Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: Donnerstag, 7. Januar 2021

 

„Should never have left the crystal lake
For areas where trees are fake
And dogs are dead with broken hearts
Collapsing by the coffee carts
The crystal lake it only laughs
It knows you’re just a modern man
It’s shining like a chandelier
Shining somewhere far away from here“

 

Do you remember The Department of Disappearance? No? That overlooked treat. What I love about the songs of his maybe second best album, is their dreamy atmosphere, they create a space to vanish into them. „Dept. Of Disappearance“, the perfect title for this kind of escapism. And, right on, there are lovely moods, great noises, funny breaks, playful keyboard arpeggios, a slightly drunken Chopin quote, catchy lyrics, vintage synthesizer sounds and all. Almost everything played by Grandaddy’s mastermind himself. Nearly every song is telling a story about death, and dying. Not in an existenzialist way a la John Cale’s „Music For A New Society“ or Neil Young’s „Tonight’s The Night“. More playful, uplifting. Full of wonder, but never in a naive way. Thanks god, there’s fucking no one being soaked up by some golden light. In the last song, „Gimme Click, Gimme Grid“, Jason Lytle closes this beautiful album with a childhood memory, and another way of disappearing.

 


Material  for Research & Wonder:
Max Porter: Trauer ist das Ding mit Federn  / Tunng: … presents Dead Club (now relisted, my album of 2020) /  Dead Club: The Podcast / Jason Lytle: Dept. of Disappearance / Grandaddy: The Sophtmore Slump with The Wooden Piano / Ulrikes Merettichsuppe mit kandierten Maronen / Flambierter Provencalischer Lammbraten mit Auberginen, Zwiebeln & Zucchini  / „The majority of critics mistook Richard  Brautigan‘s  economy of means and minimal style for slightness, his humour and playfulness for irresponsibility. In reality, his books are particularly sombre, centering on decay, disfigurement and sadness. Paradoxically, he elevated the spirits of his readers“  (Brian Morton, How Hippies Got Hooked on Trout Fishing in America, in: The Times Higher Education Supplement, 16.Nov. 1984; zitiert nach John F. Barber – An Annotated Bibliography)

 

2021 7 Jan.

„Die Beatles, Acid, Honey Smacks, und Ich“

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Wir  segeln hier unterm Radar von Twitter, Instagram oder Facebook. Eine kleine Schar von Lesern, eine Freude, sie unter uns zu wissen, ab und zu ein neues willkommenes Gesicht, und ab und zu, sehr selten, hinterfotzige, anonyme Kommentare. Der widerlichste, den ich je bekam, war von der „doppelten Clara“ aus Neumünster, selbstgerecht, moralinsauer (noch mehr desselben? gerne!), calvinistisch, anmassend, spaltend, feige.  Mit friesischem Ökoteegrosstantenkorsetttouch! Meine Ansprache, sich an mich mal persönlich per Mail zu wenden: folgenlos. Klar. Schätzchen, ich bevorzuge Nux Vomica D6. Der echte Hit hingegen ein Landwirt aus dem Hessischen, der wohl etwas zu viel Dünger geschnüffelt hat, aber ein „Klassiker“ der Moderatorenbeschimpfung – hier zum dritten und letzten Mal, die volle Dröhnung. Lief unter „Neues von Knecht Ruprecht“. Ich hatte zuvor in meiner nächtlichen Radiosendung „Across The Universe“ von den Beatles aufgelegt. Kurz nach der Lektüre und anfangs ungläubiger Verwunderung wurde ich von einem herzhaften Lachanfall heimgesucht. Minutenlang. Ich empfehle dem Landwirt (oder ist es doch ein Obstdieb?) das Buch The Beatles and Drugs. UND, Überraschung, hier kommt bald, im April, zum Zehnjährigen Jubiläum der Manas, meine sensationelle Serie: Die Beatles, Acid, Honey Smacks, und Ich. Kein Scheiss, Alter!

 

Sehr geehrter Herr Engelbrecht,

darf man als Musikredakteur eigentlich jeden dummen Gedanken ins Mikrofon reden? Ich war so begeistert von der Musikauswahl, die ich morgens von 4:00 bis 6:00 Uhr hören konnte, wenn ich mir nicht diesen mir vollkommen unverständlichen Kommentar, von Ihnen, zu dem kurzen Song von John Lennon hätte anhören müssen. Warum setzt bei den meisten Musikredakteuren, leider auch bei Ihnen, die reale Wahrnehmung aus, wenn sie eine vermeintliche Wesensverwandschaft, Urheberschaft, Wurzel mit der Musik ihrer Götter zu erkennen glauben. Das von Ihnen gewählte Stück von Lennon ist sowohl von der lyrischen Qualität des Textes, noch seines Inhalts und der musikalischen Qualität nichts, aber auch gar nichts, dass auch nur ansatzweise etwas von einer Musc for Installations hat. Das sind infantile Finger- und Textübungen die schon zu der Zeit in der sie veröffentlicht wurden überschätzt wurden. Ich sitze hier vor dem Radio und bin mal so richtig enttäuscht. Da macht einer etwas Schönes und Interessantes und auf einmal verwirren sich seine Gedanken und in seiner Einfalt glaubt er den Säulenheiligen seiner musikalischen Erweckung müsste er seine Ehre erweisen. Der ganze schöne Eindruck des bis daher und von dem danach Gehörten, ist dahin. Wissen Sie überhaupt, welches Glück sie haben, dass Sie ihr liebstes Hobby zu ihrem Beruf machen konnten? Warum glauben Sie, uns dann so etwas unterschieben zu müssen? Ich hoffe auf Besserung. 

