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Archives: Mittwoch, 26. September 2012

2012 26 Sep.

London, 1993, allein im Pearl Hotel

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Kurz vor Mitternacht, die gesammelte Hitze des Tages kroch immer noch als Spätabendschwüle durch das gekippte Hotelfenster hinein, bekam ich eine Durstattacke, und suchte wie ein Wahnsinniger nach einem Soft Drink, fand ihn in der Kühlbox eines benachbarten Hotels. Am nächsten Tag sollte ich Brian Eno treffen, zu einem exklusiven Interview zu seiner CD „Neroli“. Im Untertitel nannte er sie „Thinking Music“, Teil soundsoviel. Als er Jahre zuvor an „The Shutov Assembly“ arbeitete, entstand ein Titel, der ganz explizit „Thinking Music“ hiess: Brian hatte mir die Kassette geschickt für eine Radiosendung mit unveröffentlichten Aufnahmen, und so lief einmal in den „Klanghorizonten“ dieser Titel, der nun als Referenz dient, für die neue Arbeit, „LUX“: in dem Stück, da vertraue ich jetzt ganz meiner Erinnerung, hörte man ab und zu jemanden, gedankenvoll, pfeifen. Es war kein Pfeifen der forschen Art, wie wir es von Liedern von Andrew Bird kennen, es war ein stilles Pfeifen, wie von einem Menschen, der von der Musik träumt, die gerade, um das Pfeifen herum, zu hören war. Wahrscheinlich träumte er gar von Klängen, die er nur teilweise fantasieren konnte, die noch ganz woandershin führten, und der Mensch, der vermutlich in einem Sessel sass, stand auf, verliess den Raum durch das Fenster und verschwand in einer subtropischen Sommernacht.

 
 
Brian Eno - Lux
 
 
The Play of Light
 
LUX is Brian Eno’s first solo album on Warp Records and his first solo album since 2005’s Another Day On Earth. It finds him expanding upon the types of themes and sonic textures that were present on such classic albums as Music For Films, Music For Airports and Apollo: Atmospheres and Soundtracks. Eno sees it as a continuation of his ‚Music for Thinking‘ project that includes Discreet Music (1975) and Neroli (1993).

LUX is one of Eno’s most ambitious works to date; it is a 75-minute composition in twelve sections that evolved from a work currently housed in the Great Gallery of the Palace of Venaria in Turin, Italy. The album is Eno’s third for Warp, following Small Craft on a Milk Sea (with Jon Hopkins and Leo Abrahams) and Drums Between The Bells (with Rick Holland).

Formats 
* Vinyl (Double 180g DMM-cut LP in gatefold sleeve with 4 x 300x300mm prints and download redemption code card) 
* CD (in gatefold sleeve with 4 x 120x120mm prints) 
* Download

2012 26 Sep.

Die Steely Dan Renaissance

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Den einen gilt sie als belanglos, anderen als vertraut und genial – oder aber als ein alter, abgelegter Hut: Musik von Steely Dan. Unsereinen jedenfalls trieben einst Songs wie „Peg“, „The Fez“ oder „Green Earrings“ in Ekstase und auf die Tanzfläche, im Maschinenhaus etwa, einer Bremer Disko in den Siebzigern. Unvergesslicher Moment auch: unterwegs mit Freunden, frischem Führerschein, Richtung Cote d´Azur. Durch Monaco dann – und im Rekorder läuft The Royal Scam. Meinte Kant so etwas mit Erhabenheit?

Becker und Fagen gerieten alsbald in Vergessenheit und andere Horizonte taten sich auf – Jazz, David Sylvian, südamerikanische Musik. Nach langem Schweigen erschien dann Two Against Nature – mit einer Renaissance von Songs, wie man sie unmerklich vermisst hatte: cool, witzig, funky, selbstironisch und sophisticated. Da waren Zwei zwar gegen die Natur, gehörten aber lange noch nicht zum alten Eisen.

Ein Song auf diesem Album heisst „Shame About Me“. Geschildert wird eine Situation, die auch bei einem Abituriententreffen stattfinden könnte. Ein wohl gescheiterter Schriftsteller („I´m writing on that novel, but i´m just about to quit“) trifft beim Herumflanieren auf eine Jugendfreundin, die längst zum Hollywoodstar avancierte. Nach ausgiebiger Plauderei ist sie es, die auf die Idee kommt, man könne doch mal eben ins Hotel gehen und die alten Zeiten wieder aufleben lassen.

Sie sähe zwar hinreissend aus, er aber fühle sich dem heute nicht mehr gewachsen, so seine Antwort: „Babe you look delicious and you’re standing very close – but like this is Lower Broadway and you’re talking to a ghost.“ Zeilen dieser Art und Güte sind es, die – neben delikatem Gesang, delikaten Gastmusikern (John Herington on guitar oder Chris Potter am Saxofon), ausgetüftelten, jazzigen Arrangements und glasklar abgemischten Sounds – solcher Musik etwas ewig Aktuelles verleihen.

Es sei am Rande erwähnt und ist doch von Bedeutung: ein gewisser Joey Sample, seines Zeichens Gitarrist, konnte nie gut E-Gitarre spielen – mit John Herington etwa nicht im Geringsten mithalten, weil: schlichtweg zu langsam (shame, shame, shame). Als er aber Walter Becker in diesem Song spielen hörte, beeindruckte ihn der verzögerte, funkige Anschlag und er hatte er ein Erweckungserlebnis: So spielen – das ist machbar!


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