Manafonistas

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2021 21 Sep

Winter is comin‘

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Introducing Winter Tales – a new seasonal album featuring music from some of the label’s star composers, who were invited to reimagine the music of Christmas and Chanukah, drawing inspiration from their childhoods and homelands. The album, which is due for release on 21 October, comprises 12 very personal responses to that creative challenge, all of which have something fresh and timely to say about winter’s promise of renewal and light’s power over darkness. A new Brian Eno song is a rarity anyway, and can already be heard on youtube.

 

Michael is sending heartfelt greetings from the Black Forest, and, according to a rather cryptic postcard, he has by now finished his autumnal retreat and found shelter from the stars in a fine hotel at the margins of a small town named Villingen. He is meanwhile lost in season 1 of the wonderful series „Nine Perfect Strangers“ and calls that one his second parallel world experience in a very short time: microdosing LSD seems to be the call of the season, but he prefers the simple illusions of  red wine. Or so he says. The books on his night console: „The Hurdy Gurdy Man“, by Donovan, and „Harlem Shuffle“ by Colson Whitehead. Obviously in time traveling mode, the only record he is listening to these days, is „Nancy & Lee“, the one with „Sand“ and „Summer Wine“. Ready now for „Winter Tales“. Or so it seems.

2021 20 Sep

Linguistic Change

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Jazzfest Berlin 2016

 

Die Geschichte des Rattenfängers von Hameln ist über die Grenzen der niedersächsischen Kleinstadt bekannt geworden. Mit bezirzenden Flötenklängen verführte er die Menge, lockte sie in die Irre, umspielte sie gewissermassen dumm und dusselig. In seiner Grundstruktur erinnert diese Geschichte an die heutige total-digitalisierte Medienwelt und man fragt sich oft als User, ob man Täter oder Opfer sei. Der Gebrauch des Smartphones mag als Beispiel gelten: dass in freier Landschaft telefonierende „Phonies“ den Eindruck hinterlassen, sie wären lunatics, mag zumindest den Altbewanderten so vorkommen. Der koreanische Philosoph Byung-Chul Han beleuchtete in seinem Buch Der Schwarm mit sezierender Genauigkeit die Problematik solcher Sachverhalte. Aber nicht nur die Gefahren einer medialen Überfrachtung sind gegeben, sondern auch die Verfälschung ihrer Inhalte. Jüngstes, lustig-peinliches Beispiel: ein Fernsehsender des öffentlichen-rechtlichen deutschen Fernsehens entfernte das Logo einer nicht genehmen Zeitung vom Mikro des Interviewers. Was wird ansonsten noch so vertuscht oder hinzugedichtet, hier und da? Man kann nur mutmassen und wie im Dschungel einst die Kobra, so lauert höchstwahrscheinlich hinter mancher Nachricht eine fake-news. Aber man soll sich nicht aufregen und um nicht ins Fahrwasser des ewig Gestrigen zu geraten, verweise ich auf die Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel, die einmal sagte, sie würde das Digitale begrüssen und gleichzeitig kritisch sehen. Kommen wir aber nun, um das Hölzchen-und-Stöckchen-Spiel (eine meiner Spezialitäten) genüsslich weiterzutreiben, vom Rattenfang zur Rhythmusjagt. Wer kennt ihn nicht, den groove-hunter? Geboren im Adelsgeschlecht der Tänzer, das seine Wurzeln von Afrika aus in Länder und Kontinente wie Brasilien oder Nordamerika spriessen liess, ist er seit ehedem dem Diktum ergeben, dass alles Leben nicht nur Körper, sondern auch Rhythmus sei. So sagte beispielsweise ein brasilianischer Schriftsteller, nämlich der honorige Jorge Amado aus Bahia: wer nicht tanzen könne, müsse fusskrank sein. To be a Slave to the Rhythm, davon sang ja schon Grace Jones und sogar ein Album des Jazzdrummers Paul Motian hiess Dance. Auch unsereins scheint jede Menge Blut davon in seinen Adern zu haben, denn eine grosse Portion Extra-Funk war schon immer ein Zuschlag, den man sich gerne gefallen liess. Wenn in der Diskothek Maschinenhaus in Bremen einst in Jugendtagen – man fuhr dort vom Lande aus mit dem Moped hin – zwischen Stahlgerüsten Sklavenkörper tanzten, etwa zu „The Fez“ von Steely Dan, war die eine oder andere Jägerin des Grooves gewiss dabei. Und hopplahopp, nochmals ein Sprung über das Stöckchen: gestern abend entdeckte ich eine Home-Session mit dem Trompeter Alexander Sipiagin und seinen Mannen. Nicht, das ich jetzt ein Sipiagin-Jünger wäre, aber sein Werk war eine der musikalischen Entdeckungen dieses Jahres, wovon noch näher zu berichten sein wird. Zur Jazztrompete generell sei hinzugefügt: ich mag ein differenziertes Spiel mit klar umrissenen Tönen, ohne die expressiv-„schwammigen“ Ausbrüche, zu denen dieses Instrument allzu leicht verführt. Das Stück hat Groove, heisst „The Master Switch“ und wird vorgetragen von The Thieves Quartet.

