Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the day Dienstag, 11. Dezember 2018.

Archives: Dienstag, 11. Dezember 2018

Kaum ist die Jahresbestenliste veröffentlicht, ja schon wieder Vergangenheit und Lajla wünscht sich Musik aus dem „Palace of Zen“ – da fällt mir das Debutalbum eines jungen DJ und Produzenten aus Tokio in die Hände. Und das hat es in sich. Aber erst mal der Reihe nach: Yoshinori Hayashi ist ambivalent. Beyond mainstream. Mit ausgeprägtem Hang zur Abstraktion und zu Kollagen.

Kollagen liebte ich schon zu Schulzeiten. Damals machte ich im Kunstleistungskurs komplexe Kollagen und jagte sie dann durch den neuen Kopierer der Schule bis sie auf einer formalen Ebene angekommen waren, bis die ganzen Schnipsel und Elemente zusammengehörten, zu Einem wurden. Copy Art. Später setzte ich das, wenn mein Geldbeutel es erlaubte, mit großformatigen Farbcollagen auf Farbkopierern um und produzierte Multiples. Und war nicht zuletzt oft begeistert davon, wenn Musiker das in ähnlicher Buntheit ins Studio bringen konnten. Holger Czukay war z.B. ein großer Meister darin.

 Aber zurück zu Yoshinori Hayashi, der in Japan eine klassisch-moderne Ausbildung erhielt, was Spuren auf Ambivalence hinterließ und zwischen den Zeilen zu vielen unvorhergesehenen kompositorischen Wendungen führt. Die ritualistischen, hypnotischen Stücke verarbeiten Elemente aus der Minimal music, alten Jazzplatten, Dub und House, sowie traditioneller japanischer Musik und nicht zuletzt akustischen Instrumenten und Studiotexturen. Overflow. Eine seltsame Melange von Atmosphären, Grooves und akustischen Found Objects, die gekonnt kollagiert, übereinandergeschichtet, unerwartet hintereinandergeheftet, surreal voneinander abgezogen werden, gerafft und gequetscht, gestretched und verzogen werden. Palanquin Bearing Monkey. Sie fangen irgendwo an als Clubmusik und driften unversehens ins dubbige oder ambienthafte, ist Musik für innere Filme mit unerwarteten Wendungen wie aus den Träumen in den Morgenstunden, wenn der Schlaf nicht mehr so tief ist. Bit of Garden – 0208. Aber das wäre nicht gelungen, wenn nicht alles auf faszinierende und hintergründige Weise zusammengehören, formal auf einer Ebene landen und als Akustik-Koan enden würde. Aber was wäre hierauf die richtige Antwort? Was ist der Duft des Raumes zwischen zwei Stühlen? Geckos.

 
 
 

 


 
 

The album ends with a few words from Charles Dickens extolling us to dwell not upon the past: “Never heed such dismal reminiscences,” he advises us in his playful Scots brogue. “There are few men who have lived long enough in the world, who cannot call up such thoughts any day in the year. Then do not select the merriest of the three hundred and sixty-five for your doleful recollections, but draw your chair nearer the blazing fire – fill the glass and send round the song.” It’s the perfect conclusion for a record that understands that doleful recollections are the very stuff of Christmas, and that we need our midwinter’s feast precisely because of our doleful recollections. Whatever your Christmas finds you doing, putting a brave face on your despair in the bosom of your family, or savouring your glass of reeking punch with no one but sad memories, or even bathing in a rare wonderful happiness, Ghost Stories for Christmas makes an excellent companion. (Colin Bond)

– eine Woche vor Heiligabend im Handel

 
 

Aidan Moffat & RM Hubbert –  „A Ghost Story for Christmas“ (Lyric Video)


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz