Manafonistas

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Archives: Mittwoch, 7. Dezember 2022

 


Wäre dies ein Musikrätsel im multiple choice-Verfahren, mit der Frage, wem aus der folgenden Künstlerschar der Titel des Albums mit dem Tunnel unter dem Ocean Boulevard zuzuschreiben sei, Jan Reetze wäre der Favorit: nur ein flüchtiges Huschen über die Liste, und er hätte Lana Del Ray identifiziert. Passt einfach perfekt zu ihren Erkundungen amerikanischer twilight zones. Nun ist dies aber kein Quiz, sondern das erste bedachte „sequencing“ meiner „Klanghorizonte“ vom 27. März. 55 Minuten statt fünf Stunden. Prime time. 21.05 Uhr. Fast all diese Arbeiten werden zwischen Januar und März veröffentlicht, und sind hier bereits sinnfällig, zumindest traumlogisch, geordnet. Das gar nicht imaginäre Zentrum wäre eine Passage aus  dem kommenden Album der Necks, die es ja bekanntlich selten unter 20 Minuten machen. Es muss schon noch verdammt gute Musik am Horizont auftauchen, um dieser Auslese den einen oder anderen Platz streitig zu machen. John Cale, James Yorkston, oder Robert Forster möglicherweise. Diese playlist in progress bleibt bis Ende März an diesem Ort. 

 

Yo La Tengo*
Eluvium
Anders Jormin
Meg Baird
Ryuichi Sakamoto
The Necks
Lana Del Rey
Ralph Towner
Jan Bang
Stephan Micus
Biosphere
Robert Forster

 

 

 

* everything you‘d want from a Yo La Tengo record at this stage: noise, tunes, tenderness, regrets, sage advice, goofiness, smudgy  motoric jams, yoyo moves, and an evening in Cologne in April.

2022 7 Dez.

Explosive Bilderpracht

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Als stünde man im Meskalin-Rausch auf einer Müllhalde: Jonas Burgerts Bilder erinnern an die Wiener Schule des Phantastischen Realismus, an Arik Brauer, Ernst Fuchs und Rudolf Hausner. Auch an Horst Janssen, Francis Bacon und Max Ernst, bei dem Grundierungen zur Bildfindung inspirierten. Hier jedoch brechen alle Dämme: bei Burgert ist es braun-grauer Modder-Schlamm, aus dem sich irrlichternd surreale Figuren herausschälen und in traumhafter Zwischenwelt agieren. Er malt mit virtuosem Furor, die Technik alter Meister kreuzt sich mit verspielter Abstraktion. „Stirb und werde“ auf der Leinwand, die ewige Metamorphose: wir sind gekommen, um zu gehen. Der kurzzeitige Philosophie- und Psychologiestudent fand Heimstatt letztlich nur im Schaffensprozess. Selbst eine Professur reizt ihn nicht, er will nur malen. Ihn interessiert der existenzielle Subtext seiner Bilder. Wer bist du, Mensch? Gnadenloses Diesseits, fernab von Transzendenz und jeglichem Heilsversprechen. Prinzip Hoffnungslosigkeit, die Magie liegt im Augenblick, in darwinistischer Emanation. Wer eingedenk solch explosiver Bilderpracht, die im Gedächtnis hängen bleibt wie ein verdammt guter Song, dann durch die Gegend zieht, auf moosbewachsenen Bäumen im trüben Novemberlicht plötzlich pink- und neonfarbene Trolle tanzen sieht, dabei an die Gnosis denkt, an Schopenhauers Schimmelpilz aus Menschtum auch, der sieht vielleicht das eigene Leben ebenso als immanente Urschlamm-Blüte: eine Kraft, die Höheres will, und sich doch stets im Niederen verrennt.

 

jonasburgert.de


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