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2015 4 März

Jazz Jamboree Warschau

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Komeda, Komeda, Komeda … .
 
 
Berlin hatte seit 1964 sein Jazzfest, Warschau seit 1965 seine Jazz Jamboree mit ihrem ersten (dreitägigen) Vorläufer unter dem Namen ‚Jazz 58‘ im Jahre 1958. Das älteste Jazzfestivals Europas ist wohl das von Ljubljana (1960), ein Jahr älter als Molde (1961).
Die aktive Peripherie!
 
 
Warschau also …
 
 
 

 
 
 
1966 spielte Garbarek, neunzehnjährig, zum ersten Mal auf der Warschauer Jazz Jamboree. Auf Einladung von Komeda.
 
 
 

 
 
 
Spontan Dixieland. (-:
 
 
Und mit Karin Krog (auch in Prag). Komeda hatte Garbarek im Jahr zuvor in Kongsberg gesehen. Dann 1982 spielte Garbarek in Warschau zusammen mit Miles Davis … Es gibt wohl nur mündliche Berichte.
 
 
 

 
 
 
Und hier noch ein Blick ins Jahr 1962, Garbarek als fünfzehnjähriger Preisgewinner.
 
 
 

 
 

Die zwei Beiträge sind historische Themen: Dietrich Rauschtenberger berichtet in seinem nun endlich erschienenen, mit viel Humor ausgestatteteten, Buch „Trombeck“ von der „Erfindung“ des Free Jazz in Wuppertal. Während Michael Kuhlmann diesen „Kulturschmöker“ vorstellt, öffnet Bert Noglik, unser Polen-Experte par excellence, eine Schatzkiste, die etliche Soundtracks aus der Ära Komedas und Polanskis bereithält, Berühmtes, Unerhörtes, Verschollenes. Und wer hätte gedacht, dass in dieser polnischen Jazzhistorie, die bis nach Hollywood reichte („Rosemarys Baby“), auch mal Gato Barbieri und Don Cherry auftauchten?! Um diese beiden Themen herum reihen sich etliche vielversprechende Neuerscheinungen aneinander, von Paolo Fresu (im Duo mit einem Bandoneon-Spieler), Matthias Eick (ich hörte Ausschnitte davon in einem Auto in Lugano, im letzten Sommer, die geheimen Freuden von Mitarbeitern eines Tonstudios) und war sehr angetan von dem Miteinander von Violine und Trompete. Jazzcountryeskes aus Norwegen? Sie werden es hören. Die  englische Gruppe Polar Bear liess sich gewiss von weiten amerikanischen Landschaften inspirieren, und kreiert auf ihrem neuen Album u.a. ein zwanzigminütiges Groovemonster, das auch Freunde der Necks begeistern wird. Und dann gibt es wahrscheinlich eine weitere denkwürdige Ausgrabung aus den frühen Achtzigern zu bestaunen, die bislang noch nie das Tageslicht erblickte: eine Begegnung des norwegischen Free-Jazz-Spezialisten Frode Gjerstad mit der englischen Drummer-Legende John Stevens. Und das war noch nicht alles: die JazzFacts beginnen um 21.05 Uhr.

 
 
 

 
 

Aus der Mixtape-Kiste

 

„Verträumte Polizisten watscheln bei Laternen.
Zerbrochene Bettler meckern, wenn sie Leute ahnen.

An manchen Ecken stottern starke Straßenbahnen,
Und sanfte Autodroschken fallen zu den Sternen.“

Alfred Lichtenstein (1889-1914), Die Stadt (1913)

 

In Stuttgart heißt die Straßenbahn Schtrambe, die meisten Linien jedenfalls. Die Linie 10 heißt Zacke; das ist eine Zahnradbahn. In der Innenstadt sieht man keine Straßenbahnen, denn sie wurden in den 70er-Jahren unter die Erde verlegt. Das mögen die Stuttgarter; auch zu Fuß muss man in die Tiefe, wenn man ins Theater oder in die Staatsgalerie will. Es hat mit Verkehrsplanung (Benztown) und Grundstücksspekulation (Bahnhof) zu tun, dass es mehr Stäffele (Treppen) nach unten als nach oben gibt. Sucht man eine unterirdische Straßenbahnhaltestelle, muss man nach einem blau-weißen Schild mit einem U Ausschau halten.

