Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: März 2020

2020 31 Mrz

For example 1977

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Today I stumbled upon one of those countless little essays on what to do while being in not so splendid isolation. That one was  more interesting in the way it emphasized changing modes of perception when suddenly being offered so much free time. The writer once was on a boat trip when giving the four cd‘s of „The Complete Village Vanguard Recordings 1961“ a headphone treatment. It all sounded for him a bit samey. Great Coltrane jazz, but slightly overdosed. Now being at home, and not on a luxurious trip on the open sea, he gave it a second try, and was thrilled in every possible way. He finally experienced the changing moods of same titles, the development within the compositions, and could tune in much better. That old stuff became a kind of revelation from start to end, three evenings long.

Everybody who fell in love with Keith Jarrett in the 70‘s, may remember the excitement  with which we expected nearly each of his albums. The ten-lp-collection of the „Sun Bear Concerts“ was the ultimate drug, five live concerts recorded within a short span of time in Japan. I have no doubts that even in our era that likes to complain that „thinking in albums“ is more and more replaced by „thinking in files“, one can simply prove this notion at least temporarily wrong by diving into a well-chosen „big box“. A treasure grove. A special landscape. Never mind if it is Coltrane or Jarrett – or even a whole year far, far away in the past. For example, go to 1977 by using the time capsule of your choice – and listen to all the ECM albums of that year, no matter in which order. Discoveries will be plenty, and if you do so, you will sooner or later encounter Jan Garbarek‘s „Dis“, and though I might be wrong, I assume this photo is taken from that session (young Garbarek, young Eicher). Sounds strange and even a bit funny to say, but if you like the mood of the picture, you‘ll probably like the record. Did they do the mix at night time?

 

2020 31 Mrz

japanisches schmuckstück

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i like japanese lyrics
 
 

 
 
there is nothing to understand

 

2020 30 Mrz

The Highwomen

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Es steht nicht besonders gut um die Deutsch Amerikanische Freundschaft und längst ist nicht „Alles ist gut“. Über die Ratinger Straße flanieren längst keine Herren in schönen Uniformen mehr. Die ehemalige Punkavenue ist so tot Gabi Delgado.

Ebenso ist eine warme, mir vertraute Stimme für immer weg, die von Kenny Rogers. Das Leben geht weiter, ein Lasso hat eine neue Countryband eingefangen. Vier Musikerinnen sind seit 2019 unterwegs in der amerikanischen Prärie. Sie nennen sich „The Highwomen“. Wer sich gerne mit unterschiedlichen Frauentypen beschäftigt, hat mit den Highwomen eine anschauliche Vorlage.
 
 

 
 
Unterschiedlicher als die Vier kann man kaum sein.Sie tragen Vintage oder feinstes Designertuch, machen auf Barbie oder Diana Keaton. Sie treten noch etwas ungelenk ins Rampenlicht und treffen längst nicht immer den richtigen Ton.Man ist versucht, John Lennon recht zu geben: „Frauen werden nie auf einer Beatles Platte singen“. Nun, sie singen allemal besser als Yoko. Brandi Carlile ist ein Glück für die formidablen Vier, sie zieht den musikalischen Karren. Textlich sind sie sehr stark. Ihre Lyrics sind Weckamine, nicht nur wegen ihren outings (Brandi ist Lesbe).

Auf dem  gleichnamigen Album „The Highwomen“ singen die Musikerinnen gegen die vorwiegend männlichen Countrysänger an, verehren diese aber gleichwohl. Sie erzählen über das Unrecht der Frauen in der Welt und haben einen anderen Impetus als die metoo-Bewegung.
 
 

„We are the Highwomen, singing stories still untold, we carry the sons you can only hold, we are the daughters of the silent generations …“

 
 
Diese Frauen wollen Supercountrysängerinnen sein, so wie Lucinda Williams, die es als Solofrontfrau alleine versucht mit ihren musikalischen „Desperados“ im Hintergrund. Auch Dolly Parton versucht, den Weg ohne „graue Eminenz“. Sie ist wirklich eine hochbegabte Countrysängerin und hat mit ihrer gewaltigen Mähne und ihrem Frauenbusenwunder erhebliche PR Vorteile gegenüber Lucinda, die sich unvorteilhaft in ihre schwarzen Ledersachen zwängt. Ich bin Fan von Beiden. Ich mag die bleischwere Stimme von Lucinda sehr. Die ansteckende Fröhlichkeit von Dolly ist wunderbar.

