Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the day Mittwoch, 4. Januar 2017.

Archives: Mittwoch, 4. Januar 2017

Es geht um Seelennahrung (in jeder Form, sagen Sie nicht Bio), um Manna, um die Welt der Töne, und das Leben sowieso. Und entlegene Quellen der Inspiration. Oder so: Das Manna (im Alten Testament, einem kruden Textgemisch voller Wirrnis!) geht auf eine natürliche Erscheinung zurück. In einigen Gegenden der Halbinsel Sinai saugen zwei Schildlausarten in der Zeit von etwa Ende Mai bis Juli aus der Manna-Tamariske Pflanzensaft zur Versorgung ihrer Larven. Da er nur wenig des für die Larven notwendigen Nitrogens enthält, benötigen die Schildläuse eine große Menge Saft. (Sie können noch folgen, gut!) Den Überschuss sondern sie als Tropfen ab, die als kleine, weißlich-gelbliche Kugeln auf den Boden fallen. Die Kügelchen werden von Beduinen am Morgen aufgesammelt, da sie während des Tages schmelzen. Manna gibt es auch von dem Wüstenstrauch Hammada salicornica („Weiße Hammada“). Das Manna ist süß und wird als Honigersatz verwendet. (Wäre es nun nicht an der Zeit, sich zu fragen, ob Sie träumen oder wachen?) Bis zur Neuzeit wurde das Manna mit dem Tau in Verbindung gebracht, von dem man annahm, dass er vom Himmel fiel. Der Ausdruck „Phon“ („Fon“) an sich ist mehrdeutig. Er bezeichnet a) eine konkrete Lautäußerung: ein durch einen konkreten Sprecher verursachtes konkretes raumzeitliches Schallereignis, und b) eine abstrakte Lauteinheit: ein abstraktes Schallmuster oder Schallform. Das Phon im Sinne einer abstrakten Lauteinheit ist (aufgepasst, jetzt wird es „tricky“!) empirisch nicht beobachtbar und wird jeweils durch eine empirisch wahrnehm- und messbare konkrete Lautäußerung realisiert. So entstand (aus Manna wurde Mana) und aus Phon Fon der Name der Manafonisten. Und, in dieser Version der Geschichte, macht es ja auch Sinn.

Ich gehe in tiefer Dunkelheit, und bei strömendem Regen, auf dem Bürgersteig der Sachsenwaldstrasse in Dortmund. Da wird mir plötzlich klar, dass ich träume. (Vielleicht habe ich den Realitätscheck gemacht). Ich sage mir: „Gut, ich will jetzt wie eine Rakete durch die Wolken schiessen, und blauen Himmel sehen.“ Etwas irreal in der Realität, doch es passiert genau das. Mit immensem Tempo schiesse ich durch Regenmengen, durch dunkle Wolken, bei vollem Bewusstsein, bis im Zeitraffer der Himmel hell wird und blau leuchtet. Ein hinreissendes Erlebnis. Ich behalte das Bewusstsein und mache mit klarer Stimme die Ansage, dass ich jetzt über den Atlantischen Ozean fliegen möchte. Richtung Ostküste USA. Bald liegt das Meer unter mir. Es ist etwas kühl, und ich wünsche mir den Luftstrom wärmer. Im folgenden gleite ich ungefähr zwanzig Minuten bei vollkommen klarem Bewusstsein, dass ich träume, ca. 300 Meter über dem Meeresspiegel. Das Meer ist ruhig. Im Klartraum kommt es kaum zu Zeitverzerrungen, weil du mit voller Klarheit „anwesend“ bist. Auf einmal sehe ich die Skyline einer grossen Stadt an der Ostküste der USA. Ich überlege, was ich machen möchte, und beschliesse, in ein offenes Fenster eines Hochhauses zu fliegen. Abenteuer! Ich verlangsame das Flugtempo, entdecke ein Fenster und lande zu meiner Überraschung in einer Verhandlungssitzung, in der Länder Mittelamerikas Handelspreise von Kaffee diskutieren. Ich denke innerlich, das ist ja absolut verrückt, lache, und leider verliere ich rasch die Klarheit. (1998)

2017 4 Jan.

Mein erster luzider Traum

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

1

Die Wölfin alias Hannelore L. kam an freien Tagen, stellte ihr Motorrad in die Garage und nahm mich. Sie gab mir eine Landkarte für den Hohen Bogen, markierte die Orte und Zeiten, und vögelte mich dort. Dort, und in meiner Souterrainwohnung in Bergeinöden. Sie war braungebrannt, trug kein Gramm Fett am Körper, und lachte viel. Remain In Light war „unsere Platte“. Als sie schwanger wurde, von mir, kam sie noch einmal aus den Wäldern, nahm mich dreimal, zur Erinnerung, trennte sich am gleichen Tag, trieb ab, machte eine Partnertherapie, und blieb bei ihrem ersten Wolf. Ich wäre ihr bis ans Ende der Welt gefolgt, aber ich war schon am Ende der Welt, und durfte keinen Schritt weiter gehen. Es wurde dunkel in meiner Seele, ich litt wie ein verlassenes Tier. Das war kein Traum. Damals las ich erstmals über Klarträume (luzide Träume) – das Buch von Paul Tholey aus dem Falken-Verlag – und übte jeden Tag. Mitte der 80er Jahre traf ich dann den Professor der Klarträume bei einem Seminar in Frankfurt.

 

2

 

Ich stehe im Rombergpark, am Anfang des Rundweges, es ist ein herrlicher Sommertag. Ich stelle mir die Frage, ob ich wache oder träume, und ein Schauer fährt durch mich hindurch: ich träume, ich bin bei klarem Bewusstsein, und weiss, dass mein Körper in Bergeinöden im Bett liegt. Glücksgefühle schiessen durch jede Zelle meines Traumkörpers, der sich völlig real anfühlt. Ich sehe, wie die Sommerblätter zittern im Wind, und bin berauscht von dem Zustand. Da fällt mir ein, dass ich ja im wahren Leben tottraurig bin, und was ich im ersten luziden Traum machen wollte. Einen weisen Mann um Rat fragen.

Da hinten kommt ein Jogger, ein Muskelpaket, so stellte ich mir einen Ratgeber nicht vor. Als er an mir vorbeilaufen will, rufe ich ihm zu: „Hallo, können Sie mal kurz anhalten?“ – Was ist? – „Passen Sie auf, das hört sich verrückt an, Sie sind in meinem ersten Klartraum.“ – Das interessiert mich nicht. – „Gut, klar. Aber ich möchte Ihnen eine Frage stellen: was kann ich tun, damit H. zurückkommt?“

Nachden ich diese Frage gestellt habe, verwandelt sich sein Kopf vor meinen Augen in eine Schwarzweissfotografie des Gesichts der Wölfin, und dann in einen Totenkopf. Ich erschrecke mich und wache in meinem Bett auf. Zwei Wochen später bin ich in London, mit wenig Geld, und jeden Tag gefordert, in der Gegenwart zu bleiben. Ich sehe die Wölfin dennoch in der Underground, in Hampstead Heath. Ich kaufe mir ein Album der Flying Lizards und höre abends John Peel. Er spielt einen Song aus dem Album The Correct Use of Soap von Magazine. Howard Devoto in der Form seines Lebens. Wenigstens wurde ich von einer Schönheit aus dem Marquee Club gut durchgevögelt. Sexual Healing.

 

2017 4 Jan.

an old master at young age

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Träume ich oder bin ich wach? Dies ist nicht nur die Ausgangsfrage eines jeden Klarträumers, nein, nicht Frage sondern wiederholte ernsthafte Überprüfung des eigenen Bewusstseinszustandes. Darauf wies der Klartraumforscher Paul Tholey vor etwa 30 Jahren in seinen Seminaren an der Uni Frankfurt und seinem Buch zum Klarträumen hin. Die Sache hat nun einen kleinen Haken: Wenn ja, wo bin ich wirklich? Diese kleine und scheinbar unbedeutende Frage kann man sich höchst berechtigt sowohl im Traum- wie auch im Wachzustand stellen mit keineswegs immer eindeutigen Antworten …

Träume ich oder bin ich wach? Wo bin ich hier: in einer Schleife gestrandet, wo ich die Worte dieses Blogs immer nur rezeptiv begeistert aufnahm und nun auf einmal mit vielen Anderen zum eigenen Leser werden und mich kommentieren kann? In einer eigenen virtuellen Realität, die durch erträumte Schnittmengen ein Panoptikum an Ideen und Inspirationen abfeuert? Spielt sich das jetzt wirklich ab oder ist „Breaking 13“ nur ein Seriensequel, dass sich aus einer ominösen Klartraumapotheke speist und meine Neurotransmitter gerade einen obskuren Schreittanz vollführen lässt? Und wenn ja: gibt es unterschiedliche Traumformen?

Vor Jahren arbeitete ich in einem Schlaflabor und wir weckten unsere Probanden aus unterschiedlichen Schlafphasen, um zu erforschen, ob Träume in allen Schlafstadien auftreten können. Sie konnten. Da waren die faktischen, grauen, drögen Träume aus den Tiefschlafphasen, die einsilbigstens berichtet wurden und nach vielen Zwischenstadien die bunten, intensiven, phantastischen der REM- oder Traumschlafphasen, die direkt nach dem Wecken ausschweifend geschildert werden konnten und uns Mitarbeiter in einen Strudel aufgebrochener unterbewusster Welten fast filmartig hineinriß. Bilder können das auch manchmal. Und Musik natürlich.

 
 
 

 
 
 

Eines Winternachmittags in Frankfurt starrte mich also dieser gut geschminkte Typ im Montanus-Plattenladen aus der Auslage an. Lesen konnte ich die Aufschrift leider nicht, war die japanische Fassung. Fand das Cover aber auf den ersten Blick sympathisch, nein eher magisch anziehend. Also reinhören. Aber: Was war das? Eine Sorte unbekannter Popmusik? Japanische Zauberformeln? Vielleicht auch ein bislang unentdecktes Universum, das mich mit jedem mal hören tiefer in sich hineinzog und so eigenartig faszinierend und fremd war wie die plastischen Träume unserer Probanden.

Left Handed Dream. Gibt es sowas überhaupt? Das Traumlexikon sagt dazu, dass Träume mit dem Aspekt der Linksseitigkeit darauf verweisen, dass man sich der unbewussten Seite des Erlebens vermehrt zuwenden sollte. Da geht es also hin oder ist Sakamoto halt Linkshänder und die träumen vielleicht anders? Diese vertrackten Arrangements, die viel mehr ein japanisches Empfinden als die dortige Musikkultur abbilden. Diese archaischen manchmal sogar fast tanzbaren Rhythmen, die schrägen Gitarrensounds von Adrian Belew, der näselnd-monotone japanische Gesang (ich mag die amerikanische Version dieser Platte bis heute nicht) und dann die seltsamsten Tierstimmen im letzten Song. Chill-factor. Fragmente. Tell me your story … a yellow chrysanthemum. Die Blume des japanischen Kaiserhofes oder doch der Mohnblütengarten? Träume ich immer noch oder bin ich wach? Ich weiß es bis heute nicht, aber Ryuichi jedenfalls träumt mit links …


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz