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Archiv: Henning Bolte

Ich erspare kalauernde Zitate aus alten Trio-Zeiten der NDW. Henning und ich würden kaum Spitzenwerte erreichen, wenn es um die Kategorie „herzlicher Umgang miteinander“ geht. Sucht man nach einem gemeinsamen Nenner zwischen uns, ist es gewiss die Musik, als Seelennahrung begriffen. Wobei Henning ein Musikreisender aus Passion ist, und ich eher selten auf Festivals auftauche. Das aufregende Hören schätze ich in heimischen vier Wänden besonders. Im Jahresschnitt komme ich gerade mal auf 10 Konzerte, seit 2005 war ich allerdings alljährlich Gast des Punktfestivals und kaufte für den Deutschlandfunk viele spannende Konzerte und Live-Remixe ein. Mein einziger Weltrekord: kein Journalist brachte es bislang auf zehn Jahre Kristiansand am Stück. Fiona Talkington und John Kelman folgen auf den Plätzen. Angesichts der Tatsache, dass 2015 dieser virtuose Banalist des Gitarrenspiels, der mit dem vietnamesischen Namen, für den ich jetzt nicht die richtigen „accents“ suchen möchte, vor Ort mit Molvaer und Co. aufspielt, kann ich nur mit den Augen rollen. Ich schwöre, dass ich jede seiner ACT-Platten mülltechnisch sauber entsorgt habe. Ansonsten scheint mir das Programm spannend, und einen Aufbruch zu neuen Ufern zu signalisieren – natürlich bleibt der „innere Kreis“ bestehen, Erik, Jan, Arve, Sidsel, Eivind. Gut so. Sogar mein Wahlverwandter, Sebastian Rochford (Sie haben immer noch nicht die beiden letzten Polar-Bear-Platten gehört? Das geht gar nicht!) ist vor Ort. Ich habe heute Erik Honore geschrieben und eine neue „Electronic Griot“-Performance angeboten. Wenn ich in diesem Jahr schon mit zwei, drei Buchprojekten im Kopf unterwegs bin, von denen, bei Erhalt der Vitalitätswerte, mindestens eins im Jahr 2017 erscheinen wird (Zocken, Teil 1), brauche ich da eine kreative Herausforderung. Sagt Erik mir ab, ist das vollkommen okay. Aber dann ist auch der Vorhang für mich gefallen beim Punktfestival (Zocken, Teil 2) – ich werde einige wundervolle Menschen vermissen, sicher auch die grossartigen Frühstückswaffeln im Hotel Norge. Und zu der Zeit, in der Sebastian Rochford einen Live-Remix so befeuert wie letztes Jahr ein gewisser Hamid Drake, werde ich in den Äusseren Hebriden das „Ego-Dumping“ vorantreiben. Das beinhaltet: in eiskalte Wasser springen, tagelangem Regen mit guten Anoraks trotzen, und im schwarzen Toyoten „Running On Empty“ von Jackson Browne spielen. Nach diversen Abenteuern gebe ich schliesslich meinem Navi eine Adresse in der Grafschaft Yorkshire an, und besuche einen alten Helden.

2015 1 Jun

KARAVANSERAI: springstrings

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And a new episode in my KARAVANSERAI series: strings again, spring strings this time! Michael Galasso, Niels Økland, Kim Kashkashian, Karin Nakagawa, Sinikka Langeland. Not more, not more, it’s so rich!
 
 
KARAVANSERAI radio ON DEMAND
 
 
KARAVANSERAI: Spring Strings PLAYLIST
 
Michael Galasso – High Lines. ECM
1 Caravanserai Day
2 Never More
 
Nils Økland – Kjølvatn. ECM
3 Start
4 Undergrunn
5 Drev
6 Kjølvatn
7 Fivreld
8 Blå Harding
9 Amstel
 
Kim Kashkashian – Neharot. ECM New Series
10 Tagh for the Funeral of the Lord
11 Oros
 
Anders Jormin/Lena Willemark/Karin Nakagawa – Tree Of Light. ECM
12 Hirajoshi
 
Sinikka Langeland – The half-finished heaven. ECM
13 The blue tit’s spring song
 
Michael Galasso – High Lines. ECM
14 High Lines
15 Caravanserai Night
 
 
©FoBo_HenningBolte
 

Bei Andy Emler ist immer Blau im Spiel, bei Maria Faust Rötliches. Visuell.
 
 
 

 
 
 
Und K l a n g ? Hören hilft hier weiter, ein Klick!
 
RADIO ON DEMAND – Andy Emler MegaOctet u. Maria Faust Jazzkatastrophe
 
Eins von den besten Albumcovers des vorigen Jahres!
 
 
 

 
 
 
Und das Neueste, SACRUM FACERE, wieder rötlich …
 
 
 

 

 

 
 
 
Es gab natürlich eine Menge mehr Musik(er) zu sehen als die, die bisher im Blick- und Hörfeld waren. Bekanntes, Grosses, Populäres, Neues. Charles Lloyd spielte, Manu Katché, Tim Berne Snakeoil, Marcus Miller, Bryan Ferry, John Legend, Kendrick Lamar, Take Five, Susanne Sundfør. Für alle was, gut dosiert. Hier noch der Blick auf weitere Konzerte:
 
Jason Moran’s In My Mind
PNLU – Paul Nilssen-Love Large Unit
Maria Kannegaard Ensemble
European Sunrise – Take 5 Europe
Trondheim Jazzorkester
Trondheim Voices
Obara International Quartet
Bushman’s Revenge
Phronesis
Splashgirl
Hedvig Mollestad Trio
Anja Eline Skybakmoen
Angelika Niescier Trio
 
Norweger und Skandinavier in all diesen Gruppen. Einzige Ausnahme: das Trio von Niescier. So war es aber wohl von Anfang an auf diesem zweitältesten der europäischen Jazzfestivals. Vor fünfzig Jahren also.
 
Blick zurück

Die Besetzungslisten aus der Anfangszeit sprechen eine deutliche Sprache. Es wurde an verschiedenen Tagen in verschiedenen Besetzungen gespielt. Die Musiker wohnten in der Zeit zum Teil bei Einheimischen zuhause und man konnte auf der Strasse dann eben Dexter Gordon oder Jaki Byard begegnen. Letzteres änderte sich zwar im Laufe der Jahre, aber es herrscht immer noch eine ziemlich offene Atmosphäre dort.
1963 (Kino): Dexter Gordon, tenorsaksofon, Einar Iversen, piano, Erik Amundsen, bass, Jon Christensen, trommer. Christensen, der damals gerade 20 Jahre alt war, spielte in so gut wie allen auftretenden Gruppen! Jams fanden im Alexandra statt.
 
 
 

 
 
 
Eine der Jams im Jahr drauf, 1964: Jimmy Witherspoon, Big Chief Jazz Band, Jan Garbarek, Ditlef Eckhoff, Sture Janson, Tete Montoliu, Alex Riel. Garbarek war damals mal gerade 17 Jahre alt! HIER ein Video von Dexter Gordons Auftreten auf dem Molde Jazzfestival von 1964.

1964 war das Jahr, in dem Eric Dolphy in Hilversum seine letzte Plattenaufnahme mit Misha Mengelberg, Han Bennink und Jacques Schols machte. Dexter Gordon machte im selben Jahr seine Aufwartung in Holland mit einer französisch-schweizerischen Begleitgruppe bestehend aus Pianist George Gruntz, Bassist Guy Pedersen und Schlagzeuger Daniel Humair.

1965 rückte Garbarek noch mehr mit einer Gruppe ins Rampenlicht: Jan Garbarek, tenorsaksofon, Aage Venas, trumpet, Kenny Drew, piano, Niels-Henning Ørsted Pedersen, bass, Alex Riel, trimmer. Riel war zu dem Zeitpunkt 25 und Ørsted Pedersen 19. 1965 begegneten sich Garbarek und George Russell in Molde zum ersten Mal, was nicht folgenlos blieb.

1966 erlebte dann den Auftritt eines gerade gegründeten, legendären Quartetts: Charles Lloyd, tenorsaksofon /fløyte, Keith Jarrett, piano, Cecil McBee, bass, Jack DeJohnette, trimmer. Bei einem der Jams im Alexandra: Wayne Shorter, Lasse Sjösten, Roman Dylag, Rune Carlsson, Jan Garbarek, Terje Bjørklund, Per Løberg, Jon Christensen, Svein Thorsø, Stein Dyrkorn, Torbjørn Farstad, Gunnar Bergström. Oder ein paar Tage später: Stuff Smith, Charles Lloyd, Don Byas.
 
 
 

 
 
 
In diesem Jahr trat bereits ein erstes Jan Garbarek Quartett auf: Jan Garbarek, tenorsaksofon, Terje Bjørklund, piano, Per Løberg, bass, Jon Christensen, trommer. Garbarek war gerade mal 19. Das Eröffnungskonzert in dem Jahre: Wayne Shorter. Und die Besetzung: Wayne Shorter, tenorsaksofon Lasse Sjösten, piano, Roman Dylag, bass, Rune Carlsson, trommer.
 
Dieses Jahr

Aber zurück zur jüngsten Vergangenheit. In Jason Morans In My Mind spielte Morans Bandwagon dieses Programm in Erinnerung an Monks berühmtes Townhall-Konzert von 1959 zusammen mit norwegischen Musikern: Kåre Nymark (Trompete), Kristoffer Kompen (Posaune), Daniel Herskedal (Tuba), Atle Nymo (Saxophon), Frode Nymo (Altsax) und David Demedolg als Videograph. Hohes Niveau und alles noch relativ unbekannte, aber äusserst kompetente und selbstbewusste Musiker. Ausser Tubaist Daniel Herskedal, der sich bereits international einen Namen gemacht hat.

Das Trondheim Jazzorkester hat sich in den letzten Jahren auch international erheblich profiliert und ist inzwischen eine feste europäische Grösse. Es spielte diesmal nicht mit Grössen wie Joshua Redman oder Chick Corea, sondern realisierte ein Auftragswerk des norwegischen Wunderduos Albatrosh (Pianist Eyolf Dale und Saxphonist André Roligheten). Ein gross angelegtes Werk, feinste Sahne kompositorisch und von der Ausführung. Vielleicht etwas zu viel vom Hochfeinen.
 
 
 

 
 
 
Der vokalen Abteilung, den Trondheim Voices, fiel dieses Jahr die Realisierung des traditionellen Frühkonzertes am Samstagmorgen um 7:00 im Reknespark zu. Vor voll besetzter Tribune nutzten die acht Sängerinnen (Live Maria Roggen, Siri Gjære,
Torunn Sævik, Sissel Vera Pettersen, Tone Åse, Heidi Skjerve, Kirsti Huke, Ingrid Lode) nicht nur die Bühne, sondern vor allem auch den Parkraum drumherum phantasiereich mit allen möglichen Accessoires/Instrumenten für ihre Love Letters.

Von den übrigen passen ein paar in die Rockschiene (Bushman’s Revenge, das bereits sein zehnjähriges Bestehen feiern konnte, und das preisgekrönte Trio der messerscharfen Gitarristin Hedvig Mollestad), die Ambientschiene (Splashgirl) und die Popschiene (Anja Eline Skybakmoen Band). Alles in ihrer Art hervorragende Auftritte! Und dann bleibt noch eine Menge Nichtgesehenes: Lemaitre, Karpe Diem, Lidolido, Beady Belle, Lars Vaular&Kjetil Møster, ESP aus Molde selbst.