Cheers to these Countryladies and say welcome to The Highwomen in the Americana world.

Der Pool war abgesperrt, das Meer sowieso, da bekam ich die Nachricht, die nächsten Klanghorizonte müssten flugs vorproduziert werden. Da herrschte schon Ausnahmezustand auf Lanzarote, und es gab kaum eine Chance, die Hotelanlage zu verlassen, ausser zum Supermarkt zu gehen. Die Insel hatte zu dem Zeitpunkt anders als Tenneriffa nur fünf Meldungen von Infizierten, und doch machte sich eine unheimliche Stimmung breit. Ständig ging ein frischer Wind, und wenn die Sonne mal ein Loch in die Wolken brannte, knallte es von oben. Gespenstische Stimmung wurde mit small talk überbrückt. Aber alle Regeln der Distanz brachen am Flughafen, und es war eine Leistung, einen halbwegs sicheren Abstand herzustellen. Riesenschlangen, Tunnelblicke, und einige Idioten, die das mit dem Husten in die Armbeuge nicht mitbekommen hatten. Zwischendurch Notizen für die Klanghorizonte vom 18. April, und kurz vorm Abflug meinte der Nachbar, da würde sich hinter uns wohl wieder ein Sandsturm zusammenbrauen. Seltsam sandfarben sah das schon in Wolkenhöhe aus. Nichts wie weg.

 

Daheim dann gleich in den nächsten Ausnahmezustand. Es ist einfach gut, sich möglichst wenig von Panik anstecken zu lassen –  gute Schutzmasken waren immerhin da (vor zwei Jahren besorgt, als von dem nahen belgischen Atomkraftwerk nur Unerfreuliches zu hören war). Schnell lag eine Bescheingung der „Unabkömmlichkeit“ im Briefkasten, um meine Anfahrten zum Kölner Sender zu sichern.  Und so entstanden vorgestern und vorvorgestern die Vorproduktionen von fünf Stunden für die Radionacht am 18. April. Maske auf, Maske ab, Maske auf, das leere „Ministerium für Genauigkeit und Seele“ im siebzehnten Stock, Desinfektionsmittel, zwei sehr gute Tontechniker – und so nahm eine Nacht Gestalt an aus einer ungewissen Zukunft, von der nur zu hoffen ist, dass der „peak“ der Infektionen bald erreicht sein wird, eine Art von „Normalisierung“ stattfindet, „Geisterspiele“ im Fussball „social life“ simulieren, keine Freunde an Atmungsmaschinen hängen oder sterben, und man selber auch davonkommt, aber wer weiss das schon!?

 

Da hatte die Abteilung der Zeitreisen in den „Klanghorizonten“ schon etwas Nostalgisches, allem Abschiednehmen zum Trotz. Jon Christensen, McCoy Tyner –  Erinnerungen auch an Arthur Russell und daran, dass es schon bald fünfzig Jahre her ist, dass ich an einem Samstagmorgen den Toast röstete, die Marmelade und den Honig mit in mein Zimmer schleppte, und eine Platte wieder und wieder auflegte, die mein junges Herz verzauberte, und ein Leben lang nur einen Handgriff entfernt war, Bo Hanssons „Lord of the Rings“. Zuletzt hatte mich die Musik des Schweden in ihren Bann gezogen, als ich in der Woche nach dem Tod von David Bowie mit einem Land Rover durch die North Western Highlands fuhr. Nach grossen Überschwemmungen alles menschenleer. Einmal stellte ich den Wagen an einer Klippe ab, liess die Wagentür offen, und blickte endlos lang zu den Orkney-Inseln herüber. Aus dem Auto ertönte diese andere schwebende Welt, und ich hatte keine Ahnung  ob ich nicht ziemlich genau in der Gegend war, in der Mr. Tolkien seine Hobbits auf Abenteuerreise geschickt hatte. Eingepackt in einen dicken Mantel, ging der Blick übers Wasser, und ich rührte mich, zum Heulen schön war das alles, lange nicht vom Fleck.

