Manafonistas

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Call me. Right foot starts, left foot follows. I walk and i walk. Genau genommen fahre ich. Auf der Autobahn nach Süden. Die Sonne brennt, halt richtig Sommer. Und aus den Lautsprechern kommt der relaxte, funkige Sound von Home Boy/Sister Out. Nach über 30 Jahren endlich wieder zu bekommen und das auch noch mit einigen feinen Extratracks. Paris 1985, Schmelzpunkt verschiedenster Kulturen und einer, der als der Weltmusiker schlechthin das schon immer alles zusammengeführt hat. Jazzig, funkig, voller Zitate und doch ganz eigenwillig. Vielleicht das im Unkonventionellen gefälligste Album von Don Cherry, in dem er clever Störungen des Jazz, Rhythmen von Afrika bis New York, Funk und ein bisschen Rap zusammenführt und dies mit der ihm eigenen sensiblen, sehr liebevollen Haltung und einem entspannten Spass am Spielen mit seinen Mitmusikern umsetzt. Und der ganz nebenbei mit Songs wie Treat your lady right der #MeToo-Debatte um Jahrzehnte voraus war. Wunderbare Musik für den Sommer, die Hitze flimmert auf der Straße vor mir, eine kleine Fata Morgana und auf einmal sitzt Don Cherry neben mir auf dem Beifahrersitz, fingert an seiner Pocket trumpet, die einst Boris Vian gehörte, herum, zwinkert mir zu und steigt ganz losgelöst in den ethnofuturistischen Groove ein.

I’m feeling good the way i should….für mich definitiv der Reissue des Monats!

 

 

 
 
 

Living in Marina del Rey –
man, you better get a job!
I´m living off the sun and the sea:
Marina del Rey …
 
… drinking Coca Cola,
writing their names in the sand,
smoke this shit and get paranoid –
I feel like a fish on dry land.
 

(Marc Jordan, „Marina del Rey“)

 

Remind, repeat and working it through. Remembering one summer in the early eighties: school was out forever and a journeyman´s letter in the pocket. Long time lazyness then with the Doobie Brothers and a shared cottage life in the countryside: „Man, you better get a job!“ Along that summer we listened to a mysterious guy called Marc Jordan. In Internet-research-free time-zones a curious cover gave sparse information. Even hard to recall his name, but Wikipedia helped me. Imagined him as a black man, a soul singer, kind of Al Jarreau. He never was, Wikipedia told me now. In case Wikipedia turns out to be a male, I´ll call him Jacob. „Mexico“ is one of my favorite James Taylor tunes ever. Last but not least „Copacabana“ from the marvelous Eliane Elias and her album Dance of Time: why the hell missed this bliss my last years best list? Scandal in the restricted destrict! Do you have some favorite sun- or summersongs, dear reader? Be free to add them in the commentary …

Gestern Abend stand sie auf der Bühne des Weltkunstzimmer, die schönste Übertreibung von Düsseldorf und meinte: „The only bad thing here is, that I can’t be in London while Trump is there.“ Dabei hob sie ein Bein und kickte mit ihrem white boot ins Publikum. Ich dachte kurz, oh no, nicht schon wieder diese Personalisierung, dann schaute ich auf ihre Plateaus und wurde neugierig, ob sie vielleicht „Emily’s list“ entsprungen ist und sich mit diesen Schuhen auf dem „Million Women March“ bewegt hat.

Diese kleine Sängerin aus London weiß sich geschickt zu präsentieren. Wo in Soho, an welcher Stange hat sie diese Körperbeherrschung geübt? Sie versteht alle Muskeln parallel zu den Tönen und Takten ihrer drei Bandmitglieder spielen zu lassen. Faszinierend wie sie auf den hohen Keilabsätzen festen Halt findet für ihre Schlangenwendungen und Michael Jackson Schritte. Singen kann sie alles. Beeindruckend wie sie Nina Hagen, Lene Lovich oder Janis Joplin covered. Sie hat eine Bluesstimme, kann Jazzmusikerin sein und Opernsängerin. Was ist Ihr Markenzeichen? Sie findet sich selbst im Tanz. Umwerfend, dass sie nicht umfällt :) Ihre Tanzperformance ist das beste, was ich auf einem Rock? Pop? Punk? Folk? Jazz? Konzert gesehen habe. Wie die Band heisst? Sie hat einen blöden Namen, erinnern sollte man sich an Barbarella.

