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Kategorie: Musik aus 2011

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Hold Everything Dear
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(für Terje Paulsen, ein Spezialist für solche Sounds, und größter Cindytalk-Fan von Kristiansand)

Besser spät als nie. Wenn mir jemand vor Wochen den Namen “Cindytalk” präsentiert hätte, mir wäre eine schlechte amerikanische Sitcom in den Sinn gekommen, womöglich ein Chatroom für Barbarella-Syndrom-Geschädigte. Dann schickte mir Ed Dense, ein Meister der Underground-Promotion,  das Album „Hold Everything Dear“, mir gefiel das spartanische Cover, ich machte mir einen Espresso, und hörte in der Folge eine Musik, die mich verstörte, in ihren Bann zog und ein wenig sprachlos zurück liess. Alles beginnt und endet mit Kinderstimmen (es könnte ein Schulhof sein, ein Kindergarten, ein Schwimmbad im August). Das wäre ja nun nicht gänzlich neu, eine atmosphärische Einstimmung, eine dramaturgische Klammer. Aber was sich dazwischen dann abspielt, straft jene Lügen, die immer irgendein Etikett brauchen: das Schlimmste wäre hier „elektroakustische Musik“. Sofort hätte man ein falsches Bild von den Klängen im Kopf.

Es gibt keine Songs, dafür gibt es Feldaufnahmen, bearbeitete Feldaufnahmen, spärliche Klaviertöne, die völlige Abwesenheit des Prinzips „Groove“, und lauter Undefinierbares von elektronischen Klangerzeugern. Ich wusste (kleine Phantasie am Rande) allerdings nicht, dass es Synthesizer gibt,  die als Windmaschinen taugen und sich mit einer empfundenen Windstärke 11 über einen japanischen Zengarten hermachen: aber da diese Gärten eh recht leer sind, fehlt hinterher nichts, nur ein wenig Wasser ist über die Steinumrandung des kleinen Teiches getreten, die Pfützen trocknen schon auf der roten Asche. Das sind natürlich private Bilder, jeder Kopf reagiert anders auf Cindyalk: doch, ja, im allerbesten Sinne erscheint mir  die Welt von Cindytalk als  „windige Angelegenheit“. Das ist meditative Musik, wie ich sie noch nie gehört habe. Ich sehe mir den letzten Satz noch einmal an und bleibe dabei: denn immer wieder dringen höchst beunruhigende Dinge aus den Lautsprechern, die man niemals zu „versunkenen Tönen“ zählen würde: Reste einer postindustriellen Industriewelt, Staccato-Feuerwerke beschädigter Landwirtschaftsmaschinen.

Anders als bei den monochromen Klangwelten eines Thomas Köner oder auch Fennesz changieren die Klangfarben permanent, chamäleonartig, die „Drones“, die Bordunklänge machen den Raum weit, enorm weit, aber sie suggerieren  – statt wundersamem Rauschen – die  Permanenz flüchtiger Momente. Da aber nun auch die Ewigkeit aus lauter einzelnen Schnappschüssen besteht, rückt man nicht unruhig auf dem Hörsessel hin und her, man taucht einfach ein in diesen Strom, der etliche unbehagliche Hochfrequenzerkundungen betreibt, auch subsonische Tiefbässe im Repertoire hat, Windspiele (auch die zarten, die im Bäumen klingeln), Kaleidoskope, Teleskope. Nehmen Sie sich ruhig ein wenig Zeit für all diese Wege, auf denen man aus dem Staunen nicht mehr rauskommt! Cindytalk ist Gordon Sharp. Matt Kinnison wirkte an diesem Album mit, das in drei Studios entstand, in Tokio, in London, und irgendwo in Essex. Matt Kinnison ist inzwischen gestorben, habe ich gelesen: ihm und dem Schrifsteller John Berger ist die Musik gewidmet. Wir hören hier also auch die Musik eines Toten, und dieser Schlusssatz ist nicht billig: hold everything dear, my friend!

