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Archives: Montag, 17. August 2015

„Dirty old river, must you keep rolling / Flowing into the night“. Ich spazierte sehr gerne durch die Nacht von Kristiansand. Die Arbeit war getan und Lust obendrein, die Musik von Cyclobe die Überraschung jenes Septembertages. Ossian Brown, einer der Bandleader, hatte vor Jahren ein Fotobuch zum Thema „Halloween in England“ veröffentlicht, mit vielen uralten Bildern – Kinder in alter Zeit, die dem Grauen ein Schnippchen schlugen.

Ich gehe (eine richtige „Mörderwanderung“!) über gepflegte, hölzerne Hafenbrücken, an riesigen Fischlagerhallen vorbei, lasse den winzigen Küstenpark links liegen, jetzt komme ich zum Stadtrand, die Strasse steigt an, aus einem Studentenwohnheim kommt Musik der Rolling Stones, eine alte Platte, ich glaube, es ist „Let It Bleed“, eine gute Stunde zieht ins Land, ich komme noch an dem Laden mit den verzerrten Technoklängen (ein ewiges Umpf-Umpf der bekloppten Art) und der grossen Kebab-Pizza vorbei (open till 4.30 in the morning!), dann sinke ich ins Bett, nur die Gedanken rotieren noch, ich remixe meinen Tag live, steige aus allen „loops“ aus, na ja, ein paar kreisen noch ums Gehirn herum, ich stehe noch einmal auf, nehme einen Soft Drink aus der Mini-Bar, und lege in meiner virtuellen Jukebox einen Song auf, der mir aus Gründen, die ich nur zu gut kenne, ganz nahe kommt, „Waterloo Sunset“, von den Kinks.

Die „Doom-Folk“- und „Drone-Spezialisten“ von Cyclobe kommen mir wieder in den Sinn, die mit ihren Synthesizern, hurdy-gurdy-klängen und sonstigem historischem Klanggerät, wie die Kinks, aus einem alten England stammen, wild entschlossen, dessen letzte Spuren zu sichten, in einer dunklen, songfreien Zone, herrlich archaisch, und „very strange in a positive way“. Die Art von Musik, bei der Musikjournalisten immer gerne den „heidnischen Gral“ der britischen Folk-Historie (Abteilung: Kino) ins Spiel bringen, den Horrorfilm-Klassiker „The Wicker Man“. Tatsächlich haben Cyclobe ein Faible für Soundtracks, und jüngst alte Filme von Derek Jarman neu vertont.

Nachklang: Ich werde die Waffeln im Hotel Norge vermissen, die anregenden Gespräche, die grosse Crew, die sich um das Wohlergehen aller Gäste kümmerte, die meistens klugen Festivalplanungen der künstlerischen Leiter Jan Bang und Erik Honore, die Gespräche mit Sidsel und Eivind, mit Arve und Jon (Hassell), Fiona K. und Dave B., das wunderbarste Ehepaar aus Kristiansand, Freigeister durch und durch, ich weiss, Dankeslisten sind langweilig, aber diese ist ja nun auch schon zuende und sowieso unvollständig.

Was Menschen oft verkennen, ist die Freude, wenn man weiss, dass man etwas Grossartiges einfach loslassen kann, so richtig, und für immer. Ich hoffe, die beiden Direktoren werden einmal Steve Tibbetts und Marc Anderson nach Norwegen holen, damit sie „Northern Song“ neu inszenieren. Dann, und nur dann, würde ich noch einmal dort sein. Der unnahbarste Mensch, der mir dort begegnet ist, heisst David Sylvian. Gespenstern begegnet man eben nicht nur in alten Schlössern.

  1. George Duke: Faces In Reflection
  2. Julian Priester: Polarization
  3. Herbie Hancock: Headhunters
  4. Byard Lancaster: Us
  5. Eine Schallplatte von Red Norvo
  6. Joachim Kühn: Cinemascope (MPS)
  7. Grover Washington Jr.: Winelight
  8. Julie Tippetts: Sunset Glow (?)
  9. Astor Piazzolla / Gary Mulligan (Duo)
  10. The Blue Notes (Doppel-Live-Album)
  11. Jeremy Steig: This Is Jeremy Steig
  12. Chris Hinze Combination: Mission Suite (MPS)

Sie fuhren mit dem roten Buckelvolvo hinaus in den Kaiserstuhl. Rainer hatte die in Schnaps getränkten Rosinen in einem Marmeladenglas p. Er wollte damit Fasane betrunken machen. Pia war bereit, dann die Federn zu zupfen und das Vieh in den Bräter zu geben. Horst wollte mit all dem nichts zu tun haben. Er besaß einen Führerschein und das Auto. Leah hatte bereits nach einem späten Frühstück einen Trip eingeworfen.

Ich gab den DJ und legte auf: MERLE HAGGARD: OKIE FROM MUSKOGEE

Als sie das richtige Fleckchen gefunden hatten, setzte sich Leah ins Gras und spielte mit Käfern. Sie erklärte kichernd den Unterschied zwischen Stinkwanzen, Bettwanzen und Panzerwanzen.

Ich gab den DJ und legte auf: DON DIBSON: WOMAN

Horst lehnte etwas abseits an einem Zahnpfahl und las in dem Buch „Wasser“ von Ute Guzzoni. Er hatte bei ihr Philosophie studiert und sich gleich am ersten Vorlesungstag in die Heidegger Schülerin verknallt.

Ich gab den DJ und legte auf: WAYLON JENNINGS: Sally was a good old girl:)

Rainer kam strahlend mit einem erledigten Fasan und legte ihn zu Pia’s Füßen. Sie wandte sich ab mit Tränen in den Augen.

Ich gab den DJ und legte auf: WILLIE NELSON: SUFFERING IN SILENCE

Leah tanzte inzwischen über das Feld. DON GIBSON: What a blue blue day.

Auch Horst hatte sich mittlerweile bewegt und war hinüber zu Pia geschlendert. Er dozierte vor ihr: Du brauchst elementare Erfahrungen. Lass dich auf das Wasser ein. Setz dich in Bezug zu ihm und du wirst dich erschließen können.

Ich gab den DJ und legte auf: MERLE HAGGARD: SWINGING DOORS.

Am späten Abend fuhren sie in ihre Räume der Gelassenheit.

2015 17 Aug.

Eine Geschichte mit George Duke

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Auf dem Küchentisch das volle Glas Milch. Nur eisgekühlt und auf ex konnte ich Kuhmilch halbwegs geniessen. Abends trank ich so ein Glas manchmal, damit das Bier oder der Wein am nächsten Morgen keinen Kater verursachten (eine Flasche „Kleinwintersheimer Geiershölle“ hatte es in sich). Aber morgens, das war eine Ausnahme. Vielleicht „Nachdurst“. Auf dem Kühlschrank stand ein Radio-Kassettenrecorder, und ich setzte mich an den Tisch und berauschte mich an Frank Zappa. Ich hatte seinen Auftritt von der Isle of Wight mitgeschnitten, George Duke spielte ein atemraubendes E-Piano, die Zappa Band legte eine fulminante Version von „The Grand Wazoo“ auf die Bühne. Um die Zeit herum hörte ich einmal in der Stadt eine Schallplatte von George Duke, die auf dem Kunstkopfhörer ausserordentlich klang – der damals moderne Fusion-Jazz mit Tasteninstrumenten und Synthesizern entfaltete sich um den Kopf herum, dass es eine Pracht war. Ich zweifle daran, ob George Duke jemals eine auftegendere Platte gemacht hat als diese mit dem Titel „Faces in Reflection“ (1974). Lassen wir die Sidemen-Aktivitäten dabei mal ausser Acht. Kürzlich erschien eine Prachtbox für Vinylisten, die alle sieben Soloalben von George Duke für das Schwarzwald-Label MPS aus den Jahren 1973 bis 1976 vereint. „The Era Will Prevail“. Kostenpunkt 169 Euro. Klanglich war MPS für exzellente Tonqualitäten bekannt, und meine meistgespielte Platte des Labels war eine von Don Sugarcane Harris. Nur, George Duke war immer auch ein Mann für den „smooth jazz“, den longdringtauglichen Mix aus Funk, Soul, Pop und Jazz. Da gab es ja noch einen Spezialisten für Kerzenlicht, Martini rosso und Barhocker, wie hiess dieser Softie noch, ja, genau, Grover Washington Jr. Ha, eine seiner erfolgreichsten Platten war „Winelight“, und die ist so samtweich, dass man sie als dämmeriges Glanzstück des „smooth jazz“ durchaus geniessen kann. Statt der „Zigarette danach“. Ich schweife ab. Ich glaube, George Duke hat bei MPS die besten Platten seines Lebens gemacht, aber inwieweit mich das  ganze Paket heute noch fesseln würde, keine Ahnung, leichte Zweifel. Später behauptete mein Jazzchef einmal felsenfest, ich hätte doch einmal ein feines Porträt über George Duke gemacht, aber ich war mir sicher, ihm nie im Leben begegnet zu sein. Ich hätte aber Lust, wenn nicht mit Kunstkopf, so wenigstens mit einem Plattenspieler, „Faces In Reflection“ wieder einmal zu hören, gerade nach so langer Zeit. Vielleicht auch das Vorgängeralbum „Feel“. Das Glas Milch war schnell ausgetrunken, George Dukes langes Solo bei Frank Zappa verklungen, und ich legte eine andere Kassette ein, „Lord of the Rings“, von Bo Hansson. Das war nie verkehrt in meiner wirren Teenagerliebeswelt.

 
 
 

 

Karen Dalton arrived in Greenwich Village during the early 1960s folk revival with songs she´d learned growing up in Oklahoma and a voice that held a reedy, startling, bluesy quaver. She took banjo lessons, too. There are ghost stories in misic history: names that ring a bell for the happy few, names that once were real persons casting a shadow, chasing shadows. She was praised by Bob Dylan and cherished on the coffeehouse circuit, but she recorded only two studio albums, in 1969 and 1971, full of other people´s songs. During the 1970s she gave up performing in public; she died in 1993. Now it turns out she was writing lyrics of her own, plain-spoken and striking ones, like these from „Don’t Make It Easy“: „Things you said don´t leave my head/I may take my time forgetting you.“ Did you never hear her sing „Something On Your Mind“? That bluesy quaver, smoking signs from a life long gone, a heartache, another heartache. For „Remembering Mountains“ (Tompkins Square), 11 songwriters, all women, wrote music for Dalton´s lyrics. They came up with ballads: bluesy ones like Patty Griffin´s „All That Shines Is Not Truth“ and Lucinda Williams´s „Met an Old Friend“, folky ones like Isobel Campbell´s „Don´t Make It Easy“, and Minimalist ones like Julia Holter´s „My Love, My Love“. Working separately, the songwriters converged in lonely reflection; the album adds up to a composite portrait of a ghost. One minor quibble, Robert Wyatt (one man!:)) should have been here, too, on Memory Lane. (NYT, B.R. „Ghost Remix“ )

„Something On Your Mind“


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