Manafonistas

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I‘m lying on the grass. Like in the XTC song, but Eno and Hyde have their air play now. It is warm. There‘s no one around. Happily barking dog in the distance. The album streams from a simple UE Boom Box. So utterly relaxed, partly by a shock-reducing, calming drug, i was shocked by a doctor –  not the fucking virus – and thought, what can I do, well, I could stand up and walk-dance like the young woman in the M. Ward video of „Unreal City“. That was real Paris, months ago, it now looks… unreal. Horrible. Try to find a Thalys in autumn. Try to find old me in old Paris. Le Chat Noir, long closed. Now, not to know where to bury the dead in NYC, all that suffocating, that loneliness, those last looks. Breathe deeply. Wait for the trembling smile. Ready to lose, ready to celebrate. April, my tender cruel stargazing month. We all have to find enough answers for ourselves these days. Polaroids, dreams collapsing, and, well, that there will be more light, doesn‘t mean anything. Anyway, the someday world may show itself in glimpses. Now, as the melodies float on.

 
 

 
 

Michael: There‘s so much joy and hope in this album. But the last song of the album, „To Us All“, is so dark when you hear the lyrics: it could be written by a soul mate of Samuel Beckett, there are lines like „From the blood that we just we couldn’t spill / From the ones that we just couldn’t kill / We spin a world in a dizzying fall / To see the things that will happen to us all.“ But the sounds and the melody have an incredibly warm, embracing quality. it sounds like a lullaby for the end of the world, or, to our endlessly numbered days.

 

Brian: That was actually a much longer song earlier, there were four other verses, and I took them all out. Just left that bit. And the four other verses for me painted the picture too fully. They filled in all the details, and it wasn’t so good then. So I emptied it and was just left with what had actually been the climax. So the song had built up to those two verses that exist. As a sort of climax, but then I thought: get rid of the build-up, just have the climax! I’ve never really done a song in quite that form except it’s slightly like a song of my very first album, called „On Some Faraway Beach“, where there’s a long lead-up, and there are three short verses that sort of just sit there like a little island in the song.

 

Die Wolkenkratzer in New York City, zur Zeit der Abenddämmerung. Ein junger Mann eilt eine Straße entlang und betritt die Peep-O-Rama-Lounge. Junge Frauen räkeln sich an Stangen, vollführen akrobatische Bewegungen, sind spärlich bekleidet. Nur wenige Besucher sind da. Ein älterer Mann mit lockigem Haar stochert mit einem Plastikstrohhalm in seinem Drink, er pustet den Rauch seiner Zigarette gezielt teilnahmslos in den Raum. Alles ist in weiches Licht getaucht, in warme Farben. An einem großen Bildschirm werden Fotos präsentiert, Polaroids, verwaschene Formen und Farben. Als blätterte jemand ein unsortiertes Fotoalbum durch. Ein Junge beim Baseballspiel, der Hund, Ausflüge mit dem Vater, Herumsitzen mit der Freundin auf dem Campus. Das Geländer der Brooklyn Bridge im Nebel. Der junge Mann sieht davon nichts, er starrt vor sich hin. Dann nimmt er die Bilder wahr, starrt, Tränen in den Augen. Er zittert, denn es ist sein Fotoalbum, seine Geschichte. Ich nehme die Fernbedienung, spule zurück. Es ist eine Schlüsselszene in dem Film „Stay“ mit Ryan Gosling, und so spannend es auch war, die Fotos wollte ich mir sofort nochmal ansehen. Polaroids von einem solchen Zauber, einer derartigen Tiefe bei gleichzeitiger Unschärfe hatte ich noch nie gesehen. Über den Audiokommentar erfahre ich, wer die Fotos gemacht hat: Es ist Stefanie Schneider, die in Norddeutschland aufgewachsen ist und teils in Berlin, teils in der kalifornischen Wüste lebt. Sie arbeitet seit 1996 mit abgelaufenen Polaroidfilmen, also mit analogem Material. In einem Interview, abgedruckt in dem Fotoband Instantdreams, bezieht sich Stefanie Schneider auf die japanische Weltanschauung des Wabi-Sabi. „Ein abgelaufener Polaroidfilm erzeugt Unvollkommenheiten“, sagt sie, „die für mich den Verfall des amerikanischen Traums widerspiegeln. Diese sogenannten Unvollkommenheiten stellen die Realität dieses Traumes dar, wie er sich in einen Albtraum verwandelt.“ Abgelaufene Polaroidfilme verfremden die Bilder, weil die Entwicklung unberechenbar wird, durch blasse Stellen, Flecken, verwischte Farben. Der Effekt hat etwas Unheimliches, gleichzeitig werden die Motive auf eine surreale Weise auf eine abstraktere Ebene gehoben. Als prägende ästhetische Einflüsse nennt Stefanie Schneider Michelangelo Antonionis Red Desert und Zabriskie Point, Peter Bogdanivichs The Last Picture Show, Vanishing Point (Fluchtpunkt San Franzisko) sowie den provokativen Film Gummo von Harmony Korine. Eine Auswahl von Polaroids aus dem Film Stay finden sich in Stefanie Schneiders Fotoband Stranger than Paradise, außerdem diverse Fotozyklen, verknüpft mit offenen Lebensexperimenten, wie dem Whiskey Dance. Wo findet Wirklichkeit statt? Wie erinnern wir uns? Woher stammen die Bilder, die ins kollektive Gedächtnis eingehen? Stefanie Schneider führt uns an Orte, an denen wir nie gewesen sind, in ein Land, das wir zu kennen meinen, und das es dennoch nicht gibt.

