Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: Freitag, 22. April 2016

 

 
 
 

1) On Land (Im tosenden Manhattan, wo Eno kostenlos leben konnte, entstand, neben einem geliebten Dachgarten, DAS archaischste aller Ambient-Alben, voller vorzeitlichem Rauschen und unbetretener Wälder) / 2) The Ship (ein Lamento in der Tradition der grossen Lamentos des 20. Jahrhunderts, aber ganz anders, und der Gesang einmal mehr ein Theater der Stimmen, keine Spur von Pathos, und am Ende reiner Jukeboxzauber) / 3) Music for Airports (systemische Musik, Steve Reich entlehnt, und doch ganz und gar im Eno-Territorium gelandet, mit einer konsequent unter der Oberfläche gehaltenen Melancholie, die Bang On A Can später freilegten mit Violinen und Bratschen) / 4) Taking Tiger Mountain (By Strategy) (selbst der scheinbare Eskapismus dieses seltsam unpopulär gebliebenen Songzyklusses streift dunkle Themen wie brennende Flugzeuge und Maos Schreckensregime – oder ist es das Album, von dem Roald Dahl geträumt hat? Herzwärmfaktor 10. D12-Dosis Punk. Eine Ohrwurmfülle, die Sgt. Pepper Konkurrenz macht) / 5) The Shutov Assembly (weitere Urweltphantasien ohne New Age-Touch, geschöpft aus den Tiefen des DX-7, in der zwar alle Figuren aus der Landschaft verschwunden sind, aber Enos Handschrift unüberhörbar bleibt – Simon Jeffes vom Penguin Cafe Orchestra liebte, als er dem Stück „Alhondiga“ lauschte, einen hellen Klang, der ihm wie ein Silberlöffel vorkam, der an eine Teetasse klopft) / 6) Another Green World (immer gern als sein drittes Songalbum bezeichnet, doch gab es viel mehr „instrumentals“ auf diesem Klassiker des 20. Jahrhunders, den nur Vollpfosten als „Synthi-Pop“ bezeichnen) / 7) Here Come The Warm Jets (Brians „Astral Weeks“, songgewaltig, surreal & psychoexistenzialistisch) / 8) Music For Films (lauter Miniaturen und Ideen – der Ideenfluss ist überbordend, der Sog abgründig, das Schweben ein Schweben, und die Fragmentierung seltsam formvollendet) 9) Another Day On Earth (nahtloses Anknüpfen an die Klasse der vier songorientierten Alben aus den 70ern – zu viele Worte kommen mir in die Quere für einen gescheiten Satz) / 10) Nerve Net (Lieblingsplatte von Eivind Aarset, Eno als Expressionist – und „Fractal Zooom“ ist ein technoider Sehnsuchts-Song, der einen kaum auf dem Tanzboden hält) / 11) Discreet Music (ein Zufall im Studio entpuppt sich als Meisterwerk des 20 Jahrhunderts – das stille pendant zu Lou Reeds „Metal Machine Music“) / 12) Before and After Science (der Abschluss der Liederjahre im aufregendsten Musikjahrtehnt der letzten fünfhunder Jahre – mit Julies Boots geht es über das Wasser, Kurt Schwitters Ursonate erschallt – dieser Traumstoff hallt noch Jahrzehnte später nach)

Being at the Niagara Falls, must be quite an immersive experience. Even with the cultural baggage of movie flashbacks. And the American way of colouring. It’s not so far away from the experience of old, beloved Reggae records: stone-cold classics, full of heat, love, and surrender. Being blown away in front of a famous waterfall, or on a „Jah-Maican“ time travel experience, nevermind!

So every Manafonista might leave his or her marks by adding to this mini-series of „20 reggae underground classics“ (if possible, let us not too often mention the usual suspects) – treasures that should never end in desolate areas of  record collections. The first record must be a killer, and it is. For the first time I heard this album at the end of the last century, during a party of Reggae- and Dub-fanatics in Düsseldorf. I’m talking about Dadawah‘s brooding, strung-out masterpiece of nyabinghi (Rastafarian spiritual music), „Peace And Love“! You don’t know it? Do yourself a favour! Originally released in 1974 on „Wild Flower“, it was repressed in ’75 by Trojan with different artwork. The two Reggae afficionados Ainley and Ernestus have had the tracks remastered at Abbey Road for the Dug Out edition, the vinyl housed in “old-school, hand-assembled sleeves” with original cover art restored. I’ll let Honest Jon’s explain the unique appeal of the record:

 

„Led by Ras Michael over four extended excursions, the music is organic, sublime and expansive, grounation-drums and bass heavy (with no rhythm guitar, rather Willie Lindo brilliantly improvising a kind of dazed, harmolodic blues). Lloyd Charmers and Federal engineer George Raymond stayed up all night after the session, to mix the recording, opening out the enraptured mood into echoing space, adding sparse, startling effects to the keyboards. At no cost to its deep spirituality, this is the closest reggae comes to psychedelia.“

2016 22 Apr.

