Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: Zeitreisen

„Should never have left the crystal lake
For areas where trees are fake
And dogs are dead with broken hearts
Collapsing by the coffee carts
The crystal lake it only laughs
It knows you’re just a modern man
It’s shining like a chandelier
Shining somewhere far away from here“

 

 

 

1 – Eine leicht betrunkene Note von Chopin

 

Do you remember The Department of Disappearance? No? That overlooked treat. What I love about the songs of his maybe second best album, is their dreamy atmosphere, they create a space to vanish into them. Jason Lytle‘s album „Dept. Of Disappearance“ is the perfect title for this kind of escapism. And, right on, there are lovely moods, great noises, funny breaks, playful keyboard arpeggios, a slightly drunken Chopin quote, catchy lyrics, vintage synthesizer sounds and all.

Almost everything played by Jason, Grandaddy’s mastermind himself. Nearly every song is telling a story about death, and dying. Not in an existenzialist way a la John Cale’s „Music For A New Society“ or Neil Young’s „Tonight’s The Night“.  More playful, uplifting. Full of wonder, but never in a naive way. Thanks god, there’s fucking no one being soaked up by some golden light in these songs. In the last song, „Gimme Click, Gimme Grid“, Jason Lytle closes this beautiful album with a childhood memory, and another way of disappearing.

The album has never become nearly as well known as Grandaddy‘s most famous work, but it is worth a decent discovery. It shares its playful melancholia and nearly devastating non-chalance with the introspection of another often overlooked work, Wilco‘s „Sky Blue Sky“ geting some lukewarm thumbs down on its release while in fact being a work of wisdom gained by defeat. And stunning music, lightly danicing from abyss to abyss. Let‘s talk about us growing older with the music we love along the way. Let‘s enter the department of disappearance.

 

 

2 – Vicodin und das Empfinden letzter Lieder

 

“Hey hey, my my, rock‘n‘roll can never die“. 

Ist das so? Aber altern kann er, oder?

Wir schon. Das mag nicht selbstverständlich erscheinen in einer Kultur, die die Jugend hochschätzt und Verweigerungsstrategien hemmungslos vermarktet. „Alter ist nur eine Zahl“. „40 ist das neue 20.“ Wann fängt das Leben erst an?! Die Slogans sind endlos, und sie nähren die Maschinerie, die die Sucht nach Verleugnung anheizt. Man könnte argumentieren, dass der Erfolg der Musikindustrie zu einem nicht geringen Teil auf den Wunsch zurückzuführen ist, regelmäßig ein paar Stunden mit dem Soundtrack unserer Jugend zu verbringen, auf der Suche nach einer weiteren Dosis der Musik, die einst mit der Intensität durch unser Wesen pulsierte, die unseren Glauben an endlose Sommer befeuerte.

Aber die Zeit ist eine unerbittliche Bedrohung. Und trotz der quasi-religiösen Intensität, mit der wir nach dem Mythos der endlosen Möglichkeiten greifen, erreichen wir einen Punkt, an dem uns das Leben diesen Glauben aus den Fingern reißt. Wenn wir Glück haben, leben wir lange genug, um unseren Anteil an Fehlern und Misserfolgen anzuhäufen.

Wir sind immer – wie Kieran Setiya in seinem Buch „Midlife: A Philosophical Guide“ – in einer „doppelten Zeitlichkeit“ zwischen verschiedenen möglichen Zukünften und vergangenen Entscheidungen gefangen, die diesen Entscheidungen Bedeutung verleihen. Das, was wir als „Krise“ bezeichnen, hat seine Wurzeln in dem Bewusstsein, dass es keine unbegrenzte Zukunft mehr gibt (oder nie gab) und dass unsere aktiven oder passiven Entscheidungen der Vergangenheit sehr oft Wege versperrt haben. Es ist eine berauschende Zeit des Übergangs.

Während der Aufnahmen zum Wilco-Album A Ghost Is Born aus dem Jahr 2004 war Frontmann Jeff Tweedy Ende dreißig und kämpfte mit einer wachsenden Abhängigkeit von Vicodin, das für ihn zu einem Mittel gegen Panikattacken und schwere Migräneanfälle* geworden war. In seiner Biografie gibt Tweedy an, dass er sich während der Aufnahmen zu diesem Album in einem Zustand befand, in dem er das Gefühl hatte, sterben zu müssen. „Jeder Song, den wir aufnahmen, schien mein letzter zu sein“, gestand Tweedy. Er stellte sich vor, wie seine Söhne nach seinem Ableben das Album durchgehen und in den aufrüttelnden Passagen mit geflüsterten Gedanken und den unharmonischen Geräuschen (Tweedys Versuch, seinen Migräneanfällen musikalischen Ausdruck zu verleihen), die A Ghost Is Born prägten, Botschaften aus dem Geisteszustand ihres Vaters heraushören würden.

Aber in diesem Moment des dunklen Kampfes meldete sich Jeff Tweedy in der Reha an und begann eine Reise der Selbstprüfung, die ihn zur Nüchternheit führte. Sky Blue Sky entsteht in diesem verletzlichen Raum aus alten Narben und neuem Wachstum. Es gab neue Bandmitglieder, und Tweedy experimentierte mit neuen Sichtweisen und Mustern. Er erzählt in Let’s Go (So We Can Get Back): A Memoir of Recording and Discording with Wilco, Etc., dass das 2007er Album Sky Blue Sky zu einer Zeit erschien, als er noch lernte, auf sich selbst aufzupassen.

Dazu gehörte allerdings nicht, sich zu beruhigen. Das Himmelblau ist hier nicht das Blau Kaliforniens aus den Liedern der Eagles, kein „Classic-Rock-Blau“, vielmehr ein leegeräumter Himmel, der schmerzhaft bewusst wird, wenn der Sänger der Titelsongs die Räume seiner Kindheit durchstreift, die einst Ruhe einflössten, Verheissung, und nun verschandelt, demoliert und verlassen sind. Geisterorte. Da möchte man keine Hymne amstimmen, auch wenn die ersten Takte des Songs, die Akkordlieblichkeit, strahlenden Himmel und Blumen für eine alte Liebe, zumindest eine Art  Versöhnlichkeit, suggerieren.

 

The drunks were ricocheting
Off the old buildings downtown, empty so long ago
Windows broken and dreaming
So happy to leave what was my home

No way. Das passende Echo kommt aus dem Department des Verschwindens: „Should never have left the crystal lake / For areas where trees are fake / And dogs are dead with broken hearts.“ 

 

3 – Mantra und Ungewissheit

 

„Either Way“ (das, wie Tweedy gesteht, nur eine einfache Umschreibung des Gelassenheitsgebets ist) eröffnet das Album mit einer sanften Behutsamkeit und einer gemessenen Annäherung an die Möglichkeiten, die auf dem Tisch liegen, wenn wir entdecken, dass wir nicht immer die Helden unserer eigenen Geschichten sind.

Ein einfaches, sanftes Akustikgitarrenriff taucht aus dem linken Kanal auf und erdet den Hörer und den Song im unvermeidlichen Marsch der Zeit.

Nach einer Weile taucht Tweedy auf dem rechten Kanal auf und sinniert leise über die Unbeständigkeit eines jeden Tages.

Diese Ungewissheit ist immer präsent, aber das Leben und unsere Entscheidungen können uns dazu bringen, die vielen Wege zu erkennen, von denen wir dachten, dass sich die Realität unserem Willen beugt.

