Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Manafonistas Head Quarter: Schön, dass du es auf einen Kaffee einrichten konntest. Also, das Cover deines neuen Gedichtbandes ist wirklich ein Hingucker. Wie kam es dazu?

 

Martina: Es gibt mehrere Grafikerinnen, die die Buchcover beim Poetenladen Verlag gestalten. Wie du weißt, ist die Covergestaltung sehr wichtig, nicht nur bei Schallplatten. Das ist eben die Verpackung, der erste Eindruck, der nicht nur darüber entscheidet, ob jemand das Buch vom Regal in die Hand nimmt, sondern auch die Rezeption der Texte definieren kann. Das Cover für meinen ersten Gedichtband erinnerungen an einen rohstoff hatte Franziska Neubert gestaltet. Dieses Cover hat für einige Rätsel und Interpretationsansätze gesorgt. Als es beim zweiten Buch um die Frage des Covers ging, hatte ich eine Auswahl meiner Gedichte über den Verleger, Andreas Heidtmann, Franziska zukommen lassen. Sie hat dann drei Vorschläge vorgelegt und dieses Motiv war unser klarer Favorit. Franziska Neubert hat die großartige Gabe, aus ein paar Texten kluge Motive zu entwerfen, die den Texten eine weitere Ebene hinzufügen.

 

Und der Titel … Häuser, komplett aus Licht? Wie hast du den gefunden?

 

Im Unterschied zum ersten Gedichtband hat es diesmal länger gedauert, bis ich den Titel hatte. Ich glaube, man spürt es, wenn er da ist. Ich war zwischendurch fast etwas verzweifelt auf der Suche nach dem passenden Titel. Dann habe ich mir auf meine Wunschliste, mit der ich monatelang intensiv gearbeitet habe, geschrieben: „Ich wünschte, ich würde einen Titel finden.“ Und am nächsten Tag fiel mir dieser Satz auf, mit dem ein Gedicht endete, das ich ein paar Tage vorher geschrieben habe: „Häuser, / komplett aus Licht.“ Wow, dachte ich, das ist es, was letztlich allen Gedichten zugrunde liegt.

 

Inwieweit hat der Blog und das Schreiben auf dem Blog deine Gedichte beeinflusst?

 

Ohne Manafonistas wäre das Buch so überhaupt nicht denkbar. Da sind nicht nur die inspirierenden Texte der anderen Manas und das, worauf sie verweisen. Da ist auch die Herausforderung, etwas oder über etwas zu schreiben, was mir am Herzen liegt und die Art, wie ich darüber schreibe. Das hat das Profil meiner Gedichte enorm geprägt.

 

Gibt es irgendwo eine Leseprobe?

 

Yep, im Verlagsprogramm des Poetenladen Verlages findet sich in der Leseprobe der ersten Zyklus des Gedichtbandes, der auch im Jahrbuch der Lyrik 2017 veröffentlicht ist: Essay über eine Verschiebung.

 

Ist das Buch schon im Buchhandel?

 

Ich denke schon. Man kann es auch hier direkt beim Verlag versandkostenfrei bestellen.

 

Halt, noch nicht weglaufen! Wenn du ein Album nennen müsstest, das der Struktur deiner Gedichte am nächsten kommt …

 

Boards of Canada: the campfire headphase.

 

Good luck!

 

Merci.

 

 

 
 
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Hier spricht das Cover Bände über die Musik, die zu erwarten ist. Und es ist, neben „Magico“ von Garbarek, Gismonti, und Haden, ein weiteres meiner Lieblingscover des Labels. Zudem werde ich dieser Musik nie überdrüssig. Auf kuriose Weise führte einst eine Art „Hörspielkassette“ von Steve dazu, dass ich überhaupt bei Radiostationen vorstellig wurde. Dass ich mich später weiterhin für die Alben dieses „guitar outlaw“ begeisterte, hatte nichts mit Dankbarkeitsbekundungen zu tun. Und wie im letzten Jahr „Life Of“ bei mir einschlug – ich komme bei diesem Album bis heute nicht aus dem Staunen heraus. Steve Tibbetts hat sein Feuer nie verloren. Selten ist es vorgekommen, dass ein Musiker seine fertige Aufnahme einpackt, zu einem anderen Raum fährt, sie dort abspielt und zugleich über diverse Mikrofone neu aufzeichnet, so dass ein leicht verwandelter Sound entsteht, die andere Raumakustik als subtiler Gewinn betrachtet wird. Verblüffend, die Aktion, positiv „klangverrückt“, auch wenn ich die zwei Fassungen nicht vergleichen kann. Ich hoffe, der eine oder andere Leser dieser Zeilen macht sich auf den Weg zum Punktfestival nach Kristiansand, dort spielen Steve und Mark in einer Kirche. Nicht mein Lieblingsort für Konzerte – ich fürchte stets ein Übermass an Echo – aber sie werden sich schon etwas einfallen lassen, die Akustik zu nutzen.

