Zuletzt sah ich David Crosby in einem Swimmingpool, im Laurel Canyon, das war so 1971 herum, und ein paar attraktive Frauen schwammen im Pool, und er wirkte bekifft, die Augen waren glasig, es war nur eine kurze Szene, aber vielsagend, in einem Film, der die Geschichte erzählte, wie Kalifornien in kurzer Zeit mit seiner gesammelten Songwriter-Zunft Musikgeschichte schrieb, und heute hörte ich sein neues Album CROZ, und es ist natürlich altmodisch, und Fans werden sagen, zeitlos, aber beim ersten Hören gefiel mir so manche Atmosphäre, nichts Berauschendes, Liedertagewerk, with a beating heart, und Wynton Marsalis (der bornierte Jazzbulle) und Mark Knopfler brauchte ich in diesem Leben auch nicht mehr, nicht mal als Gastmusiker, aber dann war da dieses eine bewegende Lied, MORNING FALLING heisst es, oder FALLING MORNING. Und ich zähle dieses Geisterlied einfach mal zu seinen besten Songs überhaupt. Diese Platte hat, im besten Sinne, „ihre Momente“. Ganz gleich, wie gediegen die Studioproduktion insgesamt ist, ich höre dieser Stimme gerne zu. Und manche Echos von 1971 wollen nicht verklingen. Und das hat durchaus was Gutes.
Archives: Mittwoch, 29. Januar 2014
2014 29 Jan.
Hinaus in die Nacht
Henning Bolte | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Do Not Go Gentle Into That Good Night, Dylan Thomas, Eggs Laid By Tigers, Jonas Westergaard, Martin Dahl, Peter Bruun, Simon Toldam, Under The Mile Off Moon | 8 Comments
Eggs Laid By Tigers vorigen Sommer in Kopenhagen: ebenso verblüffende Metamorphose wie gelungener musikalischer Rollenwechsel.

Wo sonst avancierter Jazz klingt, stimmen drei Musiker auf einmal in close harmony wunderbare, ergreifende Songs zur Gitarre an – so, als sei Levon Helm auferstanden. Essentiell, mit tiefem musikalischen Gefühl. Der Leadsänger entpuppt sich als der reichlich bekannte Wahlberliner Jazzbassist Jonas Westergaard. Und dann auf der spanischen Gitarre der gleichfalls bekannte dänische Jazzschlagzeuger Peter Bruun.
Dazu Rockgitarrist Martin Dahl und – hauptsächlich an einer alten Philips Heimorgel – Jazzpianist Simon Toldam. Es sind straight songs, kompakt und schillernd in den Moods. Und die Texte, die sie singen?
Lie still, sleep becalmed, sufferer with the wound
In the throat, burning and turning. All night afloat
On the silent sea we have heard the sound
That came from the wound wrapped in the salt sheet.
Under the mile off moon we trembled listening
To the sea sound flowing like blood from the loud wound
And when the salt sheet broke in a storm of singing
The voices of all the drowned swam on the wind.
weiter
Es sind Zeilen aus dem Gedicht Lie Still, Sleep Becalmed von Dylan Marlais Thomas (1914-1953). Dessen Deliriker-Image kennen Leute mehr als seine Gedichte, über die ihm selbst entfiel, sie seien von Tigern gelegte Eier. Thomas verliert sich bis heute einfach nicht im Vergessen – auch dank des jungen Mannes aus Duluth in Minnesota, der sich einen Teil von dessen Namen entlieh.

Gesang und Songform machen Sinn, liegen sie doch nahe an den Qualitäten von Thomas’ eigenem Vortrag, einem mündlichen Vortrag, der seinen Ruhm wesentlich mitbegründete. Er zog schliesslich deklamierend herum, bevor ihm die Lungen im Chelsea Hotel in New York versagten. Gesang und Songform verleihen dem Werk von Thomas im 100. Geburtsjahr eine grossartige zusätzliche Dimension.

Das erste Album der Dänen Under The Mile Off Moon ist gerade international auf CD erschienen (die Vinyl-Fassung war auf Manafonistas schon eher angezeigt worden), ein zweites Album ist gerade entstanden. Und hier im Vorlauf ein besonderes Stück Tafelmusik in der Küche von Thomas’ Geburtshaus im walesischen Swansea. Angestimmt von Jonas Westergaard, Martin Dahl und Simon Toldam: Do Not Go Gentle Into That Good Night.

Erst war da der Text
Do Not Go Gentle Into That Good Night
Do not go gentle into that good night,
Old age should burn and rave at close of day;
Rage, rage against the dying of the light.
Though wise men at their end know dark is right,
Because their words had forked no lightning they
Do not go gentle into that good night.
Good men, the last wave by, crying how bright
Their frail deeds might have danced in a green bay,
Rage, rage against the dying of the light.
Wild men who caught and sang the sun in flight,
And learn, too late, they grieved it on its way,
Do not go gentle into that good night.
Grave men, near death, who see with blinding sight
Blind eyes could blaze like meteors and be gay,
Rage, rage against the dying of the light.
And you, my father, there on that sad height,
Curse, bless, me now with your fierce tears, I pray.
Do not go gentle into that good night.
Rage, rage against the dying of the light.
Dann kam der Gesang
VIDEO

Die Eggs-Sänger-Musiker sind auf Fahrt und machen auch hierzulande in der ersten Februarhälfte halt (Berlin, Hamburg, Köln, Offenbach, Wuppertal).