Phronesis, ein Däne, ein Schwede und ein Britte, ist die Rhythmusgruppe von Norwegens jüngstem Powersaxophonisten Marius Neset. Als eigenständiges Pianotrio kocht es ebenfalls hochdruckmäβig hoch und lässt es kein Gras drüber wachsen. Es setzt in seiner Klasse zweifellos neue Spielstandards. Dicht, schnell, farbenreich. Pianist Neame und Bassist Høiby bilden übrigns auch noch den Kern des bekannten britischen Kairos 4tet.

Paal Nilssen-Love spielt unablässig, intensiv, einfallsreich, mit enormer Dringlichkeit und Unnachgiebigkeit. Wie würde er bei dieser Large Unit die Möglichkeiten von elf Topmusikern nutzen? Eine Truppe mit zwei Schlagzeugern, zwei Bassisten, einem Gitarristen und dem Rest Bläser plus noch Brachialelektroniker Lasse Marhaug. Auch er hatte -genauso wie Stian Westerhus die Möglichkeit, sich im tiefen Wald von Sjøbygda vorzubereiten.
 
 
 

 
 
 
Hier wurde natürlich nicht ziseliert oder geschwadet. Es hatte die übliche geballte Energie , die aber mit grösster Klarheit einherging. They really nailed it, eine neue, ganz eigene Qualität in diesem Bereich! Einschliesslich der Rollenverteilung zwischen den beiden Schlagzeugern. Eine Gruppe mit Musik, die wir brauchen!
 
 
 

 
 
 
Vielleicht die grösste Überraschung: das Ensemble der Pianistin Maria Kannegaard mit einer Traumbesetzung: Ståle Storløkken (Synthesizer), Ola Kvernberg (Violine), Per Jørgensen (Trompete), Ole Morten Vågan (bass) und Thomas Strønen (Schlagzeug). Zu Beginn liess sich bei den repetitiven Figuren noch kaum erahnen, welche Brenn- und Schubkraft diese entwickeln würden. Mit enormer melodischer Energie geladen, die nach und nach frei kam, sich in Bahnen ergoss und immer wieder auf den Siedepunkt zustrebte. Intensiv, einzigartig. Melodic orbits, melodic outbursts. In aufgenommener Form gibt es sie noch nicht, diese bemerkenswerte Musik.

Dann Take Five Europe unter dem Nenner European Sunrise. Es ist schon aussergewöhnlich, wie diese Truppe in Molde spielte. Take Five Europe ist ein von der EU finanziertes einjähriges Coachingsprogramm (geschäftlich und künstlerisch) für bereits avancierte junge Musiker, an der Festivals und Musiker aus fünf eropäischen Ländern beteiligt sind (Grossbritannien (federführend), Frankeich, Niederlande, Norwegen, Polen). In jedem Land werden zwei Musiker ausgewählt und so entsteht jedes
 
 
 

 
 
 
Mal eine bunt zusammengewürfelte europäische Truppe: pianist Marsin Masecki, die Klarinettisten Arun Gosh und David Kweksilber, die Trompetterin Airelle Besson, der bereits eher erwähnte Tubaist Daniel Herskedal, der Gitarrist Chris Sharkey, Schlagzeuger Marcos Baggiani, Bassist Per Zanussi, Trompeter Pjotr Damasiewicz und Saxophonist Guillaume Perret. In diesem Jahr funktionierten Wille, Chemie und Gelingen aussergewöhnlich gut. Ich hatte die Gruppe bei ihrem ersten Auftritt im April beim Banlieue Bleue Festival im Pariser Le Dynamo spielen sehen und das war bereits beeindruckend.

Hier in Molde hatte die Gruppe eine Qualität erreicht, die für zusammengewürfelte Ensembles eher selten ist. Die Mitglieder gaben einander Raum und verstärkten sich wie selbstverständlich in ihren Könnensgebieten und kreieten eine derartig originelle Musik wie man sie gerne mehr hören möchte! Das Ganze mit Nino Rota und Frederico Fellini als heimlichen Gästen. Fazit: terrific musical waves these eight musicians evoked. Lively, present, enjoyable. If Europe works like this, we don’t have to worry!
 
