Ähnlich wie Labradford transportieren sie „Drones“, „Ambient-Unartiges“, Spuren von Morricone und Badalamenti (und noch ganz andere Seltsamkeiten) in abseitige Räume. Da sieht man schon mal Arvo Pärt grünen Tee trinken, und ein Schmunzeln über Brian Enos Gesicht huschen. Aber ich kenne nur ihre späteren Alben gut, nicht diese „slow, slow music“ aus dem Jahre 1996, in der ihre Welt noch vornehmlich aus Gitarren und Effektgeräten bestand. Die Horizont-Violinen und Horizont-Bläser späterer Werke konnte man sich in diesen rohen Räumen allenfalls hinzuträumen. Nun hat Kranky Records „The Ballasted Orchestra“ neu herausgebracht, und Mark Richardson dazu eine exzellente Besprechung geschrieben (s. review of the month). Die Musik ist seltsam widerständig geblieben, und das ist ihr Glück. Das Highlight: „Music for Twin Peaks Episode #30“. Und, wenn Sie, lieber Leser, einmal die Spur aufgenommen haben, landen Sie früher oder später dort, wo Stars of the Lid ihre Musik verfeinert, nicht vereinfacht haben, bei „The Tired Sounds of…“ oder „…and their refinement of the decline“. Aber auch diese Zeitreise in die Mitte der Neunziger Jahre lohnt sich allemal. Danach wollen Sie vielleicht wieder dem Mörder von Laura Palmer auf die Spur kommen, und Sie werden sich fragen, wieso es eigentlich so faszinierend war und immer noch ist, in David Lynchs TV-Serie einzutauchen, in der es fast ausnahmslos Verrückte und Verlorene gibt. Oder Sie kriegen, wegen all dieser weiten leeren Räume, in denen das Ego ein offenes Fenster im Nirgendwo ist, Lust auf das kleine Reclam-Heftchen „Philosophie des Zen-Buddhismus“ von Byung-Chul Han.
Archives: Freitag, 11. Januar 2013
2013 11 Jan.
„Stars of the Lid“ – a sense of vastness in the middle of nowhere
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog,Musik vor 2011 | RSS 2.0 | TB | Comments off
2013 11 Jan.
Gregor öffnet seinen Plattenschrank (33)
Gregor Mundt | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off
In den siebziger Jahren, da gab es in der Tübinger Hirschgasse Nr. 5 das Musikhaus Armin Keller noch. Keller war in Tübingen eine bekannte Musikergröße, er spielte Schlagzeug, gab Unterricht und betrieb einen Laden mit einem Kellergewölbe, in den man hinunterstieg und am liebsten gar nicht mehr nach oben wollte, denn dort unten lagerten unglaubliche Schätze, Schallplattenschätze. Hier konnte man wirklich auf Entdeckungsreise gehen. Damit ich als Student damals auch ja wirklich nichts verpasste, bezog ich mein JAZZPODIUM allmonatlich durch das Musikhaus Keller, was mir dann so nebenbei die Möglichkeit bot, dem Gewölbekeller einen Besuch abzustatten. 1977 oder 1978 war dann Schluss mit diesem wunderbaren Laden. Ein letzter Besuch in Armin Kellers Keller war Pflicht und fraß meine sämtlichen Ersparnisse auf. Ich kaufte damals unglaubliche zehn Langspielplatten am Stück, sechs davon waren so unvergesslich gut, dass ich sie heute noch nennen und empfehlen kann; alle fünf gibt es wieder zu kaufen, allerdings, wenn sie neu sein sollen, nur auf CD:

Da wären die auf einem Doppelalbum zusammengefassten Schallplatten Beck-Ola und Truth von Jeff Beck (guit.), Ex-Yardbirds, Ronnie Wood (bass), Rod Stewart (vocals), sowie Mick Waller/Tony Newman (Drums) und Nicky Hopkins (Piano). Diese Platten hören sich so frisch wie gestern gekauft an. Wunderbar diese Titel: I ain´t superstitious, Ol´man river, Greensleeves oder Rice Pudding.

Dann entdeckte ich Blues for Allah von der Gruppe Grateful Dead aus dem Jahre 1975. Ein Meisterwerk, eine wunderbare Platte, die mich anbrüllte „Nimm mich mit!“, ich konnte nicht widerstehen.
Eine Platte kaufte ich wegen des vielversprechenden Covers, ich kannte die Gruppe zwar schon, hatte aber noch keine Platte: Die Nitty Gritty Dirt Band, Plattentitel: Symphoniion Dream. Obwohl ich die Musikrichtung dieser Gruppe nicht unbedingt geschätzt habe (country-folk-rock), gefiel mir die Platte auf Anhieb wirklich gut. Auf dieser Scheibe spielen neben den beiden durchgängig regulären Bandmitgliedern Jimmie Fadden (guitar, harmonica, drums) Jeff Hanna (guitar, drums, vocals) Leon Russell, Linda Ronstadt und viele andere mit. Mein Lieblingstitel: Joshua come home.

Auch meine erste David-Bowie-Platte kaufte ich im Gewölbekeller bei Armin Keller. Young Americans war der Titel der Schallplatte, auf der auch John Lennon mitspielt und David Sanborn, der später im Jazzbereich sehr bekannt werden sollte.

Die vierte Platte, an die ich mich genau erinnere ist die von Lindisfarne, der Titel Roll on, Ruby aus dem Jahre 1973. Gleich für das erste Stück Taking Care of Business könnte ich mich noch genauso begeistern wie früher. 2005 kam diese Platte noch einmal als CD heraus, bei JPC kann man Kostproben hören.

Die beste Platte, die ich mir damals kaufte, sei als letzte genannt. Sie war damals und ist auch heute noch der Hammer, also ein echtes Meisterwerk. Neben Volker Kriegel spielen noch mit: John Taylor, Cees See, Alan Skidmore, Heinz Sauer, Albert Mangelsdorff, Eberhard Weber, sowie John Marshall und Peter Baumeister. Auch diese wunderbare Platte gibt es seit 2011 wieder als CD zu kaufen.

2013 11 Jan.
Fire! Orchestra (release date: today, on Rune Grammofon)
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off
No no, no review yet. I just got the promo copy, listened to it in my car at high volume, and was blown away. More explosive details later!
Some background information (s. blogroll)
Fire! Orchestra is a sonic behemoth comprising 28 members from Swedish jazz, improv and avant rock that should be unmanageable, but turns out to possess the elegance and lucidity of the righteous free jazz big bands of the past. Charlie Haden’s Liberation Orchestra. Carla Bley’s “Escalator Over the Hill”. Centipede. Sun Ra’s “Space Is The Place”. Chris McGregor’s Brotherhood Of Breath. Freddie Hubbard & Ilhan Mimaroglu’s “Sing Me A Song Of Songmy”. All these classic landmarks come to mind as you listen to their monumental “Exit!”.
“Exit!” was recorded in front of an over enthusiastic audience in January 2012 at the headquarters of Fylkingen, the legendary Stockholm avant garde music centre.
But before you go thinking this is an impenetrable free jazz meltdown, listen again. “Exit!” follows in these mighty footprints, but it’s also an odyssey that takes its own route, with post-rock/krautrock diversions along the way. There is a way in to “Exit!”, and the way out is clearly signposted. Fire! is all about burning up tradition and blazing new paths and fresh approaches in improvised music – approaches informed equally by garage punk, electroacoustics and the noise of heavy industry.