 
 
 

 

 

Als Lajla neulich rundschrieb, es gäbe ein Porträt von Brian Eno, zur besten Sendezeit im DLF, lauschte ich also der, aus ca. zwanzig Begegnungen, altvertrauten Stimme, und dachte, dass, wenn Dinge sich im Kreis drehen, nicht immer Spannendes herauskommt. Brian ist sicher einer der intelligentesten Menschen, die ich je getroffen habe, aber (und da spinne ich Gedanken weiter, die in der Stunde gar nicht vorkamen), seine Vorträge kreisen seit 1988, und dem öffentlich geführten Essay über Parfüm, Haarfrisuren und andere Marginalien, die „cultural issues“ ins Visier nehmen, bevorzugt um dasgleiche (natürlich voller Variationen und ‚sidesteps’): wozu Kultur da ist, obwohl sie ja etwas sei, dass ein Luxusfeld jenseits des Notwendigen sei, wie wichtig das freie Spiel sei (und eigentlich landet man da bei jenen alten Hüten, die schon der Dichter Schiller in seinen Aufsätzen ins weite Feld der kulturellen Reflexion führte). Dann doch lieber jene Kreisläufe und Wandlungen, die Brians „Music for Installations“ zu einer wahren Schatztruhe machen. Dass solch systemische, funktionale Musik ihren eigenen Algorhythmen entkommt, und tiefe emotionale Schichten in Schwingung setzen kann, ist das feine Rätsel.

 

Einmal sagte der Autor, und da greife ich gerne korrigierend ein, Brian Enos frühe Werke seien gefloppt, sie hätten sich zu stark an tradierten Rockformaten orientiert – das ist natürlich Unsinn. Kommerziell waren „Here Come The Warm Jets“ und „Taking Tiger Mountain (By Strategy)“ sicher zu ihrer Zeit (der Fluch der Avantgarde) keine Reisser, aber sie gingen radikal und subversiv und extrem vielseitig mit der Formensprache der Rockmusik um – Klassiker, die von Generation zu Generation neue Hörer finden.

 

A propos „Zukunftssicherung“: manche Künstler, erzählte Brian Eno Marcel Anders, seien wegen des Geldes unterwegs, andere wegen den Ruhmes, und letzteres sei sein Motiv: er wolle in die Geschichtsbücher. Tja, als überzeugter Atheist wird Eno nicht die Fantasie haben, seiner Wirkungsgeschichte aus dem Jenseits entspannt zuzuschauen. So wohltuend Anerkennung zu Lebzeiten ist, scheint mir diese Sehnsucht nach anhaltender Berühmtheit seltsam kurz gegriffen, und auch flüchtig, trotz all der schon existierenden und noch folgenden Publikationen, Ehrungen, Jubiläen (hunderster Todestag etc.).

 

 

 

 

Hat er da weit genug gedacht, tief genug empfunden: geht es nicht letztlich in der Kunst darum, Verbundenheiten aufzuspüren mit dem „Ganz Anderen“, „Unbekannten“, vielleicht gar vergessenen Ursprüngen, statt einen Olymp zu besteigen, und den Applaus einer amorphen Menge zu empfangen; geht es nicht vor allem darum,  Menschen zu beglücken, zu bereichern, zu trösten,  ihnen neue Horizonte zu erschliessen, sie aus lang bewohnten Dachkammern zu locken?! Man könnte diese Liste der Wirkungsweisen von Kunst noch poetisch und sachdienlich verlängern – Ruhm und Anerkennung sind doch arg verkürzte Triebfedern. Und „Unsterblichkeit“, na ja. (Lassen Sie dazu kurz das Foto auf sich wirken – es stammt aus einer Installation des Meisters, den ich nur im Spass Meister nenne.) Die Verbundenheit von Allen mit Allen (eine Art  „archetypisches“ Kraftfeld) ist schon ein anderes Kaliber, und nicht  allein mystisches Gedankengut. Jeder ist „bedeutend“, jeder „Anonymus“. Lassen wir mal offen, ob das hinduistische Weisheit, Hobbymystik oder Post-Existenzialismus ist. So wie Brian das Ego in seiner Ambient Music zur Auflösung treibt, und zwar ziemlich radikal, so ist das Ego ohnehin eine Konstruktion des Geistes, und stete Quelle zahlloser kleiner Irrtümer. Sternenstaub trägt keine Signaturen.

