Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Wie immer, gibt es auch heute mehr als einen Blumenstrauss zu gewinnen, nämlich die neue, vielgerühmte, und beeindruckende CD von Alice Coltrane, das später im Herbst erscheinende Soloalbum von Damon Albarn, und die kommende neue Arbeit von und mit Brian Eno. Ob das Eno-Teil 2021 oder erst im folgenden  Jahr  erscheinen wird, ist unklar. Der Gewinner dieses Musikrätsels erhält also sage und schreibe dreimal Post. Hier die vier Fragen. Alle vier müssen richtig beantwortet werden, der Rechtsweg ist eingeschlossen. Sollte innerhalb der kommenden Tage bis zum 7. August, 21.00 Uhr abends, kein Quizfuchs (keine Quizfüchsin) das Rennen  machen, wird der zum Sieger erklärt, der drei der vier Fragen als erster richtig beantwortet. Details im ersten Kommentar. Natürlich dürfen auch alle Manafonisten teilnehmen. 

 
 

1) Die Kinder von Künstlern der Rock- und Pophistorie haben das Leben ihrer berühmten Mütter oder Väter oft hautnah miterlebt, inclusive mancher Schattenseiten. Seit der zweiten Hälfe des 19. Jahrhunderts hat sich ein Name eingebürgert für etwas, das unserem alten Sofa sehr nahekommt. Es gilt als Sitz- und Liegemöbel für eine Person. Nun ist eine Lebensgeschichte in Buchform erschienen, die genauso heisst wie dieses Mobiliar, geschrieben von einem dieser Künstlersöhne, der später selbst Songschreiber wurden. Wie heisst das Buch, und wie der Künstler, der tatsächlich eine sehr bewegende Geschichte zu erzählen hat? 

 

2) Wie heisst der Musiker, dessen Album aus den Veröffentlichungs-Zeitraum 2020 und 2021, neben Eigenkompositionen auch drei Fremdkompositionen enthält, und zwar – was für eine Kombination – von Johann Sebastian Bach, The Doors, und Carla Bley? 

 

3) In der deutschen Jazzgeschichte gibt es eine witzige Ankedote. Auf einem Konzert, besonderen Umständen geschuldet, erhielt die Gruppe von Gary Burton den längsten Applaus seit Beginn der Konzertberichterstattung. Und wir reden hier nicht von zehn Minuten. Wo ereignete sich dieser Vorfall?

 

4) An einen kühlen Oktoberabend im Jahr 1974 führte die Polizei eine Razzia im Carib Club am Cricklewood Broadway durch, wo der Künstler, um den es  hier geht, mit seinem Sufferer’s HiFi Soundsystem auftrat. Die Gemüter erhitzten sich, es kam zu einer Schlägerei – die nichts mit unserem fraglichen Reggaemann zu tun hatte – aber am nächsten Tag wurde er wegen Anstiftung zu einer Schlägerei angeklagt. Am Ende verbrachte er sechs Monate einer dreijährigen Haftstrafe in Wormwood Scrubs, bevor seine Verurteilung aufgehoben wurde. Ein Beispiel für den widerlichen Rassismus, der im England der 60er und 70er Jahre gang an der Tagesordnung war, und an den der Regisseur Steve McQueen in seiner grossartigen Reihe „Small Axe“ mit fünf Spielfilmen erinnert. Um wen handelt es sich in dieser wahren Geschichte?

 

2021 30 Jul

Lizard Suit

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Mach dir die Mühe, die Straßennamen richtig auszusprechen
Die Leute mögen es, wenn du Respekt zeigst
Schau aus dem Fenster auf den weich werdenden Asphalt
Das verträumte Schimmern des Dunst-Effekts

Trag meinen Eidechsenanzug auf der Party
Es ist so schwer, in dieser Stadt bemerkt zu werden

Fast unsichtbar in der Bahn
So viele Leute, die man einfach nicht lesen kann
Trödel, wenn ich die Endstation erreiche
Rühr dich nicht, bis die Menschenmassen sich verziehen

Trag meinen Eidechsenanzug auf der Party
Es ist so schwer, in dieser Stadt aufzufallen

Warte auf mein Stichwort
Suche nach einem Anhaltspunkt
Ich muss darauf vertrauen, dass mein Kompass treu bleibt