 
 

 
 
 
Ein regelrechter Shock war dann das Konzert von Obara International, ein Quartett, das aus 3 Teilnehmern des letztjährigen Take Five Europe besteht: dem polnischen Altsaxofonisten Maicej Obara, dem norwegischen Bassisten Ole Morten Vågan und dem norwegischen Schlagzeuger Gard Nilssen plus dem polnischen Pianisten Dominik Wania. Alles, was man davon erwarten konnte, wurde übertroffen. Vor allem das Energieniveau, die Bewegungskraft und der Spielfluss waren nicht von schlechten Eltern. Zu hören auch auf dem ersten Album der Gruppe mit sechs langen live-Stücken von Komeda – auch ein deutliches Commitment (Obara International – Komeda (Fortune)).
 

alle Photos © FoBo–Henning Bolte, ausser Dexter Gordon, Jan Garbarek Group

2013 7 Aug

KARAVANSERAI: Michel Benita

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Radio onDEMAND H I E R meine Programme

– jederzeit abrufbar, mit zwei Klicks ist man drin. 95% der Sendung ist Musik
 
 
 

 
 
 
Das Quintett des französischen Bassisten Michel Benita mit Mieko Miyazaki, Koto u. Vocals, Matthieu Michel, Trompette, Eivind Aarset, Gitarre, und Philippe Garcia, Schlagzeug. Jon Hassell lässt grüssen!
 

 

 
 
 
Über Copenhagen hatte ich schon im Vorgriff ein wenig geschrieben. Nämlich über den ersten Abend mit der Gruppe EGGS LAID BY TIGERS aus dem ILK-Kollektiv. Heute schrieb ILK MUSIC auf Facebook

>>Henning Bolte from All About Jazz spend 3 out of 3 days at our stage in 5e during Copenhagen Jazz Festival! On ILK he states:

„During the past ten years a distinctive artistic profile of openness and diversity has been created, liberated from various kinds of patterns, postulates and prescriptions and dedicated to explorative risk-taking, intuition and consciousness of form serving the creation of firm new expression.“<<

Ja, das hab ich wohl geschrieben und meine es auch! Für diejenigen, die meine weiteren Wege durch Kopenhagen nachverfolgen wollen, H I E R steht’s.

Zentraler Punkt war, wie schon berichtet, Kødbyen, das Meatpackingviertel hinterm Hauptbahnhof, wo ILK MUSIC sein Hauptquartier hat. Stand schon einiges im Vorgriff hier.
 
 
 

 

Pale horses of Stian Westerhus, the dream riders of Terje Rypdal and Frisell’s Big Sur zephyrs at Molde. Die blässlichen Pferde von Stian Westerhus, die Traumreiter von Terje Rypdal und die Frisellschen Big Sur Zephyre an zwei Abenden in Molde. Wenn das nichts ist! Bleibt noch Bill Frisell. Er eröffnete in Molde den Gitarrenreigen mit seiner hochkarätigen Saitentruppe: Hank Roberts, Eyvind Kang, Carrie Rodriguez, Jenny Scheinman und Rudy Roston als Takter.

Ich hatte die Gruppe bereits drei Tage vorher in Kopenhagen spielen sehen und machte in Molde noch einen Versuch. Auf dem gerade erschienen OKEH-Album hatte mir die Musik gut gefallen, aber die live-Ausführung wollte bei mir auch in der Wiederholung nicht recht zünden. Frisell spielte im offenen Halbkreis sitzend in Lagerfeueraufstellung, in der die Klänge der einzelnen Instrumente in intimer, fein abgestimmter Weise ineinander flossen und eine entsprechende Stimmung von Weite und innerer Konzentration hervorriefen. Um darin zu bleiben, musste man sich gänzlich hineinziehen lassen, was Zuschauern unterschiedlich gut gelang.
 
 
 

 
 
 
The album contains great pieces of music and the string thing is challenging. The question was if would also work well live in a far more stretched out version. Apparently it did not appeal to the audience as a whole. There were listeners who were deeply drawn in and there were listeners who experienced it as monotonous.

