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Archives: Freitag, 9. Januar 2015

2015 9 Jan.

tJa, Chet …

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Tja Chet Baker … Chesney Henry Baker (1929-1988), für mich jemand, den man im guten Moment, im guten Kontext hören muss … Ich mochte und mag die gängige Baker-Ikonologie, die Mythologisiererei um Baker herum nicht besonders! Der Widerstand dagegen bleibt schon dadurch lebendig, dass ich recht häufig beim Gang in die Stadt die Stelle passiere, an der er im Mai 1988 aus dem Hotelfenster fiel. Eher Absteige als Hotel, direkt am Bahnhof, da, wo der Zeedijk beginnt.

Ich habe 3 Alben von CB und eines davon mag ich richtig. Es ist hier immer griffbereit (und kann wärmstens empfohlen werden). Es ist die letzte Studiosession von CB. Im Februar 1988 in Paris. Mit Philip Catherine, dem Pianisten Egil Kapstad, dem Bassisten Terje Venaas UND … dem norwegischen Dichter Jan Erik Vold. Das Album, Telemark Blue, beginnt mit der Melodie des norwegischen Lieds Blåman, Blåman … Irgendwie schloss sich ein Kreis: Baker ist mütterlicherseits norwegischer Abstammung.
 
 
 

 
 
 
Auch bei der Session zugegen: Randi Hultin (1926-2000), in deren Buch Born Under The Sign Of Jazz (1998) man einiges an Aufschlussreichem zum Jazz-Life in Oslo der 60er, 70er und 80er Jahre erfahren kann. Auch zu CB.

“Three weeks earlier, bass player Terje Venaas drove at top speed over the mountains, all the way from the Norwegian west coast, just to do a one-night gig with Chet Baker in Sandvika, just outside Oslo. Only a temporary teacher’s job prevented him from joining Chet on his tour right away. Venaas had played with Chet Baker in Norway many times before (featured on the Baker album The Improviser, 1983).

Egil Kapstad had shaken hands with Chet Baker previously, but – oddly enough – had never played with him. Along with his poet friend, Kapstad had found a number of melodies to choose from in Paris: jazz standards, his own compositions – and at the top of the sheets, “Blåmann, Blåmann,” a beloved folk tune and children’s song, so full of Telemarkian beauty that my young son didn’t want to hear it too often: “Daddy, it’s so sad!” “
 
 
 

 
 
 
Bleibt noch zu sagen, dass Jan Erik Vold einer der wunderbarsten Vortragenden zu Musik dieser Art ist. Ich habe ihn 2010 im norwegischen Kongsberg bei einem (mir unvergesslichen) Konzert zusammen mit Bill Frisell und Arild Andersen kennengelernt.
 
 
 

 
 

©FoBo_HenningBolte
 

Neujahr, der Himmel grau zumeist, die Schneepracht längst weggetaut, überall liegen noch verstreut die verkohlten Reste der Raketennacht herum und ich stehe vor meinem Plattenschrank: was passt jetzt, womit das neue Jahr begrüßen? Welche Musik wäre für diese ruhige, gedämpfte, leicht depressive, aber doch erwartungsvolle Stimmung geeignet. Mir fällt ein Musiker ein, von dem ich jahrelang keine Platte mehr gehört habe, aber doch einen ganzes Plattenpaket von ihm mein eigen nennen darf: Chet Baker. Zunächst entscheide ich mich für eine alte Riverside-Platte aus dem Jahre 1959: „Chet Baker Plays Best of Lerner & Loewe“. Chet Baker spielt hier mit Herbie Man, Zoot Sims, Pepper Adams und Clifford Jarvis, Bob Corwin, Earl May und mit dem unglaublichen Bill Evans. Meine Wahl ist genau richtig, diese jahrelang nicht mehr gehörte Platte haut mich richtig um, tolle Musik, herrliche Balladen, z.B. `On the Street where you live` aus `My Fair Lady´, mit einem wunderbaren Solo von Pepper Adams oder das dunkle `I Talk to The Trees´, ein zartes Zusammenspiel mit Bill Evans und Chet Baker.

 

 

 

 
Beim Hören dieser Platte erinnere ich mich daran, einen Band über Chet Baker in Europe zu besitzen, ein hervorragendes Buch aus dem Nieswand Verlag, herausgegeben von Ingo Wulff. Beim Blättern in diesem Buch weiß ich, was als nächstes aufgelegt werden muss: „Chet Baker: The Last Great Concert“, eine Liveaufnahme aus dem Funkhaus Hannover. Hier spielte der Meister zusammen mit der NDR Bigband und dem Rundfunkorchester Hannover sein letztes Konzert, zwei Wochen später sollte er sterben. Lothar Lewin schreibt in seinem Buch Chet Baker Blue Notes – Engel mit gebrochenen Flügeln – Eine Hommage: „Das Konzert fand statt am Donnerstag, dem 28.April 1988, im Funkhaus Hannover.

