Auf dem Küchentisch das volle Glas Milch. Nur eisgekühlt und auf ex konnte ich Kuhmilch halbwegs geniessen. Abends trank ich so ein Glas manchmal, damit das Bier oder der Wein am nächsten Morgen keinen Kater verursachten (eine Flasche „Kleinwintersheimer Geiershölle“ hatte es in sich). Aber morgens, das war eine Ausnahme. Vielleicht „Nachdurst“. Auf dem Kühlschrank stand ein Radio-Kassettenrecorder, und ich setzte mich an den Tisch und berauschte mich an Frank Zappa. Ich hatte seinen Auftritt von der Isle of Wight mitgeschnitten, George Duke spielte ein atemraubendes E-Piano, die Zappa Band legte eine fulminante Version von „The Grand Wazoo“ auf die Bühne. Um die Zeit herum hörte ich einmal in der Stadt eine Schallplatte von George Duke, die auf dem Kunstkopfhörer ausserordentlich klang – der damals moderne Fusion-Jazz mit Tasteninstrumenten und Synthesizern entfaltete sich um den Kopf herum, dass es eine Pracht war. Ich zweifle daran, ob George Duke jemals eine auftegendere Platte gemacht hat als diese mit dem Titel „Faces in Reflection“ (1974). Lassen wir die Sidemen-Aktivitäten dabei mal ausser Acht. Kürzlich erschien eine Prachtbox für Vinylisten, die alle sieben Soloalben von George Duke für das Schwarzwald-Label MPS aus den Jahren 1973 bis 1976 vereint. „The Era Will Prevail“. Kostenpunkt 169 Euro. Klanglich war MPS für exzellente Tonqualitäten bekannt, und meine meistgespielte Platte des Labels war eine von Don Sugarcane Harris. Nur, George Duke war immer auch ein Mann für den „smooth jazz“, den longdringtauglichen Mix aus Funk, Soul, Pop und Jazz. Da gab es ja noch einen Spezialisten für Kerzenlicht, Martini rosso und Barhocker, wie hiess dieser Softie noch, ja, genau, Grover Washington Jr. Ha, eine seiner erfolgreichsten Platten war „Winelight“, und die ist so samtweich, dass man sie als dämmeriges Glanzstück des „smooth jazz“ durchaus geniessen kann. Statt der „Zigarette danach“. Ich schweife ab. Ich glaube, George Duke hat bei MPS die besten Platten seines Lebens gemacht, aber inwieweit mich das ganze Paket heute noch fesseln würde, keine Ahnung, leichte Zweifel. Später behauptete mein Jazzchef einmal felsenfest, ich hätte doch einmal ein feines Porträt über George Duke gemacht, aber ich war mir sicher, ihm nie im Leben begegnet zu sein. Ich hätte aber Lust, wenn nicht mit Kunstkopf, so wenigstens mit einem Plattenspieler, „Faces In Reflection“ wieder einmal zu hören, gerade nach so langer Zeit. Vielleicht auch das Vorgängeralbum „Feel“. Das Glas Milch war schnell ausgetrunken, George Dukes langes Solo bei Frank Zappa verklungen, und ich legte eine andere Kassette ein, „Lord of the Rings“, von Bo Hansson. Das war nie verkehrt in meiner wirren Teenagerliebeswelt.
Archives: August 2015
2015 17 Aug.
Eine Geschichte mit George Duke
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off
2015 17 Aug.
„A composite portrait of a ghost“
Manafonistas | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 5 Comments
Karen Dalton arrived in Greenwich Village during the early 1960s folk revival with songs she´d learned growing up in Oklahoma and a voice that held a reedy, startling, bluesy quaver. She took banjo lessons, too. There are ghost stories in misic history: names that ring a bell for the happy few, names that once were real persons casting a shadow, chasing shadows. She was praised by Bob Dylan and cherished on the coffeehouse circuit, but she recorded only two studio albums, in 1969 and 1971, full of other people´s songs. During the 1970s she gave up performing in public; she died in 1993. Now it turns out she was writing lyrics of her own, plain-spoken and striking ones, like these from „Don’t Make It Easy“: „Things you said don´t leave my head/I may take my time forgetting you.“ Did you never hear her sing „Something On Your Mind“? That bluesy quaver, smoking signs from a life long gone, a heartache, another heartache. For „Remembering Mountains“ (Tompkins Square), 11 songwriters, all women, wrote music for Dalton´s lyrics. They came up with ballads: bluesy ones like Patty Griffin´s „All That Shines Is Not Truth“ and Lucinda Williams´s „Met an Old Friend“, folky ones like Isobel Campbell´s „Don´t Make It Easy“, and Minimalist ones like Julia Holter´s „My Love, My Love“. Working separately, the songwriters converged in lonely reflection; the album adds up to a composite portrait of a ghost. One minor quibble, Robert Wyatt (one man!:)) should have been here, too, on Memory Lane. (NYT, B.R. „Ghost Remix“ )
Für mich sind diese letzten Stücke meines Albums CUCKOOLAND ein Bündel von möglichen „Exit“-Strategien in einer unerträglich brutalen Welt. Da bin ich offen für Sinnsuche, für Bedeutungsreste, für jeden Lichtblick. Ich mochte die ergreifende Melodie von „Del Mondo“; der Song basiert aber auf der mystischen, geradezu feminstisch anmutenden Weltsicht eines katholischen Komponisten. Da spukte wohl in jungen Jahren in seinem Kopf die Idee rum, daß wir es mit einer Erdenmutter besser haben würden als mit einem männlichen Gott. (Robert Wyatt, aus meinem CUCKOOLAND-Interview)
2015 16 Aug.