Niagara Falls, yesterday night

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Wenn der Tempo mit dem Jukebox-Man kommt …

Die Geschichte glaubt mir ja doch keiner. Egal, ich erzähle sie trotzdem. Ende März war ich mal wieder mit dem Tempo unterwegs: Hochsaison, die Jukeboxen meiner Kunden müssen aus ihrem Winterschlaf geweckt werden, da kann es schon die eine oder andere böse Überraschung geben – als mich eine Nachricht von einem befreundeten Wirt M, der eine traumhafte Kneipe an der Nordsee führt, erreichte. Auf seiner NSM City stimme irgendetwas mit den Anzeigeleuchten nicht (siehe Foto), ich möge vorbeikommen, aber schnell, meinte er. Mist, das Problem dieser Box ist mir wohlbekannt, die Leuchtkette ganz schlecht zu bekommen, noch dazu sündteuer, das schrieb ich ihm. Okay, seine Antwort: „Du kommst bitte trotzdem, um überhaupt mal der Box einen Frühjahrscheck zu verpassen und, damit wir mal ein wenig mehr Zeit haben, bleibst du bitte über Nacht: Überraschung!“

 

 

 

 

 

Weiß der Teufel, was mir da bevorstehen sollte, ich hatte Zeit und Lust, also nichts wie hin, an die Nordsee. M hatte seine Wirtschaft noch nicht geöffnet, am 15.04. sollte das Eröffnungsfest starten.

Okay, zuerst die Arbeit: am Abend dann hatte M köstlich gekocht, es gab besten Rotwein. Man stelle sich vor, zu zweit allein im Gastraum, alles für die nahende Saison geputzt, die NSM, außer den Anzeigenleuchten, im Bestzustand; M hatte zur Einweihung der überholten Box Fleetwood Mac, The Doobie Brothers, Chris Andrews und Don McLean gedrückt. Dann bat M mich in ein Zimmer oberhalb der Kneipe, ich wusste gar nicht, dass er dort noch eines hatte und meinte, als wir vor der geheimnisumwitterten Türe standen, da drinnen wäre die Überraschung, aber bitte, ich solle mir doch zunächst mein Zimmer, in dem ich nächtigen sollte, ansehen. Am Ende des Flurs lag das von ihm so genannte Brian Wilson-Gästezimmer. Wo man nur hinschaute, gab es Interessantes zu sehen: hier die große Smile-Box der Beach Boys, dort eine alte Eintrittskarte für ein legendäres Konzert, dann wieder ein Bildband zum Anschauen, bevor einem die Augen zufallen würden. Ein verrückter Kerl, dieser M, und dann noch der Osterhase auf dem Nachttisch, zum nächtlichen Knabbern gedacht.

Dann die Überraschung, M öffnete die Tür zu einem Studio, wie ich es noch nie gesehen habe. Ich hatte Platz zu nehmen, auf einem genau gekennzeichneten Punkt, wegen des optimalen Sounds, dann hieß es Klappe halten und Musik hören. Das mit dem „Klappe halten“ musste selbstredend nicht gesagt werden, tauchte ich doch in einen so himmlischen, nie gehörten, nie geahnten Sound ein, unfassbar, unglaublich, unerhört bzw ungehört: Das Programm das M zusammengestellt hatte:

 

  • Sonny Rollins: Way Out West (Aufnahme 1957, man fasst es nicht! Platte sofort gekauft, riesig!)
  • Keith Jarrett: Book of Ways (steht in meinem Plattenschrank, aber nie so auch nur im Ansatz gehört)
  • Muddy Waters: Folk Singer (dito)
  • Miles Davis: Kind of Blue (Sonderversion als Doppel-45rpm-LP in der Schmuckbox mit großformatigem Textbegleitheft) M musste dann den Riemen des Plattenspielers umlegen, um 45rpm zu bekommen…
  • King Crimson: Islands 5:1 surround mix Steven Wilson (sic, die vorletzten Klanghorizonte)
  • Talking Heads: Stop Making Sense (blu-ray movie, 5:1) (das hätte D. Mitchell umgehauen)
  • Don Cherry and Ed Blackwell: El Corazon
  • Caravan: In the land of grey and pink (Platte habe ich sofort bestellt, großartig)

 

 

 

 

Am späten Abend lud M ins „electric cinema“ ein. Das Studio verwandelte sich in ein Kino der Sonderklasse. Schnurrend senkte sich die Leinwand herab, ein Hochleistungs-Beamer von der Sorte „Preis auf Anfrage“ nahm seine Arbeit auf, der Ton kam natürlich über die Anlage, gesehen wurde It Follows von David Mitchell (anderer Mitchell natürlich!).</p >

Nie hätte ich gedacht, dass man so Musik hören kann, in der Art Filme schauen kann. Was für eine Erfahrung. Ohne Werbung machen zu wollen, hier die Liste der Maschinen, die dieses Hörwunder vollbracht haben: Die Schaltzentrale von Trinnov Amethyst; die Aktivlautsprecher vorne von Manger Audio; hinten zwei Aktivboxen von Abacus (als Surround-Elemente/Basskontrolle); der Plattenspieler: VPI Prime und der Tonabnehmer: Goldnote Machiavelli; Phonovorstufe: Moon 310LP / 320S und der CD, DVD, Audio, Blu-ray, SACD Allesfresser: OPPO BDP 103.

Was sich doch für Schätze über einer normalen Jukebox-Kneipe verbergen. M sei für diese Hörerfahrung herzlichst gedankt.


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