2021 14 Sep

Zwei-in-einem

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Do not believe in good karma donation

Heisse die Abenteuer des Lebens willkommen

Verlass die Strukturen des Systems

Nähere dich deinem Selbst

Lass deine Post digitalisieren

Öffne dich den Stimmen deiner Seele

Erhöhe die Schlafmenge

Steigere die schöpferische Kraft

First movers always profit high

(hmgrwn)

 

2021 14 Sep

fresh & recommended

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Aoife O’Donovan – „Phoenix“ (Official Music Video)

 

Jacky Terrasson ist ein technisch brillanter Pianist, ein außerordentlich einfallsreicher Improvisateur. Ob er irgendwann einmal in der Galerie der Jazzpianisten in die Klasse von Oscar Peterson, Dave Brubeck, Bill Evans, Keith Jarrett, Chick Corea et alt. aufgenommen wird weiß ich natürlich nicht. Ich vermute, das wird eher nicht der Fall sein und zwar deswegen, weil er keine sensationellen Ausblicke öffnete wie Dave Brubeck mit seinen rhythmisch-metrischen Neuerungen (im Jazz), wie Keith Jarrett mit seinen atemberaubenden Solorecitals, weil er nicht Mitglied einer Miles Davis Band gewesen ist, weil er …

In meiner persönlichen Jazzpianisten-Galerie nimmt er einen Platz in der Ersten Klasse ein. Ich wurde auf ihn aufmerksam im Jahr 2006 oder 2007 durch eine Aufzeichnung des Auftritts des Ron Carter Trios bei der 37. Jazzwoche Burghausen, wo es eine grandiose Version von My Funny Valentine (Video) zu hören gab. Das komplette Konzert kann hier aufgerufen werden

Ron Carter – ich muss nicht betonen, dass er einer der größten Bassisten des Jazz ist – war Mitglied des legendären Zweiten Miles Davis Quintetts. Miles Davis war immer Avantgardist, und die Mitglieder seiner Bands waren es somit unvermeidlich ebenfalls. Ron Carter würde ich schon lange nicht mehr zu den Avantgardisten zählen, es sei denn, man erachtet die Rückkehr zur Interpretation der klassischen Standards als ‚Avantgardie‘. Keith Jarretts geradezu radikale Reminiszenzen wirkten durchaus avantgardistisch nach einer Phase der Weigerung, sich des Amerikanischen Songbooks zu bedienen. Ron Carter spielt gerne die alten Standards, auch Jacky Terrasson schätzt sie und gibt sie zurück als wunderbare Erscheinungen auf gleich hohem Niveau wie Keith Jarrett. Er spielt auch Eigenkompositionen oder bedient sich jüngerer Popsongs.

Nun denn, das mediale Erlebnis des Burghausener Konzerts veranlasste mich, mein erstes Jacky Terrasson Album zu erwerben.

 

 

Es gehört zu den meist gehörten Jazzpiano-Alben meiner Sammlung und enthält eine Fülle von Perlen, darunter die für mich schönste Version von NARDIS. Das Titelstück Smile verdient es, in die Hall of Fame des Jazzpianos aufgenommen zu werden. Es ist ein Meisterwerk. Den unscheinbar einfachen Song hat Charlie Chaplin komponiert, und wohl deswegen ist er noch am Leben. Terrasson versetzt ihn vom 4/4 in den 5/4 Takt, und zwar mit einer Feinheit und Leichtigkeit, dass man es selbst als ausgefuchster Hörer kaum spürt. Über ausgedehnte Räume rückt das Fünfer-Metrum kaum wahrnehmbar in weite Ferne, ist aber immer präsent. Wunderbar, und hier zu bestaunen.

Mit dem Hören von Jackys Alben habe ich mich nicht zufrieden gegeben. Ich wollte ihn auch live erleben. Er gastiert nicht sehr häufig in Deutschland. Im Jahr 2009 konnte ich ihn im Kleinen Saal der Laeiszhalle Hamburg hören. Unter den Stücken des Albums SMILE ist eine Version von Stevie Wonders Song Isn’t She Lovely?, die mir ein unfassbares pianistisches Rätsel blieb für lange Zeit, spielt Terrasson doch ausgedehnte Girlanden zweistimmig im Intervallabstand einer kleinen Sekunde – eigentlich unmöglich. Nach dem Auftritt seines Trios in der Laeiszhalle bat ich ihn um die Lösung des Rätsels. Davon berichte ich in comment #1

2021 11 Sep

Water (secret messages)