https://editionsmego.com/

  • 1. How Soon Now… (5:01)
  • 2. On The Tip Of My Tongue (1:21)
  • 3. In Dust To Delight (6:38)
  • 4. Fly Away Over Here (9:14)
  • 5. Waking The Snow (1:25)
  • 6. From Rokko-San (6:01)
  • 7. Hanging In The Air (8:27)
  • 8. Fallen Obi (1:42)
  • 9. Those That Tremble As If They Were Mad (6:13)
  • 10. Floating Clouds (8:47)
  • 11. I See You Uncovered (1:42)
  • 12. …Until We Disappear (7:29)

2012 5 Feb

Michel Portal – Bailador

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Vielleicht seit Anne Rottenberger damals bei Radio Bremen Jazz moderierte, in den Siebziger Jahren, verbinde ich mit dem Namen Michel Portal und dessen Musik etwas, das mich sehr anspricht. Doch ging ich dem nie nach, hatte von Portal auch nie ´ne Platte. Dann kam Bailador, im letzten Jahr – und das gesellt sich jetzt neben Werke von Sidsel Endresen, David Sylvian and a bunny bunch of other things zum Jahresbesten aus Zweitausendelf.

Die Musik ist spritzig und belebend, entspricht dem Element Feuer. Eine Recherche ergab, dass es Portal in erster Linie darum gehe, einfach nur Spass zu haben beim Musizieren – und das hört man. Ethno-Elemente und die Folklore aller Welt verweben sich mit der Tradition des Jazz in einer extrovertierten Spielfreude, fernab jedes verkrampften Bemühens um Originalität: vielmehr freiweg und unbeschwert wird aufgespielt.

Jack de Johnette ist mit von der Partie. Der hatte ja schon immer ein Faible für magisch angehauchte Rhythmen – so zu hören etwa auf Dancing With The Nature Spirits (ecm). Diese Naturgeister bringt er auch auf Bailador zum Tanzen. Der vielbeschäftigte Scott Colley spielt den Bass. Sein Sound ist ähnlich satt und erdig wie der des Charlie Haden, aber knackiger – not to saymore funky. (5.Feb. 2012)

Dazu gesellen sich Ambrose Akinmusire an der Trompete, der Gitarrist Lionel Loueke, Bojan Z an Piano und Keyboards – und Meister Portal an Saxophonen und Bassklarinette. Alle spielen dabei unaufgeregt, aber mit Verve. Das letzte Stück heißt „Tutti No Hysterique“ – frei übersetzt: alles, bloss nicht hysterisch werden. Und so knistert es denn auch wie ein akustisches Kaminfeuer – that keeps you safe, warmhearted and … dancing. (JS, vom 5.12.2012)

 

Michel Portal Bailador Sextet en direct les festival „Jazz sous les Pommiers“ (2011)

2011 24 Dez

Sarah Jarosz – Follow Me Down

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Die akustische Entdeckung der letzten Tage ist das Album FOLLOW ME DOWN von Sarah Jarosz, das im letzten Sommer erschien. Es zieht ein Folkore-sozialisiertes Wesen wie mich, das Country & Western-Anklänge nie mochte – abgesehen von der Musik James Taylors (und anderen zahlreichen Ausnahmen), sogleich in einen Sog. Kristallklare Sound-Abmischungen der diversen Saiteninstrumente; die wunderbare Stimme und die coolen Phrasierungen; geschmackvolle Arrangements und unsereins kommt zu dem Schluss: Folk is not dead  – ´cause this is pure fun listening. Geschmackvolle Cover mit deutlich eigener Handschrift – Radioheads „The Tourist“ zb („Slow down“).  Die Krönung aber: eine Interpretation von Bob Dylans „Ring Them Bells“ – und ich muss gestehen, dass ich den Song gar nicht kannte – anyway, listen here …


(Meine Besprechung aus der Wochenzeitung DIE ZEIT): Sie grummelt, stöhnt, gibt Laut. Richtige Wörter und Sätze mit Sinn und Syntax nutzt die norwegische Ausnahmesängerin Sidsel Endresen kaum noch. Das hat sie lange genug getan, auf Soloalben, die etwa So I Write heißen, oder wenn sie an der Seite von Bugge Wesseltoft einem Oldie wie Paul Simons 50 Ways to Leave Your Lover das Sentimentale austrieb. Seit Jahren hat sich Sidsel Endresen von der Last des Sinnstiftens, von gepflegtem storytelling gelöst. Ihre Sprachschöpfungen knüpfen an eine Urwelt der Laute an, an wenig erforschte Gesetze von Einkehr und Ekstase. Und so wirken Endresens Eruptionen und Soundforschungen merkwürdig archaisch. Wer weiß, inwieweit sie unbewusst Gesangstechniken übernimmt, die bei fernen Ethnien zu den Ritualen zwischen Leben und Tod zählen!