Denn die halbe U-Bahn heißt Stadtbahn. Nicht zu verwechseln mit den Haltestellen mit grünweißen S-Schildern, zu denen die S-Bahn fährt. Wenn sie fährt. Oft steht sie irgendwo auf freiem Feld oder mit besonderem Kick für claustrophobische Insassen in einem der vielen Tunnels. Die Schtrambe ist aber zuverlässig. Bloß sehen tut man auch in ihren Tunnelstrecken nichts von der Stadt – zum mechanisierten Flanieren ist sie nicht geeignet.

 
 
01 Obere Ziegelei – Füenf
02 Green Streetcar – Igor Bril
03 Ich sah dich in der Straßenbahn – Heinz Erhardt
04 Neugereut – Füenf
05 Tram Love – Chikinki
06 Mit der letzten Straßenbahn – Ilse Werner
 

„Der Potsdamer Platz in ewigem Gebrüll
Vergletschert alle hallenden Lawinen
Der Straßentrakte: Trams auf Eisenschienen,
Automobile und den Menschenmüll.“

Paul Boldt (1886-1921), Auf der Terrasse des Café Josty (1912)

 

Das Flanieren zu Fuß unterscheidet sich wesentlich vom Flanieren per Tram (oder Bus) im Anteil des freien Willens an der Auswahl des Weges. Zu Fuß unterwegs kann an jeder Kreuzung, an jeder Abzweigung neu entschieden werden, ob und wohin es weitergeht, abhängig nur noch von der Ausstrahlung des nächsten Blockes, vom Sog neuer Straßen. Das Flanieren mit der Tram beginnt mit längst gefallenen Entscheidungen anderer, nämlich derer, die für die Haltestellennamen verantwortlich sind.

Es lohnt sich, ihnen gegenüber misstrauisch zu sein. An der Stuttgarter Haltestelle „Ruhbank“ ist es alles andere als ruhig; es handelt sich um eine riesige Straßenkreuzung, und die wohl bekannteste Straßenbahnhaltestelle der Welt liegt an einem Friedhof: „Desire“ in New Orleans.

 
 
07 A streetcar named desire – Cincinnati Pops Orchestra
08 Travel by bus or streetcar
09 Streetcar – Chie Sato Roden
10 Streetcar – Sound Effects Library
 
 

Eine gewisse Freiheit beim Flanieren per Tram bietet der Streckenplan, farbiges Spinnengewebe mit den Schnittpunkten der Linien und der Möglichkeit weiterer Reiseplanung. Es müssen keine schnellen Entscheidungen fallen; umgekehrt passt der Liedtitel auch: „Männer sind wie Straßenbahnen – alle 10 Minuten kommt ein neuer.“

 
 
11 Men are like streetcars – Susannah McCorkle
12 To Teleutaio Tram – Giorgou Strati
13 Vogelsang – Füenf
14 Take the A-Tram – Transglobal Underground
 

„Maria Mutter der Straßenbahn
Im Filzhut
Wankende Weichenstellerin
Der Weichteile
Gschamig
Die Pause bröselt
Napfkuchen
Dröhnt
Lebkuchen hei er lebet“

Klabund (1890-1928), Die gefiederte Welt (1919)

 
B-Seite folgt

… doch, ich stehe dazu, ich mag den Motown-Sound, in meinem Plattenschrank befinden sich auch durchaus einige Schätze diese Musikrichtung betreffend. In Deutschland der sechziger und siebziger Jahre war der Motown-Sound nicht so verbreitet, wollte man Smokey Robinson hören oder die Four Tops, musste man schon schauen, wo man bleibt. Auch der musikalische Ruf war hierzulande nicht unbedingt der beste, von Hit-Fabrik war die Rede, wenn man das Motown-Studio der Firma Tamla Motown in Detroit meinte … und das auch sicher nicht zu Unrecht. Am 12.Januar 1959 begann die Erfolgsgeschichte der Plattenfirma in Detroit mit The Miracles, deren Songschreiber kein geringerer als Smokey Robinson war. Er schrieb No 1 Hits ohne Ende, nicht nur für seine eigene Gruppe, auch für zahlreiche andere Bands und, er sollte dann auch bald zum Vizepräsidenten der Firma aufsteigen. Sogar in meiner persönlichen Lebens-Top-Twenty ist er mit seiner Band The Miracles vertreten und zwar mit dem unglaublich guten Song „The Tears of a Clown“.

