Manafonistas

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Archives: Donnerstag, 16. April 2020

 

… Mats Hummels über die Zeit nach der Krise: „In Dortmund gehe ich immer ins gleiche Café. Da gehe ich dann sofort hin. Ich glaube, ich gehe bei Wiedereröffnung rein, frühstücke, bleibe über Mittag da, Nachmittags Kaffee und Kuchen, und ich gehe erst wieder, wenn die mich rauswerfen – keine Sekunde früher.“

 

2020 16 Apr.

Slow Blues in G#

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„Ich bin eine Nuance.“

(Nietzsche)

 

Wir hatten uns nach langer Winterpause an unserer Tischtennisplatte im Park verabredet. Ein rotweisses Absperrband und aufgestellte Gitterzäune verriegelten den Zugang. Tischtennis spielen hält in Coronazeiten allen Abstandsregeln stand. Als die Sicherheitspatrouille an uns vorbeiging, sagte er: „Komm, lass gehen.“ „Wohin?“ „Zu mir.“ “ Willst du etwa Gitarre für mich spielen?“ (Sie dachte an die Stelle in Minima Moralia, wo Adorno das süße Mädchen aus Schnitzler’s „Reigen“ beschreibt: – geh, willst nicht Klavier spielen … – , wie es „archaische Frigidität bekundet“ und wo er die Angst des weiblichen Tiers! vor der Begattung erwähnt.)

Standhaft und jenseits der „Wollust ward dem Wurm gegeben“, folgte sie ihm amüsiert auf sein Zimmer. Er nahm gezielt die Gitarre von der Wand, fragte kurz, weisst du was ein G chord ist und fing an zu spielen. Er sang auch dazu. Sie schnappte einzelne Wörter auf, wie „that’s all right“ und „when your biscuit roller gone“.“ Wie heißt der Song?“ „Das ist ein Blues von Sam Chatmon, einem Gitarristen aus dem Mississippi Delta.“ Er spielte noch ein Stück, murmelte, I love his grip on the F chord.

„Klingt schön“, sagte sie, „wie Winchestergunmusic.“ „Weisst du, Musik ist Zerstreuung, ist Ablenkung für diejenigen, die fälschlich glauben, man lebe mit dem Tod (J. Offenbach). Bob Dylan hat sich mit Sam Chatmon’s Blues zerstreut, Grateful Dead haben ihn gern gecovered. Irgendwie fühle auch ich mich dem Chatmon Clan zugehörig. Es ist so, als ob Sam täglich mit mir an der Gitarre übt.“

Sie wollte sich an ihn lehnen. Die Gitarre versperrte ihr den Zugang, so wie das rotweisse Band im Park. Sie stand auf und ging bis zur Tür. Dort drehte sie sich um, hob kurz die rechte Hand und sagte: „Stay tuned.“

 

2020 16 Apr.

Das Schwarz von Keiji Haino

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Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Fans von Metal oft sehr liebenswerte gemütliche Menschen sind. Aber Metal ist nicht gemütlich. Es mag seine Rituale und Formeln haben, aber alle Zeiten wieder bricht etwas Neues durch. Das Schwarz von Keiji Haino zum Beispiel. Oder das, was geschah, als Scott Walker auf Sunn O))) traf. Oder damals, die eine Platte von Black Sabbath, zu der John Darnielle ein ganzes Buch schrieb. Nun rückt uns das Unheimliche in anderer Form auf den vergänglichen Leib, und überraschend schnell entwickeln sich ways of life rund um Covid 19 herum. Natürlich auch ways of dying. Es kann jeden von uns erwischen, auch die Jüngeren. Tröstlich ist wenig.

Einige von uns erinnern sich, es gab hier mal parallele Leseabenteuer. Jetzt könnte es wieder passieren. Wenn sich zwei Leser auf ein Buch einigen, entsteht sofort eine Parallelwelt. Die gleichen Bilder und Worte setzen ganz andere Vorstellungen in Gang. Jetzt hat Matthes & Seitz ein Buch von Eugene Thacker veröffentlicht, das schon ein paar Jahre auf dem Rücken hat, aber nun gewiss eine neue kleine Leserschar antreffen wird. „Im Staub des Planeten. Horror der Philosophie“. Die Fratze des Aussterbens der Menschheit erscheint am Horizont. Genug irrsinnige Präsidenten gibt es schon. Wie lässt sich vor diesen realen Katastrophen, die ganze Selbst- und Weltverständnisse bröckeln lassen, die eigene Wahrnehmung neu sortieren?

Eugene Thacker lässt sich treiben durch diverse Horrorwelten, sein Verstand bleibt messerscharf, sein Plädoyer für eine neue Mystik tollkühn. Literatur, Filme, Comics und Musik rücken in den Fokus, welche  die Verstehbarkeit an Grenzen treiben. Im Klappentext heisst das so: „Für ihn ist Philosophie keine akademische Logikübung, stattdessen integriert er Okkultismus, Dämonologie und Mystik, und zeigt nebenbei, dass Horror viel mehr ist als prickelndes Gruseln und Kunstblut.“ Aber das, sehr verehrte Damen und Herren, ist Ihnen ja wohl mittlerweile auch klar! Sind Sie bereit? Es könnte alles beginnen, in dem Sie erst einmal die beiden letzten Platten von Sunn O))) auflegen. Wieso kann diese Musik, die so urzeitlich, schroff und erratisch daherkommt, so erhebend und erhaben wirken?!

 


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