 
 

 

Ist noch nicht lange her, da fragte mich radiohoerer, ob er eine alte Sendung von mir noch einmal präsentieren könne. Ich sagte, gerne, aber ich hatte kaum eine Erinnerung an jene zwei Stunden der Osterausgabe der „Klanghorizonte“ von 2005, die sich  um „Soundtracks & das Kino im Kopf“ drehte. Er bat mich auch um eine kleine Einleitung, und mir fiel sofort ein Text aus den Tiefen des Blogs ein, der von meinen Erfahrungen mit Brian Enos Album „Music For Films“ erzählte. Erst danach habe ich die Sendung gehört, eine unverhoffte Begegnung mit einem jüngeren Ich. Und schmunzeln musste ich über den Auftaktsong: habe ich Jahrzehnte lang zu wenige Schlager aus Italien und Spanien gespielt, nachts im Radio? Das Lied ist ja umwerfend gut. Schnitt. Tage später liegt eine CD im Postkasten, die eine Interpretation eines alten Songs enthält, den Romy Schneider mit Michel Piccoli in Claude Sautets „Die Dinge des Lebens“ vorträgt. Das gute alte Wort „herzerweichend“ ist für das Chanson von Philippe Sarde erfunden worden. Es hätte auch gut in die Doppelstunde gepasst. Das Original, und die Interpretation. Auf dem Cover des Albums, das demnächst erscheinen wird, sieht man ein Auto, das wohl, statt auf einem Schrottgelände, an einem Waldrand, seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Manfred Eicher hat „Rivages“ von Jean-Louis Matinier und Kevin Seddiki 2018 in Lugano produziert. Es lohnt sich, darauf zu warten. Es lohnt sich auch, den alten französischen Spielfilm wiederzusehen. „Ce soir nous sommes septembre / Et j’ai fermé ma chambre …“ Das Leben endet immer mit einem Schachmatt, schrieb Jean Paul Sartre einmal, und dies hätte dem Film als Motto vorangestellt werden können. Sätze mit „immer“ und „nie“ sind mit Vorsicht zu geniessen. Aber trotzdem, nach der Musik, nach dem Film, und nach der ausgegrabenen Radiosendung, habe ich richtig Lust bekommen, wieder mit Sarah Bakewell im „Café der Existenzialisten“ abzuhängen. Natürlich mit dem bittersüssen Aprikosen-Cocktail. Ihr Buch ist im Beck-Verlag in einer vorzüglichen deutschen Übersetzung erschienen, schon vor längerer Zeit.

 