In diesem Wechselspiel zwischen dem Mantra der Akustikgitarre und Tweedys Auseinandersetzung mit der unvermeidlichen Ungewissheit eines jeden Augenblicks bricht das erste von vielen üppigen Gitarrensoli von Nels Cline in das Gespräch ein.

Clines versierte Gitarrenbeherrschung leuchtet inmitten der prekären Wolken, überwältigt aber nie die Landschaft. Seine Noten sind jazzartig und deuten die unvermeidliche Improvisation an, die die Brüche des Lebens hervorrufen.

 

 

 

4 – Der rätselhafte Song

 

Nirgendwo wird dies so deutlich wie in der rätselhaften Komposition „Impossible Germany“. Der kryptischste von Tweedys Songs auf einem Album, das hauptsächlich aus geradliniger Verletzlichkeit besteht, „Impossible Germany“ kreist um die fragile Verbindung zweier Metaphern, „impossible Germany and unlikely Japan“. Es ist beunruhigend und ungelöst, auch wenn Tweedy verkündet, dass der Zweck der Liebe darin besteht, fehl am Platz zu sein.

Nach drei Minuten weicht der Text einem ausgedehnten Solo von Cline für die restlichen 2:57 des Songs. Es ist eine fesselnde, fast hypnotische Demonstration der Beherrschung des Instruments, ohne in überwältigende Gesten abzugleiten. Es ist die Erkenntnis, dass das Ungelöste und Unvollständige etwas Faszinierendes hat, das hier in eine kleine Gitarrensinfonie umgewandelt und von Clines versierter Virtuosität angeführt wird, bevor sich die E-Gitarren von Tweedy und Pat Sansone zu einem Gespräch zusammenfinden. Zusammen bilden sie ein Crescendo aus ineinander verschlungenen Call-and-Response-Akkorden, die die Schönheit dessen zum Ausdruck bringen, was sich einer sauberen Beschreibung entzieht.

 

5 – Das Träumen der Dinge, an die wir glauben

 

Es gibt keine großen Hymnen oder kühne Beteuerungen, dass das, was vor uns liegt, durch die Rechtschaffenheit des Rock’n’Roll leicht zu bezwingen ist. Die Behauptungen sind zaghaft und verletzlich, mit einer Haltbarkeit, die keine Garantien über den Moment hinaus verspricht. Aber ist das nicht genau die unerwartete Weisheit, die uns unsere Grenzen lehren, dass reduzierte Erwartungen mit nicht weniger wunderbaren Möglichkeiten einhergehen? Wie Tweedy im Titeltrack erzählt:

„I should be satisfied / I survived / That’s good enough for now“.

Damit wir nicht in ein falsches Gefühl der Bequemlichkeit verfallen, sind die alltäglichen Beobachtungen auf diesem Album nicht unbedingt sicher. Es ist weder ein revolutionärer Aufschrei gegen den Status quo noch eine klägliche Jeremiade. Es erkennt einfach und unverblümt an, dass das Leben oft ein chaotisches Durcheinander ist, und, wie Tweedy in der Klangverschiebung von „You Are My Face“ anmerkt, werden unsere sorgfältig gezeichneten Karten umgestoßen. Der Zufall verhöhnt den Mythos vom „Meister unseres Schicksals“.

So mag es sein, dass der Lauf der Zeit unseren ehemals blinden Glauben an unbegrenzte Aufregung untergräbt. Aber vielleicht schärft er auch unsere Sensibilität für die Möglichkeit von Schönheit in unserer Mitte. Wir haben immer die Wahl. „Wenn die Geheimnisse, an die wir glauben, nicht genug geträumt werden, um geglaubt zu werden, / Manche entscheiden sich für die Blätter, manche für die Samen“, deutet Tweedy in „Side With the Seeds“ an, dass die Wahlmöglichkeiten zwar nicht unbegrenzt sind und unsere Fehler einige Optionen ausgeschlossen haben, dass es aber immer noch Möglichkeiten gibt, Entscheidungen zu treffen.

 

6 – „On and on and on“

 

Wir lernen den entscheidenden Unterschied zwischen dem Mythos der unendlichen Möglichkeiten und der Macht der Wahl für endliche Hoffnung. Inmitten der ausgeschlossenen Zukünfte entdecken wir die Schönheit der Verbindung. „Die Situation annehmen / Ist unsere einzige Chance, frei zu sein / Ich bin auf deiner Seite / Wenn du auf meiner Seite bist.“

Das Paradoxon der Lebensmitte und späterer Jahre liegt in der scheinbar kontraintuitiven Erkenntnis, dass wir erst mit der Möglichkeit eines harten Stopps wirklich zu leben beginnen. Dieses heikle Gleichgewicht schließt Sky Blue Sky in „On and On and On“, wenn Jeff Tweedy fleht: „Please don’t cry / We’re designed to die“.

Der Kreislauf geht weiter.

 

*Triptane, haben die nicht geholfen gegen seine Migräne? Opioide sind da eher nicht hilfreich. Und wenn die dann noch zur Eindämmung von Panikattacken genommen werden, gute Nacht. Wirklich ein Segeln am Abgrund damals für Jeff Tweedy. Lesenswert für Interessierte, seine Autobiografie, auch deutsch. „Let’s go (so we can get back) – Aufnehmen und Abstürzen mit Wilco“.

 

 

 


Material  for Research & Wonder:
Max Porter: Trauer ist das Ding mit Federn  / Tunng: … presents Dead Club (my album of 2020) /  Dead Club: The Podcast / Jason Lytle: Dept. of Disappearance / Flambierter Provencalischer Lammbraten mit Auberginen, Zwiebeln & Zucchini / Richard Brautigan: Forellenfischen in Amerika / Ralf Schneider: Die Suchtfibel / Oliver Burkeman: 4000 Wochen (Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement), Pieper Verlag 2022 / Steve Tibbetts: Life Of 

 

Appendix

 

 „The majority of critics mistook Richard  Brautigan‘s  economy of means and minimal style for slightness, his humour and playfulness for irresponsibility. In reality, his books are particularly sombre, centering on decay, disfigurement and sadness. Paradoxically, he elevated the spirits of his readers“  (Brian Morton, How Hippies Got Hooked on Trout Fishing in America, in: The Times Higher Education Supplement, 16.Nov. 1984; zitiert nach John F. Barber – An Annotated Bibliography)

 

Geschrieben und kompiliert von Michael Engelbrecht und Rick Quinn. (Text in Bearbeitung. Deadline unbekannt. Sie haben Humor? Gut.)

