Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the day Sonntag, 15. Januar 2017.

Archives: Sonntag, 15. Januar 2017

 


 
 
 
Dies ist eine Unvollendete. Dieter Moebius war eingeladen, eine Musik für Fritz Langs Stummfilm Metropolis zu entwerfen, die live zum Film aufgeführt werden sollte. Leider ist ihm Freund Hein dazwischengekommen. Einige „finishing touches“ sind nun von Irene Moebius, Tim Story, Jon Leidecker und Jonas Förster ergänzt worden.

Was man jetzt hört, sind vier jeweils etwa zehnminütige vorbereitete Backing-Tracks mit den Titeln „Schicht“, „Moloch“, „Tiefenbahnen“ und „Mittler“ (wer den Film kennt, wird wissen, auf welche Szenen sich die Titel beziehen), zu denen live improvisiert werden sollte. Viele rhythmisierte Störgeräusche klingen collagenartig zusammen, darauf tanzen gefärbtes Rauschen, viel Metallklirren und Glöckchengeklingel, auch ein Sample aus dem Album Cluster II ist zu hören. Die Stücke lassen ahnen, was dem guten Moebius wohl vorgeschwebt haben mag.

Ich bin nicht sicher, ob das Ganze wirklich eine gute Filmmusik für Metropolis abgegeben hätte. Eher scheint mir der Film als Inspirationsquelle für die Stücke gedient zu haben. Der Film zeigt nicht nur utopische Architektur und Technologie, sondern hat eine mindestens ebenso starke romantische Seite. Die orchestrale Originalmusik von Gottfried Huppertz umfasst beide Aspekte, der Moebius-Musik fehlt klar der letztere. Aber das ist kein Fehler. Man höre Musik für Metropolis einfach als Album, dann ist es Moebius „at his best“. Er macht hier genau das, was er immer am besten konnte: irritierende Klanglandschaften zu designen, in denen man sich trotzdem nach kurzer Orientierungsphase zu Hause fühlen kann.

Die ersten 100 Besteller bei Bureau B erhalten mit der CD einen numerierten Druck des Coverbildes.

 

Dieter Moebius:
Musik für Metropolis
Bureau B, BB248

2017 15 Jan.

Bitter Wash Road

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: , , | Comments off

In den letzten sechs Wochen habe ich zwei Kriminalschriftsteller entdeckt, die darüber hinaus, im einen Fall Lyrikbände, im anderen Fall Kinder- und Jugendbücher, verfassen – ganz und gar glückliche Entdeckungen! Stephen Dobyns ist Amerikaner, seine Thriller Das Fest der Schlangen und Is Fat Bob Dead Yet? sind kleine Meisterstücke mit einem ureigenen Sound aus „Noir“, Sprachwitz und Sprachverführung. Der bei den Manafonisten bislang noch nie aufgetauchte Gary Disher ist keinesfalls ein Unbekannter. 1949 wurde er im ländlichen Südaustralien geboren, und ich kann mir nicht vorstellen, dass Grant McLennan, einer, der in guten Büchern und Songs versinken konnte, nie das eine oder andere seiner Bücher gelesen hat. Bitter Wash Road, erschienen im Unionsverlag, ist der erste Roman, den ich von ihm in Händen halte. Eins dieser Bücher, die einen von der ersten Seite an gefangen nehmen, und in diesem Falle in die Outbacks führen, ins Fernab der grossen Städte, wo das Böse in hitzestarrender Luft noch gnadenloser erscheint. Aber hier gibt es auch die Bündnisse mit denen, die Opfer sind, Bedrohte, Ausgesetzte. Mark Twain hätte dieses exzellent übersetzte Werk genauso geschätzt wie Dashiell Hammett. Sollte dieser Kriminalroman je verfilmt werden, im Abspann könnte gut „Cattle and Cane“ zu hören sein, und jeder wird noch etwas tiefer in den Kinosessel rutschen.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz