Manafonistas

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1. Annette Peacock: The Perfect Release (Third Man Records, vinyl) / 
2. John Lennon: Plastic Ono Band (Special Edition) / 3. Tony Allen & Africa 70: No Accomodation for Lagos  / 4. Various Artists: Fire Over Babylon – Dread, Peace & Conscious Sounds at Studio One / 5. Don Cherry: The Summer House Sessions / 6. Culture: Children of Zion / 7. Beverly Glenn-Copeland: Keyboard Fantasies / 8. Tiziano Popoli‘s  Burn The Night (Bruciare la Notte): Original Recordings, 1983-1989 / 9. Annette Peacock: X Dreams (Third Man Records, vinyl) / 10. Jeanne Lee: Conspiracy / 11. Dunkelziffer: In The Night (bureau b) / 12. Soul Jazz Records presents Cuba: Music And Revolution 1975-85  / 13. Neil Young: Young Shakespeare / 14. V.A. – Heisei No Oto: Japanese Left-field Pop from the CD Age, 1986-1989 / 15. Tim Buckley: Merry-Go-Round at the Carousel June 1968 / 16. Can: Live in Stuttgart 1975 / 17. Die Welttraumforscher: Wir arbeiten für die nächste Welt / 18. Hector Zazou: Geographies / 19. Juana Molina: Segundo / 20. V.A. – Impulse Records – Music, Message & The Moment

 

2021 21 Jun

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Es wird auch wieder Zeit. Nicht nur Nachtradio, Nachtlandschaften, Nachtwanderungen, nein, auch Nachtfahrten haben ihren Reiz. Ich war so verwöhnt vom leeren Sylt, dass ich mir nicht vorstellen konnte, die Insel im Volltouristen-Modus aufzusuchen, aber mir fehlte das Meer, und mir fehlen die Nachtwanderungen, was ich mal als neue Obsession bezeichnen würde. Mit dem Sonos Move richte ich mir nachts um zwei eine kleine Soundinstallation ein, mit dem Meer und mit Pauline (nicht die Frau an meiner Seite, sondern der Sound aus der Zisterne). So bleiben die alten Effekte meiner Robinsonade im Lockdown erhalten. Und die Uwe-Düne, morgens um sieben (wenn die Welt noch in Ordnung ist), eine solitäre Angelegenheit. Der Trick ist, acht Tage lang die leeren geräumigen Orte aufzusuchen, und als kleines Kontrasterlebnis, ein Trubelrestaurant pro Tag. Wer mal vorbeischauen will, Samstag um 6.45, auf der höchsten Düne der Insel. In solch dünner Höhenluft überlegt man sich jedes Wort. Abenteuer gibt es jede Menge: ich weiss, wer einen echten Chagall hat auf der Insel, und ich habe „Lupin“ gesehen, auf Netflix.

 

2021 20 Jun

The Mix #1

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Auch übernächtigt lasse ich mir solche späten Abende nicht entgehen. Wenn du den Lautsprecher aufdrehst, hörst du ganz verschiedene Quellen von Sound und Geräusch, alles in realer Zeit, keine Spielerei. Ich kann stundenlang dasitzen, und diesen Lichtern zusehen. Ganz im Hintergrund erkennst du vielleicht auch die leise Musik aus meiner elektrischen Höhle. Ich hatte im Dunkeln das Regal abgesucht, und bin dabei auf diese CD gestossen, die ich viel zu lange nicht mehr gehört habe, vielleicht ein Jahr. Und dabei ist sie eine der schönsten Platten meines Lebens.  Etwas mehr passiert auf Mix #2, den du etwas früher an diesem Tag findest, obwohl er fast zur gleichen Zeit aus derselben Laune heraus festgehalten wurde. Es ist das gleiche Album, und ich als ich die Musik hörte, hatte ich eine Idee.

 

 
 

Nik Bärtschs Buch ist nun erschienen, in klarer englischer Sprache, mit zahlreichen Fotos, Illustrationen und side-kicks. Der flapsige Untertitel „A useless guide for everything“ sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Werk bei all seinem Seitwärtstreiben, Stories und Reflexionen ein spannendes Handbuch ist, über Listening / Music / Movement / Mind. Ich mag solch mäandernden Erzählwerke, in denen man hemmungslos rumstöbern kann, aber auch linear, von vorne bis hinten, in einen mindestens „modul-artigen“ Sog gerät. Eine tiefere Sympathie für die Musik von Nik Bärtsch erhöht die Lesefreude und macht das Lesen zu einem „thrill of thoughts“. Eine Stunde darüber in den Klanghorizonten, im Oktober, ist in Planung.

 

Im Laufe der Jahre gab es zwei Coverbilder: auf dem einen strahlendes Gelb, die Buchstaben in schwarz. Auf dem anderen Motiv geht es etwas psychedelischer zu: einige Planeten – darunter die Erde – schweben im schwarzen Weltall. Im Vordergrund wächst festes, dunkelgrünes Gras. Die Stimmung, die beim Betrachten entsteht, ist sphärisch, aber mit Bodenhaftung.

Das passt. Robert Ashleys spoken word-Album „Private Parts“ erschien 1978, ich habe es erst Anfang 2019 entdeckt, zur Zeit der Wiederveröffentlichung. Die Arbeit hat mich sofort in ihren Bann gezogen, vor allem die Stimme Robert Ashleys und der unglaubliche Sog der Texte der beiden zwanzigminütigen Tracks. Was passiert hier?

Ein Mann hat ein Zimmer in einem Motel betreten, er packt seine Taschen aus, sitzt auf dem Bett, beide Füße auf dem Boden. Das ist das zentrale Bild des ersten Teils „The Park“. Dieser völlig unspektakuläre Moment ist Ausgangspunkt eines faszinierenden Veränderungsprozesses, der das ein oder andere andeutet, letztlich jedoch nicht fassbar wird, – auch nicht nach vielfachem Hören oder Lesen des Textes. Immer wieder wird eine erwartete Logik durchbrochen. Bevor der Text greifbar wird, bricht er ab, gleitet ins Abstrakte oder setzt neu an: ein neues Bild, ein neues Thema, ein neuer Eindruck, eine weitere Überlegung, kleine Sprachspielereien.

Einmal heißt es „This is a record“ und später wird das Gegenteil behauptet: „This is not a record.“ Bilder, an die wir uns erinnern: ein altes Telefon mit Hörer, bläuliches Licht im Zimmer, ein Teller mit Pflaumen zum Frühstück, draußen eine Statue (ein Mann mit Pferd) sowie zwei Männer auf einer Bank. Ausgiebig reflektiert wird das Thema Übergang und Sterben.

Der Text wirkt spontan und assoziativ, ist jedoch fein komponiert und erzeugt bei jedem Hören einen anderen Subtext. Ich habe das Album mindestens 30 Mal gehört – die Konzentration auf den Text, die Stimme, Trommeln und Piano hat mir geholfen, meine Joggingstrecke zu verlängern – und ich habe jedes Mal etwas Neues entdeckt.

Robert Ashley zelebriert in „Private Parts“ die Faszination der Leere. Beim Hören wird man gelegentlich in eigene Gedanken abschweifen, man kann aber mühelos wieder einsteigen. Dieses Album ist ein Traum, in den man sich immer wieder fallen lassen will, um die Schwere des eigenen Ichs loszulassen und Teil des Ganzen zu sein.

Warum, um Himmels willen, sollte man sich zweimal zwanzig Minuten lang diesen relativ monotonen Gedankenstrom anhören, und warum fasziniert das einige Menschen so sehr? Zur Hälfte liegt das an der Musik des kürzlich verstorbenen Blue Gene Tyranny (Piano, PolyMoog, Clavinet). Ein gewisser Kris spielt Tabla. Wie infiltriert diese Hintergrundmusik unsere Wahrnehmung?

Ich denke, es liegt daran, das die Musik auf der hauchdünnen Grenze existiert zwischen Unbeteiligtsein und emotionaler Unterstützung. Die Gedanken setzen sich aus Trivialem und Existienziellem zusammen, aber immer, wenn ein Satz, eine Bemerkung uns aufhorchen lassen (das ist bei jedem anders), scheint die Musik diese Momente fast unmerklich zu dramatisieren. So kann aus scheinbarer Gleichförmigkeit ein seltsam spannendes  Hörerelebnis werden.

