Manafonistas

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Archives: Donnerstag, 9. Januar 2014

2014 9 Jan.

Ghosts And Undercurrents

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– Michael, did you already listen to a fantastic singer/songwriter album that will come out in January?

– Yep, Trevor, let’s say one is really good, and one is fantastic. You want to include very experimental song albums, too, I assume?

– Of course, of course.

– Good, now here comes the surprise: both of my favourite albums of the moment are very, very traditional. They are both so much rooted in tradition that they could have been done decades ago.

– So you don’t speak of East India Youth, this Doyle guy? Nearly everybody’s singing his praise. Me, too.

– I cannot say much about „Total Strife Forever“. Just have heared one track today, in the web. Promising, but still don’t know if that will be a „grower“. For sure, it’s 400 % more experimental than my favourites.

– Now c’mon, tell me the good one!

– Well, it has a strong Nashville vibe, and I’m not normally looking for strong Nashville vibes. Some of the songs are quite conventional, even in ther lyrics, some are outstanding. Songs in Cinemascope, black and white. Doug Paisley is from Canada, and I enjoy listening to „Strong Feelings“ on long car rides. It’s a red wine- and candlelight record, too. Revealing more and more subtleties with every listening. The trick of things that are deceptively simple.

– And the fantastic one?

– It’s from a woman. Whenever I had heared her in the past, I never liked her singing too much. Seemed to be too close to the old ways of Country, for my ears at least. Nothing subversive, too close to the formula.

– And now?

– And now I do listen to the new album, it’s the voice I remember, the music is – again – very traditional, a bit of Country, a bit of Gospel, a bit of Rock, a bit of everything, I normally hate these tastefully mixed bags, but now I’m stunned. I don’t want to miss a single line, no fucking conventional chord… the songs blow me away.

– A change of your taste?

– No, no. I think she has just performed the best songs of her life. She has even written some of them with her husband, I mean this is not my ideal of a unique personal vision. So what? I really want to creep under the skin of every song, you know, breathe them in. And the voice has changed, apart from growing older. It has become slower, even in the up-tempo passages. It’s Rosanne Cash and her album „The River & The Thread“. I fell in love with it from one moment to another, it’s definitely deep music. Not a single weak song. Give it a try, Trevor, it works with your favourite Scotch, too. But be sure the lights are dimmed! Well, to be true, It’s one of these archetypal late night albums that even deliver their full full emotional impact in full daylight! There are ghosts in these tracks, ghosts, undercurrents, killing verses that come with a smile.

2014 9 Jan.

Kinoempfehlung fürs Wochenende

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Mehr als 45 Jahre ist es her, da konnte die französische Fernsehserie „Belle & Sebastian“, die auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Cécile Aubry basiert, auch beim deutschen Publikum Anklang finden. Jetzt versucht Regisseur Nicolas Vanier („Der letzte Trapper“) mit seiner Leinwandversion das gleiche Kunststück noch einmal. Tatsächlich bringt der Film alle Voraussetzungen für ein substanzielles Kinoerlebnis mit. Die Landschaftsaufnahmen aus den französischen Alpen erinnern an Jean-Jacques Annauds Naturereignis „Der Bär“. Die im Hintergrund erzählte Geschichte von mutigen Franzosen, die ihre jüdischen Mitbürger unter eigener Lebensgefahr während des Zweiten Weltkriegs durch Schnee und Eis in die sichere Schweiz brachten, ist auf emotionaler Ebene durchaus mit Louis Malles Meisterwerk „Auf Wiedersehen, Kinder“ zu vergleichen. Hinzu kommt noch, dass Vanier für seine Figuren, die er allesamt glaubwürdig zeichnet und mit Tiefgang und Konturen ausstattet, die perfekten Protagonisten gefunden hat. Ganz grossartig der Hund, der (wäre er im Rennen gewesen) den Golden Globe weitaus mehr verdient hätte als der unvermeidliche Leonardo für seinen jüngsten Filmauftritt.

2014 9 Jan.

„Kein Grund, beruhigt zu sein“

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Scott Walker wird heute einundsiebzig Jahre jung. Für mich ist er  einer der grossartigsten Komponisten unter der Sonne. Dass mit dem Alter die Radikalität zunehmen kann, statt der endlosen Feier eines abgelegten historischen Egos, hat er allen gezeigt. Meine Lieblingsplatten: BISH BOSCH, THE DRIFT, TILT, CLIMATE OF HUNTER, SCOTT 4, SCOTT 3, SCOTT 2.