 
 
2
 

Man nenne dies nicht Fusion Music und auch nicht Crossover. Die Musik des 1954 in Madison, Wisconsin, geborenen Steve Tibbetts erzählt Reisegeschichten über elektrische Wildnis und akustische Kulturlandschaften. Mit sechs Jahren hatte Steve begonnen, die Ukulele zu erforschen, und griff zur akustischen Gitarre, sobald seine Hände sie fassen konnten. Später spielte er in Rockbands und richtete sich im Laufe der Zeit in St. Paul, Minnesota, ein eigenes Studio ein, das bald zum zweiten Instrument wurde – Klangmanipulationen gehörten zum Handwerk eines Musikers, der Tag und Nacht Tomorrow Never Knows von den Beatles und Ege Bamyasi von Can hörte.

Der Globetrotter aus Passion hielt Abstand zu jedem drohenden Mainstream, vermied die mechanische Griffbrettartistik mancher Kollegen und kämpfte gegen den üblichen Etikettenschwindel: „Folkmusik vom Mars“ nannte ein Journalist Tibbetts‘ Klanggebräu. Seine erste große Reise führte nur nach Oslo: Unter der Klangregie Manfred Eichers entstand die karge, leicht pulsierende Gelassenheitskunst von Northern Song. Seitdem mischte der Gitarrist die Höhen- und Breitengrade seiner Musik nach den Gesetzen des freien Falls von Mikadostäbchen und produzierte brillante Werke, mit Titeln wie Safe Journey (1984), Big Map Idea (1990) oder The Fall Of Us All (1994) – eine konstante Verletzung des Orientierungssinnes. Manchmal sind da Geräuschspuren der Fernstraßen um Minneapolis zu hören, der Rocky Mountains oder eines Mönchschors aus Tibet.

Und so finden sich auch Fetzen eines fremden Alltags auf seiner neuesten Arbeit, A Man About A Horse, wenn beim Sampeln Natur- und Tierlaute zusammen mit den bronzenen Sounds von Gongs gespeichert werden (ECM 1814). Fasziniert ist Tibbetts von der Kebyar-Schule der Gamelan-Musik, ihren explosiven Attacken, kühnen Synkopen und verwickelten Läufen aus Blockakkorden. Bali, Indonesien und Nepal wurden bald zum ständigen Reiseziel. Er hört zu, wenn ein Einheimischer von den Geistern der Bäume spricht, und lässt sich vom endlosen Klingklang indonesischer Puppenspiele in den Schlaf wiegen. Kehrt Steve Tibbetts von seinen Reisen zurück, arbeitet er mit frei schwebenden Erinnerungen, nicht mit akustischen Abziehbildern.

Asien wird hier zu einer Welt, von der ein später Jimi Hendrix geträumt haben könnte. Komplexe Texturen, die, allem Gitarrenfeuer, aller Perkussionsdichte und Basswucht zum Trotz, eine seltsam beglückende Klarheit verströmen – als könnte man der Musik beim Luftholen zuhören!

2019 20 Aug

Back to School!

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Der Renner des neuen Schuljahres: Schusssichere Backpacks!

 
 

 
 

Wie man sieht, findet der freie Markt für jedes Problem eine Lösung.

 

 

 

 

Der Diafilm befand sich ungefähr zehn Jahre lang in der Kamera. Irgendwann hatte jemand die Klappe geöffnet, um nachzuschauen, ob ein Film drin liegt. Eine kleine Zusatzbelichtung. Geraume Zeit lag die herausgenommene Rolle auf der Kommode, dann wurde sie zur Entwicklung gebracht. Wir waren längst auf Digitalkameras umgestiegen, hatten vergessen, was sich auf diesen letzten Analogbildern befand. Die Hamburger Speicherstadt war ja noch leicht zu entziffern. Wo das untere Bild aufgenommen wurde, könnte ich nicht mehr sagen. Der Abdruck hat das Original komplett in ein surreales Leuchten verwandelt, zeitlos und wie aus den Räumen des Unterbewussten, unberechenbar und wunderbar unvollkommen.

