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Archives: Mittwoch, 27. April 2016

Ein sehr erstaunlicher Gedichtband, sehr amerikanisch. US-amerikanisch. Die Gedichte sind im Blocksatz gesetzt und wer schon einmal Gedichte im Blocksatz geschrieben hat, weiß, dass das eine neue Art von Freiheit ermöglicht, keineswegs Willkür in der Gestaltung. Es sind kleine Geschichten, meist über Grenzerfahrungen im politischen und im privaten Bereich, der Zugang wirkt sehr persönlich. Der Umfang: Eine halbe Seite, eine Seite, zwei. Die Texte chancieren zwischen Kürzestprosa, Essay und Gedicht. Die Grenzen der Textgattung erweitern. Kleine Skizzen, zum Beispiel vom menschlichen Torso und dem Schattenriss des Staates als Verdauungstrakt. Fotografien, die man eher nicht in einem Gedichband erwartet. Wussten Sie, dass die Exekution mehrfacher Mörder über closed-circuit-televison in die Wohnzimmer der Angehörigen übertragen wird? Da geht es dann ums Verzeihen. Ein Fernseher mit Schneebild, immer wieder. Ist das eine Provokation, eine Erinnerung an alte Zeiten, in denen es noch Sendepausen gab? Es erinnert mich an eine Zeile aus einem Song des Sixto Rodriguez („Sugar Man“), turn it off. That was a political statement. Ich mag die kleinen surrealen Elemente. Eine Einladung zur Party bei den Kennedys. Das lyrische Ich trinkt nur ein paar Gläser Perrier mit Zitrone. Als sie gehen will, erscheint der Kellner mit einem Kamel an seiner Seite und verlangt zehntausend Dollar.

 

Define loneliness?

Yes.

It´s what we can´t do for each other.

 
 
 

 

2016 27 Apr.

Siebenundzwanzig Vier Sechzehn

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Lieber Michael,

 

kurzzeitig aus meinem 9 to 5 auftauchend sehe ich, dass Du nach Lieblingsplatten des Reggae gefragt hast. Ich muss hier zugeben, dass es meine Plattensammlung nie ueber Exodous von Bob Marley & The Wailers, einer „Best of“ von eben diesem in Sachen Reggae hinausgewachsen ist.

Vermutlich waren die 1970iger, als all die Protagonisten wie Jimmy Cliff, Peter Tosh und auch Bob Marley ihre Fruehwerke vorlegten, die Bluetezeit – aber da sass ich auf einem kleinen Stuehlchen in der Schule und spaeter hat mich mein Interesse nicht mehr an Reggae herangefuehrt; von den ganzen Unterarten wie „Dub“ ganz zu schweigen. Alan Bangs hat in seinem BFBS Nightflight im Sommer (der idealen Sendezeit dafuer) viele Sendungen mit Reggae und Dub bestritten; aber diese Sendungen waren dann nicht so ganz meins.

Ich kann da also leider keine entlegene 7″ oder 12″ B-Seite nennen bei denen der Kenner dann heftig nickend Zustimmung signalisiert.

 

Etwas anders sieht es bei der World Music aus. Erinnere da einen ganz hervorragenden Auftritt von „King Sunny Ade and his African Beats“ im Rockpalast; vor ihm Kevin Rowland und Joe Jackson.

King Sunny Ade and his African Beats: das war in den 1980igern und dererlei Musik noch relativ selten im Fernsehen und Radio; das WOMAD Festival gab es noch nicht; und Charlie Gillett bei der BBC fuer mich nicht empfangbar.

Ach ja, und letztens habe ich mir eine DCD mit einer sehr guten Zusammenstellung von Fela Kuti gekauft und bin da sehr sehr fasziniert. (Brian Eno hat uebrigens von Fela Kuti eine Vinylbox kuratiert ueber die mir viel Gutes berichtet wurde; aber die kennst Du sicherlich!)

Soviel fuer jetzt. Lass Dich bei deinen Spaziergaengen mit Hund nicht allzu nass regnen !

 

Bis die Tage,

Uwe


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