Jazztugenden from a whisper to a cry realisiert sie allemal mit uralter nordischer Intensität. Die beiden Musiker an ihrer Seite sind das ideale Pendant. Als Humcrush haben der Trommler Thomas Strønen und der Keyboarder Ståle Storløkken schon mehrfach Unverbrauchtes aus der Fusion-Ära (einen Hauch von Joe Zawinul) mit seltsamen Sinnlichkeiten der E-Musik (einer Prise Arne Nordheim) sowie kaum definierbaren Quellen kombiniert, rhythmisch trickreich und sphärisch entrückt. Der elektroakustische Jazz der CD Ha! wirkt wie ein Destillat detailverliebter Studioarbeit, entstand aber, in einer einzigen Stunde wahrer Empfindungen, live in Willisau.

Aus alten Jazzträumen, die sich selbstverliebt im Kreis drehen, wird bei Humcrush w/Sidsel Endresen ungebremster Vorwärtsdrang. Das Unerhörte spielt eine Hauptrolle, und die Sicherheiten des guten Geschmacks helfen nicht weiter. Diese furiosen Unberechenbarkeiten werden zwar niemanden aus dem Diana-Krall-Fanclub überzeugen. Wer aber der Meinung ist, dass es im Jazz beim Singen vielleicht noch um andere Dinge gehen könnte als um gekonntes Wiederkäuen von Nostalgieveranstaltungen in memoriam Ella Fitzgerald im Hochglanzkostüm, wird diese Musik unter der Hautspüren, und sie wird kein Ruhekissen sein. Man kann eben auch mit Lauten jenseits der Sprache richtig spannende Geschichten erzählen.
 
 
 

 

I was unafraid, I was a boy, I was a tender age
melic in the naked, knew a lake and drew the lofts for page
hurdle all the waitings up, know it wasn’t wedded love
4 long minutes end and it was over it’d all be back
and the frost took up the eyes

pressed against the pane could see the veins and there was poison out
resting in a raze the inner claims I hadn’t breadth to shake
searching for an inner clout, may not take another bout
honey in the hale could fill the pales of loving less with vain
hon, it wasn’t yet the spring

aiming and it sunk and we were drunk and we had fleshed it out
nose up in the globes, you never know if you are passing out
no it wasn’t maiden-up, the falling or the faded luck
hung up in the ivory, both were climbing for a finer cause
love can hardly leave the room
with your heart

„Michicant“ – Bon Iver

„…we have the heavy melancholy of a New England Winter in early March, after an endless procession of blizzards, road-salt ruined highways, storm-damaged coastlis, million dollar snow removal budget overruns and the like.“ (Richard Goldin mag das Album überhaupt nicht, und schrieb diesen Satz dazu, den ich in einer 4-Sterne-Besprechung auch gerne geschrieben hätte, allerdings als Gütesiegel der Musik.)

Dass die Eskimos 50 Worte für Schnee haben, ist eine alte Mär, die wahrscheinlich ein Linguist erfunden hat, um bestimmte Beziehungen von Sprache und Wahrnehmung zu erhellen. Wunderbar, welch skurrile und anmutige Schneewörter in dem Titelsong auftauchen, z.B. „Rippucino“. Und  „Faloop’njoompoola“ ist auch sehr speziell!  In ihrer Besprechung von 50 Words for Snow sucht Ann Powers ihrerseits nach 50 Worten, um der Musik gerecht zu werden. „Powdery fantasia. Contemplative. Winter matins. Playful. Opium reverie. Grounded. Ghost story. Sensual. Artistic recalibration. Unhurried. Drummer’s holiday. Quiet. Ode to the white keys. Imaginative. Exploration of the lower register. Floating. Mother-son duet. Solitary. Snowed-in erotica. Collaborative. Joni Mitchell answer record. Inimitable. Supernatural space odyssey“.