Die Abmischung ist interessant. Man kann hören, was die Stimme sagt, aber die Worte werden mit einer Verletzlichkeit vorgetragen, die dazu führt, dass  man sich den Lautsprechern  nähern möchte. Der Text hat  beruhigende physiologische Nebeneffekte, die sich ähnlich anfühlen wie bei geführten Meditationen – wir tauchen in den Gedankenfluss eines anderen ein, lassen einen andern in unsern Kopf hinein: der Hörer wird zu einem Detektiv, der Spreu vom Weizen trennt, Spuren sichtet – hellwach, erschrocken, tief entspannt, persönlich berührt.

Eigentlich ist die Komposition The Park verwandt mit dem  Song „The Windmills Of Your Mind“ – da geht es auch um das endlose Herumtreibem und Kreisen von Hoffnungen, Gedanken, Sehnsüchten, Erinnerungen im Kopf – und  die Versionen sind am besten, die nicht auf Gefühlswallung setzen,  und eher in seltsam gelassener Melancholie dahintreiben.

 

Round like a circle in a spiral, like a wheel within a wheel / Never ending or beginning on an ever spinning reel / Like a snowball down a mountain, or a carnival balloon / Like a carousel that’s turning running rings around the moon (…)

 

Als  letztes noch dies: PRIVATE PARTS spielt mit Erwartungen: es hat etwas vom Thriller, es ist kein Thriller. Es hat etwas von einem Drehbuch, es ist kein Drehbuch, es hat etwas von Essay, es ist kein Essay. Es hat etwas von einem Hörspiel, es ist kein Hörspiel. Es hat etwas von Schallplatte, es ist keine Schallplatte. Es handelt von Leere, und es handelt von Überfluss.

 

Michael: John, schön, dass du dir in den schottischen Highlands Zeit nimmst für dieses kleine Zoom-Gespräch über das Album von Robert Ashley. Wir haben uns vor einiger Zeit schon über meine Nacht in einem Haus gegenüber von den Orkney-Inseln unterhalten, und wie ich da eine alte Schallplatte von Louis Armstrong ganz anders wahrnahm als in meiner vertrauten Umgebung. Nie war mir Armstrongs Musik so nah. Ausser vielleicht, als ich zwei Monate in Julio Cortazars Roman „Rayuela“ lebte.

 

John: Manchmal gewinnt dieselbe Musik an Zauber, wenn man sie an einem seltsamen Ort hört. Vielleicht landest du an einem anderen Ort, wenn die Musik  in einem leeren Raum gespielt wird. Wie sich das Leben ringsum entfaltet, beeinflusst das Hörerlebnis.

 

Michael: Private Parts ist ein Album, das wie eine andere Realität direkt neben unserer zu existieren scheint.

 

John: Innerhalb der ersten paar Sekunden hat Ashley dich in seine Welt des Audio-Klettverschlusses gesaugt. Worte, Phrasen, Klänge und Ideen saugen dich in einen bizarren hyperdimensionalen Trip. kasshummm, kasshumm…

 

Michael: Hahaha. Wenn ich das so sagen würde im Radio, müsste ich wahrscheinlich hinterher an der Pforte eine Haarprobe abgeben…

 

John: Aber es ist doch ein Trip, Michael. Ein Film ohne Verfolgungsjagden oder Explosionen. Es ist ein Film, in dem die Kamera auf der Türklinke oder der bei der flatternden Wäscheleine vor der Tür verweilt. Eine eingerahmte Seltsamkeit von seltsam normaler Alltäglichkeit.

 

Michael: Und die Musik liefert zu all dem einen fantastischen Soundtrack. Ich habe vor meiner Radionacht am 19. Juni Martina Weber gebeten, einen kleinen Text zu dem Album zu schreiben – es wird die komplette Seite 1 der neuen Vinylausgabe gespielt – und sie spricht von einer faszinierenden Leere der Komposition Da dachte ich mir: ja, wie kann etwas so leer sein, und gleichzeitig so überfliessend? Ich kenne diesen „overload“ aus meiner Arbeit in Hypnosetherapien: du „fütterst“ das Bewusste deines Klienten mit unendlich vielen Details, und einer ruhigen Stimme – dann ist eine Trance unausweichlich, und das Unbewusste pickt sich nur noch die Dinge raus, die es braucht, um Wege aus einer Einengung zu finden. Die Widerstände lösen sich auf, im Englischen, pardon, Schottischen, spricht man von einem „hyper-receptive mood“.  Musik ist hier bei Ashley Teil des Zaubers.

