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Archives: Samstag, 3. Dezember 2022

 

The sensuality, the inventiveness – and the intricacies of a broad palette of moods and colors make „Overpass“ this solo bass work, recorded in Sao Paolo, Brazil, so outstanding. In his early years, Marc was captivated by listening to another solo bass album, meanwhile a classic, and for good reasons, Dave Holland‘s „Emerald Tears“.

 

 

 

 

1. Brian Eno – Foreverandevernomore (seine Stimme!)
2. Ströer Bros. + Howard Fine – Homeward (3.Teil einer Trilogie)
3. Kevin Morby – This is a photograph (tolles Singer/Songwriter Album)
4. Jun Miyake – Whispered Garden (Brasilien, Japan, Bulgarien)
5. Bill Callahan – Reality (wieder ein Meisterwerk von Bill Callahan)
6. Daniel Rossen – You belong there (Echos von Robert Wyatt)
7. Lambchop – the Bible (der Kosmos wird immer weiter)
8. Alanis Morissette – the storm before the calm (Überraschung, Ambient)
9. Wilco – Cruel Country (kann ich immer und immer wieder hören)
10. Alabaster de Plume – Gold (tolle Mischung)
11. Moonage Daydream – Music for the film (klasse Film, klasse Soundtrack)
12. Andrew Bird – Inside problems (klingt frisch)
13. Big Thief – Dragon New Warm Mountain I Believe in You
14. Ikarus – Plasma (ein bisschen, als ob Nik Bärtsch Meredith Monk träfe)
15. Joan as policewoman, Tony Allen, Dave Okumu – Solution is restless
16. Bill Callahan & Bonnie Prince Billy – Blind Date Party (eine tolle Idee)
17. Alt-J – the Dream (wieder einen Schritt weiter)
18. Trees speak – Vertigo of flaws (die längste CD, die ich kenne)
19. Nils Frahm – music for animals (Konsequent, still und eigen)
20. Robert Fripp -music for quiet moments (ca.8h, nomen est omen)
21. Enrico Rava, Fred Hersh – the song is you (ein Gewinn, in jeder Hinsicht)
22. Black Flower – Magma (Jazz, Äthiopien, Afrobeat)

 
 
Aus den Archiven, und persönliche Entdeckungen: Beatles – Revolver (2CD) (klasse Mix und schöne Extraversionen) /Ernest Hood – Back to the woodlands/Where the woods begin (Traumhaft, wie Neighborhood, nur anders)  / Neil Young – Toast (eine wirklich tolle Neil Young Platte) / Jennifer Maidman – Dreamland (früher Ian Maidman – D. Sylvian, R. Wyatt, Penguin Café Orchestra)

Stephen Hebditch, Autor des Buches „London’s Pirate Pioneers“, sagt, dass das Piratenradio – einst ein Hobby der Mittelschicht – Ende der 80er Jahre zu einem „städtischen Unternehmen für die Menschen geworden ist, die am meisten vom legitimen Mediensystem ausgeschlossen sind. Vor allem Londoner Reggae-Labels steckten eine Menge Geld in die Piraten. Als dann Acid House aufkam, gaben die Veranstalter ein Vermögen für die mit der Rave-Szene verbundenen Sender aus„. Ein Teil dieser Einnahmen deckte die Kosten für den Ersatz der von den Behörden beschlagnahmten Rundfunkgeräte. Größere Piratensender konnten jedoch „die Kosten für den Verlust eines Senders in nur wenigen Sendestunden wieder einspielen„.

Obwohl sie von der Regierung und den Medien als Gangster des Äthers verteufelt wurden, handelte es sich bei den Piraten um echte Gemeinschaftssender, die Musik spielten, die von den etablierten Sendern ausgegrenzt wurde. Die Piraten vertraten Minderheiten – vor allem schwarze Briten, aber auch andere Ethnien wie die griechisch-zypriotischen Londoner. Da Power aus diesem Milieu stammt, waren er sehr erfreut, als er in der ersten Ausgabe von „London Pirate Radio“ Adverts eine griechischsprachige Werbung für einen Schönheitssalon in Willesden Green hörte. Im zweiten Band findet sich eine ähnliche Werbung für ein Kebab-Haus in der Harrow Road neben Anzeigen für den Peckham-Dschungelclub Innersense im Lazerdrome und für den Dating-Service für Raver von Chillin‘ FM.

Die Kompilationen von „Death Is Not the End“ könnten als geisterhafte Audiokartografie eines verschwindenden Londons betrachtet werden, auch wenn das ein wenig gespenstisch und elegisch klingt. Vor allem aber sind diese Piratenspots fröhliche Erinnerungen an unternehmungslustigen Spaß, an junge Leute, die sich am Rande des Gesetzes eine schöne Zeit machen.

2022 3 Dez.