Vor Wochen rief eine Episode, die Norbert Horst in seinem vorzüglichen Kriminalroman „Splitter im Auge“ erzählt, eigene Jugenderinnerungen an meine erste Begegnung mit Kate Bush wach: THE KICK INSIDE.  So eine Stimme hatte man zuvor in der Popwelt noch nie gehört: hell, aber nicht scharf, sang sie sich durch einen englischen Zaubergarten, und man staunte nicht schlecht, dass Pink-Floyd-Mann David Gilmour (wenn meine Erinnerung mir nun keine Streiche spielt) ihr Mentor und Produzent war. Das Album enthielt mehr  „pink“ als „floyd“, und begleitete mich durch einen Würzburger Sommer, es passte gut zu Obstwein und Flussspringen. Seltsamerweise verlor ich die Spur von Kate Bush in den Folgejahren, fand kein Album mehr sonderlich faszinierend, weder das mit dem Hit, wo sie einen Berg hinaufläuft, noch die Momente, wo der wunderbare Eberhard Weber Bass spielte.  Ihr vielgerühmter Klassiker HOUNDS OF LOVE  liess mich (aus Gründen, die ich nicht mehr weiss) kalt, und das erste Album nach ihrem Debut, das nach einiger Anlaufzeit mein Herz erwärmte, und zwar mächtig, war AERIAL (obwohl es, vom Sound her, noch ganz in den 80er Jahren beheimatet war). Und jetzt erscheint am Freitag also das neue Album:  50 WORDS FOR SNOW.  Bei npr.org kann man es seit wenigen Stunden als live stream hören. Vielleicht mag der eine oder andere zuvor das interessante Interview lesen, das ein völlig übermüdeter John Doran mit Kate Bush für „thequietus.com“ führte. Ich finde diese kleine  Schneemusik fesselnd! Das einzige Stück, das mir nicht so  gelungen erscheint, ist das Duett mit Elton John, der einfach zuviel kulturelles Kitschgepäck mit sich schleppt, und hier, im einzigen „romantic overkill“ des Albums, auch nicht gerade an seine frühen guten Alben anknüpft (ja, die gibt es!).  Da wäre mir die Stimme von Robert Wyatt viel, viel lieber gewesen. Dennoch: ein betörendes Werk, ein „Joni Mitchell Antwort-Album“!

Kate Bush: das neue Album

ME: Jon, in a rather strange way, your new album, „Say and Play“ (ECM 2245), brings together a kind of „easy listening“, easy in a very thrilling way, and some avantgarde principles. The music of your new is highly accessible, but not in a well-known way. It is groovy, but without ethno-cliches … so, one could call it, with a smile, „easy -avant-music“…

JB: The departure point in developing this music is 100% rythm, as it appears in spoken language, poems, drumming, AND in melodic playing. I think the melodic „friendliness“ is a consequence of this approach: the melodies are rythmic tools to propel the music onwards, more than sculptural elements in themselves. We also tried to record and mix everything from this point of view: the melodic phrases as background for the solistic drumming and language. This was the dogma that producer Olav Torget and me reminded ourselves of again and again: rythm and language  is king. 

Brian Eno did publish so-called “speech songs“ on „Drums Between the Bells“, his cooperation with Rick Holland. You are also presenting four  spoken-word pieces from a Norwegian poet. Why did you use his original language (your language) – and what was so special to work with the  energy of spoken words? 

JB:  If you listen to „Statements“ (the first Jon Balke/ Batagraf album on ECM records; Anm. V. M.E.)  there is a track with a long speech by Miki N´Doye in Wolof. This is a monologue of Miki speaking to someone imaginary that  he meets. As I know very few who speak Wolof, but very many who like the melodics in the voice and language of this track enormously, I felt it right to follow this approach and use the poems and voice of Torgeir in the same manner: his sound, melody and the way he floats over the percussion in a kind of counter-rythm makes musical sense to me. As I hope it does to others … The poems in themselves are a kind of bonus, he is a very playful, subtle writer.

Is there, in the way you´re treating these poems, a parallel to African music? 

JB: Not in the poems as such, but In all the tracks, as well as in all the music I have made, there is an influence and a parallel to and from Africa, especially West-Africa. But I have painstakingly tried to avoid copying the great music from there. I hope I have not unconciously patched in elements from things I have heard. If I found such things, I would have removed them, as it would feel like stealing … And I don´t like to be a musical thief :-)

You are working on several pieces  with Jon Chistensen´s daughter,  using  a very different type of lyrics: riddles, surreal imageries, daydreams … how do they relate to the powerful drum patterns? The record sounds fantastic, by the way.

JB: This is actually the main building block in Batagrafs music : original Bakas. The Baka is a term from Wolof meaning short poem-like phrases that say something about life or a person, and these phrases can also be played by percussion groups. So the Wolof drum groups build up a complex system of these bakas that are mixed with grooves and patterns, and bakas serve as breaks to change energy or tempo in the music. I think it is a fantastically interesting way to organize music, so I have started to construct my own universe of Bakas, which is what you hear Emilie speaking or singing, and the percussion choir responding. I hope the listener can be rewarded  by repeated listening to this album, I hope it constitutes a musical universe that you can „travel“ in by using your ear to focus around in  different layers.

On some pieces your keyboards/synths are reminiscent (and I´m sure this was intended!) of Joe Zawinul and Weather Report. Nevertheless it sounds totally fresh.  Can you illuminate this element of „hommage“ „or „nordic way“ of  playing with some stylings a la  Zawinul … Is the „Birdland“ now a music club in “Oslo 13”, the non-existent area of Oslo?  (“Oslo 13” the name of an early Jon Balke album; Anm. v. M.E.)

JB: I owe enormously to Joe Zawinul, especially from the Weather Report era, but as with the Bakas, I feel like stealing if I go for his sounds. So I try to squeeze other stuff out of what I have, mostly just developing by ear. But in Say and Play the overall use of synths is there to make depth: drums/voice up front, and layers of keyboard sounds floating inwards in the soundscape, from solo lines inwards all the way to „melodic“ reverb layers. Melodically Zawinul is a European, with strong echoes of romantic music and harmonizations. Olivier Messiaen is another important voice, when you speak of sustained keyboard sounds. The vague notion of „Nordic sound“ is an echo of both these voices, as well as  the melodic traditions of the north.

Are you making use of some of the old, famous keyboards/synths, some sounds ring a bell … 

JB: I accidentally ended up with a DX7 in a theatre performance in 1982, so this has been with me since then. I feel familiar with the inner structure of that instrument. And somehow I have been continuing using Yamahas from different times: AN1x, FS1r, and now the Motif XS. Maybe this also has to do with keeping a distance to old Joe, all the Moogs and Prophets in the world tend to pull towards his sound. I also have an ambivalent relation to synth music: I get easily tired by an overall synthetic soundscape, and feel the need to mix with acoustic sounds that are richer in timbre. There is no ideology in this, I just go for the sounds i like by research and discover.

You are making, on this new album, a very careful and thoughtful use of jazz piano playing. But this also adds to the  different textures of the compositions …

JB: The piano here is used as a single line solo instrument, in order not to  fill up the soundscape but keep it transparent. So I play very economically and rather add electronic shadows to the lines that blend with the electronics … that is the idea … again depths of melodic and rythmic polyphony punctured by powerful drums phrases and voices …

 

Es hat nichts mit Fan- Attitüden zu tun, nichts mit vorauseilenden Geschmackssicherheiten, nicht mit Parapsychologie und nichts mit sich selbst erfüllenden Prophezeiungen, aber es es gibt Alben, bei denen ich vor dem ersten Ton weiss, dass ich sie nicht nur schätzen, sondern lieben werde. Bei dem zweiten Album, das der norwegische Komponist und Tastenspieler mit Batagraf bei ECM rausbringt, werde ich diese These gewiss einmal mehr bestätigt finden.