 

John:  Trotz der minimalen Instrumentierung wandeln sich die Keyboards von Tyranny von beinahe  sentimentalen Klavierglissandi zu bizarren Synthesizern und mittelalterlichem Cembalo-Sound: und das zeigt Wirkung, auf die Art, wie wir das Stück hören. Worte und Phrasen können sanft vergrößert werden. Einfühlsames Spiel, Zufall oder strenge Komposition – wer weiss? Die Tabla verleiht dem Werk einen traumhaften psychedelischen Hauch…

 

Michael: Ja, Worte, Wortbilder werde sanft vergössert. Ich habe eine Idee zu dem Zaubertrick von Blue Gene Tyranny.* Aber das erzähle ich in der Nacht. Nach Martinas Text und  nach der Musik. Übrigens, das ist eine love it or hate it-Erfahrung. Entweder man findet The Park totlangweilig …

 

 

John: …  oder es hört einfach nicht auf, mysteriös zu sein. Private Parts ist ganz einfach ein besonderes klangliches Ereignis, eine Feier der Tiefe menschlicher Erfahrung. Ein organischer Spiegel. Ein Beweis für das unermesslich vielschichtige mentale Engagement, mit dem wir jeden Moment erleben und gestalten.

 

Michael:  Ich würde gerne einen Essay von einem Neurowissenschaftler wie David Eagleman über das Album lesen. Denn die beiden Stücke spielen mit unseren Myriaden von Optionen in jedem einzelnen Moment – deshalb kann dem zufälligsten Gedanken auf einmal besonderes Gewicht zufallen, wie ein Schlüssel zu etwas Unbekanntem. 

 

John: Weisst du, Michael, woran ich denke, wenn ich das Cover sehe, nachdem ich nun zahllose Male in dem Album versunken war. Ich denke an die Sonne, als wäre die Musik auch eine Feier des grundlegenden Grundes für das Leben überhaupt – die Sonne.

 

Michael: We‘re all mysterious travelers, John. Ich werde nachher mal „Nubian Sundance“ von Weather Report auflegen. Ach, zum Schluss, typische Journalistenfrage: welches neue Album hat dich in den letzten Wochen besonders begeistert?

 

John: ich nenne zwei. Also, erstmal „Showtunes“ von Lambchop. Vielen Dank für deine englischen Texte zum Album. Es ist vollkommen einzigartig, und das sage ich, obwohl ich wie du ein alter Lambchop-Fan bin. Irgendwann wird es ein Klassiker sein. Und dann Arooj Aftab, ihr Album Vulture Prince.  Dem Werk liegt (Gelächter) ein Parfum bei, ich spasse nicht.  Während sie an dem Album schrieb, starb ihr Bruder, und sie hat in ihrer Trauer fast alle Trommeln aus der Musik entfernt. Ergreifend. Ihr gelingt Erstaunliches, wenn sie alte pakistanische Sphären in einen neuen Kontext einbaut. Was bei vielen zur Verwässerung führt, wird so noch bezwingender!

 

Michael: Danke für das Gespräch. Und danke für deine Unterstützung, dass meine Kurzgeschichte „Breaking and entering on the day David Bowie died“ in einer schottischen Zeitschrift abgedruckt wird!