Lass meine Phobien meine Gewohnheiten kontrollieren
Lass meine Gewohnheiten die Formen der Tage formen
Manchmal ganz allein oben auf dem Dach
Zwischen den Leuchtfeuern, wo die Blitze spielen

Ich trage meinen Eidechsenanzug auf der Party
Es ist so schwer, in dieser Stadt bemerkt zu werden

 

2021 28 Jul

To The Headless Horsemen

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Früh aufbrechen, weiß jeder erfahrene Reiter
Halte ein gleichmäßiges Tempo, steady as she goes
Auf dem Weg zurück in die Stadt nach mehreren Nächten weit fort
Ich ritt heute auf der Straße wieder an dir vorbei

Sanfte Schatten im Nebel zwischen den Bäumen
Wer wacht auf und ist bereit, solche Anblicke zu ertragen?
Gott beschütze den Kopfgeldjäger, der Gnade mit seiner Beute hat
Ich bin heute wieder auf der Straße an dir vorbeigeritten

Und als du dich nähertest, konnte ich die Bedrohung spüren
Aber ein Fremder ist nur ein Freund, der seine Geheimnisse noch nicht geteilt hat

Schlagt das Lager bei Sonnenuntergang auf, das Wachfeuer brennt hell
Lieder blühen in der Dunkelheit und pochen in der Nacht
Ich suche das Tor der Weisheit, den geheimen Zustand des Spiels
Ich ritt heute wieder auf der Straße an dir vorbei

Steh auf, ruhelos, mach dich bereit für das Wasserwerk
Meide die hohlen Orte, wo mein Schütze lauert
Einer von uns wird müde und einer wird aufstehen und wegreiten
Ich bin heute wieder auf der Straße an dir vorbeigeritten

 

 


This photo represents the past, September 2020, and here’s the near future, the program of 2021, if you haven’t got it already:

 

punktfestival.no/program

 

Apart from possibly great concerts, you can meet the duo Giese & Engelbrecht who are (most of the time) extremely funny and can laugh you under table, bets on! We will stay at Hotel Norge and regularly be at Mother India, Norway‘s best Indian restaurant, and hope to share some company.  If you are fully vaccinated and have the EU vaccination certificate, the rules of today are full rock’n’roll:

 

«People who are fully vaccinated or who have recovered from COVID-19 in the past 6 months, and who can document this with a verifiable COVID-19 certificate that is connected to the EUDCC gateway, will be able to enter Norway freely, regardless of which country they are travelling from. These people are exempt from the duty to quarantine, testing prior to arrival, testing at the border, and the requirement of entry registration.»

 

 

 

Ich erinnere mich noch an eine down beat-Rezension von „The Royal Scam“, bei welcher der Kritiker erst mal klarmachte, dass diese Musik, im Vergleich zur archaischen Songwelt eines Neil Young, auf den ersten Eindruck eher nach neunmalklugen College-Kids klingt, aber dann doch einige ihrer Betriebsgeheimnisse enthüllte und vier Sterne parat hielt.

Und nun das in der New York Times, ein exzellener Essay von Derek Robertson, aus der Perspektive von 2021: ein Trip in die Welt dieser Meister des doppelten Bodens und Gentleman-„Repackager“ – denn das genau waren sie, und einmal stahlen sie so unverschämt aus der Keith Jarrett-Platte „Belonging“, dass ECM einen kurzen Prozess in allen Belangen gewann. Manchmal ist Thomas Crown eben doch zu fassen! Und – die scharfsinnige wie lustvolle Analyse von „Deacon Blues“ sorgte fast schon zu einer sicheren Buchung des Songs in meiner letzten Radio-Show im Dezember.

Würde mich nicht wundern, wenn in der finalen Folge der finalen Staffel von „Bosch“ ein jazzgetränkter Song der Zwei seine einsamen Runden durch ein nächtliches Los Angeles dreht. Nebenbei bemerkt, ist das Duo auch eine konstante Quelle cooler Bonmots, hier eins von Walter Becker: „That‘s sort of what we wanted to do: conquer from the margins, sort of find our place in the middle based on the fact that we were creatures of the margin and of alienation.“

 

 

Liebe Manafonisten!

