Manafonistas

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Archives: Sonntag, 3. April 2016

2016 3 Apr.

Pet Shop Boys: Super

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They called us the Pop Kids / cause we loved the pop hits / and quoted the best bits / so we were the Pop Kids.

Genau so war das, damals in den 80ern und 90ern. Und seltsamerweise funktioniert das noch immer. Jedenfalls wenn Neil Tennant und Chris Lowe an den Hebeln sitzen. Und wenn das der Fall ist, dann bin ich heute wie damals neugierig. Auch einem Manafonista muss das zwischen den wie immer todernsten ECM-Produktionen erlaubt sein.

Super ist, wenn ich richtig zähle, das dreizehnte reguläre Album der Pet Shop Boys (die diversen Compiler, Remixe, Discoversionen etc. haben mich nie interessiert). Ihre beste Zeit, das kann man sagen, ohne unfair zu sein, haben die Jungs wohl hinter sich; das Level von Actually, Very oder Fundamental erreichen sie heute nicht mehr. Aber wie man solide Popmusik zuwege bringt, haben sie nicht verlernt, und wer ihr letztes Album mochte, wird auch mit diesem keine Schwierigkeiten haben.

„Kirmestechno“ hat die Süddeutsche das genannt. Das trifft es gar nicht schlecht. Von Zeit zu Zeit mag ich Kirmes. Wirkliche Highlights gibt es auf Super nicht, aber auch keine wirklichen Durchhänger. Nach wie vor produziert Chris Lowe eingängige Melodien und interessante Klänge, er bleibt in der Spur, ohne sich übermäßig zu wiederholen. Und nach wie vor verfügt Neil Tennant nicht nur über eine angenehme und markante Stimme, sondern ist auch ein guter Beobachter, der in der Lage ist, textliche Widerhaken zu plazieren. „Twenty-something“ und „The Dictator Decides“ beweisen es.

Nur dies sei angemerkt: Mittlerweile sind viele Platten aus aktueller Popmusikproduktion dermaßen hochkomprimiert und haben derartig massive Bassimpulse, dass mein guter alter iPod Classic mit grässlichen Verzerrungen in die Knie geht. Das trifft leider auch auf diese Platte zu. Ach ja, und Autotuning als Klangeffekt auf der Stimme ist längst zu Tode geritten. Bitte abschaffen. Sänger, die dieses Tool wirklich brauchen, weil sie die Töne anders nicht mehr treffen, sollten eh aufhören. (Das gilt auch für Dich, Madonna.)

 
 
 
super

 

2016 3 Apr.

Eileen Myles

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I write weird books. My next book is about a time-travelling dog. I’m not interested in writing a straightforward memoir. I love the saying: “You shouldn’t be influenced by anybody, least of all yourself.” I never want to reproduce what I’ve done before – I always want the work to feel new.

 

 

 
 
 

Was für eine Zeitreise in die alte Bundesrepublik (die BBC 4-Doku „Krautrock – The Rebirth of Germany„) als sich vormals glühende Nazis in blitzblanke Sudeldemokraten verwandelten und die Welt farbig wurde, von der Wilp’schen Coca-Cola-Welt bis zum grellorangenen NEU!-Cover! Und wenn bei schnellen Bewegungen die Körper ihre Kolorierung abstreiften, hatte man entweder die falschen Drogen erworben, oder ein Farbfernsehgerät, das schon nach kurzer Zeit museumsreif war. Es gab halt immer noch „bloody nazis all around the place“, die zu gern ein Bilderbuchdeutschland kultivierten, das so kitschig war, dass Teddybären Peter Alexander hiessen und gute Deutsche wie Heinz Rühmann aussahen.

Wäre das Leben nicht so fürchterlich vergänglich, die Deutschen wären auf Regierungsanordnung in einer Zeitschleife verschwunden, mit alten UFA-Filmen aus Bella Italia, Drei Vollpfosten an der Tankstelle und Heinz Erhard’schem Schabernack. Aber zum Glück kam es anders, und von Can bis Amon Düül, von Kluster bis Cluster, von Harmonia bis Kraftwerk wurde eine Stunde Null ins Visier genommen, ein Bruch auch mit dem Charme der Importierten Tanzschulenpopmusik der Späten Sechziger Jahre.

Solche Abgrenzungen betrieben auch Länder in Europa, die im Zweiten Weltkrieg am liebsten unsichtbar geblieben wären, was natürlich nie ganz gelang. Die Schweden trotzten den Zeiten und bereiteten, klug und antifaschistisch, den Boden für eine Schar tollkühner Nachfahren, vom frohem Sozialismus bis zum Leben als Pop-Art-Experiment. Hatten die Schweden damals den besseren Sex?! Auf jeden Fall hatten sie „Träd, Gräs Och Stenar„, eine herrlich abgedrehte Band aus einer Parallelwelt, die tatsächlich „Bäume, Gras und Steine“ hiess, und manchmal auch so klang.

Eine in Kürze erscheinende Box zeigt, was diese Freunde des Undergrounds live so alles anstellten mit engischen Jukeboxhymnen a la „Last Time“ von den Rolling Stones. Da war jede Menge Verwandlungskunst im Spiel, wenn manisch und repetitiv so ein Ohrwurm zerlegt wurde, wie im Terry-Riley-Rausch mit gekrümmtem Regenbogen, und eine halbe Ewigkeit lang. Auch der eigene Stoff war richtig gut, „one of the best heavy-psych-improv-folk-blues-rock bands ever“ nannte sie Stephen Malkmus einmal.

In einem „Boxset“ kann man sich das unheimliche Vergnügen gönnen, der Band in den Frühen Siebziger Jahren auf die Spur zu kommen. Wer kennt schon Bo Anders Persson, Torbjörn Abelli, Arne Ericsson and Thomas Mera Gartz!? Das war das Andere Schweden, lassen wir ABBA den Ruhm: „The Winner Takes It All“ – so ist das eben. Subversives bleibt besser unkultiviert. Sonst wird auch das Wilde nur eine weitere Fake-Welt, eine falsch gefärbte Erinnerung. Popakademiestoff.

 

  • (Live-Remix eine JT Moores-Textes von M.E.)

2016 3 Apr.

Green glass balconies

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I’ve got pockets full of solutions to the problems of the world
I’ve got barbecues like footballs perched on green glass balconies
Where dereliction used to fester
Where the coffee bars spread like weeds
And streetlights flicker eternal*

 
 
 


 
 
 

*The Karl Hyde lyric is weak lights flicker in tunnels but hey, my ears hear what they hear. Edgeland is still on heavy rotation in my personal playlist. I fucking love this record. Fucking genius, fucking all. Fucking everything: fucking motorways, fucking supermarkets, fucking clouds in my coffee.

Notes on the photo: this was taken in Staten Island in late April 2012. I have no memory of why I took it, or what happened that day. If there was a moment under the moment, then this was it. The cosmos was broken. The cosmos was repairable. She kissed me: it felt like a hit.


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