 

2018 12 Jul

Jeff Bridges

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„I’ve been travelling over the last month and I’ve been bouncing back and forth between books during my travels. The first is called Iron Ambition: My Life With Cus D’Amato (Sphere) by Mike Tyson and Larry Sloman. I’m a fan of Cus D’Amato, who also trained world champions Floyd Patterson and José Torres. I’m also reading Nietzsche for the first time, partly because Cus had Mike reading Nietzsche at 15 years old. I’m halfway through Thus Spake Zarathustra (Wordsworth, translated by Thomas Common) and will admit I can’t make head or tail of some of it. I think the book is telling me to believe in myself, to think at a higher-than-average level, and to not get bogged down with petty things. Ideal holiday reading.“ (Mark Kozelek)

 

 

 
 
 
Tracklist
 

  1. Spin Cycle
  2. Forever and ever endeavour (devour)
  3. Oops Delores
  4. Inside Out
  5. Viola Interlude
  6. This Precious Time
  7. Rising Damp
  8. Rock me Tender
  9. Good Enough
  10. Fly-away-home
  11. Just a minute, not even
  12. Goodbye Song

 

 

 
 
 

Saturday night’s performance of Iranian master singer Mahsa Vahdat with the Norwegian SKRUK choir and Tord Gustavsen (piano/arrangements,) was incredible. One of the more memorable concerts I have attended in recent years … or maybe ever.

The heart of this project is Mahsa Vahdat’s amazing voice, which melismatically keens, swoops and uulates, bringing out all the beauty, longing and nuance of the poetry of Hafiz and Rumi, (sung in Farsi – the choir sings in Norwegian.)

The concert also introduced me to two albums, both of which I purchased on the spot. The album that represents this project is SKRUK & Mahsa Vahdat, i vinens spiel (KKV label) and it’s available on most streaming sites and on CD. Besides Tord Gustavsen, ECM artist, bassist Matts Ellertson (Thomas Strønen, Mathias Eick etc) is on the album. There is also another album (Mahsa Vahdat, Tord Gustavsen and a percussionist,) called Traces of an Old Vineyard, (also KKV) which was also represented that evening when the choir left the stage and the trio performed pieces from that recording.

I bumped into Tord Gustavsen after the show. He told me there will be a new trio album in the fall and extensive touring, even a visit to Northern California. I am happy to hear of a new trio album; for all the other contexts I have heard and seen him in, I still love his trio albums best of all.

SKRUK also performed a cappella, including a mind blowingly beautiful Kyrie written and arranged by Gustavsen (unfortunately not yet recorded.) The choir surrounded the audience for that one. It truly felt like I had been transported to heaven. A transcendent musical evening.

 

 