 

Lasst uns etwas nostalgisch werden. Monate ohne Regen und die luftlosen Tage und Nächte mögen an der Algarve oder in Südfrankreich nichts Außergewöhnliches gewesen sein, aber in Großbritannien waren sie ohne Beispiel. Der Sommer 1976 gilt bis heute als Maßstab für lange, heiße Sommer. Das war bei euch für Jahrzehnte genauso, und Jo, du dürfest dich sicher an den „hot summer of 76“ erinnern. Auch Lajla, Jan, Rosato (lustiger Name!), oder Michael. Für einige von uns waren es wilde Jahre. Seitdem gab es zwar noch weitere Hitzeperioden, aber kaum eine schien so unbarmherzig und entnervend zu sein. England  schmolz zu einer kollektiven Pfütze zusammen.

 

Das Album „76 In The Shade“ war damals wahrscheinlich für niemanden der richtige Soundtrack des Jahres, der auch Bowies „Station To Station“ und Abbas „Greatest Hits“ hätte enthalten können. Stattdessen hat Bob Stanley von Saint Etienne eine Compilation zusammengestellt, die klanglich den Sommer von 1976 selbst heraufbeschwört, seine süße Hitze und fast narkotische Lethargie.

 

Wer aus der Sonne kam, saß vielleicht drinnen mit eingeschaltetem Radio und hörte die verträumte Trägheit von „You Are My Love“ von Liverpool Express, „I’m Mandy Fly Me“ von 10cc oder die Emotions Flowers.

 

Oder hat sich vor den Fernseher gelegt und einen alternativen Sommer-Soundtrack gehört. Die Musikbibliotheken haben uns Simon Parks minimalistisches „Stoned Out“ und John Camerons tief eindringliches „Liquid Sunshine“ beschert; der kalifornische Jazzer Spike Janson lieferte die wortlosen Gesangsharmonien von „Walking So Free“.

 

„76 In The Shade“ erinnert an strahlend gelben Sonnenschein, heiße Plastikautositze und Katzen, die sich auf dem Rasen räkeln. Ein paar Tracks (Smokey Robinson, Cliff Richard, David Ruffin, Carmen McRae) wirken wie notwendige Spritzer kühlenden Wassers; die meisten klingen so, als wäre es einfach zu heiß, um sich zu bewegen. Zum Glück muss man das auch nicht. Erhältlich auf CD und einer 2LP 180g-Pressung. Der ultimaltive Sommersong stammt ja bekanntlich von The Lovin‘ Spoonful, aber das war runde zehn Jahre vor 1976. Damals gab es übrigens auch eine Band, die „Family“ hiess – ich war sehr erfreut, Michael ziemlich fassungslos zu erleben, als ich ihm eine neue Platte von Chappo, also von Roger Chapman schickte – Micha dachte, er sei schon lange tot. Von wegen, er ist 79, und hat eine tolle Scheibe gemacht. Und er kann sich ganz sicher an den Sommer 76 erinnern!

 

Herzlich grüsst David Webster! 

 

• Spirit: not only in the forest but in the carwash, too. Exotic culture forms highlight pop culture forms and vice-versa …

“…and the end of all our exploring will be to arrive where we started and know the place for the first time.”—T.S. Eliot

• Expanding sonic menu made possible by continuing inquiry into what’s the baby and what’s the bathwater, i.e., relationship of surface features (recognizable to most) to structural sophistication (recognizable by few).

“…to change our way of reading (listening), to be attuned simultaneously to flashing surfaces and structural intricacies … both televisual and poetic, and to alter consciousness toward a future mode of perception.”—Mark Edmundson

• Spontaneous combustion of rap, hip-hop as urban folkloric forms. “Folkloric” in the sense that it arises out of sentiments and materials at hand.

• Compare African tribal style: dance, poetic storytelling (in-jokes, ironic boasting mixed with traditional wisdom), local instruments. Hip-hop style: same, except that local instruments are not skin and wood but samplers and turntables and drum machines with TV tempos.

• Funny idea: that parts of CITY are like “classical” hip-hop … What rappers might tune into as an exotic extension of their vocabulary.

• Desire to reinvent, redefine possibilities of Fourth World … To poke air holes in the enclosing bubble of the inevitable banalization and orthodoxy of the “World Music” idea.

• Nigerian writer Ben Okri’s “Brave New Africa” images: City of Red Dust… bizarre ailments… conmen selling Power Drug … A continent dreamed up by Bosch and Borges.

• The polyglot L.A. of the near future in Ridley Scott’s Blade Runner.

• Jean Baudrillard: America as “the primitive society of the future.”