„Ein Klartraum, auch luzider Traum (lucid dream) genannt, ist ein Traum, in dem der Träumer sich dessen bewusst ist, dass er träumt. Paul Tholey, Psychologe und bedeutendster deutscher Klartraumforscher, formulierte dies folgendermaßen: „Klarträume sind solche Träume, in denen man völlige Klarheit darüber besitzt, daß man träumt und nach eigenem Entschluß handeln kann.“ Bei dieser Definition stützte sich Tholey auf die Philosophin Celia Green und den Psychologen Charles Tart. Tholey und der US-amerikanische Psychologe Stephen LaBerge sind zwei zentrale Pioniere auf dem Gebiet der modernen Klartraumforschung. Die Fähigkeit, Klarträume (luzide Träume) zu erleben, hat vermutlich jeder Mensch, und man kann lernen, diese Form des Träumens herbeizuführen. Dazu gibt es verschiedene Techniken. Ein Mensch, der gezielt Klarträume erleben kann, wird auch Oneironaut genannt (von gr. oneiros, „Traum“, und nautēs „Seefahrer“).“ (wikipedia)

 


Sabbatical beendet, ein halber Monat reicht auch, oder ich häng noch einen halben dran, egal. Diese Story würde ihr Feuerchen verlieren, würde ich noch mal 14 Tage warten. 
Um den folgenden luziden Traum einzuordnen, braucht es nicht so viel. Uschi aka Ursula aka Chrissie und ich liessen in vielen  Emails aus letzter Zeit besondere Momente unserer Würzburger Studentenjahre aufleben. Wir unternahmen etliche Zeitsprünge, und sie konnte sich u.a. an diese „überirdische Schönheit in weissem Kleid“ erinnern, die einmal an ihrer Wohnungstür schellte – meine Verlobte, sowas gab es mal, und dieses Versprechen auf den ehelichen Bund sollte sich bald in tief-melancholische Luft auflösen, und was eignete sich für meinen Blues mehr als Bob Dylans „Desire“*, und die kleine Couch einer baldigen Psychoanalytikerin. Wir haben damals, allen Widrigkeiten zum Trotz, viel gelacht. Wir lasen Kundera, wir lasen die Welt kurz und klein und riesengross. Aber rückblickend erinnerte sich Uschi zumeist an andere Gesichter als ich. Früh im  Mai 2022 steht eine Reise in die Vergangenheit im Raum, erst nach Würzburg, dann in den Bayerischen Wald. „Ab durch Raum und Zeit“ – eine manafonistische Grundtugend, und Teil des neuen Programms der Düsseldorfer „Black Box“ (s. das kleine Plakat, ein Klick aufs Foto genügt!) 

 

 

 


AB DURCH RAUM UND ZEIT

 

Was für ein luzider Traum! Aber er benötigte Vorlauf. Die Träume am frühen Morgen drehten sich alle ums Wiedersehen. Und was da an „Freud‘schen Tageresten“ einfloss, ist mir auch klar. Erst war ich, im Traum, mit Uwe bei Gudrun und Hansjörg in der Eifel. Alles alte Arbeitskollegen aus der Klinik für Alkohol- und Medikanentenabhängige, damals, 1982, nah der tschechischen Grenze.

Und ich sagte G: „Hier hast du also deine psychotherapeutische Praxis, und viele Jahre lang schon, seit unserer Zeit in Furth i. Wald, praktizierst du hier Kognitive Verhaltenstherapie – natürlich offen für jede Erweiterung.“**

Ja“, sagte sie, und ich wollte ihr schon sagen, dass sie so jung aussähe wie damals, zögerte aber, weil ich nicht einen Satz hören wollte wie: „Micha, du siehst aber so viel älter aus.  Charmantes Lügen war nie ihre Art. Ich schaute mich in ihrem geräumigen Wohnzimmer um – G und HJ waren für mich schon damals, als wir am Ende der Welt lebten, ein perfektes Paar. Ich erinnere mich an pikanten Käse, den HJ leidenschaftlich gern anfertigte, in Arnschwang.

Ich schlief immer wieder ein, wachte auf, schliesslich drehten sich die Träume um ein Wiedersehen mit Kommilitoninnen aus der Zeit der ersten Semester in Würzburg. Ich machte brav, in den Morgenstunden, vor der längsten Traum-REM-Phase, meine Autouggestionen für luzide Träume:

(„das nächste Mal, wenn ich träume, erkenne ich, dass ich träume“ / ich erinnerte mich an die letzten Traumszenen: ein Hotel, wir telefonierten miteinander, seltsame fremde, ferne Frauenstimmen: endlich würden wir uns wiedersehen / dann die Affirmation: „wenn ich sie wiedersehe, erkenne ich, dass ich träume“).

Aber noch eine Zeitlang blieben die Träume normal: den ersten luziden Moment erwischte ich, als ich plötzlich abends die Kampstrasse in Dortmund entlang lief, mitten auf der Strasse, auf dem Weg zu dem „Treffen der Studenten von damals“, oder war es doch ein Klassentreffen. Schliesslich war ich in Dortmund, und nicht in Würzburg.

Dann verlor ich während meines euphorisierten Laufens die Klarheit, die Plastizität der Welt löste sich auf, und ich erwachte in meinem Körper, machte weiter meine Übungen, und dann geschah folgendes: icn telefonierte mit einer Kommilitonin von einst, die nicht den Weg fand – ich sagte ihr, sie müsse unbedingt kommen – vielleicht hätten wir und ja eine Story zu erzählen. Das war noch ein normaler Traum, doch Momente später tauchte mein ehemaliger Klassensprecher H. neben mir auf, der im wahren Leben Horst heisst, und wir standen im Treppenhaus eines Dortmunder Hotels, ich erkannte plötzlich,  dass dies ein Traum wahr und sagte zu Horst, innnerlich beglückt:  „komm, fahren wir zum grossen Treffen!“

Bei vollem Bewusstsein,  dass ich träumte, ging ich mit Horst die Treppen herunter, stieg in sein Auto, ich sah den Stern blitzen, ein Mercedes. Es war ein klarer Frühlingstag mit viel Sonne. Er setzte rückwärts auf die Strasse, und die Stadt war voller Menschen: ich sah Bauarbeitet an einer Kirche, ihre Gesichter gestochen scharf, auch aus der Ferne, und da war eine attraktive Frau mit Kind, drei Meter von meinem Seitenfenster entfernt, und ich rief ihr ein Hallo zu, aber sie schien es nicht zu hören.

 

KIM, CHLOE, UND MARTINI  


Dann fuhren wir nur über wenige Strassen, und ich redete mit Horst, wendete einige Tricks an, meinen luziden Zustand aufrecht zu halten. Wir würden uns alle bei „Bücher Krüger“ treffen, was es wirklich mal gab in Dortmund, und wir würden dann wohl ins Cafe Beckmann gehen. Icn musste lachen: wie in alten Zeiten, nur dass mich Horst netterweise nicht zu einem Klassentreffen fuhr, sondern zu einen Wiedersehen mit einigen Studentinnen von damals, mit jenen lang aus meinem Leben verschwundenen Wesen, mit denen mich damals hier und da eine Spur von Alltag und Träumerei verband. Es schien auch ein Zeitreise zu sein, denn alle sollten sich als wesentlich jünger rausstellen, als sie heute sein dürften.

Ich blieb klar, und Horst erzählte mir ein diffuse Story von einem „Totenschmied“, der im Cafe Beckmann arbeitete (ich sah einen Mann mit einer Art Kanone, blanggeputzt,  durchs Erdgeschoss des Kaffeehauses wieseln), und ich sagte Horst: „was erzählst du denn für ein Zeug!

Dann kamen wir endlich an, ich sah die Gesichter: alle  verändert, aber trotzdem vertraut, alle versprühten Wiedersehensfreude. Ich war vollkommen luzid, genoss das Bad in der Gruppe, wir tranken Martini in einem grossen Buchladen. Männchen wie Weibchen. Ich war berauscht, und sicher nicht vom Lieblingsdrink meiner Teenagerjahre. Mein Handy klingelte, und die Stimme von vorhin sagte, sie wäre bald da. Ich konnte es kaum erwarteh, wer würde die grosse Unbekannte sein? Welcher Kreis würde sich schliessen? Ich setzte mich hin, und dann sah ich Kim. Woher wusste ich, dass sie Kim hiess? Es gab ja keine Kim in meiner Würzburger Zeit.

Reality is floating. Please realize, dear reader, that, in a lucid dream state your mind is fully awake and your memory can easily remember things that happen, words being said. Long time memory is easy going within a lucid dream state. 

