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Archives: Dienstag, 29. Januar 2013

2013 29 Jan.

Die letzte Lanzarote-Geschichte

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In diesem entlegenen Dorf mit den schwitzenden Schatten und den weissen Mauern hat, direkt vor meinen Augen, ein paar Meter von meiner halb verspeisten gegrillten Seezunge entfernt, ein Surfer sein Brett abgestellt. Der Wellengang ist so lala, wir sind ja nicht in San Diego. Ich gucke eh nur zu, und bin die halbe Steilküste im Norden der Insel abgewandert, auch die Stelle, wo Pedro Aldomovar eine Szene seiner „Zerrissenen Umarmungen“ gedreht hatte. Der Surfer kommt aus Swansea, und so hatten wir gleich ein Fussballthema. Er hat in Deutschland studiert, und, spätestens, als er mir von seiner Liebe zur Musik von Tocotronic erzählt, wechseln wir ins Deutsche. Ich frage ihn, ob er das neue Doppelalbum dabei habe, und er sagt, klar, sogar richtig als CD, und er höre seit Tagen nichts anderes. Tocotronic-Freunde hören deren neue Platten am Stück, tagelang, ewig, die Texte von Dirk von Lowtzow erzeugen eine Sucht, in ihrer ganz besonderen Manieriertheit: was im ersten Moment wie eine Botschaft daherkommt, zerbröselt zu leerem Gedresche, um im nächsten Moment eine neue Sinnlichkeit zu enthüllen. Sie sind die grossartigste Schrammelband Deutschlands, und mischen in ihren 4-Spur-Primitvismus eine vielfarbige Wörter- und Empfindungswelt, die aus uns allen einen stimmgewaltigen Chor (am Ende der Welt, in fucking Lanzarote hinterland) macht, denn kaum Schöneres gibt es, als auf einem Tocotronic-Konzert (oder während die CD meines englischen Kumpels im Auto-Player liegt, zwischen Caleta de Famara und Tahiche) die Verse mitzusingen, in all ihrer Lust am Absurden und Verrückten dem Groove zu folgen, der erhebenden Melodie, welche all diese von Körperlichkeit, Gebrechen und psychedelischer Philosophie gezeichneten Lieder zum idealen Tanzmonster, Luftgitarrenstimulator und Bettgefährten vor einsamen Träumen macht.

 

 
 
 

Vinicius Cantuaria has always been going for low-key, and the art of suggestion. I saw him playing and singing in a band with violinist Jenny Scheinman at his side, and he was always arguing for doing less: less ornamentation, less improvisation, staying at the core of a song, for three minutes, forever. Should he want assistance, the Brazilian has a fine phonebook to flick through – Norah Jones and Ryuichi Sakamoto add piano (they are not doing anything wrong when they keep the saccharine factor low), long-time collaborator Bill Frisell provides guitar, and Jesse Harris sings, but this is primarily a solo project, with Cantuaria adding percussion (low key), keyboards (low key), and his own Caetano Velosoesque vocals (yes, low key, too). Then, in his role as co-producer, he turns the volume down as low as you can get without fading away completely and cutting out anything inessential to the point where the results weigh in at a shade under 30 minutes. As the names of his friends suggest, after more than a dozen albums in various guises, Cantuaria is an integral part of new York‘ newest wave of Brazilian jazz, influenced by much more than samba rhythms. But this newest wave is always connected to the oldest wave, believe me! This is no Saturday night Big Apple rave-up, but more a luxurious Sunday morning pick-me-up.

 


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