Zum 50jährigem Firmenjubiläum (2009) brachte Motown am 9.12.2008 eine wunderbare Box mit zehn CDs heraus. Die Box hat die Form des Hauses, in dem die größten Motown-Hits aller Zeiten aufgenommen wurden: Hitsville U.S.A.

 
 
 

 
 
 

Wenn man das aus kräftigem Pappwerk gestaltete Haus nach oben abzieht, erscheint eine weitere Box, in der fünf Doppel-CDs und ein umfangreiches Buch, ein 100-seitiges Booklet, enthalten sind; letzteres gibt die Musiker, Komponisten, die genauen Aufnahmedaten der einzelnen Titel, die Produzenten, die Platzierungen des Stückes in den verschiedenen Hitlisten der Welt und vieles mehr wieder. Alle Titel waren in irgendwelchen Hitparaden No.1-Hits, daher der Titel der CD-Box: Motown – The Complete No.1´s.

Ich möchte jetzt hier keine weitere Top-Twenty-Hits des Motown präsentieren, aber wenigstens die für meinen Geschmack wichtigsten Titel dieser Box nennen. Vorweg noch eine Bemerkung: nur die ersten beiden Do-CDs interessieren mich wirklich, alle Titel nach 1973, 1974 gehören für mich eher in die Kategorie „No-Go“, es sei denn es geht um Stevie Wonder oder Marvin Gaye … – also los geht’s, The Very Best Of Motown from Hitsville U.S.A. :

 
 
 

 
 
 

  • The Marvelettes: Please Mr.Postman //
  • The Contours: Do You Love me //
  • Martha & The Vandellas: Heat Wave //
  • The Temptations: The Way You Do The Things You Do //
  • The Supremes: Where Did Your Love Go //
  • The Supremes: Baby Love //
  • Jr.Walker & The All-Stars: Shotgun //
  • The Supremes: Stop! In The Name Of Love //
  • Four Tops: I Can´t Help Myself //
  • Marvin Gaye: Ain´t That Peculiar //
  • Stevie Wonder: Uptight (Everything´s Alright) //
  • The Temptation: Get Ready //
  • The Isley Brothers: This Old Heart Of Mine (Is Weak For You) //
  • The Temptation: Ain´t Too Proud To Beg //
  • Stevie Wonder: Blowin´In The Wind //
  • The Supremes: You Can´t Hurry Love //
  • The Four Tops: Reach Out It´ll Be There //
  • The Supremes: You Keep Me Hangin´On //
  • Martha & The Vandellas: Jimmy Mack //
  • Stevie Wonder: I Was Made To Love Her //
  • Gladys Knight & The Pips: I Heard It Through The Grapevine //
  • Smokey Robinson and The Miracles: I Second That Emotion //
  • Stevie Wonder: Shoo-Be-Doo-Be-Doo_Da_day //
  • Stevie Wonder: For Once In My Live //
  • Jimmy Ruffin: What Becomes Of The Brokenhearted //
  • Rare Earth: Get Ready //
  • The Temptations: Ball Of Confusion (That´s What The World Is Today) //
  • Stevie Wonder: Signed, Sealed, Delivered I´m Yours //
  • Edwin Star: War //
  • Smokey Robonson and The Miracles: The Tears Of A Clown //
  • Marin Gaye: What´s Going On //
  • The Temptations Papa Was A Rollin´ Stone //
  • Stevie Wonder: Superstition //
  • Marvin Gaye: Let´s Get It On //

