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Archives: Richard Dawson


Als ich zum ersten Mal über „The Ruby Cord“ nachdachte, sollte das Album viel stärker in Richtung Science-Fiction gehen, da ich viel Frederik Pohl und Ursula Le Guin gelesen habe – ursprünglich sollte alles auf einem Raumschiff stattfinden! Aber ich merkte, dass die Songs nur genug davon brauchten, um zu zeigen, dass etwas anders war, und die Entfremdung der Menschen in den Songs würde den Rest erledigen. Es mag kitschig klingen, aber ich wollte wirklich etwas machen, das in erster Linie schön ist. Das lange Freeimprov-Intro zu „The Hermit“ ist sicher ein spezieller Anfang, aber es auch wirklich wichtig für die Geschichte. Ich meine, es ist die Geschichte. Ich sehe diesen Teil fast wie eine Spielwelt, in der die Figur im Leerlauf ist. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, vielleicht krabbelt ein kleines Tierchen durchs Unterholz, und ein paar Blätter wehen. Es ist also wichtig, die Szene festzulegen, sie ist genauso wichtig wie jeder andere Teil des Liedes. Ich dachte, der Anfang würde etwa zwei oder drei Minuten dauern, aber als wir dann weitermachten, war es einfach so schön. Es fühlte sich überstürzt an, so früh mit dem Singen anzufangen, und als das Ding anfing, sich über 25 Minuten auszudehnen, dachte ich: ‚Nun, lass uns den anderen Weg gehen. Ich glaube, das zeigt uns, dass wir einfach in beide Richtungen gehen müssen. Es gibt eine gute Zeile in Thomas Pynchons Mason & Dixon: „Wenn du an eine Weggabelung kommst, nimm sie.“

 

Ein unheimliches surreales Werk von Richard Dawson, der seinen Philip K. Dick kennt, und mit neuen Liedern eine Zukunft heimsucht, für die das Wort dystopisch eine leere Hülse wäre – das kommt noch in diesem Jahr. Wir werden „The Ruby Cord“ auflegen. Das Ende der Welt, wie wir sie kannten und sehen wollten, hat ohnehin schon lange begonnen. Widerstandsfähige Lieder sind auch eine Waffe. „And in the Darkness, Hearts Aglow“ – dieser treffliche Tirel des neuen Teils von Weyes Blood eröffnet den spätherbstlichen Reigen abgründiger Alben weiblicherseits. Alte Horizonte, die sich dem Vergessen verschliessen, bieten die zwei  Songzyklen „Sorrows Away“ und „A Tarot Of The Green Wood“  der exquisiten  Schottinnen von The Unthanks und Burd Ellen.

 

 

 

 

2023 geht dann gut los mit dem schottischen Barden James Yorkston und seinen Lieblingsschweden, mit einem neuen Album des Ex-Go-Betweens Robert Forster (da spielt die Familie mit wie in Enos „Wunderwerk“ (O. Westfeld)), mit einer neuen Arbeit von Vokalist, Elektroniker und Live-Sampler Jan Bang – und last, but not least, ein weiteres Opus von John Cale, der im März 80 wurde: „Mercy“ heisst es, und den Song Story of Blood (s.o.), welchen er mit Weyes Blood aufgenommen hat, finde ich nach erstem Hören (und Anschauen) bewegend und fesselnd. Am 20. Januar kommt dann endlich auch Wilcos „Cruel Country“ auf den Markt, als Vinyl und Cd. Morgen erscheint übrigens Bill Callahan‘s „Reality“. (m.e.)

 


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