 

* According to Kyle Gann in the Village Voice, Tyranny had „Cecil Taylor’s keyboard energy, [and] Morton Feldman’s ear. The most original aspect of [his] works is the way they create continuity: they’re tonal, yet rigorously asymmetrical. They satisfy the ear without letting it take anything for granted. They evolve…with the labyrinthine irreversibility of deep psychic forces.“ (Wikipedia)

2021 19 Jun

The Mix #2

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video

 

Angeregt von Martinas und Olafs launigem Dialog, sind diese beiden Mixe mein kleiner Beitrag zur Verwirbelung von Klang und Welt. Die Urgeschichte dazu, und zur Idee der Ambient Music, erzählt Brian Eno zum ca. 320. Mal (classic good repertoire story with Welsh harp music)  im Gespräch mit Rick Rubin – hier in den letzten Tagen gepostet. Auch in diesem Mix wird die schönste Musik, die ich je im Leben gehört habe, etwas wahrnehmbarer. So ein Superlativ scheint übertrieben, und es sollte übertrieben klingen. Tatsächlich ist das Album, das dort zu all dem Gerausch der Welt ertönte, so reich – und bei jedem Hören berührt mich die Musik ganz tief, lapidar gesagt. Tiefer geht kaum noch.

Einmal lud mich  Brian in eine seiner alten Londoner Wohnungen ein, und zeigte mir (in den Neunzigern) den Raum, in dem Roxy Music einst wie die Verrückten geprobt und geübt haben, für ihr erstes Album. Für manche Roxy Fans wäre das der Heilige Gral gewesen, und es ist halt witzig, dass ich die ersten zwei Roxy Music Alben nie so prickelnd fand, und das dritte viel besser, ohne Eno, haha. Im ganzen Haus war die Heizung hochgedreht – eine Geburt stand bevor. In seinem Arbeitsraum zeigte er mir, wie er an dem Material arbeitete. Es war wohl weitestgehend mit dem DX 7 entstanden, ein Instrument, das Brian Eno, der sich gerne als Nicht-Musiker bezeichnet, virtuos beherrschte. Typisch, dass er es später verkaufte, um nicht in Muster zu verfallen. Aber das alles hat mich erst so richtig umgehauen, als ich später, und  am liebsten immer im Dunkeln, The Shutov Assembly auflegte.

Und die Idee, die mir kam bei Mix #1: dieses Album darf natürlich nicht fehlen in meiner letzten Ausgabe der Klanghorizonte, und es wird einfach eine ausgeflippte Jukebox sein, eine tollkühne playlist, auf der, reine Träumerei und praktisch eingetütet, ein Track wie Brians Alhondiga gefolgt  wird von einer Version von The windmills of your mind (Barbara Streisand oder Terry Hall), von einem Evergreen von Roy Budd, dem Intro von Twin Peaks, einer alten Moondog-Nummer, meinem Hammerklavierlieblingsstück von Herrn Schiff von Beethoven,  a field recording of  an old locomotive on a Welsh morning, Ascension Day von Talk Talk, dem Gitarrenfeuer von  Steve Tibbetts aus seinem wildesten Album, Count Ossies after midnight drumming, Sunny Afternoon, Pauline Oliveros in der Zisterne, Vitamin C, einem Solo von Nik Bärtsch usw usw – sämtliche Sequenzen dürfen allein der Logik der Träume und dem Sog kleiner Geschichten gehorchen…

To The Moon

by Percy Bysshe Shelley

 

Art thou pale for weariness
Or climbing heaven and gazing on the Earth,
Wandering companionless
Among the stars that have a different birth,
And ever changing, like a joyless eye
That finds no object worth its consistency?

 

 

It is wonderful to read this poem without a sound, just breathing its words, feeling images in the making. And it’s very special to hear them spoken by Marianne Faithfull, „wandering companionless“ with a companion. This night will include small interview excerpts from Kurt Wagner (Lambchop), Eduardo Henriquez & Caroline Chaspoul (Nova Materia), Shabaka Hutchings (Sons of Kemet), and perhaps a „vocal appearance“ from another well-known guest. Because of our long journey through an ancient Mexican jungle with Nova Materia, there are a number of really fine new albums that will not make it into this edition of my radio night (I think of St. Vincent, Lump a.o.) – they will probably be part of the night in August, for sure, amongst, f.e., an excellent forthcoming work by The Eivind Aarset Quartet (that will do their release concert at the Punkt Festival in Kristiansand, in the early days of September). Thanks again for „Klinger Factory“ providing well-shaped audio-files of the single interview sections. It is now a matter of fact, that my personal journey through three decades of „horizons of sound“ will end in December. Four radio nights left – and to avoid any kind of wrong sentimentality, the last radio show, a few days before Christmas, will offer a surreal ride through times gone by (the good side of sentimentality!), and not end with a whisper.

 

THE FIRST HOUR

 

Portico Quartet: III (from Terrain) / Sons of Kemet: Envision Yourself Levitating, from Black To The Future, / Anthony Joseph: Calling England Home, from The Rich Men Can Only Be Defeated When Running For Their Lives / Vijay Iyer: Touba, from Uneasy / Anthony Joseph: Maka Dimweh, from The Rich Men Can Only Be Defeated When Running For Their Lives / KURT WAGNER SPEAKING (OTON 1) / Lambchop: a track from Showtunes / Peter J. Schwalm & Markus Reuter: from Aufbruch

 

THE SECOND HOUR

 

STERNZEIT

 

 

 

 

Trees Speak: Machine Vision (single a-side from PostHuman, extended edition) / INTERVIEW EXCERPT NOVA MATERIA (part 1) / Nova Materia: Xpujil, from Xpujil (Made to Measure Vol. 45) – (one composition, 40 minutes long) / INTERVIEW EXCERPT NOVA MATERIA (part 2) / Trees Speak: from PostHuman – side B of the vinyl (X Zeit) – oh me oh my, i would have liked to play a much longer sequence, but that was impossible in regards to the album by Nova Materia being played. But in hour no. 4, the Diaz Brothers aka Trees Speak got plenty of time (necessary to get an idea of the full impact and  to be literally drawn inside😉)

 

 

 

(Three photographs, provided by Trees Speak, Tucson, Arizona)

 

THE THIRD HOUR – „Around romantic poems, shadowy showtunes & spoken word magic“

Brian Eno: Vanadium, from Making Space  / Marianne Faithfull: La belle dame …, from She Walks In Beauty / Lambchop: Unknown Man, from Showtunes / KURT WAGNER SPEAKING (OTON 2) / instr. Stephan Micus: Oh Chikulo, from his new album Winter’s End  / (small text by Martina Weber on Robert Ashley‘s Private Parts) / Robert Ashley: The Park, from Private Parts (1978 – Lovely Music) / (small text by Michael on Robert Ashley’s Private Parts) / Stephan Micus: Companions / KURT WAGNER SPEAKING (OTON 3) / Lambchop: The Last Benedict, from Showtunes (P.S.: a composition from Paddy MacAloons bzw Prefab Sprouts spoken word (and more)-album „I trawl the Megahertz“ was only missing because Martina‘s and my excursion into „Private Parts“ were waaaaaayyyyyy too long:))

 

THE FOURTH HOUR – TIME TRAVEL (1)

 

 

 

 

From my email interview with Trees Speak: „OHMS was the exploration of sonic minimalism and interlacing sounds together to create two 20 minute opuses. At the time, we were listening to Tangerine Dreams: Zeit, 70s Italian soundtracks, John Barry’s records, and the 1970’s spirit of concept albums. We felt that form of expression had not been explored much as of late. It was a curious approach to creating a record. It was exciting to think about one large composition and take the listener on a cosmic journey. At the time, the standard was to keep it interesting, lead the music into the unknown, and to have a sense of danger. We constantly limit ourselves with basic analog instruments and gear from the 70s and stay away from creating music on laptops or computers.“

 

Trees Speak: from OHMS /  Hector Zazou: from Geographies / Jan Garbarek, title track from It‘s OK to listen to the gray voice / Hector Zazou: from Geographies (Made To Measure Vol. 5 – just reissued), / The Coral: from Coral Island (a complete sequence of songs and spoken word-pieces)  / Hector Zazou: from Geographies / Jan Garbarek: Considering a snail, from Paths, Prints / Hector Zazou: from Geographies  / Trees Speak: from SHADOW FORMS 

 

From my email interview with Trees Speak: „Soul Jazz Records inspired Shadow Forms. We had released OHMS in March of 2020 during the pandemic, and the record unexpectedly sold out within a month. Soul Jazz asked us if we had any more music to release. We went through our archive of outtakes from Ohms and tracks we were working on and sent them to the label, and Stuart Baker brilliantly curated the sequencing of the record. It was a serendipitous record. Sometimes some of the most exciting things come from a place you would have never conceived, and Shadow Forms came from that realm. Each song is a world in itself. We mostly listen to vintage music and pay close attention to the productions and instrumental arrangements from the past. It only makes sense that the aesthetics of the vintage flows through our records. Unfortunately, a lot of beautiful and important music from the 70’s era has been overlooked. Hopefully, we could help ignite people to revisit some of those fantastic records that still hold up today.“

 

 

THE FIFTH HOUR – TIME TRAVEL (2)

 

 

 

 

Can: Live in Stuttgart 1975 (aus Versehen habe ich die zweite statt der ersten Cd des Konzertdokuments aufgelegt, und dann sprang die Cd auch noch kurz vor Ende zurück auf Anfang, That‘s live. Und wenn dann, in der letzten halben Stunde, das Wort „Klappcover“ zum Zungenbrecher wird, ist das ein untrügliches Zeichen: nach so einer Nacht ist man „angenehm alle und seltsam erfüllt“ – die erste Raststätte wurde zum Kurznickerchen angesteuert, auf gut deutsch „power nap“.)  / / 5.30 NACHRICHTEN UND PRESSESCHAU / / John Coltrane Alabama / OTON SHABAKA HUTCHINGS (on Pharoah Sanders THEMBI) / Pharoah Sanders: Astral Traveling / Marion Brown: from Vista (all three tracks taken from the 60th anniversary edition “Impulse Records: Music, Message and the Moment” – two of my favourite albums from the Impulse catalogue, apart from all those works by John C., Alice C. And Pharoah S. are from Marion Brown: Geechee Recollections and Sweet Earth Flying. And, to make a long list short, Keith Jarrett‘s Fort Yawuh, and Gato Barbieri‘s Latin America: Chapter One. (m.e.)

 

 

 

Man dürfe nie vergessen, so schrieb Asmus Tietchens einmal, dass wir von unheimlichen Dingen umgeben sind.

Eines davon heißt Musik an der Grenze. Es handelt sich um eine Cassettenproduktion, die vierte einer Art Werkreihe, 1982 in England veröffentlicht. Dies ist ebenso harte Kost wie schon der Vorgänger Musik im Schatten. Während die allerdings ihren Schwerpunkt vorrangig auf brachialen Sounds hatte, wird hier weniger mit Sounds als mit Wiederholungen kurzer Patterns gearbeitet. Klangquellen sind wieder der Moog Sonic Six, außerdem steuerte Okko Bekker zusätzliche Synthesizerklänge bei. In Track 4, „Titanic“, scheint mir sogar einmal ein Sequenzer im Einsatz zu sein, der sonst in der Musik Asmus Tietchens‘ keine große Rolle spielt. Die Wiederholungen basieren auf Tapeloops, die der Meister unter dem Pseudonym Loop de Vega angefertigt hat.

Das Kernstück ist die zehnminütige „Kultmusik für ein altes Ländle“. Das klingt gemütlich, ist es aber nicht. Über einer Art Bordunklang und ringmodulierten Geräuschen liegen seltsame, verhangene Chöre und verzerrte, klagende, teils anscheinend weinende oder schreiende Stimmen, immer aber bleiben sie undeutlich; man ahnt sie mehr als dass man sie hört. Dazu setzt nach etwa einer Minute eine verdoppelte und verhallte Stimme ein, die monoton, getragen, unablässig und von dumpfen Trommelschlägen begleitet den Satz „Austria es it orbis ultimo“ wiederholt. So jedenfalls höre ich den Satz, der sich offenkundig an das alte Habsburger-Motto „Austria est imperare orbi universo“ (oder auch A.E.I.O.U.) anlehnt. Grammatikalisch ergibt der Satz wenig Sinn, aber das macht nichts, der Tonfall, in dem er gesprochen wird, und die endlose Wiederholung entfalten Wirkung: Im Kopfhörer gehört erzeugt dieses Stück eine hypnotische und gleichzeitig zunehmend beklemmende Stimmung.

Musik für zwei Uhr nachts, wenn man gute Nerven hat.

 

Musik an der Grenze
Yorkhouse Records YHR 024 (England 1982)

Wiederveröffentlicht wiederum als Cassette auf Auricle Music 025 (England 1987)


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