Manafonistas

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Archives: Dienstag, 4. Dezember 2018

 

 
 
 
Ein neues Album von Janis Joplin! Ein Doppelalbum sogar! Yay!

Na gut. Die Story des Cheap Thrills-Albums ist wahrscheinlich bekannt: Big Brother & The Holding Company (der Name ist bis heute seiner Zeit voraus) hatten sich im Studio so oft verspielt, dass der Produzent letztlich auf die Idee verfiel, Publikumsgeräusch dazuzumischen und das Ganze als Live-Album auszugeben. Dort würden die Fehler glatt als „authentisch“ durchgehen. Einzig „Ball And Chain“ war eine wirkliche Live-Aufnahme, aufgenommen im Fillmore in San Francisco. Wenn mich nicht alles täuscht, ist der für den Rest der Platte verwendete Beifall derselbe, der auch für das (ebenfalls gefakte) Live-Album der 13th Floor Elevators von 1968 eingesetzt wurde.

Columbia hat damals weder das ursprünglich vorgesehene Coverfoto

 
 
 

 
 
 

noch den eigentlich beabsichtigten vollen Titel des Albums akzeptiert. So ließ man es denn bei Cheap Thrills, und Janis Joplin höchstpersönlich bat Robert Crumb um einen Comic, den dieser mit Freuden lieferte. Und weil er so schön war, kam er aufs Frontcover. Auf die ihm angebotenen 600 Dollar verzichtete Crumb: „I don’t want Columbia’s filthy lucre“. Wer sich’s denn leisten kann …

 
 
 

 
 
 

Weil Crumb davon ausging, dies solle das Backcover werden, visualisierte sein Comic die einzelnen Titel des Albums und nennt die Musiker. Eine der Zeichnungen war mit „Harry“ beschriftet. Das war der Titel eines sehr kurzen und sehr schrägen Stücks, das die Seite 2 eröffnen sollte. Da die Plattenfirma dieses Stück ebenfalls rauswarf, wurde im Nachhinein „Harry“ aus der Zeichnung entfernt und „Art: R. Crumb“ eingefügt. (Crumb selbst hat seine Zeichnungen nie signiert.) — Das Original des Comics übrigens ist 1971 aus dem Columbia-Archiv geklaut worden, wohl von einem Mitarbeiter. Zwölf Jahre später wurde es bei Sotheby’s für 250.000 Dollar versteigert; das Auktionshaus hat den Verkäufer nie bekanntgegeben.

Nun ist „Harry“ wieder da. Diesmal unter dem vollständigen Originaltitel des Albums, für das vorgesehene Originalfoto allerdings mochte man sich aber auch diesmal nicht entscheiden. (So originell war’s auch wirklich nicht.) Zweieinhalb Stunden Outtakes und Live-Mitschnitte aus der Cheap Thrills-Ära gibt es zu hören — 30 Stücke insgesamt, davon 25 bislang unveröffentlicht, fünf erschienen bereits als Bonustracks auf anderen Zusammenstellungen oder Re-Issues. In vielen Fällen, so ehrlich sollte man sein, erschließt sich recht schnell, weshalb das Stück ein Outtake geworden ist. Spielfehler, falsche Noten, Abbrüche und Aussetzer kommen immer mal wieder vor. Es wird (wieder einmal) klar, dass BBHC zwar eine für damalige Normalverhältnisse brauchbare Band war, mit Janis‘ Ausnahmetalent aber schlicht überfordert war. Auch Janis scheint nicht in allen Stücken bei 100 Prozent zu sein, dafür übertreibt sie in anderen Stücken mit voll durchgetretenem Gaspedal. Aber die meisten Stücke sind hörenswert. Und überhaupt: 80 Prozent Joplin sind immer noch mehr als das meiste, was heute gern mal als „neue Joplin“ gehandelt wird. Es bleibt dabei: Es gibt nur eine.

Das Booklet beinhaltet einen kurzen Gruß von Grace Slick und einen längeren Text von BBHC-Drummer Dave Getz, der einiges an interessanten Hintergrundinformationen liefert.

2018 4 Dez.

„The Opener“

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2018 4 Dez.

Vilde&Inga

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Gestern Abend traten zwei junge Norwegerinnen in der Filmwerkstatt in Düsseldorf auf. Sie waren im Rahmen der „Soundtrips NRW'“eingeladen, ein mittlerweile qualitativ hochwertiges Konzertforum.

Vilde und Inga spielen gerne mit anderen Musikern zusammen, zuhause in Oslo z.B. mit Sidsel Endresen, hier im zweiten Teil mit L. Heinz an der elektrischen Gitarre und mit der exzellenten Geigerin Gunda Gottschalk.