Cole Waterman’s brilliant statements about „True Detective“, Season 2
Manafonistas | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: True Detective | 1 Comment
„This is another way Pizzolatto demanded more of his viewers this season. The majority of those turned off by the season aren’t likely to sit through another exploratory session, but for its fans, another go is essential and should be more rewarding. As such, the season may be destined to fade into obscurity as far as the masses are concerned. At the same time, it could grow into a cult classic among its small group of defenders. That’s a suitable fate, fittingly placing it alongside the pulp noir canon to which it paid reverence.“
2015 15 Aug.
Herr Rosato schrieb mir gestern eine Mail
Manafonistas | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 3 Comments
Ich kann mir nicht helfen: wer sich nachts fünf bis sechs Stunden im Rundfunk-Studio um die Ohren schlägt, muss ein Missionars-Gen in der DNA haben. Wie viele (andere) Ohren haben um diese Nachtstunden geöffnet? Aber ich versteh‘ das ganz gut, weil ich von meinem eigenen missionarischen Impetus (M.I.) weiß.
ICH fühle mich i.d.R. nicht wohl, wenn ich etwas, das mich sehr berührt, nur für mich behalte. Zwar können Missionare lästig fallen. Nicht jeder mag vom M.I. eines Zeitgenossen mit voller Wucht getroffen werden. Der „ehrliche“ Missionar erwartet aber keine Gegenleistung für sein Tun. Es wäre ihm gar nicht recht, wenn die von ihm „Belasteten“ sich zu irgendetwas verpflichtet fühlten. Soviel zur Psychologie des M.I.
In diesem Zusammenhang geht mir oft folgende Vorstellung durch den Kopf: wenn der Jarrett – es kann jeder andere Kreative sein – vor Publikum auftritt, dann spielt er auch sich selbst ein Liedlein vor. Und seinen Juchzern, Jauchzern nach, muss er es sehr genießen, muss es ihn sehr berühren – vielleicht intensiver als manchen public listener.
Vielleicht geht es auch dir so wenn du heute Nacht die „Klanghorizonte“ moderierst, und ich werde wohl, wenn du dir die Liedlein vorspielst, etwas von deinem Vergnügen spüren.
Gruß von mir,
Rosato
2015 13 Aug.
Nachts im Sender, in Cicely, in Köln, und anderswo
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 4 Comments
Chris am Mikrofon. Cicely, Alaska. Die hintersinnig-komische Serie „Northern Exposure“. Vor langer Zeit. Heute sah ich zwei alte Folgen auf grosser Leinwand, in einer ging es um Bella Italia, Dante, und die Tücken, eine neue Sprache zu lernen. In der anderen, „Fish Story“, traten drei Rocker auf, mit Motorrädern, am Ende der Welt. Und es war wunderbar, in der Kneipe lief plötzlich ein alter Song der Allman Brothers Band. Stunden vorher hatte ich daran gedacht, wieder mal im Fillmore East aufzutauchen, an diesen drei Abenden, 1971, an denen sie für die Ewigkeit spielten, Monate, bevor Duane tödlich verunglückte. Ich werde mich nie satt hören an diesem Doppelalbum. Diese Musik erfüllt mich, dabei war ich nie ein Blues Brother. Ich hätte gerne nachts im Sender diesen Blick nach draussen, eine Sendestation an der West Coast würde mir auch gefallen, es muss ja nicht gleich ein Leuchtturm sein, und, wie einst bei John Carpenter, der Nebel des Grauens aufziehen. In der Morgendämmerung vom Samstag kommen grosse alte Langspielplatten, produced by Manfred Eicher, 1973, 1974, 1977, ins Spiel, eine leider fast vergessene Solopianoplatte wird den Abspann bilden, und neben Mitschneidern und Nachteulen auch einige Frühaufsteher beglücken, „Ecstasy“, von Steve Kuhn. Die Siebziger Jahre waren die wahren Sechziger.
„I will bring you through the night“ (Laura Nyro) NEULAND: Flying Saucer Attack / Mike Cooper / Hilde Marie Holsen / Dino Saluzzi / Sokratis Sinopoulos / „Eine Olive des Nichts“ / Robert Forster / Codex // Moritz von Oswald Trio (w. Tony Allen) / Fennesz + Ozmotic / Monkey Plot / Brutter (w. Christian Wallumrod) / Radio Vietnam / Heitor Oliveros // NAHAUFNAHME: Terje Isungset // ZEITREISE: Arthur Russell / Brian Eno / Michael Mantler / Dieter Moebius / Lloyd McNeill / David Toop / Michael Head / Terry Riley // Art Lande / Jan Garbarek / Peter Rühmkorf / Steve Kuhn — (… from friday night till saturday morning – 1.05 ‚til 6’oo) – www.dradio.de (live stream)
2015 12 Aug.
STREETlisbon (4) Georges Braque was here … ?
Henning Bolte | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Comments
2015 12 Aug.
STREETlisbon (3) travessa da conceicão da gloria
Henning Bolte | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off