The emphasis was on the heaving and broad meandering of melodic lines evoked by all five string-instruments. Long arches with sheer endless repetition. It suggested something of the shimmering air of the Big Sur environment. This floating thing is all Frisell. He invented and developed it. It seems evident to apply it and rely on it.

There was some counterbalancing but not much contrast. Strings were shadowing each other and the guitar, Kang went into microtonal realms cautiously once in a while, unisonos were played with a minute time lag or with contrasting bowing direction and there was some integrated soloing of the violins which lifted the music up occasionally. It were held inside very much. Too much identical repetition brought the music down in the long run. The saturation point will be different for people.

Kurzum, die einen liessen sich betören, andere kehrten nach einer Weile den Rücken. Vielleicht zu viel des Guten. Trotz alledem blieb natürlich noch eine Menge Hörenswertes.

© FoBo – Henning Bolte

 


 
 
 
Jason Moran ist inzwischen auf ansehnlichem Niveau von Ubiquität angelangt, was ihn vor allem weiter zu beflügeln scheint. Er geht die diversesten Sachen mit erstaunlicher Offenheit und wirklicher Interessiertheit an. Auch ein förderliches Maβ an Understatement und Dezidiertheit gehören dazu. Und: er ist vor allem auch ein guter Beobachter! Seit kurzem ist Moran künstlerischer Leiter des Jazzprogramms am Kennedy Center in Washington D.C. , wo er gleich zu Beginn ein eindrucksvolles Anthony Braxton Programm organisierte. Auch gab er Okwui Enwezor als Kurator der Münchener Ausstellung ECM – eine kulturelle Archäologie wesentliche Impulse. Er ist auf dem binnenkurzem erscheinenden ECM-Debut von Trompeter Ralph Alessi vertreten und macht sich auf für Aufnahmen mit der Gitarristin Mary Halvorson und Trompeter Ron Miles.

In Molde fungierte er dieses Jahr als Artist in Residence. Neben einer Reihe von Sessions spielte er während der Festivalwoche in sechs Konstellationen:

– im multimedialen Monk-Programm In My Mind mit norwegischen Bläsern und seinem Bandwagon (Kåre Nymark, Kristoffer Kompen,Daniel Herskedal, Atle Nymo, Frode Nymo, David Demedolf)

– mit dem All-Scandinavian Andratx (Jonas Kullhammar, Kresten Osgood, Ole Morten Vågan, Maria Laurette Friis)

– mit seinem Bandwagon Trio

und in drei Duos:

– Duo mit Charles Lloyd
– Duo mit Jan Bang
– Duo mit seiner Frau, der Opernsängerin Alicia Hall Moran

Das Duo mit Bang, keine in etablierte Erwartungsschemata passende Verbindung, war Morans ausdrücklicher Wunsch. Entsprechend gespannt war man. Bang arbeitet zwar seit kurzem mit dem Pianisten Tigran Hamasyan, aber das ist qua Hintergrund und Naturell ein anderes Paar Schuhe.
 
 
 

 
 
 
Während Moran sich mit und am Piano und am Fender zu schaffen machte, ist das Instrumentarium von Bang für den Zuschauer weniger einfach kategorisierbar. Es ist auf wenige Apparate beschränkt und Bang verwendet live (bewusst) keinen Laptop. Kein Bildschirm also, sondern freier Blick und intensive Bewegung beim Regeln (Drehen, Drücken, Schlagen, Schieben) der archivierten und synthestisierten/modifizierten Klänge.
Im Erscheinungsbild gleicht Bang am ehesten noch einem Perkussionisten (zuweilen selbst einem Tänzer).

Am Anfang markierten beide Musiker ihre DNA. Moran mit einer Collage aus dem Kanon des Jazzpiano. Bang damit, dass er rhythmisch-melodische Motive herausgreift und elektronisch mit ihnen spielt, sie verwandelt und damit das Spielfeld öffnet, erweitert, transzendiert.