Arild Andersen about three favorite albums from the first three decades:

 

 

 

 

 

FIRST DECADE 1969 – 1980

 

 

 

 

 

 

SECOND DECADE 1980 – 1990

 

 

 

 

 

 

Once I was away from home, and there was only one record store, and it only had ECM records. So all I did for months was buy ECM records. One record led to another, but it was all happening concurrently, so I was going into extreme free jazz, and into fusion, and all that stuff. I basically had every single Jarrett record, I had the Sun Bear concerts, the 10LP box set. I had everything. But Changes in particular had something about it that was very single-minded. They made Standards Volume One and Volume Two on the same day that they made Changes, and Changes was an improvised record. The way Gary Peacock is sitting on this one note thing, and DeJohnette is driving it really subtly, it reminds me of The Necks before The Necks. It’s got this propulsive thing, and I love that. It’s the explorative playing on top of a driving rhythm. And that’s something that I’ve always loved. I like to explore that in my music, too.“

(Oren Ambarchi)

 

 

THIRD DECADE 1990 – 2000

 

John Surman: ROAD TO ST. IVES / Walter Fähndrich: VIOLA / Jan Garbarek / The Hilliard Ensemble: OFFICIUM / Ketil Bjornstad: THE SEA / Lena Willemark & Ale Möller: AGRAM / Nils Petter Molvaer: KHMER / Bobo Stenson Trio: SERENITY 

 

 

 

 

 

FOURTH DECADE 2000 – 2010

 

Louis Sclavis: NAPOLI‘s WALLS / Christian Wallumrod Ensemble: A YEAR FROM EASTER / Trygve Seim: SANGAM  / John Abercrombie: CLASS TRIP / Ralph Towner: TIME LINE / Jon Balke: SIWAN / Anouar Brahem: THE ASTOUNDING EYES OF RITA

 

 

 

 

 

FIFTH DECADE 2010 – 2019

 

 

 

 

 

 

Small Appendix:

 

Talking with Manfred Eicher on ATMOSPHÈRES

Talking with Eivind Aarset on LOST RIVER

Talking with Jon Balke on WARP

Talking with Steve Tibbetts on LIFE OF

 

 

Kleine Nachtmusik: in der Nacht von Freitag auf Samstag, an einem 19. August, vor wenigen Jahren, tobte ein heftiges Unwetter über dem Münchner Raum. Bäume fielen auf Straßen, Bäume und Äste auf Gehwege, es gab vollgelaufene Keller, Pkws steckten in überschwemmten Straßenunterführungen – das sind nur einige der Einsatzstichworte für die Kräfte der Feuerwehr. Niemand nahm körperlich Schaden. Im ganzen Stadtgebiet waren die Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr unterwegs. Durch die Integrierte Leitstelle München wurden zusätzlich zu den Einsätzen im Stadtgebiet noch etwa 80 Einsätze für den Landkreis München disponiert. Das Unwetter beschädigte zudem eine Engelsfigur in Haidhausen. Die Feuerwehr sicherte die Figur auf dem 45-Meter hohen Kirchturm und seilte sie ab. In seinem Auto musste auch der Produzent Manfred Eicher ausharren, die Wassermassen zwangen ihn dazu, mehr als eine Stunde auf den Rettungsdienst zu warten. Immerhin funktionierte das Autoradio noch, und so schaltete er gegen 1.15 Uhr den Deutschlandfunk ein. Und so misslich seine Lage war, er musste wohl innerlich schmunzeln, als er rasch eine vertraute Radiostimme erkannte, und nur wenige Minuten vergingen, bis er, in den „Klanghorizonten“, der kleinen Premiere eines Musikstückes aus Björn Meyers exzellenter CD „Provenance“ lauschte, aus der von ihm in Lugano produzierten Aufnahme.

„Ein Termin mit Herrn Rihm“, so überschrieb Jochen seinen Beitrag vom 2. Juni über Wolfgang Rihm. Er empfahl damals einen Filmbeitrag des SWR über Wolfgang Rihm, der Titel: “Über die Linien – Grenzgänger des Klangs“. Ich habe den Tipp von Jochen befolgt und mir die Sendung angesehen, nicht nur das, in der Mediathek musste ich die Dokumentation nochmals sehen. Selten hat mich ein Musiker und Komponist so beeindruckt, so überzeugt wie Wolfgang Rihm. Der Film entstand kurz nach einer langen, schweren Erkrankung des Meisters. Rihm, Jahrgang 1952, wirkt ruhig, lebendig, lebensbejahend. Er komponiert und komponiert und hat noch so viel mitzuteilen. Einmal sagt er, es sei ihm, als hätte er in seinem Inneren noch einen dicken Block, da müsse und möchte er noch viele Blätter abreißen. Im Grunde habe er das Gefühl, als schreibe er sein ganzes Leben lang ein einziges Stück. Die Werke, die er schreibe, würden das Frage- und Aktionspotential für das Ins-Werk-Setzen des nächsten Stückes hervorbringen. Man solle sich den Vorgang des Komponierens aber nicht so vorstellen, als würde man einer Glanzstraße bis zum Ziel folgen, es sei eher ein Stochern im Nebel, es gebe keine Sicherheit im Moment des Entstehens eines Stückes, eher Hilflosigkeit.