Der neue Stoff kommt aus Kalifornien. Schliesslich habe ich mir vor Jahren eine multiple Analgetika-Allergie eingefangen, was im Klartext heisst, dass ich im weiten Feld der Schmerzmittel nur Paracetamol und Morphium und seine Derivate vertrage. Da aber in meinem leicht unangenehmen Nierensteindesaster von 2012 Novalgin das Mittel der Wahl sein sollte, liess ich es mir, da dies als letztes noch nicht auf allergische Potentiale getestet war, verabreichen, der Brutalschmerz löste sich in Luft auf, leider verschwand ich selbst dabei auch fast von der Erdoberfläche. Das Asthma breitete sich in Minutenschnelle aus, und hochdosiertes Cortison konnte das Schlimmste verhindern. Jetzt habe ich einen Arzt gefunden, mit dem ich meine Möglichkeiten im Umgang mit Schmerzen (Desensibilisierung) erörtern werde. Da auch dem guten alten Marihuana in bestimmten Fällen schmerzlindernde Qualitäten zugeschrieben wird, lasse ich mir für den privaten Gebrauch bestes Gras aus den kalifornischen Bergen zusenden, natürlich nur für den therapeutischen Zweck. Ich rauche nicht, ich trinke nur selten etwas, und dann fast nur Rotwein von meiner Lieblingsranch aus New South Wales. Und gekifft habe ich auch nur ca. zehnmal in meinem Leben, ohne dass ich das je beeindruckend fand. Aber jetzt kommt ja auf verschlungenen Wegen, zu einer Berghütte im Sauerland (ich teile sie mit dem Club der unermüdlichen Spaziergänger) eine Lieferung der feinsten Art. Kein Duchschnittszeug, kein Wegschädler. Ich komme darauf, weil mich vor einer Woche ein kurzer Schmerz durchfuhr, unter der Dusche, die Quelle schien mein Hoden zu sein. Tatsächlich verspürte ich dann, wer spielt schon regelmässig mit seinen Eiern, dass mein rechtes grösser als mein linkes schien. Geschwollen! Mir fielen gleich zwei Menschen ein, die das Zeitliche mit Hodenkrebs gesegnet hatten, und ich war irritiert. Sofort recherchierte ich mit den noch klar agierenden Teilen meines Verstandes nach dem besten Urologen Deutschlands, und besorgte mir einen Eil- und Nottermin. Ganze Arbeit: der Mann vereinte alle Qualitäten, die einen guten Arzt ausmachen: Sachlichkeit, Empathie und Humor. Er ist zwar Schalke-Fan, aber wenn man ehrlich ist, gehört das zu den verzeihlichen Sünden. Auf jeden Fall bekam ich einen gründlichen Einblick in meine Ultraschallverhältnisse, und auch das professionelle Abtasten meines Hodens gab zu besten Hoffnungen Anlass. Eine hypochondrische Attacke? Womöglich. Ich bin übrigens tatsächlich der Meinung, dass nichts über einen klaren Geist geht, und dass einen Musik allein (ohne Drogen) an die aufregendsten Orte transportieren kann. Aber der klare Geist und ein natürlicher Rauschzustand (Euphorie, Meditation, Glückseligkeitsmomente, tiefes Gefühl der Verbundenheit mit ausgewählten, anderen Wesen) schliessen sich ja auch nicht aus. Also sitze ich jetzt auf meiner Hütte, habe meine Holzpfeife bekommen und genaue Anweisungen. Im ersten Traum nach meiner Bergankunft fuhr ich mit den Eagles durch einen verlasssenen Teil Arizonas. Zu diesen verrückten Bäumen, dort, wo sie nach einer durchwachten Nacht die Fotos zu einem berühmten Albumcover schossen. Einer aus der Band schlich um die Bäume und fiel in eine Mulde. Der Adler, der über ihm kreiste, schien grimmig zu frohlocken – Du, ein Adler? Vergiss es! Ich war nie sonderlich an dieser Band interessiert, doch hat die brilliante BluRay „The Story of the Eagles“ mir da ein Fenster geöffnet: eine schmerzhaft ehrliche Dokumentation von Höhenflügen und Abstürzen (wahlweise in die die Hölle oder die Mittelmässigkeit). Am ersten Tag nach meiner Ankunft hier (nicht weit von der Balver Höhle, wo früher ein berühmtes Jazzfestival war), legte ich an die zwanzig Kilometer zurück, bergrauf, bergrunter, mit etlichen Kunstpausen. In einer Talsenke hörte ich einen Menschen brüllen. er beschimpfte einen Hund ohne Unterlass, der auf seinen Pfoten hockte und nur hilflos auf den Mann starrte. Der Typ (der, wie bald klar wurde, den Hund entführt hatte) war ein verrunzeltes dickes Männchen, das dem Tier mit sinnlosen Hassattacken zusetzte. Ich sah zu spät, wie er eine Schusswaffe zog, und ihm, begleitet von diversen Verwünschungen, in den Kopf schoss. Im Nu war war ich bei dem Hutzelmännchen, und brach ihm mit einem Tritt die rechte Kniescheibe. Der Hund war tot, sein Entführer wandt sich unter Schmerzen. Mit einem weiteren Schlag brach ich ihm die Nase, stellte sicher, dass er bei Bewusstsein blieb, und benachrichtigte mit seinem Handy den Rettungsdienst. In der Hütte stellte ich mich unter die eiskalte Dusche. Und hörte „Hotel California“.


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