Mit freundlichen Grüßen, 

K. R.

 

Nachspiel, für Clara und Ruprecht, von der wunderbaren Liz Hand, aus einer alten Email: 

 

Patti Smith: Horses. Along with the Beatles’ single “She Loves You“, which I heard on a car radio (not our car; it didn’t have a radio) as a six-year-old, this is the record that changed my life. I’d read about Patti Smith and got this album on the day it came out in 1975, riding my bike to New Canaan and buying it at the record store there. When I put it on the stereo at my parents’ house and heard the opening piano chords followed by Smith intoning “Jesus died for somebody’s sins but not mine,” I got goosebumps. I couldn’t believe this chick was saying that without getting struck by lightning. When I heard “Land“, I had an out-of-body experience. For me as an artist, everything has been before and after that song.

2021 7 Jan.

„Small Axe“

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1) Lovers Rock  *****

2) Red, White, and Blue  *****

3) Mangrove  ****1/2

4) Education  ****

5) Alex Wheatle  *****

 

 

The best movies I’ve seen recently. Und alle sind in einer kleinen Schachtel mit zwei DVDs verpackt. Steve McQueen und einige seiner Wahlverwandten haben fünf Filme inszeniert, die dem strukturellem Rassismus Englands der Jahre 1968-1982 nachspüren, mit lauter wahrhaftigen, oft auf wahren Begebenheiten beruhenden, Geschichten. Mich haben sie, in ihren Stimmungen, an alte englische Filme erinnert, die ich fast schon vergessen hatte. Filme, die Gangsterstories mit allen verfügbaren Grautönen erzählen (Roy Budd sorgte da gerne für die Soundtracks), oder solche, die das Leben der Arbeiterklasse vor Augen führen, ohne romantisierende Züge. Da waren die Bücher von Alan Silitoe, und Kinofilme, die seinen sozialen Realismus aufgriffen. Etwa „Saturday Night and Sunday Morning“. Oder die „Einsamkeit des Langstreckenläufers“. Erinnerungen an Bücher und Filme vermischen sich. Bei  den fünf Filmen von „Small Axe“ spielt die Musik eine noch zentralere Rolle, der Funk, der Soul, der Reggae von damals. Die Lieder liefern Gegen-Erzählungen, andere Blickwinkel, soziale Härte, und Sehnsuchtsstoff. „Red, White, And Blue“ hatte mich dermassen gepackt, dass ich mir zwei alte Al Green-Alben kaufte. Und die Reggae-befeuerte Erzählung von „Lovers Rock“ – wunderbar. Zugleich wurde erfahrbar, auf dieser Party, angesiedelt in Ladbroke Grove anno 82, wie Entgrenzung, Exstase, in der Musik wirken können, nicht ohne gewisse Gefahren. Ein Rausch. Im Dezember 82 war ich auch in London, ich erlebte immerhin Jah Wobble & The Invaders of the Heart, im Marquee Club. Hampstead  Heath. John Peel im Radio. The ghost of „my legendary lady“. Hanne. Sometimes it‘s wonderful to have a broken heart (in retrospect).

2021 7 Jan.

„Foxtrot unterm Mondlicht“

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Mit den Soloalben von Jeff Tweedy und Nels Cline und einem umfangreichen Box-Set von Summerteeth aus dem Jahr 1999 sind die Wilco-Fans in letzter Zeit nicht gerade ausgehungert worden; falls doch, könnten sie jederzeit Tweedys Anweisungen in seinem neuen Buch How To Write One Song folgen und selbst welche machen. Weitere Abwechslung kommt jedoch von einer unwahrscheinlichen Quelle. Es stellt sich heraus, dass Barry Jenkins, der Filmregisseur von Moonlight, eine subversive Liebe zu Wilcos Meilenstein aus dem Jahr 2002, Yankee Hotel Foxtrot, hat. Daher „Yankee Purple Foxtrot“, Jenkins‘ Remake des gesamten Albums (streaming auf audiomack.com), in dem er  über verwandelten Versionen von The Chopstars singt, den Meistern des „Chopped and Screwed„-Remix-Stils, der aus dem Houstoner Hip-Hop entstand. Das erweist sich als gewitzte Idee: die ziemliche Verrücktheit des Produktionsstils verstärkt nur die seltsame Unheimlichkeit dieser Songs: „Voices escape singing sad sad songs“ – in der Tat.  (J.M. & M.E.)


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