 

 

 

 

Zur Probe konnte Chet nicht erscheinen, weil ihn die Pförtner nicht ins Haus hineingelassen hatten, schreibt der Produzent auf einer der beiden Platten, die das wunderbare Konzert dokumentieren. Chet spielt an diesem Abend geradezu überirdisch schön, mit einem reinen,sanften Ton voll tiefer Magie … Es war als hätte sich Chet Baker mit diesem großen, außergewöhnlichen Konzert selbst verabschieden wollen.“ Ich höre `My Funny Valentine´, `Summertime´, auch `I Fall In Love Too Easily´ und bin, was vielleicht daran liegt, dass ich zuvor Chet Baker aus dem Jahre 1959 gehört habe, wieder einmal nicht so begeistert von dieser Musik wie viele Kritiker und eben auch Lothar Lewin. Für mich sind da zu viele Streicher, zu süßlich das alles…

 

 

 

 

Es wird also Zeit noch etwas ganz anderes zu hören. Um in Hannover, dieser wunderbaren Stadt, zu bleiben, lege ich Oscar Peterson auf. Peterson war mit seinem Trio – Sam Jones und Bobby Durham – wie Baker live im Funkhaus am Maschsee am 23.Oktober 1967 zu hören und hatte als Gast auch noch Coleman Hawkins mitgebracht. Diese Platte, sie ist inzwischen wieder als CD zu haben (Titel: „The Oscar Peterson Trio Meets Coleman Hawkins – Live In Hannover 1967“), bringt jetzt wirklich frische Luft, meine Güte, wie fetzig, wie mitreißend der Meister auf dieser Platte sein Piano spielt…

2015 9 Jan.

Sky-Hole & Diesel

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Essex winter before sunrise & mild. Isolated birdcall, strange song I never heard before. Two roads leave inparallel, one West, one East, both into the sky. Sitting in cabs, listening to drivers recall every detail of the last time they went where I’m going – at the same time, sitting in my car alone, engine off, listening to the rain. I could sleep here all day, curl up, radio turned barely on. Down there, where sound goes straight into the blood, turns my skinny jeans to skin, steam fixes this uniform familiar to my body, wakes me up smelling of milk & biscuit dreams. Now we’re leaving, widening the circle, this connection, this fruit of the seed of our union. The person you need to be you’ll find on the rails of California thrift stores, as mine waits for me on the streets of Berlin. You leave through the sky-hole, I fill the tank again with diesel. Did you see me looking up, laughing beneath the floodlights? (from K. Hyde’s diary, awesome!)

„We found [Lewis] looking calm, cool and collected, sitting outside a little neighbourhood coffee shop drinking a large hot coffee,“ Light In The Attic said in a statement. They had apparently come looking for him in an unnamed Canadian city, following a tip from one of Lewis´s old friends. „He had no idea about the recent interest in his old records and didn´t seem to care in the slightest,“ they revealed. „We had a check for him but he wasn´t interested … [He] said, I wish you guys all the best. [But] I´m not looking back.“

I recently listened to „L’Amour“ during a long evening, with all those things that make a deep listening session: darkness, candles, and a heck of good wine from the Rhone valley. After Rodriguez, here’s another guy stepping out of the shadows with some beautiful work buried too long in the past, but Lewis dosn’t give a damn. He seems to be in peace with himself. I think his reaction is quite amazing: „L’amour“ certainly is a masterpiece of its kind (fragile, dark, romantic) – and now many people all over the world play this record, and he dosn’t care. Maybe he turned to Zen Buddhism. If anyone is reading this in Canada and can arrange a long interview for the „Deutschlandfunk“, I would immediately buy a ticket for a flight to Halifax. I know he doesn’t seem to be interested in interviews. But maybe he is interested in campfire stories and time traveling.

Der erste Augenblick, in dem eine Lieblingsplatte den Weg kreuzt, ist oft unvergesslich. Man hört die ersten Takte, Sounds, ist sofort gefangen, und kann es gar nicht erwarten, bis man das Werk in Händen hält. So ging es mir in einem Sommer der Siebziger Jahre, als ich auf Wangerooge zwei Wochen Urlaub machte, mit einem Transistorradio, einem Heyne-Taschenbuch (Truffaut interviewt Hitchcock), und Elke Maria Zum Deich. Die Frau fand ich auf der Insel, die Lieblingsplatte im Radio. Michael Naura sass am Mikrofon. Ich weiss nicht mehr genau – hörte ich das eine Stück, das meine Ohren so weiträumig öffnete wie eine Fluchtlichtanlage das Westfalenstadion, in dem kleinen Zimmer der Pension, oder mit Knopf im Ohr auf der Promenade an einem regnerischen Nachmittag? Vier Mann spielten auf, ich kannte sie alle, und jede Platte, auf der diese Cracks auftauchten, war damals eine kleine Offenbarung. Das Cover war beeindruckend, das Naturmotiv nahm nur einen kleinen Raum auf einer ansonsten monochromen Fläche ein, und als ich, viele Jahre später, den Leader dieses Quartetts nach diesem Album befragte, gab er ein leises Seufzen von sich, denn er wusste, dies war einer der Platten, von denen Kritiker zurecht sagen durften: „Here he has painted his masterpiece.“ Wie nun, werte Jazzfreunde, heisst dieses Album, wer war der Hauptkomponist, und wie heisst das Stück, das uns u.a. einige neue Flötentöne beibrachte – und Seite 2 der Schallplatte eröffnete?


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