Ich war immer noch klar, nahm Kim bei der Hand, die dann neben mir sass, ich legte meinen Kopf an ihre Schulter (ständig wissend, dass dies ein Traum war) und sagte: „Vielleicht sind wir die, die einmal ineinander verliebt waren, ohne es voneinander zu wissen. Kim, ach, Kim! Welche Geschichte hatten wir? Erzähl es mir!“ Tränen rannen mir aus den Augen, Tränen der Rührung, des Glücks, es durchflutete mich durch und durch, und das war der Moment, an dem icn, leider, meine Klarheit, und meine Traumerinnerung, verlor. (Das auf dem Foto bin ich, 1979 wohl, wahrscheinlich in U‘s Studentenbude.)

 

 


Nachklang: eine Platte, ideal für Zeitreisen, raffiniert, doppelbödig, mit grossem Orchester und im Grunde perfekt, sich hörend ab und zu die Basisübung für luzide Träume zu gönnen („Träume ich, träume ich gerade?“), und dann  freischwebend a la Columbo die Umgebung aufnehmen – die Töne, den eigenen Körper, Indizien dafür, ob man sich gerade zufällig mitten in einem Traum befindet (stellst du dir die Frage dann auf einmal nachts, könntest du luzid werden)***, dreht sich derzeit immer wieder auf meinem Plattenteller, Father John Misty‘s „Chloe and The Next 20th Century“****.

*als ideale Bob Dylan-Liebeskummerbewältigunsgplatte gilt gemeinhin Blood On The Tracks.
**eine reine  Mutmassung, Gudrun wird mich bald genauer aufklären.
***im Herbst mache  ich in Aachen ein Wochenendseminar für Einsteiger ins luzide Träumen, zehn Personen, 500 Euro pro Teilnehmer.
****“It’s really amazing how Tillman is able to ring such emotional honestly without any signs of ironic detachment while journeying through the sounds of Tin Pan Alley, Old Hollywood melodrama and 70s country tinged AM gold. It seems impossible but he has done it and it’s an amazing journey to embark on.“ (A.P.)

So lautet der Titel einer Eberhard Weber-Komposition: für einen Musiker, dessen Cover oft feinsinnige Naive Malerei schmückt, eine eher seltsame Szenerie. Oft denke ich daran, wenn ich zum Car Wash fahre, und gestern hatte ich ein himmlisches Klangerlebnis in der neuen „Waschstrasse“ meines Vertrauens. Auto für Auto wird man durchgewinkt, und erlebt dann, während man es sich im Wagen gemütlich macht, wie die ganzen Rollen und Sprüher und Besen und Schläuche das Auto einseifen, überrollen,auf Glanz polieren und mit heftigen Druckwinden trocknen. Als ich noch in der Wartekolonne stand, weil, nun ja, wegen der Saharawinde, die auf alle Autos im Niederrhein niedergingen, der Andrang gross war (jedes Auto sah aus, als wäre es durch eine hitzestarrende, staubige  Geisterstadt im wilden Westen gerast – fehlten nur noch Einschusslöcher), legte ich meine derzeitig favorisierte CD in den Player, ein,  die ersten vier Stücke von „Evening Star“ von Fripp & Eno, ein Album, das im Dezember 1975 erschien (seufz!).

 

    1. Wind on Water“ – 5:30
    2. „Evening Star“ – 7:48
    3. „Evensong“ – 2:53
    4. „Wind on Wind“ – 2:56

 

Kaum hatte Stück Zwei begonnen (einer meiner Top 5 Ambient Oldies), begann der herrliche Höllenlärm der Rollen und Düsen, und ob Sie es glauben oder nicht, den Spass nahm ich wahr als brillianten Live Remix: wie das Geplatter und Gedröhne mich von allen Seiten umschloss, umfing, umgarnte, war sehr, sehr lustvoll, ich legte mich zurück, und die minimalistischen Harmonien von Fripp und Eno wurden nie komplett begraben in diesem wilden Noise, sie liessen ihre immense Schönheit noch mehr leuchten. Ein traumhafter „My Bloody Valentine“- Effekt – „all diese Juxtapositionen!“ Wenn man mich fragte nach meinen five favourite ways to die in peace, solch ein Tod in der Autowaschanlage hätte seinen Platz sicher. Aber nur unter ebendiesen klanglichen Bedingungen. Das Stück von Eberhard Weber befindet sich übrigens auf seinem Album „Later That Evening“. Paul McCandless ist dabei, und Brian Whistler liebt das Teil. Ich auch (in der Erinnerung zumindest, es wird Zeit, das Album aus dem Jahre 1982 wieder mal zu hören – was für eine Besetzung! Ich lebte damals in Furth i.W. und war noch sieben Jahre  von meiner ersten Radiosendung entfernt – und das waren gleich zwei auf einmal, am gleichen Tag, direkt hintereinander, mit komplett anderem Skript und O-Tönen, zwei Portraits von Steve Tibbetts, im NDR, im DLF, ich erinnere mich noch, dass in einer der beiden das Wort „Geräuschsammler“ im Titel vorkam, im November 89.)

 

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Eberhard Weber bass
Paul McCandless soprano saxophone, oboe, English horn, bass clarinet
Bill Frisell guitar
Lyle Mays piano
Michael DiPasqua drums, percussion
Recorded March 1982 at Tonstudio Bauer, Ludwigsburg
Engineer: Martin Wieland
Produced by Manfred Eicher

 

 

“Yeah, I think it can only work on a telepathic level. It was natural – you live almost like a cult when you’re younger. Each person would have their thing they were into most and they’d bring that to the table. (…) We’d all gravitate to certain things – Everyone loved Lee Perry, I loved Frank Sinatra and doo-wop groups. My grandad had all these old records, like Reader’s Digest Hawaiian and choral records, and that’s where we’d pick a lot of stuff up from.“

(James Skelly, The Coral)

 


Im letzten Jahr fand ein Doppelalbum viele begeisterte Hörer, „Coral Island“ von The Coral, eine Zeitreise entlang alter englischer Küstenkäffer, mit wunderbaren spoken word-stories und einem Melodientaumel, der in alter Zeit manche Jukebox in Beschlag genommen hätte. Seltsamerweise  war ich der einzige Manafonist, der in den Sog dieses Trips geriet – was meine Erinnerung an zwei Wochen Torquay wachrief, an eine surreale Bootsfahrt mit einem sprechenden Hund. 
Eine urbritische Band knüpfte damit an den Zauber von „Magic and Medicine“  und ihres Debuts „The Coral“ an, aus dem Jahre 2002, das jetzt neu aufgelegt wird (diese „anniversary edition“ enthält die üblichen b-sides und rarities, mit einigen echten Granaten – und das Cover spricht sowieso Bände) –  und damit sind schon mal in einem Satz drei ziemlich grossartige Popalben genannt. 


