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Archives: Sonntag, 23. Oktober 2022

2022 23 Okt.

Live in Cuxhaven

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Nach Live in Stuttgart 1975 und Live in Brighton 1975 nun also Live in Cuxhaven 1976. Es ist das dritte Can-Album, das mit dem Recorder aus dem Publikum heraus aufgenommen und nun im Studio etwas klangpoliert wurde. Für ein Bootleg wäre die Qualität sehr gut, für eine offizielle Veröffentlichung ist sie eher bescheiden — eine Ansichtskarte für Fans, so muss man sie wohl hören. Die Vinylversion kommt diesmal in einem „Curacao“ genannten Blauton.

Während Stuttgart und Brighton jeweils Doppelalben mit den kompletten Konzerten waren, ist Cuxhaven eine Einzel-LP, noch dazu mit einer sehr dürftigen Spieldauer von gerade mal 29 Minuten, beendet mit Irmins Ansage, man mache nun eine Pause von 20 Minuten, danach werde man weiterspielen. Aus Fankreisen ist zu vernehmen, der zweite Teil sei der weitaus bessere gewesen, aber das ist nun leider nicht überprüfbar.

Can spielt in Viererbesetzung (Irmin, Michael, Holger, Jaki) und liefert in den vier titellosen Tracks die mehr oder weniger gewohnte improvisierte Qualität, wobei Jakis Schlagzeugspiel gelegentlich ins Hektische kippt und eher an Schnellpolka als an Rockmusik erinnert, auch Michael scheint nicht seinen besten Tag erwischt zu haben.

Teile der Auflage enthielten anscheinend keinen Download-Code, andere Teile enthielten die Linernotes zum Stuttgart-Konzert. Das scheint nun in Ordnung gebracht worden zu sein. Ein viertes Live-Album soll noch kommen; für mich ist derzeit das Stuttgart-Album das beste der Reihe.

 


 
 
 

JAZZFEST BERLIN 2022 will have an Auftakt next Sunday, October 30, by connecting to Berlin’s excellent Pierre Boulez Saal series that will present at the Saal exceptional musician ALEXANDER HAWKINS from Oxford, England.

 

In this festival prelude he will perform in the duo MUSHO with vocalist extraordinaire SOFIA JERNBERG plus in a larger unit with cellist TOMEKA READ, flautist NICOLE MITCHELL, drummer GERRY HEMINGWAY and MATTHEW WRIGHT (electr, sound design).

 

Tomeka Reid just received the MacArthur “Genius Grant” (of $800,000). She will also play in two other concerts of the festival: in THE HEMPHILL STRINGTET and in a new, eagerly awaited quartet of pianist CRAIG TABORN with MAT MANERI (viola), NICK DUNSTON (b) and SOFIA BORGES (percussion) on the main stage on November 3. The stringtet is named after Julius Hemphill (1938-1995), of course, a.o. member of World Saxophon Quartet and still quite influential through works as „Dogon A.D.“ and others.

 

Nicole Mitchell is a musician and University teacher with a long prominent career. She was the first female president of Chicago’s legendary Association for the Advancement of Creative Musicians (AACM)

 

Gerry Hemingway is a well-known US-American musician with a long strong bound to European groups and now teaching in Switzerland.

 

About MUSHO I wrote earlier this:

“British pianist Alexander Hawkins is leaving a strong trace through today’s jazz landscape. It seems everything he touches, turns into gold. Even if you already know this, every new combination turns out as surprising, beyond expectation. The duo with Swedish vocalist emerged from the October Meeting in 2015 at Amsterdam Bimhuis where it performed for the first time under the name ‚Musho.‘ Their duo performance appeared to be a broadly agreed highlight of the meeting. The Ljubljana concert surpassed that by far. In Amsterdam they performed several pieces based on Ethiopian traditional music in carefully balanced and well-timed transcendence into present day musical areas. In Ljubljana they performed in one fabulous continuing stream of consciousness with strong references to Ethiopian music. Seamlessly fading in and out of musical areas they interconnected different musical spheres and domains in unprecedented, subtle and credible ways. Both drew from rich sources and in real time composed a fabulous, naturally flowing stream of captivating music, a rare and almost unbelievable thing. Jernberg is an amazing performer, who can do almost everything vocally with great inner concentration in a non-agitated, mildly smiling way. It was an outstanding, memorable performance.