• Italo Calvino’s Invisible Cities: A poetic fantasy conjugation (past, present, future) of “city”. “And from the mixture of those two cities a third emerged, which might be called San Francisco … and which might blossom as capital of the Pacific a millennium hence, after the long siege of three hundred years that would lead the races of the yellow and the black and the red to fuse with the surviving descendants of the whites in an empire more vast than the Great Khan’s.”

• Fellini’s “Reggiolo”: a custom designed film town …It could be Bombay, Beirut, Brasilia.”

• Surrealists’ idea: “Odd things meet in full light.” (Or: ordinary things in odd light?) “Surrealist music”.

• Rushdie’s image of a tropicalized London: “… institution of a national siesta… vivid and expansive patterns of behaviour among the populace, higher-quality popular music, new birds in the trees… improved street life, outrageously colored flowers (magenta, vermilion, neon green), spider monkeys in the oaks… hotwater bottles banished forever, replaced in the foetid nights by the making of slow and odorous love… friends dropping in on one another without making appointments, closure of old folks’ homes, emphasis on the extended family …”

 

jon hassell

 

 

Ich springe aus meiner Haut
dieser winzige Sektor kann mich nicht fassen
blitzschnell einen Anzug anziehen
schlüpfe mutig in Symbole, mutig
gehe dorthin, wo ich nicht erwünscht bin
stehe, wo das Licht hart trifft
fast ausgewachsen
fahre allein nach Hause und lausche den langsamen Teilen

 

in einem neuen Universum
versuche, die Maske zu finden, die mir passt
den Fluch abschütteln
mich so zu verhalten, wie die Leuchtfeuer es mir befehlen
Denim und Leder
Silberne Riemen, um die Eingefleischten zu erfreuen
Lass mich tanzen, bis ich sterbe
dreh die Lautstärke hoch und
hör dir die langsamen Teile an

 

Außerirdische Schiffe aus uralten Welten
alterslose Kapitäne an ihren Steuerrädern
Wut aus dem Meer –
lass es mit mir beginnen

 

die Halbwertszeit meiner Gifte:
schwer zu berechnen
Vorrat an Mull für Unfälle
Versuche, meine Geschichte aufrechtzuerhalten
Dutzende wie ich
nie ganz frei, füllen unsere Tanzkarten aus
markiere meine Zeit an der Wand
antworte auf den Ruf und höre auf die langsamen Teile

 

 

Michael: John, schön, dass du dir in den schottischen Highlands Zeit nimmst für dieses kleine Zoom-Gespräch über das Album von Robert Ashley. Wir haben uns vor einiger Zeit schon über meine Nacht in einem Haus gegenüber von den Orkney-Inseln unterhalten, und wie ich da eine alte Schallplatte von Louis Armstrong ganz anders wahrnahm als in meiner vertrauten Umgebung. Nie war mir Armstrongs Musik so nah. Ausser vielleicht, als ich zwei Monate in Julio Cortazars Roman „Rayuela“ lebte.

 

John: Manchmal gewinnt dieselbe Musik an Zauber, wenn man sie an einem seltsamen Ort hört. Vielleicht landest du an einem anderen Ort, wenn die Musik  in einem leeren Raum gespielt wird. Wie sich das Leben ringsum entfaltet, beeinflusst das Hörerlebnis.

 

Michael: Private Parts ist ein Album, das wie eine andere Realität direkt neben unserer zu existieren scheint.

 

John: Innerhalb der ersten paar Sekunden hat Ashley dich in seine Welt des Audio-Klettverschlusses gesaugt. Worte, Phrasen, Klänge und Ideen saugen dich in einen bizarren hyperdimensionalen Trip. kasshummm, kasshumm…

 

Michael: Hahaha. Wenn ich das so sagen würde im Radio, müsste ich wahrscheinlich hinterher an der Pforte eine Haarprobe abgeben…

 

John: Aber es ist doch ein Trip, Michael. Ein Film ohne Verfolgungsjagden oder Explosionen. Es ist ein Film, in dem die Kamera auf der Türklinke oder der bei der flatternden Wäscheleine vor der Tür verweilt. Eine eingerahmte Seltsamkeit von seltsam normaler Alltäglichkeit.