Damals waren einige von den sechs Freunden noch Teenager, und sie liebten gutes Haschisch, Captain Beefhearts „Safe As Milk“ (das auch ein gewisser Brian Eno grandios fand), und „Forever Changes“ von Love, dass in unendlich vielen Bestenlisten auftaucht. Nun habe ich immer nur vom Kopf, aber nie vom Bauch her verstanden, was an diesen beiden Platten so weltbewegend sein soll, aber ganz sicher war ich damals dem rauen Charme des Debuts der Briten erlegen. Wer noch eine alte Aufnahme der „Klanghorizonte“ aus jener Zeit besitzt (verwittert, Chromdioxid) – das Interview mit James Skelly war ein echtes Highlight. 
Mein alter Bekanter Tom Pinnock lebte vor Ort und besitzt wesentlich mehr Insiderwissen – er bringt es so auf den Punkt:


Die Zeit hat eine Art, die rauen Kanten von Songs zu glätten, das, was einst schockierend war, abzuschleifen, bis es sich sicher anfühlt. Einige Momente sind jedoch seltsam widerstandsfähig: Zum Beispiel „Revolution“ von den Beatles, dessen stechender Fuzz immer noch so ungesund aufregend ist, wie er es vor fast 54 Jahren gewesen sein muss. Auch „Skeleton Key“ von The Coral hat sich als ziemlich hartnäckig erwiesen: Der erste richtige Vorgeschmack auf ihr selbstbetiteltes Debüt aus dem Jahr 2002 kombinierte ungelenkes Beefheart-Geschepper mit Shanty-Gesängen und einem Space-Rock-Mittelteil, der wie von einem Post-Syd-Floyd-Album herübergebeamt schien. Oh, und ein scherzhaftes Disco-Funk-Coda, in dem die Band scheinbar die Kinderfernsehserie Byker Grove zitiert. Die Mischung dieser Elemente ist an sich nicht bemerkenswert, aber die Art und Weise, wie das Sextett es geschafft hat, dass sich das Ergebnis so natürlich und zusammenhängend anfühlt, ist es schon.

 


Bei nicht wenigen Lesern dieses Blogs hat die von Marc Hollander und Crammed Discs früh in den Achtziger Jahren ins Leben gerufene Musikreihe „
Made To Measure“ dauerhaft Spuren hinterlassen. Kam ein Gepräch auf dieses Brüsseler Label für überwiegend instrumentelle  Musik abseits des Mainstreams, fielen mir stets zwei Favoriten ein, MTM 8 und MTM 15. Interessanterweise führte ich das erste Interview meines Lebens mit Sussan Deyhim & Richard Horowitz, im Che Coo La La in Dortmund (s. Foto). Heiner Goebbels war von dem Album „Desert Equations“ und der Stimme der gebürtigen Iranerin ähnlich begeistert, und so ist Sussan Deyhim auf einem seiner besten Arbeiten zu hören („SHADOW – Landscape with Argonauts“ –  auch Brian Eno ist ein Bewunderer dieses ECM-Albums). Richard H. ist auf einigen Alben von Jon Hassell zu hören, etwa auf „Vernal Equinox“ und „Power Spot“. Und hat das betörende Solowerk „Eros In Arabia“ geschaffen, das vor Jahren neu aufgelegt wurde.

 

Und dann war da ja noch MTM 15, das im Jahr seines Erscheinens – 40 years ago – spät abends manche Nacht in einem Dorf namens Bergeinöden am Ende der Welt einleitete (a year of magic, eros and dying dreams, a novella in preparation), und, auch wenn ich damals noch keine Bestenlisten führte, zählte es, rückblickend, zu meinen unvergesslichen Alben des Jahres 1982, neben ein paar ECM’s (u.a. Mike Nocks „Ondas“), sowie Bruce Springsteens „Nebraska“, XTCs „English Settlement“, Donald Fagens „The Nightfly“, Dexys Midnight Runners „Too Rye Aye“, Laurie Andersons „Big Science“, und Brian Eno‘s „On Land“ Hätte Enos Meilenstein zum 40-Jährigen nicht endlich eine Surround-Version verdient!? Eigentlich ein Witz, dass dieses Album, das seinerzeit eine Anleitung zu einer simplen All-Around-You—Version mit einem dritten Lautsprecher beiliegen hatte, nie in 5:1 aufgelegt wurde. Nun gut, es lockt auch so in die Tiefe des Raumes… Crammed Discs merkte damals zu MTM 15 dazu an:

 

A photographer, writer and poet of the analog synth, Benjamin Lew used to work as a mixer of exotic cocktails in a bar which was haunted by Tuxedomoon’s sax-player, and by the rest of the American Lost Generation of early Eighties Brussels. The encounter gave birth to one of these discreet but unforgettable minor miracles which take place sometimes. The fact that the title of the resulting album („Douzieme Journee: le Verbe, la Parure, l’Amour“) is taken from a book (by ethnographer Marcel Griaule) on the cosmogony of the Dogon people of West Africa points to the magical and radically alien dimension of this music.


SUSSAN DEYHIM & RICHARD HOROWITZ  
Desert Equations: Azax Attra (MTM 8) // BENJAMIN LEW / STEVEN BROWN Douzieme Journee: le verbe, la Parure, l‘Amour (MTM 15) – beide Werke sind nun wieder erhältlich, auch als Vinyl.
Massanfertigungen für den Underground! Ein neues Album von Steven Brown kommt 2022 raus, sein erstes seit Ewigkeiten.

 

Ich schrieb heute Sam und Joe und Will und Hannah (wunderbare Hannah) und Ellen (die natürlich auch wunderbar ist, aber nicht so atemberaubend – gut, ich bin verliebt) fünf Postkarten (ganz altmodisch mit der Golden Gate Bridge bei Sonnenuntergang). Sie kommen alle nach San Francisco, und für Hannah suche ich noch die schönste Blume für ihr Haar.

 


Wer von euch am 15. und 16. Juni Zeit hat, und wir haben doch Zeit ohne Ende, wird die Qual der Wahl haben, was Konzerte betrifft. Es ist nun Juni 1968, und wir haben das ganze verrückte Leben noch vor uns. Habt ihr nicht das Gefühl, in San Francisco pulsiert das Leben wie nie zuvor??!! Am Samstag, dem 15. Juni, spielt Arthur Brown im Fillmore. An diesem Abend treten The Charlatans im Straight Theatre auf. Am Sonntag sind dann  Big Brother zusammen mit der Steve Miller Blues Band auch in der Stadt, und der wunderbare Gitarrist Sandy Bull spielt mit Santana im Fillmore. An beiden Tagen spielt auch Booker T & the MG’s im Carousel Ballroom. Die Booker T Combo wird von den lokalen Stars It’s A Beautiful Day unterstützt. Der dritte im Bunde ist Tim Buckley, einige von euch kennen sein letztes Album Goodbye and Hello, das so viel aufregender als sein Titel ist. Und ich werde mit weder Sandy Bull noch Tim Buckley entgehen lassen. If paradise is half as nice!! Love and Peace, James!

