Manafonistas

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Archives: Freitag, 30. Januar 2015

2015 30 Jan.

Thomas Dinger: 2000

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(Blogeintrag entfernt, da es ein urheberrechtliches Problem mit dieser CD gibt. – 7. Februar; jr)

 

 
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Eines der betörendsten Alben des finnischen Komponisten und Schlagzeugers Edvard Vesala erschien in den 70er Jahren mit dem farbigen Cover, Jahrzehnte später mit dem Schwarzweissbild als visuelles Element. Ich hätte das Sonnenuntergangsmotiv (wenig spricht für einen Sonnenaufgang!) belassen, es war sehr bald, für Menschen, die „Nan Madol“ früh erwarben, eins mit der Musik geworden. Mittlerweile ist dieses Teil, überfliessend an Melodien, freiem Jazz und Naturklanginspirationen, sogar als CD zum Sammlerobjekt geworden, aus dem Tagesgeschäft allemal verschwunden. Vielleicht scheint Ihnen ja auf einer Schallplattenbörse unverhofft diese ganz spezielle Sonne. Dann kommt es darauf an, auf keinen Fall zu zögern. Auch verrät das erste Cover viel mehr über die Musik als das Reissue-Bild. Deshalb ist es auch alles andere als ein „Postkartenstereotyp“. Und wo Harfen ins Spiel kommen, denke ich seitdem immer nur an finnischen Jazz – und Alice Coltrane.

Heute Nacht bin ich zufällig über die Mediathek des SWR in den Galaabend zur Verleihung des baden-württembergischen Jazzpreises an Eberhard Weber geraten. Die ersten 40 Minuten kann man getrost wegklicken; da hört man sonst nur zum Teil schwer erträgliche Reden voller Selbstbeweihräucherung, Parteipolitik und Lobbyismus. Das Publikum ist entsprechend zurückhaltend. Doch dann steht Eberhard Weber auf, nicht ohne durch ein deutlich hörbares “o Mann“ ganz kurz und diskret darauf hinzuweisen, dass ein schwäbisch so harmlos klingendes „Schlägle“ auch ein schwerer Schicksalsschlag ist, zumal das Bassspiel unmöglich wurde. Doch innerhalb weniger Sekunden gelingt es Eberhard Weber durch seine heitere, lebendige Ausstrahlung und einige auch selbstironische Bemerkungen die Stimmung im ausverkauften großen Saal im Stuttgarter Theaterhaus völlig zu verändern. Leider ist das folgende Konzert nur bis zur Pause zu hören; den zweiten Teil scheint der SWR uns außerprogrammmäßigen Mediathekbenutzern vorzuenthalten. Schade; aber schon die ersten 45 Minuten lohnen sich. Die SWR-Bigband spielt zusammen mit einigen special guests (Gary Burton, Paul McCandless, Michael Gibbs) Kompositionen von Eberhard Weber, arrangiert u.a. von Rainer Tempel – durchaus gelungen. Mir hat sogar der Auftritt von Jan Garbarek gefallen, der zu einer Bandaufnahme Webers improvisierte und dabei in mir die Phantasie weckte, ihn in einer der kahlen, verpissten Stuttgarter Fußgängerunterführungen anzutreffen, das Saxophon nicht zu schön, sondern schön spielend, und vor sich einen Ghetto-Blaster mit Eberhard Webers Basslines.

2015 30 Jan.

A Day In The Life Of Chris Mullen

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I am sitting in this big office in the centre.
Famous marketing company.
Late night, lots of freelance over-hours behind me and i´m almost finished.
 
It is the first moment of the day that I take time to observe my surroundings. I´m designing a sleeping pill of 82 slides. Full of wonderful black and white tables and statistics. I hope they serve enough caffeine for the CEO-vultures that fly to London tomorrow morning and are going to devour this block of data-fetishm. The Head-Vulture of London is going to tell how they are going to save this old slowly-dying company. Around me are apple computers, mood boards, sketchpads, weird marketing ideas on paper and left-over tea cups of people that might not keep their job this year.
 