Im gestrigen POLIZEIRUF 100 konnte man gleich ein halbes Dutzend der Akteure vor, am Rande, und nach einem Nervenzusammenbruch agieren sehen. Man bekam en passant einen Crashkurs in Sachen dissoziativer Amnesie, und der Drehbuchautor griff ganz tief in die Kiste, um Psycho- und Wirtschaftsthriller, Sex- und Trennungsdramen unter einen dramturgischen Hut zu kriegen. Etwas weniger wäre gewiss mehr gewesen, allerdings lieferten die exzellenten Hauptakteure Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau) ein Feuerwerk auf dem Gebiet des Seelenstriptease ab, das uns Gott sei Dank die Präsenz eines Psychoanalytikers ersparte. Man stelle sich spasseshalber noch einen weltlichen Seelsorger vor, der hier posttraumatischen Belastungsstörungen zu Leibe gerückt wäre, und der gelegentlich hanebüchene Plot wäre vollends kollabiert. So aber zeigten sich am Ende die Selbstheilungskräfte von ihrer besten Seite: durch das Grauen kommt man am besten mit offenen Augen, ausgelebten Gefühlen, Schreien und Weinen durch. Manchmal leider gar nicht, und dann ist man mausetot. Traurig, aber wahr.

 

 
 

„They´re never far from us, you know.“

„Who?“ I asked.

„The dead. No more´n a breath. You let that last one go and you´re with them again.“

 

In the end the murder mystery is solved. But after „all the dying that summer“ it is no longer important who the culprit was. The epilogue connects the deaths of Frank´s childhood with the present, where Frank picks up his old and frail father on Memorial Day. They drive to the cementry of New Bremen where they meet Frank´s brother Jake who lost his stammering after saying the „ordinary grace“ at Ariel´s funeral feast. Together they visit the graves of all those who died in the summer of 1961 and of other family members including that of Ruth who died at 60 of breast cancer. The scene is perfect for reflecting what life is all about. And Ordinary Grace´s low key style leaves plenty of room for doing just that.

Bleeding Edge is not my friend, Ordinary Grace is. What I like about it is its matter-of-fact-narration and its unpretentiousness. Ordinary Grace´s beauty is its simplicity. What I also like is that its not a preachy book. Although Frank´s family is infused with Christianity Ordinary Grace does not promote Christianity as a solution for coping with loss and grieve. There is no easy solution, what life is all about we have to find out for ourselves. Christian values and beliefs may work for some, for others it´s music or Indian rituals.

 
von Thomas Schirmer
 
–
 
 
Es gibt das Wunder von Bern, es gibt Lourdes und es gibt Jake, my little hero und ab jetzt Wunderkind. His mother begged his father: „For God´s sake, Nathan, can´t you just this once, offer an ordinary grace?“ Eisiges, hilfloses Schweigen ueberfaellt die Trauergaeste, wer denkt da nicht an den „Wuergeengel“ von Bunuel. Then Jake gets up and does the blessing for the meal. From then on he doesn’t stutter anymore. Mit dieser dicht erzaehlten Szene gewinnt Krueger die anfaengliche Spannungsatmosphaere zurueck.

Das Buch hat mir zum ueberwiegenden Teil gut gefallen. Die Handlung ist sinnlich beschrieben. Einen heissen Sommer lang hangeln sich die katastrophalen Begebenheiten an dem sich seit 10000 Jahren alten, sich dahin schleppenden Minnesota River entlang. Ebenso tief eingegraben sind die Werte der amerikanischen Gesellschaft, besonders der glaeubigen, amerikanischen Familie. Ich wuerde das Buch nicht mit in den Truffaut´schen Buecherwald nehmen. Oskar Werner muesste mir helfen, einen Teil der Essais von Montaigne zu uebernehmen, die kaemen mit.