„… and then you’re left in this wonderful area of floating which i love so much“  (David Darling, 1994, in that old radio show)

 


 

 

THE FIRST HOUR 


Pino Palladino & Blake Mills:
Just Wrong (from Notes With Attachements)  / 
Thomas Stronen, Marthe Lea, Ayumi Tanaka: Varsha (from Bayou) / Sinikka Langeland: Wolf Rune (from Wolf Rune) / Simon Goff: Wooden Islands (from Vale) / Nik Bärtsch speaking / Nik Bärtsch: Modul 55 (from Entendre) / Ballaké Sissoko: Kora (from Djourou) / Daniel Lanois: Every Nation (from Heavy Sun) / Valerie June: Stardust Scattering (from The Moon and Stars: Prescription for Dreamers) / Balmorhea:    (from The Wind)

 

 

THE SECOND HOUR

 

Sternzeit – /  A Winged Victory for the Sullen: Total Perspective Vortex (from Invisible Cities) / Daniel Lanois: Under The Heavy Sun & Mother’s Eyes (from Heavy Sun) / Lana del Ray: Chemtrails over the Country Club (from Chemtrails Over The Country Club) / Floating Points, Pharoah Sanders, London Symphony Orchestra: Movement 7 (from Promises) / Joshua Abrams speaking* Natural Information Society with Evan Parker: Part III (from: Descension (Out Of Our Constrictions – out now on Aguirre Records, promoted in Germany at least, by Werner and Klaus, no kidding) / Balmorhea: some more quiet moments from The Wind)

 

Joshua Abrams (transcript of his special „solo speech“): „At the time of this recording we had performed descension (Out of Our Constrictions) 17 times in concert over a period of 5 months. i wrote the music in February of 2019 for the current touring incarnation of Natural Information Society made up of Lisa Alvarado, Mikel Avery, Jason Stein & myself. Lisa plays harmonium amplified with effects, Mikel – drums, Jason Stein – bass clarinet & i play guimbri.  The guimbri is a 3 string bass lute sometimes called a sintir or a hajhouj. It is Gnawan instrument that can be heard in sacred & secular music. I like to think of the guimbri as a sophisticated form of soundmaking technology for focusing & guiding concentration.

The music i write for Natural Information Society is interwoven & multilayered. we are all weaving a sound together. With time & experience performing the piece we find new paths, resting places & occasional detours.  it is the woven nature of the composition that gives descension (Out of Our Constrictions) its hypnotic qualities. The music encourages the band’s members to find variation & embellishment & is written with room for mutability & improvisation.  

From time to time we have the pleasure of having guests join the group.  when we last played in berlin, a couple days before this recording, Tony Buck, Magda Mayas & Theaster Gates all joined us at Arkaoda.  other guests have included Chris Abrahams, Josh Berman, Hamid Drake, Alexander Hawkins,  Tomeka Reid, Dave Rempis & Helge Sten.  In most cases guests are free to improvise along with the group and respond to the vibration and context of the piece (music)

Evan Parker needs no introductions for his contributions & innovations to free improvisation, the saxophone & music in general.  Far be it for me to tell him what to play or say.  he’s a free agent.  It is always a challenge & an honor to try to rise to what he brings to the music.  What you will hear is side C of a recording from a concert we presented at Cafe OTO in London. The piece is about 1/2 way through a 70 something minute performance.  The music is opening up, Jason is soloing a little, trying to catch up to Evan and the band is fully in.  CAFE OTO is one of the group’s favorite places to play & this night was no exception. The audience was crowded & the room was full of good energy bouncing off the walls.  playing the concert was a thrilling experience & and the hang (was) a fine time to boot.“ (translated by Deepl. in comment 3) 

 

THE THIRD HOUR 

 

This theme hour on DAVID DARLING will be quite a surprise. Deep in the archives Odilo C. found two portraits I did about the music of the late composer and cello player, from the years 1994 and 2001. – what a joy, to listen once more to Darling’s voice and musical confessions, not to forget the days in the studio with Manfred Eicher working on „Cello“. The second show has the better title: „Mr. Darkwood und die Langsamkeit der Steine“, but I will broadcast  „Das Herz der Dunkelheit“,  which is more centered around his primal inspirations, with music mainly from the solo cello albums JOURNAL OCTOBER and CELLO. And some excerpts from Darling‘s duo album with Terje Rypdal, EOS, and his album as band leader, CYCLES. 20 years of  great achievements, produced by  Manfred Eicher between 1979 und 2000. Here the old show in its entirety, without introductory and closing words  from the radio broacast yesterday … 

 

 

 

THE FOURTH HOUR 

Beverly Glenn-Copeland (from Keyboard Fantasies)
Various Artists:  Made To Measure, Vol. 1 (Minimal Compact)

Die Welttraumforscher: two tracks  from DIE RÜCKKEHR DER ECHTEN MENSCHEIT: DIE JAHRE 1981-1990

Grandaddy: He‘s Simple, He‘s Dumb, He‘s the Pilot (from The Sophtware Slump….on a wooden piano)

Die Welttraumforscher: two tracks from WIR ARBEITEN FÜR DIE NÄCHSTE WELT: DIE JAHRE 1991-2012

Various Artists:  Made To Measure, Vol. 1 (Aksak Maboul)
Beverly Glenn-Copeland (from Keyboard Fantasies*)

V.A. – Soul Jazz Records presents Studio One Dub Fire Special 

 

*Re-release of Beverly Glenn-Copeland’s rural Canadian  suite for DX7 and TR707 …keyboard fantasies… with new carefully reconstructed glasswork design by Alan Briand.  Beverly Glenn-Copeland is already known amongst collectors and music heads for two sought-after albums of folky jazz in the key of Joni. But it was this album, originally self-released on cassette in 1986 that really caught our attention. The album, entirely recorded on DX-7 and TR-707, lies somewhere between digital new-age and (accidentally) early Detroit techno experiments. The inimitable style of BGC here is both peaceful and meditative while simultaneously rhythmic and bass heavy. The album was recorded in the northern Canadian town of Huntsville where BGC was living at the time and is a beautiful fusion of personal vision, technology and place.

 

THE FIFTH HOUR (PART 1) 

 

Eduardo Ramos: Vocacion Revolucion / Groupo Mounmental: Hasta Los Cuantas / Los 5 U 4: Solo Esta Musica / Grupo de Experimentacion Sonora del ICAIC: Concion Con Todos / Orquestra Los Van Van: Yo Se Que Van Van / Grupo Monumental: Nadia Se Siente Cansado / Orquestro Ritmo Oriental: Maria, Baila El Son / Juan Pablo Torres Y Algo Nievo: Rampe Cocorioco (all tracks from the Soul Jazz Records compilation:  V. A. – Cuba Music And Revolution – Culture Clash in Havana Cuba – Experiments In Latin Music Vol. 1)*

 

THE FIFTH HOUR (PART 2) 

 

Omar Khorshid   (from Omar Khorshid with Love)**
Ayalew  Mesfin: Mot Aylerim (from Tewedije Limut)
Marcos Resende & Index: My Heart (from Marcos Resende & Index)

 

*Like Manna from the heavens, this superb collection heralds in the New Year and has to be one of the most significant compilations for many a decade.  Released as both a heavyweight 3 x vinyl LP and deluxe 2xCD set, this Soul Jazz Records album is the culmination of some 20 odd years of research and crate-digging by compilers Gilles Peterson and Stuart BakerFeaturing a number of legendary Cuban artists who flourished in the 70s and 80s, for example Los Van Van, Grupo Irakere and Pablo Milanés,alongside other lesser-known performers, such as Grupo De Experimentación Sonora Del ICAIC, Grupo Monumentaland Orquesta Ritmo Oriental, who remain unknown outside their native country, virtually none of the tracks appearing on the collection have ever been heard outside of Cuba.

 

** „With Love“ released by the Beirut-based Voice of Lebanon label in 1978 is a testament to Omar Khorshid’s greatness and encapsulate the unique sound of his guitar playing over modern arrangements establishing him as one of Arabic music’s true innovator. Featuring reworkings of such favourites as Mohamed Abdel Wahab’s „Ahwak“, Farid El-Atrache’s „Hebbina Hebbina“ (a Brian Eno Favourite), and the Rahbani Brothers‘ „Rahbaniyat“, the album is a fascinating example of modern arabic music that aimed at fusing traditional influences with the more contemporary ones, and has become highly sought-after by lovers of this Middle Eastern sounds around the world.“

 

 

Erinnerungen sind gerne trügerisch in Details, und in anderen, noch flüchtigeren Fundstücken einer fernen Zeit, extrem genau.“ (Ergänzung: auf keinen Fall sollte dieser Text von jemandem gelesen werden, dem er bekannt vorkommt.) 

 

1978 war eine Zeit, in der Kakteen interessante Schatten warfen in meiner leergeräumten Wohnung. Sie hatte gerade so viel mitgenommen, dass der Begriff Leere eine neue Bedeutung in meinem Leben bekam. Die erste Frau, die danach über Nacht blieb, hiess Julia und erzählte von ihrem Freund, einem Jazzdrummer, der Angst hatte, sein Augenlicht zu verlieren, weil seltsame Glaskörper durch seine Pupillen schwammen. Am Morgen nach der einzigen Nacht mit Julia klingelte der Postbote einmal, und ich mahm das neue Album von Brian Eno in Empfang, „Music For Films“. Eine Anzeige von Polydor in der „Sounds“ hatte die Langspielplatte beworben mit der Überschrift „Der Mann im Hintergrund“. Ich legte die Musik auf, und die Leere in meiner Wohnung im 7. Stock gewann eine betörende Qualität. Julia mochte die Musik auch und verliess meine Wohnung und mein Leben.

 

1980 fuhr ich mit einem Freund öfter ins „Act“ nach Weissenohe (oder so ähnlich), das war ein Wallfahrtsort mitten in der Fränkischen Schweiz, wo mal en passant Ultravox spielten, Kevin Coyne oder Robert Fripp´s The League of Gentlemen. Fripp liess ich mir nicht entgehen. Auf dem Hinweg zu der umgebauten Scheune im Hinterland hörten wir einen Meilenstein, von dem Easy Ed und ich damals schon wussten, dass es ein Meilenstein werden würde, „Colossal Youth“ von den Young Marble Giants. Robert Fripp war gut gelaunt, und seine Wave-Kapelle rockte den alten Kuhstall. Als ein Hörer Robert Fripp bat, doch etwas aus sich herauszugehen und den Schemel zu verlassen, auf dem er sass, entgegnete Fripp: – I have to sit. I´m only a limited guitar player. Süße Duftschwaden füllten den Raum, nicht lange danach machte die Polizei diesen dezenten Drogenumschlagplatz dicht.

 

1982 sah ich Herrn Fripp wieder, diesmal in dem alten Nürnberger Stadion, mit 30.000 Festivalbesuchern an meiner Seite, mit Anna, und an einem verdammt heissen Sommertag. Mein kleines Woodstock. Meine Geliebte hatte Lust, das Wochenende in einen französischen Film zu verwandeln. Wir hörten Fripps revitalisierte Ausgabe von King Crimson, mit Adrian Belew, Tony Levin und Bill Bruford. Obwohl der Fripp-Faktor auf dem zuvor erschienen, fantastischen Album „Discipline“ hoch war, brachte Belew auch etwas vom fiebrigen Geist der Talking Heads mit ins Spiel. Spät am Abend Neil Young und Crazy Horse mit Nils Lofgfen, bei „Cortez the Killer“ reckten wir unsere Feuer in den Himmel. Etwas später  ging der Blick von unserm Hotelfenster auf den Rathausplatz hinaus, und mein Name war Jean Pierre Leaud. Der Blick war weniger Paris und mehr Rüdiger Vogler in dem Wenders-Film, in dem der gelockte Hippie auf die Altstadt von Husum schaute und sich die Troggs auf seinem Plattenspieler drehten. Auf der Rückreise lief Benzin unbemerkt aus dem Tank, und der grellgrüne Hippie-VW schleuderte im Kreis. Drei Monate später waren wir Geschichte.

 

 

Der Stern von Gerhard Richter muss Ende der Sechzigerjahre aufgegangen sein, als er nach Fotos malte. Zum ersten Mal hörte ich in der Schule von ihm. „Ist das etwa Kunst?“, fragte ich naserümpfend. Später an der Uni war er für viele Kommilitonen ein Vorbild, sozusagen durchgängige Wertkonstante. Für jemanden wie mich, der sich dem Surrealismus und allerlei inneren Selbstfindungen zuwandte, der zwischen Spiritualität und Interesse an der Psychoanalyse pendelte, wirkte sein Werk schwer zugänglich und unterkühlt. Ich sah ihn eher als eine Ikone oder auch Sinnbild für etwas „Erhabenes“. Nachdem ich den Film Werk ohne Autor des imposanten Florian Henckel von Donnersmarck gesehen hatte, bemerkte ich einige tiefere Zusammenhänge: In der Schule hatten wir damals einen Lehrer für Musik, Geschichte und Gemeinschaftskunde, der ein höherer Dienstgrad in der Wehrmacht des Zweiten Weltkriegs gewesen war. Er war gut ausgebildet und elitär, körperlich von kleiner Statur. „Warum hast du denn diesen Nazi im Leistungskurs gewählt?“ Nun, es gab eine Art thrill aufgrund seiner unterhaltsamen Erzählweise. Eines Tages ging er aber zu weit und behauptete, den Holocaust hätte es nie gegeben und Euthanasie sei fallweise gerechtfertigt. Damals fuhr ich oft mit dem Auto meiner Mutter zur Schule und sammelte dann auf dem Weg dorthin verschiedene Mitschüler ein. Unter ihnen war die nette und kluge K, ihre Eltern hatten Geld und sie war mit dem Sohn des Schulleiters zusammen. Ich erzählte ihr oft von diesen wiederholt giftigen und ungeheuren Äusserungen. Da sie mutig war und auch Mitglied der Schülerzeitung, schrieb sie einen Artikel über seine Verfehlungen mit dem Ergebnis: er wurde in den Vorruhestand versetzt. In diesem Zusammenhang hatte K mich zum Tee eingeladen. Das stilvolle Haus im Tal, am Fluss, ich mochte diesen Ort, nahm auf einer roten Samtcouch Platz, darüber hängte ein monochromes Bild, ebenfalls in Rot. „Wer ist das, ist es ein Original? „Ja, Gerhard Richter, meine Eltern haben es gekauft“, gab K zurück, leicht verlegen, wohl weil es ihr leicht snobistisch erschien. Ich war beeindruckt. Und auch der Tee war gut. Zurück zur Gegenwart: Bevor Henkel von Donnersmarck „Werk ohne Autor“ produzierte, war bereits ein Buch von einem Autor des Magazins Der Spiegel erschienen. Es war eine präzise recherchierte Geschichte über Gerhard Richters kindliche Verstrickungen mit Nazi-Deutschland, wo seine geliebte Tante Marianne einem Euthanasieprogramm zum Opfer fiel. Ein Monster-Schwiegervater, fantastisch gespielt von dem deutschen Schauspieler Sebastian Koch, hatte seine Finger in diesem tödlichen Spiel. Alles in allem ist es großartig, diese tiefen Einblicke in die Kindheit und die aufstrebende Karriere des sonst doch eher wortkargen Künstlers zu bekommen. Sehenswert sind auch einige porträtierte Figuren der damaligen Düsseldorfer Kunstakademie: Sigmar Polke, Günther Uecker und vor allem Joseph Beuys, der im Audimax eine Vorlesung hält („ … mit Lehmbruck habt ihr euch beschäftigt? Ich habe heute nichts für euch, ihr könnt nach Hause gehen!“). Der Film erhielt viel Kritik. Anscheinend mochte ihn Richter ebensowenig wie das vorangegangene Buch. Für mich stellte sich eine allgemeine Urheberrechtsfrage: Darf das Leben eines Menschen die Quelle für die Geschichte eines anderen sein, der daraus Profit schlägt? Ich studierte einige der Hintergründe. Es gab einen ausführlichen und intimen Artikel in The New Yorker mit dem Titel „An Artist’s Life, Refracted in Film“ (Das Leben eines Künstlers, frakturiert im Film), der die Umstände im Vorfeld und die Konflikte zwischen Richter und Henckel von Donnersmarck beschreibt. Die erlesene Filmmusik zu Never Look Away steuerte der in Hameln geborene Komponist Max Richter bei, kein Verwandter, vielmehr Namensvetter des berühmten Malers.