2020 26 Mrz

A local ETHNA outburst

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Seit über 60 Jahren ist der Jazzkeller in Hofheim Brennpunkt und Schnittstelle alternativer und anarchistischer Gegenkultur im sonst eher kleinbürgerlichen Vorstadtmilieu. Von hier aus wurde viele Jahre lang das Hofheimer Jazzfestival organisiert, zu dem fast alle Größen des Jazz früher oder später einmal die in den besten Zeiten völlig überfüllte Stadthalle beehrten. Früher in einem alten Gewölbekeller mit einem metertief mit Bier getränkten Lehmboden und zwei winzigen Fenstern wurde er 1991 in einen Lagerkeller am Bahnhof verlegt, was völlig neue technische Möglichkeiten eröffnete. Wie viele wunderbar psychedelische Abende ich dort seit Teeniezeiten verbracht habe vermag ich heute nicht mehr zu sagen, auch weil viele davon dazu beitrugen, wodurch auch immer assistiert, tief in die Gegenwart einzutauchen und mir kaum Gelegenheit ließen sie in ihrer Fülle in meinem Gedächtnis überhaupt abspeichern zu können.

 

 

 

 

Neulich treffe ich beim Einkaufen Thomas Zöller, der hier vor Jahren die Dudelsackakademie gegründet hat, der mir von einem neuen Projekt erzählte. Fusion und Improvisation im Jazzkeller. Neugierig fand ich mich ein paar Abende später in vertrauten Gefilden ein, um mich überraschen zu lassen, denn bislang gefielen mir seine interkulturellen Musikprojekte immer sehr. Dieses mal war ich aber nur sehr unzureichend darauf gefasst, was mich in den kommenden anderthalb Stunden packen und herumwirbeln sollte. 9 Musiker auf der winzigen Bühne, alle mit Instrumenten, die im mittleren Frequenzbereich ein hohes Überschneidungspotenzial haben. Und schon durchbrach ein schottischer Dudelsack das wartende Geraune des Publikums. Eine Drehleier stieg ein, eine traditionelle Folkmelodie. Aber halt, was war das? Wie eine Vulkaneruption setzte die restliche Band ein und was gerade noch traditionell klang war auf einmal eine wilde Mischung aus Funk, Jazz, Elektro und Folk. Nahtlos die Übergänge, gnadenlos die Sprünge, wild der Drive, der Overdrive zwischen Bombarde, Bass und Schlagzeug. Kaum zu fassen, wie nah sich die die verschiedenen Stilrichtungen dieser bizarren Mixtur kommen, miteinander verschmelzen um Sekunden später über die Schönheit eines weiteren musikalischen Spagats zu tanzen. Alles improvisiert spielen die Musiker sich die Bälle zu, die genauso wild tanzen, wie inzwischen das Publikum. Funky licks manche traditionellen Melodien so verfremden, bis alles in einer Kernschmelze des Ungehörten fusionieren kann und dazwischen eine Drehleierspielerin, die aus ihrem elektrischen Instrument mehr rausholt, als es vielen routinierten E-Gitarristen in ihrer Laufbahn je gelingen sollte. Ekstatisch und musikalisch zwischen allen Stühlen (die dann ohnehin nur im Weg herumstünden), eine brodelnde Panazee gegen alltägliche Übervernunft und nebulöses Untollsein! Ecstatic outbursts: Ethna.

 

 

2020 26 Mrz

Marquard in the Morning

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Odo Marquard hatte Humor. Viele andere Philosophen und Geisteswissenschaftler jeglicher Couleur verwiesen auf ihn, ähnlich wie sie es ja auch mit Martin Heidegger handhabten oder mit Theodor Adorno. Also begann unsereins seine Bücher zu sammeln in jener Zeit, als sich die Geschichte der Philosophie auf wundersame Weise als ein gangbarer Weg und bereicherndes Weg eröffnete, im Sinne legitimer Fluchten aus banalem Alltagsleben und ebenso festgefahrener Identität. Der Schreibstil war markant, geradezu urig, und er vertrat eine „endlichkeits-philosophische Skepsis“ – und zwar „ohne missionarischen Eifer“. Just heute Morgen: die Sonnenstrahlen fielen durch die Jalousie in einen Raum des besinnlichen Rückzuges (be sure to keep a distance) und ein gelbes Buchcover aus dem Hause Reclam lachte einen an. Auf einer zufällig aufgeschlagenen Seite überschrieben mit der Frage „Wie politisch muss ein Schriftsteller sein?“ war zu lesen:

 

„Menschen – schrieb Aristoteles- – sind politische Lebewesen. Schriftsteller sind Menschen. Also sind Schriftsteller politische Lebewesen. Sie können und müssen darum politisch sein wie alle Menschen und zwar – meine ich – nicht weniger, aber auch nicht mehr als alle Menschen.“

(OM, Skepsis in der Moderne)

2020 26 Mrz

Bill

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Lieber Michael, liebe Blogger,

danke für deine Besprechung von Enos neuem Album. Ich werde mir richtig Zeit dafür nehmen. In den letzten zwei Wochen war ich im Dauerhören von Bill Callahans neuen Songs. Und schon beim flüchtigen Anhören von YTI⅃AƎЯ wird jedes Gefühl der Begrenzung zu Recht aufgelöst. Wahrscheinlich ähnlich (aber anders 😉 als bei Eno). Mit dieser Platte schafft Bill eine neue Sammlung von kleinen Mythen, einen oft wilden und genreübergreifenden Blick auf die schrecklichen, freudigen und einfach nur seltsamen Dinge, die sich uns in jedem Moment bieten. Diese Geschichten sind mit seiner eigenen, unnachahmlichen Sichtweise durchsetzt, einer Mischung aus flüchtiger Ehrfurcht, gemessenem Zorn, schrägem Humor und natürlichem Staunen.

Peace, Joshua!

 

2020 24 Mrz

Sonniges stilles Düsseldorf

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Kitty and Michael write a poem about a double sound-painting, and keep looking out for words …

 

It‘s  bit like „Walter and Conny“*
(laughter)
*distant TV memory mode

 

… looking out for words
in the ether
in charming pictures
in empty light house theatres
in hanging gardens – 


with a hush-hush, with the thing that‘s golden (ah, they don‘t say the word).

 

Kitty and Michael go on. There‘s desert sand, there‘s snow, there‘s an intimate conversation. The joy to return to a  collection of fleeting delights. The unforgettable  kind of fleeting (hasty, hasty, perfunctory).

 

Sketches by Roger on the keyboard at the beginning.
Good old piano. All baggage lifted. Dissolved.
Never talkative, nearly falling into (they don‘t say the word).
Brian then works on them, preferably on trains, on long distant train rides.

 

It feels like an analog record, each note having a furry


furry
furry
aura.

 

Furry, no.
A breathing to the margins.

 

The eerie „Obsidian“ takes a familiar church organ and repurposes it creepily. (Sounds like a matter of fact, where‘s the poetry, hon?)

 

Look, Michael, Kitty adds (she‘s in description mode now),  „Wintergreen“ builds gradually to a peak that recalls Brian‘s old collaborators, Harmonia – minus the German band’s regular motorik beat, of course.

 

Mhmm, says Michael. But, Kitty, this is not really a poem. More a conversational thing – 

 

in the ether
in charming pictures
in empty light house theatres
in hanging gardens.

 

They don‘t say the word.

 

(„Mixing Colours“, by Roger and Brian Eno is out now. The title of these lines is a (not really hidden) homage to the unforgettable delights of listening to the one irresistible F.R. David song on air, time and time again, in 1982)

 
 

Einmal am Tag die Nachrichtenlage, kurz, prägnant. Alles andere wäre für mich „overload“. Und wichtig, den Sinnverwaltern aus dem Weg zu gehen! Einmal hörte ich, was Herr Precht, der Philosoph, zur Lage der Dinge sagte, wie er gleich mal eloquent von „der Menschheit“ sprach, und was sie gerade so treibt. Er wusste es natürlich, als würde er täglich mit Hegels Weltgeist eine Tasse grünen Tee trinken. Selbstgefällig. Auf einer Ebene mit dem Fussballbundestrainer Joachim Löw: wer gleich so ins Fundamentale hinein salbadert und quatscht, als wäre Moralinsaures nun Programm (Löw) oder Gruseln derzeit die Lieblingsbeschäftigung (Precht), nimmt ja wie ein Prediger auf der Kanzel gleich mal das Grosse und Ganze in den Blick, wo doch der Schrecken, die Angst, der Horror, stets auf zahllose Einzelne niedergehen. Da, wo das Unglück kollektiv Einzug hält, hilft, neben klugen Rückzugsgefechten, das reflektierte, mutige Handeln, der Blick, die Geste, der „emotionale support“. All those little things that won‘t build up stories. Und schon droht man selber in die Falle zu tappen der Ratgeberei. Schluss damit. Als ich in behüteter Jugend „Die Pest“ von Albert Camus las, war etwas angelegt, ein Fundament, das heute noch nachwirkt. Und hier dann doch, in Erinnerung an Ror Wolf, eine letzte Weisheit: gehen Sie davon aus, dass das derzeitige Ruhen des Fussballs universale Bedeutung hat.


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