I saw Hawkins earlier, in January of this year (at the festival in Münster, Germany), doing a thrilling concert with his trio and fabulous British vocalist Elaine Mitchener. Although Mitchener is a musician of a different temperament and approach, the performance had the same general qualities and brilliance. This brilliant duo of Hawkins/Jernberg has played at Nasjonal Jazzscene venue in Oslo recently and is in urgent need of further circulation.”

(Henning Bolte, All About Jazz 2017)

2022 23 Okt.

Geschichten, die das Meer erzählt (3)

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Es ging das aktuelle Gerücht im Dorf um, das mich staunend aufhorchen ließ: Eine Italienerin sei angereist, um Unterwasser zu malen. In meinem kleinen Fischerdorf gibt es 9 Tauchschulen, die Meerestiefen vor der Küste sollen eins der besten und schönsten Aquarien von Europa sein. Ich machte mich auf die Suche nach der aussergewöhnlichen Unterwasserdame und fand sie am Hafen, wo sie mit der Hängung ihrer Werke zugange war. Unter zwei Gemälden klebte schon ein blauer Punkt, which means: sold. Gut für die Künstlerin, die auf Lanzarote lebt. Natürlich interessierte mich am meisten, wie sie Farben und Pigmente so mischt, dass sie Unterwasser malen kann und die Meerestiere ihre Farbutensilien samt Leinwand nicht anknabbern. Erstaunlich, wie sie es meistert, mit der Gesamtausrüstung in immerhin 18 Meter Tiefe einzutauchen. Ely Phenix (1969) ist Profi. Sie erzählte, dass die eigentliche Schwierigkeit, in den Tiefen des Ozeans zu malen, die Bewegung des Wassers ist und das Anpassen an die Lichtverhältnisse. Das Blau des Meeres, das wir sehen, ist im Grunde eine Lichtmenge in Bewegung.

 

Ely Phenix – „Pintura Submarina“ (video)

 

 
 
 

Für mich ist Fotografieren das Fangen und Gestalten von Licht. Es ist die spannendste und gleichzeitig entspannendste meiner täglichen Tätigkeiten. Das Licht wechselt unglaublich dynamisch. Ich brauche mich nur umzudrehen und das, was ich gerade gesehen habe, erscheint in ganz anderem Licht.

 

Licht ist noch variierter und vielgestaltiger als Töne und Klänge. Beides hat aber auch viele Gemeinsamkeiten. Licht kann musikalisch wirken, sich musikalisch anfühlen. Musik kann flieBen, sich ergießen wie Licht. Schoenberg hat dazu Sinniges gesagt. Dazu viellicht später nochmal.

 

Fotografieren gibt mir die Möglichkeit, meine Umgebung in “mein Licht” zu setzen, sie nach meiner Dramaturgie zu gestalten. Dabei entdecke ich unbemerkte und ungeahnte Vielfältigkeit und Schönheit. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Lichtsichten ‘Dasselbe’ eröffnet. Manches fotografiere ich wieder und wieder. Es ist nie Dasselbe in einem nichttrivialen Sinn. Fotografieren lässt mich im Tag und meiner Umgebung ankommen, macht den Tag und meine Umgebung real für mich. Und die Fotos, die ich heute mache, sind immer die schönsten und besten. Was natürlich total nicht stimmt.

 

Fotografieren ist für mich in und mit dem Licht wandern, streunen, flanieren. Das Licht kann dann zum Freund, zur Freundin werden, der/die zum Spielen verführt. In die Luft gucken gehört dazu.

 

Fotografieren macht vertraut mit Lichtfall und Kontrast. Manchmal schaue ich aus dem Fenster und denke: nö, kein interessantes Licht, gehe dann aber immer wieder trotzdem nach drauBen und bin jedesmal erstaunt, was das auf den ersten Blick nicht so spannende Licht tatsächlich macht, wie es wirkt, wie es sich zeigt.

 

Beim Fotografieren muss ich mich auf das Licht einlassen, ihm folgen und bekomme dann ein Foto, das mit der Erinnerung an diese Aktivität verbunden ist. Für den fremden Betrachter ist das natürlich anders. Dazu aber ein andermal.

 

Eins meiner unterschwelligen Ziele beim Fotografieren ist es, Fotos mit einer starken Form zu machen, auf denen man Objekthaftes nicht (gleich) erkennt.


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