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Archives: Freitag, 3. April 2020

“It’s important not to beat ourselves up. You don’t always have to do stuff. Or achieve stuff. You don’t have to spend your time wisely and productively. You don’t have to be doing tai chi and DIY and artisan bread-making. Sometimes you can just be and feel things and get through and survive. It’s OK to just exist. I want to write a new novel. But it is hard to know what to write as contemporary reality is melting in front of us. I must admit I have found it hard to get creative inspiration or to focus on cultural things, beyond Tiger King on Netflix.“

(Matt Haig)

 
 

Ozark (season 2 & 3) flow: 9.0 – dunkel,  verstörend, abgründig, eine Prise schwarzer Humor,  und tief – exzellent auch der Soundtrack! Entdeckung: Only You Know (by Dion, s. 3, ep. 8, last scene)

 

Unorthodox (1) flow: 8.6 – anrührend, erschütternd; schreckliche, gebrochene, und wundervolle Typen!

 

Dare Me (1) flow: 8.4 – etwas auf Effekt gedreht, aber doch mitreissend. Oder werde ich alt, dass ich mich nun schon von Cheerleadern beeindrucken lasse?

 

The Mire (1) flow: 8.3 – Polen in den Achtziger Jahren. Am Anfang denkt man, wie ein alter Tatort mit verkrachten Ermittlern, dann wird es eine richtig gute Serie.

 

Sunderland til I die (1&2)  flow: 8.3 – „maybe the best thing it does is center the experience of people who love a football club whose modern history has been largely defined by crisis, dysfunction, and imminent misery.“

 

2020 3 Apr.

Unorthodox

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Gewonnene Erkenntnisse und Erfahrungen, seien sie bereichernder oder ernüchternder Natur, oder beides gleichermassen, konkurrieren stets mit verbliebenen Leerstellen des Unwissens, die pures Gold wert sind. Als Duo bilden sie ein osmotisches Gleichgewicht, das sklerotischen Stillstand ebenso verhindert wie den Dünkel des Alles-Wissens und wie gehabt den Eintritt in die Sondervorstellung namens „Neugier“ sichert. Nicht, dass es, wie die Herren Philosophen Sloterdijk und Heinrichs in dem Buch Die Sonne und der Tod verkündeten, zu jenem Unglück kommt, man habe sich schon in jungen Jahren „zu Schanden gelesen“. Dann wird aus Ziel kein Weg mehr. Ersetzen wir noch kurzerhand die Silbe „Gier“ durch „Lust“, nehmen auch das freie „Spiel“ mit in den Bund, schon stimmt die Sache. Da auch das Serienschauen in unserem gepflegten Hause stets und strikt dem Lustprinzip die Ehre erweist, in dem der sogenannte Flow-Effekt Orientierung bietet, war es jüngst ein Satz aus einer Online-Rezension, die den entscheidenden Funken bot. Das suchende Interesse zündete an diesem kurzen Satz nur: „Dieser Film beflügelt.“ Auf denn, du junger Wandersmann, im Lande Netflix wird Unorthodox als Mini-Serie wohlfeil angeboten, und so streamte man wieder, was das Zeug hielt, alle An- und Abstandsregeln wurden dabei eingehalten. Erzählt wird von einer jungen Jüdin, die aus ihrem strikten, repressiven religiösen Milieu des erz-orthodoxen Judentums im New Yorker Stadtteil Williamsburg flieht, zu ihrer Mutter nach Berlin, weil sie dem Druck der Ehe in diesen Kreisen nicht mehr standhält. Zudem gehört die zarte junge Frau zu den Naturen, deren Lebenslust, Neugier und Widerspruchsgeist sich nur ungern in die Schranken weisen lässt. Das ist fantastisch gut erzählt, lehnt an einen Roman von Deborah Feldmann an, wird fast ausschliesslich von jüdischen Schauspielern gespielt, auch viele Laien sind dabei, das merkt man aber nicht. Man gewinnt einen intimen, authentischen Eindruck in diese befremdlich interessante Welt des orthodoxen Judentums. Den Kontrapunkt bildet ein utopischer, idyllischer, freiheitlicher Ort namens Berlin. Are you serious? Na klar, im Film ist alles möglich. Zu viel soll nicht verraten werden, die Serie begeistert und berauscht geradezu. Oder, wie die Online-Rezension im Vorfeld zu Recht unkte: er beflügelt.


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