 

 

The star of Gerhard Richter must have risen end of the Sixties when he painted from photographs. First I heard of him in school. „Is this art?“ I questioned with a sniff. Later at college many fellow students took him as a role model, kind of a constant value. For someone like me, turning towards surrealism and all kinds of inner self-findings, switching between spirituality and interests in psychoanalysis, his work always seemed to be hardly accessible and cold. I saw him more as an icon or emblem of something „sublime“. After watching the film Never Look Away („Werk ohne Autor“) by the weighty Florian Henckel von Donnersmarck I noticed some deeper connections: In school we had a teacher for music, history and social studies who had been a higher rank in the second world war army. He was well educated and elitist, small in stature. „Why did you choose this Nazi in the history advanced course?“ Well, there was a kind of thrill caused by his excellent storytelling. One day he went too far claiming that the Holocaust did not exist and euthanasia was justified. That time I used to drive with my mother’s car, collecting various schoolmates on the way to school. Among them was the nice and smart K, her parents had money and she was dating the headmaster’s son. I often told her about the repeated toxic teachings of this guy. Being courageous and also member of the school newspaper, she wrote an article about his lapses with the result: he was suspended to early retirement. In that context K had invited me to tea. The stylish house in the valley, by the river, loved that place. Took seat on a red velvet couch, backed up by a monochrome picture, same red. „Who is this, is it original? „Yes, Gerhard Richter, my parents bought it“, K returned, slightly embarrassed for being „bourgeois“. „How great is this!“ I was impressed. Even the tea was precious. Back to the presence: Before Henkel von Donnersmarck produced Never Look Away, a book already had been published by a writer from the german magazine Der Spiegel. It was a precisely researched story on Gerhard Richter’s childhood entanglements with Nazi Germany, where his beloved aunt Marianne fell victim to an euthanasia program. A monster-father-in-law, fantastically played by german actor Sebastian Koch, had his fingers in the deadly game. All in all it is great to have this deep insights to childhood and upcoming career of that rather taciturn artist. Also worth seeing are some portrayed figures of the Düsseldorf Art Academy at that time: Sigmar Polke, Günther Uecker and especially Joseph Beuys, giving a lesson to his students („Got nothing for you today, you can go home …“). The film received lots of criticism and Richter even disliked the preceding book. For me a copyright-question came up: Can someone´s life be the source of another one´s (profitable) story? I studied some of the backround. There was a detailed and intimate article in The New Yorker titled „An Artist´s Life, Refracted in Film“, describing the cirumstances in the run up and the conflicts between Richter and Henckel von Donnersmarck. The film music of Never Look Away was contributed by composer Max Richter, no relative but namesake of the painter.

 

Wer in North Dakota neben der Stelle, wo die nördlichen Eisenbahnschienen am Missouri entlangführen, unter einer Gruppe alter Amerikanischer Ulmen direkt auf die ersten Berge von Montana blickt und ein Loch gräbt, kann einen Eimer mit folgenden Gegenständen entdecken:

 

eine versilberte Blumenvase

ein Vergrößerungsglas

ein paar hellblaue Lockenwickler

einen Stapel von Schwarzweißfotografien mit Urlaubsfotos von den Pyramiden und anderen exotischen Plätzen von Übersee

eine Packung Camel mit Filter

ein Feuerzeug

einen Pfefferstreuer

eine bunte, handgroße Stoffpuppe

 

Würde ein archäologisch geschulter Zeitreisender aus einer fernen Zukunft versuchen, diese Gegenstände historisch zu verorten, würde er feststellen, dass die Fotografien einige Jahrzehnte älter sind als die Lockenwickler. Verschiedene Messtechniken sowie weitere Recherchen führen zu einer vermuteten Eingrabungszeit Mitte bis Ende der 1950er Jahre. Oder 1960. Korrekt wäre 1959.

 

He buried some of our things in a bucket. He said nobody else would know where we´d put them, that we´d come back and they´d still be here, just the same, but we´d be different. And if we never got back, somebody might dig them up a thousand years from now and would wonder.”

 

Charakteristisch für die Filme von Terrence Malick ist die Stimme aus dem Off, die den Film aus eigener Perspektive erzählt oder kommentiert und dadurch eine weitere Ebene über die Bilder legt. In Badlands ist es die Schülerin Holly, die spricht. Wundert man sich irgendwann darüber, dass Hollys Stimme in Anbetracht der sich überstürzenden Ereignisse von einer gewissen Lethargie geprägt ist, spürt man die Risse, die diesen Film prägen. Die Frau, die den Film erzählt, ist einige Jahre älter als der Teenager, der sich ins Geschehen treiben lässt. Doch warum wird die Geschichte trotzdem aus einer solchen Distanz und wie ohne innere Beteiligung erzählt? Diese innere Leere hat viele, auch politische Gründe, denn die Möglichkeiten für junge Frauen in dieser Zeit waren sehr begrenzt und begrenzend. Während Holly von der Szene erzählt, in der ihr älterer Freund Kit (und nicht etwa beide gemeinsam) ein paar Dinge (auch ihre!) vergräbt, spüren wir, dass Holly und Kit höchstwahrscheinlich niemals gemeinsam die Dinge, die Kit hier vergraben hat, ausbuddeln werden.

 

Gegenstände gemeinsamer Wertschätzung zu vergraben, scheint ein beliebtes Ritual US-amerikanischer Teenager und junger Erwachsener zu sein. Es geht hier darum, ein Geheimnis zu schaffen und zu bewahren. Auch in der von einigen Manas hochgeschätzten Serie LOST gibt es eine solche Szene. In einem Rückblick vergräbt die junge Kate eines Nachts mit ihrem Freund ein paar Schätze, darunter ein kleines Flugzeug. (Falls jemand weiß, in welcher Season und welcher Episode dies vorkommt, würde ich mich über einen Hinweis freuen.) In einem weiten Land, in dem nicht jeder Quadratmeter eine fest gelegte Funktion hat wie bei uns, ist das Vergraben kleiner oder großer Schätze aufregender als hierzulande.

 

Dennoch, was würde ich jetzt, rasch und heute in eine unverwüstliche Schatztruhe als eine Art Jahresbestenliste 2020 für die archäologisch ambitionierte Nachwelt packen?

 

einen Stein von der Ostsee, der auf eine Art vom Salz und den Wellen bearbeitet wurde, dass er aussieht wie ein Kopf mit einer nach oben hin schmal werdenden Stirn, zwei in etwas versetzter Höhe liegenden Augen und einem Mund, der mit viel Fantasie alle 32 Zähne zeigt und in den man verschiedene Stimmungsausdrücke hineininterpretieren kann

den Gedichtband Angle of Yaw von Ben Lerner

einen Jonglierball

die Verpackung von 500 g Singbulli Darjeeling second flush (aber ohne den Tee, der würde nicht so lange halten)

die CD Trip von Lambchop

den Film Badlands von Terrence Malick

 


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