 

Michael: Und die Musik liefert zu all dem einen fantastischen Soundtrack. Ich habe vor meiner Radionacht am 19. Juni Martina Weber gebeten, einen kleinen Text zu dem Album zu schreiben – es wird die komplette Seite 1 der neuen Vinylausgabe gespielt – und sie spricht von einer faszinierenden Leere der Komposition Da dachte ich mir: ja, wie kann etwas so leer sein, und gleichzeitig so überfliessend? Ich kenne diesen „overload“ aus meiner Arbeit in Hypnosetherapien: du „fütterst“ das Bewusste deines Klienten mit unendlich vielen Details, und einer ruhigen Stimme – dann ist eine Trance unausweichlich, und das Unbewusste pickt sich nur noch die Dinge raus, die es braucht, um Wege aus einer Einengung zu finden. Die Widerstände lösen sich auf, im Englischen, pardon, Schottischen, spricht man von einem „hyper-receptive mood“.  Musik ist hier bei Ashley Teil des Zaubers.

 

John:  Trotz der minimalen Instrumentierung wandeln sich die Keyboards von Tyranny von beinahe  sentimentalen Klavierglissandi zu bizarren Synthesizern und mittelalterlichem Cembalo-Sound: und das zeigt Wirkung, auf die Art, wie wir das Stück hören. Worte und Phrasen können sanft vergrößert werden. Einfühlsames Spiel, Zufall oder strenge Komposition – wer weiss? Die Tabla verleiht dem Werk einen traumhaften psychedelischen Hauch…

 

Michael: Ja, Worte, Wortbilder werde sanft vergössert. Ich habe eine Idee zu dem Zaubertrick von Blue Gene Tyranny.* Aber das erzähle ich in der Nacht. Nach Martinas Text und  nach der Musik. Übrigens, das ist eine love it or hate it-Erfahrung. Entweder man findet The Park totlangweilig …

 

 

John: …  oder es hört einfach nicht auf, mysteriös zu sein. Private Parts ist ganz einfach ein besonderes klangliches Ereignis, eine Feier der Tiefe menschlicher Erfahrung. Ein organischer Spiegel. Ein Beweis für das unermesslich vielschichtige mentale Engagement, mit dem wir jeden Moment erleben und gestalten.

 

Michael:  Ich würde gerne einen Essay von einem Neurowissenschaftler wie David Eagleman über das Album lesen. Denn die beiden Stücke spielen mit unseren Myriaden von Optionen in jedem einzelnen Moment – deshalb kann dem zufälligsten Gedanken auf einmal besonderes Gewicht zufallen, wie ein Schlüssel zu etwas Unbekanntem. 

 

John: Weisst du, Michael, woran ich denke, wenn ich das Cover sehe, nachdem ich nun zahllose Male in dem Album versunken war. Ich denke an die Sonne, als wäre die Musik auch eine Feier des grundlegenden Grundes für das Leben überhaupt – die Sonne.

 

Michael: We‘re all mysterious travelers, John. Ich werde nachher mal „Nubian Sundance“ von Weather Report auflegen. Ach, zum Schluss, typische Journalistenfrage: welches neue Album hat dich in den letzten Wochen besonders begeistert?

 

John: ich nenne zwei. Also, erstmal „Showtunes“ von Lambchop. Vielen Dank für deine englischen Texte zum Album. Es ist vollkommen einzigartig, und das sage ich, obwohl ich wie du ein alter Lambchop-Fan bin. Irgendwann wird es ein Klassiker sein. Und dann Arooj Aftab, ihr Album Vulture Prince.  Dem Werk liegt (Gelächter) ein Parfum bei, ich spasse nicht.  Während sie an dem Album schrieb, starb ihr Bruder, und sie hat in ihrer Trauer fast alle Trommeln aus der Musik entfernt. Ergreifend. Ihr gelingt Erstaunliches, wenn sie alte pakistanische Sphären in einen neuen Kontext einbaut. Was bei vielen zur Verwässerung führt, wird so noch bezwingender!

 

Michael: Danke für das Gespräch. Und danke für deine Unterstützung, dass meine Kurzgeschichte „Breaking and entering on the day David Bowie died“ in einer schottischen Zeitschrift abgedruckt wird!

 

* According to Kyle Gann in the Village Voice, Tyranny had „Cecil Taylor’s keyboard energy, [and] Morton Feldman’s ear. The most original aspect of [his] works is the way they create continuity: they’re tonal, yet rigorously asymmetrical. They satisfy the ear without letting it take anything for granted. They evolve…with the labyrinthine irreversibility of deep psychic forces.“ (Wikipedia)


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