Manafonistas

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Archives: Freitag, 23. Oktober 2015

2015 23 Okt.

Ein Hundeleben

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Erster Höreindruck: Laurie Anderson macht das, was sie schon immer am besten konnte: Geschichten erzählen.

Heart of a Dog ist der Soundtrack zu ihrem gleichnamigen Film, co-produziert von HBO und Arte, der dieser Tage in ausgewählten US-Kinos erschienen ist. Lolabelle, Laurie Andersons verstorbener klavierspielender Rat Terrier, ist der rote Faden. An diesem entlang meditiert die Künstlerin in 27 durchweg eher kurzen Tracks über den Terroranschlag vom 11. September 2001 (mit dem Laurie, wie überhaupt sehr viele Amerikaner, noch immer nicht durch ist), über den Tod ihrer Mutter, über aktuelle politische Themen, über die Absurditäten des Alltags, und überhaupt über Geburt und Tod und alles, was dazwischen ist.

Es gibt nur wenige gesungene Stücke, dafür viel Text, der über musikalische Hintergründe, Klangcollagen und O-Töne gesprochen wird. Zum Soundtrack gehören Ausschnitte aus Laurie Andersons früherem Programm Homeland, aus den Alben Bright Red und Life on a String sowie aus Landfall, ihrer Zusammenarbeit mit dem Kronos Quartet. Einige der Stücke scheinen Livemitschnitte zu sein.

Das letzte Wort hat Lou Reed, dessen „magnificent spirit“ die Platte auch gewidmet ist.

Late Night Music, zum Zuhören.

2015 23 Okt.

Sechs Marginalien

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1) Durch Zufall entdeckte ich vor Monaten die fantastische Saxofon-Solo-Platte ALWAYS von Matana Roberts, die mir jetzt, von einem Idioten, aus meinem Auto während eines kurzen Tankstellenaufenthalts geklaut wurde (in der entwedeten Tüte waren neben Matana Roberts noch eine Vio-Wasserflasche, ein Nasenspray, und die Süddeutsche Zeitung). Die Harmonia-Box, die mir Groenland Records für meine Weihnachtssendung geschickt hatte, liess der Vollpfosten genauso unangetastet wie den Navigator im Handschuhfach.

2) In der Dezemberausgabe von UNCUT singt der von mir von kleinauf geschätzte Richard Williams ein hohes Lied auf die Beatles 1+-Box mit jeder Menge Filmmaterial und neuen Stereomixen der No. 1-Hits. Den Sensurround-Mix nennt er „excessive“, und meint das nicht abwertend. Dieses Gesamtpaket hat ihn von der Couch gehauen.

3) Es ist nicht so verwegen, meine Top-14 schon so früh zu posten. Nichts, was ich da noch angekündigt finde, scheint eine relle Chance auf meine vorderen Ränge zu haben, ausser vielleicht „Kannons“ von Sunn O)))

4) Ich empfinde True Detective 2 so ungeheuerlich wie True Detective 1, auch wenn die ganz anders gelagerte Story der zweiten Staffel weniger auf „äussere“ Spannung setzt. Alles geht darnieder. Ich gucke sehr wenig Fernsehen, ich gehe kaum ins Kino, und habe die Mutter aller Serien gesehen, „Sons Of Anarchy“. Davon wird vor Weihnachten zu reden sein, unter dem Titel „Dr. Egon Werlich und die Söhne der Anarchie“. Ähnlich herausragend: „Justified“, alle sechs Staffeln, „Fargo“, „The Red Road“, „Black Sails“, „Homeland“, „The Americans“. Wenn möglich, in der Originalsprache sehen.

5) Ich werde öfter gefragt: wie heisst dein Lieblingsthriller des Jahres. Meist mache ich dann ein unschlüssiges Gesicht, nicht so 2015. „Mockingbird Songs“, von R.J. Ellory. Die Zeitreisen von William Shaw ins London der Beatles und Stones anno 1968 sind aber auch grosse Klasse. Und einiges entgeht einem sowieso.

6) Erwähnte ich Harmonia? Eine der Schallplatten der Box enthält erstmals veröffentlichte Tondokumente von Harmonia, live aus der Hamburger Fabrik und Onkel Pö. Bei einem der beiden Auftritte aus den Mittsiebzigern war ein Manafonista dabei, und ich hoffe auf seinen Augenzeugenbericht in meiner Weichnachtssendung.

2015 23 Okt.

Trumscheids Mail

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Guten Tag, ich bin Karl Trumscheid. Ich las hier einen leider wieder verschwundenen Text, in dem ein King Crimson-Konzert in den neunziger Jahren kurz angerissen und in den Himmel gehoben wurde. Da fiel mir mein alter Text zu „THRAK“  ein, und wo es doch in Kürze eine tolle „THRAK-Box“ geben wird. War in den siebziger Jahren nach der LP „RED“ das erste Mal Schluss, schrieb ich da, meldeten sich King Crimson 1981 mit „Discipline“ zurück und hatten enorm am Sound gefeilt. Ohne das wunderschöne Mellotron, dafür mit zwei Gitarristen (Fripp und Adrian Belew), Bass (Tony Levin) und Schlagwerk (Bill Bruford) wurde ein abwechslungsreicher Stil kreiert, der sich durch schöne, melodiöse Songs und rhythmisch vertrackte, extrem virtuose, groovige und am Beat der Achtziger orientierte Kompositionen auszeichnete. Nach zwei weiteren Alben befand der Meister, dass man sich wieder in einer künstlerischen Sackgasse befand und löste seine Truppe auf. 1995 meldete man sich dann mit „THRAK“ wieder. Das Konzept wurde weitestgehend aus den achtziger Jahren übernommen, der Sound wurde nur noch druckvoller, die Melodien (meistens von Belew) noch schöner und die Formen noch vertrackter. Das beeindruckend Neue ist hier, dass die Band aus zwei Gitarristen (Fripp, Belew), zwei Bassisten (Levin und Trey Gunn) und zwei Schlagzeugern (Bruford und Pat Mastelotto) besteht, die sich auf dem Album gegenseitig die musikalischen Bälle zuspielen und wunderbar harmonieren. Das Album ist ein phantastischer Mix aus Songs, polyrhythmischen Kollektivimprovisationen und hartem Gitarrensound, der durch ein solides Bass/Schlagzeug-Fundament gestützt wird. Für KC-Fans ein Muss, für Neueinsteiger, die progressive Musik im modernen Soundgewand suchen, sicherlich sehr empfehlenswert. Für die alten Hasen, die den Klang der Siebziger mit viel Bläsern oder Geige und Mellotron suchen, nicht zu empfehlen, obwohl in jedem Stück der Geist der Siebziger mehr als präsent ist, eben nur anders angezogen. Mit besten Grüssen, K.T.

 

 
 
 

Composed in the aftershadow of SUNN O)))’s most recent successes in immersive collaboration – the group having worked with Scott Walker on Soused, and Ulver on Terrestrials in 2013 and 2014 – and also from the broad and influential wake of their epitomic Monoliths & Dimensions, Kannon emerged both independently as a conceptual entity and with roots in the legacies of those projects, yet was fully realized years later in 2015. The album consists of three pieces of a triadic whole: „Kannon 1, 2 and 3.“


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