Eine Zeitlang, in einem Duo mit anderem Namen, hatte M. Ward die Lust verspürt, angenehm vergängliche Pop-Songs zu spielen, sie in grosser Zahl, mit einer sympathischen Frau an seiner Seite, aus dem Ärmel geschüttelt, alles für die Liegestühle, die Longdrinks, und die sonnige Seite der Strasse. Seine andere Seite war, wen überrascht es, schattiger, und eine nie die Jahreszeit wechselnde, herbstliche Melancholie ihr seltsam zeitloses Markenzeichen. Migration Stories erweitert die bewährte Palette nur dezent, ohne gleich Frühlingsgefühle wachzurufen. Er nennt seine neuen Songs „einen Sci-Fi-Schnellvorlauf zu einer ruhigeren Nacht viele Generationen von hier entfernt“, und das ist schon etwas gewagt. Denn mindestens zwei Stücke sind der Reise gewidmet, die seinen Grossvater vor hundert Jahre von Mexiko aus nach Texas führte. Normale Cowboylieder hat M. Ward ohnehin nie geschrieben, trotz der Liebe zum guten alten Onkel Twang. Einmal erzählte er mir am Telefon von seiner Begeisterung für eine späte Billie Holiday-Platte, „Lady in Satin“, die mit den vielen Streichinstrumenten. Während der Arrangeur Ray Ellis den Studiomusikern ihr bestes „late night-feeling“ abrang, trank die grosse Jazzsängerin Wodka wie Sprudelwasser. Das ist lange her und, zugegeben, eine andere traurige Geschichte. M. Ward bläst aber, und das ist die gelungene Paradoxie dieses neuen Albums, keinerlei Trübsal, er beschert uns, allen Verlustmeldungen zum Trotz, so was wie eine sanft betörende Gute-Laune-Platte der tiefer gehenden Sorte. Das heisst, die sog. joie de vivre springt einen nicht auf Anhieb an! Und wenn unser Spezialist für die Bestückung von Jukeboxen wieder nach Hörnum fahren darf, über den Hindenburgdamm, dann ist der Song Unreal City schon mal gesetzt. 

 

v i d e o

 

It’s important not to beat ourselves up. You don’t always have to do stuff. Or achieve stuff. You don’t have to spend your time wisely and productively. You don’t have to be doing tai chi and DIY and artisan bread-making. Sometimes you can just be and feel things and get through and survive. It’s OK to just exist. I want to write a new novel. But it is hard to know what to write as contemporary reality is melting in front of us. I must admit I have found it hard to get creative inspiration or to focus on cultural things, beyond Tiger King on Netflix.“

(Matt Haig)

 
 

Ozark (season 2 & 3) flow: 9.0 – dunkel,  verstörend, abgründig, eine Prise schwarzer Humor,  und tief – exzellent auch der Soundtrack! Entdeckung: Only You Know (by Dion, s. 3, ep. 8, last scene)

 

Unorthodox (1) flow: 8.6 – anrührend, erschütternd; schreckliche, gebrochene, und wundervolle Typen!

 

Dare Me (1) flow: 8.4 – etwas auf Effekt gedreht, aber doch mitreissend. Oder werde ich alt, dass ich mich nun schon von Cheerleadern beeindrucken lasse?

 

The Mire (1) flow: 8.3 – Polen in den Achtziger Jahren. Am Anfang denkt man, wie ein alter Tatort mit verkrachten Ermittlern, dann wird es eine richtig gute Serie.

 

Sunderland til I die (1&2)  flow: 8.3 – „maybe the best thing it does is center the experience of people who love a football club whose modern history has been largely defined by crisis, dysfunction, and imminent misery.“

 

2020 3 Apr

Unorthodox

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Gewonnene Erkenntnisse und Erfahrungen, seien sie bereichernder oder ernüchternder Natur, oder beides gleichermassen, konkurrieren stets mit verbliebenen Leerstellen des Unwissens, die pures Gold wert sind. Als Duo bilden sie ein osmotisches Gleichgewicht, das sklerotischen Stillstand ebenso verhindert wie den Dünkel des Alles-Wissens und wie gehabt den Eintritt in die Sondervorstellung namens „Neugier“ sichert. Nicht, dass es, wie die Herren Philosophen Sloterdijk und Heinrichs in dem Buch Die Sonne und der Tod verkündeten, zu jenem Unglück kommt, man habe sich schon in jungen Jahren „zu Schanden gelesen“. Dann wird aus Ziel kein Weg mehr. Ersetzen wir noch kurzerhand die Silbe „Gier“ durch „Lust“, nehmen auch das freie „Spiel“ mit in den Bund, schon stimmt die Sache. Da auch das Serienschauen in unserem gepflegten Hause stets und strikt dem Lustprinzip die Ehre erweist, in dem der sogenannte Flow-Effekt Orientierung bietet, war es jüngst ein Satz aus einer Online-Rezension, die den entscheidenden Funken bot. Das suchende Interesse zündete an diesem kurzen Satz nur: „Dieser Film beflügelt.“ Auf denn, du junger Wandersmann, im Lande Netflix wird Unorthodox als Mini-Serie wohlfeil angeboten, und so streamte man wieder, was das Zeug hielt, alle An- und Abstandsregeln wurden dabei eingehalten. Erzählt wird von einer jungen Jüdin, die aus ihrem strikten, repressiven religiösen Milieu des erz-orthodoxen Judentums im New Yorker Stadtteil Williamsburg flieht, zu ihrer Mutter nach Berlin, weil sie dem Druck der Ehe in diesen Kreisen nicht mehr standhält. Zudem gehört die zarte junge Frau zu den Naturen, deren Lebenslust, Neugier und Widerspruchsgeist sich nur ungern in die Schranken weisen lässt. Das ist fantastisch gut erzählt, lehnt an einen Roman von Deborah Feldmann an, wird fast ausschliesslich von jüdischen Schauspielern gespielt, auch viele Laien sind dabei, das merkt man aber nicht. Man gewinnt einen intimen, authentischen Eindruck in diese befremdlich interessante Welt des orthodoxen Judentums. Den Kontrapunkt bildet ein utopischer, idyllischer, freiheitlicher Ort namens Berlin. Are you serious? Na klar, im Film ist alles möglich. Zu viel soll nicht verraten werden, die Serie begeistert und berauscht geradezu. Oder, wie die Online-Rezension im Vorfeld zu Recht unkte: er beflügelt.

2020 1 Apr

„Murder Most Foul“

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In Dylans Erzählung werden kleinste Details beleuchtet. Er setzt uns in diese Limousine, bevor die Schüsse fielen, während des Attentats, und auf der sechs Meilen langen Fahrt zum Parkland-Krankenhaus. Vizepräsident Lyndon Johnson  wird am Nachmittag um 14.38 Uhr als Präsident vereidigt. Es ist damals wie heute erschütternd, wenn die Verse erklingen: „Ich sagte, die Seele einer Nation wurde weggerissen / Und sie beginnt langsam zu zerfallen / Und dass es 36 Stunden nach dem Jüngsten Tag ist.“

Es sei an dieser Stelle daran erinnert, was gestern in der Zeitung zu lesen war, dass der jetzige amerikanische Präsident, der es schafft, in seiner erbärmlichen Regentschaft eine demokratische Struktur nach der anderen zu schwächen und zu vernichten, die besten Umfragewerte seit langem hat: ein bekannter Reflex grassierender Dummheit, sich in Krisenzeiten hinter der Projektion einer „starken Figur“ zu versammeln.

Was für eine Tragödie, dass er im November aller Wahrscheinlichkeit nach auf weitere vier Jahre im Amt bestätigt werden wird. Gut, dass es immer noch die Unbequemen gibt: Bob Dylans Song „Murder Most Foul“ bestätigt einmal mehr seine Kunst, völlig aus der Zeit zu fallen, und genau dort anzukommen, wo alles Lebende und Sterbende zusammenkommt, „in the here and now“.

 

2020 31 Mrz

For example 1977

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Today I stumbled upon one of those countless little essays on what to do while being in not so splendid isolation. That one was  more interesting in the way it emphasized changing modes of perception when suddenly being offered so much free time. The writer once was on a boat trip when giving the four cd‘s of „The Complete Village Vanguard Recordings 1961“ a headphone treatment. It all sounded for him a bit samey. Great Coltrane jazz, but slightly overdosed. Now being at home, and not on a luxurious trip on the open sea, he gave it a second try, and was thrilled in every possible way. He finally experienced the changing moods of same titles, the development within the compositions, and could tune in much better. That old stuff became a kind of revelation from start to end, three evenings long.

Everybody who fell in love with Keith Jarrett in the 70‘s, may remember the excitement  with which we expected nearly each of his albums. The ten-lp-collection of the „Sun Bear Concerts“ was the ultimate drug, five live concerts recorded within a short span of time in Japan. I have no doubts that even in our era that likes to complain that „thinking in albums“ is more and more replaced by „thinking in files“, one can simply prove this notion at least temporarily wrong by diving into a well-chosen „big box“. A treasure grove. A special landscape. Never mind if it is Coltrane or Jarrett – or even a whole year far, far away in the past. For example, go to 1977 by using the time capsule of your choice – and listen to all the ECM albums of that year, no matter in which order. Discoveries will be plenty, and if you do so, you will sooner or later encounter Jan Garbarek‘s „Dis“, and though I might be wrong, I assume this photo is taken from that session (young Garbarek, young Eicher). Sounds strange and even a bit funny to say, but if you like the mood of the picture, you‘ll probably like the record. Did they do the mix at night time?

 


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