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Archives: Freitag, 10. Oktober 2014

In Chaville, dem Wohnort von Handke, wartete ich einmal einen halben Nachmittag auf ihn. Ich setzte mich an den hinteren Tisch der trostlosen Bahnhofskneipe und wartete vergebens. Modiano laesst seine Verlorenen oft in Cafes, Bars, Hotels, Kneipen ausruhen, um an diesen Orten in schattiger Stille darueber nachdenken zu koennen: Wie gehts jetzt weiter? Und der implizierten Antwort: es geht nicht weiter. Deswegen der Literaturnobelpreis auch fuer diese Melancholiker.

Ich habe drei Buecher von Modiano gelesen:

 
Aus tiefstem Vergessen

Eine Jugend

Im Cafe der verlorenen Jugend

 
Mich interessieren seine Buecher ueber das Vergessen, das Juedische nicht. Mich machten seine Buecher auch nicht suechtig. Aber wer in den spaeten 60ern am Rive gauche war, dort herumlungerte, an der Seine sich verliebte und tagelang nach den blauen Augen und dem Provoohring suchte, der weiss, um was es in Modianos Buechern geht. Es sind Liebesgeschichten, die ein romatisches deja-vu erlauben, die einem erneut auf die Suche nach dem weissgekleideten Amsterdamer schicken und nach Aufklaerung verlangen, die man nie bekommen soll.

Diese drei Buecher sind eine Wiederholung der immer gleichen Befindlichkeiten [ wie Hardy sie besingt], gewissermassen „Stiluebungen“ wie Queneau sie an der Geschichte mit dem Autobus S ausprobiert und wie sie Handke nie schreiben koennte, weil Modiano eine sehr kurze klare Sprache pflegt.

 

„Sept cent millions de chinois

et moi et moi et moi …“

„J’y pense et puis j oublie

c’est la c’est la vie …“

(Jacques Dutronc)

2014 10 Okt.

Zehn Zehn Vierzehn

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In Wien muesste man wohnen ! Denn dort kuratiert Peter Handke morgen beginnend fuer das METRO Kinokulturhaus eine Reihe mit fuer ihn wichtigen Kinofilmen, u.a. „How Green Was My Valley“ und „The Man Who Shot Liberty Valance“ – beide von John Ford. Aber auch „The Soul Of A Man“ von Wim Wenders; „Cluny Brown“ von Ernst Lubitsch und „Mouchette“ von Robert Bresson.

Was an den Zauber und Faszination von Kinofilmen erinnert bevor die Action-, 3D- und duemmlich-suesslichen Teenagerkomoedien die Ueberhand nahmen.

Das fragte gestern im Mittagsradio der brennend interessierte Moderator, der im Zuge erster Begeisterung resp. dezenten Nachfragens selbst von Kennern wie Lajla und Neugierigen wie Martina als „Mondiano“ bezeichnet wurde. Die Literaturexpertin korrigierte den Fragesteller nicht direkt, aber sagte den Namen dann extra oft, als Wink mit dem Zaunpfahl. Und der Moderator sagte trotzdem weiter Modanio, Modanio, Modanio. Ein Erinnerungskünstler sei Modiano, sagte die Expertin, und bei den Manafonistas haben gewiss Gregor und Lajla (dann komme ich) die meisten Bücher des Pariser Flaneurs gelesen, der, mit skizzenhaftem, beiläufigem, schwebendem Ton arbeitet. So könne man diesem Modanio also näherkommen, sagte der wissbegierige Moderator, der hierzulande im Hanser Verlag seit Jahrzehnten verlegt wird. Rezensenten sprechen seit Jahr und Tag auch vom „Modiano-Sound“, weil seine Sprache nach wenigen Sätzen so erkennbar ist wie die von Thomas Ponchyn. Piet-Patrick Mondriano, das ist der vollständige Name dieses alles anderen als mondänen Autors, der immer nur kurze Bücher schreibt, weil er so viele Sätze streicht. Und der nachfragende und am Schluss den Namen einmal (!) richtig aussprechende Moderator wird sich heute bestimmt einen kleinen Band des Wortmalers mit den streng kolorierten Vierecken besorgen.

Les Belges … paff 5
 
FLAT EARTH SOCIETY
 
 
 

 
 
 
VIDEO
 
Song on Il Duce: Too sublime in sin – Kennedy Center (2011)
 
 
 

 
 
 
solo: Berlinde Deman, tuba
 
 
 

 
 
Photo Deman ©FoBo_HenningBolte


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