ECM hat sie bereits mit ihrer Cd Makrofauna bekannt gemacht, Diedrich Diederichsen ist ihnen auf dem Osloer ULTIMA FESTIVAL begegnet.

In einem kleinen Kinosaal vor 9 Zuhörern zu spielen, hebt sicherlich nicht die Stimmung. Trotzdem war den beiden die Freude am Improvisieren anzusehen. Vilde holte wirklich alles aus ihrem Klangkörper heraus, improvisierte auf Geigenteufel komm raus. Sie zauberte kratzige, reibeisenartige Töne hervor. Inga, über ihr großes Instrument gebeugt, startete mit tiefen, ruhigen Tönen, als ob sie die hektischen Schrillereien der Violine einfangen wollte, um eine harmonischere Komposition hinzukriegen. Sie schaffte es fast, Inga strich dann etwas sanfter über das Geigenkastenholz. Ein paar trotzige Woody Woodpecker Klopfgeräusche noch und dann wurde es ganz still.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Laurie Anderson, die auch in Oslo auf dem Festival auftrat, nach so einer Stille die Anwesenden zu einem kollektiven Urschrei gegen Trump und Erderwärmung aufforderte. Sie soll diese Idee umgesetzt haben, so steht es im vorletzten SPEX.

 

2018 4 Dez.

Meine Alben 2018

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Record of the Year: Jakob Bro – Returnings / ECM in 2018: Christjan Randalu – Absence / Andy Sheppard Quartet – Romaria / Nik Bärtsch – Awase / Bobo Stenson Trio – Contra La Indecisión / Shinya Fukumori Trio – For 2 Akis / Mathias Eick – Ravensburg / Florian Weber – Lucent Waters / Various from 2018: Sonar w. David Torn – Vortex / Dave Holland – Uncharted Territories / Dave Liebman – Fire / Dhafer Youssef – Sound of Mirrors / Julian Lage – Modern Lore / Gilad Hekselman – Ask For Chaos / Ben Wendel – The Seasons / Aaron Parks – Little Big / Discovered in 2018: Marc Copland & Dave Liebman Quartet – Lunar (2002) / Chico César – Mama Mundi (2000) / Eliane Elias – Dance of Time (2017) / Chico César – Respeitem Meus Cabelos, Brancos (2002) / Anna-Lena Schnabel – Books, Bottles & Bamboo (2016) 

 

 

 
 
 

Zwei Dinge sollte man sich spätestens 2019 gönnen, den Remix des „White Album“ der Beatles, und dieses Opus eines kritischen Rationalisten, dessen angestammte Vernunft  in den letzten Jahren einige Sinn stiftende Erschütterungen erlebt haben dürfte. Wenige Sachbücher haben mich in meinem Leben so fasziniert wie Michael Pollans Buch. Neben Albert Hofmann und Timothy Leary tauchen da historische Figuren auf, aus deren Lebensabschnittsphasen HBO packende Serien schöpfen könnte, eine davon wäre Cary Grant. Der Autor ist Jahrgang 1955, und als Junghippie begegnete er damals der bewusstseinserweiternden Droge LSD mit grosser Vorsicht, und mied jeden Kontakt. In diesem Buch rollt er ein historisch, psychologisch und philosophisch hochinteressantes Feld neu auf, als eine Art teilnehmender Beobachter, berichtend, erzählend, und „aus der Innensicht“. Ich habe dieses Buch Seite für Seite im Original gelesen, und natürlich werde ich mit LSD auf Reise gehen, mit reflektiertem Blick für Set und Setting. Es ist allerdings nicht leicht, ob im Dark Net, Strassenverkauf, oder bei kalifornischen Freunden, die richtige Qualität zu erhalten. Niemand sollte sich naiv auf diesen Weg begeben. Ich wünsche diesem Buch viele aufmerksame Leser. Wer auf andere Art geläufige Ich-Erfahrungen transzendieren möchte, dem  lege ich das Gebiet luzider Träume nah, da bin ich wirklich Spezialist und kein Amateur. Und, tja, für den Winter habe ich mir ein feines Taschenbuch zugelegt, ideal auch für Zeitreise-Freaks, die mal ernstmachen, und sich gepflegt „abschiessen“ wollen mit einem Stück Weltliteratur (als solche wird es jedenfalls gehandelt): Tom Wolfe – The Electric Kool-Aid Acid Test. Habe ich nie gelesen, und jetzt einen ganz anderen Blick darauf!

MICHAEL POLLAN – PSYCHEDELICS – HOW TO CHANGE YOUR MIND


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