Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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v i d e o

 

2020 1 Jul

„Luminous“

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When I was hospitalized last year, for some days, after a heavy allergic response on Castellani‘s powder, I had arranged an interview with Bill Callahan on his album „Shepherd in a sheepskin vest“ – he would record it by himself, and send it to someone from Drag City who would send it to me. So i was sitting in front of the big and slightly intimidating Aachener Klinikum, evening time, and finally, after twenty minutes, I had him on a phone. It was a good talk, I remember his warm baritone voice coming from Austin, Texas. He didn‘t get it right with the technical side, so it had simply not been recorded, and our talk was lost. Never mind, nice divertimento, and an awesome double album. (m.e.)

 

Am letzten Freitag erschien „Homegrown“, Neil Young hatte es damals, Mitte der Siebziger Jahre, weggeschlossen, obwohl seine Firma damit recht glücklich gewesen wäre. All der Kummer, den er da beim Abhören wahrnahm, war ihm zu privat, „too much“. Stattdessen veröffentlichte er anderen, in Passagen todestrunkenen, dunklen Stoff, jenseits aller Hippieseligkeit, der zwar heute zu den grossen Alben seines Lebens zählt, wie „On The Beach“, wie „Tonight’s The Night“, aber damals seine „Harvest“-vernarrte Gemeinde beträchtlich verstörte. Wer sich das anhörte, zu Haschisch, Räucherstäbchen und Patchouli, konnte die Blumen im eigenen Haar schneller welken sehen. Auf „Homegrown“ hören wir nun ganz andere, weltverlorene Zartheiten jener Zeit. Als wäre er damals, als die meisten noch „Harvest“ rauf- und runterspielten,  für immer gestrandet in einem unausweichlichen Moment des gebrochenen Herzens, auf der vergebliche  Suche nach Trost. Er befindet sich mitten in seiner Geschichte, ohne dass eine Auflösung in Sicht ist, was den einen ganz speziellen Ausreißer auf „Homegrown“ sogar faszinierend klingen lässt. „Florida“ ist ein Wortgeflecht, leicht bekiffter Bewusstseinsstrom: Young erzählt entweder einen Traum oder eine Erinnerung an einen Vorfall, bei dem ein Drachenflieger in ein Gebäude stürzt und eine Frau ihn wegen eines gestohlenen Babys konfrontiert, wobei er nur von dem Geräusch begleitet wird, wie jemand mit dem nassen Finger am Rand eines Glases entlang fährt. Der Track bricht abrupt ab. Man bleibt zurück, und versucht, dem Ganzen einen Sinn zu geben – was Youngs konstanter Zustand auf diesem Album  gewesen zu sein scheint. Und jetzt, im Rückblick, ist es doch ein beeindruckendes, ungewöhnlich lebendiges Album – „a breathing thing“, als hätte sich in Gegenwart der Band manche Erstarrung gelöst. (Das rein solistische Pendant, auch erst vor einiger Zeit aufgetaucht, heisst „Hitchhiker“, nicht minder fesselnd, und noch eine Spur intimer.) Und so befindet sich der Hörer in eine Musik, die wie ein Bindeglied erscheint zwischen „Harvest“ und „Comes A Time“.  Und etwas seltsam Tröstliches verströmt, in aller Verlorenheit.

 

(Michael W. und Michael E.) 

 

 

„Manchmal braucht es nur einen einzigen Ton, und schon ist man drin in der Erinnerung, in einem Moment aus längst vergangener Zeit. Man riecht, was man damals gerochen hat, spürt, was man damals gespürt hat, fühlt, was man damals gefühlt hat. Melancholie. Wehmut. Hoffnung? Mit dem ersten Tastenschlag von Owen Palletts neuem Album „Island“ ist man wieder da, in diesem schwülen, verschwitzten Sommer Anfang der Nullerjahre. Es ist später Abend, die Luft schmeckt salzig, über den Bildschirm des großen dunkelgrauen Röhrenfernsehers flimmert Sebastian Schippers „Absolute Giganten“ auf Videokassette. Ein Film über Freundschaft und Verlust, über das Ende der Kindheit auch. Da ist diese Szene, kurz vor Schluss: Frank Gierings Floyd erzählt während der stillen Fahrt im Ford Granada von der ersten Sache, an die er sich erinnern kann. Im Hintergrund läuft Sophias „Reprise / Cresdendo“, und auch das beginnt mit so einem alles entrückenden Tastenschlag. Woran haben wir uns damals wohl erinnert?“

2020 5 Jun

„Out of the Ashes“

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Out of the Ashes: A Benefit Album for Minneapolis is out today exclusively via bandcamp. The album features newly recorded tracks by Steve Tibbetts, Charlie Parr, Paul Metzger and more, compiled by local guitarist Matt Sowell. 100% of the proceeds from this album will benefit two organizations in Minneapolis:

MIGIZI acts as a circle of support that nurtures the development of Native American youth in order to unleash their creativity and dreams. Migizi’s building was destroyed by fire on May 28th. / Association for Black Economic Power is partnering with PIMENTO to provide black businesses without insurance relief after white supremacists set them on fire during the protests.