Wolfgang Rihm ist seit 1985 Professor für Komposition an der Hochschule für Musik in Karlsruhe, sein Unterrichtsstil: fragend, – produktive Verunsicherung.

In der Dokumentation kommen neben seiner Biographin, Elenore Büning, auch unter anderen Anne-Sophie Mutter, für die Rihm “Gesungene Zeit“ geschrieben hat, und Jörg Widmann zu Wort. Für letzteren hat Rihm “Über die Linie II“ komponiert. Der Komponist, Klarinettist und Dirigent Jörg Widmann erzählt ausführlich über die Entstehung dieses Stückes. “Über die Linie II“, dieses Werk faszinierte mich dermaßen, ich musste mir die Platte sofort kaufen.

 

 

 

 

Die Aufnahmen zu dieser Scheibe entstanden im Konzerthaus Freiburg zwischen 2009 und 2010, es spielt das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, an der Klarinette natürlich Jörg Widmann. Über das Stück schreibt Widmann. „Als die Partitur der Musik für Klarinette und Orchester – Über die Linie II in meinen Briefkasten geflattert kam, war ich zunächst schockiert: ein über 40 Minuten fast ununterbrochener Gesang durch alle, auch die höchsten stratosphärischen Register. So hatte noch niemand für Klarinette geschrieben. Aber, wie sollte ich das jemals spielen können?“

 

The Guardian: „[Uber die Linie II ] must be one of the most substantial, an exacting test of any clarinettist’s control and stamina. The soloist plays almost continuously throughout the 37-minute work that the orchestra sometimes supports and accompanies, sometimes contradicts. The music is full of allusions to past styles, and its effect is fragile and haunting.“

 

Zu dem Werk Requiem-Strophen, 2017 uraufgeführt, sagte Jörg Widmann: „Was ich bei all den geistlichen Werken von Rihm spüre, dass es da etwas Anderes geben muss. Warum kann ich daran glauben – ich, der das höre? Weil es diese Musik gibt. So könnte ich gläubig werden.“

(play it loud) Rock’n’Roll? Psychedelic Kraut machine? Retromania zum 50 Geburtstag? Anarchie & Inventur auf dem Weg zu neuen Welten. Rotate, rotate. Ein übersehenes Jahresbestenalbum für 2018. Eine verlässliche Instanz deutscher Experimentalmusik. Mani Neumeier at its best. Live mit den seit inzwischen über 50 Jahren bestehenden Guru Guru kurz vor Mitternacht auf der TropenTango 2019. Voller Elan gehen sie an den Soundcheck, das Zelt füllt sich und dann: voll drauf! Darf man das noch Rockmusik nennen? Dann Reggae mit einer indischen Nadeswaram als Melodieinstrument. Moment, wo bin ich? Schon weiter getrieben. Living in the woods? Psychedelische Mäander mit japanischem Sprechgesang in bizarrer Verkleidung. Schamanenkraut? Um Mitternacht das Schlagzeugsolo. Geisterstunde adé. Bei der Magie ist kein Raum mehr für die Geister der Vergangenheit und der 78jährige Mani Neumeier so vital wie nach dem Aufstehen. Wahrscheinlich der derzeit beste deutsche Schlagzeuger. Und nach dem scheinbaren Überschreiten des Höhepunktes wird im Takt der Nightpack entleert und das Solo eskaliert auf Kitchen Metals erneut.

 
 

 
 

Und weiter gehts voller Ideen sprühend, voller zirkulärer Magie, erkundend, treibend, jagend, voller Schalk. Und selbst der Elektrolurch, die obligate Zugabe, hat sich längst schon wieder gehäutet und kommt bei legendärer Verkleidung in neuem Gewand daher. Und zwischen archaischen Artikulationen stellt der alte Spaceboy langgezogen die Frage: „Was macht ihr eigentlich … … … wenn ihr mal älter seid?

 
 

2019 14 Aug

Vierzehn Acht Neunzehn

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Lachen Sie eigentlich nie?

Wenn etwas Lustiges passiert schon.

Ich war schon viermal hier und nie haben Sie gelacht. Wenn ich stolpere, lachen Sie dann?

Nein, das wäre ja Schadenfreude.

 


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