There is a very nice sideeffect in the book Ordinary Grace – vielleicht ist das auch fuer die Toyoten und Tempo Herren interessant. Ich mag Autos. Es war nach Mama auch mein zweites Wort. Ich habe mir all die Autos angesehen, die im Text erwaehnt sind. Hier ein paar Fotos dazu:
 
 
 

Triumph TR2


 
 

1955 – 1956 Chrysler New Yorker


 

1955 Cadillac Eldorado


 
 

1955 Ford Station Wagon


 
 

Lowell Seymour


 
(Drums fahren einen Packard clipper 1955, Engdahl faehrt einen Ford Deuce Coupe, Emil faehrt einen Cadillac und Chrysler, Karl einen Triumpf, Grosseltern einen Buick, Gus ein Indian chief Motorrad.)
 
 
von Lajla Nizinski
 
–
 
 

Wie erging es den Haupt- und Nebenpersonen inzwischen? Wie steuert der Roman seine Figuren zum Ende hin? Wie wird der Abschied sein – von den Lebenden und von den Toten? Deren Liste ist recht lang geworden; sie erscheint nächsten Sonntag auf dieser Seite. In den rororo-Thrillern die Seite 5 NICHT vorab zu lesen fiel mir immer schwer; ich hielt selten durch. Ich habe die Bücher trotzdem zu Ende gelesen – wie Kruegers Ordinary Grace auch. Hier also die Kurzfassung des Geschehens kurz vor Schluss.

 
Frank

kriegt Ärger mit dem Sheriff und – schlimmer noch – mit seinem Bruder wegen eines Graffitis mit ortographischer Schwäche: „Murdrer“.
 
Ruth

probt „Unforgetable“ für ihre Tochter Ariel.
 
Axel und Julia Brandt,

Karls Eltern, halten Distanz zur kleinbürgerlichen Pfarrersfamilie und beschäftigen ihren Anwalt.
 
Ariel

– so die Schwiegermutter Julia – „got herself (!) pregnant in order to force Karl into marriage“.
 
Karl

ist erst schwul, dann tot.
 
Nathan

„Ah, my father said.“
 
Mr.Baake

ist der Friseur und hält gefühlte Tausend Comics für seine wartenden Kunden bereit.
 
Gus

ist in Ginger French …!
 
Ginger French

hat Pferde, aber keinen Mann; das kann sich ja ändern.
 
Sheriff Doyle

the blabbermouth
 
Officer Blake

tut den Jungs und irgendwie auch Ariel einen Gefallen.
 
Jake

is afraid sometimes.
 
Warren Redstone

ist Indianer und deshalb immer noch verdächtig, bis Jake einen rehabilitierenden Traum hat, in dem Ariel Klavier spielt und Mr.Redstone tanzt.
 
Ancor Root Beer Soda

Getränk der Woche
 
 
von Wolfram Gekeler
 

 

Die Geschichte erreicht ihre dramatische Phase, wenn dem Helden im Rausch das Erlebnis eines reinen Idealismus widerfährt: „Alles, was er bisher getan, gedacht, gelernt und gefühlt hatte, beruhte auf einem einzigen, gewaltigen Irrtum. Gut, bös, falsch, richtig, schön, hässlich, ich, du, mein, dein: alles Werte einer Skala, die die große, letzte Wahrheit außer acht ließ: Es gibt keine Vergleichsgrößen. Weil es nichts gibt. Es existiert nur eine einzige Wirklichkeit: Urs Blank.“ Aus der Perspektive der Menschenwelt, in den Augen seines Freundes, des Psychotherapeuten Alfred Wenger, aber erscheint diese Bewusstseinsverfassung als Schrecken erregende und zugleich lächerliche Geistesverwirrung, als vollendete Inhumanität, die der Heilung bedarf. Die Anstrengung einer höchst ambivalenten Rettung des Allgemeinmenschlichen bewegt fortan die dramaturgisch meisterhaft gestaltete Handlung, deren Fort- und Ausgang nicht verraten werden darf. Nur so viel, dass sie sich zum Kriminalfall entwickelt, der Aufklärung im doppelten Sinne erfordert. Diese ist einer Figur von Dürrenmatt’scher Bonhomie aufgegeben, dem Landpolizisten Rolf Blaser.