If you can, put this on now, preferably on your headphone. When you have, read further.
 
It is 10pm and there is no one around anymore. I put on the volume of the computer at 100%, go to youtube, and put on Eno. I take this moment to sit back in my chair and just observe this weird micro-world around me. The next 48 minutes, every object in this empty office resonates under the notes of Eno.

An hour later, I finish my presentation, shut down the computer and head for the reception. I talk to the receptionist to arrange a taxi i’ve been offered before. He asks me where I am from and shows me what he works on while doing a night shift. He repairs computers and watches movies on a separate TV-screen. He offers me to sit a chair besides him, we talk about his life and watch the monitoring-system of empty places in the office until the car arrives.
 
Half-a-sleep I am looking out of the window as we drive through a late-night centre of London, still full of people and lights. Over the Thames and back in my bed.
 
Chris

The Enchanted Path heisst mein Lieblingswein von Mollydooker.  (Neben Two Left Feet, Ole‘ Blue Boy und anderen Roten Australiern von Molly, in Aachen z.B. leicht zu erwerben in der Kleinmarschierstrasse bei „Aix Vinum“). So ein Zufall. Habe gar nicht an Rodgers & Hammerstein gedacht. Aber dazu später. Natürlich kann man hier den Southern Folk-Mix von Natalie Prass ins Spiel bringen, der sowohl handwerklich wie gefühlstechnisch alle Register eines feinen Wechselspiels von orchestraler Palette und privater Verwundbarkeit zieht. Liebesleid made in Virginia. ***1/2 Sterne Und so kommt es zu dem Kuriosum, dass die ersten drei  grösseren Songalben anno 2015 allesamt explizit, implizit Break-Up-Werke sind, zudem meine eigenen Vorurteile und flüchtig erste Wahrnehmungen deutlich korrigieren. Auch Björk schafft auf „Vulnicura“ trotz kleiner Abzüge in der Lyrik-Note etliche herrlich verdrehte Lieder. Liebesleid (Wundheilung) made in England.  *** Sterne. Den Vogel abgeschossen hat jedoch tatsächlich Bob Dylan, der hier mal die Lieder nicht hemmungslos dekonstruiert, wie er es seit Jahren so grossartig tut, im Gegensatz zu vielen anderen, die ihrer eigenen Vergangenheit lieber restaurativ entgegentreten und somit die Nostalgiequote nach oben schrauben. Nein, da lasse ich meine fehlende Zuneigung zu Frank-Sinatra gerne ruhen, der ja auch bevorzugt das Great Amercian Songbook anzapfte. Nach oberflächlichem ersten Hören zweier im Netz rumschwirrender Samtlieder ist schnell die Schwelle übersprungen. Ein Rückblick mit Klasse und alles andere als gegen den Strich gebürstete Songs. Liebesleid made in USA. Einst. Dazumal. Bob Dylan gelingt auch in den Nachwehen eines New Yorker Blizzards ein ziemlich grosser Wurf. Der seltsam unkalkuliert, weil so glaubwürdig, klingt. Mein erstes ****-Sterne-Song-Album. New lamps for old! new lamps for old! Herr Frost hat das zudem hervorragend produziert.  Und eine Patina hergestellt, durch welche die desolaten Waidwundgesänge von Frankie Boy neu auferstehen und sich die passenden Jukeboxen suchen in Downtown Manhattan. Wie schreibt es Alex Petridis so treffend im Guardian: „His version of Rodgers and Hammerstein’s Some Enchanted Evening takes a song about a burgeoning romance and ferrets out the misery buried in the lyrics. “Fly to her side and make her your own/ Or all through your life you may dream all alone,” he sings, but there’s a rueful quality to his voice that undercuts the carpe diem sentiment and a song cautioning the listener not to miss their chances suddenly becomes a song about missed chances.“ Wahrscheinlich schon jetzt die beste Rotweinweltmusik des Jahres. Lebensberatung, Musikberatung, Weinberatung. Viel mehr geht nicht:)


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