Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the day Dienstag, 4. September 2012.

Archives: Dienstag, 4. September 2012

Der Vortrag von Manfred Sarrazin fällt leider, leider aus.

Dienstag, 6. November 2012, 20 Uhr Vortrag

Manfred Sarrazin Kleine Einführung in den Kriminalroman

1810: Ein Pariser Berufsverbrecher gründet die erste
Polizeibehörde der Welt.
1829: Scotland Yard nimmt seine Arbeit auf.
1841: Edgar Allan Poe veröffentlicht die erste Detektiv-
geschichte überhaupt.

Damit fing alles an. Zum Entsetzen der Verteidiger des „Wahren, Schönen und Guten“ in der Literatur. Manfred Sarrazin watet eine Stunde lang durch die Untiefen wahrer und fiktiver Verbrechen. Manfred Sarrazin ist Inhaber der Krimibuchhandlung Alibi in Köln und Experte bei der telefonischen Mordsberatung von WDR 5. Er bezeichnet sich selbst als Serientäter. 

Buchhandlung Backhaus, Jakobstraße 16 • 8,- /6,- €

Es warten, zwischen dem 27. Oktober und 15. November, noch mehr „böse Überraschungen“ auf Sie: www.aachener-krimitage.de

P.S.: Gespräche mit Mr. Sarrazin in seiner Krimi-Buchhandlung machen mir Spass. Einen Roman, den er mir wärmstens, oder sollte man sagen, eiskalt empfohlen hat, war „The Lock Artist“ von Steve Hamilton. Und da waren wir uns völlig einig (was nicht immer der Fall ist): einsame Klasse. Das Buch erscheint am 2. November in deutscher Übersetzung: „Der Mann aus dem Safe“. Und ein Buch wird an dem Abend in der Jakobstr. gewiss zur Sprache kommen: „Tage der Toten“ von Don Winslow, das opus magnum des Amerikaners. Ach, ja, und auch diese Einstellung teilen wir: es kommen Jahr für Jahr viele exzellente Thriller aus Ami-Land! :)

1927: das war noch Stummfilmzeit. Könnten Sie eine Zeitreise antreten: was wäre das für ein Gefühl, sich in London auf einen alten Holzstuhl zu setzen, und mit lauter staunenden Menschen, die dicht an dicht gedrängt auf ihren Plätzen hocken, ohne Pop-Corn, Handyverbote und Cinemascope, THE LODGER von Alfred Hitchcock zu sehen, „a tale of the London fog“?! Man findet in diesem Film, kein Wunder, Elemente des stilbildenden expressionsistischen Horrorfilms deutscher Herkunft, zugleich ist dieses Werk einer der ersten Serienkillerfilme, und auch noch pures Melodrama. Volles Programm also für Alfred! Nun kann man diesen Film neu entdecken, denn am 24. September wird er, restauriert, in bestmöglicher Bildqualität, neu zu Markte getragen. Zudem kann man sich da alternativ einen neuen Soundtrack zu Gemüte führen, den Nitin Sawhney komponiert hat. Ein durchaus intelligenter Komponist, dessen bisherige Kreuzungen aus Elektronik, indischer Musik und allerlei anderen Zutaten allerdings oft geschmäcklerisch gerieten. Man darf gespannt sein, wie er an diesen alten Film herangegangen ist, der damals, 1927, gewiss auch einmal von einem Stummfilmpianisten begleitet wurde (als Alternative zu der alten Orchestermusik). Und ich ahne, ich würde so einem Klavierspieler, der mit einer leichten Alkoholfahne damals das „Camden Picture Theatre“ betrat und das böse Treiben eines Irren im Londoner Nebel vertonte, lieber über die Schulter schauen, als Sawhneys in aller Regel aseptische Klangwohltaten im „Home Cinema“ zu goutieren! Aber vielleicht überrascht er uns ja.

2012 4 Sep.

Durch Mark und Bein

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

Musizieren, improvisieren, komponieren: die pure Freude des Produzierens von Klängen. Man ist „im Sound“, im Nada Brahma – so verkündete es einst Joachim Ernst Behrendt etwas esoterisch und trotzdem zutreffend. Eine wirkliche Wohltat ist diese an Wollust grenzende Lust, selbst Klänge zu erzeugen. Dieses in die Klangwelt tauchen ist nicht regressiv, vielmehr reflexiv und progressiv, wenn es mit der Einbildungskraft gekoppelt ist: dem Drang, zu gestalten, sich selbst Ausdruck zu verleihen. Ein gewisses technisches Können ist notwendig, jedoch nicht wesentlich. Der Philosoph Byung-Chul Han hat es auf den Punkt gebracht – er selbst fand es bei Hegel:

Der Klang ist ein Phänomen der Innerlichkeit. Diese unterscheidet ihn vom „Geräusch“. Der „eigentliche Klang“ ist ein „inneres Beben des Körpers“, während das Geräusch ein „äußeres Beben und Tönen“ ist … Die Schwingung, die den Klang erzeugt, ist eine gegenwendige Bewegung von Weg-von-sich und zurück-zu-sich. Ohne das Streben-zu-sich geht der Körper durch die äußere Gewalt einfach zu Bruch. Da das Zurück-zu-sich gegen die äußere Einwirkung erfolgt, ist das „Insichgehen“ „negativ“. Die Kohärenz äußert sich also als Macht der Innerlichkeit. Sie befähigt den Körper dazu, gegen die äußere Einwirkung bei sich zu bleiben … So hat der klingende Körper eine Art Seele. Nur die Seele bringt einen schönen Klang hervor. So ist kein Geräusch schön. Schön ist für Hegel nur die in der Realität sich frei äußernde Innerlichkeit der Seele.“ (Byung-Chul Han, „Hegel und die Macht“)

Klar wird hier, was Innerlichkeit heisst. Sie ist kein Rückzug, sondern Bedingung für Kohärenz. Insofern gewinnt der Begriff „Macht“ eine positive Bedeutung: als eine das Individuum konstitutierende Negativität. Musizieren ist eine Möglichkeit, machtvoll in der Welt zu sein, Bilder malen wäre eine andere. Markus Lüpertz malt so. Unvergesslich folgende Szene aus einem Film: vier Schamanen treffen sich in einer Ebene der Mongolei. Sie kommen von weit her, alle aus verschiedenen Himmelsrichtungen. Sie haben viel erlebt, sitzen im Kreis unter dem weiten, freien Himmel und erzählen sich davon. Dann nehmen sie die Saiteninstrumente, spielen. Ihr Sound, er geht durch Mark und Bein.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz