Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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When the postman rings twice. As he did today. Wow! Finally! In the forthcoming German translation of David Mitchell’s latest novel (July 19), the author of many great time traveling books turns his eye on the dark end of the 1960s, a story of music, dreams, drugs and madness, love and grief, stardom’s wobbly ladder and fame’s Faustian pact. There’s Gene Clark of The Byrds, for example, who admires a guitar figure of Jasper’s. Janis Joplin, Leonard Cohen, Syd Barrett, Jackson Browne, and Jerry Garcia turn up (as does, decades later, the brilliant band Talk Talk, acknowledging a debt to the Utopians). There’s even an aside reference to how the Stones’ album
Let It Bleed earned its name. Bone spurs and all, it’s realistic indeed and just the thing for pop music fans of a bygone era that’s still very much with us. So, don’t think twice: this seems to be the book some Manafonistas will dive into, no matter if they had been part of the ancient journey or not. Get it! Bong not included. (m.e.)

2022 2 Jul

Everything must go

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It’s high time for a walk on the real side
Let’s admit the bastards beat us
I move to dissolve the corporation
In a pool of margaritas
So let’s switch off all the lights
Light up all the Luckies
Crankin‘ up the afterglow
‚Cause we’re goin‘ out of business
Everything must go

 

 

Was für ein wunderbarer Auftakt, die erste Strophe des Titelsongs dieses fantastischen Steely Dan-Albums. Die Uhren werden verkauft, die Zeitungen sind alle von gestern, und die Gesellschaft wird aufgelöst in einem Pool von Magaritas. Es gibt einen Song aus Leonard Cohens Turm der Lieder mit einem ähnlichen Thema: „Closing Time“. Natürlich wird hier gar nichts geschlossen, das Fest geht weiter, und, in Zeiten wie diesen, hat die Sinnlichkeit tausend Gesichter. (m.e.)

 

Auf diese unfassbare und unfassbar verführerische Schallplatte kam ich durch „Mr. Stunning“ von „45rpm audiophile“. Es finden sich nur wenige Echos darauf im Netz, ein Werk  aus dem Jahre 2012, das die Grenzen von Musik, Nicht-Musik, und Stille auslotet – und dabei durchweg fasziniert. Eines dieser wundervollen Stücke Musik, die unter dem Radar des Angrsagten ihr ganz besonderes Niemandsland erkunden. Klanghorizonte pur. Oder sowas wie „Obscure Records No. 11“.  (m.e.)

 

Timo van Luijk, ein Spezialist für ruhige Töne, legt zum 10-jährigen Jubiläum eine Neuauflage seines introspektiven, kammermusikalischen Meisterwerks „Trois Mémoires Discrètes“ vor. Die halb beleuchteten Nocturnes, gespielt von Flöte, Blechbläsern, Orgel und kaum wahrnehmbaren Concrète-Bearbeitungen, gehören zu den mühelosesten Stücken in seinem geschätzten Katalog. Dies ist ein ganz besonderes Album. In eine Art Nebel gehüllt, gelingt es Van Luijk im Laufe der 40 Minuten, ein Gefühl von verlorener Weite zu erwecken, das die Augenlider auf Halbmast stellt. Wenn man es zum ersten Mal seit Jahren wieder anhört, fühlt es sich an, als würde man in einen halb vergessenen Traum zurückkehren, mit einer Mischung aus instrumentaler Haptik (Englischhorn, Flöte, Schlagzeug, Kontrabass, Hammond-Orgel) und elektroakustischer Zauberei, die die Lichtverhältnisse im Hörraum wie in  barometrischer Alchemie neu austariert.  Aufgeführt, abgemischt und aufgenommen zwischen 2010 und 2012, befindet sich das Album mit seiner exquisiten Ausgewogenheit an dem Punkt, an dem klassische und zeitgenössische Kreise in ihre eigene Form einfließen. Vielleicht ist es die schlichte Einfachheit der Aufnahme – das umwerfende, natürlich hallende Englischhorn im 18-minütigen Opener „Sylphide“ zum Beispiel oder die nackte Flöte, die „Taciturne“ prägt -, die mit gerade genug Umgebungsdruck behandelt wird, um das Geschehen mit einem tiefen Gefühl der Unsicherheit zu durchdringen. Wo-bin-ich-Musik. Die Kompositionen sind eindringliche Szenen für sich, geschickt durchdrungen von einer Schauer der Materialität. Die rauchigen Hörner und das lyrische Organ haben uns – wenn auch nur für einen Moment – in einen Raum geistiger Stille versetzt, wie wir ihn schon lange nicht mehr erlebt haben.

(Boomkat HQ)

 

Steve Tibbetts‘ oeuvre is criminally undersung. For its openness to distant horizons, its exploration of studio technology’s imaginative potential, its instrumental facility and sheer beauty, Tibbetts‘ music deserves much wider recognition. That said, no guitarist got more airplay on my Klanghorizonte nights between 1990 and 2021.

Ir feels like a special journey to live with his music for decades now. Where beauty and silence quickly became central elements of the music after the first two albums‘ youthful exuberance, passages of anger and darkness have gradually cast shadows over the later music (after his fantastic debut „Northern Song“ on ECM Records, and those journeys into faraway worlds like „Big Map Idea“, „The Fall Of Us All“ and „A Year About A Horse“), while a sombre sense of the passage of time and ultimately of mortality suffuses Natural Causes and, a late masterpiece without doubt, Life Of.

We swim in oceans of music. Many musicians and listeners move in ever smaller circles, swim in a straight line or disappear over the horizon never to be heard from again. A small number master the currents, learn the influence of the moon, tides and storms. Steve Tibbetts is one of the few.

written by Colin Buttimer, and a tiny bit of Michael E.  (the wonderful double-cd-anthology „The Hellbound Train“, is out now) 

 

 

Mark Smotroff und ich erzählen einander gerne kleine Variationen dieser Story, aber heute ist er an der Reihe, keine Frage. Und letztlich ist „Swindon Andy“ unsere Quelle. 


1967 entdeckte (zumindest die Älteren unter euch werden sich erinnern) das aufstrebende Label Instantaneous Records, das befürchtete, in den sich rasch verändernden, swingenden und zunehmend psychedelischen 60er Jahren abgehängt zu werden, eine junge Band, die sie mit ihrer neuesten technologischen Innovation, dem Pserumic Psurround Psound, aufnehmen wollten. Die Idee war, ein Klassik-Rock-Fusion-Album zu machen (Gerüchten zufolge sollten sie eine Version von Nikolai Rimsky Korsakovs Märchen vom Zaren Zultan aufnehmen), das über ihre neue Tochtergesellschaft Pserum Records veröffentlicht werden sollte. Die fast bankrotte Band freute sich über diese Gelegenheit, war aber dennoch ein wenig dreist und gab das Budget wahllos aus, um stattdessen zwei reichhaltige, bahnbrechende psychedelische Meisterwerke, 25 O’Clock und Psonic Psunspot, zu schaffen.

Das Label war verblüfft und verblüfft, aber in der Zeit, in der man sich abmühte, das Angebot zu überdenken, brachte der Erzkonkurrent Deram Records Days of Future Passed von The Moody Blues heraus, das zu einem internationalen Hit wurde und die Bühne für psychedelische Musik für die nächsten Jahrzehnte bereitete. Niedergeschlagen, angewidert und empört wurde das brillante Surround-Sound-Album der Dukes in einem versteckten Bunker in den Chalkhills außerhalb von Swindon, England, vergraben (angeblich in der Nähe des Hodensacks des Uffington Horse, aber das muss noch bestätigt werden).

Bis jetzt, denn nach einer großen archäologischen Ausgrabung unter der Leitung des bekannten Dukes-Biographen Andy Partridge von den Swindoner Popsensationen XTC und des Super-Fan-Produzenten Steven Wilson haben die beiden die lange verschollenen Psurroundabout Ride-Bänder ausgegraben, die diese Woche von Ape House Records auf einer neuen 5.1 Surround Sound Blu-ray Disc veröffentlicht wurden.“

2022 15 Jun

Danny Boy

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Zu den Standards von „Solo“ gehört auch ein kurzes „My Old Flame“, das Scofield oft im Duett mit Charlie Haden spielte. Und dann ist da noch der Standard aller Standards, „Danny Boy“, den man auf einer Scofield-Platte vielleicht nicht erwartet. In den Liner Notes heißt es, dass das Ende die „indoeuropäische Kette der Musik“ widerspiegelt (was fast alles bedeuten könnte), aber die Bearbeitung ist fantasievoll, seltsam und funktioniert wunderbar. Der Looper klingt wie das Dröhnen einer indischen Sitar, wenn man sich eine von John Scofield gespielte Sitar vorstellen kann. Die Melodie wird mit einem Hauch von Country-Twang gespielt, und das Solo hat einen Hauch von Rock-and-Roll-Knurren. Das am wenigsten vielversprechende Stück wird zu einem weiteren Gewinner.

(Alan S., artsfuse)

2022 8 Jun

Floating into the night

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Zu welchen Soundtracks kehren wir immer wieder gerne zurück, als wäre in ihnen immer noch etwas Unerhörtes enthalten? Da hat jeder eigenen Erinnerungen, Bilder und Klänge – Vangelis, Delerue, Cooder, Rota, Karaindrou, und all die anderen – und manche führen zur einer alten Fernsehserie, die 1989 in heimische Wohnzimmer strömte und eine neue Art der Unheimlichkeit verbreitete. Und in der Bar sang Julee Cruise.  She‘s gone now.

Excalibur Sound war der dunkelste, schäbigste Ort, den man sich vorstellen kann„, sagt Angelo Badalamenti und erinnert sich an das Studio in Manhattan, in dem er und David Lynch einen Großteil der Musik produzierten. „Die Lichter flackerten, der Strom ging ein und aus, wie in einem David-Lynch-Film. Als wir uns den Film ansahen, roch es in dem Raum fürchterlich. Es war winzig, die Mäuse liefen sogar bucklig herum. Aber David liebte es – er sagte: ‚Dieser Ort schafft eine so schöne Stimmung für uns, Angelo, nicht wahr?‘ Ich sagte: ‚Nun, ich denke schon…'“ Aus dieser bescheidenen Umgebung stammt eine Fülle schöner und düsterer Musik, sowohl für Julee Cruises Dream-Pop-Meisterwerk Floating Into The Night als auch für Twin Peaks.

Hallo, allerseits!

Ich bin ein alter, besser, neuer Bekannter eures chronischen Syltreisenden, der hier mal Roger Eno-Kompositionen auf einem Bösendorfer serviert bekam, neben Krabbenbrötchen.  Vielen Dank, Micha, an dieser Stelle, für das kleine Plattenpaket mit einem Schätzchen des Keith Jarrett Quartet, „Shades“. Ja, eine kleine humorvolle Truppe hatte sich da eingefunden, beim letzten Beisammensein hier  in  Sichtweite unserer Heide. Michael erzählte von dem Manafonistentreffen im Seepferdchen, und ich vernahm, wie die geschätzte Lajla, deren Nachname so kompliziert klingt, vom speziellen Grün der Dünenlandschaften schwärmte, ich kann das nur bestätigen. Und was für ein feines Buch ist das von Geoff Dyer, da wünscht man sich mehr intelektuelle Briten auf der Insel. Bei einem anderen Autor könnte Dyers Neigung, ums eigene Leben zu kreisen leicht ermüdend wirken. Aber die Kleinigkeiten, die er zur Schau stellt – die kostenlose Anmeldung beim Tennis, die Entnahme von Shampoo aus Hotels im industriellen Maßstab – klingen verdammt lebensnah. Und, ja, traumhaft, wie alles beginnt mit den zwei Kapiteln zu „Endspielen“ der besonderen Art, zwei Liedern von den Doors und Bob Dylan! (A propos Musik, was für eine tolle Entdeckung ist diese alte Jarrett-Scheibe!)

 


Aber zurück zum Thema. Diese Offenheit für die Dinge ist es, die einen dazu ermutigt, Geoff Dyer zu vertrauen, und ihm bei seinen gelegentlich etwas obskuren Streifzügen zu folgen, wie etwa Nietzsches Vorstellung von der ewigen Wiederkehr. Auch ist da stets ein feiner Humor im Spiel,  und das Gefühl, dass er genau hingesehen – und über die Dinge nachgedacht hat. Er könnte anmerken, dass bei jeder Dichterlesung, „wie angenehm sie auch sein mag, die Worte, auf die wir uns am meisten freuen, immer dieselben sind: ‚Ich lese noch zwei Gedichte.'“ Dennoch ist sein Buch durchdrungen von einer tiefen Auseinandersetzung mit Lyrik von Larkin bis Tennyson, Milton, Louise Glück und anderen. Das dürfte auch Frau Weber  nahegehen.

