Archives: Mittwoch, 3. Juni 2015
2015 3 Juni
Sidsel und Stian in Stockholm (ein Abend im Dezember)
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off
2015 3 Juni
„Special guest“ Barbara Gremm: eine Überlegung zur Minnelyrik
Manafonistas | Filed under: Blog,Musik aus 2012 | RSS 2.0 | TB | 10 Comments
Unzählige Mädchen meines Studiengangs stürzen sich auf die Seminare über mittelalterliche Liebeslyrik. Hohe Minne, niedere Minne: Verse über schöne Frauen, deren Tugenden, ihre roten Lippen, und glänzendes Haar.
Während meine Kommilitoninnen um mich herum dahinschmelzen, lässt mich dieses aussichtslose Schwärmen um die Damen des mittelalterlichen Hofes eher kalt.
Betrachten wir den Komplex der Minnelyrik doch einmal ganz nüchtern. Ein Sänger beobachtet eine Frau aus sicherer Entfernung. Er bewundert ihre Anmut und ihre Schönheit und dichtet deshalb süße Zeilen über seine Herzensdame. Natürlich ist ihm bewusst, dass er niemals ihre Gunst gewinnen wird. Er beklagt sein Leid, aber dennoch verspricht der Verliebte, niemals mit seiner Werbung aufzuhören, denn neben der Qual der unerfüllten Liebe bereitet es ihm größte Freude, diese unnahbare Frau zu ehren.
Wie rührend! Das muss wahre Liebe sein!“ – finden die Teilnehmerinnen des Seminars. Mir fällt dazu leider nur ein Wort ein: Stalking.
Ein Mann, der geradezu fanatisch an einer Wunschvorstellung festhält, obwohl er selbst bereits erkannt hat, dass es eben nur ein Wunsch ist und bleiben wird. Trotz dieser Erkenntnis lässt er nicht davon ab, sein Objekt der Begierde zu beobachten bis er jedes Detail über sie in Erfahrung gebracht – und natürlich besungen – hat.
So romantisch einige Menschen diesen Gedanken finden, mich schreckt es eher ab. Nicht, dass ich keinen Sinn für Romantik habe – ganz im Gegenteil. Allerdings muss ich zugeben, dass Punk-Poeten wie Blink182 ihre Gefühle auf eine schönere Art ausdrücken, wenn sie wie in „Rock Show“ das wunderbare Mädchen besingen, das von der Schule geflogen ist und mit dem sie nach Vegas ziehen wollen.
2015 3 Juni
Two people in a room (definitely not room 105)
Manafonistas | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 7 Comments
Two people in a room
Facial movements betray
A private display
Of nervous disorder
And mutual torture
Two people in a room
Bloody image is conjured
But no one is injured
The weapons are chosen
But the action is frozen
Two people in a room
Positions are shifted
The ceasefire uplifted
The lighting is fierce
It’s intended to pierce
Any cloak of deceit
And encourage retreat
And God they’re so gifted
My God they’re so gifted
2015 3 Juni
Room 105
Martina Weber | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Elektronische Revolution | 43 Comments
Es war nicht Nietzsche, aber ein anderer Philosoph, der schrieb, alles Unglück dieser Welt hätte seinen Ursprung in der Unfähigkeit des Menschen, allein in einem Raum zu sitzen. Ich denke manchmal eher daran, was für ein großes Glück es sein kann, zu zweit in einem Raum zu sein. Ich rede hier nicht von gutem Sex. Es geht um die Stunden danach, und davor. Es war um diese Jahreszeit, als es anfing. Wir hatten beide wenig Geld und kauften Lebensmittel beim Penny ein, der nur ein paar hundert Meter vom Studentenwohnheim entfernt lag. Auf dem Weg waren ein paar Kirschbäume, die damals ihre rosafarbenen Blüten auf den Gehweg warfen. Ich mochte die Atmosphäre im Penny nicht, aber mit P dahin zu gehen, das genoss ich. Niemand von uns hatte einen Computer oder einen Fernsehapparat, und über das Gemeinschaftstelefon im Flur konnte man nur angerufen werden. Wir arbeiteten beide gern abends, oft bis spät in die Nacht. Auf dem Tisch stand meistens eine Kanne Tee, deren Zubereitung ich gern P überließ. Er nahm die Blätter mit den Fingern aus kleinen weißen Papiertüten, auf die sein Teehändler mit einem schwarzen dünnen Filzstift mit selbstbewussten Schriftzügen die Namen der Teesorten geschrieben hatte. Mit P in einem Raum zu sitzen, während jeder in eine komplizierte Seminararbeit vertieft war oder einfach irgend etwas anderes las, gab mir eine innere Ruhe und Geborgenheit, die ich nie vorher erlebt hatte. Manchmal saßen wir nebeneinander an dem großen Schreibtisch, der zur Standardausstattung in diesen sehr zweckmäßig eingerichteten Zimmern gehörte. Oder er saß auf dem Bett, im Schneidersitz, während ich versuchte, es mir auf dem orangefarbenen Schalensessel aus Plastik bequem zu machen. Es war immer Hochsommer in diesem Raum, P saß da in seinem gebräuntem schmalen Körper und mit seinen weißen kurzen Sporthosen und irgend einem T-Shirt. Und die Gardinen waren dunkelgrün und ich mochte den Stoff. Es war mir klar, dass die Sache nicht von Dauer sein konnte. Irgendwann schaffte sich P einen Computer an. Ich zögerte noch. Mit elektronischen Geräten verändert sich etwas im Raum. Die Energie, die Aufmerksamkeit. Wenn einer vor dem PC sitzt, und der andere ein Buch liest, stimmt das Gleichgewicht nicht mehr. Du musst dann gegen den Sog konkurrieren, den das Gerät auf seinen Nutzer ausübt. Ich kaufte meinen ersten Computer, nachdem P aus dem Wohnheim weggezogen war.