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Archives: Donnerstag, 20. Oktober 2022

2022 20 Okt.

schwantief

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Vom ersten bis zum letzten Ton ergreift mich Brian Enos neues Album, und das  mit äusserst asketisch in Szene gesetzten Worten (rätselhaft, verwunderlich, romantisch, traurig, archaisch). Was für ein Werk, das das Ende der Zeiten in dunkel funkelndes, fraktales Licht rückt, verstörend und human, oder sollten wir sagen „post-human“?

 

Das Feuer ist hier in seinem Element, von Glühwürmchen („fireflies“) über Flammen bis hin zur von Menschenhand geschaffenen Hölle. Nicht zu vergessen all die Dinge, die im Feuer unseres eigenen Lebens verloren gegangen sind (soweit wir uns erinnern können). Manchmal, aus der Ferne, fügt sich alles (die Verluste zuerst, und die Hände, die noch zu halten sind) an seinen Platz.

 

Keine Ohrwürmer, keine Singalongs, keine märchenhafte Suche nach Parallelwelten, keine Hooks, keine zukünftigen Evergreens, oh, halt, auf ihre ganz eigene Art und Weise schlagen diese Songs, die man als moderne Lamentos bezeichnen könnte, eine Sammlung zukünftiger „Everblues“ zumindest, eine ganz besondere, andere Note und Ecke in Brian Enos Liedschaffen an.

 

Seine Stimme ist gut gealtert, sie greift nach dem tieferen Spektrum. Sie hat etwas von ihrer Verspieltheit verloren. Aber so ist es: Wenn sich einige Tore schließen, öffnen sich andere. Jeder Song hat eine andere Intonation und Stimmung: nachdenklich, beschwörend, am Rande des Abgrunds, beharrlich, skeptisch, verwundert.

 

„And how then could it be / That we appear at all? / In all this rock and fire / In all this gas and dust / Are we not each a flame? / All born to live in light / All born to give our light“.

 

Eine andere Persona in jedem Stück. Hymnische Linien, stockender Sprechgesang, vom Verharren zum Verschwinden, eine Variation zu Krapps letztem Band, und dann wieder grosses Kino, wenn das flüchtige Ich ein einziges Mal „my love“ anspricht? Der Keim der Hoffnung lässt sich vielleicht im fremdartigen Gemurmel des Schlusstracks erkennen, dem alle vertraute Sprache abhanden gekommen ist.

 

Das Album ist ätherisch, erschütternd, weltverloren, eindringlich (ohne falsche Erhabenheiten), und seltsam tröstlich (aller Düsternis zum Trotz). Die Klänge, die Eno und sein innerer Kreis erzeugen, als „jenseitig“ zu bezeichnen, wäre ein Klischee. Vielleicht liegt die Kühnheit des Ganzen in der Kollision von Intimität und Ferne, Sehnsucht und Trauer. „Foreverandevernomore“ ist (wie Leah Kardos mir schrieb), „ein fantastisches Album, das zu seinen besten Arbeiten überhaupt gehört. Zutiefst bewegend und  faszinierend umgesetzt“.

 

 

 

Drew Daniel’s  solo project The Soft Pink Truth plays second fiddle to the records he makes as Matmos with partner MC Schmidt, but this full-bodied immersion into an entrancing world inspired by late-’70s/early-’80s  disco is somehow more appealing than Matmos’ recent foray into Polish mid-century avant-garde. Daniel peaks early after sumptuous opener “Deeper” with “La Joie Devant La Mort”, a carnivorous revamp of Grace Jones’ “La Vie En Rose” sung by Jamie Stewart aka Xiz Xiu. Thereafter he saunters around the afterparty, blissfully amiss. So, imagine it is after hours, and the year is 1981, early December.  Pett and Iso and Jann were the last guests at my party, and we watched the slightly flickering TV pictures of „The Man Who Shot Liberty Valence“. At the end, only Jann and I were left, and she put on „Eisbär“ by Grauzone on my record player. She slowly undressed me, and I slowly undressed her. In my memory, super slow motion was the modus operamdi, endlessly stretching every moment into our wilderness. Rod Stewart, Abba, nights in white satin, a whiter shade of pale, everything would have been perfect. But it was „Eisbär“, and „Come on, Eileen“. I was madly in love with Jann at the time (and a long time thereafter) – a fancier metaphor would be pure poetic hypocrisy. And we made love. And made love again. And I asked myself a question: „Is it going to get any deeper than this?“ 

 

 

 

 

Ein unheimliches surreales Werk von Richard Dawson, der seinen Philip K. Dick kennt, und mit neuen Liedern eine Zukunft heimsucht, für die das Wort dystopisch eine leere Hülse wäre – das kommt noch in diesem Jahr. Wir werden „The Ruby Cord“ auflegen. Das Ende der Welt, wie wir sie kannten und sehen wollten, hat ohnehin schon lange begonnen. Widerstandsfähige Lieder sind auch eine Waffe. „And in the Darkness, Hearts Aglow“ – dieser treffliche Tirel des neuen Teils von Weyes Blood eröffnet den spätherbstlichen Reigen abgründiger Alben weiblicherseits. Alte Horizonte, die sich dem Vergessen verschliessen, bieten die zwei  Songzyklen „Sorrows Away“ und „A Tarot Of The Green Wood“  der exquisiten  Schottinnen von The Unthanks und Burd Ellen.

 

 

 

 

2023 geht dann gut los mit dem schottischen Barden James Yorkston und seinen Lieblingsschweden, mit einem neuen Album des Ex-Go-Betweens Robert Forster (da spielt die Familie mit wie in Enos „Wunderwerk“ (O. Westfeld)), mit einer neuen Arbeit von Vokalist, Elektroniker und Live-Sampler Jan Bang – und last, but not least, ein weiteres Opus von John Cale, der im März 80 wurde: „Mercy“ heisst es, und den Song „Story of Blood“ (s.o.), welchen er mit Weyes Blood aufgenommen hat, finde ich nach erstem Hören (und Anschauen) bewegend und fesselnd. Am 20. Januar kommt dann endlich auch Wilcos „Cruel Country“ auf den Markt, als Vinyl und Cd. Morgen erscheint übrigens Bill Callahan‘s „Reality“. (m.e.)

 

 


 

2022 20 Okt.

Frühstück mit Kevin

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In the year 1982 we even made love to one another, too late to stop our wilderness, on a termite‘s hill an der blauen Donau – I slightly preferred the comfort of a multi-coloured summer bed in an old Wohngemeinschaft in Regensburg with patchouli hanging on the walls, at the night before we saw the band who did Monarchie und Alltag … Geschichte wird gemacht … your were my queen of senses and I loved you forever in that year soundtracked by Talking Heads and Kevin Rowland and Abracadabra and discreet music and noises of two sweating bodies up on my hillside. Remember, too, that bathtub in good old München on a rainy evening. In that summer nothing was noir, come on, Eileen. Our carnival of souls, and now I may write my small time travel novel, around 235 pages. „Der schwarze Hund von Bergeinöden“. Easy-peasy, an experimental  little novel with ghosts, lovers, dogs and other strangers. Think of all those poems hanging in psychedelic air just waiting to drop from our marmelade tree. The end of many things to come comes with a campfire, a storyteller, and Too Rye Ay (As It Should Have Sounded).

 


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