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2026 8 Juni

RIP

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Ihre Zeichnungen waren schwarzweiss, ihr Blick auf die Menschen war es nie.

 

 

 

 

Marjane Satrapi  (1969 – 2026)

 

Mit ihr verliert die Welt eine Stimme, die zugleich zornig, klug, komisch und zutiefst menschlich war. Die iranisch-französische Zeichnerin, Autorin und Filmemacherin starb im Alter von 56 Jahren in Paris. Bekannt wurde sie durch ihre autobiografische Graphic Novel Persepolis,  2007 verfilmt, die weit mehr war als ein Comic: Sie war ein Fenster in eine Welt, die viele nur aus Schlagzeilen kannten.

Satrapi erzählte von ihrer Kindheit im Iran, von Revolution, Krieg, Exil und Fremdheit. Doch sie schrieb nie als politische Funktionärin oder moralische Predigerin. Sie schrieb als Mensch. Gerade deshalb erreichte sie Millionen Leserinnen und Leser. Ihre schwarz-weißen Zeichnungen besaßen eine Klarheit, die jede Ideologie überdauerte, gleichzeitig implementierte sie damit den Trickfilm als gleichberechtigte Darstellungsform in der Filmlandschaft und schuf eine neue Ästhetik der filmischen Darstellung, die gleichzeitig stilisiert und trotzdem expressiv war. Hinter den großen historischen Ereignissen zeigte sie das, was Geschichte für den Einzelnen bedeutet: Verlust, Sehnsucht, Widerspruch, Humor und Überlebenswillen. Oder auch Todeswunsch …

 

 

 

Mit Persepolis veränderte sie nicht nur die Wahrnehmung des Iran im Westen. Sie trug auch dazu bei, die Graphic Novel als ernstzunehmende Kunstform zu etablieren. Später folgten Werke wie Huhn mit Pflaumen sowie erfolgreiche Filme, in denen sie ihren unverwechselbaren Blick auf Menschen und ihre Abgründe bewahrte.

Satrapi war eine Kämpferin für Freiheit, besonders für die Freiheit der Frauen. Sie kritisierte religiösen Fanatismus ebenso entschieden wie westliche Vorurteile. Sie weigerte sich, einfache Antworten zu geben, und bestand auf dem Recht des Einzelnen, komplex zu sein. Auch darin lag ihre Größe. Und sie ist eine von denen, die uns das neue iranische Kino näherbrachte, von dem wir heute soviel profitieren.

Die Nachricht ihres Todes bewegt viele Menschen besonders, weil ihre Familie erklärte, sie sei ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes Mattias Ripa „an Traurigkeit gestorben“. Ob dies medizinisch zutrifft oder poetisch gemeint ist, spielt letztlich kaum eine Rolle. Es erinnert daran, dass die Liebe, die Satrapi in ihren Werken oft gegen Gewalt und Ideologie verteidigte, auch ihr eigenes Leben getragen hat.

Marjane Satrapi hinterlässt kein geschlossenes Weltbild, keine Lehre und keine Doktrin. Sie hinterlässt Geschichten. Und vielleicht ist das das Beste, was eine Künstlerin hinterlassen kann. Geschichten, die Menschen einander näherbringen, selbst wenn Grenzen, Religionen, Sprachen oder Kriege zwischen ihnen liegen.


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