 

 


Der gute Herr Dyer räumt ein, dass er sich immer weniger von der militärgeschichtlichen Abteilung der Buchhandlungen entfernt, die sich zunehmend stärker auf den Zweiten Weltkrieg konzentriert. Die Zeiten sind dunkel, keine Frage. Aber er ist auch jemand, der in Joshua Tree immer noch kompliziert choreografierte halluzinogene Drogen konsumiert, buchstäblich davon träumt, Fußball zu spielen („meine besten Träume des Jahres„), und mit dem offensichtlichen Elan eines Achtjährigen Fahrrad fährt. Herr Siemer kann ein Lied davon singen. Das Alter hat ihn eingeholt, aber die Jugend ist noch da. Kniestützen an beiden Beinen halten ihn jetzt auf dem Tennisplatz, aber wie sein Titelheld Roger Federer ist es eine Reserve an Fingerspitzengefühl, Gefühl, Timing und einem scharfen Auge, die ihn im Spiel hält. Was für ein tolles Buch: immer vor dem Einschlafen ein Kapitel langsam lesen, das ist die ideale Dosierung. Geoff Dyers „The Last Days of Roger Federer – And Other Endings“ ist grosse Kunst, locker serviert.

 

 

Da hier auf dem Blog auch immer wieder  Filme besprochen werden, möchte ich gerne noch den jüngsten von Herrn Almodovar ans Herz legen – „Parallele Mütter“. Wunderbares Alterswerk mit einem Hauch von Hitchcock. Auch psychoanalytisch eine Wonne!

Inselgruss von Dr. Br.

 

 

 

 

The Books spielte ich rauf und runter in den Klanghorizonten. Alle vier Alben. Gut, das vierte nicht mehr so, da war das Pulver weitgehend verschossen, und die beiden vertrugen sich auch nicht mehr gut.  Brian Eno brachte ich nach Berlin mal ihre CD mit dem grünen Cover mit, „Lost And Safe“, und es wurde eines seiner Lieblingsalben der spoken word music. Irgendwie schaffen es The Books, aus einfachen Elementen (found voices, folk guitar, etc.) etwas Berührendes, Skurriles und Tiefgründiges zu machen. Die Tatsache, dass Vokal-Samples hier wieder neu klingen, ist schlichtweg erstaunlich. Die ungewöhnliche Menge an leerem Raum ist Teil des Betriebsgeheimnisses dieser atmenden, lebendigen Musik, und des Sinnlichen im Zerebralen.

(m.e.)

 

 „Die Musik von The Books ist ruhig und zerebral, mit einer Palette von locker zusammengestellten akustischen Instrumenten, gefundenen Klängen und fremdartigen elektronischen Bearbeitungen. Es scheint passend, dass sich The Books während ihres Live-Auftritts hingesetzt haben, so studiert und überlegt wirken sie. Selbst der Altersunterschied (zehn Jahre) zwischen den Bandmitgliedern scheint nicht ins Gewicht zu fallen. Bands tun gut daran, ähnlich auszusehen, als wären sie Teil einer Gang (siehe The Libertines, The Spice Girls, Black Rebel Motorcycle Club und so weiter), aber The Books schienen davon abgekommen zu sein. Auf dem typischen Pressefoto einer Band aus den Nullerjahren sieht man The So-and-so’s zusammengedrängt, grimmig in die Linse blickend, während The Books in verschiedene Richtungen blicken, verschiedene Dinge mit ihren Händen tun, leicht voneinander entfernt, als wäre es ihnen peinlich, zusammen zu sein. Trotz ihrer inhärenten Verstrickungen haben Zammuto und de Jong es geschafft, eines der einzigartigsten Klangformate seit Suicide zu erschaffen – jenem anderen New Yorker Duo mit einem merklichen Altersunterschied, das sich stark auf die Möglichkeiten von Maschinen verlässt und in der Lage ist, einige ernsthafte Atmosphären zu schaffen; wenn die Musik von Suicide jedoch an die späten 70er Jahre erinnert: rot beleuchtete Nachtclubs, Amphetamine und Alkohol, dann erinnern The Books an die frühen Nullerjahre: Tagesfernsehen, Diätpillen und Tee für den flachen Bauch.*“

(Will Ainsley, TheQuietus) 

 

* Und  doch bieten sie Abenteuermusik der besonderen Sorte. (m.e.)


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