor allem in der Klaviermusik des 19. Jhs.) den Typus des „Charakterstücks“. Der Einfachheit halber zitiere ich aus Wikipedia:

 

„Ein Charakterstück, lyrisches Stück oder Genrestück ist ein kürzeres Musikstück vor allem für das Klavier. Es soll eine Stimmung ausdrücken, die zumeist mit einem Titel umschrieben wird.“

 

Roger vergibt ebenfalls Titel, die wohl aus der englischen Farbwörter-Truhe stammen, jedoch offener sind als z.B. „Verrufene Stelle“ (Robert Schumann, in den „Waldszenen“ op. 82).

Er sagt im Interview:

 

I like the idea of having names of colours that you don’t have to associate a phrase like “the old road” or something like this with. You know, that you then focus on and that would be your mental vision. When you have the name of a colour, you have a kind of atmosphere, but it’s a non-specific atmosphere.

 

Ich habe einen Zyklus mit 24 Stücken assoziiert, nämlich F. Chopins Préludes op. 28, die ich dir wärmstens zum Anhören empfehle. Das sind Miniaturen vom Typus des „Charakterstücks“, wenngleich sie ganz neutral „Préludes“ heißen. Sie sind allerdings von höchstem Kontrastreichtum – ganz im Gegensatz zu Rogers schmaler Bandbreite an Stimmungen und kompositorisch von ganz anderem Kaliber.

 

Auf Komponisten der Romantik rekurrieren ja Víkingur und Roger, wobei Víkingur mit Schumann ziemlich  daneben liegt,  wie auch Roger korrigierend anmerkt: …  like definite harmonic influences, melodic like Schubert I’d say actually, more than Schumann … Von Chopin spricht Roger NICHT in Bezug auf stilistische Anleihen, sondern auf die magische Stunde der sprudelnden Kreativität: …  Put my equipment on and improvise, before you completely wake up it’s quite a good time for that. You know, you’re talking about Chopin, that’s his “opium hours”. That was quite a good time for me.   …  

 

Meine minimale Voreingenommenheit habe ich schnell abgelegt, zumal mir Benedicte Maurseth zuflog. Mit ihrer Musik und ihrem Buch „To Be Nothing“ beschäftige ich mich zur Zeit sehr intensiv. Dieser wunderbaren Musik aus Hardanger gegenüber bin ich überhaupt nicht voreingenommen, sie ergreift mich unmittelbar mit ihrer überwältigenden Schönheit. Dabei ist sie nüchtern betrachtet der Musik Roger Enos formal sehr ähnlich. Es sind Tänze & Hörstücke, die eine charakteristische, meist einheitliche Stimmung ausstrahlen, aus einem charakteristischen musikalischen Motiv  entwickelt werden, wobei variierte Wiederholung eine Rolle spielt.

 

Rogers Album ist stilistisch dem 19. Jahrhundert verpflichtet, natürlich auch der charmanten Simplizität Erik Saties, ABER die Sounds sind es NICHT. Deswegen ist mir die Anmerkung what is old is new, and what is new is old aus dem Booklet zu ihrem (und Knut Hamres) Album Anima eingefallen, diese Haltung, aus Tradition, aus Altem in Neuland vorzudringen, im Neuen die Bindung an Vergangenes zu bewahren. That’s Life.

 

Ich empfehle Benedictes bei ECM erschienenes Album Over Tones, auf dem Maurseth sowohl traditionelle Hardangermusik und Eigenkompositionen auf dem alterwürdigen Instrument Hardingfele spielt.

 

Ich habe mir zu jedem Stück Notizen gemacht, verzichte aber darauf, sie zu zitieren. Mir ist dabei aufgefallen, dass 3 Stücke über der gleichen Basslinie sich entfalten. Nach der Lesung des Interviews wurde bestätigt, dass es 3 Soundvarianten des gleichen MIDI-Files sind, also auch die Melodien identisch sind. OK, wäre mir nach weiteren Hör-Durchgängen sicher aufgefallen.

 

Brian So for instance, on the album there are three tracks that all use the same original MIDI performance.

Víkingur SPRING FROST, VERDIGRIS and CERULEAN BLUE

 

Auffällig ist, dass die meisten Stücke im 3/4- bzw 6/4-Takte stehen. Es gibt ein paar Stücke, die es mir besonders angetan haben:

 

04 – Wintergreen
05 – Obsidian / flächig fließend, Puls vermeidend
07 – Dark Sienna
09 – Snow / teilweise melodisch polyphon wirkend
10 – Rose Quartz
11 – Quicksilver / metrisch angenehm verwirrend
15 – Desert Sand / reizvolle Sound-Kontraste
16 – Deep Saffron

 

Lektüre nach 2-maligem Anhören des Albums

sehr interessante Passage:

 

Brian In fact, what’s interesting is when you are in both of those places, the past and the future. What has happened in the last 50 years of electronic music is that there’s been a huge emphasis – exploited almost entirely by pop music and hardly at all by classical music – on the new possibilities of instrument colour, timbre. If you think about classical music and you think that the clarinet represents this tiny little oasis of sound and the viola is another thing and the piano is another, but nonetheless there (ich ziehe das Wort THEY vor, es bezieht sich dann auf die Sounds herkömmlicher Instrumente) are little islands in the world of all the possible sounds that you could make. What’s happened with electronics is that all those spaces in between have been filled in with new sounds that never existed before, and lots of others that nobody even imagined. So suddenly there’s all of this huge palette of colours. It’s a little bit like if, from say the 1950s onwards, there had suddenly come into existence thousands and thousands of new paint colours. Can you imagine it that you go down to the paint shop and there’s a colour you’ve never seen before. Doesn’t have a name. It doesn’t look like anything else, sort of browny, pinky, greeny, bluey. There’s no name for it, you know. So, really, it’s only in pop music that that has been recognised, that the material of contemporary music more than anything else is timbre. It’s not really melody. It’s not really structures. It is beats.

 

Dem stimme ich im Großen und Ganzen zu. Aber schon vor dem Einzug der Elektronik in die Musik – beginnend in den 50er Jahren (Stockhausen, Studio für Elektronische Musik des WDR bzw. NWDR, aber auch andere in USA & Europa) – gab es in der Klassischen Musik die „Arbeit“ am Sound. Ich empfehle dazu:

 

Heinrich Ignaz Franz Biber, Battalia

Hector Berlioz, Symphonie fantastique
(übrigens das erste Stück Drogenrausch-Musik der Geschichte)

 


i like japanese lyrics
 
 

 
 
there is nothing to understand

 

2020 11 Mrz

Max Benedicte Jan

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Max von Sydow ist vor 3 Tagen verstorben. Anlass für meine letzten Beiträge waren also Todesfälle. Diesen schreibe ich nur deshalb, weil mir Benedicte Maurseths Buch To Be Nothing zugekommen ist, ein Buch, mit dem ich mich gründlich beschäftige. Bei der Lektüre musste ich immer wieder an Jan Troell denken – wieder eine dieser Assoziationen, die mich überfallen, die mir willkommen sind.

In den Nachrufen auf Max von Sydow findet man zwar den Namen Blofeld, aber nicht einmal die Süddeutsche Zeitung erinnert daran, dass Max von Sydow in mehreren eindringlichen Filmen Jan Troells Hauptrollen spielte. Jan Troell lebt noch. Im Jahr 1973 wurde er für die Romanverfilmung Utvandrarna, dt. „Die Auswanderer“, als erster Schwede für den Regie-Oscar nominiert. Fünfmal wurde er mit dem nationalen Filmpreis Schwedens, dem Guldbagge ausgezeichnet. Er ist neben Ingmar Bergman Schwedens bedeutendster Filmemacher.

Ich glaube, „Die Auswanderer“ und die Fortsetzung „Die Neubürger“ (Nybyggarna) waren die ersten Filme Troells, die ich kennenlernte und mit meinem ersten SONY Videorecorder aufnahm. Von den frühen 80er Jahren an wurden bei ARD und ZDF einige Filme Troells gezeigt, die ich alle mitgeschnitten habe: „Hier hast du dein Leben“ / „Der Flug des Adlers“ / „Hamsun“ / Sagolandet, dt. „Das Märchenland“ …

Die Nordischen Filmtage Lübeck 2001 widmeten Jan Troell eine Retrospektive. An ihn wird schon lange nicht mehr erinnert. Kein Wunder, sind seine Filme doch Lichtjahre entfernt vom Mainstream. Fast fünfeinhalb Stunden dauern „Die Auswanderer“ / „Die Neubürger“, drei Stunden Zeit nehmen sich „Der Flug des Adlers“ und „Das Märchenland“. Fast alle Filme, die ich kenne, behandeln Themen der schwedischen Vergangenheit.

Benedicte Maurseth ist 1983 in Eidfjord, Hardanger geboren, im gleichen Jahr wie Troells Tochter Johanna. Aber nicht deswegen musste ich bei der Lektüre von Benedictes Buch an Jan denken, sondern weil sie, geprägt vom tiefen Humanismus ihres Mentors Knut Hamre, fern aller Moden dem reichen Erbe ihrer Heimat die Ehre erweist, es lebendig erhält. Wohl deswegen ist mir Troell immer wieder eingefallen, habe dann nachgeforscht, ob nicht doch DVD Editionen seiner Filme, die ich in fürchterlicher Bildqualität besitze, erhältlich sind. Ja, Glück gehabt – allerdings in Schwedisch!

Den ersten Film mit Max von Sydow, den ich je im TV gesehen habe – „Der nächtliche Besucher“ – habe ich gleich mitbestellt. Auf die Troell-Filme muss ich noch warten. Am letzten Montag, einen Tag nach seinem Ableben ist Sydows Film eingetroffen.

 

Alfred McCoy Tyner died on March 6, 2020

 
 
McCoy Tyner – Jazzfestival Viersen 2007


 

Peter Serkin starb am 1. Februar diesen Jahres in seinem Haus in New York im Alter von 72 Jahren. Er litt an einer schweren Krankheit, an einem Pankreaskarzinom, das zu seinem schnellen Tod führte. Noch am 1. Mai 2019 sprang er in Toronto für den erkrankten Murray Perahia ein. Von seinem Tod erfuhr ich heute bei der Lektüre der neuen Ausgabe des FONO FORUM Magazins.

Peter Serkin entstammt zwei legendären musikalischen Familien. Sein Vater war der berühmte Pianist Rudolf Serkin und der Großvater mütterlicherseits war der bedeutende Dirigent und Geiger Adolf Busch.

 
 
 

 
 
 

Als ich in München studierte, hörte ich Peter Serkin als Solist in Béla Bartóks 3. Klavierkonzert im Herkulessaal der Residenz. Beeindruckend. Er dürfte damals um die 20 Jahre alt gewesen sein und stand kurz vor einer längeren Auszeit. Er war sicherlich stolz auf sein Erbe, empfand es aber auch als Belastung. In seiner Familie wurde Musik ernst genommen wie eine Art Religion. Wie viele, die in den 1960er Jahren groß wurden, stellte er das Establishment sowohl in der Gesellschaft als auch in der Klassischen Musik in Frage. Er widerstand einer traditionellen Karriere und hörte mit 21 Jahren auf, zu konzertieren, spielte monatelang nicht mehr Klavier. Er reiste nach Indien, ließ sich in Nepal und Thailand nieder und lebte eine Weile in Mexiko mit seiner damaligen Frau Wendy Spinner und ihrer kleinen Tochter.

Nach einigen Jahren nahm er das Konzertieren mit neuer Zufriedenheit wieder auf, nicht zuletzt aufgrund einer Neuausrichtung seines Repertoires. Seine Aufnahme von Olivier Messiaens grandiosem Zyklus Vingt Regards sur l’Enfant-Jésus wurde für den Grammy nominiert. Es sind 20 Kontemplationen über das Jesuskind, 1944 komponiert, Musik von außerordentlicher Schwierigkeit, die zweieinhalb Stunden dauert und mit Cluster-Akkorden und der Beschwörung von Vogelstimmen, Momente mystischer Freude und Passagen auffahrender Wildheit lebendig werden lässt. Messiaens Klavierzyklus lernte ich durch Peter Serkin im Jahr 1978 kennen, als ich im Radio einen Liveauftritt Serkins bei den Berliner Festwochen hörte und mitschnitt. Ein solches Wagnis hat vor ihm kein Pianist auf sich genommen.

 
 
 

 
 
 

Peter Serkin ist auf ECM 1676/77 zu hören. In The New York Times schrieb Anthony Tommasini einen sehr lesenswerten Nachruf auf diesen großen Musiker. Ich habe über die Jahre wenig Aufnahmen von ihm gehört, denn seine Diskografie ist nicht ausufernd. Ganz klar deshalb, weil er sich dem üblichen Starrummel entzogen hat. Welcher merkantil wertvolle Pianostar spielt schon als Straßenmusiker? Als ich heute von seinem Tod erfuhr, ging das nicht spurlos an mir vorüber.

 
 
 

 
 
 

Diskografische bzw. YouTubische Hinweise finden die wenigen interessierten Leser in comment #1.


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