This year I went retro

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Im Februar diesen Jahres war der Schock doppelt groß. Der Angriff auf die Ukraine und die schnelle Zustimmung meines engeren Umfelds zur Waffenlieferung an das überfallene Land waren zu verarbeiten. Wir waren über 50 Jahre anders sozialisiert. Nie wieder Krieg – no war – give peace a chance. Ich rettete mich in die mir vertraute Musik, die mir ein Freund zusammenstellte. Wenn ich sie mir anhöre, werde ich schlagartig heiter, singe und swinge mit.

 

1. The Sound of silence.  Disturbed
2. I’m Alive. The Hollies
3. Because the Night. Patti Smith Group
4. For Mr. Thomas. Van Morrison
5. Try. Janis Joplin
6. Dead Flowers. The Rolling Stones
7. Sharkey‘s Night. Laurie Anderson
8. What‘s going on. Marvin Gaye
9. Backstage Pass. Mc Guinn, Clark & Hillman
10. My Back Pages. The Birds
11. Uncle John‘s Band. Grateful Dead
12. Somebody’s Baby. Jackson Browne

 

 

 

„A Charlie Brown Christmas“ vom Vince Guaraldi Trio geht natürlich immer. Aber wie sieht es mit Jazzalben auf, in denen nichts typisch Weihnachtliches klingelt, schellt und swingt. Als Teenager wünschte ich mir mit 17, 18 Jahren gerne Jazzplatten unter den Tannenbaum, in Jahren, in denen jedes Fest ein Abschied mehr von den Kindertagen war. Krame ich in einer fernen, sehr fernen Erinnerung, liegen da…warten Sie…ich muss das Bild etwas schärfer stellen…unter einer Kerzenschar und Lamettagefunkel, eine Schallplatte von Sonny Fortune und eine von Dave Liebman unter nadeligem Gehölz, beide aus dem von Micbael Cuscuna betreuten Horizon Label.

Ich hatte diese Alben nie zuvor gehört, und allein den knappen Anmerkungen und schillernden Namen vertraut, die ich dem „jazz by post-newsletter“ entnahm, der bald regelmässig aus  der Gleichmannstrasse 10 in München Pasing an all meine damaligen Wohnorte versendet wurde, erst nach Dortmund, später nach Würzburg und Gerbrunn und Bergeinöden. Natürlich wurden die beiden Platten schon  Heiligabend aufgelegt, und wie verzaubert sass ich da, als Dave Liebmans traumwandlerisch agierende Gruppe seine Version des George Harrison-Songs „Within You Without You“ darbot. Ich floss dahin. Aber auch Sonny Fortunes Album (beide kannte ich, glaube ich, vom wilden Miles Davis) traf ins Schwarze und Schneeweisse, und zwar mit  fliegenden Saxofontönen und  luftiger Rhythmik. Mir kamen beide Alben so weihnachtlich vor, einfach, weil sie melodisch waren, voller Entdeckungslust, und mich rundum erfüllten. Und beide waren üppig gestaltet, „gatefold“,  aufklappbar, voller Texte und Bilder!

Und genauso erging es mir, als ich gestern aus Helsini die Cd von Uusi Aika bekam, die Uusi Aika heisst, und gerade bei We Jazz Records herauskam. Ich hörte den knarzigen Konzrabass, das sanfte Fliessen der Melodien, das Rauschen von Wasser und Wind (und war einmal mehr hin und weg wie damals, in einem früheren Leben). Uusi Aika geht natürlich auch immer, aber, um sich mal was Gutes zu tun, und da ei nurnein kleines Risiko einzugehen: besorgen Sie Sie sich einfach  das Teil, das es auch auf dunkelgrünem Vinyl gibt, und spielen Sie die Musik zur Wehnachtszeit. Wenn das Fenster kurz mal auf Kipp steht, und sich dann im Garten ein paar Wölfe versammeln, haben Sie sowieso alles richtig gemacht.

P.S. Uusi Aika ist seelenverwandt mit „Universal Mind“ von Jone Takamäki, und „Nan Madol“ vom Edward Vesala. Endlos weite, finnische Horizonte! „Long  Before Our Mothers Cried“ und „Sweet Hands“ heissen die erwähnten „weihnachtlichen“ Alben aus den Siebziger Jahren, von Sonny Fortune und Dave Liebman.

2022 3 Dez.

Zwischendurch: Asmus Tietchens

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Ein Radiotipp: Anlaesslich des 75. Geburtstages des Hamburger Klangkuenstlers und Komponisten Asmus Tietchens hat der ORF ein einstuendiges Portrait gesendet. Eine Sendung von Heinrich Deisl und trotz des etwas eigenwilligen Fotos sehr hoerenswert.

Hier zu hoeren.

Und ja, ich weiss, dass ich vor langer Zeit einmal damit begonnen habe, Tietchens‘ Veroeffentlichungen chronologisch vorzustellen. Es geht weiter.

 


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