Manafonistas

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2017 4 Jan

Mein erster luzider Traum

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | Comments off

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Die Wölfin kam an freien Tagen, stellte ihr Motorrad in die Garage und nahm mich. Sie gab mir eine Landkarte für den Hohen Bogen, markierte die Orte und Zeiten, und vögelte mich dort. Dort, und in meiner Souterrainwohnung in Bergeinöden. Sie war braungebrannt, trug kein Gramm Fett am Körper, und lachte viel. Remain In Light war „unsere Platte“. Als sie schwanger wurde, von mir, kam sie noch einmal aus den Wäldern, nahm mich dreimal, zur Erinnerung, trennte sich am gleichen Tag, trieb ab, machte eine Partnertherapie, und blieb bei ihrem ersten Wolf. Ich wäre ihr bis ans Ende der Welt gefolgt, aber ich war schon am Ende der Welt, und durfte keinen Schritt weiter gehen. Es wurde dunkel in meiner Seele, ich litt wie ein verlassenes Tier. Das war kein Traum. Damals las ich erstmals über Klarträume (luzide Träume) – das Buch von Paul Tholey aus dem Falken-Verlag – und übte jeden Tag. Mitte der 80er Jahre traf ich dann den Professor der Klarträume bei einem Seminar in Frankfurt. (Theoretisch kann Uli Koch dabei gewesen sein.)

 
 

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Ich stehe im Rombergpark, am Anfang des Rundweges, es ist ein herrlicher Sommertag. Ich stelle mir die Frage, ob ich wache oder träume, und ein Schauer fährt durch mich hindurch: ich träume, ich bin bei klarem Bewusstsein, und weiss, dass mein Körper in Bergeinöden im Bett liegt. Glücksgefühle schiessen durch jede Zelle meines Traumkörpers, der sich völlig real anfühlt. Ich sehe, wie die Sommerblätter zittern im Wind, und bin berauscht von dem Zustand. Da fällt mir ein, dass ich ja im wahren Leben tottraurig bin, und was ich im ersten luziden Traum machen wollte. Einen weisen Mann um Rat fragen. Da hinten kommt ein Jogger, ein Muskelpaket, so stellte ich mir einen Ratgeber nicht vor. Als er an mir vorbeilaufen will, rufe ich ihm zu: „Hallo, können Sie mal kurz anhalten?“ – Was ist? – „Passen Sie auf, das hört sich verrückt an, Sie sind in meinem ersten Klartraum.“ – Das interessiert mich nicht. – „Gut, klar. Aber ich möchte Ihnen eine Frage stellen: was kann ich tun, damit H. zurückkommt?“ Nachden ich diese Frage gestellt habe, verwandelt sich sein Kopf vor meinen Augen in eine Schwarzweissfotografie des Gesichts der Wölfin, und dann in einen Totenkopf. Ich erschrecke mich und wache in meinem Bett auf. Zwei Wochen später bin ich in London, mit wenig Geld, und jeden Tag gefordert, in der Gegenwart zu bleiben. Ich sehe die Wölfin dennoch in der Underground, in Hampstead Heath. Ich kaufe mir ein Album der Flying Lizards und höre abends John Peel. Er spielt einen Song aus dem Album The Correct Use of Soap von Magazine. Howard Devoto in der Form seines Lebens.

 

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