 

2020 4 Jun

„A Bloody Morning“

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v i d e o

 
 

 

 

https://www.theguardian.com/music/2020/jun/25/bandcamp-music-streaming-ethan-diamond-online-royalties?utm_term=RWRpdG9yaWFsX1NsZWV2ZU5vdGVzLTIwMDYyNg%3D%3D&utm_source=esp&utm_medium=Email&CMP=sleevenotes_email&utm_campaign=SleeveNotes

BERLIN 1945 –  Tagebuch einer Großstadt

 

Musik: Ulrike Haage
 
 

Heute Abend in ARTE um 20.15 Uhr, und hernach in der Mediathek. Oder hier auf den Filmtitel klicken. Diese Filmerzählung zeigt das Jahr 1945 durch Tagebücher und Aufzeichnungen von (internationalen) Zeitzeugen, seltenen Fundstücken und Augenzeugenberichten, aber auch ganz neuem Bildmaterial. Die Geschichte wird neu geschrieben, neu gesehen und neu gehört. „Erzählen auf Augenhöhe, mit dem Horizont der Schreibenden“ (Volker Heise). Auch der Schnitt und die enge Zusammenarbeit mit der musikalisch klanglichen Ebene sind ungewöhnlich und intensiv. Ulrike: „Für mich ist der Film ein geschichtlich wichtiges Kunstwerk, das zutiefst emotional berührt.

 

Ulrike Haage hat jüngst ein faszinierendes Solo-Piano-Album veröffentlicht, „Himmelsbaum“, aus dem ich einige Stücke vorstelle, in den Klanghorizonten am 20. Juni. Sie wird in der Radionacht auch selbst einiges dazu erzählen. Nicht nur in der Abteilung der Neuerscheinungen, auch in der Themenstunde, mit dem Titel „Die etwas andere Klavierstunde“. Natürlich wird dabei Rosato im Hintergrund aktiv sein.  (me)

 
 

Was ist der Name deines Lieblings-Podcasts? Wenn Du derzeit einen Teil des Tages damit verbringst, Coronavirus-bezogene Inhalte zu lesen und zu hören, ist Tiefenentspannung nicht so naheliegend. Etwas rumort, und abschalten ist nicht so leicht. Gib GABA ein – eine seltsame, aber fesselnde Mischung aus Klanglandschaften, gesprochenem Wort und Meditation.

Glücklicherweise gelingt es der Show, dem weit verbreiteten Popular-Kitsch dieser drei Bestandteile zu entkommen. Moderator Adam Martin textet in Richtung einer Erzählung, indem er Szenen und Gefühle poetisch beschreibt, während sich Samples aus Filmen, Nachrichtenaufnahmen, Interviews und alten Liedern ein- und ausschlängeln. Es ist nicht immer so beruhigend, aber GABA wird dich in seine Welt entführen, wo auch immer Du liegst oder sitzt (in meinem Fall ist es gerade ein Strandkorb am roten Kliff, ein idealer Ort für Meditatives, wenn alles konventionelle Strandleben erloschen ist. Heute wird allerdings der erste Schritt „back to normal“ geprobt, die Zweitwohnungsbesitzer dürfen zurück in ihre Behausungen.)

Es ist eine Meditation für Menschen, die es nicht mögen, wenn man ihnen sagt, dass sie ihren „glücklichen Ort“ besuchen sollen, oder wenn sie die Art von Hintergrundmusik hören, die Sie in Ihrem örtlichen Heilbad erwarten würden. Es gibt viele Episoden, die man sich kostenfrei anhören kann,  und es gibt kein Flüstern von Panflöten. Meine Journalistenkollegin Madeleine Finlay beklagt allein „eine ernsthafte Überbeanspruchung des Vogelgesangs – obwohl das vielleicht von außerhalb meiner Kopfhörer kommt.“ Damit habe ich als Hobbyornithologe auf Sylt gar keine Probleme, und werde mich heute eine Weile im „Sylter Urwald“, der Vogelkoje bei Kampen, umtun.

Wenn ich ein kleines Problem habe, mit diesen hervorragend produzierten Collagen, ist es, neben dem leicht beknackten Bilderlogo, der spirituelle „vibe“, die Neigung, kleine, positive Affirmationen zum Ich, zum Leben, zur Annahme von allen Yin und Yangs unserer Existenz einzubinden. Auf der anderen Seite ist dieser dezent kalifornische New Age-Faktor auch nicht weiter wild, weil man ihn in dezent holistische Privatphilosophien verwandeln kann – die hochinteressante Fusion diverser Texttypen ist herrlich trancefördernd und, spät abends, „Baldrian for the soul“. Zudem sind die Soundtracks der Episoden durchdacht, und Horizonte öffnend. Die Autoren nennen ihre besinnlichen Trips „next generation meditation that unfolds like a beautiful dream.“ 

 

geschrieben & remixt von M.F. und M.E. 


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