 

Suters Roman ist ein philosophisch gegründetes Gedankenspiel um die Wirklichkeit des Unwirklichen und die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen und auch darüber, wie wenig es bedarf, um die menschlichen Konstruktionen und Vereinbarungen zusammenbrechen zu lassen. Vor allem aber ist er eine gründlich recherchierte, präzise, elegant und humorvoll geschriebene Geschichte, realistisch und phantastisch zugleich. Der Leser, der sich einmal auf „Die dunkle Seite des Mondes“ hat ziehen lassen, wird das Buch bis zum ebenso überraschenden wie stimmigen Finale nicht mehr aus der Hand legen wollen. Die geistige Gesundheit ist dabei nicht gefährdet. Vielmehr bietet Martin Suter mit raffiniert adaptierten klassischen Mitteln ein Optimum an Bewusstseinserweiterung, Suspense, und Leselust. (Friedhelm Apel, FAZ)

I was listening to Boris Blank’s recent record Electrified, which then led me to an interview Blank did with The Quietus last October, in which he tells what his favourite albums are. There were some good surprises in there, including a single by The Normal (which he regards as an album), Miles Davis‘ planet-shaking On The Corner and Pink Floyd’s Ummagumma.

The first two I am familiar with, but not Ummagumma. In the interview Blank says „the era with Syd Barrett, it’s beautiful music, but Ummagumma you can listen to today, it’s timeless. I have it on vinyl in my archives, although I have it loaded on my iPhone. It’s music that I take personally with me wherever I go.“

Intrigued, I give Ummagumma a go. But hey, I didn’t much like it – apart from Sysyphus (Part 3) and Grantchester Meadows. This listen then led me to check out Animals, which I’d never really heard before, although it does have probably the best cover of any record ever. Sad must be the fucker who ever got a train from London Victoria to someplace in Kent who didn’t look out the window and see Battersea Power Station and imagine a giant imaginary pig suspended in the air above it. So, Animals it is/was. Pigs 1, then Dogs.

Dogs starts off brilliantly – a soft guitar strum and hazy, opiated electronics. The singing is immense – there are a couple of cosmic vocal glissandi on this that wouldn’t be matched in popular music again until Bernard Sumner sang the word „anyone“ about four and a half minutes into Try All You Want (1991) and Kanye West sang the word „neon“ in Lift Off two decades later. The first Dogs cosmic glissando happens in the word „need“ at the end of the first line: „You gotta be crazy, you gotta have a real need“. Amazing, like many orchardsful of apples falling in space. The second one occurs in the word style at the first line of the second verse: „And after a while, you can work on points for style“.

At 17 minutes, Dogs is too long – the section between about 3 and 7 minutes in is too pomp/prog. The cosmic space-out section between about 8 and 12 minutes works much better. Whole careers were based on former, why not the latter?

Lyrically there’s a lot of bite in the way „Dogs“ attacks its target…

You gotta keep one eye looking over your shoulder.
You know it’s going to get harder
And harder, and harder as you get older.
And in the end you’ll pack up and fly down south,
Hide your head in the sand, just another sad old man,
All alone and dying of cancer.

… but is the target real or made of straw? Is Dogs muzzled by its own creeping existence-anxiety and fear of death? Either way, it’s an English classic.
 
 
 

 

2015 1 März

The Curse of Music

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The beautiful dirt you leave for me to find, is a paper trail
I follow, into the far north, working with brother Fred Gibson
on a songwriting master class with the youth of another town,
each one inspiring in their own right, pumped on enthusiasm
for the thing I love & how do I express the gratitude I feel
to be in the presence of their passion for music, going public
with their ideas, no matter how embarrassing, to see each one
overcome themselves reminds me of the kid I was, crushingly
self conscious, introverted, shy, unable to converse, couldn’t
meet anyone new without turning inside out. Music, was the only
route out’ve the dark hole, still is to this day & today,
listening to all these young dreams laid bare in company I was
lifted. Courage like that is an honour to witness, filled my
tank up, took me right back to the root of why I chose this road,
or did it choose me?, Lucky to be still here not only with loyal
friends of years, but welcomed into their circle of inspiration,
& new friends found along the road like Fred – today.
Wish you could’ve been there, heard their songs, every one of them
from the heart. Personal is the only way forward, no time to waste
on a life of imitation, sing what’s going on with you.
The more personal it is the more universal it becomes.
As we left this house, early in the rain, car loaded with studio
& more than a little trepidation, we both turned to one another,
bleary & spontaneously burst into grinning,

 
„I bloody love music“
 
Start the engine.
 
(Karl Hyde)

 


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