Jason Moran selbst dazu: “It was awesome to make sounds with Jan Bang. He literally was remixing my piano as I played it. Stuttering, shifting octaves, making drones, and making the earth’s core shiver. We did crazy remixes of James P. Johnson’s You’ve Got to be Modernistic. Also Duke Ellington’s Single Petal of a Rose, and a haunting Body and Soul. Thrills.”
 
 
 

 
 
 
Es endet mit einer Zugabe, bei der Bang strahlend sein Diktaphon hochhält, aus dem die unbegleitete Folkmelodie einer estnischen Sängerin klang. Wie sich Bang und Moran in diesen Klängen musikalisch verständigten, hatte etwas Magisches und erbrachte ein befreites strahlendes Lachen beider Musiker. Dazwischen spielten sich Moran und Bang hellwach wunderbare Bälle zu, entstanden suggestive singende Klangbilder, die von den Trompeten von Jericho, trashigen Splittern bis zum Summen ferner Küsten reichte und Moran zum Flöten brachte.

Postscriptum 1 – Herausspülen

Bei Bang werden die Stücke nicht länger im gewohnten Frame nach bestimmten ungeschriebenen Regeln improvisatorischer Variation behandelt. Sie werden in ihrer ‘reinen’ Klanglichkeit genommen und ‘herausgespült’, verflüssigt und in neuer, indeterminierter Form wiedergewonnen. Letzteres heisst, dass sich dabei eine klare neue Form herausschält, die aber qualitate qua nicht auf Reproduktion angelegt ist. Genauso könnte man sagen, dass klangliche Elemente des ‘Originals’ interagierend in die (flüssige) elektronische Leinwand eingeschrieben werden. Das Herausspülen ist eine Konsequenz der Existenz von Stücken als reifizierter recorded music. Mit der improvisierten live-Elektronik von Jan Bang werden (paradoxerweise) ora(k)le Qualitäten wiedergewonnen, die sich in einer neuen, faszinierenden Dialektik von Crossfadings bewegen. Diese Arbeitsweise unterscheidet sich vom rein verzierenden, hervorhebenden und konturierenden Elektronikgebrauch.

Postscriptum 2 – Jaki Byards offener musikalischer Diskurs als Leitbild

Morans Bereitschaft und Offenheit kommt nicht von ungefähr, war einer seiner wichtigsten Lehrmeister doch Jaki Byard, für den musikalisch keine Ausschlüsse oder Berührungsängste gab. Moran gibt davon während eines Gesprächs beredte Beispiele.
 
 
 

 
 
 
Byard brachte das nicht nur in seiner Lehrtätigkeit, sondern auch in seinen eigenen Ausführungen (als Pianist und Saxophonist) in auch heute noch hörenswerter und faszinierender Weise in die Praxis.: HIER eine Demonstration von Pianostilen und HIER ein Beispiel für seine berühmten Verschiebungen und Umsprünge.

Alle Photos ausser Jaki Byard
© FoBo – Henning Bolte

2013 14 Feb

AMSONANZA

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AMSONANZA, so heisst ein neues musikalisches Unternehmen in Amsterdam. Den Anfang machen zwei Duos, eins aus New York und eins aus Amsterdam. Aus New York: MARK FELDMAN (Violine) und SYLVIE COURVOISIER (Piano) mit Orphic Oracles. Aus Amsterdam: NIELS BROUWER (Gitarre) und MONICA AKIHARY (Stimme) vom Ensemble Boi Akih mit Circles In A Square Society. Ort des Geschehens: der wunderbare akustische Saal im Amsterdamer Goethe-Institut gelegen in der Goldenen Biegung der Herengracht (470).

Samstag, 16. Februar, 20:00. Für alle Musikliebhaber, die nicht in Istanbul sind, wohl aber zufällig oder nicht zufällig in Amsterdam, the place to be. Weitere Duos sind in der Planung … natürlich!
 
 
 
13MT-FeldmanCourvoisierKONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA
 
 


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