Vor vielen Jahren bekam ich das Angebot, vier Stunden am Tag, in einem „independant tea and coffee shop“ in Soho, London, als Servicekraft zu arbeiten, gleichzeitig „alternative coffeehouse music“ aufzulegen (mit zwei Cd-Spielern) – neben einem  ordentlichen Salär konnte ich in einer kleinen Wohnung im selben Haus frei wohnen. Der Spass dauerte sechs Wochen und wurde von einem guten Bekannten der BBC vermittelt, in einem Projekt, das Radiomenschen in ungewohnte Settings unterbrachte. Da lernte ich auch die Zubereitung von cremig grünem Matcha Latte mit Eiswürfeln. Ich war einst argentinischem Matetee sehr zugetan, als ich rauschhaft Julio Cortazars Meisterwerk „Rayuela“ durchlebte, doch Mate und Matcha sind zwei verschiedene Kaliber, der kalte Matcha war für mich ein ekliges Gesöff wie selten eins. Soll gut gegen Krebs sein, und ich kenne kluge Leute, die ihn sogar köstlich finden, Martina etwa, wie sie jüngst in ihrer Geschichte zu „Sans Soleil“ kundtat. Allein optisch ist der Iced Matcha-Latte schon eine einzigartige Kreation. Das Matcha-Pulver wird aus den zerstoßenen Teeblättern hergestellt. Der Trinker nimmt also keinen Extrakt zu sich, wie es bei normalem Tee üblich ist, sondern konsumiert das gesamte Blatt. Der Matcha-Tee wird in Japan auch gerne als “grüner Espresso” bezeichnet – der Matcha-Latte ist dann wohl der grüne Latte-Macchiato! Die Zubereitung des Matcha-Latte ist relativ einfach und nicht komplizierter als die Zubereitung eines normalen Latte-Macchiatos. Alles in allem also die perfekte Latte-Alternative im Sommer, wenn man dieses Gesöff halt mag. In dem Laden war es damals das Szene-Getränk no. 1. Die Zubereitung ist einfach, und außer dem Matcha Pulver und Milch sind keine besonders exotischen Zutaten notwendig: 1/2 TL Matcha Pulver, 50 ml heißes Wasser (80°C), 200 ml kalte Milch, 1 Handvoll Eiswürfel. Lassen Sie sich also nicht abschrecken von meinem fast schon körperlichen Ekelgefühl, ich finde ja auch Marzipan und Buttermilch widerlich. Viel interessanter waren aus meiner Sicht die vielen tollen Musikgespräche mit Gästen aus allen Altersgruppen, während meine Musik lief. Jeden Morgen lag auf jedem schwarzlackierten Tisch ein Flyer mit dem „drink of the day“, und den Namen von drei Musikern, die sich zwischen 8 und 12 Uhr munter abwechselten. Diese Blätter habe ich jüngst  auf dem Dachboden gefunden, aber sie sind grau und hässlich geworden mit der Zeit. Hier einige der „Blue Morning Music Wonders“, „Trios“ der besonderen Art, Musik, die man, von Ausnahmen abgesehen,  tatsächlich eher spätabends, nachts,  oder nie zu hören kriegt: Brian Eno / Tuxedomoon / Steve Tibbetts  ——-  Jon Hassell / Ras Michael / Joni Mitchell ———  John Martyn / Penguin Cafe Orchestra / Bill Connors ——— John Surman / Vaughn Williams / Jacques Brel ——— Nits / Talking Heads / Caetano Veloso ——— Sun Ra / Nick Drake / Cluster ——— eine kleine Auswahl. Es gab in diesen sechs Wochen ausser ethnischer Vielfalt, nahegehenden Begegnungen und einem Hauch von Routine noch eine besondere Sache, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. Ben, der Chef des Lades, bat mich, allabendlich eine Runde mit dem Hund zu gehen, ein Golden Retriever namens Mister Phelps. Auf den Strassen von Soho möge ich den Hund zudem stets mit vollem Namen ansprechen, was zu witzigen Situationen führte. Ich verstand mich grossartig  mit Mister Phelps, er war offensichtlich ein Fan der Talking Heads, bei Psycho Killer führte er gar ein Duo mit David Byrne auf. Allein, wenn ich seinen Namen rief, schauten die Leute immer wild umher, welchen Gentleman ich da zur Raison rief, und dachten wohl, ich wäre ein weiterer Irrer, der mit Geistern kommuniziert. Der tiefere Witz der Story ist, dass ich  ein Jahr später, in der Normandie eine kurze Affäre mit einem  britischen Photomodell in den zweitbesten Jahren und einem astreinen Audrey Hepburn-Pony hatte – sie hiess, bingo, Mrs. Phelps, und ich nannte sie auch immer so (was im Bett dann schon mal den Charme einer Rock Hudson-Komödie hatte) – ihr früh verstorbener Mann war der Gründer einer Gruppe, die sich fast in Vergessenheit geratenen Vertretern des „spiritual jazz“ zuwandte, und regelmässig in einem englischen Jazzmagazin publizierte. Mrs. Phelps war vom Jazzvirus ihres Mannes infiziert – und sie hatte einen Riesenfundus an Platten, bei denen der Jazzpianist Stanley Cowell mitwirkte, ihr Lieblingsalbum war „Illusion Suite“. 

 

2018 8 Jul

Three Shadow Selfies

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