 

Jon Balke: tougone, darbouka, hand drums, piano, keyboards, electronics, voice

Helge Norbakken: sabar, talking drums, djembe, metal percussion

Emilie Stoesen Christensen: vocals

Erland Dahlen: drums

Torgeir Rebolledo Pedersen: poetry reading

 

Batagraf is a percussion think tank, a constellation of players researching the outer parameters of rhythmic music. Inspired by techniques and traditions from West African Wolof music, the group explores new polyphonic textures. The relation between language and rhythm is constantly being investigated in Batagraf, the collective centered around the collaboration between Helge Norbakken and Jon Balke. Norbakken has developed his personal approach to percussion, inspired by African drum music traditions, but also developed in new directions through collaborations with numerous artists. He has been a member of Balke’s Magnetic North and Siwan projects and has also played on ECM recordings with Jon Hassell and Miki N’Doye. While best-known as pianist and composer-arranger, Jon Balke has also been a devoted percussion player since the early days of Eolén, Afro-jazz group of the early 80s.Drumming is speaking” says Balke, “and language is a miracle in all its manifestations.” On “Say and Play” Batagraf are inspired by the rich traditions of Wolof, Yoruba, Cuban and Arabic music, most particularly the inner energy and creativity of these cultures.

 

2011 14 Sep

Brian Eno and the Words of Rick Holland: Panic Of Looking

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New EP - Panic Of Looking
out 7th/8th November 2011 (Art: Brian Eno, Design: Nick Robertson)

https://soundcloud.com/warp-records/brian-eno-rick-holland-panic-of-looking

CD, Vinyl & Download to be released 7th/8th November 2011

Es gibt immer wieder Musik, die aus Metal-, Jazz-, Hard Core- und Noise-Zonen herausragt, mit Stimmungen, die einen durch dunkle Zonen locken, an Aufschreien, Explosionen und  Aufruhr nicht zu knapp ausgestattet sind, den Unerschrockenen (und den Erschrockenen) aber nicht in die Flucht schlagen. Jedenfalls hört man immer wieder von Menschen, die sich in diesen Zwielichtzonen behaglich einrichten, mit Grünem Tee, Rotwein oder Kakao. Ein bisschen Reiseproviant muss sein. Hier öffnen sich Abenteuerareale. Solche Musik wird, wenn überhaupt, nach Mitternacht aufgelegt – und immer mehr Menschen machen sich erst in späten Stunden auf Klangsuche. Fire! ist ein Trio um den Free Jazz-Saxofonisten Mats Gustaffsson, ihre neue CD heisst „UNRELEASED?“, als Gast mit dabei Jim O´Rourke. Das Vadislav Delay Quartet heisst auch genauso („VADISLAV DELAY QUARTET“) und ist die Gruppe des Drummers Vadislav Delay, der im wahren Leben Sasu Ripati heisst und Finne ist. Huntsville ist eine norwegische Band mit Trommelkünstler Ingar Zach: ihr neues Album nennt sich „FOR FLOWERS, CARS AND MERRY WARS“. Das, was diese Musik verbindet, ist erstmal das, was die Engländer „far out“ nennen. Man könnte auch die Genre-Fragmente benennen, die in diesen drei Werken herauszuhören sind, aber das ist langweilig – ein Kürzel wie „Free Improv“ klingt doch wie eine geschlossene Gesellschaft. Die Klänge, nicht die Worte, sollten einem in diesem Falle um die Ohren fliegen. Das, was diese drei Klassealben aber wirklich vereint, unter der Oberfläche, auf unterirdischen Wegen, ist, dass all dieses wundersame Aus-der-Haut-Fahren, diese herrliche Grenzerkunderei, stets begleitet wird von einem klaren Sinn für Formen, für „ausgefuchste“ Gestalten: das können archaische Grooves sein, die Alchemie der Beteiligten, ein Gespür für den nächsten unerhörten Sound: hier wissen alle genau, was sie tun, aber niemand, wohin es führt.  Mats Eilertsen: Radio Yonder


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