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Himmelblau. Nicht ungetrübt. Ein Grauton im Blau. Ein sehr leicht marmoriertes Blau. Ein Hauch großflächiger Wolken. So zaghaft angedeutet, dass es für diese Wolkenform, das Wolkengebilde, keine Bezeichnung gibt. Dann weiße Tauben, die auf Ästen sitzen, mit dem Kopf nach unten, entgegen den Gesetzen der Natur. Als stünde der Baum auf dem Kopf. Als wäre das Land da, wo man den Himmel vermutet. Wellen. Poolblau. Das Wasser eines Swimming Pools, an dessen Rand ein junger, gut gebräunter Mann in Badehose auf dem Rücken liegt, auf hellen Platten, einem Grundstück auf einer Anhöhe in einer mediterranen Landschaft. Wiesen, Buschwerk, begrünte Hügel, etwas entfernt, kaum in Hörweite wohl, eine gelegentlich befahrene Straße. Gleich wird eine Frau im Bikini gut gelaunt aus der Villa schlendern, und sie wird sich von dem Mann, der am Pool liegt, an einer juckenden Stelle am Rücken kratzen lassen. Alltag einer Liebesbeziehung. Es sind Szenen wie diese, über die Michael Althen in seinem Kinobuch Warte, bis es dunkel wird in einer so begeisterten Art geschrieben hat, dass ich mir einige dieser Filme angesehen habe: Nachtblende. Die Dinge des Lebens. Reisen in die Zeit Mitte der 60er bis Anfang der 70er Jahre. La Piscine oder The Swimmingpool hat schon deshalb für Aufsehen gesorgt, weil Marianne von Romy Schneider gespielt wird und der Geliebte im Film von ihrem Exmann Alain Delon. Da ist, im Zentrum, der Pool. Da ist das wunderbare Haus, das Freunde ihnen überlassen haben, während sie in Indien sind. Marianne schreibt (aber wohl nicht im Urlaub), sie ist glücklich, erfüllt. Jean-Paul hätte sich mehr von seinem Beruf erhofft. Es wird nur angedeutet, man kann es überhören. Ein älterer Freund der beiden ruft an, kreuzt auf, mit seiner fast erwachsenen Tochter. Sie bleiben. Die Musik ist lässig, sie wird sparsam eingesetzt. Es ist ein Jazz, den man hört, wenn man an einem Nachmittag, an dem es draußen am Pool zu heiß ist, auf dem Bett liegt. Wir befinden uns im Jahr 1968. Das Cover einer Schallplatte ist zu sehen.

 
 

 
 

Das Genre verändert sich. Es geht jetzt darum, was gesagt wird, und darum, was nicht gesagt wird. Man könnte den Film als Vorlage für eine Hausarbeit im Jurastudium einsetzen. Was sich ein normaler Zuschauer nicht vorstellen kann: Jeder Zweit- oder Drittsemester könnte zur Aufgabe „Untersuchen Sie die Strafbarkeit aller Beteiligten in einem Gutachten“ zehn Seiten schreiben. Die junge Frau, die nur wenig spricht und Bücher liest, wird von Jane Birkin gespielt, der Mutter von Charlotte Gainsbough. Tanzstile der 60er. Auf einer Party vom Vater gedrängt, mit ihm zu tanzen, ist sie sofort im Rhythmus. Schiebt ihren Po hin und her, bewegt zuckend und zappelnd die Arme. Als sei es nicht möglich, sich zu dem Song, der damals wahrscheinlich sehr verbreitet war, nicht zu bewegen. Zwei Jahre zuvor hatte Jane Birkin im swinging London in Antonionis Blow up eine Figur verkörpert, die der Fotograf als chick bezeichnet hat. Die mit ihrer Freundin ohne Scheu beim Fotografen klingelt und fotografiert werden will. Doch der Fotograf ohne Name interessiert sich für die Frau, die er fotografiert hat, während sie ihren Geliebten heimlich in einem Park traf. Auch sie beginnt sofort zu tanzen, als eine Schallplatte sich auf dem Plattenteller im Studio zu drehen beginnt.

 

Der erste Eindruck täuscht selten. Das gilt für Dinge, Menschen, Situationen, Atmosphären – und Musik. Als ich vor einiger Zeit ein paar Takte des Colin Vallon Trios wahrnahm – es wurde wohl in Deutschlandfunks´ Jazzfacts oder den Klanghorizonten gespielt, vielleicht sogar im Kontext von Klaviertrioformationen – da fand ich es gleich gut. Jetzt höre ich genauer hin und stelle fest: es hebt sich ab von Anderem. Als wenns nichts weiter wollte als Musik sein, klingt es einerseits recht simpel, andererseits nach ECM-Jazz par excellence. Wichtig ist der Impuls, den die Musik beim individuellen Zuhören subjektiv bewirkt. Hier unterscheidet unsereins gottseidank noch zwischen all dem Info-Inflationären, das einem täglich so um die Ohren flattert und dem, wovon Bauch, Herz und Sinne sagen: dies ist eindeutig meins. Dann will man natürlich mehr wissen über Künstler, die man noch nicht kennt – denn Kunst kommt von Kennen – und so googelt man sich langsam ran an die Materie: schaut auf die Homepage; liest, was in Amazon-Rezensionen und Magazinen so geschrieben steht – und bekommt hier bei den Manafonistas schonmal vorab eine warmherzige Scheibe …

 

2021 9 Sep

In waiting

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